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Full text of "Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft"

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Verhandlungen 

der 

Schweizerischen 



Naturforsclienden Gesellschaft 

in Winterthur 

den 30. und 31. Juli und 1. und 2. August 1904. 



87. Jahresversammlung. 



Winterthur 

Buclidruckerei von J. Kaufmanns Wwe. 

1905. 



ACTES 

de la 

Société Helvétique 

des Sciences naturelles 
de Winterthur 

les 30 et 31 juillet et 1 er et 2 août 1904. 



87 me Session. 



Winterthur 

Imprimerie Vve. J. Kaufmann 
1905. 



Verhandlungen 

der 

Schweizerischen 

Naturforschenden Gesellschaft 

in Winterthur 

den 30. und 31. Juli und 1. und 2. August 1904. 



87. Jahresversammlung. 



LIBRARY 

NEW YORk 

BOTANICA! 

GARDEN 

Winterthur 

Buchdrucker ei von J. Kaufmanns Wwe. 

1905. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Eröffnungsvortrag des Präsidenten, Herrn Prof. Dr. J. Weber in 

Winterthur 1 

Allgemeines Programm 17 

Programm der Hauptversammlungen und der Fachexkursionen . 20 

Protokolle. 

I. Sitzung der vorberatenden Kommission 25 

IL Hauptversammlungen 30 

III. Protokolle der Sektionssitzungen: 

A. Sektion für Geologie ; zugleich Versammlung der 
Schweiz, geologischen Gesellschaft 41 

B. Sektion für Botanik ; zugleich Versammlung der 
Schweiz, botanischen Gesellschaft 45 

C. Sektion für Zoologie; zugleich Versammlung der 
Schweiz, zoologischen Gesellschaft ....... 57 

D. Sektion für Chemie; zugleich Versammlung der 
Schweiz, chemischen Gesellschaft 60 

E. Sektion für Physik und Mathematik; zugleich Ver- 
sammlung der physikalischen Gesellschaft Zürich . 69 

F. Sektion für Medizin 78 

G. Sektion für Ingenieurwissenschaften 81 

Vorträge, gehalten in den zwei allgemeinen Versammlungen 
und Vorträge gehalten in den Sektionssitzungen. 

I. La Biométrie et les méthodes de statistique appliquées 
à la Botanique. Par R. Chodat, Genève ...... 85 

IL Le jubilé des palafittes. Par F. A. Forel, Morges . . . 103 

III. Ueber Erscheinungen der spontanen und der innern Oxy- 
dation. Von Prof. Dr. Ed. Schaer, Strassburg . . . . 113 

IV. Der Bau des Simplontunnels. Von Ed. Sulzer-Ziegler, 
Winterthur 128 

V. Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Simplondurchstichs. 

Von Prof. Dr. H. Schardt, Veytaux 172 



— VI — 

Seite 
VI. Das Kesslerloch bei Thayugen und die dortigen post- 
glazialen Ablagerungen. (Vorläufige Mitteilung.) Von 

Prof. J. Meister, Scbaffhansen 212 

VII. Das alpine Florenelement der Lägern und die Relikten- 
frage. Von Dr. M. Rikli, Zürich . T 221 

VIII. Die Alpenpflanzen des Zürcheroberlandes. Von Gustav 

Hegi, München , . 230 

IX. Die Dunkellage der Chlorophyllkörner. Von Dr. G. Senn, 

Privatdozent in Basel 244 

Bericht des Zentralkommitees und Berichte der 
Kommissionen. 

I. Bericht des Zentralkomitees und Auszug aus der 76. Jahres- 
rechnung pro 1903/04 257 

IL Berichte der Kommissionen : 

A. Bericht über die Bibliothek der Gesellschaft 1903/04 265 

B. Bericht der Denkschriftenkommission 272 

C. Bericht der Schläfli-Kommission 275 

D. Bericht der geologischen Kommission 276 

E. Rapport de la Commission géodésique Suisse . . . 283 

F. Bericht der Erdbebenkommission 286 

G. Bericht der limnologischen Kommission ..... 288 

H. Schlussbericht der Moorkommission 290 

J. Bericht der Flusskommission 294 

K. Bericht der Gletscherkommission 297 

L. Bericht der Kommission für die Kryptogamenflora der 

Schweiz 304 

M. Bericht d.Kommission für das Concilium bibliographicum 308 

Jahresberichte der verschiedenen Gesellschaften. 

A. Société géologique Suisse 315 

B. Schweizerische botanische Gesellschaft 319 

C. Schweizerische zoologische Gesellschaft 320 

Berichte der kantonalen Gesellschaften. 

1. Aargauische Naturforschende Gesellschaft 321 

2. Naturforschende Gesellschaft in Basel 323 

3. Naturforschende Gesellschaft Baselland 325 



VII 



Seite 

4. Naturforscheude Gesellschaft Bern 327 

5. Société Mbourgeoise des Sciences naturelles 330 

6. Société de Physique et d'Historié Naturelle de Geueve . 333 

7. Naturforscheude Gesellschaft des Kantons Glarus . . . 336 

8. Naturforscheude Gesellschaft Graubündens 336 

9. Naturforschende Gesellschaft Luzern 338 

10. Société neuchâteloise des sciences naturelles 340 

11. St. Gallische naturwissenschaftliche Gesellschaft .... 343 

12. Naturforschende Gesellschaft Schaff hausen 346 

13. Naturforscheude Gesellschaft in Solothurn . . ' . . . . 347 

14. Società ticinese di Scienze naturali 349 

15. Naturforschende Gesellschaft des Kantons Thurgau . . . 351 

16. La Murithienne, société valaisanne des sciences naturelles 352 

17. Société vaudoise des Sciences naturelles 354 

18. Naturwissenschaftliche Gesellschaft Winterthur . . . . 358 

19. Naturforschende Gesellschaft in Zürich 360 

20. Physikalische Gesellschaft Zürich 362 

Personalbestand der Gesellschaft. 

I. Liste der Mitglieder der Gesellschaft und der Gäste, welche 
an der 87. Jahresversammlung in Winterthur teilgenommen 

haben 364 

IL Veränderungen im Personalbestand der Gesellschaft . . 370 

III. Senioren der Gesellschaft 374 

IV. Donatoren der Gesellschaft 375 

V. Mitglieder auf Lebenszeit 377 

VI. Beamte und Kommissionen 379 

Nekrologe und Biographien verstorbener Mitglieder, 
pag. I — CLL 



Verzeichnis der Nekrologe. 



Seite 

1. Prof. Dr. Jean Dufour (1860—1903) I 

2. Prof. Dr. Wilhelm His (1831—1904) XIII 

3. Prof. E. Homer (1842—1904) XLI 

4. Dr. Mas Käch ^1875—1904) XLV 

5. Dr. August Kottniami (1846—1904) XLIX 

6. Carl Friedr. von Lilien cron (1834—1904) .... LIV 

7. Auguste Mayor (1815—1904) LVI 

8. Prof. Dr. Viktor Merz (1839—1904) LX 

9. Dr. Hermann Pestalozzi (1826—1903) CHI 

10. Dr. Leopold de Reynier (1808—1904) CV 

1.1. Fritz Riggenbach-Stehlin (1821—1904) CVHI 

12. Prof. Albert Auguste Eilliet (1848—1904) .... CXVI 

13. Prof. Charles Soret (1854—1904) CXXV 

14. Joh. Jak. Spörri (1834—1904) CXXXYII 

15. Prof. Dr. Fr.-W. Zahn (1845—1904) CXLH 



Ueber die Gebilde des Eiszeitalters 



in den 



Umgebungen von Winterthur. 



Vorgetragen 

zur Eröffnung der 87 ten Jahresversammlung der 

schweizerischen naturforschenden Gesellschaft 
in Winterthur 

von Julius Weber 
31. Juli 1904. 



Hochgeehrte Versammlung ! 
Verehrte Freunde und Kollegen! 



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NEW YORK 
BOTANICA! 



Zum zweiten Mal findet die Jahresversammlung der 
schweizerischen naturforschenden Gesellschaft in Winter- 
thur statt. Im Namen der naturwissenschaftlichen Ge- 
sellschaft dieser Stadt, im Namen desjenigen Teiles der 
Bewohnerschaft, der für Naturforschung Verständnis und 
Liebe hat, begrüsse ich die Anwesenden und heisse alle 
Teilnehmer herzlich willkommen. 

Zur Eröffnung unsrer Verhandlungen will ich zu 
Ihnen von den Spezialstudien sprechen, an denen ich 
seit mehreren Jahren arbeite, von den Gebilden des Eis- 
zeitalters in den Umgebungen von Winterthur.*) 

Die Stadt Winterthur steht auf deutlich horizontal 
geschichtetem Kies. Diese Schottermasse ist an mehreren 
Orten zur Gewinnung von Wasser für industrielle Ver- 
wendung bis zu ihrer Sohle hinunter durchbohrt worden. 
Die Anlage der Sodbrunnen hat ergeben, dass die Tiefe 
des Schotters etwa 25 Meter beträgt, und dass das Lie- 
gende aus dem grauen Sandstein der obern Süsswasser- 
molasse besteht. Durch die untersten Kiesschichten be- 
wegt sich ein bedeutender Grundwasserstrom in der 
Eichtung von Osten nach Westen.**) 



*) Vergi, die beigefügte Kartenskizze. 

**) Der erste Sodbrunnen wurde im Jahre 1855 von der Nord- 
ostbahngesellschaft errichtet. Seit 1859 benützt die Giesserei und 
Maschinenfabrik der Gebr. Sulzer einen Sodbrunnen für indu- 
strielle Zwecke. Seither sind von der Bad- und Waschanstalt, der 
Lokomotivfabrik, der Textilfabrik Karl Weber, sowie der Brauerei 
Haldengut für den technischen Wasserbedarf Sodbrunnen erstellt wor- 
den. (Alex. Isler: „Winterthur in Wort und Bild". Winterthur 1895.) 



_ 4 — 

In der horizontalen Richtung ist die Schottermasse 
zu einem flachen Feld ausgebreitet, auf welchem ausser 
Winterthur noch die Dörfer Wülflingen, Töss und Wiesen- 
dangen, sowie ein Teil von Yeltheim und Seen stehen. 
Am Ostrand, bei Seen, liegt die Oberfläche des Schotter- 
feldes 460 Meter über Meer, im Westen, unterhalb 
Wülflingen, erhebt sie sich bis 420 Meter. In dieser 
Richtung beträgt das Oberflächen gefäll des Schotter- 
feldes 7 %o. 

Aber auch westlich von Wülflingen , jenseits des 
Einschnittes des Tössflusses, befinden sich geschichtete 
Kiesmassen, die sich durch das Niederfeld und den 
Hard bis an den Fuss des Irchels hinziehen. Es ist sehr 
wahrscheinlich, dass diese Kiesmassen zum gleichen flu- 
vioglazialen Gebilde gehören wie die östlichen, es ist 
sehr wahrscheinlich, dass sie ein zum Teil abgetragenes 
Stück des ehemaligen, weiter westlich reichenden Schotter- 
feldes darstellen. Diese "Verhältnisse müssen indessen 
durch genaue geologische Untersuchungen noch eindeutig 
bestimmt werden. 

Die von Winterthur in westlicher Richtung hin- 
ziehende Zunge des flachen Schotterfeldes ist zwischen 
breite Molassemassen eingelagert und zwar bestehen 
diese Erhebungen im Norden aus dem Lindberg, dem 
Wolfensberg und dem Taggenberg, im Süden aus dem 
Heiligenberg, dem Brühl, dem Beerenberg und Mult- 
berg. Nicht überall . stösst die Oberfläche des Schotter- 
feldes ohne Bedeckung an die Molassengehänge. Infolge 
Verwitterung des tonigen Molassensandsteins und der 
Abschwemmung haben sich am Fuss der Molassegehänge 
an mehreren Stellen kleine Schutthalden von alluvialem 
Gehängelehm gebildet. Dieser sogenannte rote Lehm, 
der sich auch rot brennt, hat die Veranlassung zum Bg- 



— 5 — 

trieb einiger Ziegeleien gegeben. Gegenwärtig sind 
indessen diese Lager zum grössten Teil abgebaut, nur 
noch am Fuss des Multberges, bei Pfungen, wo die 
Mächtigkeit des Tonlagers 2 Meter beträgt, kann eine 
nennenswerte Ausbeutung betrieben werden. 

Der östlich von Winterthur gelegene Teil des 
Schotterfeldes, der sich nach Südosten und Nord- 
osten ausbreitet, stösst an seinem obern Band nur auf 
kleine Erstreckungen an Molasse; er steht vorwaltend 
in Berührung mit Ablagerungsprodukten der Gletscher. 
Da nun die Schottermasse von dieser Seite her zuge- 
schwemmt worden ist, so war es für die weitere Er- 
forschung ihrer Herkunft von Bedeutung, die östlichen 
Kontakte zu untersuchen. 

Nach Südosten hin erstreckt sich ein Zipfel des 
Schotterfeldes zwischen den Molasseerhebungen des Hegi- 
berges und des Eschenberges hindurch und geht in die 
Landschaft der Glazialhügel von Seen über. Der Boden 
dieser amphitheatralisch aufsteigenden Mulde, die bis zu 
ihrem südöstlichen Ende, den Moränen bei Iberg, um 
150 Meter über die Schotterfläche emporsteigt, besteht 
aus kiesigem Lehm, der zum Teil als Grundmoräne 
flach ausgebreitet ist, zum Teil zu kleinen ovalen 
Hügeln zusammengeschoben ist. Diejenigen Hügel, die 
in ihrer gegenseitigen Anordnung deutlich die Bichtung 
einer Strömung gegen Norden und Nordwesten zeigen, 
sind als Drumlin zu bezeichnen. Gegen Südosten hin 
wird die Erkennung der ursprünglichen Formen der Gla- 
zialhügel unmöglich, weil die nach der Töss abfliessenden 
Gewässer das Beerental und das Heidental eingeschnitten 
und durch diese Erosion die ursprünglichen Formen ein 
verändertes Relief erhalten haben. Die Ausspühlung 
dieser Rinnen hat an verschiedenen Stellen den Untergrund 



— 6 — 

der Molasse blossgelegt, an derem Aufbau hier bereits 
schon die Nagelfluh einen wesentlichen Anteil ausmacht. 
Das Gesteinsmaterial der Mulde von Seen ist her- 
.geführt worden von demjenigen Gletscher, der von einem 
durch das Walenseetal herkommenden Arm des Rhein- 
gletschers und von dem aus dem Linthtal herkommenden 
Linthgletscher gebildet wurde. Als Erkennungszeichen 
für die Ausbreitung dieses Rheinlinthgletschers benützen 
wir die typischen Gesteinsarten der Glarneralpen, das 
grobkörnige rote Konglomerat, das man Sernifit nennt, 
den bläulichen Melaphyr und den grünlichfleckigen Ta- 
vigliannazsandstein. Mit Hülfe dieser Wegzeichen hat 
man schon früher nachgewiesen, dass die Nordgrenze 
des Rheinlinthgletschers durch die Linie Schauenberg- 
Seen-Pfungen bezeichnet wird. 

Während sich das Gletscherende bei Seen befand 
und die Anhöhe des Eichbühls mit einer mächtigen 
Schuttanhäufung überlagert wurde, musste durch grosse 
Schmelzwasser die Anschwemmung von Schottermasse 
von der Stidostseite her erfolgt sein. Ein Endmoränen- 
wall, der diesen Stand des Gletscherrandes anzeigt, ist 
allerdings nicht erhalten geblieben. 

Als eine zweite Hauptzufuhrrichtung von Schotter- 
masse ergiebt sich die nordöstliche: Im Norden von Wiesen- 
dangen steigt das Gelände stark auf zu waldgekrönten 
Hügelzügen des Schönbühls (531 m), des Eggwaldes 
(532 in) und des Bergholzes (553 m). Diese Höhen- 
züge sind aufgebaut aus einem kiesigen, sandigen Lehm, 
der grosse eckige Blöcke von Talkquarzit, Chloritglhn- 
merschiefer, Amphibolit und Amphibolgneiss enthält. 
Am höchsten der drei Hügel, am Bergholz, reicht frei- 
lich der Molassensandstein bis zur Höhe von 530 Meter 



— 7 — 

hinauf, so dass nur der oberste, 20 Meter hohe Rücken 
aus Gletscherschutt aufgeschüttet ist. — Dass hier 
Moränen des eigentlichen Rheingletschers vorliegen, der 
sich vom Bodensee her bis ins Kartengebiet erstreckte, 
wird durch die charakteristischen Bündner-Silikatgesteine, 
die von der rechten Gletscherseite herkommen , nach- 
gewiesen, besonders durch den durch seinen grünen Feld- 
spat leicht erkenntlichen Juliergranit. Die drei Höhen- 
züge müssen als die Reste einer Endmoräne des Rhein- 
gletschers betrachtet werden. Sie zeigen die Stelle eines 
Stillstandes des Gletscherendes an. Während dieser Zeit 
erfolgte durch die Schmelzwasser die Zuschwemmung 
der Schottermasse von der Nord- und Nordostseite her. 

Hinter dem Zug der Endmoränen, gegen Nordosten, 
folgt ein ziemlich flaches Gelände, dessen Oberfläche von 
Grundmoränenlehm, der stellenweise die Beschaffenheit 
eines Blocklehms hat, gebildet wird. Der Bau des 
zweiten Bahngeleises der Strecke Wiesendangen-Islikon 
hat in dieser Bedeckung schöne Aufschlüsse gefördert. 

Gegen Westen lehnt sich ein kleines Eeld an, das 
aus flach geschichtetem Sand und Kies besteht. 

Der Molasseberg Gschar, der sich 90 Meter über die 
Oberfläche erhebt und der auf der der Stosseite des 
Eises entgegengesetzten Seite steil abfällt, nach der 
Stosseite hin dagegen allmählich ausläuft, muss der Eis- 
bewegung einen starken Widerstand entgegengesetzt 
haben. Damit steht offenbar im Zusammenhang, dass 
sich hinter dem Berg eine Drumlinlandschaft gebildet 
hat. Diese interessante kleine Gruppe ovaler Hügel 
zwischen Islikon und Ellikon, die sich 10 — 20 Meter 
über die Bodenoberfläche erheben, die auf der Südseite 
fast durchweg mit Reben, auf der Nordseite mit Wald 
bepflanzt sind, wurde im Jahre 1894 zuerst von Herrn 



Prof. J. Fruii in Zürich als Drunilin aufgeführt.*) In 
ausgesprochener Weise zeigen sie die Strömungsrichtung 
des Eises von Ostnordost nach Westsüdwest. 

Vom Ostrand des Schotterfeldes, von Seen bis 
Wiesendangen, steigt das Gelände gegen Osten fort- 
während an bis zu Höhen des Schneitberges (673 ni) 
und des Guggenhard (726 m). Der ansteigende Molassen- 
untergrund ist zum grössten Teil mit lehmigem Gletscher- 
grundschutt überdeckt. Infolge dieser Lehmbedeckung 
gehen die Erhebungen des Bodens mit ganz sanften 
Böschungen in die Vertiefungen über. Hier finden sich 
ausgedehnte, flache, fruchtbare Mulden, an die sich die 
sanft ansteigenden, meist bewaldeten Höhen anschliessen. 
Diese Landschaft bietet dem Beschauer ausserordentlich 
zarte, weiche Stimmungsbilder. Mit zunehmender Höhe 
tritt die glaziale Bedeckung zurück, so dass in den 
höchsten Erhebungen die un verhüllten Sandstein- und 
Nagel fluhschichten zu Tage treten. 

Von Osten nach Westen ist in diese mit Glazial- 
schutt bedeckte Molassenabdachung ein bedeutendes Tal 
eingeschnitten, das allerdings weder auf den Karten, 
noch vom Volk, mit einem Namen bezeichnet worden 
ist. Dieses Tal erhält von Süden her den stärksten Zu- 
fluss, die Eulach, von Norden den Schneitbach, während 
der von Osten zufliessende Elggerbach nur eine unbe- 
deutende Wassermenge zuführt. Dass diese kleinen Bäche 
einen Einschnitt von der Tiefe und Breite des Haupt- 
tales nicht haben ausspühlen können, ist einleuch- 
tend. Auch die Ausbuchtungen der Talbodenfläche in 
der Nähe von Räterschen zeigen, dass die Talausspühlung 



*) J. Früh: Die Drumlinlandschaft. Jahrbuch der st. gallischen 
naturwissenschaftlichen Gesellschaft 1894—95. 



— 9 — 

von einem Fluss mit starker Serpentinenbildung erzeugt 
worden sein musste. 

Verfolgt man das Tal nach Osten, so zeigt sich, 
dass bei Elgg die Talgehänge auseinander gehen, und dass 
die Talrinne in ein vollkommen ebenes Feld übergeht, 
das sich zwischen Elgg, Aadorf und Hagenbuch 
ausbreitet. Jenseits des Feldes, oberhalb Aadorf, be- 
findet sich wieder eine in der ursprünglichen Richtung 
sich fortsetzende Talrinne, es ist das obere Tal stück der 
Lützelmurg . — Man erhält ohne weiteres den Eindruck, 
dass das Wasser aus dem Oberlauf der Lützelmurg, ehe- . 
mais durch dessen natürliche Fortsetzung, durch die Tal- 
rinne Elgg-Räterschen abgeflossen sei. Die Gebilde der 
letzten Vergletscherung müssen die Ursache gewesen 
sein, die die Lützelmurg von Aadorf weg aus ihrem 
ursprünglichen Tal nach dem Tal der Murg abgelenkt 
haben. So bildet denn seither die Ebene zwischen Aadorf 
und Elgg die merkwürdige Wasserscheide zwischen der 
nach Norden abfliessenden Lützelmurg und den nach 
Westen der Talrinne von Räterschen zufliessenden 
Wassern. 

Geologische Untersuchungen ausserhalb unsres Karten - 
gébietes haben übrigens schon früher ergeben, class das 
obere Talstück der heutigen Lützelmurg wiederum nicht 
das Ende einer ursprüglichen Talrinne vorstellt, sondern 
dass der obere Teil der Thur, sowie die Abflusswasser 
von St. Gallen her diese Rinne ausgespühlt haben.*) 

Eine noch ältere Abflussrinne führt aus der Gegend 
von Eschlikon über Bichelsee und Seelmatten nach der 
Töss hinüber. Die Ursachen, durch welche die von Osten 



*) A. Penh und JE. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter, 1902, 
Karte des Rhein- und des Linthgletschers, pag. 396 und 496. 



— 10 — 

her fliessenden Gewässer veranlasst worden sind, ihren 
Ablauf aus dieser Rinne in diejenige der Lützelmurg 
zu verlegen, könnten durch Detailerforschung des be- 
treffenden Gebietes wohl noch ermittelt werden. Das 
Seelmattertal hat seinen ursprünglichen Fluss verloren, 
es hat sich in ein interessantes Trockental verwandelt. 
Seine sumpfige Wasserscheide liegt heute in der Nähe 
des kleinen Seelmattersees (608 m), von wo aus nach 
beiden Richtungen des Tales, sowohl gegen die Lützel- 
murg, als auch gegen die Töss hin kleine Bäche ab- 
fliessen. 

Ein ähnliches Trockental, das sich an das Unter- 
suchungsgebiet anschliesst, ist auch die vom Dättnau 
bis Pfungen sich erstreckende Rinne des Rumstales. Der 
ursprüngliche Zusammenhang mit dem obern Tösslauf 
ist leicht zu erkennen. Ablagerungen der Eiszeit haben 
den Lauf der Töss abgedämmt, so dass das Rumstal 
seinen eigentlichen Eluss verloren hat. 

Auch das Tal Elgg-Räterschen gehört zum Typus 
dieser Täler, denen durch glaziale Einflüsse ihr zuge- 
höriger Eluss abgelenkt worden ist. Der seither in der 
Talbildung eingetretene Zustand der Ruhe zeigt sich 
daran, dass nun der Talboden mit alluvialen Ablage- 
rungen überdeckt worden ist. Beim Ausheben des 
Fundamentes des neuen Stationsgebäudes von Räterschen 
war zu beobachten, dass ein entkalkter, brauner, gänz- 
lich steinfreier Alluviallehm die Ebene der Talfläche 
mindestens 4 Meter hoch bedeckt. 

Betrachten wir nun die Beschaffenheit der Ebene von 
Elgg-Aadorf- Hagenbuch. Eine Anzahl grosser Kiesgruben 
lassen erkennen, dass sie aus horizontal geschichtetem 
Kies gebildet wird. Hier ist ein Schotterfeld von der- 
selben Art, wie dasjenige von Winterthur. Im östlichen 



— 11 — 

Teil, wo die Lützelmurg ihre Abflussrinne bis zur Tiefe 
von 20 Meter eingeschnitten hat, ist nirgends zu be- 
obachten, dass die Molassen unterläge erreicht worden 
ist; die Tiefe des Schotterfeldes muss also daselbst mehr 
als 20 Meter betragen. Der tiefste Punkt der Schotter- 
oberfläche, bei der Station Elgg, liegt Ö10 Meter, der 
Zipfel bei Hagenbuch 540 und der bei Aadorf 530 Meter 
über Meer. Die Schotteroberfläche fällt somit in der 
Richtung Nordost-Südwest mit 8 — 9 °/oo, in der Ostwest- 
richtung mit 6 %o ab. 

Im Norden und im Süden wird das Schotterfeld- 
von Molassebergen überhöht. Auf der Nordseite, dem 
Fuss des Schneitberges angelegt, befindet sich eine 
merkwürdige Kiesbildung, die 30 — 40 Meter über die 
Oberfläche des Kieses des Schotterfeldes emporragt. Die 
Aufschlüsse, die namentlich im untern Teil dieser Ab- 
lagerung zu finden waren, Hessen erkennen, dass der 
Kies zum Teil flache, zum Teil aber auch schiefe, ver- 
bogene Schichten bildet. Stellenweise finden sich Sand- 
und Lehmstreifen. Scharfkantige Steine fehlen, gekritzte 
Geschiebe sind vorhanden, doch sind die Kritze meist 
stark verwaschen. — Die bis 542 Meter aufsteigende 
tafelartige Erhebung südlich des Schotterfeldes, worauf 
der Flecken Elgg aufgebaut ist, besteht ebenfalls aus 
Kies und zwar ist er sehr deutlich flachschichtig. Ge- 
rundete Geschiebe sind vorherrschend, gekritzte sind 
selten und die Kritze sehr undeutlich. — Im Osten des 
Schotterfeldes endlich, am Bohl, befindet sich wiederum 
eine erhöhte Kiesmasse mit ausgesprochener horizontaler 
Schichtung. Einzelne Partien sind zu Nagelfluh fest 
verkittet. Im Niveau von 550 Meter hebt sich der Kies 
scharf vom überlagernden, ungeschichteten kiesigen, 
Moränenlehm ab. 



— 12 — 

Es war von Wichtigkeit, zu entscheiden, ob diese 
höhern Kiesmassen zum Gebilde des Schotterfeldes ge- 
hören oder nicht. Wären sie Teile des Schotterfeldes, 
dann miisste sein Niveau früher bis 550 Meter hinauf 
gereicht haben und müsste der Hauptteil durch Erosion 
um zirka 30 Meter abgetragen worden sein, wobei an 
den Rändern ein Teil unverändert als Terrassen stehen 
geblieben wäre. Weil aber nach der Ablagerung des 
Schotterfeldes gar kein Fluss mehr durch das Tal ab- 
floss, ist diese Erklärung unzulässig. Die höhern Kies- 
massen müssen das Produkt einer frühern, vorletzten 
Vergletscherung sein, die die ganze, weite Talebene bis 
zum Niveau 550 Meter mit Schotter auffüllte. Diese 
Akkumulation ist vor der letzten Vergletscherung bis 
auf die seitlichen Reste weggespühlt worden. Während 
der letzten Vergletscherung erfolgte die heute noch vor- 
handene Schotterauffüllung bis zum Niveau 520 Meter. 

Diese zwei in einander eingeschachtelten Schotter- 
massen, von denen die eine 30 Meter tiefer liegt, er- 
innern an ähnliche Gebilde am Rand des Gebietes der 
letzten Vergletscherung, an den Hochterrassen- und 
Niederterrassen seh otter.*) Der Hochterrassen schotter ist 
ein Produkt der vorletzten, der Niederterrassen schotter 
der letzten Eiszeit. Mit der Auffassung der höhern Kies- 
massen als Hoch terrasse stimmt auch die Tatsache, dass der 
Höhenunterschied gegenüber dem tiefern Kies 30 Meter 
beträgt, ferner auch die von Professor A. Aeppli ange- 
führte Beobachtung, dass der Hochterrassen schotter mei- 
stens schlecht und vielfach schief geschichtet ist.**) 



*) L. au Tasquier: Fluvioglaziale Ablagerungen der Nord- 
schweiz 1891. 

**) A. Aeppli: ErosionRterasweu und Glazialsckotter, 1894, 
pag. 84. 



1 o 
— lo — 

Uebrigens befinden sich weiter westlich, bei Ober- 
schottikon und bei Räterschen noch kleinere Kiesmassen, 
die bis 550 Meter hinaufgehen. Wahrscheinlich haben 
wir auch hier Reste des ehemaligen weit ausgebreiteten 
Hochterrassenschotters. 

Die Untersuchung des Ostrandes des Aadorfer 
Schotterfeldes ergab, dass hier ein Gürtel von Wall- 
moränen angefügt ist. Diese Stelle entspricht einem 
Stillstandszustand eines Gletscherendes; die Wallmoränen 
sind die Stirnmoränen, das anstossende Schotterfeld das 
Abschwemmungsprodukt, das während dieser Zeit zu- 
sammengeschwemmt wurde. 

Die Stellung des Gletscherendes war auch die Ver- 
anlassung zur Ablenkung des Flusslaufes. Die Ab- 
lenkung der Lützelmurg erfolgte jedoch nicht in der 
Weise, dass ihr Wasser durch einen Zug von Wall- 
moränen abgedämmt worden wäre und sich hinter den 
Moränen einen Abfluss hätte suchen müssen. Gerade 
an der Stelle, wo die Umbiegung des Flusslaufs vor- 
handen ist, gerade da ist das Schotterfeld ganz offen. — 
Berücksichtigen wir, dass noch ein zweiter, innerer, aller- 
dings weniger ausgeprägter Moränengürtel abgelagert 
worden ist. Nachdem der Raum zwischen beiden Moränen- 
zügen mit Schmelzwasser angefüllt war, konnte ein 
Ausfliessen nach dem tiefer liegenden Murgtal leicht ein- 
treten und damit war dann die Ablenkung der Lützel- 
murg eingeleitet. 

Einen prächtigen, beinahe überraschenden Ueberblick 
über das östlich der beiden Moränengürtel liegende Ge- 
lände erhält man von den östlich von Aadorf gelegenen 
Höhen. Das flach wellige Talgelände, das sich weit 
gegen Nordosten hin ausdehnt, ist eine Grundmoränen- 
landschaft mit typisch ausgebildeten Drumlin. 



— 14 — 

Yon Südosten nach Nordwesten wird sie durchzogen 
von dem von der Murg, eingeschnittenen Tal, das 
an vielen Stellen die Unterlage der anstehenden Molasse 
aufgedeckt hat. Jenseits vom Murgtal habe ich meine 
Untersuchungen abgebrochen, denn das anstossende Ge- 
biet hat Herr Professor J. Früh geologisch untersucht. 
Er hat nachgewiesen, dass sich die Zone der Drumlin 
über Affeltrangen bis nach Bussnang an der Thur ver- 
folgen lässt.*) 

Die Schotterfelder am Rand der letzten Vergletsche- 
rung sind wiederholt untersucht worden. Ihre Ver- 
knüpfung mit den Moränen ist in dem klassischen Werk 
„Die Alpen im Eiszeitalter", Leipzig (1901) von A. 
Penck und E. Brückner beschrieben. Professor Penk 
hat nachgewiesen, dass bei längerem, beinahe stationärem 
Zustand eines Gletscherendes glaziale Komplexe gebildet 
werden, die aus einem Schotterfeld, einem Moränen- 
gürtel und einem Zungenbecken mit Drumlin bestehen. 
Durch die vorliegenden Untersuchungen ist der Nach- 
weis erbracht, dass auch im Innern der vergletscherten 
Gebiete, bei Winterthur und Aadorf glaziale Komplexe 
vorhanden sind. — 

Zur geologischen Untersuchung der besprochenen 
Gebiete war die mühsame Arbeit sehr vieler Detail- 
beobachtungen erforderlich. Aus der Eülle der be- 
obachteten Tatsachen konnten nach und nach Ideen und 
Vorstellungen von weiterem Umfang und grösserem Zu- 
sammenhang abgeleitet werden. Wenn auch die Unter- 
suchung heute noch kein abgeschlossenes Ganzes bildet 
und noch eine Anzahl Lücken enthält, habe ich mir den- 



*) J. Früh: Neue DrumHnlandnchaft des KJheingletschers, 
Eclogae geologiche helvetiae, 1894, pag. 213. 



— 15 — 

noch erlaubt, Ihnen, hochgeehrte Versammlung , zuerst 
den gegenwärtigen Stand dieser noch im Werden be- 
griffenen Arbeit zur Kenntnis zu bringen. 

Ich hoffe, die noch fehlenden Detailforschungen bis 
in einigen Jahren so weit führen zu können, wie sie 
für eine geologische Karte im Masstab 1 : 25,000 er- 
forderlich sind; ich hoffe ferner, dass die schweizerische 
geologische Kommission dieser Arbeit ihre Unterstützung 
zukommen werden lasse, so dass es möglich wird, die 
geologischen Karten der erforschten Gebiete zu veröffent- 
lichen. 

Ich erkläre hiemit die siebenundachtzigste Jahres- 
versammlung der schweizerischen naturforschenden Ge- 
sellschaft für eröffnet. 



Allgemeines Programm 



Samstag" den 30. Juli. 



572 Uhr abends: Sitzung der vorberatenden Kommission 
im Sekundarschulhaus St. Georgen. 

8 Ubr abends : Empfangsabend im Biergarten zum 
„Strauss" mit Kollation. 



Sonntag den 31. Juli. 



8 1 /a Uhr morgens: Erste Hauptversammlung im grossen 
Saal des Stadthauses. 

1 Uhr nachmittags: Hauptbankett im Kasino. 

3 Uhr nachmittags: Spaziergang nach, dem „Schick". 
(Waldungen des Lindberges, Picknick.) 

8 Uhr abends: Abendunterhaltung mit Konzert und Pro- 
duktionen in der Festhtitte auf der Schützenwiese. 



— 18 — 



Montag" den 1. August. 



8 Uhr morgens : Beginn der Sitzungen der Sektionen im 
Schulhaus St. Georgen, im Museum und im Tech- 
nikum. 

1. Sektion für Geologie 

zugleich Versammlung der schweizerischen geologischen 
Gesellschaft im Singsaal des St. Georgenschulhauses. 

2. Sektion für Botanik 

zugleich "Versammlung der schweizerischen botanischen 
Gesellschaft im Museum, Zimmer Nr. 2. 

3. Sektion für Zoologie 

zugleich Versammlung der schweizerischen zoologischen 
Gesellschaft im Museum, Zimmer Nr. 8. 

4. Sektion für Chemie 

zugleich Versammlung der schweizerischen chemischen 
Gesellschaft im Museum, Zimmer Nr. 1. 

5. Sektion für Physik und Mathematik 

zugleich Versammlung der physikalischen Gesellschaft 
Zürich, Technikum, Zimmer Nr. 17. 

6. Sektion für Medizin 

im Schulhaus St. Georgen, Zimmer Nr. 15. 



— 19 — 

7. Sektion für Ingenieurwissenschaften 

im Museum, Zimmer Nr. 7. 

1 Uhr nachmittags: Mittagessen der Sektionen. 

3 Uhr nachmittags: Fachexkursionen. 

8 Uhr abends: ISTachtfest auf dem Turnplatz beim Stadt- 
haus. Kollation. 



Dienstag* den 2. August. 



8 7* Uhr morgens: Zweite Hauptversammlung im grossen 
Saal des Stadthauses. 

1 Uhr nachmittags: Schlussbankett im Kasino. 



H£ïi&£îilZëïi 



— 20 — 

Programm der Hauptversammlungen, 



Erste Hauptversammlung 

Sonntag den 31. Juli, morgens 8 1 /i Uhr im grossen Saal des 
Stadthauses. 



VORTRÄGE: 

Herr Prof. Dr. J. Weber, Jahrespräsident, Eröffnungs- 
vortrag: Die Gebilde des Eiszeitalters in den 
Umgebungen von Wintertliur. 

Herr Prof. Dr. B,. Chodat, Genf: La Biométrie et les 
méthodes de statistique appliquées à la Botanique. 

Herr Prof. Dr. H. Schardt, Neuenbürg: Die wissen- 
schaftlichen Ergebnisse des Simplondurchstichs. 

Zwischen den Yorträgen geschäftliche Verhandlungen. 



Zweite Hauptversammlung 

Dienstag den 2. August, morgens S 1 /* Uhr im Stadthaus. 



VORTRAGE; 

Herr Prof. Dr. F. A. Forel, Lausanne: Jubilé cinquan- 
tenaire de la découverte des Palaflttes (Pfahlbauten). 

Herr Prof. Dr. Ed. Schär, Strassburg: Ueber Erschei- 
nungen der spontanen und innern Oxydation. 

Zwischen den Vorträgen geschäftliche Verhandlungen. 

Im Theatersaal des Kasino: 
Herr Nationalrat Ed. Sulzer-Ziegler: Ueber die Arbeiten 
am Simplontunnel. 



— 21 



Programm der Fachexkursionen. 



Montag den 1. August, 3 Uhr nachmittags. 



Maschinenfabrik der Herren Gebr. Sulzer. Sammlung 
auf dem Bahnhof platz, Abmarsch punkt 3 */* Uhr. Führer : 
Herr Dr. H. Sulzer-Steiner. 

Schweizerische Lokomotivfabrik. Sammlung auf dem 
Bahnhofplatz, Abmarsch punkt 3 l /i Uhr. Einführender: 
Herr Prof. A. Müller, Direktor des Technikums. 

Maschinenfabrik der A.-G. yormals J. J. Rieter & 
Co. in Töss. Sammlung auf dem Bahnhofplatz, Ab- 
marsch punkt 3 l /i Uhr. Einführender: Herr Prof. 0. 
Girowitz. 

Brauerei Haldengut (Hefereinzuchtanlage). Abmarsch 
vom Hotel „Löwen"" punkt 3 */* Uhr. Einführender : 
Herr Prof. Dr. E. Bosshard. 

Korallensammlung in der Villa „Traubengut". Ab- 
marsch vom Hotel „ Ochsen "• punkt 3 1 /i Uhr. Führer: 
Herr C. Weber-Sulzer. 

Stadtwaldungen im Eschenberg, Forstumgang. Ab- 
marsch vom Hotel „Ochsen" punkt 3 1 /i Uhr. Führer: 
Herr Forstmeister Arnold. 



Protokolle 

der 

vorberatenden Kommission und der beiden 
allgemeinen Versammlungen. 



Sitzung der vorberatenden Kommission 

Samstag den 30. Juli 1904, abends 5 l /ï Uhr im 
Sekundarschulhaus St. Georgen, Winterthur. 



Vorsitzender: Herr Prof. J. Weber, Winterthur. 
Anwesend sind: 

A. Jahresvorstand. 

Herr Prof. Dr. J. Weber, Präsident. 
„ Prof. Dr. E. Lüdin, Vizepräsident. 
„ Sekundarl ehrer Edwin Zwingli, Sekretär. 
„ Dr. Emil Seiler. 

B. Zentralkomitee. 

Herr Prof. Dr. C. F. Geiser, Präsident, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Lang, Vizepräsident, Zürich. 

„ Prof. Dr. C. Schröter, Sekretär, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Kleiner, Zürich. 
Fräulein Fanny Custer, Quästorin, Aarau. 



26 — 



C. Ehemalige Jahrespräsidenten, 
ehemalige Mitglieder des Zentralkomitees, Präsi- 
denten der Kommissionen und Abgeordnete der kan- 
tonalen naturforschenden Gesellschaften und der 
permanenten Sektionen. 

Herr Dr. H. Fischer-Sigwart, Zofingen. 

„ Prof. Dr. E. Hagenbach-Bischoff. Basel. 

„ Prof. Dr. Karl von der Hühll, Basel. 

„ Dr. Fr. Leuthardt, Liestal. 

,. Dr. E. Schumacher-Kopp, Luzern. 

„ Prof. Dr. H. Rivier, Xeuchâtel. 

„ Dr. G. Ambühl, St. Gallen. 

„ C. Rehsteiner, Sanitätsrat, St. Gallen. 

„ Prof. Dr. F. A. Forel, Morges. 

„ Prof. Dr. E. Renevier, Lausanne. 

„ Prof. Dr. Paul L. Hercanton, Lausanne. 

„ Prof. Dr. A. Werner, Zürich. 

„ Prof. Dr. Albert Heim, Zürich. 

„ . Prof. Dr. K. Hescheler, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Schweitzer, Zürich. 

., Dr. 17. Seiler, Zürich. 

„ Rektor Dr. R. Keller, Winterthur. 

„ Max Studer, Winterthur. 



Aarau : 
Baselstadt: 

Baselland: 
Luzern : 
Xeuchâtel: 
St. Gallen : 

Waadt: 



Zürich: 



— 27 



Verhandlungen. 



1. Der Präsident des Jahres Vorstandes begrüsst die An- 
wesenden und eröffnet die Sitzung. 

2. Das Verzeichnis der Mitglieder des Jahresvorstandes, 
des Zentralkomitees und der angemeldeten Dele- 
gierten der kantonalen Gesellschaften, der perma- 
nenten Sektionen und der Kommissionspräsidenten 
wird verlesen und es ergibt sich die vorstehende 
Präsenzliste. 

3. Es liegen 42 Anmeldungen zum Eintritt in die Ge- 
sellschaft vor. Die Delegiertenversammlung be- 
schliesst, der Hauptversammlung alle Angemeldeten 
zur Aufnahme zu empfehlen. 

4. Der Zentralpräsident, Herr Prof. Dr. Geiser, ver- 
liest den Bericht des Zentralkomitees für das Jahr 
1903/04. (Siehe weiter unten.) 

Die Delegiertenversammlung ist mit allen im 
Bericht enthaltenen Anregungen einverstanden und 
beschliesst, ihn der Jahresversammlung zur Gre- 
nehmigung zu empfehlen. (Siehe 1. Hauptversamm- 
lung.) 

5. Herr Prof. Dr. Schröter verliest namens des Quästors 
den Kassabericht pro 1903/04. Das Zentralkomitee 
und die Rechnungsrevisoren, die Herren Th. Hanhart- 
Hoivdld, Prof. Dr. E. Lüdin und E. Zwingli haben 
die Rechnungen geprüft und richtig befunden. Es 
soll der Hauptversammlung beantragt werden, die 
Rechnungen unter bester Verdankung an den Quästor 
zu genehmigen. 



— 28 - 

6. Herr Prof. Geiser gibt bekannt, dass sämtliche Kom- 
missionsberichte pro 1903/04 eingelaufen sind und 
referiert darüber namens des Zentralkomitees. Es 
wird beschlossen, dass die Berichte und Anträge im 
Sinne der Ausführungen des Zentralkomitees der 
Hauptversammlung zur Genehmigung empfohlen 
werden sollen. (Siehe 2. Hauptversammlung.) 

7. Zum Versammlungsort für das Jahr 1905 soll der 
Hauptversammlung Luzern und als Jahrespräsident 
Dr. E. Schumacher-Kopp vorgeschlagen werden. 

8. Ferner werden die Vorschläge des Zentralkomitees 
betreffend Sitz des neuen Zentralkomitees und Er- 
satz der austretenden Herren Prof. Geiser, Prof. 
Schröter und Prof. Kiemer angenommen. Darnach 
soll der Hauptversammlung vorgeschlagen werden, 
Basel für die folgenden sechs Jahre 1905 — 1910 als 
Sitz des Zentralkomitees zu bestimmen und das Zen- 
tralkomitee für diese Zeitdauer aus den Herren Dr. 
Fritz Sarasin, Basel, Präsident; Prof. Dr. Riggenbach- 
Burckhardt und Dr. P. Chappuis, Basel: Prof. Dr. 
Lang, Zürich, und Fräulein Fanny Custer, Aarau, 
zu bestellen. 

9. Die Eeihenfolge der geschäftlichen Traktanden in 
den beiden Hauptversammlungen wird folgender- 
massen festgesetzt: 

a) I. Hauptversammlung: Veränderungen im Per- 
sonalbestand. Bericht des Zentralkomitees. Vor- 
lage der Rechnungen. Bestimmung des Ver- 
sammlungsortes für 1905 und Wahl des Jahres- 
präsidenten. Wahl des Sitzes des neuen Zentral- 
komitees und Wahl dieses Komitees. 

b) IL Hauptversammlung: Die Berichte der Kom- 
missionen. 



— 29 — 

10. Es soll an den Hauptversammlungen der Wunsch, 
ausgesprochen werden, dass die Sekretäre der Sek- 
tionssitzungen darauf dringen, die Manuskripte für 
die „Verhandlungen" und die „Comptes rendus c '" so- 
fort erhältlich zu machen. 



IL 

Erste Hauptversammlung 

den 31. Juli 1904, morgens 8 l /± Uhr 
im grossen Saale des Stadthauses. 



1. Der Jahrespräsident, Herr Prof. Dr. J. Weber, eröffnet 
die 87ste Jahresversammlung durch seinen Vortrag: 
..Die Gebilde des Eiszeitalters in den Umgebungen 
Ton Winterthur a . 

2. Die Versammlung erhebt sich zu Ehren der im ver- 
gangenen Jahre A r erstorbenen Mitglieder der Gesell- 
schaft. 

3. Es werden 42 Mitglieder aufgenommen. 

4. Der Bericht des Zentralkomitees, verlesen durch 
Herrn Prof. Dr. Geiser, wird genehmigt. 

5. Herr Prof. Dr. Schröter verliest den Kassabericht 
des Quästors, Herr E. Zwingli den Bericht der Rech- 
nungsrevisoren. Bericht und Rechnungen werden 
unter Verdankung abgenommen. 

6. Herr Prof. Dr. R. Chodat, Genf, hält einen Vortrag 
über „La Biométrie et les méthodes de statistique 
appliquées à la Botanique". (Siehe unten.) 

7. Luzern, dessen naturforschende Gesellschaft nächstes 
Jahr das 50. Jubiläum feiert, wird als Ort der Jahres- 



— 31 — 

Versammlung für 1905 bestimmt; als Jahrespräsident 
wird Herr Dr. Schumacher-Kopp gewählt. 

8. Herr Prof. Dr. Geiser teilt mit, dass die Amtsdauer 
des bisherigen Zentralkomitees mit 31. Dezember 
1904 zu Ende gehe ; ferner dass in das neue Zentral- 
komitee der Präsident der Denkschriftenkommission, 
Herr Prof. Dr. Lang, und die Quästorin, Fräulein 
F. Güster, wieder wählbar seien, und gibt die Vor- 
schläge der Delegiertenkommission bekannt, denen 
zugestimmt wird. 

Als Sitz des Zentralkomitees für die Amtsdauer 
1905 — 1910 wird Basel bestimmt. 

Als Mitglieder des Zentralkomitees für die Amts- 
dauer 1905 — 1910 werden gewählt: 

1 . Herr Dr. Fritz Sarasin, Basel, zugleich zum 

Präsidenten. 

2. „ Prof. Dr. A. Riggenbach-Burckhardt, Basel. 

3. „ Dr. P. Chappuis, Basel. 

4. „ Herr Prof. Dr. A. Lang, Zürich. 

5. Fräulein Fanny Güster, Aarau. 

Herr Dr. Fritz Sarasin dankt für die Wahl. 

9. Herr Prof. Dr. H. Schar dt, Neuenbürg, hält einen 
•Vortrag über: „Die wissenschaftlichen Ergebnisse 

des Simplondurchstichs". (Siehe unten.) 



in. 
Zweite Hauptversammlung 

Dienstag den 2. August 1904, 8 7* Uhr morgens 
im grossen Saale des Stadthauses. 



1. Der Zentralpräsident legt die Berichte der ver- 
schiedenen Spezialkommissionen vor : 

a) Der Bericht der Bibliothekkonimission wird ge- 
genehmigt. Die Kommission betrachtet eine 
Erweiterung des Tauschverkehrs als wünschens- 
wert, stellt aber noch keinen bestimmten An- 
trag, sondern legt vorläufig ein Verzeichnis von 
G-esell Schäften bei, mit denen der Tauschverkehr 
anzubahnen wäre. 

b) Der Bericht der Denkschriftenkommission ent- 
hält verschiedene neue Anregungen, welche der 
Präsident der Kommission noch weiter prüfen 
wird, wie Reduktion des Preises der Denk- 
schriften und grössere Verbreitung derselben, 
Schaffung eines neuen Publikationsmittels, das 
sich aus ganz kurzen wissenschaftlichen Mit- 
teilungen zusammensetzt und in rasch aufein- 
ander folgenden Heften zu veröffentlichen wäre 
(etwa nach Analogie der „Comptes rendus de 
l'Académie des sciences à Paris"), um über die 



— 33 — 

Gesamtleistungen auf dem Gebiete naturwissen- 
schaftlicher Forschungen der ganzen Schweiz 
einen raschen Ueberblick zu verschaffen. Die 
Anregungen werden weiterm Studium empfohlen. 
Es wird auf Antrag der Kommission beschlossen, 
§ 6, Alinea 2 des Reglements für die Ver- 
öffentlichung der „Denkschriften" und Nekro- 
loge abzuändern; es soll heissen : ^Ebenso er- 
halten der Präsident, sowie die Mitglieder der 
Denkschriftenkommission und die Bibliothek des 
Eidgenössischen Polytechnikums je ein Frei- 
exemplar. a Der Wunsch der Kommission, dass 
die Preisschriften der Schiaffi Stiftung in den 
Denkschriften erscheinen möchten, soll der Kom- 
mission der Schläflistiftung durch das Zentral- 
komitee mitgeteilt werden. Endlich soll für 
die Denkschriftenkommission durch das Zentral- 
komitee auch für das Jahr 1905 ein Bundes- 
beitrag von 5000 Fr. nachgesucht werden. 

c) Der Bericht der Kommission der Schläflistiftung 
wird genehmigt. Die Kommission konnte keinen 
Preis erteilen. Eine zweite Ausschreibung für 
eine Arbeit aus dem Gebiet der Chemie soll 
für 1905 erfolgen. Vom Saldo der Rechnung 
sollen 1000 Fr. zum Stammkapital geschlagen 
werden. 

d) Der Bericht der Geologischen Kommission (mit 
den Berichten ihrer Subkommissionen, der 
Kohlenkommission und der Geotechnischen Kom- 
mission) wird genehmigt und das Zentralkomitee 
bevollmächtigt, für 1905 einen Bundesbeitrag von 
20,000 Fr. statt wie bisher 15,000 Fr. für die 
Geologische Kommission nachzusuchen. 

3 



— 34 — 

e) Der von Herrn Prof. Früh verlesene Bericht der 
Erdbebenkommission erhält Genehmigung. 

t Die Geodätische Kommission, deren Bericht gut- 
geheissen wird, wünscht gemäss ihrer Budget- 
vorlage pro 1905 eine Bundessubvention von 
22,000 Er. statt 15,800 Er. Sie begründet die 
Erhöhung des Beitrages dadurch, dass sie er- 
wähnt, es habe die Schweiz internationale Ver- 
pflichtungen übernommen, gewisse geodätische 
Arbeiten auszuführen, die sie nur bei höherem 
Bundesbeitrag besorgen könne. Die Versamm- 
lung ist damit einverstanden, dass das Zentral- 
komitee die erhöhte Subvention vom Bund er- 
bitte. 

g) Der Bericht der Gletscherkommission, verlesen 
von Herrn Prof. Dr. Hagenbach. Basel, wird ge- 
nehmigt. 

h) Der Bericht der Lininologischen Kommission 
wird gutgeheissen. Für das Jahr 1904 05 wird 
auf einen Beitrag von der Zentralkasse verzichtet: 
dagegen wird erwähnt, dass die Physikalische 
Gesellschaft in Zürich an die Kommisson das 
Gesuch um Verabreichung eines Beitrages von 
je 100 Er. für 5 Jahre gestellt habe, indem sie 
die wissenschaftliche Untersuchung des Zürcher- 
und Walensees beabsichtige. Dieses Gesuch 
wurde durch den Bericht dem Zentralkomitee 
und der Delegierten versammlun g unterbreitet, 
und die Versammlung beschliesst nach Anhören 
eines Referates von Herrn Prof. Dr. Forel, es 
seien der physikalischen Gesellschaft Zürich für 
die kommenden fünf Jahre je 100 Fr. Beitrag 



— 35 — 

aus der Zentralkasse für genannte Unter- 
suchungen mit der Verpflichtung jährlicher Be- 
richterstattung an das Zentralkomitee auszu- 
richten. 

i) Der Bericht der Flusskommission und der ver- 
langte Kredit von 100 Fr. für das Jahr 1904/05 
werden genehmigt. 

k) Namens der Moorkommission verliest Herr Prof. 
Dr. J. Früh den Schlussbericht, der anzeigt, 
dass die Untersuchungen dieser Kommission 
abgeschlossen sind und dass der bezügliche Be- 
rieht unter dem Titel: Früh und Schröter „Die 
Moore der Schweiz mit Berücksichtigung der 
gesamten Moorfrage" - im Buchhandel erscheint. 
Die Kommission, der im Jahr 1890 in Davos 
das bezügliche Mandat übertragen worden war, 
wünscht nun Entlassung als Spezialkommission. 
Die Versammlung genehmigt den Schlussbericht, 
erteilt der Kommission die gewünschte Ent- 
lassung und spricht ihr bei diesem Anlass den 
wärmsten Dank für ihre erfolgreichen Arbeiten 
aus. 

1) Der Bericht der Kommission für die Krypto- 
gamenflora der Schweiz wird gutgeheissen und 
es wird das Zentralkomitee ersucht, für das 
Jahr 1905 eine Bundessubvention von 1200 Fr. 
für die Bestrebungen dieser Kommission nach- 
zusuchen. Ferner wird beschlossen, der Kom- 
mission für zwei Jahre 1904/05 und 05/06 aus 
der Zentralkasse je 800 Fr. zur Verfügung zu 
stellen, damit die Arbeit des Herrn Prof. 
Ed. Fischer über die Bostpilze der Schweiz 



— 36 — 

publiziert werden kann. An Stelle des ver- 
storbenen Herrn Jean Du four, Lausanne, wird, 
dem Antrag der Kommission zustimmend, Herr 
Dr. J. Amanti, Lausanne, gewählt. 

m) Der Bericht der Kommission für das Concilium 
bibliographicum, das grosse Fortschritte macht, 
wird genehmigt und es wird beschlossen, dass 
das Zentralkomitee auch für das Jahr 1905 
einen Beitrag von 5000 Fr. beim Departement 
des Innern nachsuche. 

n) Der von der Delegiertenversammlung unter- 
stützte Antrag des Zentralkomitees, für die 
Schweizerische Zoologische Gesellschaft einen 
Bundesbeitrag von 1500 Fr. für 1905 nach- 
zusuchen, wird angenommen. 

o ) Der Bundesrat hat auf Ansuchen der Schweizer- 
ischen Botanischen Gesellschaft, unterstützt durch 
das Zentralkomitee, für 1904 einen Beitrag von 
2500 Fr. ausgesetzt als erste Rate eines Reise- 
stipendiums für einen schweizerischen Botaniker, 
welcher im Tropeninstitut von Buitenzorg Stu- 
dien zu machen wünscht. Die Ausschreibung 
des Stipendiums und die Einsetzung einer Kom- 
mission hiefür ist bis jetzt nicht erfolgt; trotz- 
dem schlägt das Zentralkomitee vor, auch pro 
1905 um denselben Beitrag einzukommen, da 
im Sinne der Petenten je zwei Jahresraten zu- 
sammen ausgesetzt werden sollen; dieser An- 
trag wird angenommen. 

2. Die vom Bunde durch das Zentralkomitee nach- 
zusuchenden Subventionen betragen im ganzen 



— 37 — 

62,200 Fr. Der Zentralpräsident begleitet das be- 
zügliche Resumé mit einem Wort des Präsidenten 
der Geologischen Kommission, Herrn Prof. Dr. 
A. Heim, dass, so lange die Schweizerische Natur- 
forschende Gesellschaft alle diese wissenschaftlichen 
Arbeiten freiwillig besorge, dem Bund viel geringere 
Kosten erwachsen, als wenn er dafür verschiedene 
feste Institutionen schaffen müsste. 

3. Herr Prof. Hagenbach spricht namens der Ver- 
sammlung dem abtretenden Zentralkomitee für die 
sechsjährige erfolgreiche Arbeit den wärmsten Dank 
aus und die Anwesenden erheben sich zustimmend 
von ihren Sitzen. 

4. Es wurden dem Zentralkomitee für die Bibliothek 
folgende Werke überreicht: 

a) Von Herrn Prof. Dr. Victor Fatto, Genf: „Faune 
des Vertébrés de la Suisse, Volume II, Histoire 
naturelle des Oiseaux." 

b) Von Herrn Prof. Dr. H. Schardt, Neuenburg: 
Note sur le profil géologique et la tectonique 
du Massif du Simplon. 

c) Von Herrn Dr. Ch. Ed. Guillaume, Directeur- 
adjoint du Bureau international des Poids et 
Mesures, Paris: 

„Les applications des Aciers au Nickel. "■ 

d) Vom Jahresvorstand Winterthur: 

Heft V der „Mitteilungen" der Naturwissen- 
schaftlichen Gesellschaft Winterthur. Redaktor: 
Herr Dr. R. Keller, Rektor, Winterthur. 

Herr Prof. Geiser verdankt diese Dedika- 
tionen. 



5. Herr Prof. Dr. F. A. For ei, Lausanne, hält einen 
Vortrag über: „Jubilé cinquantenaire de la décou- 
verte des Palafittes (Pfahlbauten)." (Siehe unten.) 

6. Herr Prof. Dr. Ed. Schär, Strassburg, hält einen 
Vortrag: „lieber Erscheinungen der spontanen und 
innern Oxydation." (Siehe unten.) 

7. Herr Prof. Dr. Schröter verliest folgende Kesolution, 
welche von der Versammlung angenommen wird: 
„Die Hauptversammlung der Schweizerischen Natur- 
forschenden Gesellschaft spricht dem Jahrespräsi- 
denten und den Mitgliedern des Jahresvorstandes 
den wärmsten Dank der Gesellschaft aus für die 
ausgezeichnete Organisation der Jahresversammlung. 
Sie beauftragt im weitern das Jahreskomitee, im 
Namen der Gesellschaft den städtischen und kan- 
tonalen Behörden herzlich zu danken für die treff- 
liche Aufnahme, die wir in Wmt^fh.ur gefunden. a 

8. Im Theatersaal des Kasino hält Herr Nationalrat 
Ed. Sulzer- Ziegler einen Vortrag, begleitet mit Pro- 
jektionsbildern: „Ueber die Arbeiten am Simplon- 
tunnel." (Siehe unten.) 

9. Der Jahrespräsident schliesst die 87. Jahresversamm- 
lung, indem er allen Beteiligten für die Unter- 
stützung dankt. 

Der Jahre s sekretär: 
E. Zwingli. 

Sämtliche drei Protokolle gesehen und genehmigt 

Für das Zentralkomitee: 
Der Zentralsekretär : 

C. Schröter. 



Protokolle 

•der 

Sektions-Sitzungen. 



41 



I. Sektion für Geologie 

zugleich Versammlung der schweizerischen geologischen 

Gesellschaft. 

Sitzung: Montag den 1. August 1904. 

Präsident: Herr Prof. Dr. J. Weber, Winterthur. 
Sekretäre: Herr Prof. Dr. Ch. Sarasin, Genf. 
Herr Dr. P. Arbenz, Zürich. 



1. M. le prof. Dr. H. Schardt (Xeuchâtel) communique le 
résultat de ses recherches sur les parallélismes du 
Dogger dans le Jura n euch atei ois et vaudois. H cons- 
tate que les faciès essentiellement calcaires dans la 
région nord-ouest passent progressivement vers le S. à 
des faciès vaseux, si bien que, dans le Jura méridional, 
presque tout le Bathonien est marneux. Cette modifi- 
cation a donné lieu à des erreurs dans la détermination 
des limites strati graphiques. (Voir Archives Genève, 
XVI. p. 735, C. R. de la Soc. neuch. des Se. nat.) 

2. Herr Prof. Dr. Fr. Mühlberg (Aarau) legt seine im 
Auftrag der geologischen Kommission erstellte „Geo- 
logische Karte des ïintern Aare-, Heuss- und Limmat- 
thales" vor. Sie ist ein Teil der Karte des Grenz- 
gebietes zwischen dem Ketten- und Tafel- Jura und 
die westliche Fortsetzung der Karte der Lägernkette. 
Sie stellt die Verhältnisse einer grossartigen Land- 
schaft von Erosionstälern der drei grössten Plüsse der 
Mittelschweiz in der Gegend ihrer Vereinigung dar, 
in den formationenreichen Gebieten des Tafel-Jura 
(im nördlichen Drittel), des Ketten- Jura (in der Mitte), 



— 42 — 

und des mittelschweizcrischen Molasselandes (imSüden). 
Darüber sind Ablagerungen aller fünf grossen Ver- 
gletsclierungen der Schweiz in typisclier Ausbildung 
ausgebreitet, zumal in der Umgebung von Meilingen, 
dem grössten Moränen- Amphitheater der Schweiz. 

In der Karte sind ferner angegeben: Alle alluvi- 
alen Ablagerungen, zahllose erratische Blöcke, Quellen, 
Sode, Schächte, Stollen, Ausbeutungsstellen, Streichen 
und Fallen der Schichten , Verwerfungen , Trans- 
versalverschiebungen, die Fundorte von Kohlen und 
Fossilien etc. 

Die Topographische Anstalt J. Schlumpf in Winter- 
thur und besonders deren Zeichner, Herr E. Graf, 
haben die schwierige Ausführung der sehr detaillierten 
Karte mit grösstcr Sorgfalt durchgeführt. 

3. Herr Prof. J. Meister (Schaffbausen) spricht über 
das Kesslerloch bei Thayngen und die dortigen post- 
glacialen Ablagerungen. (In extenso unter die „Vor- 
träge" aufgenommen; siehe weiter unten!) 

4. Herr Prof. Dr. J. Früh (Zürich) macht aufmerksam 
auf zwei Inselberge im Rheintal, östlich der Eisenbahn- 
linie RorscJiach-Rheineck bei Blatten (408 m und 403 
m), in deren Nähe noch Spuren von zwei andern vor- 
kommen sollen. Die Hügel gehören zum benachbarten 
Helvetian und bestehen speziell im Hangenden aus 
Muschelsandstein (sog. Scelaffe); sie sind auf der 
geologischen Karte (Dufour IV) nicht angegeben. 

Der Molassesporn Halden östlich Blatten bei Ror- 
schach ist im Osten zu einer Terrasse abradiert, 
welche das Aecjuivalcnt der aus Scelaffe bestehenden 
Riedernburg bei Bregenz darstellt. 

5. Herr Dr. L. Wehrli (Zürich) demonstriert seine Kohlen- 
harte der Schiveiz 1 : 125,000, enthaltend: 1. Die 



— 43 — 

Molassekohlen nach Letsch und Kissling, 2. die 
alpinen Kohlen nach Formationen geschieden. Vor- 
tragender bittet um Mitteilungen von Ergänzungen 
für die endgültige Zusammenstellung. Es sind noch 
in Arbeit die alpinen Kohlen (Wehrli), die diluvialen 
Kohlen und Kohlen des Jura-Gfebirges (Mühlberg). 

Herr Dr. L. Rollier (Zürich) weist das neue Blatt 
VII der geologischen Karte der Schweiz vor, welches 
für den nördlichen Teil von ihm aufgenommen und 
von der geologischen Kommission herausgegeben 
wurde. Der südliche Teil (südlich vom Bielersee 
und von Solothurn) wurde von Dr. E. Kissling in 
Bern aufgenommen. 

Bei diesem Anlass bespricht der Vortragende die 
neuen stratigraphischen Ergebnisse und Darstellungen, 
sowie die technische Ausführung jenes sehr* detail- 
lierten und wertvollen Blattes. 

Derselbe redet über das Vorkommen einiger dünnen 
Schichten von Papierkohle oder Dysodil mit Cypris 
cfr. Tournoueri Dollfus und Smerdis macrurus Ag. 
über dem eocänen Bolus und unter dem Süsswasser- 
kalk mit Hydrobia Dubuissoni Bouil. am südlichen 
Eusse des Jura oberhalb Oberdorf bei Solothurn, am 
südlichen Portal des Weissen steint imn eis. Diese 
Schichten entsprechen stratigraphisch dem Gyps von 
Aix in der Provence (Sestieri), der eine Brackwasser- 
oder Lagmienbildung des alpinen Elysches darstellt. 

Derselbe hat die Zusammensetzung einiger Molasse- 
sedimente untersucht, und zeigt, dass der schwei- 
zerische Muschelsandstein als unlösliches Material 
einen feinen granitischen, glaueonitführenden Sand 
hat, der Randengrobkalk eine grobe polygenetische 



_ 44 — 

Sandniasse ohne Glauconit enthält, welche mit dem 
Sediment der subalpinen Nagelfluh und mit dem 
groben Glas- oder Graupen-Sande von Benken (Zürich) 
übereinstimmt und dieselben vindelicischen Gerolle 
führt. Jurassische Oolith- und Jaspisgerölle finden 
sich, wenn auch selten, im Randen grobkalk, sowie 
auch in Benken. 

7. Herr Prof. Dr. A. Beim aus Zürich erklärt die neuen 
Ergebnisse über die Stratigraphie und Tektonik des 
Säntisgebirges. Er zeigt, dass ein Teil der hellen 
Kalksteine, welche früher alle als Urg-Aptien be- 
trachtet wurden, dem mittleren Valangien zuge- 
rechnet werden sollen, ein Teil bleibt dem ächten 
Schrattenkalk. 

Li tektoni scher Richtung besteht das Santi sgebirge 
aus sechs nördlich überliegenden gegen Osten diver- 
gierenden Falten, deren Nordschenkel stets stark re- 
duziert sind. Diese Ealten sind von mehreren hun- 
derten von Querbrüchen durchsetzt, von denen die 
meisten horizontale Transversalverschiebungen sind. 
Das ganze Säntisgebirge stellt den weitergefalteten 
Oberschenkel einer grossen Ueberschiebungsfalte dar. 
Die Untersuchungen werden bald in den Beiträgen 
zur geologischen Karte der Schweiz, N. F. Lieferung 
16, erscheinen. 



45 



II. Sektion für Botanik 

zugleich Versammlung der Schweizerischen botanischen 
Gesellschaft. 
Sitzung: Montag den 1. August 1904. 
Präsident: Herr Dr. Hob. Keller, Winterthur. 
Sekretär: Herr Dr. P. Yogier, St. Gallen. 



Herr Dr. Rob. Keller, Winterthur, referiert über die 
um Winterthur vorkommenden blütenbiologischen 
Formen von Salvia pratensis. Man kann zwittrige, gy- 
nodioecische und polygame Individuen unterscheiden. 
Auf Grund einer grösseren Zahl von Beobachtungen 
ergibt sich, dass 52% der 1., 28°/o der 2. und 20 %> 
der Individuen der 3. Gruppe angehören. Die Poly- 
gamie entsteht dadurch, dass entweder die oberen 
Scheinquirle sonst zwitteriger Individuen eine mehr 
oder weniger grosse Zahl gynodioecischer Blüten 
enthalten oder dass in den 3 blutigen halben Schein- 
quirlen die Seitenblüten gynodioecisch, die Mittel- 
blüten zwitterig sind oder dass zwar die Primärachse 
zwittrige, die Seitenachsen aber gynodioecische Blüten 
tragen. 

Die Variationskurve der Korollenlänge weist für 
die zwitterigen Mittelblüten 2 Maxima auf, eines bei 
17 mm, und ein zweites bei 20 mm, so dass also eben- 
falls eine klein- und grossblütige Form unterschieden 
werden kann, deren Blüten aber viel kleiner sind 
als die der mitteldeutschen Salvia (nach Schulz). Die 
Individuen mit gpiodioecischen Blüten sind eben- 
falls klein- und grossblütig. Ihre Korollenlänge be- 
trägt durchschnittlich d /i jener der Zwitterblumen. 



— 46 — 

Bei den polygamen Pflanzen zeigen die Zwitter- 
blüten die oben angegebenen Grössenverhältnisse, 
während ihre gynodioecischen Blüten durchschnitt- 
lich 6 /b der Länge der Korolle rein gynodioecischer 
Pflanzen betragen. Geht also die Umwandlung der 
Stamina in Staminodien stets mit einer Reduktion 
des Schauapparates Hand in Hand, so ist dieselbe 
bei rein gynodioecischen Pflanzen stets bedeutender 
als bei polygamen. 

Herr Dr. 0. Naegeli, Zürich: „Das atlantische Ele- 
ment in der Pflanzenwelt der Nordostschweiz". 

Atlantische Arten sind bei uns Stechpalme und 
Tamus, Daphne Laureola und Scilla bifolia bei 
Zürich, besonders auch die verbreitete Viola alba. 
Versprengte Pflanzen dieses Florengebietes sind in 
der Nordosts chweiz Helleborus foetidus, Helianthe- 
mum Fumana, Géranium nodosum. Ganz besonders 
typisch atlantischen Ursprunges sind die Orchideen 
Aceras, Himantoglossum und Ophrys aranifera, 
deren Verbreitung besonders eingehend an genauen 
Karten gezeigt wird. Die Areale der atlantischen 
Species sind zerrissen, oft existieren grosse Lücken. 
Die Kontrolle der Standorte ist sehr nötig, nament- 
lich zur Entscheidung der Frage, ob hier Relikte 
vorliegen. 

An der Diskussion, die sich hauptsächlich um 
die Definition der Begriffe „atlantisches und medi- 
terranes Element" dreht, beteiligen sich die Herren 
Dr. Hegi, Herr Dr. Steiger und der Vortragende. 
Herr Dr. M. Rikli, Zürich: Das alpine Floren- 
element der Lägern und die Reliktenfrage. (In ex- 
tenso unter „Vorträgen" aufgenommen.) 



— 47 — 

Auch hier erhebt sich eine lebhafte Diskussion 
über die Reliktenfrage, an der sich die Herren Chodat, 
Kaegeli, Hegi und der Vortragende beteiligen. 

4. Herr Dr. M. Eikli, Zürich, mit dem Entwurf einer 
Arvenharte der Schweiz beschäftigt, ersucht die Ver- 
sammlung um Einsendung von Beobachtungsmateri- 
alien und Notizen über diesen interessanten Hoch- 
gebirgsbaum. 

5. Herr Prof. Dr. Paul Vogler, St. Gallen : Mitteilung über 
Taxus baccata L. in der Schweiz. Referent hat im 
Laufe einiger Jahre ein grosses Material gesammelt 
über das jetzige Vorkommen der Eibe in der Schweiz. 
Daraus ergibt sich, dass die Eibe bei uns, soweit 
sie nicht vom Menschen vernichtet wird, nicht 
zurückgeht. Eine demonstrierte Karte der Ver- 
breitung der Eibe in der Schweiz zeigt, dass die 
Hauptverbreitungsgebiete an den dem Mittelland 
zugekehrten Abhängen der beiden Gebirgszüge (Jura 
und Alpen) liegen. (Die detaillierte Arbeit wird 
im „Jahrbuch der naturwissenschaftlichen Gesell- 
schaft, St. Gallen" erscheinen.) 

6. Herr Ingenieur Keller, Bern: Mitteilungen über 
schweizerische Cerastien. Es werden die verschie- 
denen Formenkreise der schweizerischen Cerastien be- 
sprochen und daraus die folgenden Schlüsse gezogen : 

C. glutinosum Er. ist nicht Unterart von C. 
semidecandrum L, sondern von diesem leicht zu 
unterscheiden und zu trennen in : 

s. sp. obscurum Chaubard, dunkelgrün, die untern 
Deckblätter nicht oder kaum hautrandig und 

s. sp. pollens Schultz, blassgrün, die untern Deck- 
blätter ziemlich breit hautrandig. 



— 48 — 

Von C. triviale Link ist abzutrennen : 
s. sp. fontanum Baumgartner, lang behaart, mit 
wenigen grossen Blüten, Fruchtkapseln bis 16 mm 
lang. So in Gfraubünden (Engadin etc.). 

7. Herr A. Thellung, Zürich, demonstriert lebende Adven- 
tivpflanzen aus der Umgebung von Zürich, ferner 
in getrockneten Exemplaren die adventiven zürche- 
rischen Vertreter der Gattung Trifolium. 

8. Herr Dr. O. Hegi, München: Die Alpenpflanzen 
des Zur eher Oberlandes. (Li extenso unter „Vor- 
träge" aufgenommen.) 

Herr Dr. Naegeli verteidigt kurz seinen Stand- 
punkt einer Zulassung postglacialer Neueinwande- 
rung der Alpenpflanzen. 

9. Herr Dr. Q. Senn, Basel: Die Dunkellage der 
Chlor ophyllkörner . (In extenso unter „Vorträge" 
aufgenommen.) 

10. Herr Dr. A. Ernst, Zürich: Die Assimilations- und 
Stoffwechselprodukte bei Derbesiaarten. Während die 
in der Differenzierung des Zellinhaltes gegebenen 
Merkmale vielfach zur Charakterisierung grösserer 
Eormenkreise niederer Pflanzen, im besonderen der 
Algen, verwendet werden können, zeigen die drei 
im Mittelmeere vorkommenden Vertreter der isoliert 
stehenden Siphoneengattung Derbesia (D. Laniour- 
ouxii, tenui ssima und neglecta) merkwürdige Ver- 
schiedenheiten in den Assimilations- und Stoffwechsel- 
produkten. Die Schläuche von D. Lamourouxii und 
tenuissima entharten bei normaler Beleuchtung grosse 
Chloroplasten , in welchen die Stärkebildung an 
Stärkeherde (Pyrenoide) gebunden ist. D. neglecta 
dagegen kommen kleine ellipsoidische, pyrenoiden- 



— 49 — 

lose Chloroplasten zu; ini Plasma dieser Art treten 
grosse Stärkekörner auf. Alle drei Arten führen im 
Plasma als Eeservestofï geformte Proteins ubstanzen 
in Gestalt von Protei'nsphäriten und fluorescierenden 
Fasergebilden ; einzelne Pflanzen von D. Lamourouxii 
überdies noch Proteïnkristalloide des regulären Sy- 
stèmes (Octaëder). D. neglecta endlich unterscheidet 
sich von den beiden anderen Arten noch durch Aus- 
scheidung von Calciumoxalat in Kristallformen des 
tetragonalen Systems. 
11. Herr Dr. G. Haber, Zürich: Limnolog Ische Studien 
an einigen südtirolischen Seen. Die zwei Mon- 
ti gglerseen und der Kalterersee (3 bis 4 Stunden 
SSW Bozen) sind die ersten Seen von Tirol, die 
nach umfassendem limnologischem Programm während 
der Dauer eines Jahres (1902) periodisch (monatlich 
1 — 3 mal) beobachtet wurden. Die beiden ersten 
liegen auf einem Plateau (== alter Talbodenrest, 
Porphyr), 500 und 510 m ü. M., der Kalterersee 
(216 m) auf der Endfläche einer „alten" (diluvialen) 
Etschrinne. Die beiden Montigglerseen sind das 
Produkt ehemaliger Yergletscherung (Rundhöcker- 
landschaft!), Kalterersee durch Etschalluvionen ge- 
gestaut. Kleiner Montigglersee: zirka 15 m Tiefe, 
5 ha Oberfläche; grosser Montigglersee: zirka 13 m 
Tiefe, 17 ha; Kalterersee: zirka 5 m Tiefe, zirka 
1 km 2 ). — Die Biologie (eingehend studiert) ergibt 
u. a. folgendes Resultat: Zahl der Spec. (incl. var.) 
in der litoralen, profundalen und pelagischen Region 
des grossen Montigglersees zusammen: 323 Pflanzen 
und 188 Tiere. Yon den zirka 300 gefundenen 
Algen (258 litoral und 43 planktonisch) sind 65 neu 
für Tirol. 



— 50 — 

12. Herr Dr. H. C. Scheüenberg, Zürich: Ueber einige 
neue Sklerotinia. Herr Dr. Sehellenberg demonstrierte 
folgende neue Sklerotinien: 

1. Sklerotinia ariae Schellenberg ; Apothecien und 
Conidien auf Sorbus aria. Wassen, Reusstal. 

2. Die Sklerotien einer Sklerotinia auf Sorbus 
chaîna emespilus. Ofenberghaus. 

3. Die Sklerotien einer Sklerotinia auf Mespilus 
germanica. Posehiavo. 

4. Die erkrankten Pflanzen und die Apothecien 
von einer Sklerotinia auf der Halmbasis der 
Gerste: Sklerotinia Hordei Schellenberg. 

5. Die von einer Sklerotinia erkrankten Früchte 
der Baumnuss. Ueberall im Kanton Zürich. 

13. M. le prof. Dr. P. Jaccard, Zurich: Influence de 
la pression des gaz sur la croissance des végétaux. 
Nouvelles recherches. Dans un article publié dans 
..Berichte der deutschen Botanischen Gesellschaft, 
mars 1903", Oswald Richter, sans avoir d'ailleurs 
répété les expériences de M. Jaccard, attribue l'accé- 
lération de croissance des plantes croissant dans 
l'air déprimé, au fait que ces plantes ont été sous- 
traites à l'influence de l'air du laboratoire, tandis 
que les plantes servant de contrôle étaient entravées 
dans leur développement par l'air du laboratoire 
toujours plus ou moins chargé de gaz d'éclairage 
et de vapeurs acides, ou mercurielles. Les cultures 
entreprises par M. Jaccard en juin et juillet derniers 
dans le laboratoire de physiologie végétale du Poly- 
technikum, n'ont présenté aucune des altérations ou 
dégénérescences signalées par Richter: toutes étaient 
plaines de vigueur et parfaitement normales, aussi 



— 51 — 

bien dans l'air du laboratoire à la pression normale 
que dans l'air déprimé. Les expériences ont porté 
sur Pomme de terre, Aubergine, Cyclamen, Topi- 
nambour, Maïs, Blé, Tabac, Polygonum sacchalinense, 
Pérès. Les cloches employées avaient 55 cm de 
hauteur, une contenance de 33 litres environ. La 
pression atmosphérique était abaissée dans une partie 
des cloches au moyen de la trompe à eau à x / 2 
atmosph. environ. (30 — 40 cm Hg.) Les cloches de 
contrôle, identiques aux autres, étaient fermées her- 
métiquement et traitées de la même manière que 
les autres sauf pour la pression. 

En tenant compte de la moyenne des diverses ex- 
périences, la croissance est sensiblement accélérée dans 
l'air déprimé. La difficulté qu'il y a d'obtenir des 
plantes supérieures adultes exactement comparables 
empêche de tirer une conclusion certaine d'un petit 
nombre d'expériences; ce n'est qu'en les multipliant 
et en tenant compte de la moyenne des résultats 
qu'on observe une différence appréciable. 

L'opinion de 0. Richter attribuant cette diffé- 
rence à l'influence pernicieux de l'air du laboratoire, 
est dans le cas particulier absolument insoutenable. 
Ce qui plus que l'air du laboratoire doit avoir en- 
travé le développement des cultures faites par 0. 
Richter à Prague, dans l'hiver 1902 — 1903, c'est le 
manque de lumière. Les cultures faites à Paris en 
1893 par M. Jaccard se trouvaient à tous égards 
dans des conditions très favorables. 

14. M. le prof. Dr. P. Jaccard, Zurich, démontre un 
nombre de Mycorhyzes endotrophes chez Aesculus 
Hippocastanum. Waage, à la suite d'un travail entre- 



— 52 — 

pris dans le laboratoire du Prof. Frank, à Berlin, 
sur les racines des Hippocastanées (1894), conclut 
à l'absence de mycorhyzes chez le maronnier d'Inde 
et chez les Hippocastanées en général. Sarauw, dans 
la Revue mycologique 1904, arrive à la même con- 
clusion. En examinant les racines d'un grand nombre 
de maronniers et de Pavia rubicunda provenant des 
environs de Zurich, l'auteur a rencontré d'une ma- 
niere constante des m ycorhyzes endotrophes dans les 
courtes racines latérales ('Kurzwurzel) ainsi que dans 
le parenchyme cortical des radicelles de tous les 
individus examinés. Dans les „ Kurz würz ein" le dé- 
veloppement des hyphes marche de pair avec la dis- 
parition des tannoïdes. Le tissu sous-épidermique 
des longues radicelles renferme une quantité de 
spores du type Fusarium mélangées à de nombreuses 
hyphes qui semblent appartenir à l'espèce endophyte; 
enfin, le parenchyme cortical renferme en assez 
grande quantité de gros organes (sporangioles de 
Janse) remplis de „sphérules" qui sont insérés sur 
les ramifications des hyphes. 

3ML le prof. Dr: P. laccar d: Nouvelle forme de my- 
corhyzes chez V Ar olle (Pinus Cembra). En parcourant 
la Haute-Engadin, l'auteur a recueilli sur les racines 
de jeunes arolles croissant sur des coussins d'airelles 
couvrant de gros blocs de granit, de grosses nodosités 
blanches irrégulières, de la grosseur d'un pois, portées 
par les radicelles et s'étalant directement sur la couche 
d'humus et de radicelle en contact avec la surface 
du granit. Un examen rapide a montré qu'il s'agit 
de courtes ramifications radiculaires complètement 
enveloppées d'une pelotte d'hyphes blanches. Une 
étude plus complète paraîtra prochainement. 



53 



15. Herr Prof. Dr. A. Rössel, Bern, macht auf die 
bedeutenden Fortschritte der landwirtschaftlichen 
Chemie aufmerksam und glaubt, dass in der schwei- 
zerischen naturforschenden Gesellschaft diese Wissen- 
schaft mehr vertreten werden sollte. Er macht 
aufmerksam, dass festgestellt ist, dass die Boden- 
analysen keine genügende Auskunft über die Er- 
nährungsfähigkeit des Bodens geben können, dass 
die einzige richtige Methode, um die Bodenbedürf- 
nisse an Pflanzennahrungsmittel festzustellen, die 
Yegetationsversuche sind. 

Es wäre von allgemeinem Interesse, wenn der 
Botaniker sich an diesen Versuchen beteiligen würde, 
und es gibt eine sehr einfache Methode, den Einfluss 
von Mineralsubstanzen auf die Entwicklung der 
Pflanzen zu prüfen. Es werden kleine Versuchs- 
felder angelegt, die man sowohl auf den Weiden 
des Juras, als in den Alpen antreffen sollte, die 
sehr wenig Mühe und Arbeit machen und einen 
bleibenden Wert besitzen. 



Diese haben folgende Form: 







b 





KP 





N 


KP 
N 


-1 



c 


KP 


V 



d 



Man erhält auf diese Weise neun Yersuchs- 
quadrate. Zu botanischen Zwecken im Freien würde 
ich vorschlafen, an verschiedenen Stellen solche 



— 54 — 

Figuren, ohne an der Vegetation etwas zu ändern, 
auf dem Boden auszustecken, die Fläche a, h, c, d 
von 3 m 2 Oherfläche würde man mit 50 g Kalisalz, 
die Fläche e, f, g, h mit 50 g Superphosphat über- 
säen. Auf diese Weise würde man 4 Quadrate 
als Zeugen, zwei Quadrate K, K mit Kali ver- 
sehen, 2 Quadrate mit P, P und 1 Quadrat KP mit 
Kali und Phosphorsäure erhalten. 

Bei unserem Beispiel ist die Fläche a, b, c, d 
mit Kalisalz und Superphosphat (KP), die Fläche 
e, f, g, h mit Natronsalpeter (Stickstoffnahrung) OST) 
übersät. 

Ulan kann selbstverständlich nach Belieben diese 
Methode verwenden, um den Einfluss verschiedener 
Xährsalze zu erproben: es ist z. B. sehr lehrreich, 
sämtliche 5 Quadrate des Kreuzes a, h, c, d und e, f, 
g, h mit 100 g fein gemahlenem Kalkstein auf san- 
digem Boden zu übersäen und zugleich die übrigen 
Nährstoffe zu kombinieren. 

Die Eesultate des Einflusses der Nährstoffe auf 
wildwachsende Pflanzen nach dieser ebenso ein- 
fachen, wie genauen Alethode würden mit Interesse 
verfolgt und wissenschaftlich wichtige Fragen an- 
regen. 

Eine Anregung des Vortragenden, in Zukunft 
eine Sektion „Landwirtschaft" einzurichten, soll dem 
nächsten Jahres vorstand mitgeteilt werden. 

16. Herr Prof. Dr. Chodat, Genf, demonstriert: Algen- 
kulturen. 

17. Herr Dr. Steiger, Basel, demonstriert eine Auswahl 
interessanter Pflanzen aus dem von ihm in den 
letzten Jahren untersuchten Adulagebiet. 



— 00 — 

Aspidium Br aunii aus Val d' Ozogno, Yal Calanca 
und Misox. 

Car ex cairillaris, var. nana (var. nov.), als Bei- 
spiel der Zwergvegetation in den Splügner Kalk- 
bergen. 

Carex Goodenovii rar. androggna (var. nov.), bei 
welcher unter dem Fruchtknoten Antberen sieb aus- 
bilden, die zum Utriculus herausragen, und so die 
weiblich angelegten Ahrchen anfangs männlich er- 
scheinen lassen. 

C. curvala lusus longearistata. Das Deckblatt 
in eine Granne auslaufend, die den ganzen Blüten- 
stand überragt, von der ciuccia (Alisox). 

Eine Serie von Bastardformen: Saxifraga aizoon 
X cotylédon aus dem Tessintal. 

Gentiana nivalis var. violacea (var. nov.) vom 
Einshorn. 

Ajuga Hampeana von der Alp Xaucolo (Y. 
Calanca). 

Hieracium pallidiflorum Jord. var. Seringeanum 
Zahn aus Val Pontirone. 

Astragalus alpinus L. v. erectus (var. nov.) von Vais. 

Festuca ovina L. var. capïllata Hackel von Girono. 

Carex nitida von Alogna. 

Carex bicolor von Alp Tomül. 

Juncus castaneus von Alp Tomül. 

Saxifraga exarata var. striata Hall. fil. aus ]\fisox. 

Gentiana vulgaris (Neilr.) Beck, extreme .Kalk- 
form von Sufers. 

Gentiana vulgaris (Neilr.) Beck. f. biflora vom 
Vignonepass. 

Carlina longifolia aus Misox. 



— 56 — 

H ieracium fiiscumViìì. subspec. chryscudhes X. P. 
aus dem hintern Saliertal und mehrere andere Arten. 

18. Nachmittags: Exkursion nach Andelßngen unter 
Leitung von Herrn Dr. 0. Naegeli, Zürich. In 
. ansehnlicher Zahl pilgerten die Teilnehmer der kleinen 
Exkursion in der glühendsten Sonnenhitze den kleinen 
Seen Andelfingens zu, die zwar zu klein waren. 
um Kühlung zu spenden, aher gross genug, um 
hochinteressante Verhältnisse darzulegen. Besonders 
schön präsentierten sich die verschiedenen Stadien 
der Verwachsung, denen spezielle Aufmerksamkeit 
gewidmet wurde: nebenbei sammelte mancher Florist 
mit Wonne seltene, ihm bisher noch nicht beschert 
gewesene Pflanzen. Am Mördersee mussten ganze 
Massen des erst 2 Tage vorher als neu für die 
Schweiz entdeckten Potamogeton acuüfolius dem 
stillen Wasser entnommen werden, bis sich alle 
befriedigt erklärt hatten. Daneben erfreuten sich 
Oenanthe Phellandrium und Spar ganium simplex einer 
grossen Anziehungskraft. Am Burketensee wurden 
die unerschöpflichen Massen des so seltenen Cerato- 
phyllum submersum dezimiert, daneben Mentha verti- 
cillata und Lemna trisulca der Büchse einverleibt. 
Der Chlisee bot riesige Exemplare des Teucrium 
Scordium, der Carex volpina und der Veronica 
saltellata. Der Grossee imponierte durch sein Lem- 
netum (polyrrhizüj, in dem auf einigen schwimmen- 
den Balken Ranunculus sceleratus herumtrieb. Am 
Steinengrundsee galt der Besuch der Hippuris und 
dem OpJdoglossum und am Beetsee gefielen vor allem 
die Eormati Mil des Ringgrabens und des zentralen 
Beetes. 



— Di- 
lli. Sektion für Zoologie 

zugleich Versammlung der Schweizerischen zoologischen 

Gesellschaft. 

Sitzung: Montag den 1. August 1904. 

Präsident und Sekretär : Herr Dr. H. Fischer-Sigwart, 

Zofingen. 

(Wegen des bevorstehenden internationalen Kongresses in Bern waren 
die Zoologen in "Winterthur sehr schwach vertreten.) 



1. Mitteilungen von Herrn Dr. H. Fischer-Sigwart, 
Zofingen: Aus der Schutzzone von Sem/pack: 

a. Fulica atra. Nachdem im Herbst 1901 bei 
Sempach eine Schutzzone gebildet worden, stellten 
sich bald im dazu gehörenden Teile des Sees viele 
sonst scheue Vögel ein. Oft Hessen sich grosse 
Mengen schwarzer Wasserhühner auf dem See nieder. 
Am 1. Oktober 1901 erschien ein ungeheurer Zug aus 
dem Norden, der auf dem See eine grosse Fläche 
bedeckte. 

Von diesem Zug zog ein Teil nach wenigen 
Tagen weiter, eine grosse Anzahl blieb jedoch den 
Winter über auf dem See. Ausserdem kamen auch 
kleine Flüge der Kolonien von Luzern her. die in 
kleinen Truppen zusammenhielten und mit den 
nördlichen nicht gemeinsame Sache machten. 

Sie waren auch zahmer und zutraulicher. Am 
meisten aber zeigte sich der Unterschied zwischen 
den nordischen und den halb domestizierten von 
Luzern, als nach ISTeujahr der See anfing zuzufrieren, 
Die robustem nordischen "Wasserhühner zoo-en einfach 



— 58 — 

weiter. Die einheimischen aber gerieten in grosse 
Not, und als der See ganz zufror, erlagen eine 
grosse Anzahl dem Hunger und der Kälte. Viele 
wurden von den Anwohnern gefangen und verpflegt ; 
meistens mit den Hühnern in Hühnerställen. Als 
nach kurzer Zeit der See wieder eisfrei wurde, liess 
man die schwarzen Wasserhühner wieder hinaus ; sie 
hatten sich aber schon so in ihr Schicksal ergehen 
und an die Gesellschaft der Haushühner gewöhnt, 
dass sie lange Zeit jeden Abend mit diesen wieder 
freiwillig in die Hühnerställe zurückkehrten. Das 
war ein untrügliches Zeichen eines halbdomesti- 
zierten Zustandes und damit wohl auch ihrer Her- 
kunft von der Kolonie von Luzern. 

Das schwarze Wasserhuhn ist in den letzten 
Jahren in der Schweiz überall häufiger und ver- 
breiteter geworden. Um Zofingen werden alle Winter 
einige verflogene an abgelegenen Orten gefangen, die 
am verhungern sind. 

Auch ist dieser Vogel seit einigen Wintern auf 
verschiedenen Seen aufgetreten, wo er früher nie 
zu finden war, so auf dem Zürichsee, dem Zuger- 
see, dem Mauensee und andern. 

b. Podiceps cristatus. In der Schutzzone von 
Sempach hat sich auch der Haubenlappentaucher 
eingefunden, der auf dem Sempachersee alle Winter 
regelmässig gejagt wird. Es werden jeden Winter 
50 — 80 Stück erlegt. Bis jetzt hat man nicht kon- 
statieren können, dass dieser Vogel auf dem See 
gebrütet hatte. Seit aber die Schutzzone existiert, 
hat er sich dort akklimatisiert und auch seit meh- 
reren Jahren gebrütet. Ich besitze von dort Exem- 
plare im Hochzeitskleide, und bei der Badanstalt 



— 59 — 

Sempach sah ich im Mai 1904 drei Exemplare im 
Hochzeitskleide auf eine Distanz von weniger als 
100 — 150 Meter, d. h. so nahe, dass ich den Hoch- 
zeitskragen mit einiger Anstrengung von blossem 
Auge, sehr gut aber mit dem Feldstecher beobachten 
konnte. Es war ein Weibchen und zwei Männchen, 
die sich um das "Weibchen stritten. 

Auch Wildenten, Wasserrallen, grünfiissige und 
punktierte Wasserhühner, Sägetaucher u. s. w. haben 
sich bald in dieser Schutzzone eingebürgert. 

2. Mitteilungen von Herrn Prof. Dr. F. A. Forel, Morges, 
über : 

a. Les Mouettes sur le Léman. Un dénombrement, 
répété à diverses reprises, des Mouettes rieuses 
(Larus ridïbundus) a montré que les grandes mi- 
grations ont lieu vers le 20 mars, départ vers le ISTord, 
pour les nichées, et en automne, octobre ou novembre, 
retour pour le séjour hivernal sur notre lac. H reste 
cependant deux ou trois cents oiseaux au printemps 
dont une partie nichent certainement chez nous. Au 
mois de juillet, un retour partiel fait remonter la 
population à deux mille oiseaux environ. 

o. Pêche sur les fauberts. Pour récolter facile- 
ment une partie des animaux de la faune profonde 
des lacs, laissons reposer sur le sol, pendant deux 
ou trois jours, des fauberts, soit balais de fil, des 
paquets d'étoupes et autres faisceaux de filaments. 
C'est par centaines que Ton récolte ainsi les ani- 
maux mobiles, Hydrachnides, Crustacés, etc., qui 
semblent prendre plaisir à se poser sur ces corps, 
plus solides que la vase molle des grands fonds. 



— 60 — 

IV. Sektion für Chemie 

zugleich Versammlung der Schweizerischen chemischen 
Gesellschaft. 

Sitzung: Montag den 1. August 1904. 

Präsidenten: Herr Prof. Dr. 0. Billeter, Neuenbürg. 
Herr Prof. Dr. E. Schaer, Strasshurg. 
Sekretär: Herr Prof. Dr. H. Rupe, Basel. 



1. Herr Prof. Dr. A. Werner, Zürich. Über einige 
neue Chromsalze. Zu Untersuchungen, die angestellt 
wurden, um die zwischen den beiden bekannten 
isomeren Chrom chloridhydraten zu erwartende Ver- 
bindung Cr CI3 -J- 6 H2 mit nur zwei dissoziations- 
fähigen Chloratomen darzustellen, wurde ein von 
Recoura dargestelltes, folgendermassen formuliertes 
Chlorochromsulfat (Cr Cl) S 0* + 6 H 2 als Aus- 
gangspunkt gewählt. Die Versuche haben gezeigt, 
dass die Formel von Recoura zu verdoppeln ist und 
dass das sogenannte Chlorosulfat folgendermassen 
zu schreiben ist: 

Cr ^ 2 1 (SO*) a Cr(OH 2 ) 6 j +2H2O 

Man kann somit folgende allgemeine Formel für die 
Konstitution aufstellen. R (S O4) 2 [Cr(OH2)e]. In 
dieser Formel bedeutet R irgend ein komplexes ein- 
wertiges Radikal. Im Falle des Salzes von Recoura 

ist es (Cr ._ " ). Wir haben es aber auch er- 

V (0 H 2 ) 4 / 

setzen können durch ( Cr „ . ); denn durch Ein- 
\ (U n.2) i I 



— 61 — 

Wirkung von Brornwasserstoff auf Chromsulfat erhält 
man ein dem Becoura'schen Chlorosulfat entsprechen- 
des Broniosulfat. Die Konstitution dieser Verbin- 
dungen konnte bewiesen werden durch eine neue 
synthetische Darstellung aus violettem Chromchlorid 
und grünem Chromchlorid, respektive Chrombromid 
durch Zusatz von etwas Schwefelsäure. 

r c „(OH 2 ) 4 - 



ci 2 j 

=4HC1+ 



Cl+[Cr(OH 2 ) 6 ] Cl3+2H 2 S0 4 +2H 2 
(OH2V 



Cr 



(soo> 



CrfOHV) 



D+ 



2H 2 



Cl 2 _ 

An Stelle des Hexaquochromradikals kann man auch 
das Hexaquoaluminiumradikal einführen und in dieser 
Weise Verbindungen von folgender Zusammensetzung 
erhalten 

I Cr (°,? 2 ) 4 ~| (S O4) 4 [AI (0 H 2 ) 6 ] + 2 H 2 
L C12 _l 

Endlich sei noch erwähnt, dass wir an Stelle derDiha- 

logenotetraquochromradikale auch Metallammoniak- 

(OH 2 ) 

reste einführen konnten, z. B. 



Cr(is T H 3 )2 
_ CI2 _ 



und 



en 2 I 



1 Co^ ' , so dass z. B. Verbindungen der fol- 
genden Zusammensetzung erhalten wurden : 

JCo^~](S04>2 [Cr(OH 2 ) 6 ] u. 0o^ 2 j(SO 4 )2 [Al(OH 2 ) 6 ] 

Wenn man die empirische Formel einer solchen 
Verbindung, z. B. der letzten aufstellt : 

CoAlC4X4Cl 2 S 2 Hi 6 Oi4 
und damit den so ausserordentlich einfachen Aus- 



*) en bedeutet Aethylendiaruin isß.2 . G H2 . CH2 . XH2. 



— 62 — 

druck der Konstitutionsformel vergleicht, so über- 
zeugt man sich, wie unrichtig der Ausspruch ist, 
die Konstitutionsformeln könnten auf anorganischem 
Gebiete nichts leisten. Man kommt vielmehr zur 
Überzeugung, dass der Strukturlehre auf anorgani- 
schem Gebiete in Zukunft eine ebenso wichtige 
Rolle zukommen wird, als in der organischen, wenn 
auch die Basis, auf der sie sich aufbaut, eine wesent- 
lich andere ist, als in der organischen Chemie. 

Zur gleichen Ueberzeugung führt auch die Be- 
trachtung der Ergebnisse einer andern Untersuchung, 
die ich in Gemeinschaft mit Herrn Javanovits in 
der Chromreihe durchgeführt habe. Beim Eindampfen 
von Hexamminchromchlorid oder von Chloropentam- 
minchromchlorid mit Rhodankalium und Essigsäure 
entsteht ein in Wasser ziemlich leicht lösliches 
grünes Chromsalz, das wir durch Kristallisation 
aus Aceton reinigten. Die ausserordentlich kom- 
plizierte Zusammensetzung der Verbindung ver- 
ursachte der Feststellung der Formel ausserordent- 
liche Schwierigkeiten. Es zeigte sich, dass die 
Verbindung folgende Elemente enthält: Chrom, 
Stickstoff, Kohlenstoff, Schwefel, Sauerstoff und 
Wasserstoff und zwar in einem ganz merkwürdigen 
Verhältnis. Erst beim Studium der Einwirkung 
von Silbernitrat konnten wir zu übersichtlicheren 
Resultaten gelangen. Eine wässrige Lösung des 
Salzes gibt mit Silbernitrat anfänglich nur eine 
schwache Trübung, die sich jedoch bald vermehrt, 
bis sich zum Schlüsse ein weisser, käsiger Nieder- 
schlag abscheidet, der sich als Rhodansilber erwiesen 
hat. Aus der schön grünen Salzlösung kristalli- 
siert beim Eindunsten ein Nitrat aus. Um aber 



— 63 — 

bessere Anhaltspunkte zu gewinnen, haben .wir nicht 
dieses, sondern das prachtvoll krystallisierende Chlo- 
roplatinat analysiert. Dabei hat sich gezeigt, dass 
das Platinchloridsalz eines einwertigen komplexen 
Chromradikals vorliegt, das folgende Zusammen- 
setzung zeigt: 

(CHbCO.).^ ^ 
H3N (OH 2 ) 2 

Dieses merkwürdige Radikal zeigt eine bemer- 
kenswerte Beständigkeit, denn trotz wochelangem 
Stehen in wässriger Lösung wurde an den Salzen 
nie eine Veränderung beobachtet. Es wird nun 
Zweck der weiteren Untersuchung sein, in die Kon- 
stitution auch dieses komplexen Radikals einzu- 
dringen, um auch an ihm zu zeigen, dass es eine 
wichtige Aufgabe der heutigen anorganischen Chemie 
ist, eine Konstitutionslehre der anorganischen Ver- 
bindungen anzubahnen. 

M. le Dr. A. Jaquerod, G-enève, présente un travail 
effectué en collaboration avec M. A. Pintza sur la 
densité de l'anhydride sulfureux et le poids atomique 
du soufre. 

La densité a été déterminée à 0° et à diverses 
pressions au moyen d'un appareil comprenant deux 
ballons d'une contenance totale de 3500 cm 3 environ, 
exactement jaugés et reliés à un manomètre à mer- 
cure. L'anhydride sulfureux était pesé à l'état liquide, 
dans un petit réservoir cylindrique en verre épais, 
fermé par un robinet également en verre, et qui 
pouvait s'adapter au système des ballons jaugés. Par 



— 04 — 

ce procédé, La pesée de ballons de grande dimen- 
sion, toujours délicate à effectuer, était éliminée. 
Les corrections nécessitées par La petite portion de 
gaz située hors de la glace, la compressibilité de 
L'anhydride sulfureux, etc., onl été effectuées. 
Voir les résultais de ces déterminations: 

Nombre de Poids du Utre Ecart inasinì ma 

Pression , . normal de 

déterminations ^q» ; - t qo avec la moyenne 

760 7 2.92664 gr 0.00028 

569.28 1 2.17891 „ 

380 4 i.44572 „ 0.00041 

Oes données permettent île calculer facilement la 
densité limite du gaz sulfureux par rapport à L'oxy- 
gène, et, par suite, ainsi que L'ont mentre Lord 
Rayleigh et Daniel Berthelot, le poids moléculaire 

«le ce gaz. En prenant comme poids du litre normal 
d'oxygène La valeur 1.4290 gr, et en Le ramenant 
à la pression au moyen du coefficient de compres- 
Bibilité déterminé par Leduc, on arrive, en partant 
des données ci-dessus à la valeur 64.01 pour Le poids 
moléculaire de SO a (système = 16) d'où, le poids 
atomique du soufre S - 32.01. 

'.'>. ML le prof. Dr. 0. Billeter, Neucbâtel: La diméthylr 
xmfhogénamide S C . C2ÏÏ6 . N (CHa)», liquide in- 
colore, bouillanl à K2,()" sous lu mm, obtenu par 

l'action de l'alcool sur la chlorure diméthylthiocar- 
bamique, s'oxyde à l'air humide en ré pendant d'épaisses 
fumées et une odeur rappelant celle du phosphore 
humide exposé à l'air, t'ai présence de la soude, 
l'oxydation s'opère essent i < -1 lement d'après L'équation 
schématique 2 S C . Ca H 6 .N(CHb)« -f 2 0« -f 
HtO>-2 OC ne. Il s. N (CH 3 > + S2O3 H 2 . 



— 65 — 

Il se forme en outre - .: du sulfate. 

Le thiosulfat se trouve as grande : 

du sulfite en un anhydride qui gît a le en 

donnant du trithionaf 

- •: Kaa + 2J-f H2O >- 2 J H - - X;. 

Les homolog ?s rthylxanthogênamide 

se comportent d'une facon analogue. 

Le travail êtî fait m arai avec 31. 

H. Berthoud. 

4. M. le prof. Dr. A. Pidet, Genève, parle des produits 

d'oxydation qu'il a obtenus en traitant last 

par l'eau oxygénée, et en tire quelques conclusions 

au sujet de la constitution de cet alcaloïde 

5. Herr Prof. Dr. Ed. x Starassi _. lacht ànige 
Mitteilungen über die in seinem Laboratorium durch 
Hrn. Feder ausgeführten Beohachtii gen über I 
Fehling'sehe Lösung, sowie andere Z îag 
hinsichtlich des Ersatzes der kaustiscJ en Alki 
durch schwachhasische anorganische und organische 
Substanzen, ebenso über analoge bei der B 
Reaktion auf Eiweissstoffe obwaltende Verhältniss 

6. Herr Prof. H. Buge. Basel: Leber die Redukt 
mehrfach ungesättigter Ketone. 

Der Cinnamalcamplv 1 

CHa CH C = GH - CH = CH — C,-H 5 

CHs — C — CEU 

! 

CHa C Ü 

CH 3 



66 — 



liefert bei der Reduktion mit Katri um -Amalgam in 
saurer Lösung den Phenylbutancampher. 

CH 2 CH CH — CH 2 — CH-2 - CH 2 — C 6 H ä 



CH3 — C — CH3 

1 

CH* C - 



CO 



CH 3 



mit Zinkstaub und Eisessig dagegen 3 weitere Re- 
duktionsprodukte , 2 stereoisomere Di-Pkenvlbuten- 
di-Campher 

CH2 C CO 

CH 3 — C— CH 3 
CH2 C C — CH — CH = CH — Co H5 

! 

CHs 

CH 3 

I 
-G — 



CH 2 - 

CH3 — C — CH3 
: ( h 2 CH 



C _ CH — CH = CH — Ce H 5 



CO 



und einer vollständig reduzierten Di-Phenylbutan-di- 
Cainpher. 

Die ungesättigten Dicampherderivate geben je 
2 Bromwassiistoliadditionsprodukte, welche bei der 
Reduktion mit Zinkstaub und Eisessig 2 isomereDi- 
l'hriivlbutaii-di-Oamplier bilden. 

Die Cinnamal-Lävulinsäure (I) liefert bei der 
Reduktion mit Natriumamalgam eine ungesättigte 



— 67 — 

Säure (II) , deren Bromwasserstoffadditionsprodukt 
beini Behandeln mit Kaliunicarbonat eine neue Säure 
bildet (in). 

I. C 6 H 5 — CH == CH — CH = CH — CO — CH 2 
— CH 2 — COOH. 

IL C 6 H 5 — CH 2 — CH = CH — CH 2 — CO — 
CH 2 — CH 2 — COOH. 

ni. C 6 H 5 — CH 2 — CH 2 — CH = CH — CO — 
CH 2 — CH 2 — COOH. 

Die Konstitution dieser beiden neuen Säuren er- 
giebt sich aus der Stellung des Broms im Hydro- 
bromid, das aus beiden Säuren II und III entsteht, 
und das beim Behandeln mit Pkemylhydrazin ein 
Pyrazolinderivat liefert. 

Das Cinnamalaceton endlich giebt beim Redu- 
zieren mit Natriumamalgam ein ß — y — unge- 
sättigtes Keton: 

C 6 H 5 — CH = CH — CH = CH — CO — CH 3 = 
Ce H 5 — CH 2 — CH = CH — CH 2 — CO — CH 3 . 

7. Herr Dr. P. Pfeiffer, Zürich. Über Aquochrom- 
salze. Es werden die drei Salze: CrBr 3 -|-2en; 
Cr Brs + 2 en -f H 2 ; Cr Br 3 -f 2 en -|- 3, 5 H 2 
beschrieben und deren Konstitution eingehend dis- 
kutiert; gemäss den Dissoziationsverhältnissen kom- 
men ihnen der Reihe nach folgende Konstitutions- 
formeln zu: 



Cr!" 
_ Br 2 _ 



Bi 



en 2 
Cr OH 2 
Br . 



T> \ n en2 
Br2 'L Cr (OH 2 >_ 



Br 3 -f-l,5H 2 



— 68 — 

Das letztere Salz bietet dadurch besonderes Literesse, 
als es eine erhebliche Lücke unter den Übergangs- 
gliedern zwischen den Hexaminsalzen und den Chroni- 
salzhydraten ausfüllt. Seine Eigenschaften entspre- 
chen durchaus seiner systematischen Stellung. Ferner 
wird noch auf die verschiedenartige Bindungsweise 
des Wassermoleküls in den Salzen : 

Cr Br 3 + 2 en + OH 2 und Cr Cl 3 + 2 en -f OH 2 
aufmerksam gemacht. Dem Chlorid kommt als 
Repräsentant der Diacidosalze die Konstitution 

Cr®? 2 |ci-f H2O zu. 
C12 _! 



— 69 — 

V. Sektion für Physik und Mathematik 

zugleich Versammlung der Physikalischen Gesellschaft 

Zürich. 

Sitzung: Montag den 1. August. 

Präsidenten: Herr Prof. Dr. A. Kleiner, Zürich. 

Herr Prof. Dr. E. Hagenbach-Bischofï, 
Basel. 
Sekretäre: Herr Dr. J. Kunz, Zürich. 

Herr Dr. F. Laager, Zürich. 



Zuerst übernimmt Herr Prof. Dr. Hagenbach das 
Präsidium und eröffnet die Sitzung mit der gegenseitigen 
Vorstellung der Anwesenden. 

Li rascher Folge werden clami 11 Vorträge resp. 
Demonstrationen gehalten. 

1. Herr Prof. Dr. A. Gockel, Freiburg (Schweiz) : Radio- 
aktives Gas in der Atmosphäre und im Erdboden. 
Der Vortragende bespricht die Resultate seiner in 
Freiburg (Schweiz) und auf dem Brienzer Rothhorn 
angestellten Messungen der Radioaktivität der Atmo- 
sphäre. Als wesentlichstes Resultat ergiebt sich, class 
diese Radioaktivität in Freiburg ungefähr 3 mal so 
stark ist als in Wolfenbüttel, und dass sich auf dem 
Grate des Brienzer Rothhorn sehr starke Aktivier- 
ungen im Felde der Erde erzielen Hessen. Die 
Aktivierung wird besonders stark bei Föhn. 

Sehr reich an radioaktiver Emanation sind die 
Quellgase von Baden (Aargau), während das "Wasser 
wenig Emanation gelöst enthält. 

2. Herr Dr. J. Maurer, Zürich, spricht: Über die Be- 
teiligung der Schweiz an den internationalen wissen- 



— 70 — 

schaftìichen Ballonfahrten, die seit dem Jahre 1903 — 
auf Anregung der eidgenössischen meteorologischen 
Kommission und mit Unterstützung der internatio- 
nalen Assoziation für wissenschaftliche Luftschiff- 
fahrt — seitens der schweizerischen meteorologischen 
Zentralanstalt durch Sondierungen der höhern atmo- 
sphärischen Schichten über dem Alpengebiete mittels 
Lancierung von Registrierballons ausgeführt werden. 
Die Mitteilungen sind durch Vorweisungen und 
Demonstrationen unterstützt, welche die modernen 
Methoden zur Erforschung der Meteorologie der 
höhern Luftschichten mit Hilfe der Sondierballons 
darlegen. 

Um halb 10 Uhr wird den Teilnehmern der 
physikalisch-mathematischen Sektion ein mitWasser- 
stoffgas gefüllter Assmannscher Registrierballon vor- 
geführt, der, nachher hochgelassen, eine Höhe von 
über 10000 m erreichte und noch am selben Vor- 
mittage, bei Herisau aufgefangen, der meteorolo- 
gischen Zentralanstalt wieder abgeliefert wurde. 

Herr Dr. Ed. Guillaume, Sèvres (Paris), spricht: 
Über die Chemie des Nickelstahls. Nach einer raschen 
Durchsicht der Haupteigenschaften der verschiedenen 
Stahlsorten (^magnetische Umwandlungen, Ausdehn- 
ung, Veränderungen der elastischen Eigenschaften), 
geht er über zu den Eigenschaften des Eisens; durch 
Vergleichung derselben mit den Veränderungen, 
dessen Legierungen mit dem Nickel, wird sodann 
gezeigt, dass in qualitativer wie auch in quantitativer 
Hinsicht alle die beobachteten Erscheinungen eine 
Folge dei- Umwandlungen des Eiseng sind, wenn 
es in gegenseitiger Lösung mit dem Nickel steht. 



— 71 — 

Letzteres ist dann nur als Lösungsmittel zu betrach- 
ten, aber derart, dass seine Eigenschaften den Um- 
wandlungen des gelösten Eisens eine besondere Ge- 
stalt verleihen. 

Im Anschluss an die Mitteilung des Herrn Maurer 
erwähnt Herr Guillaume die schon durch die An- 
wendung von Nickelstahl in der Uhrmacherei und 
Chronometrie erlangten Fortschritte. Nicht nur das 
Gehäuse oder Geri|)pe des Uhrwerkes kann mit Vor- 
teil aus Nickelstahl (Invar) hergestellt werden, son- 
dern durch Anwendung einer geeigneten Spiralfeder, 
wird für- gewöhnliche Uhren die Kompensation un- 
nötig gemacht; durch gleichzeitiges Wirken von 
Nickelstahl und Messing in der Unruhe wird bei 
den Chronometern die höchste Präzision erreicht, 
wie namentlich die Untersuchung der Chronometer 
von Kardin und von Ditriheim in den schweizerischen 
und ausländischen Sternwarten neuerdings glänzend 
gezeigt hat. 

Bei der geodätischen Basismessung würden durch 
die Anwendung von Nickelstahldrähtcn, gegenüber 
der früheren Stabmethode, die Kosten auf etwa 2% 
herabgesetzt, ohne dass die Genauigkeit aufhörte, der- 
jenigen der Winkelmessungen überlegen zu sein. 

Endlich meldet Herr Guillaume, dass das Ersetzen 
von Platin durch Nickelstahl in der Glülilampen- 
fabrikation noch fortschreitet und dass dadurch ein 
Teil des kostbaren und für manche Zwecke unersetz- 
baren Platins wieder frei wird. 

4. Herr Prof Dr. E. Lüdin, Winterthur: Die Streu- 
ung der Stromlinien in Elektrolyten. Der Referent 
bestimmte die Leitfähigkeit von Kupfersulfat und 



Kaliumnitrat mit Widerstandsgefässen, bei welchen 
der Querschnitt der Elektroden bedeutend kleiner 
als derjenige der Flüssigkeit war. Der Querschnitt 
Les Elektrolyts betrug 179.6 cm' 2 , derjenige der 
Elektroden 179.6 ein 2 . 16 cm 2 , 4 ein' 2 und 1 ein 2 , 
man den Widerstand für verschiedene Ab- 
stände der Elektroden 4—45 cm . so findet man, 
dass mit zunehmender Entfernung der Wide: 
pro Längeneinheit immer mehr und mehr abnimmt 
und zwar nähert er sich dem Werte, welchen man 
mit Elektroden von 179,6 cm 2 erhält. 

Zur Erklärung dieser Abnahme muss man an- 
nehmen, dass die Stromlinien sich streuen und dass 
bald der ganze Flüssigkeitsquerseknitt an der Strom- 
leitung teilnimmt. Xiinmt man nun ferner an, dass 
die Stromlinien, entsprechend den quadratischen 
Querschnitten der Elektroden und des Elektrolyts, 
in abgestutzten Pyramiden sich streuen, und rechnet 
man die Höhen derselben, so ergiebt sich, dass die- 
:i für die verschiedenen Entfernungen gleich 
l. Rechnet man hieraus den Winkel, nach 
welchem die Stromlinien sich streuen. m sich 

für beide Elektrolyte die vorläufigen Resultate in 
folgende Sätze zusammenfassen: 

1. Der Streuungswinkel ist bei gegebenen Quer- 
schnitten für alle Abstände der Elektroden der- 
selbe. 

2. Der Streuungswinkel nimmt mit abnehmender 
Konzentration des Elektrolyts zu. 

o. Wird der Querschnitt der Elektroden im Ver- 
hältnis zu demjenigen der Flüssigkeit kleiner, 
so nimmt der Str< uuiigswinkel ab. 



— 73 — 

5. Herr Dr. J. Kunz, Zürich: Über den Einfluss der 
Temperatur auf die magnetischen Eigenschaften des 
Pyrrhotins. Von allen bisher untersuchten magne- 
tischen Kristallen unterscheidet sich der Pyrrhotin 
durch die Existenz einer magnetischen Ebene. Nach 
dem Einfluss, den die Temperatur auf die magne- 
tischen Eigenschaften ausübt, gibt es zwei Gruppen, 
die sich unter einander yöllig verschieden verhalten, 
indem bei der einen Gruppe die Elementarmagnete 
bei höherer Temperatur beweglich sind, bei der 
andern dagegen nicht. 

6. Herr Prof. Dr. A. Kleiner, Zürich: lieber das Verhalten 
' von Widerstand und Seïbstinduktionskoefficient bei elek- 
trischen Schwingung eyi. Die Messung von Schwing- 
ungsdauer und Dämpfung mit dem Helmholtz' sehen 
Pendel lässt die Zunahme des Widerstandes ver- 
folgen von Schwingungszeiten schon von Yiooo Sek. 
an und lässt eine Vergrösserung des Widerstandes 
feststellen, welche ungefähr proportional dem Quadrat 
der Schwingungszahl ist. Auch der Induktion s- 
koefficient steigt bei schnellen Schwingungen. 

7. M. le prof. Dr. P. Weiss, Zürich: Sur un nouveau 
Fréquence-mètre. L'appareil qui a fonctionné sous 
les yeux de la section de physique de la Société 
helvétique des Sciences naturelles est fondé sur le 
principe de la résonnance. Une corde vibrante hori- 
zontale, en fer, est tendue au moyen d'un poids 
agissant sur un levier coudé. A cette tension fixe 
s'ajoute une tension variable, obtenue par un ressort 
que l'on tend en faisant tourner un bouton moleté. 
L'axe de ce bouton porte une aiguille qui se déplace 
sur un cadran divisé, donnant par lecture directe 



les demi-nombres de vibrations par seconde de la 
corde. Dans le voisinage du milieu de la corde 
trouve un petit électi'O-aimant parcouru par le cou- 
rant alternatif dont il s'agit de mesurer la fréque: 
Au moment où le demi-nombre de vibrations de la 
eorde devient égal à cette fréquence, la corde prend 
un mouvement vibratoire de grande amplitude qui 
bserve aisément. On obtient ainsi facilement la 

fréquence à =kk près de sa valeur*. 

1 dOO l 

8. M. le Dr. Bené de & isure, Genève: -S r les gran- 
ds fondamentales de la Mécanique. Après avoir 

montré les lacunes qui existent dans les définitions 
ordinaires de la force et de la masse, l'auteur rem- 
place les trois grandeurs fondamentales usuel] 
temps, masse, espace, par les trois grandeurs qui cor- 
respondent aux trois intuitions directes de l'esprit 
humain, temps, effort (musculaire), espace. Ce choix 
de »Tandems permet d'établir un parallélisme com- 
plet entre la cinématique 'temps et espace) et la 
statique (effort et espace); il permet en outre de 
rendre homogènes toutes 1 9 équations de la me - 
niqr 

An der darauffolgenden Diskussion beteiligen 
sich die Herren Prof. Dr. Raoul Pictet. Prof. Dr. 
Hagenbach und Dr. Guillaume: ferner der Vortra- 
gende. 

9. Herr Prof. Dr. E. Hagenbach -Bisch off. Basel: B- 

mg der Zähigkeit einer Flüssigkeit durch Ausßuss 
aus Kapülatröhren. Der Vortragende zeigt, dass bei 



Ponr plus de développements, voir les Archiv - àem-es 

- 'ptëmbre 1904. 



— 75 — 

den Versuchen über die Bestimmung der Zähigkeit der 
Flüssigkeiten durch Ausfluss aus Kapillaren, die von 
ihm im Jahre 1860 als notwendig nachgewiesene 
Korrektion nur berechtigt ist, wenn die Flüssigkeit 
aus der Kapillarröhre mit Geschwindigkeit ausfiiesst, 
nicht aber, wenn beim Ueberfliessen in ein zweites 
Gefäss die kinetische Energie wieder in potentielle 
Energie umgewandelt wird. Bei verschiedenen neue- 
ren Beobachtungen, unter anderem bei den sorgfäl- 
tigen Versuchen der Herren Thorpe und Rodger ist 
somit die Korrektion unrichtig angebracht. 

10. M. le prof. Dr. R. Pictet, Genève: Sur la liquéfac- 
tion de l'hydrogène. 

11. Herr F. R. Klingelf usa, Basel, zeigt ein Experiment 
über Stromresoitcuiz in Induktorien. Wird eine durch 
Wechselstrom gespeiste Selbstinduktion mit einer 
Kapazität parallel geschaltet, so tritt unter ganz 
bestimmten Bedingungen eine Resonanzerscheinung 
auf, dadurch gekennzeichnet, dass in den parallelen 
Zweigen der Selbstinduktion und Kapazität ein 
stärkerer Strom ausgelöst zu sein scheint, als der 
dem System zugeführte Strom. (Vergi. C. Heinke, 
„E. T. Z." 1897, Heft 5, Seite 61 und ff) Eine 
ganz ähnliche Erscheinung erhält man an Indukto- 
rien, die mit miterbrochenem Gleichstrom betrieben 
werden, wobei der ßesonanzeffekt wegen der leichten 
Veränderlichkeit der Frequenz des Gleichstromunter- 
brechers ohne Hühe erhalten wird. Insbesondere 
eignen sich hierzu Induktorien mit einer möglichst 
kleinen Kapazität in Bezug auf die induzierbare 
Spannung, weil dann infoige der entsprechend grossen 
Schwingungszahl (Eigenschwingungen) eine hohe 
Frequenz des primären Unterbrechers angewendet 



— 76 — 

werden kann. In diesem Falle eignet sich schon 
ein kleines Induktorium für nur 10 cm. Firnken- 
länge zur Ladung verhältnismässig grosser Kapa- 
zitäten, etwa solcher von der Grössen Ordnung der 
bei der Funkentelegrapliie üblichen Kondensatoren. 
Bei vollkommener Stromresonanz kommt man dann 
_ dahin, dass ein Flitzdrahtinstrument im Flaschen- 
stromkreis z. B. 15 Ampère anzeigt, während man 
an einem gleichen Instrument im Primärkreise nur 
etwa 6 Ampere abliest. An Stelle der Hitzdraht- 
in strumento bringt man zweckmässig Platindrähte 
von passender Dicke (0,5 mm Durchmesser bei 
15—20 cm Länget. Es wird dann bei guter Re- 
sonanz der Draht im Flaschenkreis hell glühend, 
während der im Primärkreis kaum dunkelrot wird. 
Die-'- Strumresonanz erhält man durch richtige An- 
passung der Frequenz des Unterbrechers (hier z. B. 
180 Unterbrechungen i. S.), ferner durch passende 
Länge der Funken strecke im Flaschenkreis (hier 
z. B. 8 mm). Verkleinert man letztere, so tritt 
neben den knatternden Funken der Flammbogen 
auf. wodurch die Stromstärke im Primärkreise 
steigt, im Flaschenkreise jedoch stark zurück geht. 
Dasselbe tritt ein durch Verminderung der primären 
Unterbrechungen. Das Experiment ist weit sicht- 
bar und lässt sich einem grösseren Zuhörerkreis 
vorführen. 
12. M. le prof. Di-. Steinmann, Genève: Détermination 
rapide de la force électro-motrice et de la résistance 
électrique d'un générateur électrique. La méthode 
consiste à employer un bon voltmètre apériodique 
à deux sensibilités. Les résistances de l'instrument 
aux deux sensibilités étant toujours données par le 



77 — 



constructeur, il suffit de faire une mesure de la diffé- 
rence de potentiel aux bornes avec chacune des sen- 
sibilités. 

En appelant p' et p" les deux résistances 
e' et e" les deux lectures, 
les formules suivantes donnent le plus simplement 
possible: 



force électro-motrice E 



1 + 



e' 



e'V 



et résistance intérieure p= p' 



y 



p" _ 



On peut arriver à supprimer tout calcul en cons- 
truisant pour un instrument donné un abaque à 
alignement. 

La méthode s'applique principalement aux piles 
sèches employées dans l'automobile et remplace des 
méthodes quasi-empiriques généralement usitées; il 
va sans dire que le procédé indiqué est applicable à 
n'importe quel générateur électrique. 



78 



VI. Sektion für Medizin. 

Sitzung: Montag den 1. August 1904. 

Präsident: Herr Direktor Dr. Stierlin, Winterthur. 
Sekretär: Herr Dr. 0. Rössel, Aarau. 



1. Herr Dr. 0. Rössel, Aarau: Ueber neue Methoden 
■zum Nachweis von Blut in klinischen und gericht- 
lichen Fällen. R. bespricht die bestehenden Me- 
thoden zum Nachweis von Blut; sie sind meist un- 
genügend zum Nachweis von Blutspuren. Rössel 
demonstriert eine von ihm ausgearbeitete Methode 
mit Barbados-Aloin, die einfacher und zuverlässiger 
ist als die von Weber bearbeitete mit Gruajaktinktur 
(Berliner klin. Wochenschrift 1893, No. 19). Die 
zu untersuchende Substanz muss vor Ausführung 
der Reaktion möglichst verflüssigt oder die trockene 
oder zuvor entfettete und möglichst zerkleinerte Sub- 
stanz mit Eisessig und wässriger 70 — 80 % Chloral- 
hydratlösung (Schär) zum Aufschliessen von Blut 
zerrieben und mit dem Filtrat die Reaktion aus- 
geführt werden. Für gerichtlichen Nachweis und 
weitere Vorsichtsmassregeln siehe Deutsches Archiv 
für klin. Med. Bd. 76. 

Methode. Ca. 1 /s eines Reagensglases wird mit der 
zur Reaktion vorbereiteten Substanz mit ca. 1 cm 3 
Eisessig leicht geschüttelt, doppeltes Volumen Acther 
zugefügt, wegen eventueller Emulsion vorsichtig 
2—5 Minuten geschüttelt, der ausgeschiedene A ether 
(nach eventueller Zutat von einigen Tropfen Eis- 



— 79 — 

essig oder Abkühlung) wird in ein zweites Reagens- 
glas abgeschüttet, eine kleine Prise Aloinpulver in 
dasselbe zugefügt, geschüttelt und einige Tropfen 
Merk'sches säurefreies Wasserstoffoxyd zugefügt und 
stark geschüttelt. Nachdem 1 — 5 Minuten je nach der 
Blutmenge geschüttelt wurde, werden einige Tropfen 
dest. Wasser zugefügt und nochmals kurz geschüttelt. 
Im ausgeschiedenen Wasser wird das sich bildende 
Aloinrot gesammelt. Beweist Blut. Beim Einkauf 
des Aloin muss es vorerst mit verdünnter Blutlösung 
bis 1 : 8000 nach dieser Methode auf seine Empfind- 
lichkeit geprüft werden, letztere ist dann aber im 
Aloinpulver unbegrenzt haltbar. 

Auf Eaeces angewendet cave Eisentherapie, rohes, 
halbrohes Eleisch, accidentelle Blutungen (Mund, 
Nase, Erbrechen, Haemorrhoiden etc.). 

Wichtig bei Typhus, tuberkulösen Geschwüren des 
Darmtractus, ulcus ventriculi und besonders bei 
Carcinomen des Darmtractus. Boas fand von 67 
Magencarcinomfällen bei 65 konstant Blut im Stuhl. 

Zur Stellung der Erühdiagnose des Magencarci- 
noms, wohl auch der Prognose, Beobachtung und 
Diagnose obiger Erkrankungen ist die Untersuchung 
von Eaeces auf Blut sehr wichtig. Bei Verdacht 
auf Carcinom des Yerdauungstractus ist ein Unter- 
lassen der Eaecesuntersuchung auf Blut geradezu 
ein Kunstfehler. 

Herr E. K. Müller, Direktor, Salus, Zürich : lieber den 
Einfluss psychischer und physiologischer Vorgänge 
auf das elektrische Leitvermögen des menschlichen 
Körpers. Untersuchungen über das elektrische Leit- 
vermögen des menschlichen Körpers haben eine auf- 



— 80 — 

fallende Variabilität des Widerstandes ergeben und 
hat es sich gezeigt, dass derselbe speziell von folgen- 
den Umständen abhängig ist: 

1. Von der Tageszeit, zu welcher die Messungen 
vorgenommen werden, 

2. von den Lebensgewohnheiten der Versuchsper- 
sonen — Alkoholiker zeigen relativ niederen, 
Abstinenten hohen Widerstand, 

3. von dem psychischen und nervösen Zustand der 
Versuchspersonen — psychische Reize verur- 
sachen deutliche Veränderung des Widerstandes 
— (meist im Sinne einer Verringerung) — ■ des- 
gleichen zeigen nervöse und neurasthenische Ver- 
suchspersonen eine Verringerung des Wider- 
standes, Hypnotisierte zeigen ein besonderes 
Verhalten hinsichtlich des Verlaufes der Wider- 
standskurve. 

4. Accentuierte physiologische Vorgänge (forciertes 
Atmen etc.) bewirken ebenfalls Veränderungen 
des Widerstandes. 

5. Die Einwirkung des mittelst Wechselstrom er- 
zeugten elektromagnetischen Wechselfeldes auf 
Versuchspersonen mit geringem elektrischen 
Widerstand (Neurastheniker) steigert den Wider- 
stand. 



— 81 



VII. Sektion für Iugenieurwissenschaften. 

Sitzung: Montag den 1. August 1904. 

Präsident: Herr Dr. H. Sulzer-Steiner, Winterthur. 
Sekretär: Herr Prof. 0. Girowitz, Winterthur. 



1. Herr H. Büeler, Ingenieur-Chemiker, Zürich: Über 
die Kehrichtverbrennung. Ein rationelles Verfahren 
zur Beseitigung und Unschädlichmachung des Keh- 
richts, der als ein höchst gefährlicher Erzeuger aller 
möglichen Krankheiten, besonders der Tuberkulose, 
zu betrachten ist, wurde nach vielen mühevollen 
Versuchen in der Verbrennung desselben gefunden. 

Die hierzu nötigen Verbrennungsanlagen bestehen 
aus mehreren Ofenzellen, mit Herclsohlen von 20 — 30° 
Neigung, in denen der Kehricht ohne Brennstoff- 
zusatz verbrennt. Durch den Hauptfuchs, der durch 
kleine Querkanäle mit jeder einzelnen Zelle ver- 
bunden ist, streichen die Verbrennungsgase, nach- 
dem sie noch zur Erzeugung von Dampf gedient, 
nach dem Kamin, um dann, ohne die Umgebung zu 
belästigen, in die Atmosphäre auszutreten. Die total 
sterilen Verbrennungsrückstände, welche 40 °/o der 
Kehrichtanfuhr betragen, finden manigfache Ver- 
wendung. 

Nachdem man sich von der Brennbarkeit des 
Kehrichts überzeugt und auch beobachtet hatte, dass 



- 82 - 

die Umgebung der Yerbrennungsanlagen nicht durch 
übelriechende Gase belästigt werde, sehritt man 
nicht nur in England, der Wiege der Kehrichtver- 
brennung, sondern auch auf dem Kontinent zur Er- 
richtung von Kehrichtverbrennungsanstalten. 



Vorträge, 

gehalten in den 

zwei allgemeinen Versammlungen 

und 

Vorträge, 

gehalten in den 

Sektionssitzungen, 

laut Beschluss des Zentralkomitees in extenso 
aufgenommen. 



La Biométrie et les méthodes 
de statistique appliquées à la Botanique. 



Par R. CHODAT. 



Un mathématicien de mes amis me disait dernière- 
ment que ce qui l'avait détourné de la . chimie c'était 
son manque de précision. Qu'aurait-il pensé de la biologie? 
Le chimiste à son tour considérera la biologie comme 
une branche inférieure des sciences; peu orienté dans 
ce domaine, il n'y verra qu'une longue, une inter- 
minable énumération des objets et des phénomènes. Il 
ne saura y reconnaître de lois générales et précises. Il 
ne verra dans la biologie qu'un ensemble de sciences 
descriptives, un domaine où le hasard et la fantaisie 
régnent en maîtres, mais où Ton ne saurait découvrir 
que limites imprécises et mouvantes. 

Inattentif aux choses de l'art, le biologiste dénie 
peut-être à la musique, à la peinture, à la psychologie 
et à la morale tout élément scientifique. Il ne sait 
démêler dans une symphonie de Beethoven les lois de 
l'harmonie; étranger encore peut-être au domaine des 
sciences morales, il essaie de tout ramener à ses con- 
ceptions de la vie rudimentaire. Il ne reconnaît aucune 
réalité objective aux phénomènes qu'il ne sait pas encore 
analyser. 

La vérité est que la science n'est pas encore assez 
avancée, le sera-t-elle jamais, pour pouvoir ramener, 
résoudre le phénomène chimique à une pure question de 



— 86 — 

physique. La matière, telle que nous la signalent nos 
sens, est quelque chose d'irréductible, nous apparaissant 
sous divers aspects. De même, toute donnée biologique 
ne se laisse pas simplement analyser, décomposer en 
facteurs chimico-physiques. Il y a ainsi, dans toutes les 
sciences, même dans les plus avancées et les plus étudiées, 
des données actuellement irréductibles. Ces dernières ne 
comportent donc aucune explication. Ce sont des cons- 
tantes dont nous devons tenir compte, mais qui échap- 
pent à nos investigations. Et cependant, c'est faire de 
la science que d'étudier ces divers aspects de la matière, 
d'en connaître les rapports mutuels, de trouver la loi de 
leurs combinaisons. Ainsi la chimie est en quelque 
sorte encore une science descriptive. ^lais nous pouvons 
nous élever par la chimie générale, par une sorte 
d'abstraction, à des conceptions plus vastes. Négligeant 
pour un moment les propriétés particulières aux éléments, 
nous trouvons les lois de la physique moléculaire. Tout 
phénomène chimique, tout changement d'équilibre dans 
un système chimique se laisse ramener à un problème 
d'énergétique. Edifié comme il l'est actuellement, ce ma- 
gnifique chapitre de la science contemporaine*), la chimie 
physique ou chimie générale, ne serait pas si les efforts 
constants des chimistes descripteurs et des expérimen- 
tateurs ne nous avaient fourni les matériaux pour une gé- 
néralisation plus haute. 

En est-il de même de la biologie? L'examen de la 
cellule, ce complexe admirable, ce microcosme merveil- 
leux dans lequel non seulement les unités hiérarchiques 
gravitent en un système ordonné, tel un système solaire, 
mais passent constamment d'un équilibre donné à un 



raid, Allgemeine Chemie. 



— 87 — 

autre équilibre selon l'ordre du développement onto- 
génique, cet examen superficiel, dis-je, pourrait nous faire 
craindre qu'une généralisation analogue ne soit pas pos- 
sible en biologie. 

En effet, la cellule est déjà, même chez les proto- 
phytes et les protozoaires, douée de tant de propriétés 
diverses, susceptible d'évolution et d'adaptations si com- 
pliquées, qu'elle nous apparaît comme animée par une 
conscience au moins rudimentaire et se manifeste à nous 
comme un être muni d'un élément de liberté. Etcepen-. 
dant combien parmi les fonctions les plus délicates de 
la cellule ont été déjà ramenées à certaines structures 
définies et à des conditions physico-chimiques déterminées. 

En montrant que dans le plasma se passent des ré- 
actions qui peuvent être exprimées en un langage 
physique et mathématique, vous n'avez pas écarté le 
mystère, me dira-t-on; vous n'avez pas expliqué la struc- 
ture particulière de ce milieu ni des éléments qui, avec 
lui, composent la cellule vivante. 

Sans doute l'objection est forte; mais un semblable 
reproche n'a pas arrêté le chimiste dans ses recherches 
lorsqu'on lui opposait de n'avoir pas su expliquer la 
raison de l'existence du grand nombre des corps simples. 
Il a laissé aux alchimistes la poursuite d'une utopie. 
Il a pensé que les grands problèmes ne peuvent être 
abordés que lorsque les éléments en sont résolus. Lais- 
sons donc les alchimistes de la biologie s'essayer en 
vain à déchirer le voile épais qui recouvre le problème 
de l'origine de la vie et des espèces pour nous attacher 
loyalement et consciencieusement à analyser les pro- 
blèmes du vivant tels qu'ils se présentent à nous actuel- 
lement. L'exemple suivant illustrera ma pensée. 

Parmi les substances qui jouent un grand rôle dans 



l'économie de la cellule sont les ferments*). Extraits de 
de la cellule vivante, on les connaît en solution ou à 
l'état solide. Sous cette dernière forme, on a pu parfois 
les stériliser, c.-à-.d. les chauffer à une température telle 
qu'aucune particule organisée ne pourrait subsister. Ce- 
pendant il est encore actuellement des vitalistes qui 
considèrent les ferments comme des fractions de plasma, 
sorte de biophores auxquels seraient attachées, en vertu 
de leur origine, certaines particularités de la matière 
vivante. 

Il est vrai qu'actuellement encore nous ne connais- 
sons pas la nature chimique des ferments. Sont-ils tou- 
jours des albuminoïdes? Ont-ils entre eux une parenté de 
composition? Problèmes encore à résoudre. Mais nous 
en connaissons les propriétés chimiques. Les plus con- 
nus sont ceux de ces corps qui activent l'eau dans les 
phénomènes d'hydrolyse, les ferments hydrolysants. 

Avec Bach**), nous avons montré que, dans les fer- 
ments oxydants, sont des peroxydes organiques activés 
par un catalysateur, la péroxydase. Nous avons mis en 
évidence les peroxydes à l'intérieur de la cellule vivante. 
Enfin, et c'est ce qui, dans ce moment, doit nous inté- 
resser, nous avons réussi à montrer que dans certaines 
réactions on peut établir un rapport exact et constant 
entre les masses du peroxyde, du corps qui l'active et 
du produit d'oxydation. Ces ferments se comportent donc 
comme des corps chimiquement définis. On peut établir 
leur équivalent et par conséquent ce qu'ils avaient de 
mystérieux diminue d'autant. 



*) Voir Oppeuheimer, Die Fermente, 1904. 
**) Chodat et Bach, Berichte der ehem. Gesellschaft. Berlin, 



1902—1904. 



En chimie moderne, on veut non seulement con- 
naître le point de départ d'une réaction et son ternie, 
mais classiner les réactions d'après leur marche. Il était 
donc extrêmement intéressant de connaître la vitesse 
de réaction des ferments, ces dérivés du protoplasma vi- 
vant. On pourrait ainsi déterminer si, dans leur mode 
d'action, ces corps particuliers suivent les lois géné- 
rales des catalysateurs ou s'ils effectuent les réactions 
qu'ils accélèrent selon un mode propre. Etahlir à 
chaque instant le rapport entre la quantité de ferment 
qui entre en' réaction et le produit obtenu, c'est con- 
naître, non seulement pour une quantité donnée, mais 
pour toute quantité la loi du phénomène en fonction 
du temps. 

Or il s'est trouvé dans nos expériences sur le fer- 
ment oxydant, la péroxydase, qui active le peroxyde 
d'hydrogène, que sa vitesse de réaction suit la loi de 
l'action des masses de Güldberg et Waage, pour autant 
que les produits de la réaction ne viennent pas troubler 
le phénomène. D'une manière analogue se comportent 
aussi le labferment, la catalase*), l'iirvertase**), etc. 

Les ferments, ces mystérieux corps issus de l'acti- 
vité de la cellule ne se comportent donc pas autrement 
que les catalysateurs inorganiques. Ramener ainsi par 
la mesure, c.-à.-d. par une sorte de statistique, les phé- 
nomènes si variés de la coagulation, ceux du dédouble- 
ment et de l'oxydation provoqués par les ferments, aux 
lois générales de l'énergétique chimique, c'est opérer une 
généralisation de la plus haute importance. 

Mais, me diront les adeptes de je ne sais quel faux 
vitalisme, autre chose est de décrire par une formule 

*) G. Senter, Zeitschrift für phys. Chemie. Bd. XLIV. 
**) Henry, Lois d'action des ferments, Paris 1903. 



— 90 — 

générale les lois de la catalyse dans les êtres vivants et 
de donner les lois de croissance par lesquelles des cellules 
en apparence semblables, des êtres aussi différents que 
l'homme, les animaux et les plantes se développent selon 
un plan si différent et aboutissent à des résultats si 
variés. 

Sans doute il nous est impossible actuellement de 
donner la raison de cette différence, mais si nous pou- 
vons montrer que, cachée par ces différences particulières, 
une loi générale se laisse découvrir par l'analyse, nous 
aurons prouvé que la morphogenèse n'est que l'étude de 
l'ensemble des états particuliers du développement, de ce 
que, par une abstraction, nous appelons la matière vivante. 

Chaque germe est comme une amorce, un ferment 
qui active une série de réactions si complexes dans leur 
enchevêtrement qu'à première vue une analyse et à plus 
forte raison une généralisation du phénomène nous paraît 
impossible. Et cependant que d'unité ne découvrons-nous 
pas au milieu de cette décevante multiplicité! 

L'étude du plasma considéré comme un colloïde, 
ses divers états ramenés à ceux des fausses solutions et 
des gelées, le problème des échanges cellulaires ramené 
à celui de la diffusion à travers des colloïdes*), la sta- 
tique cellulaire expliquée par la pression osmotique, 
l'énergétique cellulaire élucidée par les phénomènes de 
combustion, de désagrégation moléculaire, de condensation 
de molécules simples en molécules complexes, par des 
phénomènes de physique moléculaire comme l'imbibiti on, 
la tension superficielle, etc., tout cet ensemble ne montre- 
t-il pas que les phénomènes les plus subtils de la vie 
cellulaire sont susceptibles d'analyse rationnelle et peu- 



*) Höber, Physikalische Chemie der Zelle. 



— 91 — 

vent être exprimés en une langue précise, par des cons- 
tantes physiques? 

Mais, me dira-t-on, ce que vous étudiez ainsi dans 
la cellule ce n'est pas toute la cellule: vous choisissez 
de l'ensemble des phénomènes qui se passent dans ce 
microcosme ceux qui, par leur nature, sont d'ordre essen- 
tiellement chimique ou physique et vous laissez de côté 
tout ce qui est plus complexe, par conséquent, de na- 
ture éminemment biologique. 

Personne ne niera que les phénomènes d'assimilation 
et de désassimilation, dont la résultante est l'édification. 
d'un corps organisé, ne soient assez variés et complexes 
pour qu'au premier abord on puisse douter de pouvoir 
les exprimer par une formule unique. Qu'observons-nous 
en réalité? Portons en ordonnées les poids observés durant 
la croissance, correspondant aux temps, inscrits sur l'axe 
des x: en réunissant les points obtenus, on trace une 
courbe de croissance qu'on peut analyser géométriquement. 

Or il se trouve que, durant la période de croissance 
soit de l'animal soit de l'homme jusqu'à l'âge adulte, 
l'augmentation de poids peut s'exprimer par une hyper- 
bole*). 

Il était intéressant de vérifier cette loi sur les vé- 
gétaux. C'est ce qu r ont fait, à Genève, M lle - Stefanovr^ka 
et M. Mounier. Ils ont trouvé que, soit pour le poids 
brut, soit en ce qui concerne les cendres ou l'azote, l'aug- 
mentation en poids suit la même loi et se laisse donc 
exprimer d'une manière précise comme on décrit une 
vitesse de réaction. 

Les plantes étudiées ont été l'avoine et le blé Sar- 
razin. Ainsi l'analyse des phénomènes de croissance con- 

*) Stefanowska. Comptes rendus de l'Académie des Sciences, 
4 mai 1903 et 1er février 1901. 



— 92 — 

sidérés comme un tout, nous permet une remarquable 
généralisation qu'on n'aurait point obtenue sans l'aide de 
la biométrie, sans les méthodes graphiques ou analyti- 
ques. Chez les champignons étudiés au même point de 
vue dans mon laboratoire, la courbe de croissance était 
une ligne droite, indiquant ainsi une remarquable propor- 
tionnalité. Les Mucédinées étudiées étaient le Pénicillium 
glaucum et le Sterigmatocystis nigra. Ici le phénomène 
de croissance semble n'être qu'une augmentation de masse, 
une réaction chimique simplifiée. 

Ces préliminaires un peu longs m'amènent au but 
essentiel de cette conférence, l'application des méthodes 
précises au problème de la variation qui touche de si 
près à cette grande question de l'origine des races. 

Jusqu'ici nous avons pu constater qu'à côté des 
particularités qui caractérisent chaque être, il est des 
propriétés générales par lesquelles l'unité du monde or- 
ganique se laisse facilement démontrer. Peut-on égale- 
ment trouver l'expression exacte du phénomène de la 
variation par lequel les individus d'une même race, 
d'une même espèce, diffèrent les uns des autres dans 
leur stature, leur apparence et jusque dans leurs par- 
ticularités les plus insignifiantes? Ce n'est pas ici le 
moment de dire dans quelle mesure la variation affecte 
les espèces animales et végétales depuis celles qui sont 
le plus constantes jusqu'à celles qui sont en perpétuelle 
fluctuation. Chacun connaît des exemples tirés de notre 
espèce humaine, des races canine ou chevaline ou des 
plantes cultivées. On a souvent parlé de variation or- 
donnée et de variation désordonnée*). Ces expressions 
proviennent d'une analyse incomplète du matériel variable. 



*) L'Evêque de Vilmorin, Hérédité, Paris 1890. 



— 93 — 

Lorsqu'on aborde ces questions par des méthodes 
précises on trouve que la variation est toujours ordonnée. 
Il suffit de pousser l'analyse assez loin pour découvrir 
la loi du phénomène. En particulier il faut considérer 
un à un les caractères élémentaires, dont la mosaïque 
constitue le caractère spécifique complexe. Les méthodes 
de statistique appliquées à l'étude de la variation ont 
été fondées par Quételet et Galton*); peu à peu elles se 
sont perfectionnées, précisées. Aujourd'hui elles consti- 
tuent une branche importante de la biologie contempo- 
raine. Elles ont leur organe attitré dans une revue pério- 
dique, „Biometrika a , qui accueille des travaux rédigés dans 
les trois langues scientifiques. De savants mathématiciens 
ont apporté leur concours à ces investigations. Ici comme 
en physique et en chimie générale on ne peut se passer 
de mathématiques supérieures. Une étude reste incom- 
plète si elle n'est révisée par un savant rompu aux mé- 
thodes mathématiques. 

Il s'agit en effet non seulement d'évaluer d'une 
manière numérique les variantes, mais, après les avoir 
ordonnées, d'étudier la loi numérique de leurs rapports. 

Un exemple tiré de mes recherches**) illustrera ma 
pensée et les principes de cette méthode. Il y a quel- 
ques années, un jeune amateur de Genève m'apportait 
un bouquet d'orchidées cueillies dans sa propriété de 
Mézery. Autant de hampes, autant d'espèces différentes, 
pensait-il. La variation en effet était excessive; au pre- 
mier abord on avait quelque peine à reconnaître le type 



*) Voir au sujet de ces méthodes: Davenport Statistical metliods, 
New-York, II. Ed.; Dimcker, G., Die Methoden der Variatious- 
statistik ; Pearson, Grammar of science. 

**) Chodat, Buli. Herb. Boissier, 1901, 682. Ces recherches seront 
prochainement publiées in extenso dans un autre périodique. 



— 94 — 

fondamental an milieu du polymorphisme extraordinaire 
de ces fleurs. La grandeur, la couleur, la forme du la- 
bellum, celle de l'éperon, le nombre des taches, tout va- 
riait d'une manière désordonnée en apparence. 

Pour étudier ce phénomène nous choisîmes, comme 
élément de variation, celui qui nous parut à la fois le 
plus saillant et le plus facile à évaluer. C'est le nombre 
des taches qui se dessinent sur le tablier. Chaque tache, 
petite ou grande, était prise comme intégrale: on voit que 
la variation en ce qui concerne ce caractère va de — 45. 
On calcule le nombre des fleurs qui présentent un nombre 
donné de taches (V), on détermine la fréquence (F) de 
ces variantes. Portant sur l'axe des x les variantes, on 
a pour ordonnées correspondantes les fréquences. Réunis- 
sant les sommets des ordonnées on obtient une figure, 
dite polygone de variation, qui correspond sensiblement 
à une eburbe qu'on peut définir mathématiquement. 

Or il résulte d'uu grand nombre de statistiques, tant 
zoologiques que botaniques que, le plus souvent, la courbe 
ainsi obtenue est symétrique et correspond au dévelop- 
pement du binôme (p -j- q) c = 

o -f- Cop r q° -4- ci p^q 1 -4- 2 p c - 2 q 3 -f- 

-f cc- 2 p 2 q c - 2 -f- c-ipV 1 + efcP°<l c + 

Si Ton dispose graphiquement ces termes comme 
ordonnées sur Taxe des x à des distances égales, on ob- 
tient en réunissant les extrémités libres des ordonnées 
par des lignes droites, des polygones binomiaux qui sont 
symétriques si p=q, asymétriques si p<q ou p>q. 

Le développement d'un binôme donne la probabilité 
des combinaisons en c, éléments qui se distribuent en deux 
groupes analogues, dont l'un est par rapport à l'autre 
dans la proportion de p : q. 



— 95 — 

On peut se représenter que l'organisme est sollicité 
à varier selon des causes qui agissent positivement ou 
négativement et qui sont dans le rapport de p : q. Selon 
les combinaisons de ces causes, l'écart individuel de la 
moyenne de l'ensemble sera fort (positivement ou néga- 
tivement) ou faible. 

Cette méthode n'indique nullement la qualité par- 
ticulière des causes. La valeur c peut être limitée ou 
illimitée et par conséquent le polygone peut avoir l'abs- 
cisse limitée ou illimitée. Outre cette courbe de Gauss, 
on en a reconnu plusieurs autres qui sont étudiées dans 
les traités de biométrie. 

On se sert beaucoup en biométrie des notions suivan- 
tes: M, la moyenne 

S (v . f) 

M= — -, où 2 est la somme, v les variantes, f leur 

n 

fréquence respective, n le nombre des variantes. 
a, l'indice de variabilité ou l'indice étalon 

(7=1/ — "- — — ^, où x est la déviation de chaque 
n 

classe de variantes de la moyenne (M), f et n comme dans 
l'exemple précédent. 

Dans les cas où toutes les variantes exprimées par 
leur fréquence se laissent grouper en un polygone à un 
sommet, l'analyse de cette courbe est relativement aisée. 
Pearson, Duncker et Davenport ont résumé en des opus- 
cules intelligibles les méthodes découvertes jusqu'à pré- 
sent. Grâce à elles on peut exprimer simplement et en 
particulier par la valeur de a le degré de variabilité et 
l'allure d'un polygone et comparer ainsi des races ou des 
espèces plus ou moins éloignées. Mais, lorsque le polygone 
de variation montre plusieurs sommets, ce qui est sou- 
vent réalisé dans les statistiques végétales, l'analyse de 



— 96 — 

ces courbes devient si difficile que des mathématiciens 
déjà rompus à ce genre de recherches y renoncent. 

Lorsque la variation s'ordonne symétriquement au- 
tour d'un mode (la plus forte fréquence, indiquée dans les 
graphiques par les sommets) il y a tout lieu de supposer 
que l'on se trouve en présence d'une race pure. Cependant 
Pearson a montré que les fréquences des variantes peuvent, 
exprimées graphiquement, simuler un polygone unique de 
variation, lorsqu'une des formes l'emporte de beaucoup sur 
l'autre, dont le mode est voisin du mode principal. 

Il peut en être tout autrement lorsque la courbe 
est complexe, c.-à.-d. que le polygone exhibe plusieurs 
sommets, plusieurs modes. Ludwig y a vu l'indice de 
la coexistence de plusieurs races auxquelles correspon- 
draient les divers sommets du polygone. L'école anglaise 
n'admet pas sans autre que cette plurimodalité exprime 
toujours cette coexistence; elle soutient qu'elle peut être 
produite par les variations du milieu et les multiples 
facteurs de l'environnement. 

Dans l'exemple que j'ai choisi de YOrchis morio les 
courbes, à une exception près, ont été plurimodales. Ne 
pouvant analyser ces courbes, j'ai eu recours au procédé 
suivant: examiner dans un nombre de stations aussi con- 
sidérable que possible et réparties sur l'Europe entière 
les courbes de variation de cette espèce et les comparer. 

On pourrait voir ainsi si les modes observés à Ge- 
nève, du premier printemps au mois de juin, se retrou- 
veraient autre part et si, clans le déplacement des modes, 
il y aurait à découvrir une loi. 

Mes statistiques se sont étendues à une trentaine 
de stations de plaine et de montagne; Genève (plusieurs 
stations), Savoie, Ain, Vaud, Valais, Lucerne, Marbourg, 
Breslau, Belluno (Italie), Grenoble (Dauphiné), Nantes, 



— 97 — 

Heriménil (Lorraine), Hyères, Corse, Gand (Belgique), 
Leiden (Hollande), Suède (plusieurs stations), Leeds, Cam- 
bridge, Buekden (Angleterre), Majorque (Baléares). *) 

Or il résulte de la comparaison de tous ces poly- 
gones de variation qui comprennent près de 30,000 fleurs, 
que certains sommets se maintiennent avec une remar- 
quable régularité. Ainsi le sommet principal qui, à Genève, 
est au-dessus de 11 (c'est-à-dire correspond à la fré- 
quence de 11 taches sur le labellum) et qui se maintient, 
lorsqu'on combine en un seul polygone de variation 
toutes les statistiques, est accompagné de sommets se- 
condaires au-dessus de 13, de 15, de 17 (parfois déplacés 
d'une unité à droite si la statistique est faite sur un 
matériel peu nombreux), se retrouve à Corbeyrier (Vaud), 
au Valais, à Heriménil (Meurthe et Moselle), à Nantes, 
, à Bordeaux, à Belluno (Italie), à Leiden, à Cambridge, 
à Breslau, etc. Ce mode, qui est principal dans les sta- 
tions de l'Europe centrale, devient secondaire autre part. 
A mesure que l'on s'approche de la région atlantique au 
sub-atlantique, le sommet principal se déplace, il vient 
se placer au-dessus de 9 qui correspond alors à la plus 
grande fréquence. Si nous considérons l'ordonnée de 11 
comme méridien, nous pourrons exprimer ceci en disant 
que, dans les formes atlantiques et sub-atlantiques, la 
masse des individus se trouve accumulée vers la gauche. 
Ce méridien devient médian pour plusieurs' des races de 

*) Ceci grâce à l'amabilité de correspondants qui ont récolté 
ou fait récolter pour moi le matériel en quantité suffisante. Ce sont 
en particulier MM. Bachmanu (Lucerne), Besse (Martigny), Belèze 
(Paris), Dupuis (Genève), Gravis (Liège), Gadeceaux (>Jantes), Ilun- 
nybun (Buckden), Hoskin (Cambridge), Janse (Leiden). Maire (Xam-y), 
Meyer (Marbourg), Pax (Breslau), Devaux (Bordeaux), Smitb et Gaut 
(Leeds), de Toni (Padoue), Wilczeck (Lausanne), Minio (Belluno;, 
Nordstedt (Lund), Oft'ner (Grenoble). 

7 



— 98 — 

l'Europe centrale. Autrement dit,, quand même ces sta- 
tistiques ne sont pas encore assez complètes pour donner 
un résultat absolument définitif, il est cependant dès 
maintenant évident que le déplacement de M se fait Ver- 
la gauche avec une remarquable régularité, lorsqu'il 
s'agit de stations plus ou moins nordiques; au contraire 
dans l'Europe centrale M se confond presque avec le 
mode Y ou se déplace plus ou moins fortement vel- 
ia droite entraîné par les sommets secondaires et parfois 
importants 'Breslau') de lo. 15. 17. 

Selon les stations, 13, 15, 17 l'emportent sur 11. 
On a bien ici l'impression dune courbe complexe due 
au mélange de races, à la coexistence de plusieurs isomère-. 

J'entends dire par là que, lors de la maturité sexuelle 
et vu la population plus ou moins inhomogene, des iso- 
mères biologiques plus ou moins nombreux sont possible. 
Ces combinaisons suivent la loi des grands nombres. Lea 
conditions données par l'environnement favorisent les uns 
aux dépens des autres. Dans le X et vers TOcéan o'est 
l'isomère oscillant autour de la moyenne 9 qui prédomine: 
la formation des isomères 11 et 6 est alors moins fré- 
quente. Dans le type de Gand, l'isomère 6, qui préexiste 
dans plusieurs des populations étudiées | ce qui se voit 
par l'examen des courbes), l'emporte sur les autres. 

Mais dans tous les cas examinés il s'agit là une ex- 
ception près - ) de complexes, c.-à.-d. de populations * . 

Dans un travail récent. Johannsen*"* a montré que 
l'on pouvait par sélection trier dans une population de 
Phaseolus, en partant d'une semence unique et en main- 



*) L'auteur de c-f-tte communication avait exhibé une dizaine 
de graphiques; ila seront publiés autre part. 

**) Johannseil, Erblichkeit in Populationen und in reinen Linien. 
1903. 



— 99 — 

tenant la fécondation directe, des lignées à peu près cons- 
tantes, c.-à.-d. dont tous les individus s'ordonnent en une 
courbe normale. Chaque écart de la moyenne, si considé- 
rable qu'il puisse être, revient (par autofécondation) à 
la moyenne. Les écarts dûs au milieu, tels qu'ils se pré- 
sentent dans ces races pures, ne sont pas susceptibles de 
donner prise à la sélection ; ils ne sont pas héréditaires 
puisque la descendance des types les plus aberrants re- 
vient immédiatement à la moyenne si l'on considère un 
nombre suffisant de semences. 

De même dans la nature on trouve coexistant, se 
fécondant mutuellement, puis se triant plus ou moins 
selon les lois de la ségrégation par maturation sexuelle, 
on trouve, dis-je, des races, des lignées nombreuses qui 
constituent la population d'une station donnée. Il est le 
plus souvent impossible de démêler ce complexe par 
d'autres méthodes que celles de la statistique biométrique. 

Un fait qui milite en faveur de cette idée, en par- 
ticulier en ce qui concerne ÏOrchis morio, c'est la manière 
dont se comporte, au point de vue de la variation, une forme 
de cette espèce étudiée par moi dans l'île de Majorque, aux 
Baléares. La statistique nous fait découvrir ici une race 
pure en ce qui concerne les taches; le polygone de variation 
a son mode sur le chiffre 5, la courbe est unimodale et 
symétrique et correspond presque exactement à la courbe 
normale calculée (voir à propos de la méthode qui per- 
met de comparer une courbe observée avec la courbe 
calculée, Davenport 1. c. p. 25). L'amplitude de variation 
est également plus faible dans le type de Majorque que 
dans ceux du continent. En effet, tandis que la valeur de 
a est de 3 — 4 pour ces derniers, elle descend pour le 
type insulaire à 1,5. Ainsi se trouve vérifiée, par une 
méthode biométrique, cette loi de ségrégation des variétés 



— 100 — 

par les îles ou par toute cause isolante *), qu'elle s'ex- 
prime par les lacs avec leurs "variétés de Diatoniacées, les 
massifs montagneux avec leurs espèces vicariantes, le sub- 
stratum géologique avec ses espèces calcifuges et calcicoles. 

Mais cette variation si intéressante de l'Orchis morio 
de Majorque semble être, en somme, contenue dans les 
types continentaux, car nous voyons déjà sur le continent, 
et en particulier dans les populations atlantiques, les va- 
riantes à 5 taches devenir plus nombreuses. Cette variation 
est donc contenue dans l'amplitude de l'espèce complexe, 
continentale; quand même elle ne possède aucun mode 
ni sur 9 ni sur 11, 13 ou 17 fie maximum de taches 
observées étant de 10) elle appartient à l'extrême gauche 
du groupement. C'est comme si elle en avait été isolée 
par sélection géographique. 

Cet exemple montre quelle peut être l'application de 
cette méthode à des problèmes de phylogénie et de géo- 
graphie botanique. 

La morphologie comparée peut devenir par ce moyen 
une science précise; la comparaison ne sera plus seule- 
ment conjecturale, elle s'exprimera par des coefficients de 
ressemblance ou de dissemblance. Ainsi les problèmes 
les plus compliqués de la biologie sont susceptibles d'une 
analyse rigoureuse. 

C'est ce que les recherches méthodiques de l'école 
anglaise Galton-Pearson ont mis tout récemment en lu- 
mière. Je veux parler du problème si difficile de l'hérédité. 

Etudiant cette question au point de vue bioniétrique, 
Pearson et Weldon nous ont montré que les mêmes lois 
découlent des observations, qu'elles soient faites en partant 
de l'homme, de l'animal ou de la plante. Il est important 

*) Wagner, Die Entstehung der Arten durch räumliche Sou- 
derung, 1889. 



— 101 — 

d'insister sur la nécessité d'opérer sur un grand nombre 
d'individus, ces lois de variation ne pouvant être déduites 
d'un petit nombre d'observations. 

Ainsi les coefficients de corrélation entre descendants 
et ascendants (il s'agit ici exclusivement de populations 
au sens de Johannsen) sont sensiblement les mêmes dans 
les cas les plus divers. L'héritage reçu des deux ascen- 
dants est sensiblement 50 pour cent ou 0,50 du total, 
0,25 des 4 grands parents, 0,125 des arrière grands 
parents et ~i; du total de la n e génération. Pearson, dans 
ses recherches basées sur un matériel très considérable, 
a quelque peu modifié ces premiers résultats. Un de ses 
travaux nous intéresse tout particulièrement, celui ou il 
étudie la corrélation ancestrale ou fraternelle des Pavots 
(Shirley Poppy). La conclusion est la suivante: „Il ré- 
sulte de ceci que les premières observations sur de grandes 
séries de plantes, en ce qui concerne les lois de l'héri- 
clité des caractères variant d'une manière continue, donnent 
des résultats numériques en accordance générale avec 
ceux déjà obtenus pour les animaux supérieurs et les 
insectes. 

„Par conséquent les méthodes qui ont été reconnues 
comme suffisantes pour décrire l'influence héréditaire chez 
l'homme et les animaux suffiront pour décrire les résul- 
tats analogues dans les variations continues des carac- 
tères de la plante. a 

J'aurais voulu vous parler d'autres résultats obtenus, 
en particulier dans l'étude de l'hybridité, mais le temps 
limité de cette conférence me force à conclure. 

Laissons à ceux que fascinent je ne sais quelles lois 
d'un vitali sme ancien ou moderne, spéculer sur des faits 
insuffisamment établis ou aborder la résolution de problè- 



— 102 — 

mes insolubles. Mais sans diminuer aucunement cette 
partie de la biologie qui consiste essentiellement dans 
l'énumération et la description des phénomènes naturels, 
sachons nous élever par l'abstraction à une généralisation 
supérieure. Au lieu de nous attarder à faire de la bio- 
logie conjecturale, abordons franchement les problèmes en 
nous servant des méthodes précises mises à notre portée 
maintenant. Elles ne sont pas d'aujourd'hui, ces méthodes 
en biologie ; elles ont été fondées par tous ceux qui ont 
abordé logiquement l'étude des êtres vivants. Mises en 
honneur par les pères de la physiologie végétale, les 
Haies, les Th. de Saussure, les Pfeffer, elles demandent à 
être complétées et étendues à tous les domaines de la 
biologie, depuis la physique moléculaire de la cellule et 
de ses dérivés, jusqu'aux problèmes les plus mystérieux 
de la fécondation et de la filiation. Si ce succinct ex- 
posé avait pu intéresser l'un ou l'autre de mes auditeurs 
à ces questions d'énergétique et de biométrie, le but de 
ma conférence serait atteint. 



Le jubilé des palaflttes. 

Par F. A. FOKEL, Morges. 



Nous célébrons cette année le jubilé cinquantenaire 
de la découverte des anciens palafittes des lacs suisses. 
L'importance de cet événement a été telle pour notre, 
patrie d'abord, et aussi pour la science générale, qu'il 
mérite d'être rappelé devant la Société helvétique des 
sciences naturelles. 

On connaît les faits. Dans l'hiver de 1854, les eaux du 
lac de Zurich étant extraordinairement basses, les riverains 
en profitèrent pour divers travaux dans la grève inondable. 
A Dollikon, près de Meilen, en extrayant des graviers pour 
le remblai des quais gagnés sur le lac, on rencontra dans le 
sol des bois travaillés, pilotis verticaux et poutres couchées 
en terre, des produits de l'industrie humaine, des outils et 
des armes de pierre, des poteries, des ossements d'animaux. 
Un maître d'école de Meilen, Johannes Aeppli, recueillit 
ces monuments de l'âge de la pierre, et les apporta à la 
société des Antiquaires de Zurich. Le D r Ferdinand Keller, 
le président et le coryphée de cette société, y reconnut 
la preuve de l'habitation de l'homme sur le domaine 
des eaux, dans des demeures construites sur pilotis, ce 
qu'il exprima par les mots de Pfahlbau et de Pfahlbauer ; 
dans une généralisation heureuse, il affirma que la trou- 
vaille de Meilen n'était pas seulement un fait local, mais 
était l'indice d'un style d'architecture qui s'était pro- 
bablement reproduit ailleurs ; il invita à la recherche de 



— 104 — 

faits analogues. On fouilla sur les bords de tous les lacs 
suisses, et partout on trouva les ruines de palafittes. 

L'existence de ces ruines était connue depuis long- 
temps. Nous avions souvent vu à Morges, mais sans en 
comprendre la nature, la forêt de pilotis qui hérisse le 
sol de la beine sous trois mètres de profondeur dans le 
lac, et nous savions qu'en 1823 des jeunes gens en 
avaient extrait un canot en bois de chêne, ce qu'on 
appelait alors un bassin de fontaine; sur le Steinbcrg de 
Nidau, les pêcheurs recueillaient fréquemment des pièces 
antiques qu'ils portaient au colonel Schwab de Bienne 
et au notaire Müller de Nidau; ceux-ci en enrichissaient 
leurs collections, mais sans deviner l'importance de ces 
monuments. L'interprétation par Keller de la découverte 
de Meilen, et l'extension qu'il annonça du fait archéolo- 
gique entrevu, nous donna la clef de ces trouvailles anté- 
rieures, et provoqua dans tous nos cantons, dans tous nos 
lacs la recherche très active qui amena des résultats 
merveilleux. 

Depuis longtemps, bien avant 1854, la doctrine des 
trois âges archéologiques était connue. Les théories de 
Thomsen, le savant directeur du Musée des antiquités de 
Copenhague, de Lisch, l'archéologue mecklenbourgeois, 
et de Nilsson, l'archéologue de Lund, théories renouvelées 
en 1836 de colles du poète latin Lucrèce (T. Lucrétius 
Carus vers l'an 50 av. J.-Chr.), la distinction des phases 
du développement de l'industrie humaine en âge de la 
pierre, âge du bronze et âge du fer, avaient pénétré chez 
nous: elles avaient été répandues en Suisse pai- les com- 
munications et par les leçons de Keller à Zurich, de 
Troyon et de Morlot à Lausanne; les constatations faites 
en sol helvétique semblaient en justifier les conclusions. 
Mais ces notions ne s'appuyaient encore que sur des faits 



— 105 — 

isolés, sur quelques trouvailles accidentelles d'armes et 
d'outils perdus en terre libre, sur quelques tombeaux dont 
le mobilier funéraire à lui seul était déjà fort instructif. 
L'étude des palafìttes a transformé ces notions en 
les étendant et en les précisant. Dans les ruines de nos 
Pompe'ï lacustres on a trouvé tous les éléments de la rie 
des populations antiques; on a appris à connaître leur 
ménage, leur alimentation, leur agriculture, leur costume, 
leurs parures, leur armement, leur industrie, leurs arts, 
leurs mœurs; et, en même temps, la faune de l'époque, 
la flore, la climatologie, la géologie nous ont été révélées 
par des déductions légitimes des faits constatés. L'âge 
néolithique, l'âge du bronze, le premier âge du fer, celui- 
ci par les trouvailles de la Tène, nous sont mieux fami- 
liers, quant à leur histoire naturelle, que bien des périodes 
de l'antiquité barbare ou du moyen-âge. H ne nous manque, 
pour avoir une connaissance complète, de l'antiquité anté- 
historique de notre pays que des notions certaines sur 
l'anthropologie anatomique et sur la langue de ces popu- 
lations lacustres. Nous n'avons aucune constatation assurée 
de leur mode de sépulture; leurs cimetières sont douteux, 
et les crânes trouvés dans les palafìttes étant peut-être 
des trophées conquis sur leurs ennemis, ne nous apprennent 
rien de positif sur la race des indigènes. D'autre part, 
nous n'avons pas un mot de leur écriture; nous ignorons 
leur langue; nous ne pouvons les localiser dans le tableau 
des familles linguistiques. Ils étaient des illetrés, ils sont 
pour nous des anonymes ; quand je les ai appelés les Pa- 
lafitteurs, mot tiré de palafitte de Desor, tiré lui-même en 
passant par l'italien palafitta de Pfahlbau de Keller, je 
leur ai donné un nom paléontologïque, un nom qui exprime 
la principale de leurs caractéristiques, et non un nom de 
peuple appartenant à l'histoire de l'humanité. 



— 106 — 

Quoiqu'il eu soit de ces lacunes, notre connaissance 
au point de vue de l'histoire naturelle des populations 
révélées par la trouvaille de Meilen a été complète. 

Ces découvertes excitèrent une grande émotion; elles 
bouleversaient nos idées traditionnelles ; elles aidèrent à 
les transformer et à les réformer. Nous étions encore, en 
1854, sous le joug dominateur de G. Cuvier; nous étions 
subjugés par le dogme de la création individuelle de 
chaque espèce au commencement de la période géologique 
qui l'avait vue apparaître. Larnarck, Blainville, Geoffroy 
Saint-Hilaire et quelques naturalistes isolés en Angleterre, 
en Allemagne, avaient en vain essayé de protester contre 
l'absolutisme du fondateur de le paléontologie moderne; 
ils n'avaient pu libérer le monde scientifique de son autorita- 
risme écrasant. Constant Prévost avait été sans rayonnement 
extérieur. Charles Lyell avait publié, dès 1830 déjà, ses im- 
mortels Principes de géologie, mais son influence emanci- 
patrice ne se propageait que lentement. Les premières 
œuvres d'Herbert Spencer où il formulait déjà la théorie 
de révolution, datent de 1851. L'Origine des Espèces de 
Charles Darwin n'a été publiée que plus tard; sa première 
édition est de novembre 1859. Je ne puis juger par des 
souvenirs personels de l'état des idées en 1854: petit 
garçonnet de 13 ans, je ne pouvais, à cet âge, m'être 
libéré des influences du milieu familial. Mais en • 1859 
j'étais étudiant, et je me souviens de l'émotion puissante 
que provoqua la révélation de Darwin. Ce fut un éclair 
qui traversa le ciel, et qui illumina le monde. Tous les 
dogmes classiques s'effondrèrent, et la doctrine de révolu- 
tion s'empara victorieusement des esprits. 

L'éclaircissement des faits antiques qu'a amené 
l'étude des palafittes s'est traduit chez nous par l'établisse- 
ment de la chronologie archéologique. Entre la chrono- 



- 107 — 

logie géologique qui ne donne que des dates relatives 
et qui ignore la durée réelle des périodes, d'une part, et 
la chronologie historique qui établit des dates précises, 
rapportées à une ère déterminée, d'autre part, il s'est 
établi une chronologie archéologique qui ne peut pas 
encore arriver aux dates absolues de l'histoire, mais qui 
donne cependant plus que les successions de la géologie: 
elle parvient à l'appréciation, d'une approximation plus 
ou moins serrée, de la durée des périodes. Nous avons 
appris que l'ère des palafìttes a été longue, très longue; 
que c'est par siècles et par dizaines de siècles qu'ont 
duré les diverses phases de son histoire. Et comme, avant 
cette ère des palafìttes il y a eu les âges paléolithiques, 
séparés eux-mêmes des âges néolithiques par la grande 
„lacune archéologique" (l'hiatus des auteurs), nous sommes 
obligés d'attribuer une énorme durée à ces premiers dé- 
veloppements de l'humanité dans les époques antéhisto- 
riques. 

D'un autre côté, les faits géologiques et historiques, 
dans leur enchaînement compliqué, n'ont cependant pas 
exigé un nombre infiniment long de millénaires. îsTous ne 
pouvons en poser les limites en formulant des dates cer- 
taines; mais, dans nos appréciations très générales, nous 
pouvons affirmer qu'entre l'homme de Thaïngen et nous, 
il s'est écoulé plus de dix mille ans et moins de cent 
mille ans. 

Du coup, la chronologie mosaïque s'effondrait en 
ruines; les lointains de l'histoire archéologique se recu- 
laient splendidement, et l'histoire naturelle de notre pays 
s'illuminait aux lueurs d'une aurore pleine de promesses. 

Ce ne fut pas seulement en Suisse que la découverte 
des palafìttes a été d'action heureuse et féconde; la 
science universelle en a abondamment profité. La connais- 



— 108 — 

sauce certaine que nous avons pu prendre de l'âge néo- 
lithique dans les ruines de nos cités lacustres nous a mis 
à même de séparer les grandes phases des époques archéo- 
logiques. La distinction jusqu'alors indécise entre le pa- 
léolithique et le néolithique est devenue évidente, et si, 
par le peu de développement en Suisse de l'époque pri- 
mitive ou paléolithique, nous n'avons pas été appelés à 
utiliser largement chez nous cette séparation, nos études 
ont puissamment contribué à la faire admettre. Tous les 
archéologues et naturalistes d'Europe sont venus en Suisse 
étudier les palafittes : tous, après les leçons qu'ils y ont 
trouvées, n'ont plus hésité à séparer absolument et nette- 
ment le chasseur de rennes habitant les cavernes, du 
pécheur sédentaire de nos palafittes des lacs suisses. Tout 
est différent entre eux: autre faune, autre flore, autre 
climat, autre géologie, autre industrie, autre anthropologie, 
autre homme. Cette constatation qui était très facile pour 
les naturalistes suisses, en possession du riche matériel 
d'étude que les palafittes leur avaient fourni, leur donna, 
vers le milieu du XIX m e siècle, une avance notable sur 
leurs collègues des autres pays: c'est mie bonne fortune 
en science, que d'être dans les premiers qui arrivent à 
entrevoir une vérité. 

Cette étude des palafittes a été fructueuse pour 
notre pays en ce qu'elle a été très populaire et qu'elle 
a entraîné la collaboration d'un nombreux personnel de 
toutes les classes de la société, dans tous les cantons de 
la Suisse. Les recherches dans les ruines lacustres n'exi- 
lent aucune préparation scientifique ou technique: tout 
au plus un peu de curiosité et de goût d'exploration. 
Chacun y pouvait prendre part et y jouer son rôle: 
hommes de science, historiens, archéologues, naturalistes 
qui rivalisaient à généraliser les faits constatés, et à en 



— 109 — 

tirer les lois et les théories ; hommes pratiques, pêcheurs, 
bateliers et amateurs, qui y trouvaient une heureuse 
application de leurs talents de chercheurs, ou une juste 
rémunération de leurs travaux. Les faits constatés, les 
trésors recueillis étaient précieux et intéressants; chacun 
y prenait plaisir, et le grand public, spectateur de ces 
découvertes, y sympathisait cordialement. Jamais étude 
ne fut plus populaire, et c'était une ère de joie générale 
dans tout le pays que cette époque de la première explo- 
ration des palafittes. 

Notre Suisse a eu, dans le siècle passé, le très heureux 
avantage de connaître plusieurs de ces phases de grandes 
découvertes scientifiques qui, à titres divers, sont devenues 
populaires par la collaboration spontanée d'un grand 
nombre d'hommes et par l'intérêt qu'elles ont excité dans 
toutes les classes de la société. Parmi ces études, dirigées 
par les hommes de science qui y ont imprimé leur cachet, 
mais soutenues par l'appui parfois effectif mais toujours 
sympathique de tout le pays, je rappellerai: 

1° La géologie glaciaire. La divination, la recon- 
naissance et la démonstration de l'époque glaciaire géo- 
logique. Perraudin, Venetz, Charpentier. 

La géologie moderne tend à diviser cette époque gla- 
ciaire en plusieurs glaciations secondaires avec phases alter- 
natives de gigantesques crues et de gigantesques décrues. 
DuPasquier, Mühlberg, Brückner. 

2° Les études directes sur les glaciers actuels. Hugi, 
Agassiz et ses amis de l'hôtel des Neuchâtelois ; puis, plus 
récemment, les mensurations des ingénieurs du bureau 
topographique fédéral, Grosset, L. Held, Wild, sous le 
patronage et avec les subsides du Club Alpin Suisse. et 
de notre Société helvétique des sciences naturelles. 

3° L'étude des variations périodiques des glaciers, 



— 110 — 

inaugurée par les naturalistes et les clubistes, actuelle- 
ment exécutée par les forestiers fédéraux et cantonaux. 
4° L'étude de la météorologie de la Suisse; l'étude 
des tremblements de terre. 

5° Les études limnologiques, histoire physique et 
naturelle des lacs. 

6° L'étude de la tectonique des Alpes, depuis H.-B. 
de Saussure, B. Studer, P. Merian, A. Escher de la 
Linth, A. Favre, jusqu'aux géologues vivants qui font 
la gloire de notre société des naturalistes suisses. 

Ajoutons -y l'étude des palafittes, et nous consta- 
terons avec joie que ces grandes recherches dans diverses 
branches des sciences naturelles représentent déjà, à elles 
seules, une contribution suffisante offerte par notre petite 
confédération, pauvre république de paysans et de bour- 
geois montagnards, pour sa part à l'édifice de la science, 
à la construction duquel l'humanité toute entière rivalise 
d'ardeur et de noble émulation. Constatons en même 
temps que ces services rendus à la science universelle 
n'ont pas été sans de très grands bénéfices pour notre 
pays, le peuple dans toutes les classes, et, avant tout, la 
classe •cultivée, y a beaucoup gagné par l'excitation heu- 
reuse d'une vie intellectuelle généralisée, et par le contact 
avec la recherche scientifique. 

De toutes ces études la plus populaire, car elle a 
amené la participation la plus nombreuse et la plus 
variée de travailleurs de toute classe et de tout rang, a 
été celle des palafittes. Je vous rappellerai les chercheurs 
d'il y a cinquante ans dont les noms sont inscrits dans 
les tmis premiers rapports de Ferdinand Keller, ceux 
de 1854, de 1858 et de 1860. 

Dr. Ferdinand Keller, président de la Société des anti- 
quaires de Zurich. 



— Ili — 

Frédéric Troyon. archéologue, à Ckeseaux près Lausanne, 

plus tard, conservateur du Musée d'archéologie à 

Lausanne. 
Adolphe de Morlot de Berne, géologue, prof., à Lausanne. 
Emmanuel Müller, notaire, à Xidau. 
Frédéric Schwab, colonel, créateur da la belle collection 

d'archéologie qu'il a léguée à la ville de Bienne. 
Dr. Albert Jahn, archiviste, à Berne. 
Dr. Johann Ulilniann, médecin, à Münchenbuchsee. 
Dr. Oswald Heer, professeur, à Zurich. 
Dr. Louis Riitinieyer, professeur, à Bâle. 
Edouard Desor, professeur, à Xeuchâtel. 
François Forel, président de la Société d'histoire de la 

Suisse romande, à Morges. 
Louis Bochat, professeur, à Tverdon. 
Henri Bey, à Estavayer. 
Beat de Vevey, à Estavayer. 
Johannes Aeppli, instituteur, à Meilen, Zurich. 
Jakob Messikommer, à Bobenhausen, Wetzikon, Zurich. 
Zuppinger, grenier, à Männedorf, Zurich. 
Jos. Bölsterli, curé, à Sempack. 
J. Amiet, président, à Solerne. 
Rotk, à Wangen, Soleure. 
Gaspard Löhle, à Wangen, Bodan. 
R. Suter-Suter, colonel, à Zofingen. 

J'ajouterai les noms des naturalistes qui, sans appa- 
raître dans les rapports de Keller, se sont, dès les pre- 
mières années, occupés de l'exploration des palaiittes : 
Dr. Hippolyte Gosse, professeur, plus tard conservateur 

du Musée d'Arckéologie de Genève. 
Louis Revon, arckiviste, à Annecy. 
F. Tkioly, dentiste, à Genève. 
Henri Carrard, professeur, à Lausanne. 



— 112 — 

André Pcrrin. à Chanibéry. 

Et enfin les noms de ceux qui pins tard sont entrés 
dans ces études et sont devenus des maîtres en la science 
des palafittes: 

Dr. Edmund de Eellenberg, directeur du Musée d'Archéo- 
logie de Berne. 
Dr. "Victor Gross, médecin, à la Xeuveville. 
Dr. Théophile Studer, professeur, à Berne, le continuateur 

de Riitirneyer. 
Dr. C. Schröter, professeur, à Zurich, le continuateur 

d'Oswald Heer. 
Arnold Morel-JTatiô, directeur du Musée d'Archéologie 

de Lausanne. 
Dr. Jakob Heierli, professeur, à Zurich. 

De la première couche des explorateurs des palafittes 
presque tous sunt morts. Nous ne sommes plus que deux 
survivants qui pouvons nous mémorer les souvenirs d'il 
y a cinquante ans, le vénérable Jakob Messikomïner, 
l'explorateur de Robenhausen, à Wetzikon. et moi-même. 
C'est là une des tristesses delà vieillesse: on reste seul 
et réduit à s'entretenir avec soi-même des belles années 
du pas<é : années de jeunesse, années d'activité produc- 
trice ! Que vous êtes loin de nous ! 

La découvert'- et l'exploration des palafittes ont été 
assez précieuses, et d'une importance assez capitale dans 
le monde scientifique de la Suisse, pour que ce jubilé 
cinquantenaire n'ait pas passé oublié dans le sein de notre 
Société helvétique des sciences naturelles: surtout puisque 
nous siégeons dans ce canton de Zurich, d'où est partie 
l'impulsion première de notre vénéré maitre et ami le 
Dr. Ferdinand Keller. 



Ueber Erscheinungen 
der spontanen und der innern Oxydation, 

Vou Prof. Dr. ED. SCHAER (Strassburg). 



Verehrte Versammlung! 

In unseren Kreise über Oxydation s-Erscheinun gen zu 
sprechen, bedarf wohl keiner besondern Entschuldigung, 
da die grosse Bedeutung von Oxydationsvorgängen sowohl 
bei allgemein-chemischen, als besonders auch bei biologisch- 
chemischen Prozessen wohlbekannt ist. Vor einigen Jahren 
hatte der Vortragende Gelegenheit, an der Versammlung 
in Bern über die Entwicklung unserer Kenntnisse von 
den Oxydasen (Oxydationsfermenten) zu reden, welche 
vor bald 50 Jahren zuerst von Chr. Fr. Schönbein in 
Basel beobachtet und in den Kreis chemischer Erörte- 
rungen gezogen worden waren. Der heutige Vortrag wird, 
obwohl gleichfalls an Schönbein'sche Untersuchungen an- 
knüpfend, nicht dem letztgenannten Gebiete gewidmet 
sein; ohnehin würden hier zwei andere Mitglieder unserer 
Gesellschaft, die HH. Chodat und Bach in Genf, in erster 
Linie als kompetent gelten müssen, da sie in letzter Zeit 
sowohl der chemischen Natur der Oxydasen als deren 
Rolle in den lebenden Pflanzengeweben ihre Unter- 
suchungen gewidmet haben. Allein neben diesen auf Oxy- 
dationsfermente zurückzuführenden langsamen Verbren- 
nungen lassen sich noch drei weitere Gruppen von Oxy- 
dationsvorgängen unterscheiden, welchen zum Teil eine 
weit allgemeinere Verbreitung zukommt; nämlich erstens: 



— 114 — 

Oxydationen, welche durch oxydierende Substanzen ver- 
mittelt werden und bei denen eine direkte (oder bei Be- 
teiligung des Wassers indirekte) Sauerstoffabgabe an die 

oxydierbaren Stoffe erfolgt; zweitens: spontane Oxydatio- 
nen, sogenannte Autoxydationen, bei welchen eine direkte 
Anziehung des atmosphärischen Sauerstoffs durch die 
oxydable Substanz stattfindet, und wobei hinsichtlich der 
interessanten Erscheinung der Sauerstoff-Aktivierung 
verschiedene Modalitäten auftreten können: drittens end- 
lich: die sogenannten innern oder intramolekularen Oxy- 
dationen, bei denen eine meist wenig stabile chemische 
Verbindung mit locker gebundenem Sauerstoff so ver- 
ändert wird, dass der lose gebundene Sauerstoff, unter 
Bildung neuer Produkte, in festere Vereinigung mit den 
übrigen im Moleküle vorhandenen Elementen respektive 
Atomen tritt. 

Ueber gewisse Erscheinungen bei diesen beiden letzten 
Arten von Oxydationen soll im folgenden einiges be- 
richtet werden, denn dieselben haben gerade in neuester 
Zeit wieder besondere Beachtung gefunden, .nachdem sehen 
ver vierzig bis fünfzig Jahren Schönbein zahlreiche Be- 
obachtungen auf diesem Gebiete gemacht und veröffent- 
licht hatte. Nun bin ich freilich auf den Einwand oder 
die Frage gefasst, wie denn gerade der Pharmazeut und 
nicht ein Vertreter der reinen Chemie dazu gelange, über 
Oxydations-Erscheinungen zu sprechen; der Vortragende 
kann für solches Unterfangen nur zwei mildernde Um- 
stände ins Feld führen, nämlich einmal die Tatsache, 
dass er sich seit vierzig Jahren fast unausgesetzt mit der 
Wiederholung und Ergänzung Schönbein'scher Versuche 
beschäftigt, sodann die Erfahrung, dass in der Tat bei phar- 
mazeutischen und pharmazeutisch -chemischen Arbeiten 
ganz besonder« häufige Gelegenheit zur Beobachtung von 



— 115 — 

Oxydationsvorgängen gegeben ist. Während die durch Oxy- 
dationsmittel bewirkten Oxydationen vorzugsweise in den 
Laboratorien der reinen und der technischen Chemie ihre 
sehr wichtige Rolle spielen, scheint den sogenannten Aut- 
oxydationen, sowie den innern Oxydationen eine grosse 
Bedeutung bei physiologisch-chemischen Prozessen zuzu- 
kommen. Dass Oxydationserscheinungen zu den bedeutend- 
sten Vorgängen auf biologisch-chemischem Gebiete, und 
zwar sowohl in dem Chemismus der tierischen als in dem 
der pflanzlichen Gewebe, gehören, wird allseitig zugegeben; 
dennoch harren hier noch eine Reihe schwieriger und sub- 
tiler Fragen eines sicheren Entscheides. So wissen wir, 
um nur auf einige wenige Punkte hinzuweisen, noch 
nicht, ob wir die Verbrennungen, welche in den lebenden 
tierischen Geweben auf Kosten des vom Blute in physi- 
kalisch-chemischer Bindung dahin transportierten Sauer- 
stoffes vor sich gehen, mit den Oxydationsprozessen ver- 
gleichen sollen, die wir im Laboratorium etwa mit Hülfe 
von Salpetersäure oder Chromsäure vornehmen oder ob 
wir dieselben eher als Autoxydationen aufzufassen haben, 
bei denen der atmosphärische Sauerstoff in periodischer 
losester Bindung durch Vermittlung des Blutstroms nach 
den Stätten der Oxydation geführt wird '? Und was sodann 
die Erscheinungen der pflanzlichen Ernährung d. h. der 
Assimilation von Kohlensäure , Wasser u. s. w., unter 
Bildung von Kohlenhydraten, organischen Säuren und 
andern Stoffen, betrifft, so ist es wohl allmählich statt- 
haft geworden, die etwas ketzerische Meinung zu äussern, 
dass es sich bei diesen wichtigen Prozessen nicht aus- 
schliesslich um Reduktionsvorgänge und Kondensations- 
erscheinungen, sondern nebenbei auch um intensivere Oxy- 
dationen handelt. Es werden im Laufe dieses Vortrages 
manche bekannte chemische Tatsachen anzuführen sein, 



— 116 — 

mit denen Chemiker vom Fach wohl vertraut sind; und 
dennoch erscheint es oft wünschenswert, zerstreute be- 
kannte Fakta von Zeit zu Zeit in einem gewissen Zusam- 
menhange zu besprechen. Ueberdies werden auch eine 
Anzahl neuer Beobachtungen zu erwähnen sein, die meines 
Erachtens nicht ohne alles physiologisch-chemisches In- 
teresse sind. Eine solche Betrachtung älterer und Mit- 
teilung neuer Erfahrungen über Oxydationserscheinungen 
lässt sich, wie ich glaube, am zweckmässigsten und ein- 
fachsten an zwei besonders typische Substanzen an- 
schliessen, nämlich an das Pyrogallol (C$ Hß O3) und an 
das Chinon (G& H4 0-i). Die erstere dieser Verbindungen 
ist namentlich typisch für die spontane Oxydation, die 
letztere insbesondere für die innere (intramolekulare) 
Oxydation; die beiden Stoffe sind überdies auch noch 
nach andern Richtungen belehrend und zur experimen- 
tellen Erläuterung theoretisch wichtiger Fragen der Oxy- 
dation vorzüglich geeignet. Es erhellt dies u. a. beson- 
ders aus zwei Abhandlungen Schönbeins, der einen aus 
dem Jahre 1860 über die Einwirkung des Sauerstoffs 
auf die Brenzgallussäure und der andern aus dem Jahre 
1867 über den beweglich-tätigen Sauerstoff des Chinons. 
Wenn wir in erster Linie das Pyrogallol in Betracht 
ziehen, so ist zunächst an die längst bekannte Eigenschaft 
der sehr leichten Oxydierbarkeit oder, was dasselbe be- 
sagen will, des intensiven Reduktionsvermögens dieser 
Substanz zu erinnern. Das Pyrogallol (früher als Brenz- 
gallussäure oder Pyrogallussäure bekannt), welches nach 
seiner rationellen chemischen Formel Ce H3 (0 H)s sich 
als ein einfaches Benzolderivat, d. h. als Trioxybenzol 
darstellt, ist infolge seiner stark ausgeprägten reduzie- 
renden Eigenschaften längst nicht nur zu chemischen 
und arzneilichen, sondern besonders auch zu gewissen 



— 117 — 

technisch-chemischen Zwecken verwendet worden; so ist 
namentlich dessen Rolle als sogenannter Entwickler in 
der Photographie allgemeiner bekannt, wenn wir auch 
noch keineswegs eine klare Einsicht in den Grund der 
Tatsache haben, dass gewisse Silberverbindungen (wie 
Brom- und Jodsilber), wenn sie auch nur kürzeste Zeit 
(z. B. bei sogenannten Blitzaufnahmen) der Lichtwirkung 
ausgesetzt waren, durch Pyrogallol und andere „Ent- 
wickler a sehr viel leichter und rascher zu metallischem 
Silber reduziert werden, als wenn dieselben konstant im 
Dunkeln geblieben sind? Das Pyrogallol erleidet aber 
nicht nur chemische Veränderung durch Oxydationsmittel, 
sondern ist unter gewissen Bedingungen in höchstem 
Masse zur spontanen Oxydation oder Autoxydation ge- 
neigt. Während die Substanz in absolut wasserfreiem 
Zustande selbst in Kontakt mit Sauerstoff, d. h. mit Luft 
sich nicht verändert, tritt bei Gegenwart von Feuchtig- 
keit und namentlich bei wässerigen Pyrogallollösungen 
mehr oder weniger rasch spontane Oxydation unter Ver- 
färbung der farblosen Lösungen nach Gelb und Braun 
ein. Von der grössten Bedeutung ist bei dieser Aut- 
oxydation, wie übrigens längst bekannt, die Reaktion der 
Lösungen und zwar in dem Sinne, dass bei deutlich 
saurer Reaktion, d. h. nach Zusatz kleiner Mengen einer 
Mineralsäure oder einer organischen Säure die spontane 
Oxydation bei Luftzutritt sich nicht vollzieht oder wenig- 
stens so langsam verläuft, dass sie auch in längeren Pe- 
rioden nicht wahrnehmbar wird, es sei denn, dass bei 
Anwendung einer flüchtigen Säure und bei Erwärmung 
der Lösungen durch Verdunsten der betreffenden Säure 
eine allmähliche Abschwächung der sauren Reaktion ein- 
tritt. Die neutralen Pyrogallollösungen ohne Säure- 
zusatz verfallen der spontanen Oxydation, wenn auch 



- 118 — 

relativ langsam, doch in sehr deutlicher Weise, welche 
sich durch zunehmende Gelbfärbung der Lösungen verrät. 
Höchst auffallend ist endlich die Intensität der Aut- 
oxydati on hei Zusatz kaustischer Alkalien oder der Al- 
kalikarbonate, so dass bei stark alkalischer Reaktion der 
Lösung fast augenblicklich tiefbraune Färbung als Zeichen 
vehement verlaufender spontaner Oxydation eintritt. Be- 
kanntlich absorbiert eine derartige stark alkalische Pyro- 
gallollösung sehr begierig Sauerstoff und wird deshalb 
seit Liebig's Zeiten in der Gasanalyse zur Sauerstoff- 
bestimmung benützt. 

Auf diesen Einfluss der alkalischen Reaktion auf 
die Autoxydation des Pyrogallols wird später nochmals 
einzutreten sein. Neben dieser Einwirkung der Reaktion 
auf die spontane Oxydation lassen sich aber auch noch 
anderweitige Einflüsse konstatieren, unter welchen nament- 
lich derjenige der Belichtung, sowie der Temperatur her- 
vorzuheben sind. Die Autoxydation und die damit ver- 
bundenen Gelb- bis Braunfärbung durch die gebildeten 
Oxydationsprodukte erfolgen merklich rascher bei direkter 
Einwirkung des Lichtes, z. B. der Sonnenstrahlen; allein 
auch in diffusem Tageslichteist indem Gange der spontanen 
Oxydation ein Unterschied gegenüber einer im dunkeln 
gehaltenen Pyrogallollösung zu bemerken. Ebenso auf- 
fällig ist auch der Einfluss einer Erwärmung, wenn bei- 
spielsweise im diffusen Tageslichte eine Portion Pyrogal- 
lollösung in einer Schale oder einem halbgefüllten Glas- 
kolben bei gewöhnlicher Temperatur gehalten, eine zweite 
gleiche Portion aber während derselben Zeit (unter Er- 
satz des verdunstenden Wassers) auf ein Wasserbad ge- 
setzt wird. Diese Einflüsse von Belichtung und Tem- 
peraturerhöhung machen sich je nach der neutralen oder 
alkalischen Reaktion der Lösungen in etwas verschie- 



— 119 — 

dcner Weise geltend; doch erlaubt es die Zeit nicht, 
auf diese Unterschiede hier des Nähern einzutreten. Eine 
mit der spontanen Oxydation des Pyrogallols verknüpfte, 
von Schönbein schon vor Jahrzehnten beobachtete Er- 
scheinung ist die Bildung kleinerer oder grösserer Mengen 
von Hydroperoxyd (Wasserstoffsuperoxyd), welche be- 
kanntlich auch bei der Autoxydation zahlreicher anderer 
anorganischer und organischer Stoffe, wie z. B. des 
metallischen Zinks und Eisens, des Brasilins, des Indig- 
weiss u. s. w. zu konstatieren ist. Dieses Auftreten von 
Wasserstoffsuperoxyd bei vielen spontanen Oxydationen 
hatte seinerzeit Schönbein zu seiner Theorie der Sauer- 
stoffpolarisation geführt, deren Quintessenz sich in den 
Satz zusammenfassen lässt, dass bei derartigen Aut- 
oxydationen der atmosphärische Sauerstoff in zwei ver- 
schiedene Zustände, den positiv-aktiven und den negativ- 
aktiven, übergeht, von denen der erstere mit Wasser 
zusammentretend Hydroperoxyd bildet, während der letz- 
tere, wie Ozon sich verhaltend, sich mit der oxydierbaren 
Materie zu bestimmten Oxydationsprodukten verbindet. 
Es ist bekannt, dass diese Schönbein'schen Ansichten, 
deren bleibendes Verdienst in der fruchtbaren Anregung 
zu neuen Beobachtungen zu suchen ist, in neuerer Zeit 
nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form aufrecht er- 
halten, vielmehr durch neuere Auffassungen ersetzt wor- 
den sind, welche vornehmlich auf den schönen Unter- 
suchungen von Engler, Manchot und andern Chemikern 
beruhen. Nach diesen Versuchen spielt bei den Aut- 
oxydationen vieler Substanzen anorganischer und organi- 
scher Natur die Bildung von Peroxyden, z. B. von metal- 
lischen Peroxyden oder von organischen Superoxyden 
(wie sie schon Schönbein u. a. bei der spontanen Oxy- 
dation der Terpene und anderer Kohlenwasserstoffe 



— 120 — 

angenommen hatte) eine hervorragende Rolle. Bei Gegen- 
wart des Wassers tritt dabei in sekundärer Weise Hydro- 
peroxyd auf und der aktive Sauerstoff der primär ge- 
bildeten, wenig stabilen Peroxyde verbindet sich mit den 
vorhandenen Molekülen oxydierbarer Substanz oder mit 
den im Peroxyd vorhandenen Atomen zu stabileren Oxy- 
dationsprodukten. Li den letzteren, vermutlich sehr 
häutigen Fällen würde das zweite Stadium der Autoxy- 
dation mit der Erscheinung der intramolekularen Oxy- 
dation oder innern Verbrennung zusammenfallen.*) 

In durchaus analoger Weise wie das Pyrogallol ver- 
halten sich bei der spontanen Oxydation eine ganze 
Reihe anderer organischer Stoffe, wie beispielsweise das 
mit dem später zu besprechenden Chinon nahe verwandte 
Hydrochinon (Ce PU O2), ferner zahlreiche Gerbstoffe, 
insbesondere auch die verschiedenen Chromogene, die 
wir in manchen Farbhölzern, aber auch in vielen andern 
Pflanzenstoffen antreffen. So enthält beispielsweise das 
Opium, der eingetrocknete Milchsaft des Papaver som- 
niferum, ein Chrornogen, welches beim Eindampfen des 
Auszuges in braungefärbte Oxydationsprodukte übergeht, 
die sich durch Anwendung von Bleisalz fixieren und 
ausfällen lassen. Die fast farblos gewordenen Filtrate 
färben sich auch nach öfterer Wiederholung dieser Pro- 
zedur stets wieder braun, so lange noch etwas unver- 
ändertes Chrornogen in der Flüssigkeit gelöst ist. 

Gehen wir nunmehr nach Besprechung des Pyro- 
gallols zum Ciiinon (Ca EU O2) über, welches als Benzol 
aufzufassen ist, in welchem zwei Wasserstoffatome des 



*) Eine ausführlichere Darlegung der Vorgänge der Autoxy- 
dation auf Grund der neuern Beobachtungen ist unter dem Titel: 
„Kritische Studien über die Vorgänge der Autoxydation von C. Engler 
und J. Weissberg, Braunschweig 1904" soeben erschienen. 



— 121 — 

Komplexes C6 Ü6 durch zwei Sauerstoffatome ersetzt 
sind. Das Chinon, zur Unterscheidung von andern ana- 
logen Verbindungen öfters auch als „Benzochinon a be- 
zeichnet, ist, wie bereits angedeutet, eine in chemischer 
Beziehung höchst merkwürdige Verbindung; denn sie ist 
nicht allein ein typischer Vertreter von superoxydähn- 
lichen wenig stabilen Substanzen, welche innere (intra- 
molekulare) Verbrennung erleiden, sondern zugleich von 
superoxydartigen Oxydationsmitteln, welche direkt Sauer- 
stoff an oxydierbare Stoffe abgeben und endlich von 
autoxydabeln Verbindungen wie Pyrogallol, Hydrochinon, 
Gerbsäure etc. 

Die Eigenschaften des Chinons als eines supero xyd- 
ähnlichen Oxydationsmittels sind bereits vor mehr als 
30 Jahren auf Grund zahlreicher Reaktionen sowohl von 
dem Vortragenden*) als auch auf dessen Veranlassung 
in ergänzender Weise von Schönbein**) dargelegt worden. 
Von den damals mitgeteilten Reaktionen des Chinons, 
welche sonderbarer Weise grösstenteils auch noch heute 
in den Lehr- und Handbüchern der organischen Chemie 
nicht verzeichnet sind, mögen an dieser Stelle nur 
erwähnt werden : die Bräunung des Pyrogallols (unter 
Bildung des Pyrogallochinons oder Purpurogallins), die 
Bläuung der Guajakharzlösung, die Wiederbläuung der 
durch Wasserstoffpersulfid oder durch Hyclroschweflige- 
säure gebleichten Indigolösung, die Bläuung des aus einem 
Fcrrosalze und Ferrocyankalium erhaltenen weisslichen 
Ferrocyaneisens, die Bläuung der angesäuerten Jodka- 
lium-Stärkelösung u. s. w. Diese und andere Oxydations- 



*) Über eine neue Ozouverbindung organischer Natur; Mit- 
teilungen der Berner naturforscheiideu Gesellschaft 1867. 

**) Über den beweglich-tätigen Sauerstoff im Chinon; Verhand- 
lungen der Basler naturforschenden Gesellschaft, IV, 799 (1867). 



— 122 — 

Reaktionen, zu welchen in neuester Zeit u. a. auch 
die tiefe Rötung - einer verdünnten hellgelben Isobar- 
baloinlösung durch Chinonlösung hinzugetreten ist. recht- 
fertigen eine Vergleichung des Chinons mit gewissen 
anorganischen Peroxyden wie z. B. dem Bleisuperoxyde 
und bestätigen die Ansichten über eine Superoxydnatur 
des Benzochinons und anderer verwandter Olinone, zu 
welchen auf anderem Wege schon G Graebe in seiner 
klassischen Arbeit über die Chinongruppe (1867) ge- 
langt war. 

In einem nahen Zusammenhange mit diesem Cha- 
rakter des Chinons als superoxydartiges Oxydationsmittel 
steht nun auch sein Verhalten als eine Verbindung mit 
locker gebundenem Sauerstoff, welch letzterer in Folge 
seines eigentümlich tätigen Zustandes und seiner losen 
Bindungsweise im Stande ist. sich nicht allein auf fremde 
oxydierbare Stoffe zu werfen, sondern auch mit den im 
Chinon selbst vorhandenen Kohlenstoff- und Wasser- 
stoffatomen in festere Verbindung zu treten und tief- 
gefärbte Oxydationsprodukte zu bilden, mit andern Vorteil 
eine sogenannte innere oder intramolekulare Oxydation 
zu bewerkstelligen. So erklärt sich die Tatsache, class 
eine wässerige Chinonlösung selbst bei vollständigem 
Abschluss von Sauerstoff relativ rasch ihre gelbe Färbung 
nachdunkeln lässt resp. in eine mehr und mehr braun 
gefärbte Flüssigkeit übergeht und in demselben Masse 
die oben angeführten Eigenschaften als organisches Oxy- 
dationsmittel einbüsst. Das Chinon. obwohl wegen seiner 
leichten Krystallisierbarkeit eine scheinbar stabile Sub- 
stanz, verhält sich hinsichtlich der Tendenz zur intra- 
molekularen Verbrennung in ganz analoger Weise wie 
das bei den (4uajakharzreaktionen auftretende ..Guajak- 
blau", das durch Superoxyde oder andere ozonartig wir- 



— 123 — 

kende Oxydationsmittel aus gewissen Aloinarten erzeugte 
„Aloinrot" oder auch das aus deni Alkaloide Äpomorphin 
durch spontane Oxydation sich bildende in Wasser und 
Alkohol mit grüner, in Äther, Chloroform u. s. w. rnit 
violettroter Farbe lösliche Oxydationsprodukt. Ja, auch 
das Oxyhämoglobin des arteriellen Blutes zeigt, wie 
noch zu erörtern sein wird, ein durchaus analoges Ver- 
halten. Alle die genannten Sauerstoffverbindungen mit 
teilweise locker gebundenem, nach Schönbein in beweglich 
tätigem Zustande befindlichen und daher ozonartig wir- 
kenden Sauerstoff verändern sich, auch bei Luftabschluss, 
spontan; so gehen beispielsweise Guajakblau oderAloinrot 
unter Veränderung der Farbe der Lösungen und unter 
festerer chemischer Bindung des „tätigen" Sauerstoffs in 
stabilere Oxydationsprodukte der Griiajakonsäure resp. 
des Aloins über und die betreffenden Lösungen (des 
Guajakharzes und Aloins) verlieren deshalb nach öfterer 
Bläuung oder Rötung und jeweiliger spontaner Ent- 
färbung allmählich das Vermögen, durch Oxydations- 
mittel wieder gebläut resp. gerötet zu werden, ebenso 
wie das gelöste Chinon durch eine analoge innere A r er- 
breimung allmählich die schön gelbe Farbe und seine 
oxydierenden Wirkungen (siehe oben) einbüsst. 

Endlich äussert das Chinon merkwürdigerweise un- 
geachtet seiner verschiedenen Oxydationswirkungen gleich- 
zeitig die Eigenschaften einer durch Oxydationsmittel 
oxydierbaren und zugleich, ähnlich wie Pyrogallol oder 
Hydrochinon, energischer Autoxydation fähigen Substanz. 
"Während die wässrige Chinonlösung, wie erwähnt wurde 
und wie die vorgewiesene, mit luftfreieni Wasser her- 
gestellte und mit Petroläther überschichtete Lösung zeigt, 
schon bei Sauerstoffabschluss durch innere Oxydation 
ihre Farbe und ihr oxydierendes Vermögen verändert, 



— 124 — 

tritt die Farbenänderungj d. h. der Uebergang der gelben 
in eine braune Färbung, noch merklich rascher und inten- 
siver bei Luft- resp. Sauerstoffzutritt ein, wie denn die 
geringe Haltbarkeit mehr oder weniger hermetisch ab- 
geschlossener Chinonlösungen längst bekannt ist. Mit 
diesem Verhalten geht die Tatsache Hand in Hand, dass 
die frische Chinonlösung, der Pyrogallollösung analog, 
durch eine Reihe von Oxydationsmitteln, wie Chromsäure 
oder Uebemiangansäure sofort gebräunt wird. 

So erinnert das Chinon durch sein gleichzeitig stark 
oxydierendes und intensiv reduzierendes Vermögen an 
die Eigenschaften des Wasserstoffsuperoxyds. "Wir können 
dasselbe als eine in labilem chemischem Gleichgewichte 
befindliche Substanz betrachten, in welcher je nach der 
Art der das Molekül treffenden Erschütterung oder Gleich- 
gewichtsstörung bald die eine, bald die andere Eigenschaft 
ausgelöst wird. 

In ganz analoger Weise, wie die Autoxydation des 
Pyrogallols wird nun auch sowohl die innere Verbren- 
nung als die spontane Oxydation des Chinons durch 
Temperaturerhöhung, Lichtwirkung und namentlich durch 
Herbeiführung alkalischer Reaktion beschleunigt und ver- 
stärkt und ebenso, wie bei Pyrogallol, sind auch hier die 
Erscheinungen der Oxydation an die Gegenwart von 
Wasser geknüpft, wie denn die Tatsache, dass eine al- 
kalisch gemachte wässerige Chinonlösung begierig Sauer- 
stoff absorbiert, schon Wühler und andern Chemikern 
seiner Zeit bekannt war. 

Das Chinon zeigt überdies bezüglich seiner Fähig- 
keit zur innern Oxydation deutliche Aehnlichkeit mit 
dem Farbstoffe des arteriellen Blutes, dem Oxyhäinoglobin, 
welches bekanntlich nicht allein bei Einwirkung gewisser 
Oxydationsmittel (wie etwa Ferricyankalium, Hypochlo- 



— 125 — 

rite etc.), sondern auch spontan bei Erwärmung oder 
Eintritt stark alkalischer Reaktion unter Veränderung 
des Häniochromogen-Komplexes in Hämatin (auf Kosten 
des lose gebundenen Oxyhämoglobin-Sauerstoffs) Methä- 
moglobin bildet und unter gewissen Bedingungen noch 
weitere Zersetzung erleidet, d. h. unter gleichzeitiger Ab- 
spaltung eines Albuminstoffes Hämatin abscheidet. 

Während nun aber, um nochmals auf den Einüuss 
der alkalischen Reaktion bei den beschriebenen Oxyda- 
tionsvorgängen zurückzukommen, die bisherigen Erfah- 
rungen über die Beschleunigung und Verstärkung von 
Prozessen der spontanen oder auch der intramolekularen 
Oxydation (bei Pyrogallol , Gerbsäuren , Chinon und 
manchen andern Substanzen) fast ausnahmslos mit ba- 
sischen Stoffen von sehr stark alkalischer Reaktion, wie 
z. B. mit kaustischen Alkalien oder Alkalikarbonaten 
gemacht worden sind, haben mich in letzter Zeit neue 
Versuche zu Beobachtungen geführt, welche ich am 
Schlüsse dieses Vortrages anführen zu sollen glaube, 
weil aus denselben hervorgeht, dass der fördernde Ein- 
fluss alkalischer Stoffe auf Oxydationsvorgänge der ver- 
schiedensten Art eine viel allgemeiner verbreitete Erschei- 
nung darstellt, als bis jetzt angenommen werden durfte. 

Im Anschlüsse an eingehendere Versuchsreihen über 
die Einwirkung alkalischer Reaktion auf das Oxydations- 
vermögen verschiedener Metallsalze *) habe ich weitere 



*) s. m. Abhandlung: Über die Einwirkung anorganischer und 
organischer alkalischer Substanzen auf das Oxydationsvermögen von 
Metallsalzen. Verhandlungen der Basler naturforschenden Gesell- 
schaft Bd. XVI (Hagenbach-Festband) 1903, Seite 70. Im weitern 
vergleiche E. Feder, Beiträge zur Kenntnis der Basizität der 
Alkaloide, geprüft an ihrer Wirkung auf gewisse Oxydationsvorgänge. 
— Inauo-.-Dissert. Strassburs; 1904. 



— 126 — 

Beobachtungen über den Einfluss alkalischer Substanzen 
auf die Vorgänge der Autoxydation z. B. bei Pyrogallol 
und Chi non, sowie der innern Oxydation (bei Chinon, 
Aloinrot, Guajakblau) angestellt. Es hat sich dabei 
ergeben, dass sowohl das oxydierende Vermögen gewisser 
Mctallsalze (Kupfer-, Quecksilber-, Silber-, Goldsalze), 
als auch die Prozesse der Autoxydation . sowie der intra- 
molekularen Oxydation nicht allein durch stark wirkende 
Alkalien, sondern auch durch eine grosse Reihe schwach 
basischer anorganischer und organischer Stoffe (unter 
den letztern besonders durch verschiedenste Pflanzen- 
basen) wesentlich verstärkt werden, ja dass diese Ein- 
flüsse selbst schwächster alkalischer Reaktion öfters so 
intensiv sind, dass mit deren Hülfe durch Anstellung 
geeigneter Kontrollreaktionen die Gegenwart solcher basi- 
scher Substanzen erkannt werden kann, welche auf die 
gewöhnlich verwendeten Indikatoren (Pflanzenfarben und 
künstliche Farbstoffe) nicht mehr einwirken. Für die 
nähern Einzelheiten mnss hier auf die beiden oben 
angemerkten Arbeiten verwiesen und mag deshalb nur 
in Kürze erwähnt werden, dass sowohl die Autoxydation 
des Pyrogallols und anderer analoger Substanzen als 
auch die Autoxydation und die innere Verbrennung des 
Chinons und ähnlicher superoxydartiger Verbindungen 
schon durch minimale Quantitäten selbst sehr schwach 
alkalischer anorganischer und organischer Stoffe in augen- 
fälligster Weise gefördert werden. Diese Erscheinungen, 
d. h. der auffallend günstige Einfluss, den auch ganz 
schwach basische Substanzen auf verschiedenste Oxy- 
dationsvorgänge auszuüben vermögen, scheinen mir nicht 
oline alle Bedeutung für das Verständnis physiologisch- 
chemischer Veränderungen zu sein; denn bekanntlich 
sind in den Geweben und Säften des lebenden Körpers, 



— 127 — 

namentlich im Blute und in manchen Drüsensekreten 
mancherlei Substanzen von mehr oder weniger stark 
ausgeprägter basischer Natur, ja auch solche von soge- 
nannter amphoterer Reaktion vertreten, und ich müsste 
mich sehr täuschen, wenn nicht gerade solchen schwach 
alkalischen Verbindungen eine gewisse Rolle bei den 
verschiedensten, in den lebenden Körperorganen sich 
konstant abspielenden Oxydationserscheinungen zukäme. 
Nur zahlreiche weitere Versuche und Beobachtungen 
können diese, wie mir scheint, auch medizinisch nicht 
ganz unwichtigen Fragen abklären. Der grosse Forscher 
aber, der das Wort gesprochen hat: „Zwei Dinge erfüllen 
meine Seele mit heiligen Schauern, der gestirnte Himmel 
über mir und die Selbsterkenntnis in mir*', würde in 
unserer Zeit wohl noch beifügen: „die unübersehbare 
Kompliziertheit der Lebensvorgänge. "• 



Der Bau des Simplon -Tunnels. 

Von ED. SULZER-ZIEGLER. 



Meine Herren! Als mich Ihr Kollege und mein 
Freund, Herr Rektor Keller, aufforderte, an Ihrer Jahres- 
versammlung über den Bau des Simplon-Tunnels zu 
sprechen, hatte ich nicht geringe Bedenken dagegen. 
Sie sind gewohnt, bei diesem Anlass über rein wissen- 
schaftliche Fragen zu diskutieren und über solche Be- 
richte entgegenzunehmen. Auch der Durchstich des Sim- 
plon lässt sich rein wissenschaftlich behandeln, und zwar 
von verschiedenen wissenschaftlichen Gesichtspunkten aus, 
aber dafür bin ich nicht der Mann und masse mir 
solches auch nicht an; ich bin Praktiker und Geschäfts- 
mann und kann, was ich vorbringen werde, nur von 
diesem Gesichtspunkte vorbringen, das andere den Ge- 
lehrten überlassend. 

Wenn also mein Vortrag nicht nach Ihrem Ge- 
schmack sein sollte, so trifft die Verantwortung nicht 
mich, sondern meinen lieben und geschätzten Freund 
Rektor Dr. Keller. 

Noch ein anderes Bedenken war mir aufgestiegen. 
Die naturforsch ende Gesellschaft zählt in ihrem Schosse 
auch die Herren Geologen. Nun wissen Sie, meine Herren, 
dass die Simplonunternehmung mit der Geologie und 
ihren Vertretern auf etwas gespannten Fuss geraten ist. 
Ich bin nun nicht etwa hier, um die Geologen heraus- 



— 129 — 

zuf ordern, da würde ich angesichts der Beredsamkeit 
derselben sicherlich den Kürzeren ziehen, sondern ich 
werde nur den Standpunkt markieren, den wir Praktiker, 
durch die Erfahrung gewitzigt, den geologischen Voraus- 
sagungen gegenüber in Zukunft einnehmen werden. 

Ich soll einige Mitteilungen machen über die Art 
und Weise, wie der Tunnel ausgeführt wurde und wird, 
über das Yorgehen und die Methoden, die beim Bau zur 
Anwendung gekommen sind und über die Erfahrungen, 
die bei demselben gesammelt worden sind. 

Bevor ich darauf eintrete, will ich mich einige^rmassen 
über das Objekt, um das es sich handelt, aussprechen. 
Es war ein Jahrzehnte langer Traum der Westschweiz, 
durch den Simplon eine Eisenbahnverbindung mit Italien 
zu bekommen. Einen Berg, der Simplon heisst, gibt es 
nicht, ebenso wenig, wie es einen Berg giebt, der Grott- 
hard oder Splügen heisst. Was man heute die Gotthard- 
bahn nennt, ist eine Bahn, die dieselben Zugangstäler 
benützt, wie die frühere Gotthardstrasse, und im Tunnel 
ungefähr unter denjenigen Gebirgszügen durchgeht, welche 
die Gotthardstrasse überschreitet. Gerade so ist es am 
Simplon. Der wesentliche Unterschied ist gegenüber dem 
Gotthard nur der, dass der Simplontunnel viel tiefer 
unten beginnt und infolge dessen erheblich länger wird. 
dafür aber den Vorteil hat, dass die sogenannten Berg- 
strecken erspart werden. Denken w r ir uns, der Gotthard- 
tunnel beginne anstatt bei Gesehenen oberhalb Amsteg 
und endige anstatt bei Airolo ungefähr bei Eaido, so 
können wir uns am besten eine Vorstellung machen, in 
welchem Verhältnis bezüglich Xeereshöhe, Zuiahrtsver- 
hältnissen, Gebirgsüberlagerung etc. der Simplontunnel 
zum Gotthardtunnel steht. Ein Tunnel von Amsteg nach 
Faido würde allerdings ungefähr 34 Kilometer lang, 

9 



— 130 — 

wahrend der Simplon 20 Kilometer lang ist; das li 
mit anderen Worten, das Simplongebiet eignet sich für 
einen sogenannten Basistunnel ' besser-, indem auf der- 
8cll Ï . shöhe der Tunnel ca. 70 % kürzer wird als 
im Gotthardgebiet. 

Die Vorstellung von der Länge des Simplontum 
will ich durch einige Vergleiche klar machen. Der Sim- 
plontunnel ist ziemlich genau so lang, wie die Luftlinie 
zwischen Zürich und Winterthur, oder wie die Luftlinie 
von St. Gallen nach St. Margarethen' oder wie die Distanz 
von St, Gallen bis zur Säntisspitze, in der Projektion 

ssen; einen andern Vergleich: Wenn wir uns den 
Tunnel in einem Tausendstel seiner Dimensionen vor- 
stellen, so kommt er gleich einem Drahte von 6 mm 
Durchmesser und 20 m Länge. 

Es ist : . Lstatiefen, dass es in der ganzen Alpen- 
kette keine Stelle gieht. die für einen Basistunnel gün- 
stig . gt, als das Simplongebiet. Basistunnel heissen 
wir diesen Tunnel, weil er die Berge an der Basis an- 
packt und dadurch bewirkt, dass man nicht mittelst 
Zufahrtslinien lange an dieselben heranzusteigen braucht, 
um dami den Tunnel iter oben beginnen zu 

lassen. Beim Simplontunnel liegt der nördliche Eingang 
685 m über Me 15 m höher, der südliche Ein- 

gang ':'>o4 m über Meer, also 36 m tiefer als der Bahn- 
hof St. Gallen. Der Höhenunterschied zwischen dem 
5 iplon- und Kotthardtunnel beträgt rund 450 m. Es 
folgt aus dem Gesagten, dass, abgesehen von der grössern 
Länge beim Simplontunnel, die Gebirgsüberlagerung — 
ungefähr gleich hohe Bvrg,' 1 ' vorausgesetzt, w - Simplon- 
und Gotthardgebiet in der Tat aufweisen — dL-nientspre- 
chend grösser sein rnu--. 

Wir haben in Beilage 1 die Profile der drei Tun: 




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— 131 — 

Mont-Cenis, Gotthard und Simplon. Das Mont-Cenis- 

Profil ist in dargestellt, das vom Gotthard in 

und das vom Simplon in Linie. Es ist darauf 

aufmerksam zu machen, dass die Meereshöhe der Tunnel- 
achsen vollständig verschieden ist. Der Mont-Cenis liegt 
600 m höher als der Simplon, der Gotthard, wie gesagt, 
450 m. Diese Darstellung soll nur das über der Achse 
liegende Profil veranschaulichen. Man ersieht daraus am 
allerdeutlichsten die Verschiedenheit der Ueberlagerung 5 
wir sehen deutlich, dass der Simplontunnel in sehr vielen 
Punkten wesentlich- höher überlagert ist als der Gott- 
hard- und der Mont-Cenis- Tunnel. Bei sämtlichen Tun- 
nels ist das Nordportal am selben Punkte angebracht, 
damit man einen Vergleich der Länge bekommt. Wir 
bemerken, dass der Mont-Cenis ungefähr 12 km, der 
Gotthard 15 km und der Simplon rund 20 km lang ist. 
Hier schon mache ich auf das sogenannte offizielle geo- 
logi sclie Profil (Beilage 2), dasjenige Profil, das vor un- 
gefähr 14 Jahren aufgestellt worden ist, aufmerksam; 
das untere (Beilage 2) — wir kommen später darauf zu 
sprechen — , stellt dasselbe Profil dar, mit den unter- 
dessen durch die Geologen eingetragenen Änderungen. 
Nachdem ich so den Brocken vorgestellt habe, den 
es sich zu durchbohren handelt, ist es nun meine Auf- 
gabe, zu sagen, wie sich die Technik einem solchen Pro- 
jekte gegenüber stellt, und da muss ich etwas zurück- 
greifen. Bekanntlich ist der Tunnelbau grössern Stils 
ein Kind der modernsten Zeit. Der Eisenbahnbau hat 
ihn ins Leben gerufen. Ein Tunnel wie der Hauenstein 
von zirka 2 1 /* km Länge war für seine Zeit ein Objekt, 
das' aller Welt Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war 
ein gewaltiger Schritt und brauchte auch einen gewaltigen 
Mut, den Mont-Cenis mit rund 12 km Länge in Angriff 



— 132 — 

zu nehmen. Es war das im Jahre 1859. Man war damals 
zu Beginne der Arbeiten noch gänzlich auf Handbohrung 
angewiesen. Die Maschinenbohrung wurde erst während 
des Baues erfunden und eingeführt; zur Abkürzung der 
Bauten wurden damals überall Schächte vorgeschlagen, 
welche eine grössere Anzahl Angriffspunkte schaffen 
sollten. Im Hochgebirge sind dieselben aber praktisch 
ausgeschlossen, weil sie zu tief und dadurch zu schwierig 
zu betreiben werden. Was wollte es aber heissen, sechs 
und einen halben Kilometer von einer Seite aus mittelst 
Handbohrung zu machen? Wenn wir per Tag einen 
Meter Fortschritt der Bohrung rechnen — und mehr 
dürfen wir nicht — so giebt es bei 360 Arbeitstagen per 
Jahr für diese 6V2 km eine Arbeitsdauer, bis die Stollen 
durchschlagen sind, von 16 V2 Jahren. Das heisst man 
fürwahr eine Geduldsarbeit/ So lange ist es nun aller- 
dings nicht gegangen, dank dem Umstand, dass während 
des Baues des Mont-Cenis mechanische Bohrung zur 
Anwendung kam; aber 11 Jahre hat es immerhin gedauert, 
was einen durchschnittlichen täglichen einseitigen Fort- 
schritt von zirka l'/s m gleichkommt, und das 12. Jahr 
wurde zur Vollendung des Tunnels gebraucht. So lange 
dauernde Bauten geben teure Bauten ab, an und für sich, 
und ganz besonders wegen der auflaufenden enormen 
Zinsen des ausgegebenen Kapitals, das erst nach Jahren 
Früchte trägt. Es hat sich also für die Technik vor allem 
um die Frage gehandelt: Wie kürzen wir die Dauer 
solcher Bauten ab? Da kann nur helfen: verbesserte 
mechanische Bohrung. In der Tat war der Gfotthard 
mit seinen rund 15 km Länge in zirka 8 Jahren durch- 
bohrt, was einem durchschnittlichen täglichen Fortschritt 
von einer Seite von zirka 2,6 m gleichkommt: schon ein 
gewaltiger Fortschritt! 



— Loa — 

Und nun die Bauzeit für den 20 kni langen Simplon- 
tunnel ! Welche Dauer sollte da in Aussicht genommen 
werden? Sie wurde in folgender Weise berechnet. Die 
Gesamtlänge des Tunnels beträgt genau 19,770 in, die 
Hälfte also 9885 m. Es kann davon keine Hede sein, 
dass man grössere Torbereitungen trifft, bevor einem 
der Auftrag erteilt ist. Y on diesem Tag an mussten 
wir mindestens 3 Monate rechnen, bis wir mit den Ein- 
richtungen für die mechanische Bohrung bereit sein 
konnten. Rechneten wir für die Handbohrung täglich 
einen Meter, so ergab das in 3 Monaten rund 100 m : 
das kommt fast nicht in Betracht. 

Es war für uns eine ausgemachte Sache, dass nur 
ein Bohrsystem, nämlich das nach seinem Erfinder ge- 
nannte Brandt' sciie Bohrsystem mit hydraulischem Be- 
triebe in Betracht kommen konnte. Mit Rücksicht einer- 
seits auf die Aufschlüsse der geologischen Profile, die 
zahlreich ausgearbeitet worden waren, und die die zu er- 
wartenden G-esteinsarten und deren mutmassliche Schicht- 
ungen im grossen ganzen als günstig darstellten, und 
anderseits mit Rücksicht auf bereits erwiesene Leistungen 
des Brandt'schen Bohrsysterns, glaubten wir einen durch- 
schnittlichen täglichen Fortschritt auf jeder Seite von 57a m 
in Aussicht nehmen zu dürfen. Das ergab für die Testie- 
renden 9785 Meter einer Seite rund 5 Jahre bis zum 
Durchschlag und inklusive des nötigen halben Jahres 
zur Yollendung des Tunnels, vom Tage der Inbetrieb- 
setzung der mechanischen Bohrung an, eine Bauzeit von 
5 Va Jahren. Ich werde später davon sprechen, wie wir 
dieses Programm eingehalten haben und bemerke nur 
noch, dass bei der knappen Finanzierung des ganzen 
Unternehmens es auf eine kurze Bauzeit wegen der 
namhaften Ersparnisse an Zinsen wesentlich ankam. 



— 134 — 

Lag die Frage der mechanischen Bohrung verhältnis- 
mässig einfach, so stellten sich derjenigen der Venti- 
lation dagegen grosse Schwierigkeiten entgegen. Eines 
hat der Bau des Gotthardtunnels klar und deutlich dar- 
getan, nämlich, dass die dort angewendeten Mittel zur 
Erneuerung der Luft gänzlich ungenügend waren. Hin- 
sichtlich der Ventilation war man an den Bau des Mont- 
Cenistunnels mit einer geradezu unglaublichen Naivität 
getreten, indem man annahm, dass sich die Lufterneuerung 
so mehr oder weniger von selber herstelle, wie das in 
der Tat bei ganz kurzen Tunnels der Eall ist. Es ist 
daher erklärlich, dass beim Mont-Cenis die Einführung 
der komprimierten Luft zum Betriebe der Bohrmaschinen, 
die zugleich eine gewisse Lüftung brachte, als eine 
grosse Errungenschaft betrachtet wurde. Unter dem Ein- 
druck derselben wurde das Bauprogramm für den Gotthard 
festgestellt. Prinzipiell ist es nun ja ganz richtig, dass kom- 
primierte Luft bei ihrer Expansion Lufterneuerung bringt. 
Man hat sich aber quantitativ verrechnet. Was die Luft- 
bohrmaschinen brauchen, genügt wohl für das dabei 
beschäftigte Personal; aber die andern Arbeiter sind auch 
noch da und bilden das „Gros" und für diese war beim 
Bau des Gotthardtunnels nicht genügend gesorgt. Es ist 
in wasserarmen Wintern, wo die Kraft knapp war, vor- 
gekommen, dass per Sekunde nicht mehr als zirka \ l j% cbm 
atmosphärischer Luft in den Tunnel kam, also per Minute 
zirka 90 cbm und das für zirka 400 Mann, während man 
per Mann, der im Tunnel arbeitet, mindestens einen 
halben Kubikmeter rechnen sollte, was 200 cbm erfordert 
hätte. Die Folge war dann auch eine entsprechende 
Verunreinigung der Luft durch Lampen, Sprengmate- 
rialien und nicht zuletzt durch die Ausdünstung der 
Menschen selbst, ein Zustand, welcher die Gesundheit, 




Tafel 4: Bohrmaschine. 



— 135 — 

also auch die Leistungsfähigkeit der Arbeiter stark be- 
einträchtigte und dadurch die Arbeiten sehr verteuerte. 
Es ist wesentlich der ungenügenden Ventilation zu- 
zuschreiben, dass der Gesundheitszustand der Arbeiter 
am Gotthard viel zu wünschen übrig liess, der mit der 
mangelnden Reinlichkeit und infolge dessen auftretender 
Krankheiten viele Menschenopfer forderte. Es war ein 
St. Galler Arzt, der leider zu früh verstorbene, verdiente 
Dr. Sonderegger, der im Auftrag der eidgenössischen 
Behörden damals am Gotthard Untersuchungen veran- 
staltete und darüber Bericht erstatten musste. Sein Bericht 
ist sehr interessant; er war selbstverständlich wie immer 
vom besten Willen erfüllt, aber ändern konnte er nichts 
mehr, da der Sachlage gemäss nichts mehr zu ändern 
war. Der Sprechende war von einem Besuche am Gotthard 
während des Baues derart ergriffen, dass er sich damals 
sofort die Erage vorlegte: Ist es wirklich beim Tunnelbau 
nicht anders zu machen, als dass die Arbeiter unter 
derartig erschwerenden und peniblen, ihrer Gesundheit 
schädlichen Umständen arbeiten müssen ? Giebt es nicht 
Mittel, diese schweren Ubelstände zu heben, so dass 
auch der Tunnelbau auf humane Weise betrieben werden 
kann? Das Problem schien schwierig genug; die Leute 
vom Fach schüttelten die Köpfe und glaubten sich resig- 
niert in das Unvermeidliche schicken zu müssen. Man 
muss eben bedenken, wie schwierig es ist, sperrige Ein- 
richtungen zu machen in einem so engen Raum, wie 
ein Tunnel es ist, in dein ein grosser Verkehr für Ab- 
fuhr des Sprengschuttes und Einfuhr der Baumaterialien 
stattfindet, in dem alle paar Stunden gesprengt wird, 
wo je nach dem Gestein Wände und Decken mit dicht 
aneinander stehenden Holzbalken — dem sogenannten 
Einbau — gestützt werden müssen, wo einbrechendes 



— 136 — 

Wasser fusshoch den Boden, die sogenannte Solile, über- 
schwemmen kann, wo alles konstant im Werden und 
Entstehen, nichts bleibend ist; ich sage, man muss all 
das bedenken, und dann begreift man die Resignation 
der damaligen Fachleute. Hau durfte sich aber dadurch 
nicht abschrecken lassen. Ein zweiter Tunnelbau mit 
derartigen Menschenopfern, wie der Gotthard sie gefordert 
hat. wäre unverantwortlich gewesen. Wenn die Technik 
nicht die Mittel findet, diese Dinge zu ändern, dann lieber 
keinen derartigen Tunnel mehr bauen, das sagte man sich! 

Xach eingehendem Studium dieser wichtigsten Frage 
glaubten wir den Weg gefunden zu haben. Der Bau 
des Arlbergtunnels bot uns das gewünschte Versuchsfeld, 
l'user Vorschlag, mittelst Rohrleitungen von einem bis 
dahin für unmöglich gehaltenen Durchmesser und mit 
viel Luft von schwacher Pression den Tunnel stark zu 
ventilieren, fand die Zustimmung der österreichischen 
Ingenieure, und der Erfolg hat uns vollkommen Recht 
gegeben. Wesentlich dank der neuen Ventilationsmethode, 
nach welcher per Sekunde durchschnittlich 6 cbm Luft 
eingeführt wurden, ist der Arlbergtunnel ein Jahr vor 
dem programmässigen Zeitpunkt vollendet worden, und 
es muss gesagt werden, dass schon am Arlbergtunnel 
der Gesundheitszustand der Arbeiter ein guter war. 

Eür den Simplon lag die Erage der Ventilation un- 
gleich schwieriger als für den Arlberg. Es handelte sich 
um die doppelte Länge — der Arlberg hat zirka 10 km — , 
es handelte sich um eine grössere Anzahl Leute, die zu 
gleicher Zeit im Tunnel arbeiten, und es handelte sich, 
und das war die Hauptsache, um hohe Temperaturen, 
ein vollständig neuer Faktor im Tunnelbau. Wollte 
man als Grundsatz aufstellen — und das taten wir — 
dass in aller erster Linie die im Tunnel beschäftigten 




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— 137 — 

Menschen geschont und in ihrer Gesundheit nicht geschä- 
digt werden sollten, dass sie ferner ihre volle Leistungs- 
fähigkeit sollten entwickeln können, ich möchte sagen 
wie Leute, die in freier Luft, unter freiem Himmel 
arheiten, so stand man bezüglich Lufterneuerung vor 
Anforderungen, die weit über das hinausgingen, was bis 
daher angenommen war. Xicht einen halben, auch nicht 
nur 1 cbm Luft perniami und Minute, sondern womöglich 
3 cbm und eher noch mehr waren in Aussicht zu nehmen 
bei 500 Mann im Tunnel: also 1500 cbm Luft per Minute. 
Wir gingen dabei von der einfachen Tatsache aus, dass 
ein Mensch hohe Temperaturen nicht erträgt, wenn er 
in stagnierender Luft arbeiten muss, durch sie aber 
nicht beeinträchtigt wird, wenn er in Zugluft steht. Jeder 
von uns hat das schon an sich gespürt: die Luft mag noch 
so schwül sein, wenn ein Lüftchen geht, ist es erträglich. 
Dieses Lüftchen wollten wir unsern Arbeitern verschaffen. 
Aber wie? Die Rechnung ergab, dass derartige Quanti- 
täten Luft nur mit einem unverhältnismässigen Aufwand 
von Kraft durch Rohrleitungen auf grosse Distanzen 
geblasen werden konnten, und un gemessene Kräfte standen 
uns nicht zur Verfügung Wohl konnte man ja in der 
fertiggestellten Partie des Tunnels Rohrleitungen von 
grossem Durchmesser, sagen wir ein Meter und noch 
mehr, plazieren, um an Reibung und dadurch an Kraft 
zu sparen : es blieb aber immer noch das Problem, durch 
die sogenannte Baustrecke, die jeweilen über 1000 m 
lang ist, die nötige Luft durchzupressen. Man musste 
immer mehr und mehr einsehen, dass das nicht möglich 
sein würde, und so reifte nach und nach der Gedanke 
an die gleichzeitige Herstellung des zweiten Stollens, 
des Parallelstollens, der mit einem Schlag die befriedigende 
Lösung gab. 



— 138 — 

Man macht sich eine falsche Vorstellung, wenn man 
meint, solche Ideen seien als geniale Einfälle sofort zur 
Hand, nein, aus der Not werden sie geboren, als Schluss- 
resultat auf den Grund gehender Gedankenarbeit, und 
wenn sie gut sein sollen, so müssen sie einfach sein, so 
dass nachher jedermann sagt: „Es ist ja selbstverständ- 
lich und keine Hexerei; das hätte ich auch so gemacht; 
wie kann man das überhaupt anders machen ? a Die 
befriedigende Lösung bestand darin, dass wir nun in 
diesem zweiten Stollen das grosse Rohr besassen, dessen 
wir bedurften; nur noch viel grösser, als man sich bisher 
vorgestellt hatte, und das zugleich den Vorteil bot, dass 
es die Arbeiten im Haupttunnel in keiner Weise genierte. 
Damit konnte man nicht nur 3 cbm per Mann und per 
Minute, sondern noch mehr Luft in die Arbeitsstellen 
bringen. Abgesehen von dem Vorteil für die Lüftung 
brachte der zweite Stollen ebenso grosse für die Trans- 
portfrage, die im Tunnel eine so grosse Rolle spielt, 
für die Erage des Wasserabflusses und namentlich für 
die Preisfrage; denn er ermöglichte die Ausführung eines 
vorläufig nur eingeleisigen Tunnels. Auf alle diese 
Dinge werden wir später zu sprechen kommen. 

Waren wir damit der Lösung des Problems schon 
nahe gerückt, so blieb immer noch ein ganz dunkler 
Punkt: die Wärme. Denn dass diese mit der blossen 
Ventilation bei der bekannten geringen Wärmekapazität 
der Luft nicht bewältigt werden konnte, war klar und 
ergab die Rechnung. Der Faktor Wärme hatte schon 
beim Gotthard eine fast verhängnisvolle Rolle gespielt, 
trotzdem die Wärme des Gebirges dort nur auf 31 ° C. 
stieg, während für den Simplontunnel, dank der grösseren 
Ueberlagerung 38, 40, ja bis zu 42° C. in Aussicht ge- 
stellt waren. Bekanntlich nimmt die Erdwärme zu, je 



— 139 — 

weiter man von der Oberfläche der Erde, z. B. in einem 
Schacht, in die Tiefe dringt. Man hat durch Messungen 
herausgefunden, dass in der Ebene die Wärme mit je 
ungefähr 30 m Tiefe um einen Grad zunimmt: im Ge- 
birge, wo Abkühlungsflächen der Berge vorhanden sind, 
ist es anders, und man hat beim Simplon auf 60 m 
einen Grad gerechnet. Die Ueberlagerung des Gebirges 
über dem Tunnel ist nun auf seiner ganzen Länge sehr 
verschieden ; sie ist in den ersten Kilometern von Norden 
gering, wächst dann nach dem 5. km rasch, erreicht bei 
km 9, gerade unter der italienisch-schweizerischen Grenze, 
ihr Maximum mit 2135 m, bleibt dann zirka 7 km 
ungefähr gleich mit durchschnittlich 1800 m und sinkt 
gegen das Südportal allmählich wieder ab. In der 
ganzen Partie vom 6. km von Nord bis zum 15. war eine 
erheblich höhere Temperatur als beim Gotthard zu ge- 
wärtigen, nämlich zwischen 35 — 40° C. Nachdem sich 
am Gotthard erwiesen hatte, dass schon eine Temperatur 
von zirka 30° C. bei wenig erneuter Luft die Leistungs- 
fähigkeit des Arbeiters stark herunterminderte, musste 
man sich rechtzeitig vorsehen. Es kommt dazu, dass 
in jedem Tunnel die Luft sozusagen gänzlich mit Feuch- 
tigkeit gesättigt ist, weil jedes Gebirge etwas Wasser 
führt, und dass diese Sättigung vom Menschen bekannt- 
lich sehr lästig empfunden wird, aus dem einfachen 
Grunde, weil er darin nicht transpirieren, respektive der 
Schweiss in einer solchen Luft nicht verdunsten kann. 
Es handelte sich also darum, nicht nur viel, sondern 
genügend kühle und vor allem wo möglich trockene 
Luft für den Arbeiter zu beschaffen. Nun aber wie? 
Zur Kälteerzeugung sind verschiedene Mittel tauglich: 
Das Expandieren komprimierter Luft hätte z. B. nahe 
gelegen; die Gletscher sind ja auch in der Nähe, man 



— 140 — 

könnte leicht Eis und Lawinenschnee einführen, auch 
könnte man durch künstliches Eis Kälte erzeugen, da 
ja Kraft genug vorhanden ist. Ja, das ist prinzipiell 
alles recht, wenn man aber zu rechnen anfängt, einer- 
seits was für Wärmemengen abzuführen sind, und ander- 
seits was die verschiedenen Verfahren leisten, so ergiebt 
die Rechnung entweder monströse Anlagen oder aber 
ein grosses Defizit. Vor allem aber musste man sich 
darüber Bechenschaft geben, wie gross das abzuführende 
Wärmequantum sei, um die Temperatur für den Arbeiter 
auf ein vernünftiges Mass hinunter zu bringen, als 
welches 25 ° C. angenommen wurde. Wie viele Calorien, 
wie viel Wärmeeinheiten werden die Tunnelwände, wird 
das Ausbruchsmaterial abgeben ? Eine solche Rechnung 
ist wohl kaum je zuvor durchgeführt worden. Sie ist 
das spezielle Verdienst des leider zu früh verstorbenen 
Oberingenieur Hirzel-Oysi von Winterthur, der auch in 
der Lösung der Ventilationsfrage hervorragenden Anteil 
gehabt hat, den Bau des Tunnels aber nicht mehr er- 
leben sollte. Es lag bis zu einem gewissen Grad der 
umgekehrte Eall vor, als wie er sich bei der Heizung 
eines Gebäudes präsentiert; bei der letztem handelt es 
sich um Wärmezuführung, hier beim Tunnel um Wärme- 
abführung. Es wäre Verwegenheit gewesen, Vorschläge 
für den Bau des Simplontunnels zu machen, bevor man 
sich mit dieser Frage der Wärmeabführung gründlich 
und möglichst zuverlässig abgefunden hatte. Die Rech- 
nungen ergaben eine stündlich nötig werdende Wärme- 
abführung von zirka zwei Millionen Wärmeeinheiten, und 
als unter gegebenen Umständen tauglichstes Mittel kam 
Hirzel wieder auf ein möglichst einfaches — kaltes Wasser. 
Das scheint wiederum ungeheuer einfach und selbst- 
verständlich, und doch ist kein anderer darauf gekommen. 




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— 141 — 

Nachdem auf diese Weise die drei Hauptfragen : mecha- 
nische Bohrung, Ventilation und Kühlung befriedigend 
geordnet waren, konnte man daran denken, das Programm 
für die Installationen des genauem aufzustellen (Tafel 1). 
In erster Linie kam die Kraftfrage. Aus dem Gesagten 
ergiebt sich, dass bei einem derartigen Tunnelbau der 
Mechaniker so viel zu tun hat wie der Bauingenieur. Es 
handelt sich überall um die Anwendung grosser mecha- 
nischer Mittel sowohl bei der Bohrung, wie bei der 
Ventilation, wie bei der Kühlung; dem entsprechend 
muss der Kraftbedarf für solche Tunnelbetriebe ein grosser 
sein. Die genannten Betriebe zusammen unter Hinzu- 
rechnung der nötigen Kraft für Werkstätten, Sägereien, 
für elektrisches Licht zur Beleuchtung der Installationen 
etc. absorbierten nach unserer Rechnung zirka 1700 HP; 
um ganz sicher zu gehen, nahmen wir aber 2200 HP 
an, und wir sind heute darüber froh. 

Wenn man Kraft sucht, hat man in unsern Bergen 
die Auswahl; so standen uns denn auch auf der Nord- 
und Südseite verschiedene Kraftquellen zur Verfügung. 
Wir wählten die sichersten, diejenigen, die so ausge- 
beutet werden konnten, dass sie möglichst wenig durch 
Steinschlag, Lawinen und Ueberschwemmung gefährdet 
waren und damit einen ununterbrochenen Betrieb garan- 
tierten: auf der Nordseite die Rbone, auf der Südseite 
die Diveria. (Taf. 2.) 

Es möge gestattet sein, nicht etwa in logischer 
Folge dessen, was ich gesagt habe, sondern weil es 
gerade den Laien interessieren wird, einige Worte über 
die Triangulation einzuschalten, über die Frage, wie es 
möglich ist, dass man in einem solchen Loche auf- 
einander kommt Ich habe immer bemerkt, dass dem 
Laien diese Frage die grösste Sorge macht. Ich kann 



— 142 — 

aber versichern, dass dies für den Techniker das ge- 
ringste Bedenken ist. Deswegen habe ich noch nie 
eine unruhige Nacht gehabt. Soweit sind wir, dank 
der raffinierten Ausbildung unserer Messkunde; wir 
hoffen nicht nur auf den Meter, nicht nur auf den Dezi- 
meter, sondern auf wenige Centimeter genau zusammen- 
zukommen. 

Ueber die Bestimmung der Tunnelachse möge folgen- 
des zur Orientierung dienen. Wir sind mitten im Ge- 
birge, und wir sehen von der Spitze der Berge, zum 
Beispiel der Nordseite, wenn auch nicht die Spitzen am 
andern Ende, so doch die Spitze des Monte Leone, der 
im Zentrum des Simplonmassivs steht; ebenso von den 
Bergspitzen der Südseite die Spitze des Monte Leone 
und verschiedene andere. Es wird nun unter denjenigen 
Bergspitzen, die sich am besten eignen, das Trian- 
gulationsnetz hergestellt, d. h. es werden die Winkel, 
unter denen diese Bergspitzen stehen, die mit Signalen 
versehen sind, genau festgestellt, mit der heutigen ge- 
radezu unglaublichen Präzision. Man kennt anderseits 
die beiden Endpunkte des Tunnels. Es handelt sich 
nun schliesslich darum, die letzten Winkel auf Nord- 
und Südseite festzustellen zwischen den Ausgangspunkten 
und den von denselben sichtbaren Bergspitzen, und wenn 
diese Winkel festgestellt sind, und man die Tunnelachse 
kennt, kann man sich nicht mehr täuschen: Der Tunnel 
muss in der ganz bestimmten Richtung gemacht werden, 
vorausgesetzt, dass die Absteckungen günstig vollzogen 
werden können. Nun, in dieser Beziehung waren wir 
ausserordentlich begünstigt. Wir haben noch vom 6. km 
auf Nord- und Südseite hinausgesehen; dann hatte es 
aber eine Grenze; es handelte sich dann darum, nach 
gemachten Fixpunkten die Messinstrumente zu hand- 




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— 143 — 

haben und so kann man die Richtung weiter vollständig 
mit Sicherheit festsetzen. (Taf. 3.) 



Nachdem ich im Voranstehenden unser Hauptpro- 
gramm im allgemeinen auseinandergesetzt habe, komme 
ich etwas eingehender auf die einzelnen Teile desselben 
zurück ; zuerst auf die mechanische Bohrung. Man 
weiss ungefähr, wie gross der Querschnitt eines einge- 
leisigen Tunnels ist, wie breit und wie hoch. Die Breite 
ist ungefähr 4 l /2 — 5 m, die Höhe ungefähr 6 m. Man 
muss sich nun nicht vorstellen, dass dieses ganze grosse 
Loch auf einmal in seiner ganzen Frönt in Angriff ge- 
nommen wird, sondern man macht vorerst ein kleines 
Loch, den sogenannten Stollen, der ungefähr 2 m hoch 
und 2 1 /2 — 3 m breit ist, gerade hoch genug, dass Men- 
schen darin aufrecht gehen können und breit genug, 
dass Rollwagen darin verkehren können. Dieses herzu- 
stellen, ist Sache der Bohrmaschinen. Auf diese Weise 
kommt man begreiflicherweise rascher vorwärts und 
darauf kommt alles an, Nur bei ganz kurzen Tunnels 
nimmt man etwa das ganze Profil in einzelnen Ab- 
stufungen in Angriff. Dieses kleine Loch, diesen Stollen, 
kann man nun ansetzen, wo man will; man setzt ihn 
aus praktischen Gründen entweder oben oder unten an. 
Im ersten Falle heisst man ihn den Firststollen, im 
zweiten Falle den Sohlstollen. Was verdient den Vorzug? 
Am Gotthardtunnel ist der Firststollen gemacht worden, 
am Arlberg der. Sohlstollen und am Simplon desgleichen. 
Eine der Hauptlehren des Baues des Gotthardtunnels 
war, dass der Firststollen für grosse Tunnels grosse 
Nachteile mit sich bringt. Es entstand in Fachkreisen 
ein erbitterter Kampf über die Frage: Sohlstollen oder 



— 144 — 

Firststollen'? Bekanntlich haben alle Dinge ihre zwei 
Seiten, ihre Vorzüge und Nachteile. Es fragt sich nur: 
Wo ist die Summe der Vorteile grösser? Nach unserer 
Ansicht ist das für lange Tunnels beim Sohlstollen der 
Fall: darüber allein könnte man aber einen mehrstün- 
digen Vortrag halten. Eines ist sicher: beim Sohlstollen 
hat man eine bleibende, sichere Basis für alles, für Ge- 
leise, für Rohrleitungen, für Wasserablauf, deshalb, weil 
sich die Sohle nicht mehr verändert: bei Anwendung 
des Firststollens, wo man mit der Ausweitung nach 
und nach hinunter muss, ändert sich die Basis fort- 
während, und das bringt grosse Umständlichkeiten. In 
Fachkreisen hat man einen grossen Teil des Misserfolges 
von Favre dem von ihm angewendeten Firststollen zu- 
geschrieben. Wir sind überzeugte Anhänger des Sohl- 
stollens. 

Der Unterschied gegenüber dem gewöhnlichen Alpen- 
tunnelbau war bei uns nun der, dass wir zugleich zwei 
Sohlstollen in Angriff nahmen, die 17 m von einander 
entfernt sind: in jedem derselben spielt sich aber vor- 
läufig genau dasselbe ab. 

Die zur Anwendung gekommene Bohrmaschine ist, 
wie bekannt, die Brandiscile mit hydraulischem Betriebe 
(Taf. 4 u. 5). Das Prinzip derselben ist, dass die ein- 
zelnen Gesteinspartikelchen des Bohrloches nicht durch 
Schlag, sondern durch Druck gelöst werden. Ein röhren- 
förmiger Hohlbohrer mit drei Zähnen wird unter starkem 
Drucke gegen das Gestein gepresst, damit die Zähne 
einige Millimeter in dasselbe eindringen und zugleich 
langsam gedreht. Es ist ein Bohrer von 7 cm Durch- 
messer und die Hauptsache daran, dass die drei Zähne 
möglichst zäh und hart sind. Der Bohrer wird gepresst 
durch ein Gestänge mit einem Druck von 10,000 bis 




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— 145 — 

12,000 Kilo, was also dem Gewicht einer normalen 
Eisenbahnwagenladung entspricht. Die hydraulische Bohr- 
maschine kann ich Ihnen hier nicht in allen Details 
erklären; ich kann Ihnen nur sagen, dass das Gestänge, 
angetrieben von dem Vorschubzylinder mit einer Ge- 
schwindigkeit, je nach dem Gestein, von 4 bis 8 Touren 
per Minute gedreht wird; die Hauptasche ist, dass der 
Bohrer mit dem nötigen Druck eingepresst wird und 
sich die einzelnen Zähne einige Millimeter in das Ge- 
birge eingedrängt haben, so dass durch die Drehung 
kleine Brocken abgesprengt werden. Also ganz im Ge- 
gensatz zu den Stoss- Bohrmaschinen, die das Material 
zu Staub reduzieren, handelt es sich nicht um Zertrüm- 
mern, sondern um Herausbrechen; es ist dies eine sehr 
gewaltsame Arbeit! In einer einzigen Bohrmaschine 
wird eine Kraft von zirka 25 HP entwickelt; es werden 
in einem Stollen 3 bis 4 Bohrmaschinen in Betrieb ge- 
setzt, — - wir arbeiten auf der Nordseite mit drei, auf der 
Südseite mit vier solchen Maschinen — und diese Bohr- 
maschinen sind aufgestellt auf der Spannsäule, auf einem 
Bohr, das zwischen die Stollenwände gepresst wird. 
Dieses Rohr bildet den nötigen Rückhalt; es muss den 
Gesamtdruck der 3 oder 4 Bohrmaschinen, also 30 bis 
40,000 Kilo aufnehmen. Die Bohrmaschinen sind mit 
der Spannsäule auf einem Wagen montiert, dieser ist 
fahrbar, und selbstverständlich muss jeweilen der ganze 
Apparat zurückgezogen werden, wenn es zur Sprengung 
geht. Derselbe ist ziemlich schwer, es braucht eine ge- 
hörige Anzahl Leute, jeweilen die ganze Mannschaft, 
um den Bohrwagen mit seiner Ladung hinwegzuführen. 
Die Bohrmaschinen sollen per Umdrehung mindestens 
einen Centimeter Fortschritt bringen; wenn das nicht 
der Fall ist, so kann man sagen, die Bohrmaschine dreht 

10 



— 146 — 

unnütz und beisst sich die Zähne für nichts aus. So- 
bald dieser Fortschritt nicht mehr da ist, wird der Bohrer 
ausgewechselt: hartes Gestein erfordert diese Auswechs- 
lung sehr häufig. In solchem brauchten wir per Attacke. 
d. h. bis wir wieder in der Lage sind zu sehiessen, bis 
zu 120 und 150 Bohrer. Mit dem besten Stahl und mit 
der besten Behandlung desselben ist es nicht möglich, im 
harten Fels mein- als zehn bis fünfzehn Centimeter zu 
machen. Die Bohrzeit beträgt je nach der Härte 40 
Minuten bis 1 Stunde, aber auch IV2, 2 Stunden, ja 
bis zu 3 Stunden haben wir in hartem Gestein gebraucht: 
eine solche Bohrmaschine muss per Attacke 3 oder 4 
Löcher machen, je nach dem Gestein: hartes, zähes Ge- 
stein braucht viele Löcher. Alan macht per Tag je nach- 
dem 4 bis 6, ja bis 7 Attacken und in jeder derselben 
legt man 1 bis l 1 2 Meter zu Boden. 

Von allen diesen Faktoren hängt der Fortschritt 
ab. Wir hatten Tage mit hartem Gestein, wo wir 
weniger als 4 Meter machen konnten und Tage in ganz 
günstigem Gestein, wo wir 9 Meter machten. Die aus- 
giebigste Woche, die wir je gehabt haben, zeigte einen 
Fortschritt von 63 Metern in 7 Tagen, genau 9 Meter 
täglich. Nachher werden wir den durchschnittlichen 
Fortschritt sehen ! 

Zum Betriebe dieser Bohrmaschinen braucht es nun 
komprimierte- Wasser und dieses wird draussen auf der 
Installation erzeugt. Wir sehen auf Tafel 6 die Kom- 
piessionsinaschinen dargestellt. In diesen ziemlich ein- 
fachen Pumpen wird das Wasser auf 80 bis 120 Atmo- 
sphären komprimiert und geht dann durch entsprechend 
starke Rohrleitungen Ins vor Ort. heute mehr als 10 
Kilomet'-r weit. Wir müssen selbstverständlich diese Rohr- 
leitungen erstens stark genug und zweitens gross genug 



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— 147 — 

machen, das letztere, damit nicht alles in Reibung auf- 
geht. Wir haben heute noch bei einem ursprünglichen 
Druck von 100 Atmosphären 70 bis 80 Atmosphären auf 
10 km Distanz. Dafür mussten allerdings 2 Rohr- 
leitungen angelegt werden, die in den letzten 5 km 
120 mm Diana, messen. Die Kompressoren werden an- 
getrieben direkt durch Turbinen. Wir haben auf jeder 
Seite drei grosse Kompressorengruppen von je 4 Pumpen 
und diese drei Gruppen absorbieren über 1000 HP. Wir 
brauchen das komprimierte Wasser nämlich nicht nur 
für die Bohrmaschinen, sondern für alle möglichen Zwecke 
im Tunnel, vor allem zunci Antrieb für alle möglichen 
Pumpen mittelst Strahl gebl äse, für die Stollenventilation 
u. s. w. Das Wasser ist das grosse Agens, mit welchem 
wir' den Tunnel bauen. 

De,r durchschnittliche tägliche Fortschritt, den wir 
auf der Nordseite, die in relativ normalen Verhältnissen 
gearbeitet hat, erreicht haben, alles ineinander gerechnet, 
auch die verlorenen Tage, vom ersten Tage der mecha- 
nischen Bohrung an, November 1898, bis wir die Mitte 
erreichten, September 1903, beträgt 5,52 Meter; wenn 
wir bloss die Tage mit Fortschritt, also nur die Bohr- 
tage rechnen, haben wir einen Fortschritt von 5,92 Metern. 
Auf der Südseite dagegen haben wir weniger günstige 
Fortschritte zu verzeichnen, weil wir ungünstiges Gestein 
antrafen. Ich werde später noch darauf zu sprechen 
kommen. Wir hatten sehr ungünstige Schichtung des 
Gesteins, abgesehen von der Härte, und diese Schichtung 
kommt in der Sprengwirkung ausserordentlich in Betracht. 

Sehr wichtig ist nun, abgesehen von der Bohrung, 
von der man vielleicht sagen kann, sie habe vorläufig ihre 
höchste Vollendung erreicht, die sogenannte Schiäterung. 
Sämtliches durch die Schüsse niedergestrecktes Material 



— 148 — 

muss natürlich weggeschafft werden. Das Material liegt 
in vielen Kubikmetern in einem sehr kleinen Raum, 
und es gehört ein ausserordentliches Raffinement und 
eine scharfe Arbeitsteilung dazu, um dieses Material in 
kurzer Zeit wegzuschaffen. (Taf. 7 und 8.) 

Rasche Schutterung, das ist das grosse Problem, das 
die Tunnelbauer seit Jahren beschäftigt, und keine un- 
bedeutende Aufgabe ist es in der Tat, mittelst mechani- 
scher Schutterung die Sache so einzurichten, dass rnan 
den Schutt wieder bald wegbekommt. Da sind schon 
unglaublich viele Versuche gemacht worden. Auch wir 
haben geglaubt, eine mechanische Schutterung gefunden 
zu haben, und im Prinzip hatten wir sie auch gefunden, 
indem wir das Material mit einem hydraulischen Strahl 
im Moment der Sprengung von Ort wegfegen wollten,' was 
uns auch gelungen wäre, wenn wir nicht allzu grosse 
Reibungsverluste in der Leitung gehabt hätten. Es hat 
sich herausgestellt, dass das Moment, das nötig ist, um 
diese Gesteinsmassen in der Zeit von zirka 17a Minuten — 
denn länger geht die Sprengung nicht — zurückzutreiben, 
grösser ist als die verfügbare Kraft. Es war zu schwierig, 
die Kraftmittel nahe genug an die Stollenbrust zu bringen, 
und ein zu grosser Teil des Druckes hat sich durch Reibung 
aufgefressen. 

Die Unternehmung, die den Rickentunnel ausführt, 
glaubt eine Lösung gefunden zu haben, und wir sind 
wirklich sehr gespannt, wie die Versuche ausfallen werden, 
die sie im Sinne hat auszuführen. Wir haben unsere 
Zweifel, würden es aber begrüssen, wenn es einer Unter- 
nehmung gelingen würde, diese kolossal komplizierte 
Erage zu lösen. 

Die Arbeit der Bohrmaschinen geht nun Tag und 
Nacht vor sich, jahraus, jahrein, mit Ausnahme der aller- 




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— 149 — 

höchsten Festtage ; wir geben deren nur zwei zu im Jahre, 
und mit Ausnahme dieser und der Absteckungen, die 
auch zwei Tage per Jahr beanspruchen, ist seit dem 
Jahre 1898 am Simplon ununterbrochen gebohrt worden. 

Es handelt sich nun darum, vom Stollen aus den 
Tunnel auszuweiten, und da kann man verschieden vor- 
gehen. Yon dem Sohlstollen aus geht man in die Höhe 
nach der alten Methode, und dann, wenn man in der 
Höhe angelangt ist, vorwärts und rückwärts (Beilage 3). 
Diese sämtlichen Ausweitungsarbeiten macht man bis 
jetzt von Hand und nicht mit der Bohrmaschine. Mit 
ihr können sie unter Umständen gemacht werden, wenn 
die Kosten nicht zu hoch werden. Dann geht man zuerst 
oben, nachher unten in die Breite, wie es in Beilage 3 
dargestellt ist, unten die Sohlstollen, oben die Firststollen 
und diese Firststollen kommen schliesslich zusammen 
(Taf. 9). Alle 200 Meter wird der Tunnel I mit dem 
Stollen II durch einen Qu erschlag verbunden. (Taf. 10.) 
Diese Traversen dienen uns wesentlich für die Venti- 
lation; aber namentlich auch für den Transport. Mit 
dem Stollen ist vom ganzen Tunnel zirka 1 /ö des 
Profils ausgebrochen (Tafel 11), die andern 4 /5 werden 
ausgebrochen, wie eben beschrieben; die Art des Vor- 
gehens richtet sich nach dem Gestein, nach der Schich- 
tung, die bei uns jetzt meistens horizontal ist. Wir 
gehen deshalb nicht mehr mit den beschriebenen Auf- 
brüchen vorwärts, sondern treiben den sogenannten Schlitz, 
d. h. wir schlitzen den Stollen direkt hinauf bis in die 
Firste und breiten nach und nach aus. (Taf. 12.) 

Nun ist es zu verstehen, warum sich alles Interesse 
auf einen raschen Fortschritt richtet. Es handelt sich 
darum, möglichst viele Angriffspunkte, möglichst vielen 
Arbeitern Platz zur Arbeit zu schaffen. Das ist in einem 



— 150 — 

schmalen Tunnel nur in der Längsrichtung möglich, weil 
ja der Tunnel eigentlich nur eine Dimension hat. Ver- 
gegenwärtigen wir uns im Gegensatz zu diesem Tor- 
gehen ein solches, wo das ganze Tunnelprofil in einem 
Mal in der Front angegriffen würde, wo also als ganze 
Angriffsfläche zirka 30 Quadratmeter zur Verfügung 
stünden. Mehr als einen Mann per Quadratmeter können 
wir kaum aufstellen, das würde somit 30 Mann aus- 
machen, während heim Vorgehen mittelst Stollen am 
Simplon 500 und noch mehr Mann zugleich am Tunnel 
Hand anlegen können. Die Erfahrung hat denn auch 
gezeigt, dass man mit einer guten Organisation imstande 
ist, in Vollaushruch und Mauerung jede Leistung zu 
hewältigen, respektive einen mindestens ehenso grossen 
Fortschritt zu machen, als die Bohrmaschinen vor Ort 
es vermögen. 

Wenn wir in Gedanken einen Spaziergang vom 
Vorort durch die Baustrecke machen his zu dem Punkte, 
wo wir den fertigen Tunnel erreichen, so sehen wir den 
Tunnel in allen Stadien der Vollendung, vom primitiven 
Stollen his zum fertig ausgemauerten Tunnel. 

Mit Bücksicht darauf, dass die einzelnen Arbeits- 
gruppen einander nicht in den Weg kommen, dass nament- 
lich die Transporte sich ohne grosse Störungen vollziehen, 
dass die Sprengungen der einen Partie die andern nicht 
zum Verlassen des Platzes zwingen etc., zieht sich die 
Baustrecke in der Begel auf 1 his 1 1 /2 Kilometer hin — 
sukzessiv, sozusagen jeden Tag etwas vorrückend. 

Man wird fragen: Ja, warum arbeitet man denn im 
Vollausbruch nicht mit Maschinen ? Diese Frage ist im 
wesentlichen eine Frage der Kosten. In sehr vielen Fällen 
würde Maschinenbohrung teurer kommen als Handbohr- 
arbeit, weil sich die letztere den oft sein" veränderlichen 




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— 151 — 

Verhältnissen im Tunnel, z. B. drückenden Strecken etc., 
besser anpassen kann. Am Simplon lagen die Verhält- 
nisse so, dass wir meistens konvenierend fanden, die 
Maschinenbohrung auf die Stollen zu beschränken. Der 
Albulatunnel ist dagegen in dem letzten Jahr seines 
Ausbaues fast vollständig mit der Bohrmaschine voll- 
endet worden. 

Was nun die Ausmauerung (Taf. 11 und 13) anbetrifft, 
so ist zu sagen, und darüber wundert man sich in der 
Regel, dass der Tunnel in seiner ganzen Länge aus- 
gemauert wird, nicht etwa deshalb, weil es überall ein 
Gewölbe braucht, um das Gebirge zu tragen, sondern 
aus dem einfachen Grunde, weil bei jeder Sprengarbeit 
einzelne Stücke lose werden, die im Moment der Arbeiten 
nicht herunterfallen, von denen man aber befürchten 
niuss, dass sie zu irgend einer Zeit fallen werden. Das 
darf man nicht riskieren. Man beugt diesen Eventuali- 
täten aus Betriebssicherheitsgründen vor. Da, wo das 
Gebirge fest genug ist, macht man einfach eine Aus- 
mantelung, mit einer möglichst dünnen Mauer, das 
Minimum derselben beträgt im Simplon 35 cm Dicke. 
Wo das Gebirge nicht fest ist, wo eventuell Druck zu 
erwarten ist, werden die Mauerprofile selbstverständlich 
stärker ausgeführt; und weil es viele Strecken giebt, in 
denen das Gebirge derart drückt, dass die beiden Wider- 
lager zusammengedrückt würden, wird oft Sohlengewölbe 
gemacht, das die Widerlager stützen soll. Dasselbe müssen 
wir je nachdem in gewissem Gestein auch im zweiten 
Stollen machen (Tafel 11). 

Im grossen und ganzen hat das Gebirge in den ersten 
Kilometern auf Nord- und Südseite günstig gestanden. 
Wir sind mit den kleinsten Ausmauerungsprofilen aus- 
gekommen. Es ist erst in den innern Partien schlechter 



— 152 — 

geworden. Es kommt selbstverständlich bei dieser ganzen 
Frage der Druck des überlagernden Gebirges ausser- 
ordentlich in Betracht. Wenn der Tunnel durch ein 
relativ wenig festes Gebirge geht, hat man immer zu 
gewärtigen, dass die enorme Belastung durch die Über- 
lagerung die Festigkeit dieses Gebirges überwiegt und 
dieses künstlich gestützt werden muss. 

Ich muss nun im Anschluss an das Gesagte einiges 
mitteilen über die Transport frage, eine im Tunnelbau 
ausserordentlich wichtige und schwierige Frage. Nehmen 
wir einen täglichen einseitigen Fortschritt des ganzen 
Tunnelprofils von 7 Meter an, so handelt es sich um 
die Abführung von zirka 30 X 7 == 210 cbm ausge- 
brochenen Gesteins, sogenannten Tunnelschuttes. Das 
repräsentiert mindestens eine ebenso grosse Anzahl von 
Tunnelwagen vollgeladen. Dazu kommt der Transport 
der Baumaterialien, Mauersteine, Sand, Kalk, Zement, 
Holz etc., die hineingeführt werden müssen. Auf jeder 
Seite des Tunnels sind zirka 300 Transportwagen im 
Dienst, und der tägliche Wagenverkehr beträgt bei nor- 
malem Betrieb zirka 510 bis 560 einfahrende und ebenso 
viele ausfahrende Wagen. Und das alles in einem so 
engen Schlauch, wie ein eingeleisiger Tunnel es ist. Der 
Verkehr spielt sich nun folgendermassen ab: Nach einem 
ganz genauen Fahrplan gehen in erster Linie von der 
Installation her durch den fertig gebauten Tunnel Züge, 
die mittelst Dampflokomotiven vorwärts bewegt werden; 
es sind dies Lokomotiven von 16 Tonnen Gewicht, 
welche unsere Züge zu befördern imstande sind. Sie 
sind so gebaut, dass sie eine grosse Heisswasser- und 
Dampfreserve haben, damit sie möglichst wenig Rauch 
entwickeln müssen. Uebrigens wäre dieser Rauch nicht 
sehr schädlich, da die Luft, wie ich später beschreiben 



— 153 — 

werde, im fertigen Tunnel auszieht, also keine Arbeits- 
strecke bestreicht. In dem letzten Teil der fertigen 
Strecke haben wir dann die sogenannte Tunnelstation. 
Da sind zwei Geleise, Dienstgeleise selbstverständlich. 
Die Wagen werden rangiert, und von da weg geht nun 
der Verkehr getrennt. Die Wagen, welche für den 
Ausbau des Tunnel I dienen, gehen weiter im Tunnel I. 
Die Wagen für den Vortrieb der Stollen gehen von 
Tunnel I durch die Traversen in Tunnel II und der 
ganze Verkehr geht neben Tunnel I vorbei und entlastet 
denselben wesentlich, einer der grossen Vorzüge unserer 
Baumethode. Von der Tunnelstation an machen Luft- 
lokomotiven (Tafel 14) den Dienst; dieselben haben un- 
gefähr die halbe Leistungsfähigkeit der Dampflokomo- 
tiven und werden mittelst hoch komprimierter Luft 
von zirka 80 Atmosphären Druck angetrieben. Sie 
werden in der Tunnelstation von einer Leitung aus ge- 
spiesen, die von der Installation her dahin geführt ist. 
Draussen in der Installation stehen die betreffenden Kom- 
pressoren, drei an der Zahl. Diese Luftlokomotiven sind 
sehr kompendiös gebaut, so dass sie überall, auch in 
den engsten Stellen der Arbeitsstrecke durchkommen. 
Sie fassen in einem Bohrbündel sogenannter Malines- 
in an n -Bohr en, ähnlich den bekannten Kohlensäureflaschen, 
komprimierte Luft für mehrere Stunden Dienst. Um 
zu verhindern, dass bei der Expansion der Luft Kälte 
erzeugt wird, die schliesslich zu schädlichen Eisbildungen 
führen könnte, passiert die Luft vor der Arbeit eine 
sogenannte Bouillotte zur Erwärmung. Auf diese Weise 
setzen wir die Energie der Rhone in eine billige Trak- 
tionskraft um, wobei zugleich der Vorteil besteht, dass 
geringere Luftverunreinigung entsteht. 

Man wird vielleicht fragen: Ja, warum denn nicht 



— 154 — 

im Zeitalter der Elektrizität elektrische Traktion? Wir 
haben nicht unterlassen, diese Frage zu studieren, haben 
aber gefunden, dass vieles im Tunnel dagegen spricht: 
Einmal die grosse Feuchtigkeit und das unvermeidliche 
Tropfen, wodurch leicht Kurzschluss entsteht, dann alter 
namentlich die Gefährdungen, denen jede fixe Einrichtung 
ausgesetzt ist, infolge der Sprengungen und der ewigen 
Veränderungen. Lediglich Akkumulatoren-Lokomotiven 
hätten in Betracht kommen können: dieser Betrieb aber 
ist zu teuer. 

Neu und beim Tunnelbau wohl zuni ersten Mal 
augewendet ist die Art der Abladung der Schuttwagen 
draussen (Taf. 15). Dieselben werden nämlich nicht nach 
bisheriger Art von Hand abgeladen oder gekippt, son- 
dern sie werden mechanisch entleert, indem bei den 
einen das eigentliche Gefäss vom Wagengestell gehoben, 
aufgehängt und umgeschüttet wird, bei den andern der 
ganze Wagen in die Höhe gehoben und durch Schräg- 
stellen entleert wird. Es ist dies geschehen, um Hand- 
arbeit zu ersparen. Wir haben zweierlei Wagen: Für 
den Vollausbruch haben wir ziemlich breite, und für den 
engen Stollen in die Länge gezogene, schmale Wagen; 
beide Arten haben ungefähr die gleiche Kapazität. Die 
Entladung geschieht mittelst eines elektrischen Krahns. 

W T ir kommen nun zur Besprechung der Lüftung der 
Arbeitsstellen. Es ist bereits angedeutet worden, dass 
der Parallelstollen als Luft-Zuführungsrohr dient. Der 
Fall, dass man durch ein derartig gestaltetes Rohr auf 
grosse Distanzen, in unserem Fall bis zu 10 Kilometern 
und eventuell mehr, grosse Quantitäten Luft bläst, war 
noch nie vorgekommen. Versuchszahlen waren keine 
zur Verfügung, lediglich unsere eigenen Versuche am 
Arlberg mit einem eisernen Rohr. Namentlich schwierig 



— 155 — 

war es, für ein Rohr mit so rohen Wänden den Reibungs- 
Koeffizienten zu bestimmen, denn der zweite Stollen ist 
zum grössten Teil einfach aus dem Felsen ausgesprengt 
ohne weitere Verkleidung. Die entgegenstehende Reibung 
wird durch einen entsprechenden Kraftaufwand über- 
wunden ; man muss der Luft einen gewissen Druck geben. 
Wir hatten diesen unter Anwendung eines ungünstigen 
Reibungs- Koeffizienten auf 500 mm Wassersäule ange- 
nommen bei einer Luftgeschwindigkeit im Stollen von 
zirka 4 m per Sekunde. Die Erfahrung hat uns nun 
gelehrt, dass wir sehr sicher gerechnet haben, indem 
wir heute bei mehr als 10 Kilometer Stollen mit einem 
Druck von 270 mm Wassersäule auskommen. Die Luft 
wird gefördert und der nötige Druck erzeugt durch 
Zentrifugal- Ventilatoren (Beilage 4). Es sind deren zwei, 
jeder ist imstande, zirka 30 cbm Luft per Sekunde von 
270 mm Druck zu geben, und jeder hat direkten An- 
trieb durch eine Turbine von 250 HP. Einer hat bis 
jetzt immer gereicht, der andere dient als Reserve. Damit 
immer beide betriebsfähig sind, wird alle 24 Stunden 
abgewechselt. Wenn es nötig gewesen wäre, hätten sie, 
was man heisst, auf Druck gekuppelt werden können, 
um den doppelten Druck zu erzeugen. Sie können aber 
auch auf Quantum gekuppelt werden und geben alsdann 
zusammen 50 bis 60 cbm Luft per Sekunde. 

Von den Ventilatoren weg wird die Luft durch 
einen Kanal zum Stollen II geführt und wird nun durch 
diesen nach hinten getrieben. Ein bestimmter Kubik- 
meter Luft, der in diesem Moment in den Stollen II 
eintritt, ist in zirka 40 Minuten hinten angelangt. Es 
ist nun klar, dass wir die Luft nur dann zwingen können, 
durch den ganzen Stollen zu ziehen, wenn wir unter- 
wegs sämtliche Querstollen zuschliessen, denn sonst geht 



— 156 — 

die Luft nach einem bekannten Xaturgesetz auf dem 
• kürzesten Weg durch Tunnel I wieder ins Freie hinaus. 
In der Tat sind denn auch sämtliche Querstollen ver- 
mauert und haben nur die nötige Oeffnung, um allfälliges 
Wasser aus Tunnel I nach LT durchzulassen. Wir wollen 
den grossen Teil der Luft zwingen, nicht früher in I 
überzutreten, als bis zum hintersten Querschlag; denn 
dort erst hat sie für uns Wert, weil sie nun auswärts 
ziehend durch die Arbeitsstrecken geht und diese lüftet, 
um alsdann schon wesentlich verunreinigt durch die 
Tunnelstation und von dieser aus durch den fertigen 
Tunnel auszuziehen. 

"Wo es nötig ist, die Querstollen offen zu lassen 
wegen des Verkehrs zwischen I und LT, sind diese durch 
möglichst dicht schliessende Holztüren verschlossen, die 
jeweilen nur aufgemacht werden, wenn ein Transport 
oder Personen durchgehen. Sofort stürzt sich die Luft 
natürlich durch diese Oeffnung, und in diesem Moment 
stockt der Luftstrom zu hinterst; das bringt aber keinen 
Nachteil, sobald diese Stockungen nicht zu lange dauern. 
Man hat nun noch darauf zu achten, dass sich in den 
Bau strecken keine verlorenen Winkel finden, die vom 
Luftstrom nicht bestrichen werden. Die Lüftung ist so 
gut, dass selbst starker Dynainitrauch sich in Bälde ver- 
zieht und dass der Schrecken aller Minenarbeiter, der 
Lampenruss, bis zur vollständigen Unschädlichkeit ver- 
dünnt wird. Wir dürfen ruhig behaupten, dass wegen 
Luftmangel und schlechter Luft noch keiner im Tunnel 
Schaden gelitten hat, eines der Hauptmomente für den 
ausserordentlich befriedigenden Gesundheitszustand der 
Tunnelarbeiter am Simplon. 

Es ist in dem Gesagten eine Lücke, indem selbst- 
verständlich der grosse Luftzug durch die letzte Traverse 



— 157 — 

von II in I geht und dann nach auswärts zieht. Die 
Orte kann er nicht lüften. Um auch sie zu lüften, 
mussten wir hier wieder die alte Yentilationsmethode 
anwenden mittelst Rohrleitungen; wir erfassen mittelst 
derselben und Strahlgebläsen die frische Luft, und wir 
treiben sie zu den Bohrmaschinen, damit jeder Ort ge- 
nügend frische Luft hat. Wir hatten darauf gerechnet, 
dass wir mit einem Durchschnitt von 7-2 cbm per Sekunde 
für die relativ wenigen Leute leicht auskommen würden, 
wir haben aber bei den heutigen Temperaturverhältnissen 
dieses Quantum nicht nur verdoppeln, sondern versechs- 
fachen müssen, denn ohne eine sehr starke Lufterneuerimg 
wäre es einfach unmöglich gewesen, die anstrengende 
Arbeit der Schutterung dort zu machen. Wir haben 
auf diese Weise die Luft vor Ort auch heute noch bei 
den höchsten Temperaturen mit einer Temperatur von 
25°, wodurch sie eben zugleich zur Kühlung mitwirkt. 
Es ist klar, dass die durch Stollen II einströmende 
Luft sich auf ihrem Weg in Bezug auf Temperatur und 
Feuchtigkeitsgehalt verändert. Was' den letztern anbetrifft, 
so ist eben zu sagen, dass ein grosser Teil des Gesteins 
feucht ist und zum Teil Wasser führt; auch führt durch 
II der Wasserablauf kan al. (Taf. 16.) Die Luft, die daran 
vorbeistreift, wird so viel als gesättigt. In Bezug auf die 
Temperatur ist zu beachten, dass schon vom 6. Kilo- 
meter an auf der Nordseite die Gesteinsteniperatur 40 ° C. 
erreichte und beim 8. Kilometer bereits 55° C. betrug. 
Wir hatten aber darauf gerechnet, dass der starke kon- 
stante Luftstrom die Stollenwände des Stollens II nach 
und nach abkühle und haben uns darin nicht getäuscht. 
Die Abkühlung ist sogar eine sehr merkliche. Wir 
hatten beispielsweise bei Kilometer 7 eine Anfangs- 
temperatur des Gesteins von 48 °. Das war im April 1902. 



— 158 — 

Im März 1903 war die Gestein sternperatur auf 28° hin- 
unter gebracht. Es kommen dabei auch die Unterschiede 
der Aussentemperatur der Luft im Winter und Sommer 
in Betracht. Immerhin lehrt die Erfahrung, dass diese 
ihre Wirkung nur in beschränktem Mass ausüben, und 
dass ungefähr bei Kilometer 8 im Winter und Sommer die 
einziehende Luft dieselbe Temperatur hat. Sie käme uns 
heute bei Kilometer 10 mit 27 ° an, wenn nicht das heisse 
Wasser die Temperatur erhöhte. 

Lange Zeit, dass heisst bis zum Erühling 1902, also 
während 3 l /a Jahren hat der blosse Luftzug genügt, um 
in den Arbeitsstellen erträgliche Temperaturen zu haben. 
Als aber die Lufttemperatur in denselben 27 ° überstieg, 
war ein Nachlassen der Leistungsfähigkeit der Arbeiter 
zu bemerken. Es war höchste Zeit, dass wir mit einem 
weitern Sukkurs, mit der Kühlung mittelst kalten Wassers, 
zu Hülfe kommen konnten. Da wir angenommen hatten, 
dass die Temperatur des Gresteins erheblich höher steigen 
könnte, als geschätzt wurde — nämlich 40 bis Maximum 
42 Grade — , hatten wir uns entschlossen, die Kühlung 
viel stärker zu machen als ursprünglich in Aussicht 
genommen war. Wir hatten die Einrichtungen verdoppelt; 
anstatt 40 Liter per Sekunde können 80 Liter kalten 
Wassers in den Berg hineingepumpt werden und wir 
können sagen, dass wir heute keinen Liter zu viel haben. 
Da das Kühlwasser bei seiner Verwendungsstelle keinen 
grossen Druck braucht, bedienen wir uns zu seiner För- 
derung der sogenannten Hochdruck-Zentrifugalpumpen, 
deren zwei hintereinander geschaltet sind, um gemeinsam 
einen Druck von bis zu 40 Atmosphären zu erzeugen. 
Die Zentrifugalpumpen sind direkt durch Turbinen an- 
getrieben, machen zirka 1100 Touren per Minute, absor- 
bieren jede zirka 250 Pferdekräfte und liefern das bereits 



— 159 — 

genannte Quantum von bis zu 80 Litern per Sekunde. 
Die Kühlwasserleitung hat 250 mm Lichtweite, die 
Geschwindigkeit des "Wassers ist also eine ziemlich hohe, 
weshalb denn auch die Reibungsverluste relativ gross 
sind. Auf Kosten der Kraft ist hier an den Kosten 
gespart worden. Je nach dem ATass der Abzapfung ist 
der Enddruck 10 bis lö Atmosphären, also noch reichlich 
um eine gründliche Zerstäubung des Wassers zu Stande 
zu bringen. Eine solche ist natürlich notwendig, wenn 
der Wärmeaustausch intensiv sein soll, und darauf müssen 
wir ausgehen. 

Bevor ich aber davon weiter spreche, will ich noch 
etwas von der Leitung sagen. Hauptbedingung für einen 
guten Effekt der ganzen Kühlwasser-Einrichtung ist eine 
sorgfältige Isolierung der jetzt 10 km langen Leitung 
gegen die im Stollen II herrschende Wärme. Es ist 
klar, dass das Wasser in dieser Leitung, wenn nicht 
isoliert, auf seinem Weg die Wärme der Stollenluft 
respektive des umgebenden Gresteins angenommen hätte. 
Es handelt sich für die Kühlung darum, ein möglichst 
grosses Temperaturgefälle herzustellen. Als bestes Iso- 
liermittel fanden wir die sogenannte Blätterkohle, zer- 
kleinerte Holzkohle, die in einer Schicht von 50 mm 
Dicke um das Rohr gelegt ist und durch einen Blech- 
mantel gehalten wird. Anstatt einer Erwärmung von 
1 u per Kilometer Leitung, auf die wir ursprünglich 
glaubten rechnen zu müssen, beträgt die Erwärmung 
per Kilometer nicht einmal Va °, so dass sich das Wasser 
auf dem ganzen Weg nicht einmal um 5° erwärmt; das 
heisst, im Sommer haben wir am Ende der isolierten 
Leitung Wasser von zirka 15 °, im Winter sogar Wasser 
von 5 bis 6 °. 

Die Verwendung dieses Wassers ist nun die folgende '• 



— 160 — 

An einer Stelle des Stollens I, an der kein Wagenver- 
kehr stattfindet, liegt am Boden ein Böhreiisystem mit 
einigen Dutzend nach oben gerichteten Streudüsen. Da< 
Wasser, das unter dem nötigen Druck austritt, wird 
fein zerstäubt und dieser Wasserstaub füllt das ganze 
Profil des Stollens aus. Die Luft muss gezwungener 
Massen diese Strecke passieren und giebt nun ihre Wanne 
an das Wasser ab: ihre Temperatur sinkt beispielsweise 
von 2è bis 15° und die so erfrischte Luft zieht durch 
die Arbeitsstrecken. Es findet aber noch etwas anderes 
statt, was mindestens so wichtig ist: Durch die Ab- 
kühlung wird ein Teil der Feuchtigkeit aus der Luft 
herausgefällt. Die noch in ihr enthaltene Feuchtigkeit 
entspricht der niederen Temperatur: erwärmt sich also 
die Luft wieder — und das tritt an den wannen Stollen- 
und Tunnelwänden ein — so wird die Luft relativ 
trocken. Sie wird sich zwar nach und nach wieder 
sättigen, aber gänzlich erst, nachdem sie die Arbeits- 
strecke passiert hat. Wir haben also nicht nur kühle, 
sondern, was fast noch wichtiger, trockene Luft, welche 
die Verdunstung auf der Haut des Arbeiters ermöglicht 
und diesen dadurch frisch erhält. Damit allfällig mecha- 
nisch mitgerissenes Wasser die Feuchtigkeit nicht in 
schädlicher Weise erhöht, passiert die Luft unmittelbar 
nach den Brausen ein Labyrinth von Blechstreifen, einen 
sogenannten Wasserabscheider. Das Fazit entspricht voll- 
ständig unsern Erwartungen. Die dem Gestein ent- 
strömende Wärme ist dadurch besiegt, und wir haben 
die Verhältnisse in der Hand, allerdings dank dem Auf- 
wand einer grossen Kraft. Ich bemerke noch, dass 
auch die Hochdruck -Wasserleitungen für den Bohi- 
betrieb isoliert sind und somit ebenfalls kühles Wasser 
liefern. 




Tafel 19: Holzeinbau Tunnel I, 



— 161 — 

Aber auch auf andere Art wird das kühle Wasser 
verwendet. Es ist klar, dass die heisseste Partie des 
Tunnels der Vortriebstollen ist. Dort hat das Gebirge 
noch die ursprüngliche Wärme, eine Abkühlung hat noch 
nicht stattfinden können. Dort war auch in der Tat die 
Hitze ani drückendsten. Es wird ihr dadurch begegnet, 
dass auf jener Strecke sowohl die Stollenwände, als das 
Luftrohr mit kaltem Wasser berieselt werden, und da- 
durch ist ein sehr erträglicher Zustand geschaffen. — 
Es giebt nur noch einen Eeind, den wir schwer be- 
wältigen können, es ist dies das warme Wasser, das 
wir seit einigen Monaten auf Xord- und Südseite, nament- 
lich auf der ersteren getroffen haben. Darauf komme 
ich später noch zu sprechen. 

Ich habe nun die Mittel auseinander gesetzt, die 
man braucht, um einen Tunnel wie den Simplon zu 
bauen: Vor allem braucht es einen grossen Kraftauf- 
wand, um die mechanische Bohrung, welche eines der 
gewaltsamsten technischen Vorgehen verkörpert, zu be- 
treiben. In zweiter Linie braucht es einen grossen Kraft- 
aufwand für die nie unterbrochene Zuführung frischer 
Luft zu den Arbeitsstellen, für die Ventilation: in dritter 
Linie braucht es Kraft, um das Kühlwasser in die Tiefe 
des Berges zu treiben. Ventilation und Kühlung sollen 
den Arbeitern im Innern des Berges nicht nur das Leben 
ermöglichen und die Gesundheit erhalten, sondern die 
volle Entfaltung ihrer Arbeitskraft gestatten, denn diese 
sind das köstlichste Gut, was im Tunnel zur Verwen- 
dung kommt, und dieses Gut darf am wenigsten ver- 
geudet werden. Es braucht aber auch Kraft für die 
vielen Strahlapparate, für eine grosse Anzahl Pumpen 
im Innern des Tunnels, die das Wasser jeweilen da ent- 
fernen sollen, wo es die Arbeit stört: es braucht Kraft, 

11 



— 162 — 

die in komprimierte Luft umgesetzt wird, um die Trans- 
porte im Innern des Tunnels auszuführen; es braucht 
Kraft für das elektrische Licht, das nachts die Installa- 
tionen draussen erhellt. Wenn wir uns alles das ver- 
gegenwärtigen, wird es uns nicht mehr wundern, dass 
zirka 2400 Pferdekräfte Tag und Nacht, jahraus, jahrein 
von den Turbinen, die alles das betreiben, abgegeben 
werden müssen. Der moderne Tunnelbau ist ein typi- 
sches Beispiel dafür, wie der Mensch die Naturkräfte in 
seinen Dienst spannen muss, um grosse Werke der Zivi- 
lisation auszuführen und im Betrieb zu halten. 

Ich habe erklärt, dass die am Sirnplon zur An- 
wendung gekommene Baumethode im wesentlichen das 
Ziel hat, dem Tunnelarbeiter seine Arbeit zu erleichtern, 
ihm seine Leistungsfähigkeit zu erhalten. Dazu müssen 
nun. abgesehen von dem bereits Ausgeführten, noch 
eine Reihe anderer Dinge mithelfen. Erstens eine nicht 
zu lange Arbeitszeit. Dieselbe beträgt acht Stunden 
netto. Der Tag ist in drei sogenannte Schichten ein- 
geteilt, deren erste morgens um 6 Uhr, deren zweite 
mittags 2 Uhr, und deren dritte abends 10 Uhr beginnt. 
Zweitens soll der Arbeiter auf dem Weg zur Arbeit 
• h nicht unnötig ermüden. Die Arbeiter werden des- 
halb seit Jahren in Extra-Eisenbahnzügen mittelst Extra- 
wagen von der Installation zu den Arbeitsstrecken ge- 
fahren und ebenso hinaus: sie haben nur einen kurzen 
Weg zu Fusa zu }nachen. Drittens, damit die Arbeiter 
sieh beim Hinausfahren in ihren oft nassen Kleidern 
und erhitzt, wie sie sind, während der schlechten Jahres- 
zeit nicht erkälten, sind draussen Vorkehrungen getroffen 
zum Umkleiden und zum Baden oder blossen Waschen, 
wie es der einzelne wünscht (Taf. 17). Da werden die 
nassen Arbeitskleider abgelegt und die trockenen Aus- 



— 163 — 

gangskleider angezogen. Diese Einrichtung hat sich sehr 
gut bewährt und trägt wohl wesentlich hei zu dem 
durchaus günstigen Gesundheitszustand. Dank einer 
peinlichen Reinlichkeit im Tunnel und der starken Lüf- 
tung ist es uns auch gelungen, den furchtbarsten Feind 
der Minenarbeiter, die Wurinkrankkeit, die am Gott- 
hard so grosse Verheerungen angerichtet hat, und die 
gerade in jetziger Zeit in Westphalen in den Bergwerken 
stark grassiert, durchaus ferne zu halten. Wir machen 
alljährlich die Erfahrung, dass mit dem Eintreten der 
rauhern Jahreszeit sich alles zur Arbeit im Tunnel 
drängen will und dieser wegen der Gleichmässigkeit und 
dem Schutz vor den Unbilden der Witterung der Vor- 
zug vor der Arbeit draussen gegeben wird. 

Ich muss nun noch mit einigen Worten auf die- 
jenigen Dinge zu sprechen kommen, die beim Bau des 
Simplon-Tunnels für die Bauunternehmung die grössten 
Überraschungen und ungeahnte Schwierigkeiten gebracht 
haben, zum Teil in geradezu verhängnisvoller Weise. 
Da sind es in erster Linie die geologisclien Verhältnisse 
(Beilage 2), die sich in Wirklichkeit wesentlich anders 
gestaltet haben, als wie sie vorausgesagt wurden und zwar 
grossen Teils zu Lngunsten der Unternehmung. Es be- 
zieht sich dies namentlich auf die Südseite und da 
wiederum namentlich auf die Art der Schichtung. An- 
statt möglichst steil einfallenden Gebirges haben uns 
die horizontalen Schichtungen von Anfang bis heute 
verfolgt, die nicht nur die mechanische Bohrung und 
damit den Stollen f ortschritt erschweren, sondern nament- 
lich beim Ausbau dadurch grosse Kosten A r erursache;>, 
dass das Gebirge nicht in sich hält, sondern durchweg ein- 
gebaut, das heisst gestützt werden muss (Taf. 18 und 19). 
In geologischer Beziehung war das Tracé des Tunnels 



— 164 — 

übereinstimmend a-ou den Geologen als günstig ge- 
schildert, aber wie sehr das wirkliche Bild von dem, 
das man sich ausgemalt hatte, abweicht, davon gibt der 
Vergleich der beiden Profile den besten Beweis. In 
Beilage 2 oben ist das sog. offizielle Profil dargestellt, 
unten das Profil, das der offizielle Geologe, Herr Pro- 
fessor Schardt. auf Grund der Erfahrungen und Er- 
hebungen gemacht hat. Erkannt man nun, so frage 
ich, im neuen Profil das alte? 

Vas ich in St. Gallen über diesen Punkt gesagt 
habe, würde ich, nachdem ich am letzten Sonntag Herrn 
Professor Schardt gehört habe, heufe etwas anders, etwas 
freundlicher sagen. Sie haben gehört, wie die Geologen 
heute anerkennen, dass sie sich getäuscht haben, gründ- 
lich getäuscht haben. Da gilt der Satz: „Eingestandene 
Sünde ist halb verziehene Sünde". Dass Bitterkeit in uns 
aufkam, muss uns zu Gute gehalten werden, es sind 
uns gar zu arge Enttäuschungen bereitet worden. Da- 
rüber geht der Streit nicht, dass die Geologen nicht im 
Stande sind, uns die genaue Wahrheit zu sagen, sondern 
darüber, dass sie zu einer Zeit, wo ihre Theorien -■:> 
sehr im Eluss waren, wie sie jetzt hier zugeben, Aus- 
sprüche getan haben, die, wie sie gesagt waren, vorn 
Laien als bare Yùinze genommen werden mussten, ein 
Gefühl der Sicherheit erwecken mussten, das tatsächlich 
nicht gerechtfertigt war. Eine Wissenschaft, die solchen 
^lethamorphosen ausgesetzt ist, tut, glaube ich, gut 
daran, etwas vorsichtig aufzutreten, sonst riskiert 

- der Praktiker nach und nach allen Glauben verliert. 
Wenn wir dazu beigetragen haben, andern, die uns nach- 
folgen, ähnliche Enttäuschungen zu ersparen. 80 soll es 
uns freuen. Im Grunde ist es vielleicht gut, dass man 
die Wahrheit nicht gekannt hat, denn sonst wäre wolü 



— 165 — 

das Werk heute noch nicht begonnen, da niemand den 
Mut gehabt hätte, daran zu gehen. 

Wir sehen aus den Profilen, dass wir ausser den 
ersten Kilometern der Nordseite zirka bis zum fünften 
Kilometer und ausser dem ersten Kilometer auf der Süd- 
seite wenig so gefunden haben, wie die Geologie voraus- 
gesehen hat. Und noch eins, heute das Verhängnisvollste. 
Im Zentrum des früheren Profils sehen wir ausschliesslich 
Monte Leone-Gneis; wie ganz anders sieht es nun aus 
in der heissen Partie. Nur eine Kalkschicht geht in 
diesem früheren Profil in die Tiefe hinunter, und das 
war für uns ein Hauptpunkt, der uns hoffen liess, dass 
kein Wasser auftreten würde. Nach dem neuen Profil 
dagegen kommt der Kalk sehr häufig vor, und der hat 
uns zuerst die unheimlichen Quantitäten von kaltem 
Wasser gebracht und in den heissen Partien heisses 
Wasser, den grössten Feind, den wir antreffen konnten. 
Alles das heisst, dass für den Praktiker die geologischen 
Voraussagungen wenig Wert haben zur Beurteilung der 
zu erwartenden Schwierigkeiten. 

Die zweite grosse und für die Unternehmung sehr 
unangenehme Ueberraschung waren die Wassereinbrüche 
bei Kilometer 4 bis 4.4 der Südseite (Tafel 20). Man 
hatte uns versichert, dass Wasser überhaupt nicht viel 
vorkommen werde, und dass, wenn es der Pali wäre, 
es ira Norden kommen werde, bei der Einsattelung am 
Gantertal am 5. km; aber dort haben wir kein Wasser 
angetroffen. Wo wir es am allerwenigsten erwarteten, 
da sind die unheimlichen Quantitäten gekommen, aus 
den grossen Quellen, wovon einige bis 150 Liter per 
Sekunde im Sommer führten. Man hat sich den Kopf 
zerbrochen, wo dieses Wasser eigentlich herkomme; man 
hat uns anfangs versichert von Seite der Fachleute, 



— 166 — 

js - bald auslaufen werde: wir haben diesen Aussag 
aber nie getraut und haben Recht behalten. Es läuft 
heute noch wie im Oktober 1901. nur im Winter etwas 
schwächer. 800 Liter ungefähr, im Sommer dagegen bis 
1200 Liter in der Sekunde. 

Die dritte verhängnisrolle Ueberraschung. auf die 
wir nicht gefasst waren, war die Druckstelle auf der Süd- 
s : Taf. 21, 22 und 23); die ist gekommen unmittelbar 
nach jenen Wasserpartien, die sich einen halben Kilo- 
meter lang erstrecken. I - Druckstelle versteht man 
Gebirge, das bis zu einem gewissen Krade plastisch 
i.-t. ohne jeglich- Festigkeit; man muss die Erscheinung 
zurückführen wahrscheinlich auf die enormen Reibuii. 
und den Druck, die bei G-ebiresverschiebungen statt- 
gefunden haben und solche Zertrümmerungen zur Eolge 
hatten. Die Druckstelle, die wir passiert haben, hat 
eine derartige Pression ausgeübt, dass wir mit allen bis 
dahin bekannten Mitteln nicht Herr derselben wurden. 
Wir haben mit den stärksten Holzbalken eingebaut: die 
sind uns zerbrochen worden wie Zündhölzchen, und wir 
haben schliesslich nichts andere- _ ,is eine Art 

Panzer zu bilden durch Änwenduug von Doppel -T -Balken 
von 40 cm, d. h. dem stärksten Profil. Es stehen nun 
auf 44 M ter Länge solche Balken einer neben dem 
andern. Der Druck war so. dass er viele von diesen 
T-Balken durchscheert hat. Wir haben für die 44 Meter 
6 Monate gebraucht, was einem täglichen Fortschritt 
von 25 cm entspricht, während wir 5 Va m per ] 
machen sollten. Es war fast wie Hohn, dass wir gleich 
nach Ueberwindung der Druckstelle im Mai 1902 die 
berühmte Woche mit 63 m machten. Aber solche Licht- 
blicke, solche Wochen wäre: t auf der Südseite des 
Simplon. Xachdem wir mit dem Stollen durch waren, 



— 167 — 

war der Ausbau dieser Druckstelle eine ausserordentliche 
Aufgabe. Sohlengewölbe von 2 m, Widerlager von 1,80 m 
und Gewölbe von 1,6 m haben wir eingebaut und zwei 
Jahre gebraucht, um diese Stelle zu sichern; man ist 
mit der äussersten Vorsicht vorgegangen. Bekanntlich 
begegnete man auch am Gotthard einer Druckstelle, die 
aber an sich viel weniger gefährlich war, und nur ge- 
fährlich wurde, weil zuerst zu wenig stark gemauert 
wurde. Die Folge davon war, dass das Gebirge nach- 
rutschte. Man muss verhindern, dass auch nur ein einziger 
Kubikmeter Gebirge nachkommen kann, weil sonst kein 
Halten mehr ist. Jedenfalls ist anzunehmen, dass, wenn 
man nicht mit ausserordentlicher Vorsicht vorgegangen 
wäre, diese Druckpartie mit Mauerwerk kaum hätte 
gehalten werden können. (Taf. 24.) 

Die vierte grosse Überraschung war die Temperatur 
auf der Kordseite, die wir im Frühling 1902 antrafen 
und die, wie wir bereits gesagt, anstatt auf 42° im 
Maximum sich auf 55° steigerte. Wir haben sie glück- 
licherweise überwinden können, weil unsere Kühlein- 
richtung stark genug war, und wir können sagen, dass 
wir relativ dieser Schwierigkeit am besten gewachsen 
waren. Wir haben es erreicht, dass wir auch im Sommer 
(im Sommer haben wir eben weniger kühles Wasser) 
immer, wenn auch nicht 25 ° Temperatur, so doch selten 
27 ° auf den Arbeitsstellen hatten, und so kann man 
sagen, dass die Arbeiter unter diesen ausserordentlichen 
Erscheinungen kaum gelitten haben. Der penibelste 
Moment war der, als wir gemäss der unheimlichen 
Steigerung annehmen mussten, dass die Temperatur noch 
viel höher anwachsen werde, dass wir bis 65° erreichen 
könnten, entsprechend der gesteigerten Gebirgsüber- 
lagerung: denn, wenn wir letztere in Betracht zogen, 



— 168 — 

wie sie war ini Moment, da wir 55° hatten, mussten 
noch höher kommende Überlagerungen auf die schon 
angegebene Temperatur weisen, und es war überhaupt 
die Frage* ob es gelingen werde, diese Temperatur zu 
bewältigen, ob es nicht nötig sei, den Tunnelbetrieb 
für ein halbes oder ganzes Jahr einzustellen, um den 
nötigen Kühlbetrieb einzurichten. Im Sommer 1902 hat 
man diese Frage studiert, und wir haben ganz genaue 
Versuche nach verschiedenen Methoden gemacht und 
haben feststellen können, dass wir, wenn die Temperatur 
auf 65° stiege, anstatt 3 Millionen Kalorien zirka 7 
Millionen Wärmeeinheiten per Stunde abführen müssten. 
Es war alles vorbereitet, um dieser grossen Schwierig- 
keit zu begegnen, als die Temperatur nach und nach 
zu sinken anfing; warum, das wird, abgesehen von den 
geologischen Fragen, eines der zu lösenden Probleme 
bleiben. Während im Süden eine Abkühlung des Ge- 
birges durch Wasser stattgefunden hat, vermuten wir*, 
dass auf der Nordseite umgekehrt eine Erhitzung des 
Gebirges durch solches eingetreten ist, so dass wir eine 
Art Wasserheizung auf der Nordseite hätten. 

Die fünfte grosse Überraschung und die aller- 
sehlimmste bildete das heisse Wasser. Nach den ur- 
sprünglichen geologischen Annahmen durften wir, wie 
oben gesagt, hoffen, in den heissen Partien kein oder 
wenig Wasser zu bekommen. Wir haben solches aber 
auf der Südseite im Monat August 1903 für kurze 
Dauer und im Monat Dezember auf der .Nordseite bleibend 
erhalten. Es sind hier nicht weniger als 70 Sekundenliter 
48-gradiges Wasser angeschlagen worden, was eine schäd- 
liche Kalorien menge von 6 Millionen ausmacht (Taf. 25). 
Es ist ein Wunder, dass wir mit unsern Külileinrich- 
tmigen durchgekommen, und es ist nur dein Umstand 




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— 170 — 

türen einige Tage später geschlossen werden mussten. 
Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Rest der 
noch ungebohrten Strecke der Südseite zu überlas- 

Es ist klar, das- alle diese zum grössten Teil un- 
erwarteten Schwierigkeiten die Arbeiten derart verzögert 
haben, dass der ursprünglich in Aussicht genommene 
Vollendungstermin, Mai 1904. nicht eingehalten werden 
kann. Die Südseite ist um mehr als zwei Kilometer 
im Rückstand geblieben. Dass der von uns eingegangene 
Termin nicht einem unerlaubten Optimismus entsprungen 
ist, mag die Tatsache beweisen, dass wir von der Nord- 
seite die Mitte des Tunnels bereits am 13. September 19< > >. 
also zwei Monate vor dem Zeitpunkt erreicht haben, den 
wir als Durchschlag in Aussicht genommen hatten. Der 
Tei-niin ist uns nun verlängert worden bis 30. April 1905. 

Glücklicherweise hatten sich die Gesteinsverhältnisse 
auf der Südseite unterdessen auch etwa- günstiger ge- 
staltet, sodass namhafte Fortschritte erreicht wurden. 
Die Strecke, die jetzt noch zu durchbohren bleibt, betrug 
am Sonntag, den 31. Juli 431 m. Seit zirka 14 Tagen 
vernehmen die Pumpeuwächter bei den Dammtüren 
Xordseite die Sprengschüsse von der Südseite in 
Form des Geräusches, den ein Hammerschlag auf Fels 
erzeugt und wenn die Arbeiten nun ungestört weiter 
geführt werden können, so hoffen wir, den Durchschlag 
der beiden Stollen im Monat Oktober feiern zu können. 



Beilage 1. 




ih 15 16 17 î 



20 Km. 




t ton 

Jselle 



350' 5oo 



"•„ Mont-Cenis 
■*-■' St. Gottha.rd 
— -v Simplon. 



Beilage 1. 




19 20Kn 



Lanêen - Profil. 




Beilage 2. 



>rofìl 18 



PU Valle 



Vordportaû. 
6Ö6* 1 '"' 




Tofil 19 



Pia Valle 



S'ùdporéa.1 
k 634 m 



19 19,770 Km 




WMM(À 



SE3 Ant'igorio-Gneiss 



19 19,770Km. 

Gyps und Kalk. 



Beilage 2. 



SCHWEIZ ITALIEN 



Profil 1893 




fiordptrlal 



SCHWEIZ ITALIEN 



Profil 1903 




Resswa.ld 



h S 6 7 ä 9 IO II 12 13 11 15 16 17 18 19 I9,770Kn 

Glanz-und Kalkschiefer EZZZ3 Glimmer-Schiefer K'.v.'i Gneiss und Gneiss-Schieler ESS3 Antigorio-Giieiss ESSSi 6'/jP.s und Kâlk. 



Arbeits -Vorgang im Tunnel. 



Beilage 3 



Km.x 

Tunnel I 

lirliê'r Tunnel^ ArbcUsslrecHe der Haueruné. 




^-,^>s«;uj^^:iu^^g j ? 5ai i! £* a^^ ^': s^ 



Zentrifugalventilator. 



Beilage 4. 



t ^EJ-T 'J-JJ-'-n-r 
r rnrT TTT"rrT 
r "rrTTTTT 




Ventilations- Anlage. 



V 1 -|- V 2 = Ventilatoren. 
T 1 -|- T 2 = Turbinen. 
W = Druckwasserleitung. 

S 1 + S 2 = Saugluftkauàle. 
Dl -|- D 3 = Druckluftkaniile. 
I! = Verbi ndungskanal zwischen Ventilator 1 -|- : 
A = Ventilationskanal in den Tunnel. 
K = Regulierungsklappen. 
Diese zwei Ventilatoren können einzeln oder liintei 
lander auf Druck oder nebeneinander auf Quantiu 
kuppelt laufen. 

Leistungen per Ventilator: 

Tourenzahl per Minute = 350. 
Lultmrngc per Sekunde = 25 in'. 
Druck = 250 inni Wassersäule. 
Kraftbedarf zirka 140 HP. 



171 — 



Nachtrag. 

Bis zur Drucklegung sind neue Schwierigkeiten 
entstanden, indem am 6. September 1904 auf der Süd- 
seite, als die Distanz zwischen den Ortern Nord und 
Süd noch zirka 250 m betrug, eine warme Quelle von 
zirka 100 Sekundenliter und 46 ° Temperatur ange- 
schlagen wurde. Die dadurch bewirkte Störung der 
Arbeiten war derart, dass der Vortrieb erst im November 
wieder aufgenommen werden konnte. 



Die wissenschaftlichen Ergebnisse 
des Simplondurchstichs. 

Von Prof. Dr. H. SCHARDT. 



Die Durchbohrung des Simplonmassivs mittels eines 
beinahe 20 km langen Doppelstollens,") hat natürlich eine 
Anzahl interessanter und wichtiger Beobachtungen zu 
Tage gefördert, welche, wie es zu erwarten war, mit 
den Voraussichten entweder ganz gut stimmten oder 
dieselben ergänzten oder berichtigten. lieber die Resultate 
dieser, nun seit sechs Jahren fortgesetzten Forschungen 
zu berichten, ist meine heutige Aufgabe. Es kann dies 
aber nur kurz und bündig geschehen, um so übersicht- 
licher wird indessen meine Darstellung sein. Sie wird 
vi ml den definitiven Schlussfolgerungen nur mehr wenig 
abweichen, indem über die noch zu durchbohrende Strecke 
von weniger als 600 m keine Ungewissheit mehr besteht. 
Dieselbe muss zum Teil aus kalkführenden Granatglimrner- 
schiefern (auf der Südseite) und zum Teil aus kristallinen 
Glimmerkalken (auf der Nordseite) bestehen. Wo der 
Uebergang zwischen diesen beiden Gesteinsarten ist, 
kann natürlich nicht bestimmt gesagt werden. Während 
der ganzen Dauer des Tunnelbaues wurden folgende 
Beobachtungen gemacht: 

l. Geologische Detailaufnahmen an der Oberfläche, be- 
liul's Erstellung einer geologischen Karte 1 : 25000, 



*) -Meereshohe des Nordportals 686 m; Südportal 643 m 
Kulminationspunkt 705 m. 



— 173 — 

welche sich auf einige Kilometer nordöstlich und 
südwestlich von der Tunnelaxe erstreckt. 

2. Geologische Aufnahmen im Richtstollen 1 : 100 mit 
Entnahme von Handstücken alle 10 Meter und bei 
jedem Gesteinswechsel. Diese Sammlung beträgt 
nun nahezu 2500 Nummern. 

Aus diesen Aufnahmen soll dann das definitive 
geologische Profil konstruiert werden. 

3. HydrologischeBeobachtungen über die Wasserzuflüsse, 
mit genauer Bestimmung der Temperatur, der chemi- 
schen Eigenschaften und Schätzung der anfänglichen 
und definitiven Wassermengen. 

4. Thermische Beobachtungen zur Konstruktion eines 
geoth ermi sehen Profils. 

I. Die Geologie des Simplonmassivs. 

Die ältesten Berichte über die geologischen Verhält- 
nisse des Simplongebirges verdanken wir Bernhard Studer. 
Die dahinbezüglichen Arbeiten datieren aus den Jahren 
1846 und 1851.*) Das beigegebene Profil (Figur 1) 
zeigt, wie Studer die Struktur dieses Gebirgsteiles auf- 
fasste. Allerdings ist den dolomitischen Kalken viel zu 
grosse Ausdehnung beigemessen, hingegen ist ganz richtig 
dargestellt die Aufeinanderfolge von grauen Schiefern 
(Glanzschiefer), Gips und Dolomit, den Gneiss überlagernd. 

Das schon 1853 aufgetauchte Projekt eines Simplon- 
durchstiches hat mehrere Arbeiten des für die Erforschung 
des Wallis so hochverdienten Geologen und Bergingenieurs 



*) B. Studer. Mémoire géologique sur la masse des Montagnes 
entre la route du Simplon et celle du St-Gothard. Mém. soc. geol. 
France 1846. — Die Geologie der Schweiz. Bern und Zürich 1851. 
T. I. p. 223. 



— 174 — 

Heinrich Gerlach*) veranlasst. Xeben dem am tiefsten 
gelegenen 18.500 m langen Basi.stunnel handelte es sich 
damals um drei weitere Hochtunnel, welche zwischen 
1200 und 1400 m über Meer gelegen, die vearechiedenen 
Tal ein schnitte der beiden Abdachungen verbinden sollten. 
mit einer Länge von 9 — 10 km. Leider sind die Manus- 
kript gebliebenen Gutachten Gerlachs nur zum Teil er- 
halten geblieben: die ProfiJ e fehlen ganz. Nur die Arbeit 
über die penninischen Alpen**) enthält ein geologisches 
Profil, welches sich auf ein um mehr als 6 km nord- 
ostwärt-; von der Tunnelrichtung gelegenes Gebiet bezieht. 
Es durchquert den Pizzo Cervendone und den Cistella- 
Alta. (Figur 2.) Das Tracé dieses Profils liegt dem 
Studerschen ziemlich nahe und gestattet somit eine Ver- 
gleiehung der geologischen Auffassung der dargestellten 

birgsstruktur. Am meisten fällt auf die TTeberlagerun^ 
der ganzen Antigori g smasse auf den sog. altern 
metani orphen Seh:- fern, grauen kalkführenden Glimmer- 
schiefern, welche wir heutzutage als den Glanzschiefern 
gleichalterig betrachten. Gerlach sah darin eine ältere Foi - 
mation: daher obige Bezeichnung. Die TJeberlagerung des 
Antigori _■ "tatsächlich sichtbar, ja handgreiflich 

im Antigoriotal zwischen Pomat und Foppiano. ebi 
zwischen Crodo und Goglio im Deverotal. Gerlach bi - 
iiiiet diese Sachlage ah eine öebersdiiebung von uv- 
gpfähr 10 Kilometer. Im Gebiete des Simplontunnels 
vermutete Gerlach di Lag _- im nicht und spricht 
auf die positivste Weise von einem .. _ Ilbe" 

dachen Iselle und Grondo, obschon die Ueberlagerung 

* //. Gerlach. Geologische Kant- der Schweiz. Bl. XVII und 
XVIII. 186ä. 

Die penninisihen Alpen. X. Denksch. d. schireiz. noter/*. 
GeseUsch. XXI U. 1569. Abgedruckt in den Beiträgen zur geol. 
Karte rlcr Schweiz. Lief. XXVLi. i^S3. Profil 1. 



- 175 — 

des Antigoriogneisses über den Schiefern bei Varzo deutlich 
zu beobachten und ebenso aus seiner geologischen Karte 
ersichtlich ist. Dass Gerlach die „älteren kristallinen 
Schiefer" nicht von vornherein mit den grauen Glanz- 
schiefern des Ehonetales in Verbindung setzte, beruht wohl 
auf der grossen petrographi sehen Verschiedenheit dieser 
beiden Gebilde und dem Vorhandensein einer nördlichen 
Gneissmasse zwischen diesen beiden Schieferkomplexen, 
der Monte-Leone-Gneisse, welche von diesen kristallinen 
Kalkschiefern unterteuft wird; dennoch sagt Gerlach zum 
Schlüsse buchstäblich . . . „nun, dann könnte man selbst 
annehmen, dass die Glanzschiefer von Binnen sich um 
den östlichen Ausläufer des Gneisses der Binnentalkette,*) 
um das Ofenkorn herum nach Devero und Diveglia zögen, 
und sich auf die wunderbarste Weise in und unter die 
Gneissgebilde von Antigono verzweigten — eine An- 
nahme, welche vorläufig weit weniger Wahrscheinlichkeit 
für sich hat als die erstere."' 

Seit Gerlach sind während 10 Jahren keine weitem 
Forschungen im Simplongebiet gemacht worden. Sein 
plötzlicher Tod am 8. September 1871 hat der Wissen- 
schaft einen Forscher entrissen, welcher gewiss den 
klarsten und weitgehendsten Einblick in die geologischen 
Verhältnisse der Walliser Alpen gewonnen hatte, 

Neuere Forschungen begannen erst Ende der sieb- 
ziger Jahre. Sie bezweckten die geologische Darstellung 
verschiedener Tunnelprofile, meist Basistunnel. Die Ex- 
pertise, welche 1877 von den Herren E. Renevier**) 



*) unser Monte-Leone- Gneiss. 

**) E. Renevier. Structure géologique du massif du Simplon. 
Bull. soc. vaud. se. nat. XV. 1878. Heim, Lory, Taramelli et Renevier. 
Etude géologique sur le projet du tunnel coudé traversant le massif du 
Simplon. Bull. soc. vaud. se. nat. XIX 1883. 



— 176 — 

A. Heim und Ch. Lory ausgeführt wurde, führte zur Auf- 
stellung zweier Profile in der Richtung der damals ins 
Auge gefassten zwei Tunneltracés. Alle Schichtenglieder 
sind in normaler Aufeinanderfolge, vom Antigoriogneiss, 
als ältestes Gebilde, bis zu den Glanzschiefern, ein grosses 
Gewölbe bildend, angenommen, dessen Kernteil eben der 
Antigoriogneiss darstellt. Die unter letzterem vorhandenen 
Kalkglimmerschiefer sind nicht ausgeschieden. (Siehe 
Figur 3.) Die Wiederholungen von Kalk- und Dolomit- 
einlagerungen mit Kalkglimmerschiefern, mitten in den 
Monte-Leone-Gneisscn sind als sehr auffällige Tatsache 
hervorgehoben, und der Berichterstatter, Prof. Renevier, 
neigt sehr zur Annahme, dass diese wiederholten Ein- 
lagerungen wohl durch Falten in ausgewalzter Form zu 
erklären seien. Der grosse, fast 6000 m mächtige Gneiss- 
und Glimmerschiefer-Komplex ist sonst kaum erklärlich. 
Desgleichen wird die grosse Mächtigkeit der Glanzschiefer- 
zone längs des Rhonetales durch Falten erklärt. 

Eine 1882 stattgehabte neue Expertise durch die- 
selben Geologen, zu welchen noch Prof. T. Tarameli i 
gesellt wurde, brachte ein weiteres, dem soeben erwähnten 
ziemlich ähnliches Profil (Figur 4), welches indess ver- 
schiedene ergänzende Beobachtungen aufweist. So wird 
der unter dem Antigoriogneiss vorhandene Kalkgl immer- 
schiefer als ältestes Glied des grossen Simpknigewölbes dar- 
gestellt, obschon das Vorhandensein von mehreren liegen- 
den Falten innerhalb der gewölbartig gebogenen Schichten- 
serie immer als möglich angedeutet wird. Dass eine solche 
Falte auf dem Südabsturz des Monte-Leone tatsächlich 
sichtbar ist, wird ganz besonders hervorgehoben. Dass 
nicht weniger als sieben Kalk- und Kalkgiimmcrschiefcr- 
Einlagerungen vorhanden seien, deutet sehr zn gunsten 
diese]' Möglichkeit. Die mächtige Gruppe der kristallinen 



— 177 — 

Schiefer wird ebenfalls zergliedert in eigentliche Gnei'sse, 
dem Sellagneiss des St. Gotthard ähnlich, in Granat- 
glimmerschiefer, Chloritschiefer, Amphibolite und Amphi- 
bolschiefer etc. 

Nach Fusion der Comp. S.-O.-S. mit J.-B.-L. und 
der erfolgten Gründung der J.-S. -Bahngesellschaft sollte 
das Simplonunternehmen fast unmittelbar ernstlich in 
Angriff genommen werden. Das vorgeschlagene Tracé 
war sehr ähnlich dem geradlinigen Tracé von 1882. Die 
geologischen Untersuchungen wurden mir anvertraut, sie 
sollten hauptsächlich zur Ergänzung der früheren Auf- 
nahmen und Beurteilung verschiedener vorgeschlagener 
Varianten dienen. Das Gutachten mit der beigelegten 
geologischen Karte blieb Manuskript; nur die Zusammen- 
stellung der auf der Tnnnelaxe mutmasslich vorkommenden 
Gesteinsarten wurde publiziert,*) nebst einer schlecht 
gelungenen und unvollständigen Vergrösserung des geo- 
logischen Profils. Letzteres wurde sodann als offizielles 
Belegstück dem definitiven Projekt**) und dem Kon- 
zessionsgesuch***) für den erst 1898 in Angriff ge- 
nommenen Tunnel beigegeben, obschon dieses definitive 
Tracé von dem früher 1890 begutachteten etwas ver- 
schieden liegt. (Figur 5.) 

Inzwischen haben aber die geologischen Kenntnisse 
verschiedene Fortschritte gemacht, von welchen das 
sogenannte offizielle Profil noch nichts aufweist. Letzteres 
scldiesst sich eng den Annahmen der Experten von 



*) J. Dumur. Traversée du Simplem. Rapport sur les Etudes 
1890 — 91. Berne, Imprimerie Stampili & Cie. 1891. 

**) Simplontunnel. Projekt 1893. Buchdruckerei Gebkardt, 
Roesck & Sckatzmann. Bern 1894. 

***) Recueil des pièces officielles relatives au percement du 
Simplon. Imprimerie Roesck & Sckatzmann. Berne 1902. 

12 



— 178 — 

1877 und 1882 an. Die krystallinen Schiefer sind von 
der Monte-Leone-G-neissmasse getrerinl und vx>m tektoni- 
schen Standpunkte ans nimmt dasselbe eine offene Syn- 
klinalfalte im nördlichen Teile der Monte-Leone-G-ruppe 
an, in welcher Falte weiter westlich die Kalkglimmer- 
schiefer des Kaltwasserpasses Lagern. Die Kalkglimmer- 
schiefer unter dem Antigoriogneiss sind noch als Kern- 
masse des Simplonmassivs aufgefasst. Eine neue Expertise 

kurz vor [Inangriffnahme des Tunnels wäre deshalb wohl 

wünschenswert gewesen; denn, wie gesagt, von 1890 bis 
1898 sind wichtige neue Beobachtungen gemacht worden, 
worüber das anno 1894 bei Gelegenheit des internatio- 
nalen Geologen-Kongresses publizierte ^Livret-guide géo- 
Logique de la Suisse" Aufschluss giebt.*) So wurde, defi- 
nitiv festgestellt: /. Dass die unter dem Antigoriogneiss 
vorkommenden Kalkglimmerschiefer, sowie alle Kalk- und 
Schiefer- Einlagerungen im Gneiss in metamorpher Form 
das str atigraphische Aequivalent der Glanzschiefer des 
Rhonetales sind, welche durch die Belemmitenfunde bis 
in nächster Nähe von Brig als jurassisch nachgewiesen sind. 
2. Dass die Überschiebung beziehungsweise Überfaltung, 
welche Gerlach zwischen Devero- und Antigorio-Tal be- 
obachtete, im westlichen Teil des Simplonmassivs, wo der 
Tunnel zu liegen käme, auch vorhanden sein müsse; 
dass also <\c\- Antigoriogneiss kein wirkliches Gewölbe, 
sondern nur eine gewölbeartig gebogene, liegende Anti- 
klinale oder Schuppe darstellt. Ja sogar- unter den vom 
Antigoriogneiss überdeckten Marmorn und Kalkglimmer- 
schiefern kommt noch einmal Gneiss, womit di'r sichere 
Beweis (\<t Uberfaltung gegeben ist. Desgleichen sind 
die Kalk- und Kalkschiefer-Einlagerungen im G-neiss als 

*) Livret-guide géologique de la Suisse 1H94, Lausanne, Librairie 
Payot. Siehe die Beiträge von C. Schmidt, IL. Schardt, H. Golliez. 



- 179 — 

Falten zu deuten. Diese Auffassung geht aus dem Profil 
Figur 6 hervor. Der geologischen Sektion der schweize- 
rischen naturforschenden Gesellschaft wurden bei der 
Jahresversammlung in Zermatt, 1895, durch Professor 
C. Schmidt*) nicht weniger als 10 Profile durch das 
Simplongebiet vorgelegt. Die Ueberfaltung des Antigorio- 
gneisses über die liegenden Kalkglimmerschiefer und 
Kalke ist zum Teil in Uebereinstimmung mit der Gerlach- 
schen Auffassung auch angenommen und zwar bis indie 
(regend von Iselle; von da an westwärts, z. B. bei Gondo 
aber nicht mehr. Die Kalkschiefer des mittleren Teiles, von 
Triasgesteinen eingeschlossen, sind als mehr oder weniger 
gequetschte Mulden zwischen Gneissantiklinalen dar- 
gestellt, welche selber wieder an <\<-v Oberfläche einer 
grossen, tiefgehenden, flachen Gneissantiklinale aufsitzen. 
Das grosse Werk Traversos**) (1895) enthält ein zu 
dem Tracé des Simplontunnels etwas schief verlaufendes 
Profil. Dasselbe (Figur 7) hat indess für uns ein ge- 
wisses Interesse, indem der Antigoriogneiss wieder als 
normal über den unteren Kalkglimmorschiefern liegend 
dargestellt ist, welche selber wieder einen tiefer liegenden 
Gneisskern umschliessen. Die G lanzschiefer des Rhone- 
tales sind in zwei Stufen getrennt, deren eine jurassisch, 
die andere triassisch sei. Die kristallinen Schiefer sind 
ebenfalls in zwei Horizonte geschieden: Glimmerschiefer 
mit Kalklagcn und Schiefergneissè, welche einem gneiss- 
artigen Kalkschiefer auflagern. Daraus ist ersichtlich, 
dass auch nach langem eingehendem Studium die so deut- 



*) C. Schmidt. Géologie du massif du Simplon. Arch. sc.phys. 
et nat., Genève. T. XXXIV, 1895. Die Profiltafel ist nicht in den 
Handel gekommen. 

**) St. Traverso: Geologia del Ossola. Genova. Tip. di Aug. 
Ciminago 1895. 



- 180 — 

liehe und mehrerorts hervorgehobene Lagerung des Anti- 
goriogneisses ganz verkannt werden kann. In dieser 
Hinsicht ist es interessant, die nun folgende Umwälzung 
der Ansichten ins Auge zu fassen. 

Als im Jahr 1898 die Arbeiten am Simplontunnel 
begonnen wurden, erkannte die mit der Einleitung zu 
den geologischen und wissenschaftlichen Beobachtungen 
betraute Kommission, dass allerdings die seit der letzten 
Expertise verstrichenen 8 Jahre allerlei Neues gebracht 
hatten und dass ein neu aufgenommenes Profil von den 
zuletzt gebrachten, insonderheit von dem sogenannten 
„offiziellen"' Profil ziemlich abAveichen würde. Da nun 
aber die Aufnahme eines neuen Profils für die Unter- 
nehmung selbst in diesem Momente ganz einflusslos sein 
musste, und höchstens ein wissenschaftliches Interesse 
haben konnte, so wurde beschlossen, den Durchstich ab- 
zuwarten, um dann erst ein definiti A r es, mit den wirk- 
lichen Befunden belegtes Profil zu bieten. 

Schon mit Anfang der neuen Aufnahmen (1899) 
drängte sich mir immer mehr die Ueberzeugung auf, dass 
die Gneisszonen, welche zwischen der Antigoriomasse und 
den Glanzschiefern des Ehonetales liegen, ebenso wie 
der Anti goriogneiss von Süden nach Norden überschoben 
oder überfaltet seien, also, da sie nach Norden einfallen, 
mit ihrem Stirnrand in den Glanzschiefern stecken müssen, 
während ihr Wurzelgebiet südlich vom Divcria-Tal zu 
suchen wäre. Es mussten demgemäss eben sovi eie solcher 
Schuppen oder Falten vorhanden sein, als durch Kalk- 
glimmerschiefer getrennte Gneisszonen unterschieden 
werden können. In diesem Falle musste der zentrale 
Teil des Simplonmassivs nicht aus Gneiss, wie ursprüng- 
lich angenommen, sondern aus Kalkglimmerschiefern und 



— 181 — 

Granatglimmerschiefern, zum Teil auch aus Kalk, Dolo- 
mit mit Anhydrit bestehen. 

Indem ich der Beweisführung dieser Annahme durch 
den Durchstich entgegensah, wurde im März 1902 durch 
Professor Dr. C. Schmidt*) in Basel der Tunnelbauge- 
sellschaft Brandt, Brandau & Co. und durch diese an die 
Eisenbahngesellschaft J.-S. ein neues Simplonprofil einge- 
reicht, nebst einem ausführlichen Gutachten über die Geo- 
logie und die Hydrologie dieses Gebirges. In diesem Profil 
(siehe Figur 8) wird, die Antigoriomasse ausgenommen, 
der ganze nördliche Teil des Simplons als breite Gneiss- 
antiklinale dargestellt, auf welcher mehrere nach Norden 
oder nach Süden überkippte Falten liegen, mit einge- 
klemmten Jura- und Trias -Mulden. Die Gneissmasse 
selber ist in zwei Stufen unterschieden, ein oberer Gneiss 
(Monte - Leone - Gruppe), hauptsächlich den Monte-Leone- 
Gneiss und eine ganze Gefolgschaft kristalliner Schiefer 
umfassend, und ein tieferer Gneiss, dem Antigoriotypus ent- 
sprechend, von welchem beinahe 7 km vom Tunnel durch- 
fahren werden sollten. Durch dieses Vorgehen wurde 
die Kundgebung meiner ganz gründlich abweichenden 
Anschauung notwendig. Es geschah dies durch die 
Publikation **) eines Profils 1 : 50,000 nebst begleitendem 
kurzem historischem und tektonisch-stratigraphischem 
Text, von welchen dieses Kapitel einen Auszug darstellt. 
Dieses Profil, welches in Figur 9 dem Schmidt'schen Profil 
entgegengestellt wird, weicht nicht nur tektonisch von 



*) C. Schmidt. Bemerkungen zum Entwurf eines geologischen 
Profils durch den Simplou in der Richtung der Tunnelaxe. Ende 
November 1901. 2. Febr. und 6. März 1902. Als Manuskript verbreitet. 
**) H. Schardt. Note sur le profil géologique et la tectonique 
du massif du Simplon, etc. Eclogae g eoi. helv. t. VIII 1904. Als 
Manuskript verbreitet 1902 und 1903. 



— 182 — 

letzterem ab. sondern es werden auch stratigraphische Ab- 
weichungen bemerkbar. So werden die mächtigen Monte- 
Leone -Gneisse = Binnentalergneisse, nicht als jüngere 
Gruppe angesehen, sondern dein Antigoriogneiss als 

ihwertig ausgegeben: nur die eigentlichen Glimmer- 
schiefer mit granatführenden Varietäten und Amphiboliten 
werden als Zwischenglieder zwischen Gneiss und Trias an- 
_ - -hen. Doch zeigt sich auch hierin noch eine neue Auf- 
fassung; denn wenn auch das Prinzip dieses Profils durch 
die nunmdir fast abgeschlossenen Bohrarbeiten als richtig 
bewiesen worden ist, so bleibt doch noch Verschiedenes. 

ohi stratigraphisches wie tektoiiisekes, zu enträtseln 
übrig, worauf hier nicht im einzelnen eingetreten werden 
kann. Zwei ziemlich wichtige Punkte möchte ich doch her- 
vorheben: nämlich die kiy stallinen Schiefer, aus Glimmer- 
schiefern , Granatglimmerschief ern . Chloritschiefern und 
Amphiboliten oder Amphibol glimmerschief em bestehend, 
sind, wenn dieselben sich wirklich zwischen die Trias 
und den Gneiss einschalten, nur auf der Xordseite in der 
AVasenhornkette vorhanden und fehlen vollständig am 
Monte -Leone und auf dem Antigoriogneiss. Einer der 
hauptsächlichsten Anhaltspunkte für die neue Auffassung 
der Tektonik des Simplonmassivs ist das Vorhandensein 
einer liegenden Falte | Synklinale) am Süd-Absturz des 
Monte-Leone. Der Synklinalkern dieser von Kalkschiefern 
und Marmor eingefassten Falte besteht gerade aus diesen 
kristallinen Schiefern mit allen eben aufgezählten Varie- 
täten, welche somit mesozoisch beziehungsweise Trias 
oder Jura sein müssen. Ist dem überall so, so müssen 
die Grenzlinien zwischen . Mesozoicum und der Gneiss- 
bildung verschoben werden, was aber tektonisch nichts 
verändert. Sicher ist auf jeden Fall schon jetzt, dass 
die Zone der kristallinen Schiefer zwischen Lago d'Arino 



— 183 — 

und Valle zur metamorphen Kalkschieferzone (Jura) zu 
rechnen ist. Diese etwas abweichende Auffassung, welche 
noch schlagendere Beweise verlangt, als die bis jetzt er- 
reichten — vielleicht ist schärfere Beweisführung auch 
unmöglich — hat mich veranlasst, das Profil etwas sche- 
matisch mit dieser Neuerung zu konstruieren, was durch 
Figur 10 geschieht. Darin ist auch eine tektonisch neue 
Beobachtung eingeführt. Nämlich die schmale Gneisszone 
des Gantertales verbindet sich ostwärts nicht mit dem 
oberen Monte-Leone-Gneiss. Sie bildet nicht den Stirn- 
rand der oberen Monte-Leone-Gneissfalte, sondern es ist 
bloss ein aufgerichteter Teil des Stirnrandes der unteren 
Falte, über welcher sich die Wasenhornkette erhebt. Die 
Verbindung beider Gneisse nach unten ist ostwärts vom 
Gibelhorn deutlich zu ersehen. Dass in westlicher Rich- 
tung, im Nesseltal, dieser Gneiss wurzellos erscheint und 
auf der Tunnelhöhe schmäler ist als an der Oberfläche, 
kommt daher, dass hier eine Ausquetschimg und zum 
Teil wirkliche Abtrennung durch Rückfaltung statt- 
gefunden hat. 

Im allgemeinen sind dieser gewaltigen mechanischen 
Deformation gemäss im ganzen Simplongebirge die Ge- 
steine bis ins Innerste durchgehend zerknittert und ver- 
rutscht, wo nicht tiefgehende metamorphe Umsetzung 
stattgefunden hat. Die härtesten Gesteine wie der Monte- 
Leone-Gneiss sind nicht ausgenommen. 

Zusammenfassend kann die Entwicklung unserer 
Kenntnis über die Geologie des Simplonmassivs folgender- 
massen ausgedrückt werden : Die Ueberlagerung mehrerer 
liegender Gneissfalten mit eingefalteten Trias und Jura- 
sedimenten wurde infolge der ausgestreckten Form und 
der nach Norden und Süden fallenden Stirn- und Fuss- 
teile der Falten lange Zeit als ein einfaches Gewölbe 



— 184 — 

angesehen, in welchem die einzelnen Faltenlagen als 
normale Wechsellagerungen gedeutet wurden. Also bei 
einfachem tektonischem Bau eine sehr komplizierte strati- 
graphische Schichten folge, mit mehrmals wiederholtem 
Wechsel von Gneiss, Kalk, Glimmerschiefern, Kalk- 
schiefern etc. Die Erkenntnis der Zugehörigkeit der 
Glimmer- und Kalkschiefer zu der mesozoischen Grlanz- 
schiefergruppe und der triasischen Unterlagerung der- 
selben, von denen sie eine hochkristalline metamorphe 
Abänderung darstellen, hat nun gestattet, die str ati- 
graphische Reihenfolge sehr zu vereinfachen — indem 
nur Jura, Trias, eventuell kristalline Schiefer und Gneiss 
aufeinanderfolgen; die Tektonik erscheint nun aber als 
äusserst, ja fast unglaublich kompliziert. Es darf be- 
hauptet werden, dass diese Verwicklungen vor 10 Jahren 
kaum vermutet, geschweige denn graphiseh dargestellt 
werden konnten. Die Entwicklung unserer Kenntnisse 
über den Aufbau der Alpen im allgemeinen, die Er- 
kenntnis, die wir im Laufe der letzten Jahre über die 
ungeheuren Ueb er Schiebungen und Ucberfaltun gen der 
Sedimentdecke der Nordalpen gewonnen haben, hat erst 
nachträglich gestattet, ähnliche Störungen auch bei den 
viel tiefer liegenden Gebilden der Grneissformation zu ver- 
muten. Im Simplongebiet tritt noch ganz besonders der 
erschwerende Umstand des gewölbeartig ganz normal 
scheinenden Baues des Gebirges hinzu, sowie der aus- 
gedehnte Metamorphismus, welcher Gleichartiges ver- 
schieden gestaltet und Verschiedenes ähnlich macht. 
Wie trügerisch diese Erscheinungen auf das Auge der 
geübtesten Geologen einwirken können, beweist das 
Profil von St. Traverso (1895) und besonders dasjenige 
C. Schmidt's (1902), welch beide Forscher nach lang- 
jährigen Aufnahmen und Forschungen, im engeren und 



— 185 — 

weiteren Simplongebiet, die wirkliche Sachlage nicht 
einmal geahnt oder nur zum Teil erkannt haben. 

Vergleicht man den geologischen Bau des Simplons 
mit dem des St. Gotthards, so fällt sofort auf, wie leicht 
hei letzterem die tiefere Struktur des Gebirgsinnern dar- 
gestellt werden konnte. Ueberall ist steile Fächerstruktur, 
avo der Verlauf der Lager nach unten sich mit nur wenig 
Zweifel darstellen liess. Deshalb stimmt das vorher von 
Fritsch konstruierte Profil, einzelne auf subjektiven An- 
schauungsweisen beruhende Abweichungen ausgenommen, 
mit dem während des Tunnelbaues durch Stapff auf- 
genommenen Profil ganz gut überein. Tektonisch ist 
der Einklang vollständig. Im Simplonprofil war eben 
das Problem viel schwieriger und offenbar vor Anfang 
des Tunnelbaues zur Lösung noch nicht reif. 

Zum Schlüsse dieses Kapitels sei noch hier die 
Reihenfolge der Schichten aufgezählt, welche am Aufbau 
des Simplonmassivs beteiligt sind, wie sie nach der 
neueren Auffassung aufeinderfolgen. Es war dies bei 
der gedrängten Form einer historischen Darstellung nicht 
möglich: 

Glanzschiefer-Formation (= Bündnerschiefer, Schistes- 
lustres), graue Tonschiefer, Kalkschiefer mit körnigen 
Kalkbänken, Granatphyllite hie und da Grünschiefer, viel 
Quarz- und Calci tadern. Jura-Lias. 

Anhydrit (Gips an der Oberfläche) und Dolomit, 
feinkörnig grau bis kristallin weiss, oft Marmor mit 
grauen Schiefern, Quarzi ten und gneissartigen Arkosen. 
Trias. 

Sogenannte kristalline Schiefer, Glimmerschiefer, 
Granatglimmerschiefer (nach Gerlach Casannaschief erartig ) 
mit Amphiboliten, Amphibolschiefer und Amphibol- 
glimmerschiefer, Chloritschiefer. Bis jetzt als älter als 



— 186 — 

Trias, als Palaeozoisch aufgefasst, sind aber gewiss zum. 
Teil metamorphe Trias- und Jurasedimente. 

Schieferiger Monte-Lconc-Gneiss und körniger dick- 
bankiger Antigoriogneiss. Archäisch (Urgneiss). 

II. Die Wasserzuflüsse im Tunnel. 

Eine so verwickelte Gebirgsstruktur mit so ver- 
schieden beschaffenen (Testeinsarten muss natürlich in 
l^drologischer Beziehung sehr mannigfaltige Ergebnisse 
scharfen, wenn man bedenkt, class auf 20 km Länge das 
Gebirge zum Teil über 2200 m unter der Oberfläche 
mit einem Doppelstollen durchfahren wird. Hier kann 
nur eine kurze Uebersicht über das Beobachtete gebracht 
werden. In Stollen I, als Rieht- und Vorortstollen dienend, 
deshalb meist 100 — 150 m weiter vorwärts als der 
Parallelstollcn genannte Stollen II, sind auf der Briger- 
seite, bis zum km 10,379, 142 verschiedene Wasser- 
zuflüsse beobachtet worden, die vielen feuchten oder nur 
träufelnden Stellen und Strecken abgerechnet. Der Paral- 
lelstollen (II) hat nur 90 Zuflüsse aufgeschlossen bis 
km 10,130; dieselben sind meist auf Kosten der schon 
im Stollen I erschlossenen Wasser entstanden. Eine 
genaue Kontrolle konnte indessen über dieses Verhältnis 
wegen der Schwierigkeit, genaue Messungen zu veran- 
stalten, nicht geführt werden. Auf der Südseite sind 
bis zum km 8780 im Stollen I nur 86 Zuflüsse beobachtet 
worden, in Stollen II bis km 8500 nur 56. Auf dieser 
Angriffsstrecke haben sich hingegen die gewaltigsten 
Wassereinbrüehe eingestellt. 

Von allen Quellen wurde meist durch Abschätzung 
der anfängliche und spätere Ertrag bestimmt, da genaue 
.Messungen nur ausnahmsweise möglich waren. Die 
Temperatur wurde desgleichen zu wiederholten malen 



— 187 — 

gemessen. Die chemische Beschaffenheit des Wassers 
wurde durch die bequeme und rasche, allerdings nur 
annähernd genaue hydrotimetrische Methode untersucht. 
Von den bedeutenderen oder durch ihre Eigenschaften 
interessantren Quellen wurden einige genauere Analysen 
im chemischen Laboratorium der Station viticole in 
Lausanne unter Leitung von Professor Chuard ausgeführt. 

Die meisten grösseren Wasserzuflüsse stehen mit 
Spalten und Verwerfungen im Zusammenhang. Schichten- 
quellen, auf dem Kontakt zweier verschieden durchlässigen 
Schichten ausfliessend, waren allerdings die häufigsten, 
aber auch die schwächsten. Es ergiebt sich hieraus, das s 
der Wasserkreislauf durch die Tiefen der Erdkruste mit 
der Zerklüftung der Felsarten in engstem Zusammen- 
hang steht. Die grössten Zuflüsse entsprangen immer 
aus löslichem Gestein, wie Kalk, Dolomit, Grips oder 
Anhydrit. Indessen sind dem zerklüfteten Antigorio- 
gneiss auch sehr starke Quellen entsprungen. 

Die Temperaturen der unterirdischen Wasserzuflüsse 
stehen in enger Beziehung zu der Eelstemperatur. 
Schwache Quellläufe waren meist schon bei ihrer Er- 
bohrung etwas abgekühlt, wie der Fels selber, welcher 
am Vorort durch die starke Ventilation mit kalter Luft 
und hauptsächlich durch das in den Bohrlöchern zirku- 
lierende kalte Wasser bedeutend abgekühlt w^ar. Später 
trat noch viel stärkere Abkühlung ein. Quellen mit 
etwa 10 — 15 ML.*) und schnellem Abfluss durch eine 
einzige Oeffnung ergaben meist dieselbe Temperatur wie 
der Eels oder eine etwas niedrigere. Einige in der Zone 
der kalten Quellen auf der Südseite einfliessende Quellen 
bilden allein eine Ausnahme, indem sie 5 — 6° wärmer 



*J ML. = Minutenliter. SL. = Sekundenliter. 



— iss _ 

l als der Fels, d. h. sie haben die Temperatur, welche 
der hier anormal abgekühlt Fels ben sollte. Sonst 

: keine eigentlichen Ti her mai quellen angetroffen worden. 

- hat seinen Grund darin, dass der Tunnel die tiefere 
Z a les _ - durchschneidet, wo sieh die von oben 

eindringenden Wasser erwärmen, also den Fels abkühlen 
una sc sein müssen als d: n. In einem 

höh . _ d Niveau, wo die aus der Tiefe auf- 
st igenden W - -ich wieder abkühlen, also den Fels 
erwärmen, hätten allerdings Thermalquellen auftreten 
können. Merkwürdig ist. dass im ganzen Simplongebirge 
an berfläche keine Thermalquellen bekannt sind. 

Es ist somit anzunehmen, dass sich die Temperatur- 
erhöhung der tief einsickernden Wasser beim Aufstieg 
zur Oberfläche fast vollständig ausgleicht. Wo Was 
in den tiefen, warmen .-teilen zirkuliert, kühlt 

selbe also den Fels ab. Diese Annahme wird durch 
die Beobachtung bestärkt, dass die höchste F-îstemperatur 
sich nicht etwa unter der Stelle der höchsten Ueberlage- 
rung einstellte, sondern beinahe einen Kilometer vorher, 
unterhalb einer wenig steilen Abdachung, wo der F te 
Monte-L - iss)auss rördentlich trocken war. Sobald 
W'asSeizuflüsse eintraten, und dies war gerade unter dem 
Kulminationspunkt der Fall, da sank die F<rlstemperatur 
stetig. Unregelmässigkeiten der unterirdischen Wärm e- 
zunahme im Grebirgsinnern, soweit sie die Oberflächen- 
gestalt nicht erklärt, waren immer mit Wasserzudrang 
verbunden. Das Quellgebiet auf der Südseite zwischen 
km 3.800 und 4.420 ist in dieser Hinsicht äusserst demon- 
strativ. Wir werden noch besonders hierauf zurück- 
kommen, 

iffenheü der verschiedenen Wass - 
zuflüss st hl in eng rknüpfung mit dem durch- 



— 189 — 

flössen en Fels und der in diesem zurückgelegten Strecke. 
Die Glanzschieferzone hat viel Sickerwasser und stärkere 
Quellen von 25 — 35 Härtegraden*) geliefert und zwar meist 
gipshaltige Quellen mit ziemlichem Eisengehalt. In den 
Tonschiefern sinkt der Härtegrad auf 4 — 5 °. Li der 
Nahe und in den Triasschichten (Grips und Anhydrit) 
steigt die Härte auf 150 ° und mehr. Solche sehr gyps- 
haltige Wasser enthalten oft auch Alkali sulfate und Eisen- 
oxydulkarhonat. Kleist ist der Kalkgehalt geringer als 
bei gipsfreien, gewöhnlichen kalkführenden Quellwassern, 
wie sie Kalkgebirge liefern. Hagnesiasalze sind wenig 
vertreten. Die Zone der kristallinen Schiefer und des 
Monte-Leone-Gneiss war nur schwach wasserführend, 
besonders in der ersten Partie zwischen km 6 und 8, 
wo die höchste Temperatur erreicht wurde. Hier wurden 
auch schwache Quellen mit fast vollständig kalk- und 
magnesi afrei em Wasser erbohrt; der Härtegrad ist 0,5; 
hingegen sind 0,5 Gramm Alkalikarbonat und -Sulfat vor- 
handen. Bei Annäherung an die unter den G-neissen hervor- 
tretenden Trias- und Juragesteine steigt der Härtegrad 
sowohl, als der Gehalt an Alkalisalzen und Eisenkarbonat 
wieder bedeutend, uni dann mit neuem Eintritt in den 
Gneiss wieder zu sinken. In der zentralen Zone der Trias- 
und Juragesteine mit Kalk und kristallinen Kalkschiefern, 
in welch letzteren der Zusammenstoss des von Nord und 
Süd vordringenden Stollens stattfinden wird, sind aus- 
schliesslich äusserst gipshaltige Quellen mit starkem Eisen- 
gehalt aufgetreten. Sogar die sehr ergiebigen Quellen 
(150 Sekundenliter), welche die Nordseite zur Einstellung 
der Yortriebstollen zwang, zeigten anfänglich über 100 
Härtegrade, einige sogar 150 — 170°. Später sank hingegen 

*) Hier sind französiche Härtegrade gemeint. 1 Grad = 0,01 Gr. 
CaCOs; 0,014 CaS0 4 ; 0,088 X 9 COs etc. per Liter. ' 



— 190 — 

der Gipsgehalt auf 60 — 70 Härtegrade. Der starke Gips- 
gehalt dieser Quellen kann nur durch die Zersetzung des in 
diesen Schiefern sehr verbreiteten Pyrits erklärt werden. 
Derselbe erzeugt schwefelsaures Eisenoxydul, welches mit 
dem den Kalkschiefern entnommenen Kalkkarbonat schwe- 
felsauren Kalk und doppelt kohlensaures Eisenoxydul 
bildet. Damit erklärt sich auch der starke Eisengehalt 
aller dieser Gipswasser. Desgleichen bilden sich aus kohlen- 
sauren Alkalisalzen, durch Zersetzung des Feldspates 
entstanden, mit schwefelsaurem Eisenoxydul schwefel- 
saure Alkalien und Eisenkarbonat. Dieser Prozess der 
Gipsbildung aus doppelter Umsetzung von schwefelsaurem 
Eisenoxydul und Kalkkarbonat erklärt zugleich den 
schwachen Gehalt an letzterer Verbindung, weil diese 
ja eben zu Gips umgesetzt wird. 

Die meisten der Quellen, mit Ausnahme der kalten 
Quellen der Südseite und einiger der warmen Quellen 
der zentralen Zone, welche aus dem Kalk austreten, 
hatten anfänglich einen viel stärkeren Erguss und sind 
nach und nach zurückgegangen. Einige sind sogar nach 
gewaltigem Austreten fast ganz verschwunden. Die Mehr- 
zahl hingegen haben nach etlicher Zeit einen fast kon- 
stanten Ertrag angenommen. Bei vielen hat zugleich 
die Temperatur bedeutend abgenommen, was nur zum 
Teil der Abkühlung des Felsens zuzuschreiben ist; zu- 
gleich ist dann der Härtegrad auch gesunken (warme 
Quellen der zentralen Zone). Die Erklärung ergiebt sich 
aus dem Umstand, dass bei der Anbohrung die sehr Ab- 
zweigten Spalten bis an die ursprünglichen oberirdischen 
Quellen voll Wasser standen ; daher auch der grosse Druck. 
Das Wasser zirkulierte nur langsam durch die Tiefe des 
Gebirges und konnte sich in Genüge erwärmen und mit 
Mineralsubstaiizen sättigen. Nachher sank der Wasser- 



— 191 - 

Spiegel und der Zufluss konzentrierte sich auf einen ein- 
zelnen, roll niessenden Lauf, wodurch das Wasser der 
Möglichkeit, sich zu erwärmen imd Mineralsubstanzen auf- 
zunehmen, entrückt wurde. Die Druckabnahrue bei diesem 
Vorgang erklärt auch die Yolumenveränderung. Die 
Grösse der Spalten, ihre klaffenden Oeffnungen und die 
Korrosionsformeu an deren Wandungen, welche oftmals 
mit schönen Calcitkristallen bedeckt waren, sind Beweise, 
dass das Wasser schon vor der AnboJirung in diesen tiefen 
Räumen zirkulierte, d. h. von oben hinunterfloss und dann 
nach Erwärmung nach der Oberfläche einem oberirdischen 
Quell zufloss. Da der Aufstieg kaum schneller als das 
Heruntersickern stattfand zum Teil in ganz nahe ge- 
legenen Spalten, so konnte ganz gut ein so vollständiger 
Temperaturausgleich stattfinden, dass die oberflächliche 
Quelle tatsächlich des thermalen Charakters vollständig 
entbehrte, denn, wie gesagt, sind im ganzen Gebiet 
nirgends Thermalquellen bekannt gewesen. Xach Ab- 
zapfung eines solchen Quellenreservoirs d. h. Spalten- 
systems, entleerte sich der gesammte Wasservorrat; der 
ganze Kreislauf wurde gestört, bis dass sich zwischen eleu 
von oben kommenden Zuflüssen und dem nun unterirdischen 
Abfluss wieder ein stabiles Verhältnis einstellte. In dieser 
Beziehung sind die grossen Wassereinbrüche, auf welche 
der Südangriff stiess, von bedeutendem Literesse. Die 
Untersuchung ihres Auftretens, die Veränderungen, welche 
an ihnen seither stattfanden und die Bestimmung ihrer 
Herkunft haben uns einen tiefen Einblick gestattet in 
ein bis jetzt noch sehr dunkel gebliebenes Feld. Des- 
halb seien hier die gemachten Beobachtungen kurz ge- 
schildert. 



— 192 - 

Die grossen Wassereinbrüche bei km 3800 — 4421 
des Südangrifls. 

Diese dem Kalk and der nächstgelegenen Zone des 
zerklüfteten Antigoriogneiss entspringenden unterirdischen 
Wassermengen traten gar nicht unerwartet auf. indem 
auf der Uehergang8zone von Antigoriogneiss und Kalk 
Wasserzuflüsse vorausgesehen waren. Unerwartet war 
aber, dass der Gesteinswechsel schon beim km 4.325 — o ( .> 
stattfand, statt erst zwischen km 5.500 bis 6.000. Dieser 
Umstand kommt daher, dass die Umbiegung des Kalkes 
um die Antigoriogneisszunge nicht unter dem Xiv 
des Tunnels, wie angenommen, sondern über demselben 
stattfindet und zwar in Folge einer merkwürdigen ^ 
biegung, welche unmöglich vorausgesehen werden konnte. 
so da^s der Tunnel den Kalk nicht über dem Gneiss mit 
Xordfallen. sondern unter demselben mit Südfallen antraf. 
(Vergleiche Figur 9 und 6.) Das Resultat musste aber 
dasselbe sein : Wasserzuflüssn.. 

Xachdem der Tunnel während mehr als 3600 m 
fast keine Infiltrationen traf und nur ganz trockenen, 
zwar oft sehr zerklüfteten Antigoriogneiss, traten von 
km 3.830 an beständig* mehr oder weniger starke Wasser- 
zuflüsse ein: zugleich sank die Felsternperatur mit dem 
Fortschritt in abnormaler Weise, statt gleich zu bleib, n 
oder auch nur wenig zu sinken, wie die nur flache Ein- 
senkung von Valle es vermuten liess. So stiess man 
beim km 4.325 auf den Kalk und mit diesem auf immer 
Wassermengen, welche besonders beim km 4.400 
ihren Höhepunkt erreichten, mit einem Vollergusa von 
1150 SL. Es wurden in beiden Stollen je 35 Quell- 
flüsse beobachtet, der Haupterguss dringt jedoch auf kaum 
70 m Länge im Stollen II, zwischen den Punkten 4.550 
und 4421 .in, nachdem doch der Stollen I zuerst die 



— 193 — 

wasserführenden Spalten angefahren hatte. Von diesen 
Quellen fällt die geringste Zahl, aber mit der Haupt- 
wassermenge, auf die- letzten 100 m im Kalk. Um die 
voraussichtlichen Veränderungen festzustellen, wurden 30 
der wichtigsten und charakteristischsten ausgewählt und 
allmonatlich auf Gripsgehalt und Temperatur geprüft und, 
so gut es ging, deren Erguss gemessen oder geschätzt. 
Der Gesamtertrag wurde ebenfalls allmonatlich im Abzugs- 
kanal durch genaue Messungen bestimmt. Diese Untersuch- 
ungen ergaben vorerst folgende Klassifikation der Quellen : 

I. Warme Quellen. Sehr gips- und eisenhaltig, 5 
bis 7 ° wärmer als die jetzige Felstemperatur. Seit der 
Anbohrung sind diese Quellen um 2 — 3 ° wärmer ge- 
worden; der Ertrag der stärksten hat bedeutend abge- 
nommen (um " 2 / 3 ) lmc ^ der ursprüngliche Härtegrad hat 
sich verdoppelt. Sie sind lokalisiert in dem Antigorio- 
gneiss ganz am Anfang des Quellengebietes und auf den 
Stollen II (westliche Grebirgsseite). 

II. Isotherme Quellen. Zum Teil gar wenig oder 
nur mittelmässig gips- und eisenhaltig; die Temperatur 
ist der des Felsens ziemlich gleich. Schwacher Ertrag 
(höchstens 20 SL. alle zusammen). Die meisten haben 
seit der Anbohrung bedeutend abgenommen. Anfänglich 
waren alle gipshaltig. Sie entspringen ausschliesslich dem 
Antigoriogneiss in beiden Stollen, aber häuptsächlich im 
Stollen I (östliche Grebirgsseite). 

III. Kalte Quellen. Sehr gipshaltig und wenig eisen- 
führend mit starkem Erguss . aus klaffenden Spalten, 
etwa das 15 — 20 fache aller anderen Quellen zusammen. 
Anfänglich hatten alle fast dieselbe Temperatur (18-^19°) 
und denselben Härtegrad (40 — 50°, welcher hierauf zu- 
nahm). Drei Hauptgruppen sind zu unterscheiden be- 
züglich ihres Verhaltens (siehe Figur 11): 

13 



— 194 — 

A. Quellen mit beständig- tieferer Temperatur als der 
Fels (9,5 — 12°); Erguss fast gleich: Temperatur 
fast unveränderlich. Härtegrad mit der Jahreszeit 
wechselnd. 

B. Quellen, denn Temperatur, Härtegrad und Yolumen 
mit der Jahreszeit wechseln, sie sind im Sommer 
stärker, kälter und gipsärmer als im Winter. 

C. Durch Mischung obiger total verschiedenen Quellen- 
läufe, welche in nächster Nähe von einander aus- 
treten können, entsteht eine dritte Gruppe, welche 
die Mehrzahl der grossen Quellen umfasst und deren 
Eigenschaften ein Mittelding zwischen A und B 
darstellen. 

Die Quelläufe von B sind die stärksten und scheinen 
von Nordwest zu kommen, während die Quellen A haupt- 
sächlich auf der Ostseite heider Stollen oder gar von 
unten nach oben auf der Sohle aufstossen. 

Der Anfang der wasserführenden Zone fand im Anti- 
goriogneiss statt, mit dem Auftreten einer Glimnier- 
schiefereinlagerung, welche von Süd nach Nord aufsteigend 
die Umbiegung des Antigoriogneisses und das baldige 
Auftreten des Kalkes vorandeutete. Die grossen Wasser- 
zuflüsse im Kalk stellten sich vor einer mit zer- 
riebenem Kalk und Glimmerschiefer gefüllten fast senk- 
recht stehenden Yerwerfungsspalte ein. Mit dem Auf- 
treten dieser druckhaften, fast 40 m mächtigen Eeibungs- 
zone hörte auch der Wasserzudrang auf. Zwischen 
diesei- Spalte und der Glimmerschieferzone im Antigorio- 
gneiss, welche sich an der Oberfläche zwischen Chiusure 
und Agro vorfindet, stand also das unterirdische Wasser 
unter anfänglich ausserordentlichem Druck, als ein Bohr- 
loch im Stollen I, am 30. September 1901, beim km 4.400 
die erste stark wasserführende Spalte anzapfte. 



— 195 — 

Ausser den beiden parallelen Vortriebstollen wurden 
in der wasserführenden Zone noch fünf Querschläge an- 
gelegt, von welchen zwei im Kalk noch weitere Wasser- 
zuflüsse anbohrten. Der Querschlag XXI A schuf eine 
ungeheure, etwa 200 SL. ertragende kalte Quelle. Die- 
selbe wurde später gefasst und ergab bei vollständigem 
Abschluss 7 Atmosphären Druck, während die anderen 
grossen Quellen zunahmen, zum Beweis der gegenseitigen 
Verbindung der wasserführenden Spalten. Der Quer- 
schlag XXI B verfolgte die Spalte, aus welcher der 
stärkste Wasserstrahl durch ein Bohrloch entströmte. Am 
merkwürdigsten sind die Ergebnisse des Querschlags XIX. 
Derselbe wurde ganz am Anfang der wasserführenden 
Zone (km 3.860) getrieben, wo kurz vorher beim Kilo- 
meter 3.891 der Vorortstollen I eine grosse aus einer 
Verwerfungsspalte von der Decke herunterstürzende 
Quelle erbohrt hatte (anfänglicher Ertrag 10,000 ML.). 
Dieser Querschlag XIX durchschnitt dieselbe Verwerfung 
in sehr schiefer Richtung, etwas rückwärts von dieser 
Quelle. Dadurch wurden zwei neue Quellen erschlossen. 
Eine kältere und weniger gipshaltige als Xr. 11, die 
Quelle 8 und eine wärmere und mehr mit Grips gesättigte, 
die Quelle 9. Infolgedessen nahm die Quelle 11 zu- 
sehends ab. Sie ist heute auf wenige Minutenliter redu- 
ziert, nicht Vi oo von ihrem früheren Erguss. Diese Er- 
scheinung hat eine wichtige Bedeutung. Alle drei Quellen 
entstammen derselben Spalte. Die zuerst angefahrene 
Quelle 11 fiel als gewaltiger Sturz von der Decke am 
rechten Stoss. Quelle 8 fällt ebenfalls von der Decke, 
während 9 von unten nach oben am Kontakt von Gneiss 
und Glimmerschiefer aufstösst. 

Das Wasser der drei Quellen floss vor dem Durch- 
stich des Querschlags XIX als Quelle 11 aus. Da sich 



— 196 — 

nun diese Wassernienge nachträglich, als von zwei ganz 
verschiedenen Seiten herkommend und verschieden be- 
schauen herausstellt, so ist anzunehmen, dass vor der 
durch Querschlag XIX bewerkstelligten Trennung, die 
beiden Läufe trotz ihrer Verschiedenheit kommunizieren 
konnten. Dieselbe Spalte diente also zugleich, natürlich 
an verschiedenen Stellen, sowohl für absteigende als für 
auf steig ende. Wasseradern, welche wiederum in Querver- 
bindung stehen mussten. Daraus erfolgt, dass aus ver- 
schieden beschaffenen unterirdischen Wassern nicht ge- 
schlossen werden darf, dass sie in gegenseitig ganz ab- 
geschlossenen Kanälen fliessen müssen. Die aus dem 
Antigoriogneiss entspringenden isothermen Quellen sind 
auch abwechslungsweise sehr gipshaltig oder fast gips- 
frei und abwechselnd wärmer oder kälter: zwischen 
hinein findet sich wieder hie und da eine warme Eisen- 
gipsquelle. Diese Quellen waren alle anfangs gleich gips- 
haltig und gleich temperiert: erst nachträglich fand die 
Differenziation bezüglich Gipsgehalt statt, während alle 
etwas kälter wurden, zugleich mit dem Fels selber. Die 
seither ganz verschieden gewordenen Wasser müssen also 
ursprünglich unter einem ausgleichenden Einfluss ge- 
standen haben, welcher nur der Druck des bis oben in 
den Spalten gestauten Wassers der grossen Quellen war, 
wodurch letzteres in den zerklüfteten Antigoriogneiss 
auf mehr als 600 m ausstrahlen konnte. Als die grossen 
Quellen angezapft wurden, fiel der ausgleichende Ein- 
fluss weg und die Quellen differenzierten sich und nahmen 
demg - an Volumen ab: viele versiegten sogar voll- 

ständig. Ebenso sicher ist, dass die grossen, im Kalk aus- 
tastenden Quellen unter sich durch Längs- und Quer- 
spalten in Verbindung stehen und sich gegenseitig in- 
fluenzieren; die beiden reinen Typen A und B sind die 



— 197 — 

Minderheit. Dass trotz der zahlreichen Verbindungen 
zwischen solchen Kanälen, doch ganz verschieden be- 
schaffene und temperierte Wasserläufe bestehen können, 
ist gewiss viel weniger befremdend, als das Vorhanden- 
sein auf- und absteigender, verschieden warmer Strö- 
mungen in Seen und im Ozean. 

Die grossen Wassereinbrüche zwischen km 4.353 
und 4.421 hatten ursprünglich, wie der Fels selber, un- 
gefähr 18 — 19°. Granz genau konnte die Temperatur 
nicht ermittelt werden. Seither ist der Fels in der Nähe 
der Quellen selber auf 15° gesunken. Die kälteste der 
Quellen (Grupp e XII A) auf 9,5°; die wärmsten (Gruppe 
III B) erreichen am Ende des Winters 18°, also nahezu 
den ursprünglichen Wärmegrad; bei der Schneeschmelze 
sinken sie auf 13°. Die Temperatuiveränderungen stellen 
sich zugleich mit dem Wechsel des Gripsgehaltes und 
des Volumens ein. Seit Erbohrung dieser Quellen im 
Tunnel hat sich jeweilen von Mai bis Juli eine Periode 
der Zunahme bis 1200 SL. im Maximum des Gesamt- 
ertrages ergeben, während von August bis April eine 
Periode allmähliger Abnahme statthat, bis etwa 650 
bis 700 SL. Während des Anwachsens der Quellen 
•im Sommer nimmt der Giptsg ehalt ab und die Tempe- 
ratur sinkt; während der Abnahme des Volumens vom 
August an bis Frühjahr ist es umgekehrt; der Grips- 
gehalt besonders steigt fast aufs Doppelte, sogar bei 
den vom Temperaturwechsel wenig betroffenen Quellen. 
Die jeweiligen atmosphärischen Niederschläge haben 
keinen Teil an diesen Veränderungen. Dieselben bilden 
eine einzige, jährlich nur einmal auf- und absteigende 
Kurve, was doch sonst bei den meisten Quellen, bei den 
sogen. Vaucluse-Quellen (Kalkquellen), besonders ganz 
anders sich zu verhalten pflegt. Diese können in 24 



— 198 — 

Stunden in Folge eines Gewitters aufs 100 fache an- 
schwellen. Dieser Sachverhalt verlangt aufgeklärt zu 
werden. Diese kalten Quellen entspringen an einer Stelle 
des Grebirgsinnern, wo die Felstemperatur etwa 35 — 37 ° 

sein sollte. Ihre niedrige Temperatur kann nur durch 
sehr schnelles Zufliessen aus oberen kalten Teilen des 
Gebirges erklärt werden. Anfänglich nahm ich die ^Mög- 
lichkeit, ja die "Wahrscheinlichkeit an, dass sich bald eine 
definitive Abnahme einstellen würde nach Entleerung des 
weitverzweigten Spaltensystems. Doch das damals an- 
genommene Einzugsgebiet war zu gering. Spätere Aut- 
nahmen und die bei Alpien und Xembro versiegten oder 
reduzierten Quellen haben gezeigt, dass sich dieses Gebiet, 
dem Ausgehenden der Kalkzone an der Oberfläche ent- 
lang, bis 7*/2 km westwärts und 4 — 5 km ostwärts vom 
Tunnel erstreckt und zum mindesten 12 Quadratkilometer 
Oberfläche hat. Der vom Boden aufgenommene Teil der 
jährlichen Xiederscklagsmenge entspricht einem mittleren 
Abfluss von 600 SL., das Uebrigé mögen unbekannte 
Quellen liefern und. was recht nahe liegen musste, unter- 
irdische Abflüsse des Cairascabaches. Dieser durchquert 
etwa 2 I /2 bis 3 km ostwärts vom Tunnel, 700 — 100 m 
über denselben, an zwei Stellen das vom Tunnel an-« 
geschnittene Kalklager. (Siehe Figur 12 und 13.; Einmal 
bei Nembro (1300 m), wo eine Quellgruppe schon im 
November 1891 versiegte, und dann bei Gebbo (1100 m), 
woselbst zwei mächtige Quellgruppen mit einem sicht- 
baren Ertrag von 200 SL. und einem wahrscheinlichen 
Ertrag von 400 SL. entspringen. Der Voraussicht nach 
hätten diese Quellen auch versiegen sollen: dies fand 
aber bis jetzt nicht statt. Obschon. diesem Umstände nach 
zu urteilen, ein grosser Wasserentzug von der Cairasca 
kaum zu erwarten war. musste durch Färbungsversuche 



— 199 — 

mit 14—25 kg Fluorescëin Gewissheit geschaffen werden. 
Drei Versuche wurden gemacht. 

Der erste Versuch mit 14 kg Farbstoff zeigte, dass 
bei mittlerem Wasserstand des Baches eine geringe Menge 
desselben (etwa 1 /éo, ungefähr 36 SL.) dem Tunnel zufloss. 
Die Färbung wurde nach 11 — 14 Tagen dort sichtbar; 
bei der kalten Quelle 34 früher als bei den wärmeren. 
Bei ganz geringem Wasserstand ergaben 25 kg Fluores- 
cëin, nicht die geringste Reaktion, auch nicht, mit dem 
empfindlichsten Fluorescop beobachtet. Ein dritter Ver- 
such, auch mit 25 kg, ergab hingegen wieder das über- 
raschende Resultat, dass bei Hochwasser nach kaum 
40 Stunden die Färbung bei allen Quellen der ganzen 
wasserführenden Zone (die warmen Quellen ausgenommen) 
sichtbar wurde und nachher noch zu wiederholten Malen 
bis zum 12. und 14. Tage nach der Versenkung der 
Farbe wieder erschien. Das letzte Erscheinen der Färbung 
fand also am gleichen Zeitpunkt statt, wie die nur ein- 
mal beobachtete beim ersten Experiment. Sie erschien 
hingegen viel früher. Eine bedeutsame Beobachtung ist 
ausserdem noch die Tatsache, dass jedesmal die Quellen 
von Gebbo mitreagierten. Es ist somit der Beweis ge- 
schaffen, dass einerseits eine Verbindung zwischen dem 
Cairascabach und den dem Tunnel zuniessenden Wassern 
besteht und andererseits zwischen jenem Bach und den 
Quellen von Grebbo, möglicherweise auch zwischen letz- 
teren und den Quellen des Tunnels ; letzteres in dem 
Sinne, dass derselbe Quellstrom, welcher von der Cairasca 
gespiesen wird, zum Teil jene Quellen bildet und zum 
Teil in den Tunnel überfiiesst. Bei Niederwasserstand 
fände letzteres nicht statt, wodurch das negative Resultat 
des 2. Versuchs erklärt würde. Oder man müsste an- 
nehmen, dass bei Niederwasser die Cairasca in einem 



'200 



ganz wasserdichten Bett fliesst. während bei Hoch- und 
Mittelwasser ihr Wasser über absorbierenden Boden fliesst. 
was zwar möglich, aber viel schwerer begreiflich ist. 

Der dritte Versuch hat ganz besondere Wichtigkeit. 
indem er zeigt, dass alle die nunmehr ganz verschiedenen 
Quellen des Tunnels auch jetzt noch unter dem Einfluss 
der kalten Zuflüsse stehen, ob gipshaltig oder nicht. Da- 
durch wird auch bewiesen, dass alle diese Quelläufe mit 
einander in Verbindung stehen, so verschieden und so weit 
sie auch von einander entfernt sein mögen. Er zeigt 
ferner, dass vor der Anbohrung des Quellnetzes alle 
Spalten, Risse und Höhlen sowohl im Kalk als im Gneiss 
bis an die Oberfläche mit Wasser angefüllt gewesen sein 
müssen, wenigstens bis zu den tiefsten der versiegten Quellen 
bei Xenibro (1300 m), also etwa 650 m über dem Tunnel; 
daher der gewaltige Druck, obwohl derselbe durch die 
Reibung bedeutend vermindert sein musste. Beidseitig 
von der Ausflussteile der Quelle von Xembro dehnt sich 
das Einzugsgebiet aus, besonders gegen Westen . avo 
Quellen bei Alpien und bei der alten Kaserne versiegten 
oder sich verminderten. Von dieser Richtung her musste 
also ein Abfluss gegen die versiegten Hauptquellen von 
Xembru stattlinden. Der gewöhnlichen Vorstellung gemäss 
sollte aber diese durch Gravitation verursachte Strömung 
weit über dem Tunnel wegfliessen, das war auch der 
Fall. Aber ausser dem oberflächlichen, der Schwere fol- 
genden Lauf, gehorchen unterirdische Wasser einem 
weitem Einflüsse, nämlich der Erosionstätigkeit durch 
Auflösung der Gesteine, welche es dem Wasser erlaubt, 
sich immer tiefer ins Gebirge einzugraben durch Er- 
weiterung der Kapillarspalten, welche bald zu Wasser- 
Läufen sich erweitern. 

In der Tat ist es als unumstössliche Tatsache an- 



— 201 — 

zunehmen, class in der Nähe des wasserführenden Teils 
des Gebirges zwischen km 3 und 6 des Südangriffs die 
Temperatur, schon vor Anbohrimg der Quellen eine 
anormal niedrige war, beim km 4.400 das Minimum 
von 19°, später 15 erreichend, wo doch normaler Weise 
35 — 37° Wärme hätte herrschen sollen. Diese Abkühlung 
kann nur durch die Wasserzirkulation erzeugt worden 
sein. Lange, ja wohl seit Jahrtausenden zirkulierte hier 
das Wasser, von der Oberfläche absteigend, dann wieder 
aufsteigend, unterhalb des obern Quellauf es d. h. sich von 
diesem abzweigend und absteigend, um nachher von unten 
herauf wieder in denselben zurückzufli essen. Die beile- 
gende Kraft dazu wird von der Erdwärme geliefert. Das 
einsickernde Wasser erwärmt sich beim Absinken'; es 
löst Mineralsubstanzen auf und steigt dann, dank der 
Warme wieder auf, sich nach und nach wieder abkühlend. 
Die so verbrauchte Wärme hat eben das Wärmedefizit 
in dem Quellgebiet verursacht. Gewiss sind die so ein- 
gesenkten Wasserläufe noch tiefer als das Niveau des 
Tunnels eingedrungen, das beweisen die warmen Quellen 
der Gruppe A, welche zum mindesten von 200 m unter- 
halb des Tunnels aufsteigen müssen. — Diese Erscheinung, 
welche durch die weit geöffneten und korrodierten Spalten, 
die sandigen und lehmigen Lösungsrückstände, welche 
massenhaft mit dem Wasser in den Tunnel geschleppt 
werden, erwiesen ist, ist uns aufs klarste durch diese 
Quellen-Erbohrung im Simplontunnel demonstriert worden. 
Sie erklärt uns, warum grosse Quellen aus der Tiefe 
aufsteigen können, während doch ihr Ueberlauf nie tiefer 
gewesen sein kann: Das Wasser selber hat sich in die 
Tiefe eingegraben, durch Auflösung der Minerals üb stanz 
längs der vorhandenen Kapillarspalten und -Risse, und 
daraus erfolgte thermische Zirkulation. Der Mechanismus 



— 202 — 

ganz mit dem eines Thermosyphon zu vergleichen, 

mit dem Unterschied, dass sich das Wasser am oberen 

Quellaul erneut, denn sonst würde mit der Sättigung 

ä Lösungsmittels die unterirdische Erosion von selbst 

aufhören. So aber ist livre Tätigkeit rast unbegrenzt — sie 
hört nur mit dem Fehlen von Spalten, mit dem löslichen 
oder zu hoher Temperatur auf. 

Es wurde schon bemerkt, dass die warmen Quellen 
sich seit ihrer Anbohrimg erwärmt und vermindert haben, 
während ihr Gripsgehalt zugenommen hat. Diese Er- 
iinung hat denselben Grund wie die periodische Er- 
wärmung und Gipsgehaltzunahme der kalten Quellen im 
Winter: Langsamere Zirkulation, hier erzeugt durch 
Abzug der kalten Quellen und Druckabnahme. Anderer- 
seits sind die kalten Quellen, wenigstens die der Gruppe 
DU A, bedeutend kälter geworden, was auf sehr schnellen 
Zufluss, wahrscheinlich in vollfliessenden Spalten, d. h. 
unter Druck, zurückzuführen ist. Die Gruppe Dil B 
hingegen scheint ihr Wasser auf Umwegen zu erhalten. 
darauf beruht auch ihre Volumen- und Temperaturver- 
änderlichkeit, welche bei der andern Gruppe nicht statt- 
findet. Ausserdem ist das interessante Faktum hervor- 
zuheben, dass sich der Fels um die Eintrittstelle der 
kalten Quellen um 4 ° abgekühlt hat. In Eolge 
der Abkühlung der Quellen im allgemeinen, hat sich 
der Fels auch um etwas weniger in der ganzen Quellen- 
zone gekühlt, beim Kilometer 4.400 aber besonders inten- 

Die Erklärung liegt darin, dass gegen diesen Punkt 
die kälter gewordenen Hauptquelläufe nun zusammen- 
asen. Andere, entferntere, vorher durch die Wasser- 
zirkulation gekühlte Gebiete, haben sich in Folge Abzugs 
des Wassers hingeg« wärmen können. 

Zu erklären bleibt uns noch, warum diese grossen 



— 203 — 

Quellen nur eine jährliche Variationskurve aufweisen und 
nicht, den atmosphärischen Niederschlägen folgend, häufig 
zu- und abnehmen. Der zugleich eintretende Temperatur- 
wechsel und die Gripsgehaltschwankungen zeugen ebenfalls 
für die Annahme, dass es sich hier um eine nur einmal 
jährlich stattfindende Kühlung und Verdünnung des unter- 
irdischen Wassers handelt, durch einen einmaligen grossen 
Zufluss. Der immer noch bedeutende Druck an mehreren 
der Quellen zeigt, dass die Quelläufe nicht frei zum Tunnel 
abfliessen, sondern dass sie durch gestaute Wasser gespiesen 
werden, auf welche momentane Regengüsse wirkungslos 
sind. Da nun das Sainmelgebiet dieser Quellen zum 
grössten Teil über 2000 m Meereshöhe liegt, wo von 
Oktober an fast nur Schnee fällt und wo der Schnee 
vom Mai an schnell schmilzt und im Juli vollständig 
weg ist, so erklärt sich der Vorgang leicht. Bei der 
Schneeschmelze füllt die grosse Wassermenge die unter- 
irdischen Kanäle wieder, verdünnt das Wasser und kühlt 
dasselbe. Die Druckzunahme ist also die Ursache des 
stärkeren Abflusses. Ein Regenguss, selbst anhaltender 
Regen, ist nicht imstande eine genügende Druckzunahme 
zu erzeugen, um den Abfluss merklich zu vermehren. 
Bis jetzt hat sich also die unterirdisch gestaute Wasser- 
menge nie vollständig entleert; so viel ist sicher, dass das 
Mittel der Zuflüsse so stark ist, dass eine vollständige 
Entleerung noch nicht stattfinden konnte und vielleicht 
nie stattfinden wird. (Siehe Figur 11.) 

Eine wichtige Tatsache hat sich noch feststellen 
lassen, das ist die gewaltige unterirdische Erosion, welche 
durch die kalten Gipsquellen erzeugt wird. Der schwach 
vertretene Eisengehalt beweist, dass dieser Grips nicht 
auf Zersetzung von Pyrit zurückzuführen ist, wie der- 
jenige der warmen Gipsquellen. Hier handelt es sich um 



— 204 — 

Auslaugung von Gips- 'And Anhydrit-Lagern. Ein Erguss 
von etwa 1000 SL. im Mittel annehmend, mit etwa 1 g 
3 per Liter, ergiebt für die aus dem Tunnel aus- 
fliess nden Wasser ein jährliches Gripsquantum von mehr 
als 30,000 1 a 10,000 Kubikmete 

ä hwefelsaurer Kalk*, welcher dem Gehirg entnommen 
wird. Für die Quellen von Gebbo mit dem mutmass- 
lichen Ertrag von -400 SL beläuft sich das dem Gebirge 
t ipsquantum auf 12.000 Tonnen, also etwa 
4000 Kubikmeter. Rings um die Austrittstelle die 

ìllen, talauf und -abwärts, links und rechts sind die 
Talgehänge, aus Antigoriogneiss bestehend, abgesunken 
und tief zerrüttert. in ausgedehnte Trümmerfelder ver- 
handelt, infolge Einstürzen der im Laufe der Jahr- 
hunderte entstandenen unterirdischen Hohlräume. Heute 
ist die Erosion durch die Ableitung bedeutender Quell- 
läufe gegen den Tunnel zu. durch Gipslager hindurch, 
noch verstärkt : sie wird erst ihren Abschluss finden, w 
:e durch Auslaugung erschöpft sein werden. 

III. Die Felstemperatur. 

Bekanntlich erheben sich unter Gebirgen die _ - 
thermischen Flächen mehr oder weniger parallel der 

■flächen form en. indem sich aber dieselben je tic 
je mehr verflache ä lass in einer _ ~ von 

sem geoihermischen Relief nichts mehr bemerkbar ist. 
Dies»- Verflachung kommt zustande durch Zusammen- 
drängen der geothermischen Grade d. h. Verminderung 
:hen Tiefenstufe unter Tälern und Aus- 
ein; _ ter Bergspitzen. Statt einer 
th sehen Tiefenstufe von 32 m. wie sie unter 
Flachland ermittelt wurde, finden sich unter Tälern 



— 205 — 

Werte von 20 — 25 m und unter Bergrücken je nach deren 
Breite 40 — 70 in, ja sogar oft noch mehr. 

Derngemäss wurden am Simplontunnel bedeutende 
Temperaturerhöhungen im Innern des Gebirges erwartet. 
Theoretische Konstruktion konnte allein zu deren unge- 
fähren Yorausbestimmung führen, ausgehend von der 
mittleren Bodentemperatur verschiedener Stellen am Ober- 
nächenpronl, welche ebenfalls nur theoretisch nach dem — 
eben auch nicht ausnahmlosen G-esetz — der Temperatur- 
abnahme mit der Erhöhung bestimmt werden können. 
Mit Zuhilfenahme der möglichst annähernden Werte der 
geothermischen Tiefenstufe unter Bergrücken und Tälern, 
je nach der Torrn derselben, wird nun der Verlauf der 
Temperaturkurven im Innern des Gebirges ermittelt. 
Wie unsicher diese 3Iethode ist, liegt auf der Hand. 
Deshalb schwankten die Angaben der verschiedenen 
Ingenieure und Geologen, welche sich mit diesem Pro- 
blem befassten, sowohl in Bezug auf die höchste Tem- 
peratur, als auf die Stelle wo diese Temperatur eintreten 
sollte. So sagte schon Stapff, der Ingenieur-Geolog vom 
Gotthard, anno 1878, dass die vermutlich höchste Tempe- 
ratur im Innern des Simplon auf der Höhe von Brig 
47 ° C. sein werde und riet, den Tunnel 500 m höher 
anzulegen. Dieser Annahme widersprach Lommel, da- 
maliger Direktor der Simplon-Compagnie, mit der Be- 
hauptimg, dass auf gleicher Höhe im Simplon ungefähr 
dieselben Temperaturverhältnisse wie am Gotthard, also 
30 — 35° herrschen sollten. Xach E. Stockalper. früherem 
Oberingenieur am Xordportal des Gotthardtunnel, sollte 
der gebrochene Simplontunnel (Projekt 1882) bei einer 
Ueberhöhimg von 2050 m unter dem Furggenbaumgrat 
36° erreichen; das jetzige Projekt hätte unter denselben 
Annahmen etwa 2 Grade mehr, also 38°, ergeben. Zu 



— 206 — 

demselben Resultat gelangt Heim, indem er für den 
geradlinigen Tunnel (Projekt 1882) 38—39 ° angiebt. 
Ein 1895 durch das technische Personal der J.-S.-Bahn 
aufgestelltes Profil ergab ebenfalls 38 — 39 °. Hingegen 
gelangte im Jahr 1900 Herr Ingenieur de Coulon durch 
"Vergleich mit den Ergebnissen am Gotthard für das 
jetzige Simplonprojekt zur Annahme einer Maximal- 
temperatur von 43°. 

Die geothermische Aufgabe, welche während des 
Tunneldurchstichs verfolgt werden sollte, bestand in der 
Aufstellung eines so genau wie möglich den Tatsachen 
entsprechenden geothermischen Längenprofils des Tunnels 
(Querprofil der Gebirgskette). Dazu sollten folgende 
Grundlagen dienen: 

1. Fortlaufende Temperatur-Beobachtungen des Felsens 
im Tunnel alle 100 m auf dem ersten Kilometer 
von Nord und Süd, dann alle 200 m auf der Zwischen- 
strecke, so nahe wie möglich am Vorort. Die 
Thermometer wurden in 1 m 50 cm tiefen Bohr- 
löchern, auf dem östlichen Stoss des Stollen I auf- 
gestellt. Weitere Beobachtungen ergaben die nach- 
trägliche sehr schnelle Abkühlung des Eelsens. 

2. Beobachtungen der Bodentemperatur dem Oberflächen- 
profil entlang durch Ablesung von 1 m tief im 
Boden liegenden Thermometern, mindestens einmal 
monatlich, zur Bestimmung der mittleren Boden- 
temperatur. — Die leicht zugänglichen Thermometer 
wurden in kürzeren Zeiträumen beobachtet. Die 
Hochstationen, zwischen 1800 und 2700 m gelegen, 
welche im Winter unzugänglich sind, wurden mit 
Minima -Thermometer versehen und so die tiefste 
Wintertemperatur gefunden. Der Zeitpunkt dieses 



207 



Standes ist durch ein am Simplonhospiz bei 2000 
Meter aufgestelltes Thermometer gegeben, wodurch 
die Temperaturkurve konstruiert und die fehlenden 
Beobachtungen interpoliert werden können. Es wur- 
den so 14 Stationen aufgestellt, die im Simplon- 
hospiz nicht mitgerechnet. 

Aus diesen Beobachtungen ergab sich nun, dass die 
höchste Temperatur im Gebirgsinnern nicht unter dem 
höchsten Gebirgskamme, sondern nordwärts desselben, 
unter der Abdachung gegen das Gantertal zu, sich vor- 
findet. Das Ueberraschendste war weiterhin der Umstand, 
dass diese höchste Temperatur, nicht nur die von den Tech- 
nikern wie von den Geologen allgemein angenommene 
Temperatur von 38 — 43 ° überstieg, sondern sogar die 
allgemein als übertrieben qualifizierte Zahl StapfEs noch 
um voll 7 ° überholte. Dank der thermischen Beobach- 
tungen längs des oberflächlichen Profils, kann die teil- 
weise Erklärung dieser Anomalie gegeben werden. Aus 
den Ergebnissen derselben kann jetzt schon entnommen 
werden, dass auf der ÜSTordabdachung der Wasenhornkette, 
oberhalb des Gantertals, die Bodentemperatur bis 5 ° 
höher ist, als normalerweise angenommen werden konnte. 
Die geothermischen Kurven sind also hier um 200 — 250 
Meter gehoben. Dazu gesellt sich noch der Umstand, 
dass hier die Schichten fast parallel der Oberfläche ein- 
fallen. Quer zur Richtung der Schichten empfindet aber 
die Wärmeleitimg den grössten Widerstand, also muss 
hier die Abkühlung am schwächsten sein und die Erd- 
wärme kann um so näher an die Oberfläche treten. Weiter- 
hin war auf der ganzen Strecke unterhalb dieser Ab- 
dachung -der Fels ausserordentlich trocken. Durch letztere 
Eigenschaft wird nicht nur die Wärmeleitung noch mehr 
vermindert, sondern das Fehlen von Wasserzirkulation 



— 208 — 

lässt die Erdwärme in ihrer vollen Wirkung auftreten 
ohne jegiicheu Entzug derselben. Die Zusammen wirkung 
dieser drei Umstände: Höhere Oberfiächentemperatur, 
schlechte Wärmeleitimg quer zur Schichtung und Trocken- 
heit des Gebirges hat also die ausserordentlich hohe Tempe- 
ratur nördlich vom Wasenhorngrat erzeugt. Ob wohl 
das Wort „ausserordentlich" hier am Platze ist, ist wohl 
nicht entschieden. Denn durch die erwähnten Einflüsse 
könnte höchstens motiviert werden, dass unter vorwalten- 
den Umständen diese Temperatur nur die höchst mögliche 
ist, während am St. Gotthard bei fast durchweg senk- 
rechter Schichtenstellung und gleichmässiger Wasser- 
führung wohl die möglichst niedrigen Temperaturen 
beobachtet wurden. 

Eine weitere höchst interessante Tatsache ist mit 
dem Einfluss der unterirdischen Wasserzirkulation in 
unlängbarem Zusammenhang. Es ist dies die Herab- 
drückufig der Geoisothermen auf dem Yerlauf der gegen 
den Tunnel zuströmenden Wasseradern unterhalb des 
Tales von Valle. Das Zusammenfallen der Einsattelung 
der Isothermen mit dieser Talsenke ist rein zufällig. 
Nicht die Talein Senkung ist es, von welcher aus die 
Wasser zufliessen, sondern dieselben sind an die Kalk- 
schicht und den Yerlauf einiger Hauptspalten gebunden. 
Die Einsattelung der Temperaturkurven hätte ebenso 
gut unter einem Bergrücken stattfinden können. Die 
Figur 14 zeigt die provisorische Konstruktion des geo- 
thermischen Profils, soweit es die Beobachtungen am 
Ende Dezember 1903 erstellen Hessen. Die Beobachtungen 
dem Oberflächenprofil entlang sind seither vollständiger 
geworden und werden nach Abschluss des Baues ge- 
nauere Mittelzahlen ergeben. Der damals noch uner- 
forschte mittlere Teil ist nun fast erschlossen. Dennoch 



— 209 — 

ist dieses Bild als vorläufige Darstellung der Publikation 
wert. Es ist die Reduktion des 1 : 25000 konstruierten 
provisorischen Originals. Es ist daraus ersichtlich, wie 
schnell sich gegen die Tiefe zu der Einfluss von Ein- 
senkungen an der Oberfläche ausgleicht, besonders wenn 
solche, wie das Gantertal, auf einer Abdachung ein- 
geschnitten sind d. h. ein Tal mit ungleich hohen Ge- 
hängen darstellen. Auf der Höhe des Tunnels hat dieses 
Tal nur eine Verlangsamung der Temperaturzunahme 
mit dem Fortschritt der Bohrung erzeugt. Noch weniger 
Einfluss hatte die Auronasenke, trotz der dortigen Glet- 
scherbedeckung. Das Plateau des Lago d'Avino hat eine 
lang anhaltende Temperaturgleichheit zur Folge. Erst 
von km 7 an, unter dem Grat des Amoincici, Ausläufer 
des Monte -Leone nach Osten, fing die Felstemperatur 
von Süd nach Nord ganz allmählich an zu steigen. 

Die eingetragene Temperatursenke auf der kalten 
Quellenzone ist die nunmehrige, wo die Temperatur beim 
km 4.400 15° ist. Vor Anbohrung der Quellen war wohl 
die Sachlage etwas verschieden, da damals an dieser Stelle 
18 — 19° herrschten, vielleicht mehr. Noch jetzt ist in- 
folge des Temperaturwechsels der Quellen dieses Gebiet 
schwachen thermischen Schwankungen ausgesetzt. Ohne 
den Kaltwasserzufluss unterhalb der Talsenke von Valle 
wären die Einbuchtungen der Temperaturkurven kaum 
bis zum Tunnel hinab fühlbar gewesen, ebenso wenig 
wie dies unter dem Gantertal der Fall war. 

Aus diesen Tatsachen geht hervor, dass die Wärme- 
verteilung im Innern von Gebirgen nicht allein von der 
Tiefe d. h. von der Masse des überlagernden Gebirges 
abhängt. Allgemeine Untersuchungen über die Wärme- 
zunahme gegen das Erdinnere zu haben eine beträchtliche 
Anzahl von Einflüssen festgestellt, welche dem Gesetz 

14 



— 210 — 

störend entgegentreten. Bei Gebirgen sind es in erster 
Linie die Wasserzuflüsse und die Schichtenstellung. Sollte 
wiederum für einen grossen transalpinen Tunnel eine 
Prognose bezüglich der Wärmeverteilung gestellt werden, 
so wird man sich nicht allein mit Höhen und Tiefen, 
mit den Massenberechnungen und deren durchschnitt- 
lichen Wärmeleitung begnügen dürfen, oder nur ein 
Überklatschen des Gotthardprofils vornehmen, sondern man 
wird vorerst die Bodentemperaturen am oberflächlichen 
Profil bestimmen, was allein gestattet, den Schluss der 
konvexen Kurven nach oben richtig zu zeichnen. Man 
wird weiterhin die Schichtenstellung und die dadurch 
bedingte Wärmeleitung und dann noch, soweit als er- 
sichtlich, den Yerlauf der unterirdischen Wasserzirkulation 
in Rechnung ziehen. So wird es vielleicht möglich sein, 
zum voraus ein annähernd genaues Bild zu schaffen . 
Bis jetzt war für eine solche Aufgabe zu wenig Grund- 
lage zur Erreichung eines befriedigenden Resultates vor- 
handen. Erst vor wenigen Jahren ist z. B. gezeigt 
worden, wie anormal hoch die W T aldgrenze im Südwallis 
hinaufsteigt und um wie höher als früher angenommen, 
hier die Bodentemperatur sein muss. 



Zum Vortrag von Dr. H. Schardt, 

Lieber die wissenschaftlichen Ergebnisse 
des Simplondurchstichs. 

Gedruckt in den „ Verhandlungen der Jahresversammlung 
der Schweiz, naturforschenden Gesellschaft 1904 in Winterthur". 



Nebenstehender Nachsatz zu diesem Vortrage 
wurde vom Zentralkomitee der schweizerischen natur- 
forschenden Gesellschaft gestrichen und durch eine 
anodine Anmerkung ersetzt. 

Derselbe bezweckte, in den Akten unserer Gesell- 
schaft doch wenigstens einen bescheidenen Protest gegen 
die ungerechtfertigten Angriffe des Herrn Sulzer- 
Ziegler vorzubringen, da nun einmal in dieser Schrift 
auf dieselbe?i nicht erwidert zverden konnte. 

Indem ich den Mitgliedern der schweizerischen 
naturforschenden Gesellschaft den Nachsatz, den ich 
gewünscht hatte, nun auf privatem Wege zur Kenntnis 
bringe, ersticke ich, denselben bei Seite 211 der ge- 
druckten Verhandlungen der yahresversam?nlung von 
1904 in Winterthur einlegen zu zvollen. 



Nachsatz. 

Nachdem obiges Thema in der ersten Hauptsitzung 
als Vortrag behandelt worden war, hat Herr Ed. Sulzer- 
Ziegler, Mitglied der Baugesellschaft für den Simplon- 
tunnel, nach der zweiten Hauptsitzung als Schluss Vortrag 
den Tunnelbau von technischer Seite beleuchtet, was 
gewiss recht passend scheinen durfte. Mein Vortrag 
hätte nun Herrn Sulzer -Ziegler Veranlassung geben 
können, die geologischen und hydrologischen Fragen 
nur von rein sachlicher Seite aus zu erwähnen. Indessen 
hat er sich zu Auslassungen verleiten lassen, deren Un- 
richtigkeit, und Uebertreibung dem Sachkundigen aller- 
dings auffallen müssen, welche aber dazu geeignet sind, 
dem Ansehen der Wissenschaft und deren Vertretern in 
einem weitern Kreise zu schaden. Es war nicht möglich, 
an jener Sitzung selber dem so Sprechenden Widerlegung 
zu bieten, und so blieben diese Angriffe bis jetzt ohne 
Antwort, sogar nachdem sie mit allerlei Entstellungen 
und Verschärfungen in den Tageszeitungen herumge- 
kreist sind. Durch Beschluss des Zentralkomitees der 
schweizerischen naturforschenden Gesellschaft ist es eben- 
falls als statutengemäss unzulässig bezeichnet worden, 
an dieser Stelle auf diese Angriffe zu entgegnen, weil 
das an der Sitzung selber nicht geschehen sei. Ich muss 
mich deshalb damit begnügen, hier auf die in den Eclogae 
Geologicae Helvetiae, Band VIII, Nr. 4, erscheinende Ant- 
wort auf die Angriffe des Herrn Sulzer-Ziegler , verfasst 
von Professor A. Heim im Auftrag der geologischen 
Simplonkommission, zu verweisen. Wohl wird auch vor- 
liegende Arbeit ebenfalls dazu dienen, den Leser in 
richtigem Sinne zu belehren. 

Dr. H. Schardt, Prof. 



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Seologlsdies Profil des Slmplontunnels ■ Projekt 1882 ■ natii E. Reneoier, Beim, üory und Caramelli. 




Flg. 5. Seologlsdies Profil des Slmplontunnels ■ Projekt 1850 



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Fig. 6. Geologisches Profil des Slmplonmasslos, nach B. Schardt ■ 



F ig. 7. Geologisches Profil des Slmplonmasslos nach SI. Trauerso ■ 1895 

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Sek Kalhgllmmsrsdileler ■ On Gneiss ■ Ona Snllgorlognelss • 0«J -Gneiss leulHetê. (blaltrlgsr Gnelrs 



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flg. 8. Geologisches Profil des Simplontunnels, nach C. Schmidt ■ 1902 




Flg. 9 u. 10. Geologische Profile des Simplontunnels nach 5. Schardt ■ 1902-03 u. Parlante 1 
Sk Glanischleler ■ Sdc u. Se Krlslalllne Srtleler, fcolkMIfg ■ K u. G KaIFt (Dolgmlt) u. Gfps - G« monte ueone-S 




Fig. H. Geothermlsches Profil des Simplonlunnels (proDiforlsdi) 













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211 - 



Weitere Ausführungen über die in den vorstehend 
abgedruckten Vorträgen der Herren Ed. Sulzer- Ziegler 
und Professor Schardt behandelten Prägen findet man 
unter dem Titel 

Ueber die geologische Voraussicht beim Simplontunnel 

in den Eclogae Geologicae Helvetiae Vol. VIII, Nr. 4, 
November 1904. 

Diese Publikation bezieht sich vorzugsweise auf den 
Vortrag des Herrn Sulzer, über welchen an der Jahres- 
versammlung in Winterthur keine Diskussion eröffnet 
werden konnte, da er den Schluss der Verhandlungen 
bildete. 

Das Z.-K. der S. N. G. 



Das Kesslerloch bei Thayngen 
und die dortigen postglacialen Ablagerungen, 

(Vorläufige Mitteilung.) 
Von J. MEISTER, Schaffhausen. 



Die bis heute zur Veröffentlichung gelangten Unter- 
suchungen über die prähistorische Station „Kesslerloch" 
haben bekanntlich bereits einen sehr ansehnlichen Um- 
fang erreicht und durch die Resultate derselben ist die 
prähistorische Wissenschaft ganz wesentlich gefördert 
worden. 

Wenn ich mir nun gestatte, dieses Thema auch 
vor Ihnen zur Sprache zu bringen, so veranlassen mich 
dazu meine Erhebungen über die Lehmablagerungen bei 
Thayngen und im untern Bibertale, die ich im Auf- 
trage der schweizerischen geotechnischen Kommission vor- 
genommen habe, sowie meine Beobachtungen bei der 
gegenwärtig in Durchführung begriffenen Korrektion des 
untern Biberlaufes, vor allem aber die letzten Aus- 
grabungen beim Kesslerloch, welche in den Jahren 1902 
und 1903 die historisch -antiquarische und die natur- 
forschende Gesellschaft in Schaffhausen unter der Leitung 
von Herrn Dr. Heierli gemeinsam ausführen Hessen. 
Auf Einzelheiten über den Gang dieser neuesten Aus- 
grabungen werde ich nicht eingehen, darüber wird Herr 
Dr. Heierli an anderer Stelle referieren; ich will nur in 
allei- Kürze die Verumständungen skizzieren, welche den 



— 213 — 

Anstoss zur Anhandnahme dieser abschliessenden, noch 
sehr umfassenden Arbeiten gegeben haben. 

Als im Jahre 1874 Herr Merk, damals Reallehrer in 
Thayngen, nunmehr Rektor der höhern Töchterschule in 
Basel, der Entdecker der Station, seine Ausgrabungen 
unterbrach, wusste er und wussten alle andern, die sich 
um die Sache interessierten, dass die Untersuchung nicht 
beendigt sei. Sie war nicht beendigt in der Höhle selbst 
und ebensowenig vor dem nordöstlichen Eingange in die- 
selbe; ror dem südöstlichen Eingange war sie nicht einmal 
in Angriff genommen. Die naturforschende Gesellschaft 
Schaffhausen hatte sich nun zwar längst die Aufgabe 
gestellt, die noch fehlenden Arbeiten auszuführen und 
zwar in erster Linie diejenigen am nordöstlichen Eingang 
zur Höhle. Sie brauchte sich aber mit der Realisierung 
des Vorhabens nicht zu beeilen, weil sie wusste, dass 
ohne das A^erfügungsrecht über die nördlich angrenzende 
Wiese dieser letzte, ganz besonders wichtige Teil der 
Untersuchung nicht vorgenommen werde könne und dass 
Herr Ständerat Müller, der Besitzer dieser Wiese; nur 
dann seine Einwilligung für die Vornahme von Grabungen 
erteilen werde, wenn das Gesuch hierfür von einer Gesell- 
schaft, am liebsten einer kantonalen, ausgehe, und wenn 
die Eundgegenstände unmittelbar in das Eigentum von 
einheimischen öffentlichen Sammlungen gelangen. Unter 
diesen sichernden Bedingungen hätten vermutlich die 
schaffhauserischen Gesellschaften die Lösung der Aufgabe 
noch weiter hinausgeschoben, wenn ihnen unterdessen 
nicht mitgeteilt worden wäre, im Landesmuseum bestehe 
die Absicht, die Erlaubnis für die Fortsetzung dieser 
Grabungen zu erwerben. Herr Ständerat Müller hätte 
zweifellos dem Landesmuseum seine Wiese zur Verfügung 
gestellt, sofern er hätte annehmen müssen, es sei in 



— 214 — 

Schaffhausen wenig Geneigtheit für die Uebernahme dieser 
Arbeiten vorhanden, und deshalb taten jetzt die bereits 
genannten Gesellschaften die nötigen Schritte, um die 
Grabungen so rasch als möglich an Hand zu nehmen. 
Im Oktober 1902 wurden sie begonnen und erreichten 
Oktober 1903 nach zirka 15 wöchentlicher Arbeit ihren 
Abschluss. 

Als wesentliche Teile der zu lösenden Aufgabe be- 
trachtete man also einmal die genaue Feststellung der 
Grenzen und der Beschaffenheit des die prähistorischen 
Fundgegenstände führenden Materiales vor dem nordöst- 
lichen Eingang der Höhle und dann war der Schuttmantel 
am südöstlichen Eingang vollständig zu durchsuchen. 

Ich habe hauptsächlich von den Arbeiten am nord- 
östlichen Eingange zu reden. Sie wurden hier von vorne- 
herein ausserordentlich erschwert durch das Vorhandensein 
eines ziemlich reichlichen Grundwasserlaufes, und schon 
Merk hat aus diesem Grunde die Grabungen nach der 
Tiefe nicht fortgesetzt, ebenso Dr. Nuesch. Nur durch 
ununterbrochenes Pumpen war es möglich, die Arbeits- 
stelle genügend wasserfrei zu halten, und somit war dann 
auch das Herausheben und die Untersuchung des schweren, 
zähen Lehmes ganz unvergleichlich schwieriger als das 
Arbeiten in trockenem Materiale. Zudem zeigte sich 
bald, dass die Verbreitung der dem Tallehm beigemengten 
Einschlüsse nach der Tiefe ging, während sie in horizon- 
taler Richtung nur wenig weit reichte. Heim hatte also 
1874 schon ganz richtig erkannt, dass derjenige Teil des 
Lehmes, welcher die Funde enthält, ungefähr die Form 
eines Schuttkegels besitzt, und zwar nahm die Tiefe, 
bis zu der die Einschlüsse reichten, gegen Südosten 
rasch zu. Bei 4,0 m unter dem nur wenig wechselnden 
Grundwasserspiegel hörte die Beimengung von Fund- 



— 215 — 

gegenständen auf. Hit diesem Betrage sind die früheren 
Tiefenangaben (2 m bei Heim, 3,6 m bei Nüesch) nicht 
vergleichbar, da sich die Abstände der verschiedenen 
Nullpunkte nicht feststellen lassen. Jedenfalls wäre nach 
dem den letzten Ausgrabungen zugrunde gelegten Nivelle- 
ment eine Tiefe von 3,6 m ohne Anwendung von Pumpen 
nie zu erreichen gewesen. 

Die Differenz zwischen den extremen Grundwasser- 
ständen ist nämlich beim Kesslerloch nicht gross: sie 
beträgt nur wenige Dezimeter. Das Grundwasser stammt 
aus dem mittleren Bibertal; unterhalb Bibern tritt es in 
den giacialen Kies ein und gelangt so in den fluviatilen 
Kies der Talsohle. Der letztere ist nur verhältnismässig 
wenig mächtig; kann also nie die ganze Menge des an- 
dringenden Wassers führen. Deshalb entsteht am süd- 
lichen Rande des Lehmlagers im Tale im sog. ,. Speck" 
ein Ueberlauf in Form von nie versiegenden Quellen. 
Aus diesem Ueberlauf geht das Bächlein des Fulachtales 
hervor. Es ist so konstant, dass in dem ausserordentlich 
trockenen Spätjahr 1899 die Behörden allen Ernstes die 
Frage untersuchen Hessen, ob dieses "Wasser nicht als 
Trinkwasser für Schaffhausen gewonnen werden solle. 
Als man sie aber von der Provenienz des Wassers über- 
zeugt hatte, verzichteten sie natürlich auf dasselbe. Wenn 
also am Rande des Lelimlagers der Ueberlauf nie aufhört, 
so kann selbstverständlich auch ein Rückgang des den 
Kies durchsetzenden Grundwassers nie beträchtlich sein, 
sein Niveau schwankt nur um denjenigen Betrag, welchen 
der wechselnde Druck bedingt, den die Wassermenge der 
Biber ausübt. 

Um den Wasserspiegel tief genug halten zu können, 
wurde auf zirka 2 m von der Arbeitsstelle entfernt 
ein bis in das Liegende des Lehmes reichender Pump- 



— 216 — 

Schacht von quadratischem Querschnitt abgeteuft und 
durch einen Schlitz mit der Arbeitsstelle verbunden. 

Auf diese Weise hatte man zugleich auch Gelegenheit, 
an vollständig fundfreier Stelle die Zusammensetzung 
der unversehrten Aufschwemmung bis gegen die Kies- 
unterlage kennen zu lernen. Man fand so 1) zirka 
0,8 m mächtiges, im Laufe der Zeit von den Besitzern 
der Wiese aufgeschüttetes Material, 2) zirka 3 m in 
der Farbe etwas wechselnden Lehm, der oben mit mehr 
locker-toriiger Struktur einsetzt, dann aber fett und 
kompakt bleibt und erst in seinem Liegenden sandige 
Beschaffenheit annimmt. Genau dieselbe Zusammen- 
setzung bei etwas stärkerer Färbung einzelner Lager 
zeigt das die Funde führende Material. Man kommt daher 
zu der L'eberzeugung, dass dieses letztere kein selb- 
ständiges Gebilde darstellt, sondern durchaus nur eine 
Randpartie des in der ganzen Talsohle aufgeschwemmten 
Lehmes ausmacht, der von der Höhle aus während seiner 
Ablagerung die heutigen Fundgegenstände aufnahm. Ein 
zeitlicher Unterschied in der Entstehung des fund- 
führenden Lehmes und des übrigen Lagers besteht absolut 
nicht. Es ist also unrichtig, wenn von Dr. Nüesch gesagt 
wird, jener ruhe auf einem Lehmlager, auf dem sich 
torfähnliche, schwarze Ablagerungen zeigten von be- 
deutender Mächtigkeit, welche sich in ihren obern Lagen 
erst nach der Besiedelung des Kesslerloches gebildet 
haben müssen. 

Von der ganzen Aufschüttung im obern Fulachtale 
bestand nur der fluviatile Kies, der das Grundwasser 
führt, überdeckt von wenig lakustrem Lehm und nun folgte 
die Besiedelung dei- Höhle, so dass der palaeolithische 
Meliseli am Kesslerloch zunächst an einem langsam 
(fressenden Wasser wohnte, in welchem eine gleichmässige 



— 217 — 

Lehmablagerung von statten ging. Damit wäre also 
wenigstens für eine der verschiedenen Schaff hauser prä- 
historischen Stationen ein direkter Znsammenhang mit 
einem geologischen Vorgänge der Eiszeit konstatiert. 

Mit dieser Tatsache steht man aber für eine Be- 
urteilung des relativen Alters der Station vor einer nicht 
unbedeutenden Schwierigkeit. Es hat nämlich den An- 
schein, als führe die nächste Konsequenz jetzt zu der 
Annahme, dieses Erlöschen des alten Biberlaufes im 
Fulacktale und seine Ablenkung nach dem heutigen 
untern Bibertale gehören den ersten Rückzugsphasen des 
Gletschers an und man gelange so für die Einwanderung . 
des Menschen in eine Zeit, da Klima, sowie Pflanzen- 
und Tierwelt seine Existenz noch kaum ermöglichten. 
Diese Schwierigkeit fällt allerdings dahin, wenn man mit 
Dr. Nüesch annimmt, die prähistorischen Funde liegen 
auf einer abgeschlossenen Ta]aufschüttung. So ist man 
unabhängig von dieser letztern und kann, ganz wie beim 
Schweizersbild, den Beginn der prähistorischen Station 
im Kesslerloch in die postglacialen Stadien da einfügen, 
wo Klima, Tierwelt und Artefakte dies am ratsamsten 
erscheinen lassen. Penck hat dies bekanntlich bereits 
getan. Die letzten Grabungen verschaffen uns nun aber 
auch den bisher fehlenden Einblick in die geologischen 
Vorgänge von der Zeit der ersten Rückzugsstadien bis 
zur Besiedelung des Kesslerloches. 

Man muss eben jetzt mit der Tatsache rechnen, dass 
der die Funde einschliessende Lehm bis fast auf 3 m 
Höhe. mit dem Tallehm einheitlich zusammenhängt. Von 
hier zieht sich die Ablagerung dann bald in locker- 
torfiger bald in mehr kompakter Modifikation talein wärts 
und dehnt sich nach Osten auf immer breitere Fläche aus 
bis ins Gebiet der Ziegelfabrik. Ueberall bildet sie das- 



- 218 - 

Hangende eines fluvïatilen Kieses, aus dein die Fabrik 
einen grossen Teil ihres Wasserbedarfes deckt, wie sie 
übrigens auch durch einen Brunnen beim Kesslerloch die 
Kalkbrennerei Jahr aus Jahr ein mit Wasser versorgt. 
Nun erstreckt sich dasselbe Profil aber auch mit nahezu 
gleich starkem Gefälle über Biethingen ins heutige untere 
Bibertal hinein, wie das bei den Arbeiten der Biber- 
korrektion namentlich bei Eamsen beobachtet werden 
konnte. Weiter oben im Tale ist die Lehmschicht mäch- 
tiger, so dass sie für das Bachbett nicht mehr voll- 
ständig durchschnitten werden musste, der Kies also nicht 
mehr zum Vorschein kam. Hier konnte seine Anwesen- 
heit nur durch Bohrungen festgestellt werden. Während 
aber das Fulachtal längst abgeschlossen ist und sowohl 
der kleine Ueberlauf im „Speck", als auch die zeitweise 
hochgehende Biber hier längst keine Aenderung mehr 
hervorgerufen haben, so ist der Bach in seiner heutigen 
Richtung beständig bestrebt, sein in engen Serpentinen 
angelegtes Bett zu verbreitern und zu vertiefen. 

Für unsere weitern Schlüsse ist vor allem mass- 
gebend, dass, wie aus dem eben gesagten hervorgeht, 
die heutige Biber nicht in der anstehenden violasse fliesst, 
sondern in eine junge, lakustro-fluviatile Ablagerung ein- 
schneidet. Auch hier liegt also, wie im Fulachtal, ein 
verbautes und erloschenes Tal vor, das allerdings nach- 
träglich wieder aktiv geworden ist. Die Stauung, welche 
das Erlöschen verursachte, muss im Gebiet der Biber- 
mündung erfolgt sein und wurde zweifellos durch den 
Gletscher hervorgerufen. Dieser hatte auf seinem Rück- 
zuge bereite das Gebiet des Untersees erreicht, machte 
aber von hier aus wieder einen Yorstoss bis in den Staffel- 
wald und an die östlich davon gelegenen Ausläufer des 
Schienenberges. Während der so cnstandenen Stauung 



— 219 — 

hat die Biber ihren Weg wieder durch das alte Fulacktal 
eingeschlagen und dieses 3 bis 6 m unter die heutige Tal- 
sohle eingeschnitten. Endlich nahm der Gletscher seinen 
Rückzug wieder auf, um jetzt endgültig aus dem Boden- 
seegebiete zu verschwinden. Rhein und Biber durch- 
schnitten unterhalb Stein das ihren Abschluss hemmende 
Gletschermaterial, und allmählich gestalteten sich die 
Gefällsverhältnisse wieder so, dass die Biber für immer 
in ihre jetzige Richtung zurückkehrte. Die heute im 
Fulachtale vorhandene Aufschüttung in der Talsohle ist 
demnach das Werk der hier zum zweiten Male er- 
löschenden Biber. Schon während der Ablagerung des 
Kieses und einer wenig mächtigen Lehmschicht hatte 
der Gletscher die Bodenseegegend verlassen und zog sich 
weiter talaufwärts zurück. Im Yorlande wurden die 
klimatischen Verhältnisse entsprechend günstiger, der 
Boden überzog sich wieder mit einer Pflanzendecke, eine 
manigfache Tierwelt wanderte wieder ein und jetzt trat 
auch der Mensch auf. Bei Thayngen benutzte er die 
einerseits vom steilen Felsen, anderseits vom Wasser 
geschützte Höhle und war hier Zeuge, wie die Sohle des 
Gewässers sich stetig hob und das Wasser sich mehr 
und mehr verlief. Hier setzen also die ersten Anfänge 
unserer altern Steinzeit ein. 

Eine andere naheliegende Aufgabe wird darin be- 
stehen, dass man die eben dargestellte Reihe von Er- 
scheinungen vergleicht mit denjenigen mehr oder weniger 
selbständigen Abschnitten, in welche bis jetzt das Rück- 
zugsphänomen der letzten Vergletscherung hat aufgelöst 
werden können, nämlich mit den von Penck und Brückner 
in ihrem Werk: „Die Alpen im Eiszeitalter"- aufge- 
stellten Rückzugsstadien. 

Ohne Zweifel war der Gletscher schon im Rückzug 



— 220 — 

und starken Schwinden begriffen, als die Kies- und Sand- 
raassen aufgeschüttet wurden, welche die zwischen Jura 
und Molasse gelegene und vom Dorfe Thayngen sich 
nach dem obern Bibertale erstreckende Terrasse zusammen- 
setzen. 

Das weitere gleichmässige Schwinden des Eises ver- 
legte das Gletscherende in die untere Bodenseegegend 
und in diese Zeit fällt die erste Ablenkung der Biber 
aus dem Fulachtale ins heutige untere Bibertal. Ein 
Vorstoss des Gletschers bis ins Gebiet der Bibermündung 
verursachte eine Stauung im untern Bibertale und den 
nochmaligen Eintritt der Biber ins Fulachtal. Diese Vor- 
gänge möchte ich der Zeit der Laufenschwanlmng zuteilen, 
welche ja mit der Aufschüttung des innern Kranzes der 
Jung-Endmoränen endigt, und zu diesem würde ich also 
auch die Moränen am Staffel wald etc. rechnen. 

Der neue Gletscherrückzug, der die Bodenseegegend 
endgiltig vom Eise befreite, der neue Uebergang der 
Biber aus ihrer peripherischen Richtung im Fulachtal 
in die centripetale nach dem Bodenseebecken hin, die 
jüngsten Aufschüttungen im Fulachtale und die erste 
Ansiedelung des Menschen im Kesslerloch würden dann 
in die Zeit des Achenrückzuges fallen. Wie weit diese 
Ansiedelung in die Zeit des Achenvorstosses und des 
Bühlstadiums hineinreichte, wird sich im Gebiete des 
Kesslerloches kaum aus geologischen, mit der Eiszeit in 
Verbindung stehenden Tatsachen ermitteln lassen. Dazu 
bedarf es der Untersuchungen über die Klimaänderungen 
und den durch sie bedingten Verlauf der Yerwitterungs- 
erscheinungen unter Berücksichtigung der in den prä- 
historischen Stationen gefundenen tierischen und kultur- 
historischen Reste. 



Das alpine Florenelement der Lägern und die 
Reliktenfrage, 

Von Dr. M. RIKLI (Zürich). 



Die Grebirgsmauer der Lägern hält sich in ihrer 
höchsten mittleren Partie, zwischen Burghorn und Hoch- 
wacht, fast genau auf der Höhenquote von 860. ni ; der 
höchste Punkt das Burghorn hat nur 863 m und die 
Lägernhochwacht sogar nur 859 m. Mit diesen be- 
scheidenen Erhebungen ragt dieser östlichste Ausläufer 
des Faltenjura kaum recht in die montane Region hinein. 
Bei der von den Alpen ziemlich entfernten Lage (Bachtel 
45 km, Schnebelhorn und Bigi je 50 km) wären dem- 
nach Alpenpflanzen kaum zu erwarten. Tatsächlich sind 
aber im Lägerngebiet 14 Arten vorhanden, die nach 
ihrer Hauptverbreitung als alpin bezeichnet werden dürfen. 

Es sind: 
Arcto staphylo s uva ursi Genti ana verna 
Alnus viridis Valeriana montana 

Rhododendron ferrugineum Adenostyles alpina 
Ribes alpinum Thesium alpinum 

Rosa alpina Rumex scutatus 

Arabis alpina Coeloglossum viride 

Saxifraga aizoon Botrychium lunaria. 

In der Literatur werden diese Pflanzen wiederholt 
als Glazialrelikte gedeutet. Auf Grund der in den letzten 
Jahren vorgenommenen eingehenden Durchforschung der 
Lägern, kann die Frage einer erneuten kritischen Be- 



222 

sprechung unterworfen werden und zwar nach vier Rich- 
tungen. 

I. Höhenverbreitung und Standortsbedürfnisse der 
alpinen Florenelemente der Lägern. 

In Bezug auf die vertikale Verbreitung der auf- 
geführten 14 Arten ist zunächst hervorzuheben, dass 
keine einzige im vollen Sinne des Wortes als „alpin" 
zu bezeichnen ist d. h. in den Alpen ausschliesslich oder 
doch vorzugsweise der baumlosen Gebirgsregion angehört. 
Die 4 Sträueher unserer Liste: Alnus viridis, Rhodo- 
dendron ferrugineum, Ribes alpinum und Rosa alpina 
sind in ihrer Hauptverbreitung an den subalpinen Berg- 
wald gebunden, indem sie einen wichtigen Bestandteil 
des Unterholzes bilden. Wenn sie auch, wie die Grünerle 
und die Alpenrose, vielfach noch weit über die letzten 
Pioniere des Baumwuchses ansteigen, so bleibt die Frage 
doch immerhin noch offen, ob die jetzige, obere Alpen- 
erlen- und Alpenrosengrenze nicht doch möglicherweise 
der ehemaligen Waldgrenze entspricht (Schröter, Eblin). 
Die übrigen zehn Arten gehören folgenden Stand- 
orten an : 
a) Begleitpflanzen der Unterflora des Bergwaldes : 

Adenostyles alpina und Valeriana montana. 
bj Hauptsächlich Felsen and Geröllpflanzen sind: 
Saxifraga aizoon Rum ex scutatus 

Arabis alpina Valeriana montana 

Sämtliche vorwiegend montan. 
c) Weidepflanzen — doch alle bereits schon in der 
subalpinen Region von 1200 — 1600 m weit ver- 
breitet: 

Gentiana verna Thesium alpinum 

Coelogk)S8um viride Botrvcliium lunaria. 



— 223 — 

d) Sonnig - steinige Abhänge mit humösem Boden. 
Arctostaphylos uva ursi; die einzige Art, die in der 
Schweiz vorwiegend an die höhere Alpenzone ge- 
bunden ist. 

IL Verbreitung 1 dieser alpinen Florenelemente auf der 

Lägern. 

Infolge der ausserordentlich steilen Aufrichtung der 
oberen Teile des Lägerngewölbes vermag sich die Ver- 
witterungserde längs dem Grat nicht anzusammeln; die 
Schichten fallen nach Süden sehr steil ab, an einzelnen 
Stellen in Winkeln bis zu 40°. Diese Steilheit der Ge- 
hänge, verbunden mit der harten, stark erwärmungs- 
fälligen Beschaffenheit des Kalksteins, den verhältnis- 
mässig geringen Niederschlägen (kaum 100 cm im Jahr) 
und der Tatsache, dass das spärliche Wasser sogleich 
abfliessen muss und daher der Pflanzenwelt kaum zu 
gute kommt, sind alles Momente, welche mit den Lebens- 
bedingungen, die das Alpenklima liefert, sehr wenig 
übereinstimmen. Dazu kommen noch zwei weitere für 
diesen Florenbestandteil ungünstige Momente. In den 
Alpen ist im Sommer, besonders -während der ersten 
heissen Nachmittagstunden, Bewölkung und Nebel- 
bildung eine sehr häufige Erscheinung; dadurch wird 
die starke Insolation gemildert und die Verdunstung 
verzögert. An der Lägern ist gerade das umgekehrte 
der Fall. Während des Sommers ist die Vegetation 
auf dem Grate oft tage-, ja selbst wochenlang der 
intensivsten Besonnung ausgesetzt, die Luft ist über den 
Felsen in beständig zitternder Bewegung, die Gewächse 
machen [dann, in ihrem oft halb verwelkten Zustand 
einen sehr bedauerlichen Eindruck. Endlich vermag auch 
der Schnee im Winter nicht lange liegen zu bleiben. 



— 224 — 

Während im Tale die Nebel wallen, ragt der Rücken 
des Berges wie eine Insel aus dem umgebenden Nebel- 
meer empor; bei windstillem, klarem Wetter herrscht 
da oben im Januar and Februar oft schon eine beinahe 
sommerliche Wärme. Schon Mitte Februar sind die Ses- 
leriabestände der steilen Kalkfelsen der Südseite, z. B. 
an der Pfeifenrütifluh, bereits in voller Blüte, indessen 
an den Felsen der Nordseite noch keine Blütentriebe zu 
sehen sind und die Stöcke noch von den vorjährigen 
abgestorbenen Blättern umgeben werden. Nachts aber 
sind die Pflanzen infolge des mangelnden Schneeschutzes 
Frost- und Vertrocknungsgefahr schonungslos ausgesetzt. 

Vergegenwärtigen wir uns all' diese Verhältnisse, 
so werden wir wohl zugeben müssen, dass gerade der 
höchste Teil der Lägern, der Lägerngrat, für Alpen- 
pflanzen ausserordentlich ungünstige Lebensbedingungen 
bietet. Der Grat beherbergt denn auch eine ausgesprochen 
xerotherme Flora: Der Heidewald und die Felsfluren 
oder Garides sind Formationstypen, die geradezu an 
mediterrane Verhältnisse erinnern. 

Vorn üppigen humusreichen Bergwald der unteren 
Region mit seiner reichen montanen Begleitflora steigen 
wir gegen den Grat und die Pflanzenwelt nimmt in 
ihrem Gesamtcharakter mehr und mehr südliches, statt 
ein alpin-nordisches Gepräge an. Von den 14 aufge- 
geführten Arten hat sich nur Thcsium alpinurn und 
Arctostaphylos uva ursi dieser Vergesellschaftung ange- 
schlossen; die Bärentraube ist diejenige Art unter den 
alpinen Bestandteilen der Lägernflora, die wohl die weit- 
gehendsten xerophilen Anpassungen zeigt. 

Wenn somit das alpine Florenclement der Lägern 
den eigentlichen Grat und die steilen Gehänge der Süd- 
seite meidet, so hat sich dagegen der Hauptkontingent 



— 225 — 

dieser Florida an den Felsen der Nordseite unmittelbar 
unter dem Grat und in den sich hier der ganzen Länge 
des Berges entlang ziehenden oberen Bergwald ange- 
siedelt. Der Boden ist reicher an Humus, der Schnee 
bleibt länger liegen, das Gehölz gewährt der Unternora, 
wie auch den an den Felsen angesiedelten Pflanzen 
einigen Schutz gegen die starke austrocknende Insolation. 
Das Gestein ist zudem stellenweise mit einem zusammen- 
hängenden Rasen von Sesleria coerulea bedeckt. Hier, 
an den nackten Felsen, zum Teil auch im Sesleriaraseu 
oder im Unterholz des Bergwaldes finden wir den grössten 
Teil der ..Alpenpflanzen" des Lägerngebietes. Es sind 
Arabis alpina, Saxifraga aizoon (vereinzelt auch noch 
an den Felsen der Südseite), Rumex scutatus (nur bei 
Baden"), Valeriana montana (gegen die Kantonsgrenze in 
der Xähe des Burgkorn) ; im angrenzenden Bergwald 
stehen Rosa alpina, Ribes alpinum, letztere jedoch nur 
in der Umgebung der Burgruine Alt-Lägern; massenhaft 
endlich Adenostyles alpina. Diese sieben Arten wagen sich 
nur ganz vereinzelt bis auf den Grat oder sogar bis in 
den Wald der Südseite und zwar jeweilen nur da. wo der 
Wald höher und der Boden durch dichteres Unterholz 
gegen die starke Besonnung besser geschützt ist. 

Zwei Arten: Coeloglossum viride und Botrychium 
lunaria, gehören hauptsächlich den feuchten Bergwiesen 
der Nordseite, von 600 — 750 m an. Die letzten drei 
Arten endlich: Alnus viridis, Rhododendron ferrugineum 
und Gentiana verna haben an der eigentlichen Lägern 
gar keine Standorte. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf 
einzelne zum Teil weit auseinander liegende Stationen 
der Vorhügelzone und der umgebenden Talschaften. 
Alnus viridis hat an den Molassevorbergen südlich der 
Lägern drei Stationen, alle drei liegen in nördlicher 

15 



— 226 — 

Exposition : Bietschären, an der Ostseite des Pfaffenbühl bei 
Würenlos ; Kellenberg bei Otelfingen und am Schwenkel- 
berg ob Dielsdorf. Weitere Standorte sind: Bachsertal, 
Schneisingen, Weiacherberg ; alle nördlich vom Wehntal. 
Rhododendron ferrngineum ist auf einen einzigen Stand- 
ort im Rüterenwald bei Schneisingen beschränkt; der- 
selbe liegt eigentlich schon ausserhalb unseres Gebietes 
und Oentiana verna findet sich in mehreren Stationen in 
den Sumpfwiesen vom Furttal, zwischen Adlikon und 
Buchs und bei den Heidenlöchern, auf der Südseite des 
Schwenkelbergs. » 

III. 
Allgemeine Verbreitungsverhärtnisse der einzelnen Arten 
mit besonderer Berücksichtigung der Nachbargebiete. 
Wenn wir nach der Herkunft dieser alpinen Morula 
der Lägern fragen, so sind zwei Möglichkeiten in Er- 
wägung zu ziehen: Handelt es sich um: 

a) Ausstrahlungen der jurassischen Flora oder um 

b) Wirkliche Glazialrelikte, d. h. um Pflanzen, welche 
beim Rückzug der letzten Vergletscherung dem Eise 
nicht genügend rasch gefolgt, von der Rückzugs- 
linie und damit von ihrem jetzigen Hauptareal ab- 
geschnitten wurden, sich nun bis in unsere Zeit, 
an einzelnen isolierten Stationen als Zeugen der 
Glazialperiode erhalten haben. 

Eine eingehendere Darstellung der allgemeinen Ver- 
breitungsverhältnisse der 14 in Frage kommenden Arten 
würde über den Rahmen dieser kleinen vorläufigen Mit- 
teilung hinausgehen, es kann sich hier nur darum handeln, 
das Hauptresultat festzustellen. Auf Grund der vorhan- 
denen Literatur und eines sorgfältigen Vergleichs der 
Verbreitungsverhältnisse, komme ich nun zu folgendem 
Ergebnis: 



— 227 — 

1. Die Hauptmasse der alpinen Florida der Lägern 
ist unbedingt au f jurassische Einwanderung zurück- 
zuführen. Als sicher jurassisch sind anzusprechen: 
Eibes alpinuni Adenostjdes alpina 
Uosa alpina Thesium alpinum 

Arabi s alpina Rum ex scutatus 

Saxifraga aizoon Coeloglossum viride 

Valeriana montana Botrychium lunaria; 

denn diese zehn Arten sind im Jura verbreitet und 
besitzen durch den ganzen nördlichen Faltenjura 
von Solothurn, Basel und Aargau zahlreiche Stand- 
orte, sodass noch heute die vollständige Kontinuität 
mit der jurassischen Flora vorhanden ist. Li Bezug 
auf Geutiana verna möchte ich mich vorläufig eines 
abschliessenden Urteils enthalten. Die Pflanze ver- 
hält sich einerseits wie die vorhergehenden, ander- 
seits aber besitzt sie zahlreiche zerstreute Stationen 
im Glazialgelände des schweizerischen Mittellandes, 
ein Verhalten, das entschieden zur Vorsicht mahnt 
und den Gedanken an einen Relikt weckt. 

2. Nach ihrem Vorkommen, wie auch nach ihren 
pflanzengeographischen Beziehungen sind dagegen 
wohl als Glazialrelikte zu deuten: 
Rhododendron ferrugineuni Alnus viridis 

Arctostaphylos uva ursi. 
Die ersten beiden Arten gehören den Moränenland- 
schaften der die Lägern umgebenden Gelände an. 
Li Bezug auf die Beurteilung der Alpenrosenkolonie 
von Schnei singen verweise ich nur auf C. Schröters 
Pflanzenlehen der Alpen (1904), woselbst auf Seite 
120 die Frage eingehend erörtert wird. 
Die Grünerle fehlt dem eigentlichen Jura ganz, da- 
gegen besitzt sie zahlreiche zerstreute Standorte im Mittel- 



228 



land, die vorn alpinen Hauptareal losgelöst sind. Da 
dieselben auf glazialen Bildungen stocken und fast stets 
in schattigen, feuchten, nach Xorden gerichteten und auch 
im Sommer verhältnismässig kühlen Orten anzutreffen 
sind, so sind wir -wohl berechtigt, sie als (rlazialrelikte 
aufzufassen, umsomehr als die Lage dieser Standorte 
eine rezente Einwanderung durch Wassertransport aus- 
schliesst. Dr. 0. Xägeli ist zu ähnlichen Ergebnissen für 
das Torkommen der Alpenerle in der Flora Xord-Zürichs 
gekommen. Was endlich die Bärentraube anbetrifft, so 
findet sich dieselbe im südlichen Jura ziemlich häufig: die 
nächsten jurassischen Standorte liegen aber amWeissen- 
stein und an der Ravellenfluh, bis zur Lägern ist dies 
immerhin ein Sprung von beinahe 50 km, die nächsten 
liehen Fundorte sind am Irchel und Stammheimerberg; 
dem Zürcher Oberland fehlt die Pflanze und selbst in den 
St. Graller und Appenzeller Alpen ist sie nicht häufig. 

IV. Giebt es in der Fauna der Lägern analoge alpine 
Kolonien, und wie sind dieselben zu deuten? 
Zunächst ruuss auch hier betont werden, dass die 
Lagern vielmehr durch zahlreiche xerothermische Tiere, 
als durch alpine Faunenelemente ausgezeichnet ist. An 
alpinen Ursprung könnte man etwa beim Apollo, bei 
Carabus auronitens und endlich bei einer Chrysomelide 
denken. Prof. Dr. 0. Stoll schrieb mir unter dein 13. April 
1903: „Der Apollo ist sicher über den Jura gekommen, 
er fliegt auch noch auf den Höhgauvulkanen, während er 
z. B. Albis und Letliberg völlig fehlte Da er ein schlechter 
Fliegner ist, ist dagegen eine direkte Einwanderung aus 
den Alpen heute ausgeschlossen. Carabus auronitens wird 
seit 0. Heer als (Tlazialrelikt betrachtet: er kommt auf 
den Bergen des Mittellandes, in den tieferen Alpin- 



— 229 — 

gegenden, im Jura etc. vor, und sein Verbreitungsareal 
reicht von den Pyrenäen bis ins Banat; er bewohnt auch 
das deutsche Mittelgebirge bis in die Ardennen. Was 
soll man aber mit solchen Formen machen? Sind sie 
Relikte? oder handelt es sich bei ihrem sporadischen 
Vorkommen in der Ebene um künstlich durch die mensch- 
liche Wald- und Feldkultur geschaffene, aus früher all- 
gemeinerer Verbreitung herauspräparierten Verbreitungs- 
inseln. Und Carabus auronitens ist, weil eine auf- 
fallende Form, noch relativ durchsichtig; viel schwieriger 
liegt die Sache bei den kleineren, unscheinbaren Tieren. 
Hier muss jeder einzelne Fall geprüft werden. Aehnlich 
äusserten sich auch auf meine Anfragen Prof. Dr. C. Keller 
und Prof. Standfuss. 

Pflanzen- und Tiergeographie führen also zum glei- 
chen Ergebnis : Die Hauptmasse der sog. alpinen Elemente 
der Lägern ist entschieden jurassischen Ursprungs ; die 
wenigen, als Grlazialrelikte anzusprechenden Formen sind 
fast ausschliesslich auf die die Lägern im Grlazialgelände 
umgebenden Vorhügel beschränkt. 



Die Alpenpflanzen des Zürcheroberlandes, 



Yod GUSTAV HEGI. 



Vor einigen Jahren veröffentlichte ich als Frucht 
eines mehrjährigen Studiums im Bulletin de l'Herbier 
Boissier eine floristische und pflanzengeographische Studie 
meiner frühern Heimat, des Zürcheroberlandes *). Be- 
sondere Aufmerksamkeit widmete ich darin den zahl- 
reichen alpinen Vertretern, welche schon seit vielen 
Jahren — schon zur Zeit Heers und Köllikers — das 
Interesse der Botaniker in Anspruch genommen haben. 
Aleine Untersuchungen über die Herkunft. Einwanderung 
und Verbreitung dieser alpinen Pflanzen — ich nannte 
sie kurzweg Glazialpflanzen — führten mich damals zu 
den folgenden Schlüssen: 

„Während der Diluvialzeit ist unser Gebiet (oberes 
Tö8stal und angrenzende Gebiete der Kantone St. Gallen 
und Thurgau | in seinem südlichen und mittleren Teile 
von einer arktisch- alpinen Flora besiedelt worden. Die 
Einwanderung erfolgte von Süden her, von der Chur- 
firsten- Speergruppe. Nur in jenen Gebieten hat sich 
die Glazialflora bis heute erhalten, welche niemal- vom 
Gletschereise überdeckt waren. Xach Norden und Wes 
'Hurnli und südliche Bachtelkette) hin ist im Gebiete 
eine starke Abnahme, sowohl in der Arten- als auch in der 



*) Hegi, Gustav. Das obere Tösstal und die angrenzenden 
Gebiete fioratiseli und ptianzengeographisch dargestellt. Mitteilungen 
aus dem botanischen Museum der Universität Zürich. Genève 1902. 



— 231 — 

Individuenzahl zu konstatieren. Die ursprüngliche Grenz- 
linie zwischen Eismantel und unvergletschertein Areal 
haben nur wenige Exemplare überschritten und zwar 
zeigen dann die Standortsverhältnisse, dass eine sekundäre 
Besiedelung durch Uebertragung von Samen durch das 
niessende Wasser oder durch den Luftstrom möglich war. 
Nicht alle, auf den ersten Blick als alpine Typen er- 
scheinenden Pflanzen, sind kurzweg als Glazialpflanzen 
anzusprechen. Eine Expansion der Glazialpflanzen in 
der Jetztzeit erfolgt nicht. 1 ' 

Gegen diese Ergebnisse hat Herr Dr. med. Otto 
Nägeli im letzten, achten Jahresbericht (1901 — 1903) 
der zürcherischen botanischen Gesellschaft verschiedene 
Einwände erhoben. Auch eine Bemerkung von Herrn 
Professor Schröter in seinem neuesten prächtigen Werke 
„Das Pflanzenleben der Alpen*' (pag. 120) veranlasst mich, 
in dieser Frage nochmals das Wort zu ergreifen. 

Zunächst sei mir gestattet, zur Einleitung einige 
wenige orientierende Erklärungen voranzuschicken. Das 
für die alpinen Pflanzen in Betracht kommende Gebiet 
erstreckt sich von der Einsattelung des Rickenpasses über 
die bis 1300 m ansteigenden Höhen der Toggenburger 
Berge „Tweralp und Kreuzegg" zur zürcherischen 
Schnebelhorngruppe. Weiter umfasst das untersuchte Ge- 
biet die Hörnlikette nördlich bis zur Hörnligruppe und 
die Bachtelkette bis etwas südlich von Bauma. Die 
ganz beträchtlichen Bergstöcke bestehen fast durchwegs 
aus bunter miocaener Xagelfluh. Xur in untergeordneter 
Weise erscheinen daneben noch Sandsteine, Mergel, 
Süsswasserkalke und geringe Kohleneinschlüsse, sowie 
Ablagerungen aus der Gletscherzeit (doch zum grössten 
Teil nur erratische Blöcke), welche von dem Säntis- 
gletscher einerseits und dem Linthgletscher in Ter- 



— 232 — 

eirïigung mit dem Wallenseearm des Rhein gletschers 
anderseits herstammen. Durch genaue Feststellung der 
erratischen Blöcke, besonders in vertikaler Richtung, kam 
ich zu dem Resultate, dass diese letztern eine gewisse 
Höhenzone niemals überschreiten, oder mit andern Worten, 
dass verschiedene Berggipfel und ganze zusammen- 
hängende Bergrücken niemals vom diluvialen Gletscher- 
eise überdacht worden sind, sondern inselartig — Nuna- 
takker nennen sie viele Geologen — aus dem Gletscher- 
mantel herausragten. Die angenommene obere Grenze 
des Gletschereises, die natürlich nicht unbedingt überall 
die gleiche sein musste, verlief im südlichen Teil des 
Gebietes bei zirka 1000 m, im nördlichen und west- 
lichen (im Gebiete des Bachtel, Allmanu und des Hörnli) 
entsprechend der grösseren Oberflächenausdehnung des 
Gletschereises beim Ausbruche aus den Alpentälern 
(Linthebene) ungefähr bei 970 m, während die höchsten* 
Kuppen des Zürcheroberlandes gegenwärtig bis gegen 
1300 m ansteigen. Allerdings wissen wir noch nicht 
genau, welcher von den vier Glazialzeiten diese Erratiker 
angehören. Wir werden aber wohl am richtigsten gehen, 
wenn wir die obersten erratischen Blöcke der grössten, 
mit ihren Ablagerungen auch in horizontaler Richtung 
am weitesten nach Norden reichenden jSissglazialzeit 
zusprechen. (Die Rissglazialzeit entspricht nach den 
frühem Anschauungen der zweiten Gletscherzeit.) 

Analoge Erscheinungen erwähnt auch JPenck in dem 
bekannten Werke von Penck und Brückner, die „Alpen 
im Eiszeitalter - ', aus dem Allgäu und aus dem Appen- 
zellerlande, wo ebenso einzelne Molassekuppen mut- 
masslich immer eisfrei geblieben sind. Darauf hin deutet 
auch die charakteristische Gestalt dieser Berggipfel gegen- 
über den plumpen, ungegliederten Rücken oder zuge- 



— 233 — 

rundeten Plateaus der vom Eise einst bedeckten Molasse- 
gebieten. 

Fragen wir uns nun weiter, wie sich die Schnee- 
grenze in der letzten Eiszeit (Würmvergletscherung) ver- 
halten hat! Für den Sihlgletscher wird dieselbe für die 
Zeit, wo er seine Endmoräne bei Einsiedeln aufbaute, bei 
zirka 1320 m angegeben, also zirka 1130 m tiefer als die 
heutige Schneegrenze verläuft. Penck und Brückner 
geben allerdings im allgemeinen die Schneegrenze für 
die Würmeiszeit bei 1240 m an, doch lassen sie die- 
selbe schon bei der letzten Kückzugsmoräne der Würm- 
eiszeit auf 1320 m ansteigen. Für die nächstfolgende 
Zeit der Aachen Schwankung, in welche Periode die Bil- 
dung der Uznacher Schieferkohlen fällt, wird die Schnee- 
grenze wiederum um 100 bis 150 m höher angegeben, 
verläuft also zwischen 1400 und 1450 m. Später, in 
den nachfolgenden postglazialen Gletschervorstössen, im 
Bühl-, Gschnitz- und Daunstadium, steigt die Schnee- 
grenze stetig, bis sie schliesslich nur noch 300 m unter 
der heutigen Schneegrenze zurückbleibt. Soviel dürfen 
wir wohl mit Bestimmtheit annehmen, dass gegen den 
Schluss der letzten Vergletscherung (Würmeiszeit) und 
auch nachher die Berggipfel des Zürcheroberlandes so- 
wohl eisfrei wie schneefrei gewesen sind und so also 
gewiss auch im Stande waren, eine arktisch-alpine Flora 
zu beherbergen. Vergessen dürfen wir dabei auch nicht, 
dass wir die obere Höhengrenze des diluvialen Eis- 
mantels wohl für die grösste Vergletscherung, für die 
Ptisseiszeit, anzunehmen haben. Während der Würm- 
eiszeit und in den darauf folgenden Vorstössen dürfte des- 
halb der Eismantel, wie dies auch aus dem Steigen der 
Schneegrenze hervorgeht, lange nicht mehr diese Höhen- 
zone (1000 — 970 m) erreicht haben, so dass dann gegen 



— 2U — 

den Scnlus* der Würmeiszeit die Festlandsinseln im Eis- 
meere an Mächtigkeit zunehmen konnten. — Ob sich 
nun auf diesen glazialen Inseln, die sich stellenweise 
sicher 300 m über dem höchsten Stande dt- Eises be- 
fanden und zudem unter der Schneegrenze lagen, eine 
Florida entwickeln und erhalten konnte, soll kurz dis- 
kutiert werden. 

Verschiedene Beobachtungen von mit Vegetation 
tzten Felseninseln im Bereiche der Alpen gletscher, 
der Xunatakker auf Grönland u. s. w. scheinen allerdings 
dafiirzusprechen. Vergessen dürfen wir dabei aber nicht 
den grossen Unterschied zwischen Einzelgletscher und 
grossem Inlandeise. Wichtig ist allerdings, dass man 
auf den Moränen des Eliasgletschers in Alaska sogar 
eine Waldvegetation entwickelt vorgefunden hat. Be- 
kannt ist ferner auch, dass gegenwärtig in der Xähe 
unserer Alpengletscher, wo die mittlere Jahrestemperatur 
gewiss nicht viel höher anzusetzen ist als in den eis- 
freien Gebieten des Zürcheroberlandes gegen den Schluss 
der letzten Eiszeit eine reiche Alpenflora entwickelt ist, 
welche aber nicht etwa aus nivalen Arten zusammen- 
_ - bat Lstj sondern allgemein verbreitete alpine Matten- 
und Felsenpflanzen . zum Teil sogar montane Typen 
und vereinzelte Vertreter der Ebenenflora zu sich zählt. 
So beobachtete ich wenige hundert Meter unterhalb des 
Fornogletschers im Oberengadin bei Piancanino in zirka 
2000 m Höhe, welche Stelle meistens von einem frischen, 
kühlen Winde durchzogen wird, die folgenden Art 
Juniperus nana, Avena Scheuchzeri, Deschampsia caes- 
pitosa und flexuosa. Phleum alpinum, Carex sempervir 
Veratrum album. Salix Helvetica, Chenopodi um bonus 
Henricus, Rumex seutatus. Alnus viridis, Trollius Euro- 
-. Aconitum lycoctonum und napellus. Silène inflata. 



— 235 — 

Biscutella laevigata, Sempervivum montanum, Parnassia 
palustris, Saxifraga rotunclifolia und aizoides, Rosa 
alpina, Trifolium alpinum, Pliaca alpina, Géranium silva- 
ticum, Einpetrum nigrum, Astrantia minor, Laserpitium 
panax , Chaerophyllum Villarsii, Vaccinium uliginosum, 
Rhododendron ferrugineum, Gentiana lutea, punctata und 
compacta, Thymus serpyllum, Lonicera alpigena, Cam- 
panula Scheuchzeri , Adenostyles albifrons, Homogyne 
alpina, Achillea millefolium und moschata, Arnica mon- 
tana, Senecio doronicum, Solidago alpestris, Leucanthe- 
mum alpin um , Antennaria dioica, Crépis blattarioides, 
Leontodon autumnalis, Cirsium spinosissimum u. s. w. 
Einer ähnlichen Flora begegnete ich zum Teil neben, 
zum Teil wenig unterhalb des prächtigen „nier de glace a 
im Chamounix; es fanden sich nämlich daselbst vor: 
Agrostis rupestris , Deschampsia caespitosa, Dianthus 
silvestris, Silène rupestris, Saponaria ocymoides, Poten- 
tina grandiflora, Lotus corniculatus, Anthyllis vulneraria, 
Saxifraga aspera und aizoides, Laserpitium panax, Chaero- 
phyllum Villarsii, Astrantia minor, Epilobiurn Eleischeri, 
Rhododendron ferrugineum, Gentiana purpurea und cam- 
pestris f. Islandica, Campanula barbata und Scheuchzeri, 
Leontodon hispidus, Crépis aurea, Hieracium statice- 
folium und intubaceum u. s. w. Besonders hervorheben 
möchte ich noch, dass auch bei „chapeau" bei zirka 
1800 m das xerotherme Stachys recta festgestellt wurde. 
Es darf deshalb wohl angenommen werden, dass gegen 
den Ausgang der letzten Vergletscherung (Würmeiszeit) 
die klimatischen Verhältnisse auf den Kuppen des Züroher- 
oberlandes derartig waren, dass sie eine alpine Flora auf- 
kommen lassen konnten, vielleicht eine Zwerg strauch- 
vegetation, gebildet von verschiedenen Salixarten (Salix 
refusa, reticulata, Waldsteiniana), eine i^Wsewvegetation, 



— 236 — 

zusammen gesetzt etwa aus Carex sempervirens, firma 
und ferruginea. Kernera saxatilis, Potentilla caulescens, 
Alehimilla alpina, Dryas octopetala, Sedimi atratum, 
Saxifraga aizoides und aizoon, Rhododendron hirsutum, 
Primula auricula, Veronica fruticans ( = saxatilis), Globu- 
laria cordifolia. Hieracium A'illosuru u. s. w. oder schliess- 
lich eine alpine MattenQova mit Selaginella selaginoides, 
Poa alpina, Crocus vernus, Xigritella, Gyrunadenia albida, 
Eanunculus montanus, Potentilla aurea, Sieversia mon- 
tana, Soldanella alpina, Gentiana vulgaris und latifolia, 
Bartschia alpina, Globularia nudicaulis, Crépis aurea usw. 
Es sind dies sämtlich Arten, welche noch heute zum 
Teil bestandbildend, zum Teil mehr vereinzelt auf den 
Höhen des Zürcheroberlandes vorkommen. 

Kurz hervorheben möchte ich noch, dass auch Grad- 
inami") die zahlreichen Felsen- und Mattenpflanzen der 
schwäbischen Alb, welche ebenfalls formationsbildend 
auftreten — ich erinnere an die Felsenpflanzen Cystopteris 
montana, Draba aizoides, Kernera saxatilis, Saxifraga 
aizoon, Athamanta Cretensis, Androsaces lacteum, Cam- 
panula pusilla und Hieracium Jacquini, sowie an die 
Matten pflanzen Orchis globosus, Polygonuru viviparum, 
Eanunculus montanus, Anemone narcissiflora und Pedicu- 
laris foliosa — als glaziale Reliktpflanzen auffasst und 
deren Einwanderung in die letzte Glazialzeit verlegt, 
wobei vor allem die Abwesenheit des Waldes diesen 
alpinen Pflanzen das Fortkommen erleichtert haben soll. 
Gradinami ist überhaupt der Ansicht, dass das beinahe 
gänzliche Felden von Alpenpflanzen im fränkischen Jura 
und die auffallende Armut im nördlichen Teile des 



*) Gra'hnann, Rob. Das Ptianzenleben der schwäbischen Alb. 
Tübingen 1900. Bd. I. p. 270. 



— 237 — 

Schwarzwald.es auf Rechnung des Waldes während der 
letzten Eiszeit zu setzen sei. 

In meiner frühern Arbeit über die Flora des Zürcher- 
oberlandes habe ich weiter nachzuweisen gesucht, dass 
die Alpenpflanzen aus der Churfirsten-Speergruppe über 
die nördlichen Ausläufer des Speers und die Einsattelung 
des Rickens eingewandert sind, da sämtliche* alpine Arten 
des oberen Tössgebietes in dieser Kette — und zwar in 
reichlicher Verbreitung — vorhanden sind. Nebenbei möge 
noch bemerkt werden, dass in beiden Gebieten die kalk- 
liebenden Spezies bei weitem überwiegen. Im Sinne von 
Herrn Prof. Schröter wären daher die Alpenpflanzen des 
Zürcheroberlandes als „zentrifugale glaziale Reliktvor- 
posten" aufzufassen. 

Ferner habe ich hervorgehoben, dass das Verbreitungs- 
gebiet der (xlazialpflanzeii im Zürcheroberlande mit den 
nicht vergletscherten, schneefreien Gebieten sich ziemlich 
genau deckt, was Dr. Nägeli direkt in Abrede zu stellen 
sucht. Es ist nicht unmöglich, dass daran zum Teil ver- 
schiedene mehr subalpine Arten Schuld sind, die ihre 
Hauptverbreitung innerhalb des Koniferengürtels haben 
und die ich wegen der Identität ihrer Verbreitungsareale 
im Zürcheroberlande mit der eisfreien Zone unrichtiger- 
weise den übrigen , echt alpinen Spezies gleichstellte. 
Durch genaue Feststellung der Verbreitung dieser sub- 
alpinen Arten und durch zahlreiche eigene Beobachtungen 
in den Alpen gebieten von Bayern und Tirol, im Böhmer- 
wald, Harz u. s. w. bin ich aber zu der Einsicht gekommen, 
dass diese mehr montanen oder subalpinen Arten besser von 
den alpinen getrennt werden. Es zählen dazu: Scolopen- 
drium vulgare Sm., Asplenum viride Huds., Botryckium 
lunaria Sw., Lycopodium selago L. und L. annotium L., 
N ardus stricta L., Veratrum album L. Polygonatum verti- 



— 238 — 

cillatum All., Aconitum napellus L., Lunaria rediviva L., 
Ribes alpin um L., Géranium silvaticuni L., Circaea alpina 
L. u. s. w. Nach Abzug dieser Arten bleibt uns immerhin 
eine beträchtliche Zahl von typischen alpinen Spezies 
(zirka 65) übrig, die in der Hauptmasse, vor allem auch in 
der Individuenzahl, über der angenommenen oberen Grenze 
des Eisgürtels liegen. Dass Sekunda]- durch das fliessende 
Wasser oder durch den Wind verschiedene Individuen- 
gruppen in die Täler hinabgelangen konnten, habe ich 
bereits früher hervorgehoben. Niemals aber beträgt die 
Entfernung von dem eisfreien Areale mehr als einige 
Kilometer und immer werden dann nur vereinzelte Exem- 
plare angetroffen. 

Gegen die Identität der eisfreien Zone mit dem 
heutigen Verbreitungsareale der Alpenpflanzen spricht 
nach Nägeli das Vorkommen verschiedener Arten am 
Batzberg bei Wald and am Bachtel. Der erstere ist 
vereist gewesen, so dass es sich also hier um Neu- 
ansiedelungen handeln muss, während am Bachtel die 
allerdings (gegenüber der Kreuzegg- und Schnebelhorn- 
gruppe) nur spärlich vertretenen und sporadisch — nicht 
in Formationen — erscheinenden Spezies heute meistens 
unter der angenommenen oberen Grenze des Gletscher- 
eises liegen. 

Was zunächst den Batzberg anbetrifft, so kommen 
nach Abzug der drei mehr subalpinen Arten (Scolopen- 
drium, Lycopodium annotinum und Veratrum album) 
mir noch 5 alpine Arten in Betracht, von denen Sedum 
atratum und Globularia nudicaulis nur aus dem Her- 
barium bekannt sind, während Hieracium aurantiacum 
nur einmal aufgefunden wurde und meines Erachtens 
nicht gänzlich aussei- dem Verdachte von zufälliger Ver- 
schleppung steht. Erica carnea ist keine eigentliche 



— 239 — 

Alpenpflanze in pflanzengeographischem Sinne und wird 
neuerdings mit Berechtigung dem xerothermen Floren - 
eleménto zugesprochen. Die Standorte der beiden noch 
übrig bleibenden Arten (Saxifraga rotundifolia und 
Adenostyles alpina) sind mir nicht näher bekannt; eine 
sekundäre Einwanderung wird aber sehr nahe liegen. — 
Auf die wenigen Arten, die am Bachtel auftreten, dürfen 
wir jedenfalls nicht allzu hohes Gewicht legen. Einer- 
seits sind die am höchsten gelegenen Erratiker wohl der 
dritten, grössten Gletscherzeit (Risseiszeit) zuzuschreiben, 
während andrerseits auch nicht gänzlich ausgeschlossen 
ist, dass die alpinen Pflanzen einst im eisfreien Areale- 
des Bachtel eine grössere Verbreitung als gegenwärtig 
besessen haben können. 

Herr Dr. Nägeli ist ferner der Ansicht, dass die 
Bestandteile im Pflanzenteppich der Zürcheroberländer- 
berge aus der Zeit der „Bück Wanderung" der Gletscher 
stammen, dass ausserdem Neuansiedelung in relativ 
neuerer Zeit viel an Wahrscheinlichkeit habe. Gegen 
diese Ansichten sei es mir gestattet, einige Bemerkungen 
zu machen. 

Gegen die Einwanderung zur Zeit der Bückwanderung 
der Gletscher (wohl am Schlüsse der Würmeiszeit) spricht 
meines Erachtens vor allem die heutige Verteilung der 
alpinen Pflanzen. Diese nehmen nämlich successive von 
Süden, von der Tweralp-Kreuzegggruppe, die der Chur- 
firstengruppe am nächsten liegt, nach Norden bis zum 
Hörnli und nach Westen bis zur Allmannkette an Arten - 
und Individuenzahl ab. Trotzdem das st. gali. Kreuzegg- 
gebiet noch lange nicht so genau durchforscht ist wie 
die Zürcheroberländerberge, so sind doch eine Reihe von 
Alpinen bekannt, welche nur diesem Gebiete zukommen 
und weiter nördlich davon, schon in der Schnebelhorn- 



— 240 — 

grappe gänzlich fehlen, so z. B. Crocus vernus, Salix 
\Yaldsteiniana und reticulata, Sieversia montana. Sorbus 
chamaemespilus, Veronica aphylla und fruticolosa und 

Cirsium spinosissinium. Das spricht sicherlich für 
zentrifugale Einwanderung aus der CSiurfirsten-S] 
gruppe nach Norden. Würde der umgekehrte "Weg ein- 
_ - hlagen worden sein, wie dies wohl für zahlreiche 
heute auf der bayerischen Hochebene südlich von München 
vorkommenden Alpenpflanzen, sowie für solche in der 
Moränenlandschaft der nordöstlichen Schweiz zutrifft. 3 
ruüsste die Zahl der Alpinen im Gebiete des Bachtel und 
- Hörnli nicht sc v srs abwindend klein sein. Auch wäre 
uns gar nicht verständlich, warum die Höhenzüge der 
Allmannkette nördlich von Bauma und der Hörnlikette 
nördlich von Sternenberg, sowie die Abhänge d: 
beiden Ketten und die Talsohle der Töss. welche mit 
ihren Wiesenmooren, feuchten Waldschluchten, Bach- 
alluvionen u. s. w. gewiss ebenso günstige Standorte für 
Alpenpflanzen darbieten wie die oberbayrische Hochel- 
beim Rückzuge der Glazialflora so gänzlich vernachlässigt 
worden wären. Ueberhaupt ist die Zahl der glazialen 
Reliktpüanzeii in der nordöstlichen schweizerischen Hoch- 
ebene eine recht geringe. Man ist zwar immer gerne 
geneigt, dies auf Kosten von ungünstigen oder wenig 
geeigneten Standorten zu setzen. Warum seilen aber in 

ss st trockenen Garehingerheide bei München 
Tausende von Exemplaren von Gentiana acaulis. Carex 
sempervirens. Selaginella Helvetica etc. im Vereine mit 
tiiedenen typisch politischen, zum Teil äusserst xero- 
phytisch gebauten Vertretern, ivie Carex humilis. Adonis 
vernalis, Anemone patens und pulsatilla, Po tenti 11 a cinerea 
und ni] sti 3 3 Bhamnus saxatilis. Lin um tenuifolium, 
Veronica spicata. Scabiosa can< - s, S rzonèra pur- 



— 241 — 

purea etc. besser gedeihen können als etwa auf den 
Wiesenmooren von Nordzürich oder des Kantons Thurgau. 

Dr. Nägeli ist ferner der Ansicht, dass Neuansiedler 
stark ins Gewicht fallen. Er stützt sich dabei auf einige 
wenige Vorkommnisse von Alpenpflanzen, die erst in 
neuerer Zeit zum ersten Male beobachtet worden sein 
sollen. So hat Herr Lehrer Benz einmal am Batzberg 
bei Wald in drei Exemplaren Hieracium aurantiacum 
gesammelt, dessen Samen der Wind aus den Alpen 
hergeweht haben soll. Dem gegenüber sind mir aus 
der Literatur und aus eigener Beobachtung gegen 20 Fälle 
bekannt, wo diese Pflanze, welche sehr häufig in Gärten 
als Zierpflanze gezogen wird, als sicher verwildert und 
als Gartenflüchtling aufzufassen ist, da sie daselbst auf 
viele Meilen weit nirgends spontan vorkommt. Ob Hiera- 
cium aurantiacum allerdings im Zürcheroberlande oder in 
dessen Umgebung als Zierpflanze gehalten wird, ist mir 
nicht näher bekannt. Arabis alpina ist weiter ein sehr 
unbeständiger Gast. Man hat in botanischen Gärten 
(z. B. im Münchener Alpengarten auf dem Schachen ) 
recht oft Gelegenheit, diese Art ähnlich wie Linaria alpina, 
Kernera saxatilis, Viscaria alpina, Senecio nebrodensis, 
Leontopodium alpinum u. s. w. ganz plötzlich an Stellen 
auftreten zu sehen, wo man sie zuvor noch nie beobachtet 
hatte. Es wäre also wohl auch denkbar, dass die wenigen 
Pflanzen auf der Egg bei Hinwil von andern in der 
Umgegend befindlichen, jedoch noch nicht bekannten 
Standorten herstammen könnten. Ich glaube nämlich, 
diese Art vor zirka 14 Jahren ebenfalls einmal auf der 
Hirzegg nördlich vom Schnebelhorn beobachtet zu haben. 
Trotz eifrigem Suchen in den folgenden Jahren konnte 
ich sie aber nie mehr auffinden. 

Gegen recente Einwanderung spricht meiner Ansicht 

16 



— 242 — 

nach das Vorkommen dieser Alpenpflanzen in Forma- 
ti, was auch Gradinano für die glazialen Relikt- 
pflanzen der schwäbischen Alb ganz besonders hervor- 
hebt. Die Alpenweiden der Kreuzegg sind in reich- 
lichem Besitze einer alpinen Mattenflora. Im Frühjahr 
hat man Gelegenheit, diese Matten mit milchweissen 
;usblüten dicht bedeckt zu sehen, welche auf viele 
Tausende von Exemplaren schliessen lassen. An den 
gleichen Stelleu erscheinen im Sommer in ähnlicher 
Reihenfolge wie auf den Weiden und Matten der Alpen 
Eanunculus montan us ; Potentilla aurea, Trifolium ba- 
dimi! u. s. w. Eine andere charakteristische Vegetation 
Fels infiora treffen wir am östlichen Abhänge der Schind- 
lenbergerhöhe. Die steile, steinige und feuchte Halde. 
wo der Schnee lange, oft bis gegen den Juni liegen bleibt, 
bringt uns Diyäs oetopetala, in Unmenge Ranunculus 
alpestris, Hieracium villosum, Salixretusa, Car. x ferru- 
ginea. Rhododendron hirsutum, Primula auricola, Globu- 
laria cordifolia etc. 

Würde überhaupt diesen alpinen Pflanzen, von denen 
viele, worauf bereits schon Heer hingewiesen hat. gar 
keine besondere Verbreitungsausrästurigen ihrer Früchte 
oder Samen besitzen (z. B. Crocus vernus, die Saxifragen, 
Primula auricula. Soldanella alpina, Gentiana vulgaris 
und lati fol ia), ein so grosses Expansions- und Migrations- 
vermögen, wie Xägeli annimmt, zukommen, so könnten 
wir gar nicht verstehen, warum nicht allmählich die 
Abhänge unter zirka 1000 m. sowie die Talsohle des 
obera Tösstales in den Besitz von alpinen Arten kommen 
sollten, zumal in diesen tiefer liegenden Gebieten (inner- 
halb der Gemeinden Fischenthal, Bauma, Wald, (hol- 
ding ebenso günstige Standorte vorhanden sind wie 
in der höhern Zone. Niemals oder nur höchst selten sehen 



— 243 — 

wir aber diesen Fall eingetreten. Aus welchem Grunde 
hören ferner die Alpenpflanzen nördlich vom Hörnli fast 
urplötzlich auf, während die Höhen und tiefen Schluchten 
von Sternenberg, Sitzberg, Au u. s. w. sicherlich passende 
Standorte für sie in Menge bieten könnten? Auch müssten 
wir fast alljährlich neue vereinzelte Standorte von Alpinen 
konstatieren können. Wie mir aber durch mehrjährige 
genaue Beobachtung von einzelnen Standorten bekannt ist, 
ist bei verschiedenen Arten (z. B. Nigritella, Mulgedium) 
eine neuerdings erfolgte grössere Verbreitung nicht erfolgt. 
Im Gegenteil sind mir eine Reihe von Fällen bekannt, 
wo ohne menschlichen Einfluss im Laufe einiger Jahre 
Standorte verschwunden sind. — Auch die verschiedenen 
Sträucher, wie Alnus viridis, Rhododendron hirsutum 
und ferruginei! m u. s. w. könnten wir uns doch kaum 
jemals als recente Einwanderer vorstellen. Interessant 
ist auch, dass Alnus viridis im Zürcheroberlande meistens 
auf der feuchteren Nordseite (Hirzegg, Dürrspitz) und 
nicht auf der den Alpen zugekehrten Südseite vorkommt. 
Durch diese Ausführungen hoffe ich, den Nachweis 
erbracht zu haben, dass die Alpenpflanzen des Zürcher- 
oberlandes und der angrenzenden Gebiete des Kantons 
St. Gallen ganz gut als Einwanderer gegen den Schluss 
der letzten Eiszeit betrachtet werden können. Die Ein- 
wanderung derselben erfolgte zentrifugal, von der Chur- 
firsten -Speergruppe aus und ist sicherlich nicht dem Rück- 
zuge der letzten Vergletscherung zuzuschreiben. ISTeu- 
ansiedler spielen jedenfalls keine sehr grosse Rolle und 
bedürfen vor allem noch weiterer Beobachtung. 



Die Dunkellage der Chlorophyllkörner. 

Von Dr. G. Senn, Privatdozent in Basel. 



Dass die Chlorophyllkörner innerhalb der Pflanzen- 
zelle nicht an einen festen Platz gebunden sind, wurde 
von Böhm (1856) entdeckt. Zugleich stellte er fest, dass 
die Verlagerungen derselben durch intensives Sonnen- 
licht und durch längere Verdunkelung hervorgerufen 
werden. 

Nach zahlreichen Publikationen über dasselbe Thema 
erschien im Jahre 1880 Stahls schöne Arbeit, in welcher 
unter anderem ein deutlicher Unterschied zwischen der 
Dunkellage und der bei ' intensiver Belichtung ange- 
nommenen Chlorophyllkörner Verteilung konstatiert wurde. 
Stahl untersuchte hauptsächlich die Abhängigkeit der 
Lageveränderung von Richtung und Intensität der Licht- 
strahlen . 

Auch nach Stahl erschienen noch zahlreiche Arbeiten 
über dieses Thema. Unsere Kenntnisse wurden durch 
dieselben allerdings in mancher Hinsicht erweitert, aber 
nicht vertieft. 

Besonders blieb die Ursache unaufgekärt, welche die 
Chlorophyllkörner veranlasst, im Dunkeln die im Licht 



Anmerkung : Die Publikation dieses Vortrages, den ich am 
1. August in der Sitzung der Schweiz, botan. Gesellschaft in Winter- 
thur hielt, betrachte ich als vorläufige Mitteilung eines Teiles von 
Untersuchungen, die ich baldmöglichst in extenso zu veröft'entlichen 
gedenke 



— 245 — 

eingenommene Lage zu verlassen und sich an bestimmte 
andere Stellen der Zelle hinzubegeben, wobei ja eine 
richtende Wirkung des Lichtes völlig ausgeschlossen ist. 

Herr Greh.-Rat Pfeffer machte mich auf diese und 
verwandte Fragen aufmerksam, und ich begann dieselben 
zu studieren. 

Als günstigstes Objekt für die Feststellung der Ur- 
sache einer bestimmten Anordnung der Chlorophyllkörner 
im Dunkeln benützte ich die Blätter des Laubmooses 
Funaria hygrometrica, in dessen zu einer einzigen Schicht 
verbundenen Zellen die Chlorophyllkornverlagerung sich 
relativ rasch und leicht sichtbar vollzieht. 

Dass auch bei Funaria die Anordnung der Chloro- 
phyllkörner im Dunkeln mit derjenigen im intensiven 
Lichte nicht übereinstimmt, geht besonders deutlich aus 
dem Verhalten der Randzellen hervor. (Figur I, II, III.) 
Im Dunkeln wird die ganze freie Kante derselben von 
Chlorophyllkörnern entblösst, während sie bei Besonn ung 
(in der Richtung senkrecht zur Blattfläche) von den 
Chlorophyllkörnern aufgesucht wird. Dieselben können 
dort den Sonnenstrahlen ebenso gut ihre Kante darbieten, 
wie an den mit dem Lichteinfall ebenfalls parallelen 
Fugenwänden. 

Es ist auffallend, dass im Dunkeln nur diejenigen 
Wände von den Chlorophyllkörnern aufgesucht werden, 
welche an die Wände benachbarter Zellen stossen, die 
sog. Fugenwände, während die an Luft grenzenden freien 
Aussenuände verlassen werden. 

Wie ich eben hervorgehoben habe, kommt dieser 
physiologisch-anatomische Unterschied bei direkter Be- 
sonnung nicht in Betracht. 

Um die Wirkungsweise der Fugenwände heraus- 
zufinden, versuchte ich auf Anraten von Herrn Geh.-Rat 



— 246 — 

Pfeffer, eine Aussenwand künstlich in eine Fugenwand 
umzuwandeln. 

Ich bewerkstelligte dies durch Aufkleben abgeschnit- 
tener Funariablätter auf eben erstarrende 10 prozentige 
Gelatine. Nach zweistündiger Verdunkelung waren alle 
Chlorophyllkörner von der freien Aussenwand auf die 
Fugenwände gerückt, die der Gelatine anliegenden waren 
jedoch liegen geblieben, gerade wie an einer natürlichen 
Fugen wand. (Figur IV.) 

Bei Besonnung und längerer diffuser Belichtung 
solcher auf Gelatine aufgeklebter Blätter zeigt sich aber 
wieder ein auffallender Unterschied gegenüber der Dunkel- 
lage: die Chlorophyllkörner bleiben nicht an der Gelatine- 
seite liegen, sondern verlassen dieselbe und gehen auf 
die Fugenwände und die noch freie Aussenwand über, 
was gerade bei Besonnung am wenigsten zu erwarten 
war. (Figur V.) 

Worauf beruht nun dieser auffallende Unterschied 
in der Reaktion der Chlorophyllkörner aufgeklebter 
Blätter bei Verdunkelung und bei Belichtung? Es muss 
irgend eine spezifische Wirkung der Gelatine ausschlag- 
gebend sein, die chemischer oder physikalischer Natur 
sein kann. In physikalischer Beziehung kommt mög- 
licher Weise der Wassergehalt der Gelatine in Betracht. 
Entsprechende Versuche zeigten aber, dass das einseitige 
Anliegen an einen wasserhaltigen Körper nicht aus- 
reicht, um eine solche Chloroplastenverteilung hervor- 
zurufen. 

Es musste also irgend eine chemische Wirkung im 
Spiele sein. Statt die Blätter der Wirkung der Gelatine 
auszusetzen, wurden sie einseitig von verschiedenen che- 
mischen Körpern, zunächst von Gasen bespült. 

Zu diesem Zwecke Avandte ich folgende Methode an: 



— 247 — 

hi dünne Glimmerplättchen von Deckglasgrösse wurden 
kleine Fensterchen geschnitten, die etwas kleiner waren 
als ein Funariablatt (zirka V2 mm 2 ). Auf den Rand 
dieses Fensterchens brachte ich etwas zehnprozentige 
Gelatine und klebte ein Funariablatt über dasselbe und 
zwar so, dass die Zellen der Blattmitte beiderseits voll- 
ständig frei lagen und auch von Gelatine nicht überzogen 
waren. (Figur VI.) Es wurde dadurch möglich, beide 
Blattflächen, resp. Zellaussenseiten vollständig von ein- 
ander zu isolieren und mit verschiedenen chemischen 
Stoffen zu behandeln, indem diese Glimmerplättchen mit 
Funariablättern zwischen zwei Glaskammern mit je zwei 
Zuleitungsröhren geklebt wurden. Durch letztere konnten 
je 2iach Bedarf verschiedene Gase oder Flüssigkeiten zu- 
geführt werden, welche die Chlorophyllkörner der bei- 
den Zellaussenwände vollständig gesondert beeinflussten. 
(Figur VII.) 

Bei den ersten Versuchen experimentierte ich mit 
Wasserstoff, kohlensäurehaltiger und kohlensäurefreier 
Luft. Ich liess jeweilen die Gase zuerst bei diffuser 
Belichtung während l / 2 bis 1 Stunde einwirken und 
vollzog dann einen Beleuchtungswechsel : Verdunkelung' 
oder Besonnung. Nach 1 bis 2 Stunden hatte gut ar- 
beitendes Material reagiert. Die Glimmerplättchen wurden 
dann herausgebrochen und in Jod-Jodkaliumlösung samt 
den Blättchen untersucht. 

Bei der Einwirkung von Wasserstoff einer- und 
Luft anderseits erhielt ich keine klaren und konstanten 
Resultate. 

Anders war es dagegen bei kohlensäurehaltiger Luft 
einer- und kohlensäurefreier Luft andrerseits. Ob ich 
in der beschriebenen Weise präparierte Blätter besonnte 
oder verdunkelte, immer blieben die Chlorophyll körn er 



— 248 — 

an der von der kohlensäurehaltigen Luft bespülten Seite 
auf der Aussenwand liegen, während sie von der kohlen- 
säurefreien Seite auf die Fugenwände auswanderten. 
(Figur VIEL) 

Dabei waren aber die in Folge der Kohlensäure- 
Wirkung auf der einen Aussenwand liegen bleibenden 
Chlorophyllköriier nicht etwa anästhesiert: Der Versuch 
gelang in derselben Weise, wenn er mit Blättern an- 
gestellt wurde, in denen die Chlorophyllkörner in Folge 
vorheriger Verdunkelung durchgehends auf den Fugen- 
wänden lagen. Hier wanderten die Chlorophyllkörner 
nach der von Kohlensäure bespülten Aussenwand hinüber. 

Das Gelingen dieser Versuche ist allerdings nur bei 
grosser Empfindlichkeit des Materiale«, dann aber aus- 
nahmslos zu erwarten. 

Es wurde somit eine deutliche Anziehung der Chloro- 
phyllkörner durch die Kohlensäure konstatiert, eine posi- 
tive Chemotaxis, wie sie auch bei grünen Algenschwärmern 
von Frank (1904 Botan. Zeitung pag. 177) im Anschluss 
an meine Versuche nachgewiesen worden ist. 

Verwerten wir diese Tatsache bei der Erklärung 
der Wirkungsweise der Gelatine auf die Chloroplasten- 
verlagerung bei Funaria, so ergiebt sich, dass die Gelatine 
bei Belichtung wie ein an Kohlensäure armer, bei Ver- 
dunkelung wie ein an Kohlensäure reicher Körper wirkt. 

Dass dies eine spezifische Eigenschaft der Gelatine 
sei, ist nicht anzunehmen, viel eher wird man zu dei 
Vermutung veranlasst, dass die Funariablätter selbst an 
diesem auffallenden Verhalten der Gelatine schuld seien. 
Bei der assimilatorischen Tätigkeit der Blätter, die die 
Kohlensäure konsumiert, ist das Fortwandern der Chloro- 
phyllkörner von der Gelatine im Lichte darauf zurück- 



— 249 — - 

zuführen, dass der darin enthaltene Kohlensäurevorrat 
aufgezehrt und offenbar nicht ebenso rasch ersetzt wird. 

Bei Verdunkelung wird im Gegenteil der Kohlen- 
säuregehalt der Gelatine bei völligem Mangel der Assi- 
milation durch die Atmung des Blattes erhöht: die 
Chlorophyllkörner bleiben auf der Gelatineseite liegen. 

Dabei muss aber eine verschiedene Diffusionsge- 
schwindigkeit der Kohlensäure und des Sauerstoffs durch 
die Gelatine angenommen werden: die Kohlensäure muss 
langsamer durch die Gelatine . diffundieren als der Sauer- 
stoff. Die bei der Assimilation verbrauchte Kohlensäure 
wird daher nicht so rasch aus der Luft ersetzt, dass 
der Kohlen Säuregehalt der Gelatine stets konstant bleibt, 
und die bei der Atmung ausgeschiedene Kohlensäure 
wird nicht ebenso rasch durch die Gelatine fortgeleitet, 
wie der zur Atmung nötige Sauerstoff zugeleitet wird. 

So weit war ich in meinen Ueberlegungen gediehen, 
als ich eine Arbeit von Aug. Hagenbach (1898, Annalen 
der Physik und Chemie p. 673 ff.) über Diffusion von 
Gasen durch wasserhaltige Gelatine in die Hände bekam. 
Hagenbach hat auf physikalischem Wege nachgewiesen, 
dass der Sauerstoff 7 mal rascher durch 20 prozentige 
Gelatine diffundiere als die andern Gase, speziell auch 
als die Kohlensäure. 

Was ich also auf Grund meiner Versuche niitFunaria 
schloss, war vorher auf physikalischem Wege nachgewiesen 
worden. 

Die Vermutung lag nun nahe, dass die ganze Clüoro- 
plastenverlagenmg auch bei unauf geklebten Blättern von 
Funaria auf der positiven Chemotaxis der Chlorophyll- 
körner gegenüber Kohlensäure beruhe, dass sie somit 
durch Selbstregulation innerhalb der Zelle zustande komme. 

Ich stellte mir den Vorgang folgendermasseii vor: Im 



• — 250 — 

Dunkeln kann die bei der Atmung gebildete Kohlensäure 
an den freien Aussenwänden rascher hinausdiffundieren 
als an den Fugen wänden. An letzteren findet sich daher 
ein grösseres Quantum von Kohlensäure, welches von den 
Chlorophyllkörnern aufgesucht, während die an Kohlen- 
säure ärmere Aussenseite verlassen wird. 

Im diffusen Lichte zehren die Chlorophyllkörner die 
bei der Atmung erzeugte Kohlensäure fortwährend auf, 
sie kann sich also in der Zelle nirgends anhäufen, während 
an die Aussenwände durch die Luftströmungen, wenn 
auch geringe, so doch stets neue Mengen von Kohlensäure 
herangeführt werden. Die Chlorophyllkörner wandern 
wieder der Stelle mit höherem Kohlen Säuregehalt zu, 
treten somit auf die Aussenwände über. Im gleichen 
Sinne wirkt in diffusem Lichte die von Stahl festge- 
gestellte transversale Phototaxis der Chlor ophyllkörn er, 
die den diffusen Lichtstrahlen ihre Breitseite zuzukehren 
bestrebt sind. 

Bei Besonnung kommt unter normalen Verhältnissen 
die Chemotaxis bei Fun ari a .nicht in Betracht: die Chloro- 
plasten stellen sich parallel zum Strahleneinfall. 

Die vorgetragene Theorie über das Zustandekommen 
der Dunkellage der Chlorophyllkörner infolge von posi- 
tiver Chemotaxis gegenüber Kohlensäure wird aber durch 
einen einfachen Versuch, über die Wirkung der rotgeiben 
Spektralhälfte umgestossen. In derselben ist bekanntlich 
die Kohlensäureassimilation am stärksten, eine Kohlen- 
säureanhäufung kann also an den Fugenwänden ebenso- 
wenig eintreten, als im weissen Lichte. Trotzdem wandern 
die Chloroplasten imKaliumbichromat-Lichtauf dieFugen- 
wände hinüber. 

Obwohl allerdings die Blätter in der freien Natur 
nie den rotgeiben Strahlen allein exponiert werden, reicht 



— 251 — 

die positive Chemotaxis der Chlorophyllkörner der Kohlen- 
säure gegenüber nicht aus, um die Dunkellage der Chloro- 
plasten zu erklären. 

Durch einen Zufall wurde ich auf die richtige Fährte 
geführt. Funariarasen, welche innerhalb zwei Stunden 
auf Verdunkelung reagierten, waren gegen Dunkelheit 
unempfindlich geworden, als ich sie mit 0,1 prozentiger 
Knop'scher Nährlösung begossen hatte. 

Eine Schädigung der Blätter war ausgeschlossen; 
im Gegenteil sahen die Kulturen viel üppiger aus als 
die nur mit Wasser begossenen. Durch die reichliche 
Zufuhr waren aber die notwendigen Bodensalze im ganzen 
Zellsaftraum in relativ grosser Menge vorhanden, es exi- 
stierte also keine genügende Differenz in der Menge der 
wirksamen Stoffe an den verschiedenen Stellen der Zelle, 
vielleicht war auch die Reizbarkeit der Chloroplasten 
durch die reichliche Zufuhr der reizenden Stoffe herab- 
gesetzt. 

Bei schwacher Zufuhr derselben werden sie dagegen 
im Zellsaftraum in sehr geringer Menge vorhanden sein, 
in grösster Menge noch an den Fugen wänden, durch die 
ja allein der Stofftransport geschieht. 

Wenn daher eine chemotaktische Reizbarkeit der 
Chloroplasten durch die Bodensalze festgestellt werden 
kann, sind wir berechtigt, auf Grund der erwähnten 
Beobachtungen die Dunkellage der Chloroplasten auf 
positive Chemotaxis gewissen Bodensalzen und der Kohlen- 
säure gegenüber zurückzuführen. 

Eine solche chemotaktische Reizbarkeit habe ich mit 
Hilfe der eingangs beschriebenen Methode tatsächlich fest- 
gestellt. Statt dass ich durch die Glaskammern Gase 
durchsog oder durchpresste, liess ich vermittelst einer 
Hebervorrichtung einerseits eine Salzlösung, andrerseits 



— 252 — 

destilliertes Wasser vorbeifliegen, und zwar etwa 1 Liter 
pro Stunde. 

Die chemische Untersuchung der vorbeigeflossenen, 
getrennt aufgefangenen Lösungen ergab, class bei guter 
Versuchsanstellung die beiden Flüssigkeiten durch das 
auf dem Glimmerplättchen aufgeklebte Funariablatt voll- 
ständig getrennt wurden, eine Mischung der Flüssigkeiten 
und demzufolge eine Trübung der Versuchsresultate aus- 
geschlossen war. 

Positive Chemotaxis zeigten die Chloroplasten gegen- 
über: 

Knopscher Nährlösung 0,25 — 0,5 % 

Mg SOi 0,25 und 0,45 % sehr deutlich 
Xa 2 SÜ4 0,266 % 
H2 S0 4 0,005 % 
XaH SO* 0,1125 % 
KH SO* 0,1275 % 
Negativ chemotaktisch, abstossend wirkten : 
K NOa 0,25 % 
Na XO3 0,25 °/o 
KH2 PO4 0,25 °,o 
H 3 PO4 0,05 °/o 
Von organischen Stoffen habe ich erst folgende geprüft: 
Rohrzucker 1,28 % ist indifferent, 
Sauerkleesalz 0,12 °/o wirkt abstossend. 
Aepfelsäure 0,025 und 0,0125 % wirkt anziehend. 
Sie ist bekanntlich der Stoff, welcher die Spermatozoiden 
der Farne in die Archegoniumoifnung hineinlockt. 

Obwohl die Liste der untersuchten Substanzen noch 
klein ist. 80 geht doch daraus hervor, dass die Chloro- 
plasten von Funaria durch gewisse Bodensalze, besonders 
Sulfate, chemotaktisch reizbar sind, wodurch die Dunkel- 



— 253 — 

läge der Chloroplasten an den Fugenwänden auch im 
roten Lichte erklärt wird, ebenso wie auch die Häufung 
der Chlorophyllkörner um den Kern, die Sy strophe, welche 
bei zahlreichen einzelligen Pflanzen vorkommt. (Striatella, 
Eremosphaera.) 

Dass die chemotaktisch reizbaren Chlorophyll körn er 
in der Dunkelheit gerade den Kern aufsuchen, ist bei 
seinem Gehalt an verschiedenen physiologisch wichtigen 
Stoffen nicht auffallend. Sobald die Wirkung des Licht- 
reizes, welcher die transversale Phototaxis hervorruft, 
aufhört, übt der (offenbar schwächere) chemotaktische 
Reiz des Kernes seine Wirkung aus. 

Ausgesprochen chemotaktische Bewegungen der Chlo- 
rophyllkörner sind übrigens schon von Nordhausen (1899 
Pringsh. Jahrbuch p. 44, Anm.) bei Mnium -Arten be- 
obachtet worden. Liess er die Blätter allmählich durch 
Botrytis cinerea infizieren, so waren die Chloroplasten 
der Zelle, welche von einem Pilzfaden angegriffen wurde, 
in kurzer Zeit nach der von der An griff s stelle des Pilzes 
abgelegenen Zellpartie weggewandert, offenbar chemo- 
taktisch abgestossen von den vom Pilz ausgeschiedenen 
Giften. 

Nach meinen Untersuchungen ist also die Dunkel- 
lage der Chlorophyllkörner durch eine ungleiche Verteilung 
der auf dieselben chemotaktisch wirksamen Stoffe zu 
erklären, während die Lage im Licht, sei es diffus oder 
intensiv, von Qualität, Intensität und Richtung der Strahlen 
abhängig ist. 

Ueber die Frage, ob die Verlagerung der Chloroplasten 
nur passiv ist und durch das Plasma vollzogen wird 
oder ob sie auf einer aktiven Bewegung der Chlorophyll- 
körner innerhalb des sie einschliessenden Plasmas beruht, 
habe ich ebenfalls Versuche angestellt. 



— 254 — 

Ohne auf Einzelheiten einzugehen, kann ich schon 
jetzt mitteilen, dass die Bewegung in einem Kriechen 
an der äusseren, vielleicht auch inneren ruhenden Haut- 
schicht des Plasmaschlauches bestellt, und dass diese 
Kriechbewegung von der Plasmaströmung (Zirkulation) 
normaler Weise unabhängig ist, ja derselben häufig ent- 
gegenarbeitet. 

Zahlreiche Beobachtungen deuten auch darauf hin, 
dass nicht das plasmatisela Stroma der Chloroplasten 
selbst die Bewegung vollzieht, sondern dass es pseudo- 
podi en artig sich ausstreckende und kontrahierende Plas- 
mastränge sind, welche die Chlorophyllkörner bewegen 
und welche aus der jeden Chloroplasten umhüllenden 
Plasmasela cht ausgestülpt werden können. 

Die Plasmastränge sind an fixiertem und gefärbtem 
Materiale, oft aber auch in lebenden Zellen, z. B. bei 
Funariä sehr deutlich zu sehen. 

Demnach führen die Chlorophyllkörner innerhalb der 
Pflanzenzelle ein sehr indnnduelles Leben, worauf schon 
Schimper (Bot. Zeitg. 1883, p. 112) hingewiesen hat. Ob 
seine Idee von der ursprünglich symbiontischen Natur 
der Chloroplasten durch meine Untersuchungen berührt, 
eventuell gestützt wird, diese Frage möchte ich vorläufig 
noch offen lassen. 



Funaria Blattrand • Vergrösserung 340 






Fig. I. Hus diffusem Licht Fig. II. Perdunkelt 



Fig. III. Besonnt 



Funaria Blattrand im Querschnitt 
auf lOprozentiger Gelatine aufgeklebt • Vergrösserung 340 




Fig. IV. Perdunkelt 




Fig. V. Längere Zeit belichtet, resp. besonnt 



Fig. VI. mittlerer Teil 

eines Glimmerplcittchens 

mit einem über das Fenfferchen 

geklebten Funariablaff 

zirka doppelte naturi. Grösse 




Fig. VII. 2 ©laskammern 
mit Zuleitungsröhrchen 
dazwischen Slimmerpläftchen 
mit Fenster. Optischer ücings= 
schnitt 2, 3 der naturi. Grösse 



EOi freie fiuff 




Fig. VIII. 

Querschnitt durch ein Funariablatt 

das über ein Glimmerfenster geklebt und auf der einen Seife 

mit CO2 freier, auf der andern Seife mit ZOi halfiger fiuff 

bespühff worden war • Vergrösserung 340 



Berichte des Zentralkomitees 

und der 

Kommissionen. 



I. 
Bericht des Zentralkomitees. 



1. Der Bibliothekar Herr Dr. Steck hat auf Ver- 
anlassung des Z.-K. eine Liste von wissenschaftlichen 
Gesellschaften aufgestellt, mit denen ein Täuschverkehr 
der Druckschriften wünschenswert erscheinen könnte. 
Es wird nun Aufgabe des Z.-K. sein, dieses umfangreiche 
Verzeichnis zu revidieren und zu ergänzen, sowie in 
Verbindung mit der Denkschriften- und der Bibliothek- 
Kommission die geplante Ausdehnung des bisherigen 
Tauschverkehres durchz uführen . 

2. Auf Grundlage des Berichts der Kryptogamen- 
kommission (Verhandlungen Locamo pag. 181) hat das 
Z.-K. beim Bundesrate das Gesuch gestellt : es möchte 
im Interesse einer raschen Publikation der Preisarbeit 
des Herrn Prof. Fischer „über die schweizerischen Ure- 
diiieen c ' - der reguläre Beitrag" des Bundes von Fr. 1200 
an die Kommission für das Jahr 1903 ausnahmsweise 
auf Fr. 3000 erhöht werden. Diese Erhöhung wurde 
leider abgelehnt. 

Es ist daraufhin beschlossen worden, der Jahres- 
versammlung in Winterthur zu beantragen: Es sei der 
Kryptogamen-Kommission für die Jahre 1904 und 1905 
ein ausserordentlicher Kredit von je 800 Fr. aus der 
Zentralkasse der S. ÌST. G. zu gewähren. 

3. Die Eingabe der schweizerischen botanischen Ge- 
sellschaft an das eidgenössische Departement des Innern 
betreffend die Gewährung von Subventionen für diejenigen 
schweizerischen Xaturforscher, welche auf der botanischen 

17 



— 258 — 

Tropenstation Buitenzorg wissenschaftlichen Studien obzu- 
liegen gedenken (vergi. Verhandlungen Locamo pag. 138) 
ist mit den übrigen Gesuchen unserer Gesellschaft um 
Bundesunterstützungen für das Jahr 1904 an das Depar- 
tement abgegangen. 

Der verlangte Beitrag von Fr. 2500 ist durch die 
eidgenössischen Bäte bewilligt worden und es handelt 
sich jetzt darum, die Normen festzustellen, unter welchen 
die Subvention die zweckmässigste Verwendung finden 
wird. Da es im Sinne der Eingabe liegt, dieses natur- 
wissenschaftliche Reisestipendium zu einer ständigen 
Institution zu erheben, so ist auch für das Jahr 1905 
wieder um den nämlichen Beitrag von Er. 2500 nach- 
zusuchen. 

4. Dem Gesuche des Herrn Prof. Schröter: es möchte 
ihm gestattet werden, den in den Verhandlungen von 
Locamo erschienenen Vortrag des Herrn Eorstinspektor 
Ereuler: „Forstliche Vegetationsbilder aus dem südlichen 
Tessili" 1 als eine Nummer seiner Serie: „Botanische Ex- 
kursionen und pflanzengeographische Studien aus der 
Schweiz ' separat herauszugeben, wird entsprochen. 

Durch Herrn Merz ist von Herrn K. J. Wyss in Bern 
die Anfrage gestellt worden, ob er für das Sonntagsblatt 
einer Zeitung die Clichés benutzen dürfe, die für den 
Vortrag über „die forstlichen Verhältnisse des Kantons 
Tessin" (Verhandlungen Locamo p. 63 etc., Tafel 1 bis 6; 
hergestellt worden sind. Das Z.-K. hat prinzipiell ent- 
schieden, es seien derartige Clichés zwar wissenschaft- 
lichen und gemeinnützigen Publikationen, nicht aber 
politischen Zeitungen zur Verfügung zu stellen. 

5. Im Interesse dei 1 grössern Uebersichtlichkcit sollen 
künftighin die wissenschaftlichen und die geschäftlichen 



— 259 — 

Teile der „Verhandlungen" 1 bei der Publikation mehr als 
bisher auseinandergehalten werden. 

6. Da die Rechnung für 1903/04 einen Vorschlag 
ergiebt, so werden aus dem Bestand der Zentralkasse dem 
Stammkapital Fr. 1000. — zugewiesen. Es ergiebt sich 
damit für den 1. Juli 1904 folgender Status: 

Zentralkasse Fr. 5597. 67 
unantastbares Stammkapital „ 16960. 40 

7. Das Gesuch, an die Kosten des im August 1904 
in Bern stattfindenden internationalen Zoologenkongresses 
einen Beitrag aus der Kasse der S. N. G. zu bewilligen, 
musste in Rücksicht auf die Konsequenzen für ähnliche 
Veranstaltungen ablehnend beantwortet werden. 

Der Einladung, die S. N". G. an diesem Kongresse 
offiziell vertreten zu lassen, wurde durch Bezeichnung 
der Herren Prof. A. Lang und Dr. F. Sarasin als Abge- 
ordnete entsprochen. 

8. Herr Sekundarlehrer Marti in Mdau hat sich an 
das Z.-K. der S. IST. G. um Unterstützung der Beobach- 
tungen gewendet, die zur Bestätigung seiner Theorie der 
Wetterprognosen nötig sind. Er wurde an die schwei- 
zerische meteorologische Kommission als die zuständige 
Instanz gewiesen. 

9. Am 16. ISTovember 1903 feierte Prof. Dr. Anisler 
in Schaffhausen seinen achtzigsten, am 12. Dezember 
Dr. Hermann Christ in Basel seinen siebzigsten Geburtstag. 
Die vom Z.-K. an die beiden Jubilare gerichteten Glück- 
wunschschreiben sind freundlich aufgenommen und herz- 
lich verdankt worden. 

10. Eine durch das eidg. Departement des Innern 
vermittelte Einladung zum internationalen Botaniker- 
kongress 1905 in Wien wird an die schweizerische bota- 
nische Gesellschaft gewiesen. 



260 



Auszug aus der 76. Jahresrechnung pro 1903 04. 

uuästorin: Frl. Fanny Custer. 



A. Zentralkasse. 

Einnahi 

Vermögensbestand am 30. Juni 1903, abzüglich der 
fürs Stammkapital angekauften 1 Obligation der 
Zürcher Kantonalbank à Fr. 1000. — 

Aufnahmsgebühren 

Jahresbeiträge 

Beitrag der Stadtbibliothek Bern 

Zinsgutschriften und bezogene Zins?e 

Diverses 

Ausgäbe . 

Bibliothek 

Verhandlungen. Compte-rendu und andere Drucksachen 

Kommissionen 

Diverses 

Saldo am 30. Juni 1904 

B. Unantastbares Stammkapital. 

(Inbegriffen Fr. 500. — Bibliothek-Fondsj. 
Einnahi 

nd am 30. Juni 1903 

Ankauf von 1 Obligation der Zürcher Kantonalbank. 

^19636 al pari 

Beiträge von Dr. R. in X 

ad am 30. Juni 1904 

nämlich : 
11 Oblig. der Schweiz. Bundesb., 3?/*% à 1000 Fr. . 
1 Oblig. der Allg. Aarg. Ersparuiskassa. 4 °/o à 1000 Fr. 
- . . à 500 Fr. 

lig. der Zürcher Kantonalbank, 378% à 1000 Fr. 
Guthaben bei der Allg. 



Fr. 



Cta 



5.880 


7: 


114 


— 


4,105 


— 


2.500 


— 


726 


■:■" 


66 


!■' 


13,422 


11 


20 

- " 


05 


200 


— 


1.649 


&:• 


" 7 


67 


13.422 


:: 



14 B60 -: 

1.000 — 
100 - 



15,060 


40 


11,000 







— 


1,000 


— 


1,000 


— 


1.960 


40 


ü 


4" 



261 



C. Schläfli-Stiftung. 

I. Stammkapital. 

Bestand am 30. Juni 1904: 

10 Oblig. der Schweiz. Bundeab., 3 1 /» % à 1000 Fr. . 
4 Oblig. Neues Stablbad St. Moritz, 4 x /2 % à 1000 Fr. 
2 Oblig. der Stadt Lausanne, 4% à 500 Fr. . . . 
1 Oblig. der Schweiz. Kreditanstalt, 372 % à 1000 Fr. 


Fr. 

10,000 
4,000 
1,000 
1,000 


Cts. 




16,000 


— 


II. Laufende Rechnung. 

Einnahmen. 
Saldo am 30. Juni 1903 


1,223 
654 


36 
75 






1,878 


11 


Ausgaben. 

Druck und Adressieren der Schiarii- Zirkulare . . . 
Aufbewahrungsgebühr der Wertschriften, Separate 


54 

38 

1,785 


50 

37 
24 


Saldo am 30. Juni 1904 






1,878 


11 


D. Denkschriften-Kommission. 

Einnahmen. 

Beitrag des Bundes pro 1902 (Nachtragskredit) und 
1903 


465 

8,000 

946 

81 


10 

65 
40 






9,493 


15 


Ausgaben. 

Druck von Nekrologen und bibliograph. Verzeichnissen 
Drucksachen, Gratifikationen, Versicherung, Porti etc. 
Saldo am 31. Dezember 1903 


5,637 

742 

948 

2,164 


60 
60 

77 
18 




9,493 


15 






1 



262 



E. Geologische Kommission. 

Einnahmen. 

Saldo am 31. Dezember 1902 

Beitrag des Bunde? pro 1903 

Verkauf ron Textbänden und Karten .... 
Zinse 

Ausgäben. 

Taggelder an die im Feld arbeitenden Geologen 
Druck und Karten der Lägernkette etc. . . . 

Diverse? 

Saldo am 31. Dezember 1903 



F. Geotechnische Kommission. 

Einnahmen. 

Saldo am 31. Dezember 1902 

Beitrag des Bundes pro 1903 

Erlös für -Geotecbnisebe Beiträge- 

Zinse 

Ausgaben. 
Untersuchung von Tonlagern, Bureauarbeiten. Karten- 
lieferungen etc 

Diverses 

Saldo am 31. Dezember 1903 

G. Kohlen-Kommission. 

Einnahmen. 

Saldo am 31. Dezember 1902 

Zinse 



73 S 35 

15.000 - 

2.257 18 

317 90 

18.343 13 

7,012 70 

897 - 

676 82 

9.750 91 

18.313 13 



151 10 

5,000 - 

69 75 

ini 35 

5,628 20 



5,378 

237 



7" 
35 



VI 15 



Ausgaben. 



28 20 



4,387 

171 1" 

4,562 - 



Porti 

am 31. Dezember 1903 



1.671 



3D 
80 



2 — 



26; 



H. Commission de Géodésie. 

Recettes. 

Solde au 31 décembre 1902 

Subside de la Confédération pour 1903 . 
Divers 



Dépenses. 

Ingénieur et Frais 

Stations astronomiques 

Nivellement de précision . 

Instruments 

Imprimés et séances 

Association géodes, intern., Conférence à Copenhague 

Association géodésique internationale 

Divers 

Solde au 31 décembre 1903 



I. Gletscher-Kommission. 

Einnahmen. 

Saldo am 30. Juni 1903 

Zinse 



Ausgaben. 
Schreibmaterial, Frankaturen etc. 
Saldo am 30. Juni 1904 . . • . . 



K. Kryptogamen-Kommission. 

Einnahmen. 

Saldo am 31. Dezember 1902 

Beitrag des Bundes pro 1903 

Erlös für verkaufte ..Beiträge" der sckw. Krypt. -Flora 
Zinse . . . 



Ausgaben. 
Beiträgen" . . . 



Druck von 

Diverses 

Saldo am 31. Dezember 1903 



lots 



3,860 96 

15.800 — 

103 25 



19,761 21 



5533 30 



2,292 

3.000 

3,914 

973 

1,000 

983 

361 



19 

55 

7U 

20 
20 
1,705 I 77 



19.764 I 21 



175 
4 



26 



179 26 



il ° dl 

173 1 95 

179 | 26 



40 

j35_ 
75 

90 
10 
lo_ 
75 




2,881 



— 264 



L. Concilium Bibliographicum. 

Einnahmen. 

Geschäftsverkehr 

Eidgenössische Subvention .... - 

Kantonale Subvention 

Städtische Subvention 

Subvention der Amer. Assoe. for the Adv. of Science 
Subvention des Elizabeth -Thompson-Fund . . . , 

Diverses , 

Passivsaldo am 31. December 1903 

Ausgaben. 
Installation. Möbel. Druckerei. Reparaturen . . . . 

Post. Telephon. Telegraph 

Papeterie, Accidenzdruck. Karton. Druckpapier, Buch- 
binder 

Yermittlungseinkäufe 

Gehalte, Löhne 

Miete 

Fracht, Spesen. Heizung. Licht 

Zinse 

Varia 



Fr. 



16.222 

5,000 

1,000 

550 

500 

1.500 

15 

3,976 

28,763 



Cts. 



83 



1,135 

2.092 

4,215 

2,271 
16,267 

1,169 
503 
935 



02 
35 



02 

45 

39 
36 
20 

37 
Ol 



I7i 55 
28.763 35 



265 



II. 

Berichte der Kommissionen, 



A. Bericht über die Bibliothek 
der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft. 

Für das Jahr 1903/04. 



Das abgelaufene Berichtsjahr, 21. August 1903 bis 
30. Juni 1904, brachte drei neue Tauschverbindungen, 
nämlich : 

1. Observatorio del colegio del estado Puebla (Mexico), 

2. Reale Accademia peloritana Messina (Sicilia), 

3. Carnegie Institution of Washington (U. St. America). 
Eine Erweiterung des Tauschverkehrs wäre sehr 

erwünscht und es sollen im nächsten Berichtsjahre be- 
bezügliche Versuche gemacht werden. 

Die Bibliothekrechnung weist folgendes Ergebnis auf: 

I. Einnahmen: 

1. Saldo letzter Rechnung 

2. Zinse des Kochfundus: 

a) von der Schweiz, naturf. Gesellschaft 

b) von der bernisch, naturf. Gesellschaft 

Total-Einnahmen Fr. 71.48 
IL Ausgaben: 
Abonnement der Zeitschrift für Mathemathik 

und Physik, Band 49 und 50 . . . Fr. 53.40 

Total-Ausgaben Fr. 53.40 



Fr. 


33.98 


» 
» 


20.— 
17.50 



— 266 — 

III. Bilanz. 

Es bleibt mithin auf die künftige Rechnung ein 
Betrag von Fr. 18.08 verfügbar. 

Ausser den regelmässig tauschweise eingehenden 
Publikationen sind der Bibliothek von nachfolgend ge- 
nannten Herren Geschenke zugegangen: 

Boulanger, Emile (Paris); Choffat, Dr. Paul (Lisboa); 
Dufour, Henri Prof. Dr. (Lausanne); Forel, Aug. Prof. Dr. 
(Chigny bei Morges); Goeldi, Dr. E. A. (Para, Brazil); 
Kölliker, Albert Prof. Dr. (Würzburg); Ogilvie, Gordon 
(Aberdeen); Pavesi, Prof. Dr. Pietro. (Pavia); Pioda, Alfredo 
(Bellinzona) ; Porchet, Ferd. (Lausanne); Schardt, Prof. 
Dr. H. (Yeytaux); Semadeni, 0.; Schuyten, Dr. M. C. 
(Antwerpen)! 

Es soll an dieser Stelle den oben Genannten für ihre 
wertvollen Zusendungen an die Bibliothek der Dank der 
Gesellschaft ausgesprochen werden. 

Die Titel der von eben genannten Donatoren und 
der von Tauschgesellschaften eingesandten Abhandlungen 
und Einzelschriften finden sich im Anhang. 

Bern, den 1. Juli 1904. 

Der Bibliothekar 
der schiveizerischen natur for sehenden Gesellschaft: 

Dr. Theod. Steck. 



— 267 — 

Anhang. 
Neue Erwerbungen seit 1. Juli I903. 



A. Durch Geschenk. 

The Atoll of Funafuti. Borings into a coral reef and the 
results. Being the report of the Coral Reef Committee 
of the Royal Society. London 1904. 4°. 2 volumes. 
(Text and Maps.) G-esch. der Royal Society in 
London. 

Boulanger, Emile. Les mycéliums truffi ers blancs. Rennes- 
Paris 1903. 4°. Gesch. des Verfassers (Paris). 

Choffat, Paul. Les tremblements de terre de 1903 en 
Portugal. Lisbonne 1904. 8°. Gesch. des Verfassers 
(Lisbonne). 

Dufour, Henri. L'insolation en Suisse. l re partie: Mesures 
héliographiques par H. Dufour. 2 me partie: Mesures 
actinométriques par H. Dufour et Ch. Buhrer. Genève 
1903. 8°. Gesch. des Herrn Prof. Dufour in Lausanne. 

Feriae aestivae. Carmen praeraio aureo ornatum in cerca- 
mine poetico hoeufftiano. Accedunt duo poemata 
laudata. Amstelodami. 1903. 8°. Gesch. der k. Akad. 
in Amsterdam. 

Forel, A. Les Fourmis des îles Andamans et Nicobares. 
Genève 1903. 8°. 

— Ueber Polymorphismus und Variation bei den 
Ameisen. Jena 1904. 8°. 

— Fourmis de British Columbia, récoltées par M. Ed. 
Whymper. Bruxelles 1904. 8°. 



— 268 — 

E rdj A. Miscellanea myrmécologiques. Genève 1904. 8°. 

— Fourrais du musée de Bruxelles. Bruxelles 1904. 8°. 

— Xote sur les fourmis du musée zoologique de l'académie 
Impériale des sciences à St-Petersbourg. St-Peters- 
bourg 1904. 8°. Geschenke des Verfassers. 

Goeldi, Dr. Emilio A. Ensaio sobre o Dr. Alexandre B. 
Ferreira. Para. Brazil 1895. 8°. 

— Album de ave$ amazonicas. Fase. 2. Zürich 1903. 4°. 

— Eine Naturforscherfahrt nach dem Litoral des süd- 
lichen Guyana zwischen Oyapoek und Amazonen- 
strom. St. Gallen 1898. 8°. 

— Ornithological results of an expédition up the Capim 
Biver. State Para, with criticai remarks on the 
Cracidae of Lower Amazonia. London 1903. 8°. 

— Letter to the Editor of the Ibis. London 1903. October. 
8°. Gesch. des Verfassers. 

Goeldi, E. A. e Hagmann. Prodromo de um catalogo 
critico e commentado da coUeciäo de ma nini itero s 
liv rn-iseo :Io Para 1-94—1908. Para. Brazil 1904. 
8°. Gesch. der Verfasser. 

Harm, J. Zur Meteorologie des Aequators. Nach den 
Beobachtungen am Museum Goeldi in Para. Wien 
1902. 8°. Gesch. des Herrn Direktor Goeldi in Para. 

Holm, Otto. Beiträge zur Kenntnis der Aleyonidengattung 
Spongodes Lesson. Inaug. Dissert. Jena 1895. 8°. 
1 resch. der Universitätsbibliothek TTpsala. 

Huber, Er. J. Sobre os materiaes do Xinho do Japù 
U-tinops decumanusi. Besposta aö Sr Dr. a-. Ihering. 

Para 1902. 8°. 'Teseli, des Herrn Direktor E. Goeldi 

in Para. 
Jkkeli, Dr. Cari. Die Unvollkommenheit des Stoffwechsels 

als Veranlassung für Vermehrung, Wachstum, Diöe- 



— 269 — 

renzierung, Rückbildung und Tod der Lebewesen. 
Berlin 1902. 8°. (Abhandlungen des Siebenbürger 
Vereins für Naturwissenschaft, Band I.) Gesch. des 
Siebenbürger Vereins für Naturwissenschaft in Her- 
mannstadt. 

v. Kälecsinszky -, Alexander. Die Mineralkohlen der Länder 
der ungarischen Krone. Budapest 1903. 8°. G-esch. 
der k. ungar. geol. Anstalt in Budapest. 

Kölliker, Â. Die Entwicklung und Bedeutung des Glas- 
körpers. Leipzig 1904. 8°. Gesch. des Verfassers. 

Lagergren, Sten. lieber elektrische Energieausstrahlung. 

Stockholm 1902. 8°. Gesch. der Universitätsbibliothek 

Upsala. 
Macoun, John. Catalogue of Canadian birds. Part LT. 

Ottawa 1903. 8°. Gesch. der Geol. Survey of Canada. 
Ogüvie, Gordon. The geological structure of Monzoni and 

Fassa. Edinburgh 1903. 8°. Gesch. der Verfasserin 

(Aberdeen). 
Pavesi, Prof. Dr. Pietro. Em neuer Nemastomid aus 

Amerika Leipzig 1900. 8°. 

— A new american Nemastoniid. Westminster 1900. 8°. 

— Un nuovo Nemastomide americano. Firenze 1900. 8°. 

— Relazione sulla proposta istituzione d'una sezione 
ornitologico-cinegitica del comizio agrario. Pavia 
1898. 8°. 

— E sempre il merlo bianco. Milano 1903. 8°. 

— Sugli aracnidi raccolti a Giava dal dott. Penzig nel 
1895/96. 8°. Pavia 1898. 

— Il settimo calendario ornitologico pavese. Milano 
1901. 8°. 

— Un antico piscicultore italiano dimenticato. Bicordo. 
Como 1901. 8°. 



— 270 — 

Pavesi, Prof. Dr. Pietro. Di un altro uccello nuovo per la 
Lombardia e calendario ornitologico pavese pel 
1897/98. Pavia 1898. 8°. 

— Discorso alla prima assemblea ordinaria dell'Unione 
zoologica italiana in Bologna. Firenze 1900. 8°. 

— L'uccel delle tempeste nel cuore d'Italia. Liena 1899. 4°. 

— L'abbate Spallanzani a Pavia. Milano 1901. 4°. 
G-escli. des Verfassers (Locamo 1903). 

Petri, Karl Dr. Monographie der Coleopteren- tribus 
Hyperini. Berlin 1902. 8°. (Abhandlungen des Sieben- 
bürger Vereins für Naturwissenschaften. Band IL) 
Gesch. des Siebenbürger Vereins für Naturwissen- 
schaften in Hermann stadt. 

Pioda, Alfredo. Memorabilia. Bellinzona 1891. Gesch. 
des Verfassers. 

Porchet, Ferd. Action des sels de cuivre sur les végétaux. 
Dissert. Lausanne 1904. 8°. Gesch. des Verfassers. 

Posen, Karl D. P. Studien und Messungen an einem 
Dreipendelapparate. Dissert. Stockholm. 1903. 8°. 
Gesch der Universitätsbibliothek Upsala. 

Rubin, Tryggve. Le réseau de la base suédoise au Spitz- 
bergen. Thèse. Stockholm 1903. 4°. Gesch. der 
Universitätsbibliothek Upsala. 

Scìiardt, H. Mélanges géologiques sur le Jura neuchâtelois 

et les régions limitrophes. 2 me fascicule. Neuchâtel 

1901. 8°. 
- et Dubois, Aug. Description géologique de la région 

des gorges de l'Areuse. Lausanne 1903. 8°. 
. - - et Sarasin, Ch. Revue géologique suisse pour l'année 

1901. Lausanne 1903. 8°. Gesch. dos Herrn Prof. 

H. Sdiardt in Veytàux. 



— 271 — 

Schuyten, Dr. M. C. (Antwerpen). Over de ornzetting van 
zwavel in ijzer. Antwerpen 1904. 8°. Gesch. des 
Verfassers. 

Semadenì, 0. Kulturversuche mit Unibelliferen bewoh- 
nenden Rostpilzen. Jena 1903. 8°. Gesch. des Ver- 
fassers. 

Swenander, Gust. Studien über den Bau des Schlundes und 
des Magens der Vögel. Dissert. Trondhjem. 1902. 8°. 
Gesch. der Universitätsbibliothek Upsala. 

Wdhlgren, Agne. Om de singulära punkterna tili differen- 
ti alekvationer af första ordniugen och andrà graden. 
Upsala 1903. 8°. Gesch. der Universitätsbibliothek 
Upsala. 

White, James. Altitudes in the dominion of Canada with 

a relief map of North America. Ottawa 1901. 8°. 
— Profiles accompanying report on altitudes in the 
Dominion of Canada. 4 Blätter in Fol. Ottawa 1901. 
Gesch. der Geological Survey of Canada. 

de Wildemann, Emile. Notices sur des plantes utiles ou. 
intéressantes de la Flore du Congo. I. Bruxelles 1903. 
8°. Gesch. des Congo-ltuseunis in Bruxelles. 

B. Durch Kauf (aus dem Kochfundus). 
Zeitschrift für Mathematik und Physik, begründet durch 
C. Schlömilch. Band 49 und 00. Leipzig 1903 und 
1904. 8°. 



272 — 



B. Bericht der Denkschriftenkommission 

für das Jahr 1903/1904. 



Im laufenden Jahre ist als Band XXXIX, 2. Ab- 
teilung, eine neue Monographie von Herrn Dv. Jakob Nüesch 
in Schaffhausen erschienen, betitelt: Das Keçslerloch, eine 
Holde aus paläolithischer Zeit. Neue Grabungen und 
Funde. Mit Beiträgen von Prof. Dr. Th. Studer und Dr. 
Otto Schötensack. Die Abhandlung enthält 72 Seiten Text 
und 6 Textfiguren. Es sind ihr 34 Tafeln beigegeben. 

Den „Atti della Società elvetica di scienze naturali 
adunata in Locamo nei giorni 2 — 5 settembre l'903 u ist 
wiederum eine Serie von 18 Nekrologen und Biographien 
verstorbener Mitglieder der Schweizer, naturforschenden 
Gesellschaft und Verzeichnissen ihrer Publikationen bei- 
gegeben worden, für deren Abfassung wir einer Anzahl 
Freunden und Kollegen der Verstorbenen verpflichtet 
sind. Fräulein Fanny Güster besorgte in gewohnter, ge- 
wissenhafter Weise ihre Zusammenstellung und General- 
redaktion. 

Die Denkschriftenkommission hielt am 29. Mai 1904 
eine Sitzung in Bern ab, zu welcher sich ausser dem 
unterzeichneten Präsidenten die Herren Prof. L. V. Fischer 
in Bern, Bedot in Genf und Moser in Bern einfanden, 
während die Herren Renevier, Hagenbach-Bischoff und 
Schinz am Erscheinen verhindert waren. Es wurde be- 
raten über Verbesserungen in dei- Form und Publikations- 
weise der Denkschriften. Ferner wurde das Präsidium 
eingeladen, die Fragen zu prüfen und darüber Bericht zu 



— 273 — 

erstatten, ob den Denkschriften nicht eine grössere Ver- 
breitung gegeben werden könne, ob der Preis für Abon- 
nenten und Mitglieder der Gesellschaft nicht reduziert 
werden könne und ob es tunlich und möglich sei, neben 
den Denkschriften noch ein anderes, aus ganz kurzen 
wissenschaftlichen Mitteilungen sich zusammensetzendes 
in rasch aufeinanderfolgenden Heften zu veröffentlichendes 
Publikationsmittel herauszugeben, das, ohne bestehenden 
Zeitschriften Eintrag zu tun, geeignet wäre, als Sammel- 
stelle für die Resultate naturwissenschaftlicher Forsch- 
ungen der ganzen Schweiz über die Gesamtleistungen 
auf dem Gebiete einen Ueberblick zu verschaffen. 

Es wurde ferner beschlossen, beim Zentralkomitee 
eine Aenderung des Reglements für die Veröffentlichung 
der „Denkschriften"' und Xekrologe in dem Sinne an- 
zuregen, dass nicht nur der Präsident, sondern auch die 
Mitglieder der Denkschriftenkommission ein Freiexemplar 
der Denkschriften erhalten. 

Schliesslich wurde beschlossen, der Kommission für 
die Schläffistiftung durch Vermittlung des Zentralkomitees 
den Wunsch zu unterbreiten, sie möchte in die Statuten 
der Schläflistiftung die Bestimmung aufnehmen, dass 
die preisgekrönten Arbeiten in den Denkschriften zu 
publizieren seien. 

Was die Reclinungslcuje der Denkschriftenkommission 
anbetrifft, so gestaltete sie sich auf 31. Dezember 1903 
folgendermassen : 



18 



— 274 — 

Einnahmen: 
Saldo vom 31. Dezember 1902 .... Fr. 465.10 

Beiträge des Bundes: 

1. Nachtragskredit pro 1902 Fr. 3000 — 

2. Ordenti. Kredit pro 1903 .. 5000.— .. 8000.— 
Verkauf von Denkschriften durch Georg 

& Co 579.15 

Verkauf von Denkschriften durch den 

Quastor 367.50 

Zinse 81.40 

Total der Einnahmen Fr. 9493.15 

Druck von Denkschriften 

1. Saldozahlung an Zürcher 
& Furrer für Schweizers- 
bild, 2. Auflage . . . Fr. 3103.90 

2. Druckkosten v.Band 39 1. 
Niiesch, Dachsenbühl, an 

Zürcher à Furrer 1533.70 Fr. 4637.60 

Druck von Nekrologen und bibliographi- 

heD Verzeichnissen 1742.60 

Drucksachen. Honorare. Verschiedenes . . „ 948.77 
Saldo auf neue Rechnung ,. 2164.18 

Fr. 9493.15 



Li ausgezeichneter Hochachtung 

Namens der Denkschriftenkommission: 

Der Präsident: 

Prof. Dr. Arnold Lang. 

Zürich, den 9. Juli 1904. 



— 275 — 



C. Bericht der Schläfli-Kommission 

für das Jahr 1903/1904. 



Die 40. Rechnung der Stiftung weist das Stamm- 
kapital unverändert mit 16,000 Fr. auf. Die laufende 
Jahresrechnung verzeichnet die Einnahmen (Saldo und 
Zinsen) mit zusammen 1878.11 Fr. Die Ausgaben be- 
stehen in Druck und Versandt von Zirkularen etc. und 
belaufen sich auf 92.87 Fr. Der Saldo für nächste Rechnung 
ist 1785.24 Fr. Die Rechnung hat unter den Mitgliedern 
zirkuliert und ist angenommen worden. Zugleich hat die 
Kommission beschlossen, abermals aus der laufenden Rech- 
nung 1000 Fr. zum Stammkapital zu schlagen. 

Die Preisaufgabe: „Chemische Analyse des Wassers 
und des Untergrundes der grösseren Schweizer -Seen, 
Diskussion der Resultate" - steht zum zweiten Male auf 
1. Juni 1905 ausgeschrieben. Auf die Preisaufgabe: 
„Monographie der schweizerischen Isopoden a ist keine 
Lösung eingetroffen. Sie wird zum zweiten Male auf 
1. Juni 1906 ausgeschrieben. 



Namens der 
Kommission für die Scilla fli- Stiftung: 

Deren Präsident: 

Alb. Heim. 



Zürich V, 20. Juli 1904. 



— 276 — 



D. Bericht der geologischen Kommission 
für das Jahr 1903 04 

erstattet an die 
Schweizerische uatnrforschende Gesellschaft. 



Wie gewöhnlich sind auch im Berichtsjahre zwei 
Sitzungen, im Dezember und im Mai, abgehalten worden, 
an denen zusammen 51 Protokollnummern behandelt 
wurden. Li der Zwischenzeit fanden noch 32 Geschäfte 
Erledigung durch Präsidialentscheid. Sehr viel Arbeit 
für das Bureau der Kommission verursachen stets die 
Bereinigungen der Karten-Manuskript lers die Vor- 

bereitung der Farbenskalen für die lithographische Aus- 
führung. Zur exakten und guten Erledigung dieser 
Angelegenheiten müssen oft Konferenzen der Autoren 
und des ausführenden Lithographen mit dem Präsidenten 
der Kommission stattfinden. 

Im Beri cht s j airre ist ferner eine fortlaufende Numme- 
rierung aller geologischen SpezkUkarten ein- und durch- 
geführt worden, welche durch die Kommission seit ihrem 
Bestehen publiziert worden sind. Es hat dies manche 
praktische Vorteile, namentlich auch im buchhändlerischen 
Verkehr." 

Für das Jahr 1904 ist uns von den hohen Bundes- 
behörden wieder ein Kredit von Fr. 15.000. — bewilligt 
worden, wofür ihnen auch hier aufs wärmste gedankt 



*) Wir sind damit schon bei der Zahl 40 angekommen neben 
den 21 Blattern in 1 : 100.000. 



— 277 — 

Der Stand der Untersuchungen und Publikationeil 
der geologischen Kommission ist zur Zeit folgender: 

A. Zur Versendung sind bereit: 

1. Lieferung XIV, neue Folge: Fr. Weber, der Kali- 
syenit vom Piz Giuf und seine Ganggefolgschaft, X 
und 181 Seiten mit 5 Tafeln und 14 Zinkographien. 
Preis Fr. 10. — . 

2. Blatt VII, 2. Auflage. Das von den Herren Dr. 
L. Rollier und Dr. E. Kissling revidierte Blatt liegt 
fertig vor. Es fehlt nur noch die kurze „Notice 
explicative" dazu. Preis Fr. 10. — . 

3. Rollier, geologische Karte von Delémont, umfassend 
die 4 Siegfriedblätter 92—95 in 1 : 25 ; 000. Preis 
Er. 6.— und 

4. Rollier, geologische Karte des Weissenstein, umfassend 
die 2 Blätter 110 und 112 in 1 : 25,000. Preis 
Er. 4. — sind beide zur Versendung bereit und sollen 
mit Blatt VE! zusammen spediert werden. 

B. Rückständige Texte der ersten Serie der „Beiträge 11 
sind noch zwei, nämlich: 

1. Lieferung XXVI (Text zu Blatt XXHI). Herr 
Prof. Schmidt hat das Original zur geologischen 
Karte des Simplonmassivs in 1 : 50,000 bis auf einige 
kleine Ergänzungen fertig. Im Erühling 1905 wird 
die Karte wahrscheinlich gedruckt vorliegen. Der aus- 
führliche Textband wird so rasch als möglich folgen. 

2. Lieferung XXIX: Geologische Bibliographie der 
Schweiz. Herr Dr. L. Rollier hat die Bereinigung 
und Ordnung des gesammelten ungeheuren Materials 
von über 17,000 Titelzetteln zu ungefähr 3 /* been- 
digt. Der Druck wird daher wahrscheinlich Anfang 
1905 beginnen können. 



— 278 — 

G Neue Untersuchungen und Publikationen sind fol- 
gende im Gang: 

1. Alb. Heim, Geologie des Säntisgeoirges, unter Mit- 
arbeit für einzelne Teile von Frl. Marie Jerosch, 
Arnold Heim und Ernst Blumer. Zu dem Textband, 
der nächstens in Druck gegeben werden kann, kommen 
zahlreiche Profiltafeln, Ansichten etc., sowie eine 
geologische Karte der Santi sgruppe in 1 : 25,000 in 
drei Blättern. 

2. Alb. Heim, J. Oberholze?' und Sam. Blume?- haben 
im Linthgebiet Neuaufnahmen und Revisionen vor- 
genommen, deren Resultate bald in einigen Spezial- 
karten publiziert werden. 

3. Herr Prof. Dr. M. Lugeon in Lausanne arbeitet 
weiter an der Kartierung des höchst komplizierten 
Gebietes der „Hautes Alpes à faciès helvétique" 
(Sanetschpass bis Gemmi). 

4. Das Grenzgebiet des Plateau- und Kettenjura ist von 
Herrn Prof. Mühlberg in Aarau beinahe fertig kar- 
tiert. Als Portsetzung der Karte der Lägern (1902) 
nach Westen ist jetzt die Karte von Brugg und 
ü?ngebung, Blatt 36, 38, 154 in 1 : 25,000 im Druck 
begriffen. Die westliche Portsetzung: Aarau, Blatt 
150 — 153, ist uns auf Ende 1904 versprochen. 

5. Herr Dr. Chr. Tarnuzzer in Chur hat seine Unter- 
suchung über das Gebiet von Tarasp u?id Ardez 
abgeschlossen; Herr Prof. Dr. U. G?'iibenma?in in 
Zürich ist mit seinem Anteil auch bald fertig. 

6. Herr Dr. E. Kissling arbeitet weiter an der Unter- 
suchung der Molasse im Gebiet der Grossen und 
Kleinen Eimne. 

7. Herr J. Hug in Biimensdorf, Zürich, hat der geo- 



— 279 — 

logischen Kommission als fertige geologische Auf- 
nahmen die Karten von Rheinau, Andelfingen und 
Umgebung und Kaiserstuhl vorgelegt. Die Kommission 
hat Publikation derselben, sowie des dazu gehörigen 
Textes beschlossen. 

8. Von Herrn L. TT 7 . Collet in Genf ist eine fertige 
Untersuchung über die Gruppe des Mont Raan ein- 
gereicht worden, deren Publikation durch die Kom- 
mission ebenfalls beschlossen wurde. 

9. Ton Herrn J. J. Pannekoek z. Z. in Amsterdam 
wurde das Blatt Seelisberg (381) in 1 : 25,000 fertig 
geologisch aufgenommen, nebst kurzem Text der 
Kommission vorgelegt, und diese nahm die Arbeit 
zur Publikation an. 

10. Von Herr Dr. Raul Arbenz in Zürich endlich ging 
eine geologische Untersuchung des Fronalpstockes 
bei Brunnen, mit Karte, Profilen und Text ein, deren 
Druck durch die Kommission auch genehmigt wurde. 

11. Herr 0. Fischer in Aarau ist seit längerer Zeit mit 
der Untersuchung der „sericitischen Gneisse, Pligllite 
and Hornblendeschiefer zwischen den nördlichen 
Gneisse?i und den Zentralg weissen des Aarmassivs" 
beschäftigt, während Herr Dr. E. Hugi in Bern ^die 
nördliche Gneisszone des Aarmassivs in ihrem Kon- 
takte mit Kalk und Schiefern" untersucht. 

Die Kommission erklärte sich bereit, den beiden 
Herren diese Untersuchungsgebiete in dem Sinne zu 
reservieren, dass sie niemanden anders beauftragt, 
dort Aufnahmen zu machen und dass sie prinzipiell 
geneigt ist, die Resultate später zur Publikation 
anzunehmen. 

12. Da der in Angriff genommene Bau des Tunnels 



— 280 — 

durch den Weissenstein Gelegenheit zur Beobachtung 
der innern Tektonik, der Temperaturen etc. bietet, 
so hat sich die Kommission mit der Solothurn- 
Münster-Bahn in Verbindung gesetzt. Durch das 
freundliche Entgegenkommen der Bahngesellschaft 
ist es nun möglich geworden, dass Herr Dr. L. Rollier 
in Zürich das geologische Profil des Tunnels auf- 
nimmt, während Herr Dr. E. Künzli in Solothurn 
regelmässige Beobachtungen über Gesteinstemperatur, 
Quellen etc. ausführt. 



Gegenüber verschiedenen weitern Anforderungen 
musste aber leider die geologische Kommission zurück- 
haltend sein. So sehr wir uns auch über das rege Leben 
auf dem Gebiete der geologischen Erforschung unseres 
Vaterlandes freuen, so reichen unsere bescheidenen Mittel 
nicht aus, um alle Begehren, wenn sie auch noch so 
gerechtfertigt sind, zu erfüllen. Denn mehr noch als die 
Untersuchungen im Terrain beanspruchen die vielen 
schönen, im Gang befindlichen Publikationen unsere finan- 
ziellen Hülfsmittel. Auch im laufenden Rechnungsjahr 
reichen dieselben nicht aus, und wir sehen für das Jahr 
1904 einem nicht unbedeutenden Defizit entgegen. Wir 
hoffen aber, dass es uns bald gelinge, das Gleichgewicht 
wieder herzustellen. 

Um den Absatz unserer „Beiträge" 1 in Amerika zu 
fördern, haben wir die Weltausstellung in St. Louis Mo. 
mit Proben unserer Publikationen beschickt und Verzeich- 
nisse der „Beiträge" und geologischen Karten an sämt- 
liche Universitäten, Bibliotheken etc. Amerikas gesandt. 

D. Kohlenkommission. Diese Subkommission erstattet 
folgenden Bericht: 



— 281 — 

1. Die Untersuchung von Herrn Dr. E.Kissling: üeber 
die schweizerischen Molassekohlen westlich der Reass 
ist als Lieferung II der geotechnischen Serie der 
„Beiträge" erschienen. Sie enthält VIII und 76 Seiten 
und 3 Tafeln. Preis Fr. 5.—. 

2. Die übrigen Teile der Arbeit: 

a) L. Wehrli, die Kohlen der Alpen, 

b) Fr. Mühlberg, die Kohlen des Jura, 

q) Fr. Mühlberg, die Kohlen des Diluviums, 
nähern sich dem Abschlüsse. 

E. Geotechnische Kommission. Diese zweite Sub- 
kommission erstattet folgenden Bericht: 

1. Die geologische Untersuchung der schweizerischen 
Tonlager ist intensiv gefördert und fast völlig abge- 
schlossen worden. Acht Geologen haben im Berichts- 
jahre im Felde gearbeitet, und seit 1900 sind im 
ganzen 366 Tonproben in 326 Lagern erhoben worden, 
die 176 Betrieben angehören. Yon diesen Proben 
sind jetzt fast alle von der eidgenössischen Material- 
prüfungsanstalt untersucht worden. Nunmehr muss 
noch das Beobachtungsmaterial einheitlich redigiert 
werden; dann kann der Druck der Monographie der 
schweizerischen Tonlager beginnen. 

2. Die Rohmaterialkarte der Schiveiz wurde wegen Ab- 
wesenheit des Herrn Prof. Schmidt nicht wesentlich 
gefördert. 

3. Aus dem gleichen Grunde ist auch die Karte der 
schweizerischen Erzlagerstätten nicht weiter vor- 
gerückt. 

4. Die im letzten Berichte erwähnte ^Monographie der 
schweizerischen Torfmoore u , die auf Kosten der „Stif- 



— 282 — 

tnng Schilder von Wartensee" in den „Beiträgen" 
erscheint, ist momentan fertig gedruckt und wird 
also nächstens als Lieferung III der geotechni sehen 
Serie erscheinen. 

Zürich, den 10. Juli 1904. 

Namens der geologischen Kommission 
der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft 

Der Präsident: 
Dr. ALB. HEIM, Prof. 

Der Sekretär: 

Dr. Aug. Aeppli. 



— 283 



E. Rapport de la Commission Géodésique Suisse 

sur l'exercice 1903/1904. 



Les travaux de la Commission géodésique Suisse en 
1903/1904 se rattachent directement à ceux des exercices 
précédents. Ils ont consisté en: 

1° La détermination d'une station astronomique à Rämel. 
M. Niethammer a trouvé pour cette station: 

latitude astronomique: y = 47° 26' 45". 39 

azimut de la direction 

Yogelberg: x = 113° 15' 49". 16 

2° Des mesures de pendule, d'abord à Burg, près de la 
station de Rämel, puis à une série de stations du Haut- 
Yaläis: Belalp, Hôtel Jungfrau sous l'Eggishorn, 
cabane Concordia sur le glacier d'Aletsch, Fiesch, 
Reckingen, Oberwald et Gletsch; puis des mesures de 
pendule à trois stations dans l'intérieur du tunnel du 
Simplon, côté de Brigue, mesures pour lesquelles 
M. le professeur A. Riggenbach- Burckhardt a prêté 
son concours à M. l'ingénieur Dr. Niethammer, et 
enfin, en terminant l'année 1903 des mesures de raccor- 
dement pour les pendules à Baie. 

L'étude de la pesanteur dans le Yalais a pleine- 
ment confirmé les résultats antérieurs, à savoir que le 
défaut maximum de masse se trouve dans l'axe de la 
Yallée du Rhône. Les résultats obtenus à Brigue et 
dans le tunnel du Simplon côté Nord sont déjà très 
intéressants. Ils seront très prochainement complétés 



— 2*4 — 

par la mise au net des travaux effectués cette année, 
en mai et juin, par MM. Riggenbach et Niethammer 
du té Su 1 du tunnel à Iselle. 

Nous nous faisons un devoir et un plaisir de dire 
que l'entreprise générale du Tunnel du Simplon, tant 
du côté N< rd à Brigue, que du côté Sud à Iselle a tou- 
jours, et spécialement au cours des années 1903 et 
1904. facilité nos travaux en venant, par son personnel 
t son matériel, constamment en aide à notre collègue 
M. le Professeur Riggenbach et à M. l'ingénieur 
Niethammer, ce dont nous lui exprimons ici toute 
notre reconnaissance. 

Le programme des travaux de - importe, outre 
des mesures au Simplon qui. comme nous l'avons dit 
plus haut, ont déjà eu lieu à 1 instant où nous écrivons 

s ligu ï, la continuation des mesures de la pesanteur 
dans le Valais, à un certain nombre de stations de la 
vallée de Saas. du Lötsehtal, etc. 

'ò°Le.? tra • weUement exécutés par le service topo- 

graphique fédéral en 1903 ont été la continuation 
travaux des années précédentes. — Ces travaux relatifs 
à l'ancien nivellement de précision de la Suisse appro- 
chent de leur terme, de même que la publication : 

„Les repères du nivellement de la Suisse." A partir 
de Tanné*- 1904, la Commission géodésique Suisse 
-se de fournir un subside au service topographique 
pour ce genre de travaux. 

4° Nous avons encore à signaler qu'au mois d'août 1903 
-t réunie à Copenhague la XIT me conférence géo- 
désique internationale à laquelle la Commission géo- 
désiqii' Sui8fi était ntée par M. le profess 

R. Gautier, membre pour la Suisse de la commission 



— 285 — 

permanente de l'association internationale. — Un 
compte rendu de cette conférence se trouve au Procès 
verbal de la séance du 23 avril 1904 de la Commission 
géodésique Suisse. 

Lausanne, juillet 1904. 

Commission géodésique Suisse, 

le Président: 
COLONEL LOCHMANN. 



286 — 



F. Bericht der Erdbebenkommission 

für das Jahr 1903/04. 



Auch das Jahr 1903 war seismisch ein ziemlich 
ruhiges. Mit Ausnahme von zwei aus dem Ausland 
wahrscheinlich fortgepflanzten und nur instrumenteil in 
Basel festgestellten Bewegungen und eines Wadtländer- 
Bebens vom 26. September fallen sämtliche übrigen von 
Personen konstatierten 13 Erschütterungen innerhalb des 
alpinen Gebietes. Die meisten derselben verteilen sich 
auf folgende sieben Erdbeben: 

1. Das Beben Grlarus-Chur vom 3. Januar 4 Uhr 57 
— 58 m. a. 

2. Lokalbeben vom Mittel -Wallis den 13. und 14. Juni. 

3. Lokalbeben Parpan-Lenzerheide den 11. Juli 4 Uhr 
45 m. a. 

4. Erdbeben im Oberengadin (Orteier) den 9. September 
4 Uhr 38—57 in. a. 

5. Zweites Erdbeben im Mittel -Wallis den 17. September 
7 Uhr 30 m. p. 

6. Erdbeben in der Waadt den 26. September 11 Uhr 
20 m. p. 

7. Erdbeben Vevey-Orsièrcs den 13. November 11 Uhr 
29 m. a. — 12 Uhr 18 m. p. 

Die Publikation der gesammelten und von Herrn 
Prof. Früh bearbeiteten Berichte erfolgt wie bisher in den 
Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Zentral- 
anstalt. 



— 287 — 

Im Zeitraum von 1880 — 1903 sind in der Schweiz 
zeitlich getrennte und von mehr als einem Beob- 
achter wahrgenommene Erderschütterungen konstatiert 
worden, an denen 162 Erdheben partizipieren. 

Zürich, den 12. Juli 1904. 

Für die Erdbebenkommission, 

Der Präsident: 
Dr. E. BILLWILLER. 



288 



G. Bericht der limnologischen Kommission 

für das Jahr 1903/04. 



Ini Laufe des Berichtsjahrs ist die letzte Lieferung 
des Werks „Le Léman" von F. A. Forel im Druck er- 
schienen. Sie behandelt die Geschichte, Schiffahrt und 
Fischerei des Sees und schliesst die grosse Monographie 
mit einer zusammenfassenden und allgemeinen Ueber- 
sicht ab. 

Herr Prof. J. Heuscher beschäftigt sich mit der 
Untersuchung des Aegerisees, über die er im Lauf des 
Jahrs zu berichten hofft und sucht die L^rsachen des 
Agonisterbens im Luganersee zu ermitteln. 

Erfreuliche Fortschritte macht die Untersuchung des 
Vierwaldstättersees, an der drei Mitglieder der limno- 
logischen Kommission aktiv beteiligt sind. Die Beob- 
achtungen über die ,, Seiches" haben einen vorläufigen 
Abschluss gefunden : eine umfang- und inhaltsreiche Ab- 
handlung über die Physik des Sees liegt gedruckt vor. 
Ihr Verfasser ist Herr Direktor Amberg in Luzern. Das 
Manuskript über die Fische und Fischparasiten wird in 
wenigen Wochen vollendet sein. 

Für das nächste Jahr steht die Vollendung der che- 
mischen und botanischen Untersuchungen, sowie die end- 
gültige Redaktion der Arbeit über die Tiefenfauna in 
Aussicht. 

Die physikalische Gesellschaft Zürich gelangte an 
unsere Kommission mit einem Gesuche um finanzielle 
Unterstützung der von ihr geplanten Untersuchung des 



— 289 — 

Zürich- und Walensees. Die Angelegenheit soll in 
nächster Zeit ihre Erledigung finden. 

Da den Einnahmen von Fr. 293. 71 nur Fr. 21. 05 
Ausgaben gegenüberstehen, kann die limnologische Kom- 
mission von der Stellung eines Kreditbegehrens pro 1904/05 
Umgang nehmen. 

Hochachtungsvoll ergeben 



Prof. Dr. F. ZSCHOKKE, 
Basel, 9. Juli 1904 



Präsident der limnologischen Kommission. 



19 



5 



H. Schlussbericht der Moorkommission. 



Nachdem die Untersuchung der schweizerischen Torf- 
moore von 1892 — 1900 im Wesentlichen durchgeführt und 
als Preisschrift der Stiftung von Schnyder v. Wartens 
abges . ss m war Verh. d. Schweiz, nat. Gres., Basel 1892 
S 116 u. Zofingen 1901 S. 270 . wurde sie in den fol- 
genden Jahren ergänzt und auf Frühling 1903 definitiv 
zum Druck geführt auf Kosten der erwähnten Stiftung 
V :\h. 1. e. Locamo 1905 >. 171 . Die Arbeit wird in 
diesen Tagen beendigt sein und in nächster Z : in dem 
Buchhandel erscheinen können und zwar nach Verein- 
barung mit der schweizerischen geologischen Kommission 
als Lieferung 3 der geotecfinischen Serie der „Beiträge 
zur Geologie der N :". Sie führt den Titel: 

..Li- Moore der Schweiz mit BerücksiclUigung der 

nten M von Dr. J. Früh, Prof. d. Geographie 

und Dr. 0. Schröter, Prof. d. Botanik am eidg. Polytech- 
nikuni. 3Iit einer Moorkarte der Schweiz in 1 : 500,000. 
43 Textbildern, 4 Tafeln und vielen Tabellen, heraus- 
gegeben von der Stiftung von Schnyder >:. Wartensee, Bern 
J. Franche 1904'- und umfasst in 4 716 S. nebst Vor- 
wort, Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis 4^0 No. . 
S :i- und Autorenre pister 11*0 Stichwörter und 713 
Autoren) und Tafelerklärung, in Summa 750 N iten. 

Enthält das Vorwort insbesondere die Geschichte der 

schw izer. Torfforschung seit J. J. Scheuchzer und Léo 

L Bquereux, so zerfallt die Arbeit selbst in einen ersten 

allgemeinen und einen zweiten speziellen Teil mit Einzel- 

:hieibuugen von 64 typischen Mooren aus allen Teilen 

i L 



— 291 — 

A. Der allgemeine Abschnitt verbreitet sich in zahl- 
reichen Untertiteln über folgende Hauptgegen stände: 

1. Definitionen S. 1 — 9. 

2. Nach vorausgegangener Uebersicht über die Unter- 
schiede von Flach- und Hochmoor werden S. 10 — 119 
die torfbildenden Pflanzen formation en der Schweiz 
dargestellt, nämlich: torf bildende Bestände und ihre 
Konstituenten (Mittelland, Voralpen, Jura) und zu- 
gleich Flach- und Hochmoor umfassend mit Bezug auf 
Sédimentations- und Yerlandungsbestände, eigent- 
liche Machmoor- und Hochmoorbestände, die Moor- 
und Torfbildungen der alpinen Region mit ver- 
gleichenden strati graphischen Schemata über schwe- 
dische, norddeutsche und schweizerische Moore. 

3. Der Torf, S. 121 — 187, zunächst über den Ver- 
torfungsprozess inkl. Moorkarte der Erde, dann über 
Endprodukte der Vertorfung, die Vertorfung der 
einzelnen Moorkonstituenten und die physikalischen 
Eigenschaften des Torfes. 

4. Stratigraphie, S. 188 — 247: Moore als Verlandung 
stagnierender Gewässer, die Moortypen und deren 
Facies, eigentliche Moormineralien, Uebersicht der 
Torfsorten und Beziehungen der Torfmoore zu den 
Steinkohlenlagern. 

5. Die geographische Verbreitung der schweizerischen 
Moore (Text zur Moorkarte der Schweiz) bespricht 
auf S. 248 — 292 die Verteilung der Moore im Jura, 
dem alpinen Vorland, den Voralpen, Alpen. Die 
für den topographischen Atlas der Schweiz orien- 
tierende Moorkarte in 1 : 500,000 will eine Ueber- 
sicht geben über die Gesamtvermoorung des Landes, 
die Flach- und Hochmoore, namentlich über die Ver- 
änderungen im Landschaftsbilde seit der Hauptent- 



— 292 — 

Waldung im XIII. Jahrhundert, insbesondere den 
Eingriff des Menschen seit dem XVIII. Jahrhundert. 
Von den 5464 Zeichen repräsentieren 2083 bestehende, 
3381 erloschene Moore; die Gesamtvermoorung vom 
Jura, Mittelland und Alpen wird durch die Relativ- 
zahlen 488, 4067 und 909 ausgedrückt, und die Zahl 
der uns bekannt gewordenen Hochmoore beträgt für 
den Kettenjura, das Mittelland und die Voralpen 
beziehungsweise 54, 33 und 80. 

6. Daran schliesst sich S. 293 — 299 der Versuch einer 
geomorphologischen Klassifikation der Moore der 
ganzen Erde. 

7. S. 300—317 behandeln in elf Untertiteln die Be- 
ziehungen des Kolonisten zu den Mooren im Lichte 
ihrer Toponymie. 

8. Wirtschaftliche Verhältnisse der schweizerischen Moore 
S. 318 — 343 (inkl. Regenerationsfrage der Moore über- 
haupt) mit Angabe spezieller, einschlägiger Literatur. 

9. Auf S. 344 — 431 wird die postglaziale Vegetations- 
geschichte der Nordschiveiz und die Bedeutung der 
Moore für deren Rekonstruktion einlässlich und in 
sechs grösseren Hauptabschnitten dargestellt: grund- 
legende Tatsachen inkl. prähistorische Reste, Ueber- 
sicht der im Torf gefundenen Pflanzenreste, allgemeine 
Bemerkungen über die Benützung der subfossilen 
Torfflora zur Rekonstruktion des Landschaftsbildes, 
Beziehungen der lebenden Flora zur Rekonstruktion 
des Besiedelungsganges, Uebersiclit über den Be- 
siedelungsgang, nähere Schilderung der Besiedelung 
(zahlreiche Tabellen!). 

B. Die 64 Einzelbeschreibungen im zweiten Teil 
wollen ein frisches Bild einer alles Wesentliche berück- 
sichtigenden und auf die topographische Karte gegrün- 



— 293 — 

deten Aufnahme geben als ,. Dokument für ein allmälich 
verschwindendes Moment innerhalb der schweizerischen 
Landschaft^ (S. 436). Sie verteilen sich wie folgt: 

1. Moore des Kettenjura No. 1—17, S. 440—488. 

2. v im alpinen Vorland Xo. 18 — 39, S. 489 — 586. 

3. „ der Voralpen Xo. 40—63, S. 587—704. 

4. Alpine Talmoore (Eheintal) Xo. 64, S. 705 — 713. 
Gerne erfüllen wir die angenehme Pflicht, auch an 

dieser Stelle unsern verbindlichsten Dank auszusprechen 
allen Herren Mitarbeitern, der schweizerischen naturfor- 
schenden Gesellschaft für die sich auf gegen Fr. 1600 
belaufende Unterstützung und insbesondere der Verwaltung 
der Stiftung von Schnyder v. Wartensee, durch deren 
Entgegenkommen der Druck dieser Arbeit ermöglicht 
worden ist. 

Die Moorkommission hofft, das ihr 1890 in Davos 
übertragene Mandat ausgeführt zu haben und bittet hiemit 
die schweizerische naturforschende Gesellschaft um Ent- 
lastung als Spezialkommission derselben. Sollten neue 
Fragen auftauchen, so sind wir stets gerne bereit, nach 
Kräften zu dienen. 

Hochachtungsvoll 



Prof. Dr. J. FRÜH. 
Prof. Dr. C. SCHRÖTER. 



Zürich, 28. Juli 1904. 



— 294 — 



J. Bericht der Flusskommission 

über das Jahr 1903/1904. 



1. Wie irn vorigen Bericht angekündigt, wurden im 
Vierwaldstättersee keine Kasten mehr versenkt, das ganze 
Material vielmehr zurückgezogen. Basselbe soll ergänzt 
und dann im Brienzer See verwendet werden. Eine zu- 
sammenfassende Bearbeitung der im Vierwaldstättersee 
gewonnenen Eesultate bereitet Herr Prof. A. Heim vor. 

Am 23. 3iai. gleich nach dein Aufgehen des E 
wurde vom Berichterstatter im Oeschinertsee ein Kasten 
versenkt. Derselbe war im Format etwas kleiner als 
der frühere, seinerzeit in Verlust geratene (Boden- 
fläche 40 X 40 cm), doch die Konstruktion die gleiche. 
Abweichend wurde die Befestigung am Ufer ausgeführt. 
E- wurde nämlich an dem Bronzekupferdraht etwa 20 m 
vom Ufer entfernt ein mittelgrosser Stein befestigt und 
mit versenkt: derselbe ist im Stande, den Draht zwischen 
dem Kasten und dem Ufer auch dann gestreckt zu halten, 
wenn der zum Felsufer weiter geführte Draht zerreisen 
sollte, und so das Auffinden des Kastens mit einem 
Schleppanker zu ermöglichen. Von dem am Stein be- 
festigten Draht aus wurden drei Drahtenden nach dem 
Ufer geführt und hier an der Felswand befestigt. Die 
Stelle der Versenkung wie der Befestigungspunkt wurden 
in die Karte des Oeschinensees von Dr. Groll (1 : 5000) 
genau eingezeichnet. Kurz vor dem Zufrieren des Sees, 
Ende Oktober, gedenke ich den Kasten zum ersten Mal 
zu beben. Es wird derselbe dann den gesamten im 



- 295 — 

Sommer niedergeschlagenen Schlamm enthalten. Er soll 
dann sofort wieder versenkt werden, um bis Mai 1905 
im See zu verweilen. 

3. Die Schöpfversuche in der Rhone bei Porte du 
Scex haben am 1. April begonnen. Der Beobachter der 
Pegelstation des eidgenössischen hydrornetrischen Bureaux, 
Herr Maurice Kuppen, Chef des Gendarmeriepostens, be- 
sorgt dieselben einmal täglich, bei starken Aenderungen 
des Wasserstandes auch zweimal täglich. Das eidgen. 
hydrometrische Bureau hat in zuvorkommender Weise die 
ganze Ausrüstung der Station geliefert und der Chef der- 
selben, Herr Ingenieur Epper, hat zusammen mit dem 
Berichterstatter und Herrn cand. ehem. Uetrecht die 
Station an Ort und Stelle eingerichtet, sowie den Beob- 
achter instruiert. Täglich wird in Bern von Herrn Uetrecht 
der Gehalt des Rhonewassers an gelöstem und an suspen- 
diertem Material bestimmt. lieber die Resultate soll nach 
Ablauf eines Jahres berichtet werden. 

4. Einnahmen und Ausgaben der Flusskommission 
gestalteten sich wie folgt: 

Einnahmen: 

Barrest von 1902/1903 . . . Fr. 49.50 
Kredit pro 1903/1904 . . . „ 100.00 

Fr. 149.50 



Fr. 


149.50 


Ausgaben ; 




Auslagen bei Einrichtung der 




Station an der Rhone . . Fr. 


14.25 


Kasten für den Oeschinensee . fl 


14.70 


Draht dafür „ 


27.95 


Transport des Materiales nach 




Kandersteg, Reiseauslagen . „ 


7.70 


Uebertrag Fr. 


64.60 



Fr. 149.60 



- 296 — 

Uebertrag Fr. 64.60 Fr. 149.50 
Dem Bootsmann für Versenken 
und Transport des Materials 
zum See (mit Pferd) ... „ 15. — 
Ergänzung des alten Materials 
aus dem Vierwaldstättersee 
(noch nicht ausgezahlt) zirka „ 50. — 

Fr. 129.60 Fr. 129.60 
Barrest Fr. 19.90 
5. Da das Heben des Kastens im Oeschinensee im 
Oktober 1904 und Mai 1905, wie das Versenken des 
Kastens im Brienzersee im März 1905, desgleichen auch 
notwendige Visitationen der Schöpfstation an der Ehone 
erhebliche Kosten verursachen werden, so stellt die Fluss- 
kommission das Gesuch, ihr auch für dies Jahr 1904 — 
1905 einen Kredit von Fr. 100. — zusprechen zu wollen. 

Bern, Ende Juli 1904. 

Für die Flusskommission, 

Der Präsident: 
ED. BRÜCKNER. 



297 



K. Bericht der Gletscherkommission 

für das Jahr 1903/1904. 



Die im vorjährigen Berichte ausgeführten Gründe 
für Verschiebung der Subskription gelten auch noch 
jetzt. Wir konnten also aus unserer Kasse nichts für 
Gletscherbeobachtungen, verausgaben : die Vermessungen 
am Ehonegletscher haben aber dennoch stattgefunden, 
dank der schweizerischen Landes -Topographie, deren 
Direktor, Herr Oberstleutnant Held, mit regem Interesse 
unsere Bestrebungen unterstützt. Die Messungen sind 
von Herrn Ingenieur H. Wild bei verhältnismässig gün- 
stiger Witterung mit grosser »Sorgfalt und Sachkenntnis 
in der Zeit vom 24. August bis 2. September 1903 aus- 
geführt worden. Dem ausführlichen Berichte des Herrn 
Wild entnehmen wir folgende Daten: 

1. Nivellement der Qu pr profile. 

Das blaue Profil hat im Berichtsjahre wieder eine 
Abnahme des Eisquerschnittes erfahren, doch ist dieselbe 
nur etwa halb so gross als im Jahre vorher. Die senk- 
rechte Abnahme betrug im Mittel 1,50 m, was einer Ab- 
nahme des Eisquerschnittes von 472,5 m- entspricht. 

Das gelbe Profil hat auch eine Abnahme des Eis- 
querschnittes von 236,2 rn 2 erfahren, und die Profilimi e 
nähert sich wieder sehr derjenigen von 1901, d. h. dem 
kleinsten bis jetzt beobachteten Stande. 

Das rote Profil weist eine starke Eisvermehrung auf, 
noch etwas mehr als im vorhersehenden Jahre : es ist 



298 — 



im Mittel um 0,6 m gestiegen, was einer Vermehrung 
des Eisquerschnittes von 632,2 m* entspricht. 

Das untere Thäliprofil zeigt eine geringe Erhöhung 
des Eisstandes, während das untere Grossfirnprofil die 
stärkste Eisvermehrung seit 1902 aufweist, es beträgt 
dieselbe 453,9 m' J ; auch das obere Thäliprofil und das 
obere Grrossfirnprofil haben eine, wenn auch weniger 
starke Vermehrung des Eisquerschnittes ergeben. 

2. Aufnahme der Steinreihen. 

Von der gelben Steinreihe ob dem Sturz wurden 
am rechten und linken Ufer je 7, von der roten Stein- 
reihe ob dem Sturz am rechten Ufer 4 und am linken 
Ufer 7 Steine eingemessen; alle diese Steine sind nahe 
am Ufer und zeigen deshalb nur eine kleine Bewegung. 

Von der roten Steinreihe sind einzelne Steine ganz 
unten bei der topographischen Aufnahme der Zunge auf- 
gefunden worden; man muss also annehmen, dass die 
Spitze der im Jahr 1874 gelegten roten Reihe in den 
letzten dreissig Jahren den Weg von zirka 3 km bis 
zum Ende der Zunge zurückgelegt hat. 

3. Messung der Firnbetvegung. 
Die Beobachtung der Bewegung der Abschmelz- 
stangen ergab für die 361 Tage vom 1. September 1902 
bis zum 28. August 1903 die folgenden Weglängen : 



Unteres Thäli, Mitte . 
Unteres Thäli, links . 
Unterer Grossfirn, rechts 
Unterer Grossfirn, Mitte 
Unterer Grossfirn, links 
Oberes Thäli, Mitte . 
Oberer Grossfirn, Mitte , 



9,70 m. 
4,59 m. 

16.17 m. 
55,98 m. 

77.18 m. 
9,0 m. 

62,54 m. 



— 299 — 

Die grössere Geschwindigkeit, die einige Stangen 
zeigen, erklärt sich aus dem höheren Eisstande. 

4. Jährliche Eisbewegung in den Profilen. 
Im gelben Profil wurden 18 und im roten 20 Steine 
aufgenommen. Im gelben Profil betrug die Maximal- 
bewegung im Jahre 88,0 m, im roten Profil 90,5 m, es 
sind das nahezu die gleichen Zahlen wie im letzten 
Jahre. 

5. Topographische Aufnahme der Gletscherzunge. 
Die Aufnahme der Zunge hat wieder einen beträcht- 
lichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahre ergeben, 
nämlich 11,5 m im Mittel und 22,0 m im Maximum; 
es sind dadurch 4900 m 2 Strandboden freigelegt worden, 
nur um eine Kleinigkeit weniger als im Jahr vorher. 
Das Aussehen der Zunge hat sich im letzten Jahre 
ziemlich verändert, doch findet der Ausfluss der Rhone 
immer noch in zwei getrennten Hauptbächen statt. Die 
genauen, sorgfältig für jedes Jahr ausgeführten Pläne der 
Gletscherzungen geben von diesen Gestaltsveränderungen 
ein genaues Bild. 

6. Einmessungen des Eisrandes der Gletscherzunge. 
Monatlich wenigstens ein Mal wurde wieder von 
Felix ImaJiorn mit seinem langjährigen Hilfspersonal 
die Lage des Zungenrandes durch Messung bestimmt: 
in den Wintermonaten November bis Mai fand ein Ver- 
stoss statt von 2,80 m im Mittel, und in den Sommer- 
monaten Juni bis Oktober ein den Verstoss bedeutend 
überragender Rückgang von 16,75 m im Mittel. 

7. Absclimelzung von Eis und Firn. 
Die Ablesungen an den Abschmelzstangen ergaben 



— 300 — 

im Beob achtun gs jähr für die drei Profile im Gletscher- 
gebiet folgende Ablationen in Metern: 

Blaues Profil Gelbes Profil Rotes Profil 
9,68 3,99 2,54 

Die Zahlen für das blaue und gelbe Profil sind 
etwas kleiner als im Vorjahr, was sich auf die im 
Winter 1902/03 gefallenen grossen Schneemassen zurück- 
führen lässt. 

In der Firngegend zeigte sich wie im letzten Jahre 
im unteren Thäli, im unteren Grossfirn und im oberen 
Thäli eine kleine Abschmelzimg, im oberen Grossfirn 
jedoch eine kleine Zunahme. 

8. Messung der Niederschläge. 

Die mit den beiden Kisten im Oberwald und im 
roten Profil angestellten Messungen der Niederschläge 
zeigten auffallender Weise dies Mal nahezu den gleichen 
Wert, während frühere Beobachtungen stets eine grössere 
Niederschlagsmenge für die obere Kiste ergeben hatten. 
Da auch die neuerdings von der eidgenössischen meteoro- 
logischen Kommission bei der Galenhütte veranlassten 
Beobachtungen für die höheren Regionen eine wesentlich 
grössere Niederschlagsmenge ergaben, so müssen bei 
unseren Beobachtungen störende Ursachen angenommen 
werden. 

9. Einzelne. Beobachtungen verschiedener Art. 

Der Eisrand des Sturzes gegenüber dem Hôtel Bel- 
vedere ist 7 Mal eingemessen worden und zeigte im 
Mittel einen Yorstoss von 3,5 m. 

Die Pegelablesungen in Gletsch sind bei jedem Be- 
suche des Gletschers von Felix Imahorn gemacht worden. 
Ausserdem besorgte das eidgenössische hydrometrische 
Bureau regelmässige IVgelbeobachtungen. 



— 301 — 

Gut gelungene photographische Aufnahmen, die dem 
Berichte beigelegt sind, geben ein deutliches Bild des 
jetzigen Zustandes der Gletscherzunge und des Gletscher- 
sturzes. 



Ueber den Inhalt des 24. Berichtes, betreffend 
die periodischen Veränderungen der Alpengletscher, im 
XXXIX. Jahrbuche des schweizerischen Alpenklubs, der 
von unseren Mitgliedern, den Herren Prof. F. A. Forel 
und Prof. M. Lugeon in Verbindung mit Herrn Forst- 
inspektor E. Muret abgefasst wurde, geben wir hier noch 
kurz Auskunft. 

Herr Forel giebt vorerst eine interessante Studie 
über den Erguss der von den Gletschern abfliessenden 
Bächen; dieselbe enthält auch einige vom eidgenössischen 
hydrometri sehen Bureau unter Leitung des Herrn In- 
genieur J. Epper angestellte Messungen betreffend den 
Abfluss vom Rhonegletscher im August 1902 und im 
Januar 1903; für unsere Studien des Rhonegletschers 
sind dieselben von wesentlicher Bedeutung. 

Ferner giebt Herr Prof. Lugeon in Verbindung mit 
Herrn Dr. P. L. Mer canton eine Fortsetzung seiner Unter- 
suchungen über die Schneehöhe am Ornygletscher und 
den Schneestand in unseren Alpen. 

Das wichtigste in diesem Berichte ist die von Herrn 
F. A. Forel und E. Muret zusammengestellte Chronik 
der Alpengletscher im Jahre 1903, die sich auf 58 Glet- 
scher bezieht und zu folgenden Resultaten führt: 

Der Rückgang der Gletscher ist auch im Jahre 1903 
noch das vorherrschende Phänomen; doch scheinen einige 
Symptome anzudeuten, dass die Tendenz zum Wachstum 
seit zwei Jahren wieder etwas mehr sich zeigt. Das 



— 302 — 

Jahr 1903 weist 3 Gletscher auf mit sicherem und 12 
mit noch etwas zweifelhaftem Vorstoss. Die drei erstem 
sind im Flussgebiet der Rhone. 

Da die Unkosten für die Rhonegletschervermessung 
im Jahre 1903 in höchst verdankenswerter Weise ganz von 
der schweizerischen Landestopographie getragen worden 
sind, so haben wir über die Rechnung nichts zu bemerken. 
Wir wiederholen nur, dass wir die Absicht haben, eine 
neue Subskription zu eröffnen, sobald das schon längst 
erwartete Werk über die Rhonegletscheiwermessung ver- 
öffentlicht ist. An der Verzögerung dieser Publikation 
trägt unsere Kommission keine Schuld. Wir sind der 
schweizerischen Landestopographie und speziell ihrem 
trefflichen Direktor für die grossartige Unterstützung, 
die uns fortwährend gewährt wird, zu warmem Dank 
verpflichtet, und wir können unmöglich verlangen, dass 
die wichtigen Arbeiten, die mit der Neuorganisation 
dieses staatlichen Institutes verbunden sind, zurückgesetzt 
werden, um die wissenschaftlichen Bestrebungen unserer 
Privatgesellschaft zu fördern. Wir müssen also mit Geduld 
die Zeit abwarten, wo dem Direktor der Landestopo- 
graphie, der allein die Publikation besorgen kann, die 
nötige Zeit zur Verfügung steht, um die schon längst 
sorgfältig und gründlich vorbereitete Redaktion zum Ab- 
schluss zu bringen. Das Warten wird dadurch erleichtert, 
dass von uns jährlich über die Hauptresultate der Messung 
berichtet wird. 

Basel, Ende Juli 1904. 

Für die Gletscher- Kommission, 

Deren Präsident: 

HAGENBACH-BISCHOFF. 



Rechnung der Gletscher -Kommission 
für das Jahr 1903/1904. 



Einnahmen: 

Saldo am 30. Juni 1903 Fr. 175.26 

Zinsertrag ...... „ 4. — 

Summa der Einnahmen Fr. 179.26 

Ausgaben : 

Schreibmaterial, Frankatur, Spesen . . . Fr. 5.31 

Saldo vom 30. Juni 1904 „ 173.95 

Fr. 179.26 

Das Saldo zerfällt in : 

Spezialfonds für Untersuchungen über Eis- 
tiefe Fr. 614.63 

Dazu Jahreszinse à S 1 / 2 °/o „ 21.51 

Fr. 636.14 
Davon ab: Defizit des Fonds für Rhone- 

gletschervermessung „ 462.19 

ergiebt den obigen Saldo von Fr. 173.95 



— 304 



L. Bericht 
der Kommission für die Kryptogamenflora der Schweiz 

für das Jahr 1903/1904. 



Im verflossenen Jahr hat unsere Kommission den 
Hinscheid ihres Mitgliedes Herrn Prof. Jean Dufour in 
Lausanne zu betrauern gehabt. Zum Ersatz desselben 
schlagen wir dem Zentralkomitee vor: Herrn Dr. J. Amami 
in Lausanne. 

Ueber den Stand der Arbeiten haben wir folgendes 
zu berichten : 

1. Wie bereits im letztjährigen Bericht erwähnt wurde, 
erschien im letzten Jahre .noch vor der Jahresver- 
sammlung die Arbeit des Herrn Prof. Ch. Ed. Martin: 
„Le Boletus subtomentosus de la région genevoise *. 
Dieselbe bildet das erste Heft des zweiten Bandes 
der Beiträge zur Kryptogamenflora der Schweiz. Ein 
Referat über diese Arbeit sagt: „Man muss es aner- 
kennen, dass die Schweizer Botaniker auf dem Ge- 
biete der Systematik und Pflanzengeographie und 
auch auf andern der Botanik ungemein rührig sind. 
Dafür sind auch die Matériaux pour la flore crypto- 
gainique suisse ein Zeugnis. In diesem Heft finden 
wir den Boletus subtomentosus zum Gegenstand 
eines Spezialstudiums gemacht, welches in ähn- 
licher Weise wohl noch für keinen Pilz durchgeführt 
ist und zeigt, wie ungemein vielgestaltig sich ein 
Hymenomycet unter verschiedenen Verhältnissen ent- 
wickeln kann und wie es mit den „Arten 1 ' bei dieser 
Pflanzengruppe bestellt ist. Derartige Studien könnten 



— 305 — 

noch viele gemacht werden. Die 18 Tafeln sind 
vortrefflich ausgeführt." 
2. Im Drucke befindet sich die monographische Bear- 
beitung der schweizerischen Uredineen von Prof. 
Ed. Fischer. Einige Schwierigkeiten verursachte die 
Finanzierung dieser Arbeit. Der "Voranschlag für 
die Drucklegung derselben beläuft sich auf Fr. 4600 
— 4700. Da nun dieser Betrag den normalen Kredit 
unserer Kommission auf mehrere Jahre festlegen und 
die Publikation weiterer in Aussicht stehender 
Beiträge für die Kryptogamenflora der Schweiz (s. 
unten) weit hinausschieben würde, so stellten wir, 
wie schon im letzten Jahresbericht mitgeteilt worden 
ist, durch Vermittlung des Zentralkommitees bei 
den Bundesbehörden das Gesuch um Gewährung 
eines ausserordentlichen Kredites. Dieses Gesuch 
wurde vom Zentralkomitee aufs wärmste unterstützt, 
aber es konnte leider demselben von den Bundes- 
behörden nicht entsprochen werden. In dieser schwie- 
rigen Lage kam uns das Zentralkommitee zu Hülfe 
durch den Beschluss, an der nächsten Jahresver- 
sammlung zu beantragen, es möchte die Kommission 
für die Kryptogamenflora während zwei aufeinander- 
folgenden Jahren mit je Fr. 800 unterstützt werden, 
um den Druck genannter Arbeit zu ermöglichen. 
Wir möchten dem Zentralkomitee an dieser Stelle 
sein Entgegenkommen aufs wärmste verdanken. Da 
sich auch die Verlagsfirma K. J. Wyss in dankens- 
werterweise damit einverstanden erklärte, dass die 
Bezahlung der Erstellungskosten der Arbeit auf zwei 
bis drei Jahre verteilt werde, so konnte die Druck- 
legung kurz vor Neujahr an die Hand genommen 
werden. Zur Zeit sind etwa 24 Bogen gedruckt 

20 



— 306 — 

und das Erscheinen der Arbeit kann auf Ende dies - 
Jahres in Aussicht gestellt werden. 

3. Die Herren Prof. Chodat und Prof. Ch. Ed. Martin stellen 
in Aussicht, dass ihre Bearbeitung' der Myxomyc 
etwa in zwei Jahren zu Ende geführt sein könne. 

4. Herr Dr. Lendner. der die Bearbeitung der Muco- 
rineen übernommen hat, gedenkt dieselbe in Jahres- 
frist abzuschliessen. 

5. Herr Dr. R. Lüdi, dem die Chytridiaceen übertragen 
worden waren, sieht sich infolge veränderter Lebens- 
stellung genötigt, von der Bearbeitung dieser Pilz- 
gruppe zurückzutreten. 

6. Leber den Stand seiner Arbeit an den Characeen 
teilt Herr Dr. Ernst folgendes mit: ..Es sind gegen- 
wärtig für den allgemeinen Teil der Bearbeitung 
der Characeen eine Reihe von entwicklungsgeschicht- 
lichen, anatomischen und physiologischen Unter- 
suchungen im Gange. Eine kleinere Abhandlung 
„Die Stipularblätter von Xitella hyalina DC Ag. " 
ist eben jetzt im Druck erschienen i Vierteljahrsschrift 
der naturforschenden Gesellschaft in Zürich, Jahrgang 
XLIX Heft 1 1. Mit dem Sammeln dagegen habe ich 
letztes Jahr aussetzen müssen und werde auch dies - 
Jahr erst in den grossen Ferien damit beginnen 
können." Herr Dr. Ernst wäre für gütige Leber- 
Sendung von Characeen und Angaben von Standorten 
von Seiten der botanischen Kollegen sehr dankbar. 

7. Für die Peronosporeen ist Herr Dr. Alb. Eberhardt 
als Bearbeiter eingetreten. Als Vorarbeit hiefür ist 
die Abhandlung zu betrachten, die derselbe gegen- 
wärtig im Zentralblatt für Bakteriologie und Para- 
sitenkunde (II. Abth. Bd. XH | veröffentlicht unter dem 
Titel: Contributions à l'étude de Cystopus eandidus. 



— 307 — 

8. Die Bearbeitung der Equisetineeri wurde im ver- 
flossenen Jahre von der Kommission Herrn Prof. 
E. Wilczek übertragen. Derselbe ist zur Zeit eifrig 
mit dem Sammeln von Material beschäftigt und 
bittet die schweizerischen Botaniker dringend, ihn 
darin zu unterstützen. Der Abschluss der Arbeit 
wird auf Frühjahr 1906 in Aussicht gestellt. 
Es ist aus dieser Uebersicht zu ersehen, dass wir 
auch fernerhin der Unterstützung der Bundesbehörden 
bedürfen, und indem wir für die bisherige Hülfe unseren 
wärmsten Dank aussprechen, möchten wir das Zentral- 
komitee bitten, auch für das kommende Jahr um den 
Kredit von Fr. 1200 nachzusuchen. 

Die Rechnung pro 1903 ergab folgendes Resultat: 

Einnahmen. 

Saldo letzter Rechnung 

Bundesbeitrag pro 1903 

Erlös für verkaufte „Beiträge" . 
Zinse 



Fr. 


1249.40 


n 


1200. — 


il 


384.— 


n 


48.35 


Fr. 


2881.75 



Ausgaben. 

Druck von Beiträgen (Martin, Boletus sub- 
tomentosus) und Herstellung der zu- 
gehörigen Tafeln Fr. 2612.90 

Verschiedenes (Gratifikationen und Porti) „ 36. 10 

Fr. 2649.— 
Saldo am 31. Dezember 1903 .... - 232.75 



Fr. 2881.75 
Basel und Bern, im Juli 1904. 

Der Präsident: Der Sekretär: 

Dr. CHRIST. ED. FISCHER, Prof. 



308 — 



M. Bericht 

der Kommission für das Concilium bibliographicum 

für das Jahr 1903. 



TU! 

Die Kommission für das Concilium bibliographicum 
beehrt sich, Urnen beifolgend den Bericht über die Tätig- 
keit dieses Institutes im Jahre 1903 vorzulegen. 

Das Jahr 1903 hat dem Concilium bibliographicum 
einige "gichtige Xeuerungen gebracht, die für die Ent- 
wicklung dt> Institutes von D-ro^^ni Werte sein werden. 
Lì erster Linie ist hier die Vereinigung der bisher von 
dem berühmten Bibliographen Prof. Cafus in Leipzig ge- 
führten Bibliographie zum Zoologischen Anzeiger mit 
dem Concilium zu erwähnen. Es ist dadurch dem Con- 
cilium die Aufgabe zugefallen, einen Literaturbericht 
fortzuführen, der in ununterbrochener Folge bis auf das 
Jahr 1700 zurückgreift. Die Uebernakine dieser Institution 
weist dem Concilium unter allen bibliographischen Unter- 
nehmungen eine bevorzugte Stellung an. und es steht zu 
hoffen, dass nunmehr alle Biologen ihm die kräftigste 
Unterstützung angedeihen lassen werden. 

Ferner ist es der umsichtigen und gewandten 
6i schäftsführung des verdienstvollen Direktors des Con- 
ciliums, Herrn Dr. H. Field. zu verdanken, da-- da< In- 
stitut in engere Verbindung mit der amerikanischen 
Gelehrtenwelt treten konnte. Auf Grund seiner persön- 
lichen Bemühungen hat sich das bekannte American 
Museum of Natural History bereit erklärt, das Patronat 



— 309 — 

über das Concilium für Amerika zu übernehmen. Gelegent- 
lich des Kongresses der internationalen botanischen Gesell- 
schaft, der im April zu Leiden stattfand, war ein besonderer 
Tag bestimmt worden zur Diskussion des Projektes, eine 
botanische Sektion am Concilium zu gründen. Es wurde 
dieser Vorschlag einstimmig angenommen, seine Ausfüh- 
rung aber aus äusseren Gründen um ein Jahr verschoben. 

Im Laufe des Jahres 1903 beschäftigte sich ein inter- 
nationaler Kongress für Forstwissenschaften mit der Frage 
einer Bibliographie dieser Fächer und ernannte ein Komitee 
zur Erwägung eines Anschlusses an das Concilium. 

Im weiteren sind Vorbereitungen getroffen worden, 
um eine neue Bibliographie in Verbindung mit dem 
Archiv für Rassen- und Gesellschaftskunde einzurichten, 
die zu einer allgemeinen Bibliographie der Anthropologie 
erweitert werden soll. 

Die Zahl der ausgegebenen Zettel ist auf 12,952,000 
gestiegen. Zur vollständigen Zettelbibliographie gehören 
nun die auf der folgenden Tafel unter „Total 11 verzeich- 
neten Zettel. Zugleich illustriert die Tafel auch die 
Zunahme der Zettel. 

a) Realkatalog 

1896/98 1899 1900 1901 1902 1903 Total 

Paläontologie 1460 1.840 2662 2035 1436 1568 11001 

Allgem. Biologie 187 151 92 155 93 200 878 

Mikroskopie 266 132 249 263 107 169 1186 

Zoologie 18845 14271 13326 16845 11059 12692 87038 

Anatomie 1940 936 1875 2007 1224 2009 9991 

Physiologie 1380 1270 433 — — — 3083 

Total 24078 18600 18637 21305 13919 16638 113177 
b) Autorenkatalog 16165 9492 10890 10119 6727 8485 61878 

Total 40243 28092 29527 31424 20646 25123 175055 



— 310 



Jahresrechnung. 

Die laufende Rechnung zeigt an Einnahmen: 

Geschäftsverkehr Fr. 16,222.33 

Eidgenössische Subvention .., 5,000. — 

Kantonale Subvention 1,000. - 

Städtische Subvention 550. — 

Subv. d. Amer. Assoc. for the Adr. Science .. 500. — 

Subvent. d. Elizab. Thompson Fund . . „ 1,500. — 

Diverses 15. — 

Fr. 24,787.33 
An Azisf/ahen: 

Installation, Möbel, Druckerei, Rep. . . Fr. 1,135.02 

Papier, Accidenzdruck „ 256.90 

Karton, Druckpapier „ 3,608.44 

Post, Telephon, Telegraph ^ 2,092.45 

Frachten „ 243.01 

Buchbinder „ 350.05 

Yerniittlungseinkäufe „ 2,271.36 

Versicherung „ 41.40 

Gehalte, Löhne „ 16,267.20 

Miete, Heizung, Licht „ 1,429.36 

Zins „ 935.01 

Varia ^ 133.15 

Fr. 28,763.35 
Kcqrital-Konto. 

Kapitalschuld am 31. Dezember 1902 . Fr. 20,470.04 
Ausgaben vom 1. Jan. 

bis 31. Dez. 1903 Fr. 28,763.35 
Einnahmen vom 1. Jan. 

bis 31. Dez. 1903 „ 24,787.33 

Rückschlag „ 3,976.02 

Kapitalschuld am 31. Dezember 1903 . Fr. 24,446.06 



— 311 



Die Bilanz vom 1. Januar 190-4 weist auf 



Aktiven: 


Passiven 


; 


Kasse 


Fr. 


17.21 


Kapitalschuld Fr. 


24,446.06 


Hand- 






Kreditoren . „ 


6,059.15 


bibliothek 


V 


370.- 


Yerluste . . „ 


168.04 


Karton . 


7! 


578.— 


Uebertrag auf 




Druckpapier 


11 


75. — 


neue Rechn. „ 


743.51 


^Mobiliar 


r> 


1,500.— 






Maschinen . 


!i 


1,405.— 






Schrift . . 


Ì1 


504.— 






Debitoren . 


Fr. 


26,967.55 
31,416.76 








Fr. 


31,416.76 



Jahresrechnung und Geschäftsbücher wurden vom 
unterzeichneten Aktuar eingesehen. Die Revision ergab, 
dass die Bücher ordnungsgemäss geführt wurden und mit 
den entsprechenden Einnahme- und Ausgabebelegen in 
Uebereinstimmung stehen. 

Bezüglich der Bilanz ist auszusetzen, dass der Zettel- 
vorrat nicht mehr unter den Aktiven existiert. Wenn 
auch eine starke Abschreibung dieses Postens vollständig 
gerechtfertigt ist, würde es doch zu empfehlen sein, ihn 
zum Liquidationswerte wieder in die nächste Rechnung 
aufzunehmen. 



Zürich, den 7. Juli 1904. 



Namens der Kommission 
für das Concilium bibliographicum, 

Der Präsident: 
Prof. Dr. ARNOLD LANG. 

Der Aktuar: 
Dr. E. SCHOCH. 



Jahresberichte 

der 

Sektionen und Tochter-Gesellschaften. 



Personalbestand der Gesellschaft. 






w. 



315 



A. Société géologique Suisse. 



Rapport annuel du comité 

sur l'exercice 1903/1904. 

Messieurs et honorés confrères, 

Cette année encore il n'y a point eu d'affaires im- 
portantes, et le comité a pu faire toute sa besogne par 
correspondance, sans avoir besoin de se réunir ailleurs qu'à 
Winterthour, la veille de votre assemblée annuelle. 

Personnel. — Mutations survenues pendant l'exercice: 

a) Deux décès, ceux de MM. Wurtenberger de Emmis- 
bofen et Max Kœch de Bâle. Ce dernier, qui venait d'arriver 
à Para (Brésil), pour y remplir les fonctions de chef de 
la section géologique du Museum, a été enlevé en peu de 
jours par la fièvre jaune. 

b) Démissions. — Aucune. 

c) Nouvelles adhésions, dix: 

MM. Natoli Dr. Rinaldo, prof. Ecole normale Locamo (Tessili). 
Pometta Mansueto, inspect. forest, à Faido (Tessin). 
Pedrazzini Jean, propr. de mines à Locamo (Tessin). 
Bazzi Eugenio, ing., 4, Yiale Venezia, à Milan (Italie). 
Hug Jakob, Secundarlehrer à Birmensdorf (Zurich). 
Erb Joseph, Dr., à Suhr (Aargau). 
Miquel Don Manuel, lieut.-col. ing., 20, Calle de la 

Cuna, Séville (Espagne). 
Ogiez Charles, comptoir paléont. et archéol., 1, rue de 

l'Evéché, Genève. 



— 316 — 

MM. Jaccard Dr. Frédéric, Villa Àrgelès, Pully prèsLausanne. 

Schöndelrnayer Charles, Roseniont près Carouge (Genève). 

11 en résulte une augmentation nette de 8 membres, ce 
qui porte notre effectif à 264 sociétaires, dont 98 à l'étranger. 

Comptabilité. — Notre caissier, M. le prof. Mühlberg, a 
soumis le résumé suivant des comptes à MM. les contrôleurs 
que vous avez désignés il y a une année. 



Recettes. 
234 cotisations 1903/1904 . 
4 „ arriérées . 
15 „ anticipées . 
9 finances d'entrée 
Produits d'annonces et de ventes 
Intérêts perçus 

Produit de l'exercice 
Reliquat au 30 juin 1903 



Fr. 1170.20 
n 20.- 

„ 75.- 
„ 45.- 

n 11" 

185.55 



Fr. 



1506. 75 

922.68 



Total disponible Fr. 2429.43 



Dépenses. 
Frais d'impression et d'expédition . 
Achat de numéros épuisés des Eclogae 
Frais de port et de bureau .... 

Dépenses effectives 
Solde à compte nouveau 



Fr. 2300.45 
16.60 

„ 48. 50 

Fr. 2365.55 
63. 88 



Total égal Fr. 2429.43 

Les dépenses ont excédé les recettes de 858 fr. 80 et 
dépassé aussi le budget. En outre il nous reste des notes 
à payer pour un fort chiffre. Nous devrons à l'avenir être 
plus économes dans nos publications. 



— 317 — 

En revanche notre capital inaliénable s'est augmenté 
d'un beau don de 2500 fr., que nous devons à la générosité 
de notre co-sociétaire M. Flournoy à Genève, que nous en 
remercions chaudement. Ce fonds se monte actuellement à 
6900 francs. 

Budget. — Pour l'exercice 1904/1905 nous vous propo- 
sons d'établir le budget des dépenses comme suit: 
Publication des Eclogae, etc. .... Fr. 1200. — 
Indemnité de route du Comité .... ,, 70. — 

Frais de bureau et de ports „ 60. — 

Eventualités „ 70. — 

Total Fr. 1400.— 

Publications. — Trois fascicules des Eclogae ont paru 
pendant l'exercice: Le N° 7 du volume VII, consacré à la 
Ptevue géologique de 1902, expédié en novembre 1903. Pres- 
que en même temps paraissait le ]ST° 1 du volume YIII, qui 
renferme deux notices de MM. Euetschi et Kœch. Enfin le 
N"°2 du volumeVm, contenant le compte-rendu de la réunion 
de Locamo, et six notices peu étendues, a vu le jour en mars 
de cette année. Nous espérions donner encore un IST 3, consacré 
à la Revue géologique de 1903, mais cela n'a pas été possible. 

Excursion annuelle. — Pour faire suite à notre réunion 
de cette année au N. E. de la Suisse, nous avons prié M. le 
professeur Heim d'organiser mie excursion dans le massif 
du Säntis, qu'il connaît si à fond. Nous débuterons en visi- 
tant au Musée de Saint-Grall le magnifique relief de cette 
région montagneuse, à l'échelle du 1 : 5000, dû aux efforts 
persévérants de notre collègue, dont il nous fera la démons- 
tration, et sur lequel il nous montrera la structure de la 
chaîne et le chemin à parcourir. 

Renouvellement du Comité. — C'est cette année que se 
termine la période triennale d'administration du Comité. 



— 318 — 

Vous aurez donc à pourvoir à son renouvellement, en tenant 
compte d'une représentation aussi équitable que possible des 
diverses parties de la Suisse, conformément à l'art. 7 des 
statuts. 

Conclusions. — Xous vous prions, après avoir entendu le 
rapport de 3DI. les contrôleurs des comptes, de bien vouloir: 

a) Approuver la gestion et les comptes de l'exercice écoulé. 

b) Toter le budget des dépenses pour 1904/1905. 

c) Elire un nouveau Comité pour trois ans. 

d) Xommer 2 contrôleurs et un suppléant pour l'année 

qui commence. 

An nom dit Comité, 

Le président: 
E. EEXEVIER, prof. 



319 



B. Schweizerische botanische Gesellschaft. 

1. Komitee. 

Herr Dr. Hermann Christ in Basel, Präsident. 

„ Prof. Dr. C. Schröter in Zürich, Vizepräsident. 

„ Prof. Dr. H. Bachmann in Luzern, Sekretär. 

„ Prof. Dr. K, Chodat, Genf. 

„ Prof. Dr. Ed. Fischer, Bern. 

2. Kassier. 
Herr Dr. Aug. Binz in Basel. 

3. Bibliothekar. 
Herr Dr. M. Bikli in Zürich. 
Mitgliederzahl 144. 

Auszug aus dem Jahresbericht. 

1. Während des verflossenen Jahres versammelte sich 
der Vorstand einmal zu einer ausserordentlichen Sitzung. 
Dieselbe fand am 12. Dezember 1903 in Basel statt und 
galt der Ehrung unseres verehrten Herrn Präsidenten, 
welcher an diesem Tage in A^oller Frische und Rüstigkeit 
das 70. Geburtsfest feierte. Im Namen der zahlreichen 
Freunde aller Länder wurde dem Jubilaren ein künstlerisch 
ausgeführtes Album mit mehr als 150 Photographien über- 
reicht. 

2. Der schlesischen Gesellschaft für vaterländische 
Kultur in Breslau, welche uns zur Teilnahme an der 
Jubiläumsfeier ihres hundertjährigen Bestehens eingeladen 
hatte, wurde ein Gratulationsschreiben Übermacht. 

3. Der Kredit für Buitenzorg ist für 1904 bewilligt 
und für 1905 vom Zentralkomitee der S. IST. G. neu ver- 



— 320 — 

langt •worden. Die Bestellung- der leitenden Kommission 
und die Ausschreibung ist vom Departement des Innern 
noch nicht erfolgt. 

4. Als Delegierten der botanischen Gesellschaft an 
den internationalen Botanikerkongress in Wien wird dem 
h. Bundesrate Herr Prof. Dr. Chodat in G-enf vorgeschlagen. 

5. Aus finanziellen Rücksichten mussten im XHI. 
Hefte unserer Berichte die Originalarbeiten weggelassen 
werden. 

6. Durch Tod haben wir verloren Herrn Professor 
Dr. Dufour in Lausanne. 



7. Neuaufnahmen 12. 



Der Sekretär : 
H. BACHMANN. 



C. Schweizerische zoologische Gesellschaft. 



Trotz vielfacher Mahnungen war der Bericht 1903/04 
nicht zu bekommen. 



;2i 



Berichte der kantonalen Gesellschaften. 



1. Aargau. 

Aargauische Naturforschende Gesellschaft in Aarau. 
(Gegründet 1811.) 

Vorstand; 
Präsident: Herr Dr. F. Mühlberg. 

Vizepräsident: „ Dr. A. Tuchschmid. 
Aktuar : „ Dr. 0. Dill. 

Kassier: „ H. Kuniniler-Sauerländer. 

Bibliothekar: „ Dr. H. Otti. 
Beisitzer: „ Jakob Henz, Stadtrat. 

„ R. Wildi, Generalagent. 
Ehrenmitglieder: 4. Korrespondierende Mitglieder: 6. 
Ordentliche Mitglieder: 210. Jahresbeitrag: 8 Fr. 

Vorträge : 

Herr Dr. Max Mühlberg: Meine wissenschaftliche 
Reise nach Galizien. 

Herr Basier, Staatsgeometer : Das Yermessungswesen 
im Kanton Aargau. 

Herr Dr. A. Tuchschmid: Der elektrische Lichtbogen. 

Herr Dr. Streit: Mitteilungen über die Société 
Murithienne und Botanisches und Zoologisches aus dem 
Binnentale. 

Herr Dr. Fischer- Sigiv art : Das Leben unserer Haus- 
schwalbe. 

Herr J. Businger, Bezirkslehrer: Geschichte der Des- 

21 



— 322 — 

cendenz-Theorie von Darwin bis zur Gegenwart mit 
besonderer Berücksichtigung der Arbeiten Weissmanns. 

Herr Dr. F. Mühlberg: Mitteilungen über das pro- 
jektierte Etzelwerk. 

Herr Prof. Dr. A. Heim in Zürich: Xeu-Seeland. 
Oeff entlicher Vortrag. 

Herr Dr. Leo Wehrli in Zürich: Die vulkanischen 
Eruptionen auf Martinique. Oeffentlicher Vortrag. 

Herr Dr. F. Mühlberg: Verschiedene kleinere Mit- 
teilungen und Demonstrationen. 



323 — 



2. Basel. 



Bericht über das Jahr 1903/04. 

Naturforschende Gesellschaft in Basel. 
(Gegründet 1817.) 

Vorstand für 1902—1904. 
Präsident: Herr Prof. Dr. R. Metzner. 

Vizepräsident: „ Dr. Pierre Chappuis. 

I. Sekretär: „ Prof. Dr. K. Yon der Mühll. 

II. Sekretär: „ Prof. Dr. H. Hupe. 
Bibliothekar: „ Prof . Dr. Gr. W. A. Kahlbaum. 

Ehrenmitglieder: 8. Korrespondierende Mitglieder: 31. 
Ordentliche Mitglieder: 247. Jahresbeitrag: Fr. 12. — 

In 12 Sitzungen wurden folgende Vorträge gehalten: 

4. Nov. Herr Prof. Dr. F. Burckhardt : Historische 
Notizen. Ueber den Mathematiker Georg Johann Rhäticus, 
über die von Dr. D. Huber 1813 bis 1824 ausgeführte 
erste Triangulation des Kantons Basel, über den Afrika- 
reisenden S. Braun aus Basel, über den Geburtstag des 
J. Rosius. 

18. Nov. Herr Prof. Dr. W. His: Ueber physika- 
lische Vorgänge bei der Resorption pathologischer Exudate. 

2. Dez. Herr Prof. Dr. E. Hagenbach-Bischoff : Be- 
stimmung der Zähigkeit einer Flüssigkeit durch Aus- 
fluss aus Kapillarröhren. 

16. Dez. Herr Prof. Dr. H. Rupe: 1. Ueber eine 
neue Klasse stickstoffhaltiger Verbindungen. 2. Ueber 
Methin-Ammoniumfarbstoffe. 



— 324 — 

Herr Prof. Dr. Rud. Burckhardt: Das älteste zoo- 
logische System. 

6. Jan. Herr Dr. E. Baumherger: Ein Molasse- 
Profil am Jura-Kancle bei Biel. 

Herr Prof. Dr. F. Fiel der: Ueber 1 . 8 — Amidonaphtol 
und über Calci unicy an ainid. 

20. Jan. Herr Dr. Gr. Senn : Flagellateli als krankheits- 
erregende Blutparasiten. 

10. Febr. Herr Dr. L. Reinhard: Die Malaria, deren 
Verbreitung und Bekämpfung, nach den Ergebnissen der 
neuesten Forschung. 

2. März. Herr Dr. Chappuis: Ueber eine neue Be- 
stimmung der Ausdehnung des Quecksilbers. 

Herr Dr. Griessbach : Ergebnisse ästhesiometrischer 
Messungen. 

16. März. Herr Prof. Dr. Goppelsröder: Ueber die 
Anwendung der Kapillar- Analyse, bei Harnuntersuchungen 
und bei vitalen Tinktionsversuchen. 

Herr Prof . Dr. C. Schmidt: Erdwachs und Petroleum 
in Galizien. 

4. Mai. Herr Dr. Br. Bloch: Zur Geschichte der 
Embryologie. 

1. Juni. Herr Dr. K. Strübin: Die Verbreitung der 
erratischen Blöcke im Basler Jura. 

Herr Prof. Dr. G. W. A. Kahlbaum: Ueber die Ver- 
änderlichkeit der spezifischen Gewichte. 

6. Juli. Herr Prof. F. Eicltter : Ueber die Bildung 
von Salpetersäure aus Luft (mit Demonstration'. : 

Herr Prof. Hagenbach-Bischoff und Herr Fr. Klingel- 

: Vorführung eines neuen Induktoriurn>. 



— 325 — 

3. Baselland. 

Naturforschende Gesellschaft Baselland. 

Vorstand für 1903/04. 
Präsident: Herr Dr. Fr. Leutharclt, Bez.-Lehrer. 

Protokollführer und 

Vizepräsident: „ E. Rolle, Lehrer. 

Sekretär: „ Reg.-Rat G. A. Bay, seit 1904 

Herr K. Lüdin. 
Kassier: T Victor Fricker, Telephonchef. 

Bibliothekar: „ F. Köttgen, sen., Fabrikant. 

Ehrenmitglieder: 5. Ordentliche Mitglieder: 92. 
Jahresbeitrag: Fr. 6. — . 

Vorträge 
gehalten vom Oktober 1903 bis April 1904. 

24. Okt. Herr Reg.-Rat Bay, Liestal: Aus der 
Naturforscherversammlung in Locamo. Die Herkunft 
der Tierwelt des Kantons Tessin. 

7. Nov. Herr Jb. Seiler, Liestal: Lepidopterenfauna 
im Jahr 1903. 

Herr Dr. Strübin, Liestal: Glaziale Bildungen bei 
Liestal. 

Herr Dr. M. Bollag, Liestal: Der Gesichtsausdruck 
bei Gemütsbewegungen und dessen Lähmung. 

25. ISTov. Herr Pfarrer Bührer, Buus: Die Erfor- 
schung der höhern Luftschichten. 

8. Dez. Herr F. Köttgen, sen., Liestal: Die moderne 
Eisengewinnung. 

19. Dez. Herr F. Köttgen, sen., Liestal: Die ver- 
schiedenen Arten des Eisens. 



— 326 — 

1904. 

9. Jan. Herr Heinis , stud. phil., Liestal: Beiträge 
zur Mora von Liestal und Umgebung. 

Herr Dr. LeutTi.ardt, Liestal: Ophiomusium ferrugi- 
neuni. 

Herr Dr. Bollag, Liestal: Drei interessante Krank- 
heitsfälle aus der Praxis. 

13. Febr. Herr K. Lüdin, Liestal: Die Uebertragung 
von Xegativen auf Metall zum Zwecke der Aetzung. 

5. März. Herr Brodbeck, Strasseninspektor, Liestal: 
Präzisionsnivellenients. 

22. März. Herr Pfarrer Bülirer, Buus: "Wolken- 
bildungen. 

9. April. Herr Dr. Leutliarät, Liestal: ^Neuere Er- 
werbungen des Kantonsmuseums. 

13. April. Herr Dr. Haslebacher , Liestal: Reise- 
erinnerungen aus Ostindien. 

30. April. Herr Dr. Leutliardt, Liestal: Entstehung 
des Münstertales. 

Herr Dr. Strübin, Liestal: Weissensteinprofil. 

Exkursionen : 

Am 1. Mai 1904 nach Moutier, Eisenwerke von 
Choindez und Steinbrüche von Liesberg. 

Als Abgeordneter wird an den Verhandlungen der vor- 
beratenden Kommission teilnehmen Herr Dr. Fr. Leuthardt, 
Präsident der Gesellschaft. 



327 — 



4. Bern. 

Naturforschende Gesellschaft Bern. 
(Gegründet 1786.) 

Vorstand: 
Präsident: Herr Prof. Dr. A. Heffter. 

Vizepräsident: „ Prof. Dr. Ed. Fischer. 
Sekretär: x Dr. H. Rothenbühler. 

Kassier: „ B. Studer-Steinhäuslin, Apotheker. 

Redaktor der Mitteilungen: Herr Prof. Dr. J. H. Graf. 
Bibliothekar: Herr Dr. Th. Steck. 
Geschäftsführer des Lesezirkels: Herr Dr. Th. Steck. 

Ordentliche Mitglieder: 150. Korrespondierende 
Mitglieder: 17. Jahresbeitrag Fr. 8. — . Zahl der Sitz- 
ungen : 13. 



Vorträge: 
1903. 

24. Okt. Herr Prof. Dr. A. Baltzer : Die Lakkolithen 
der Berneralpen, eine neue Ansicht über die Xatur der 
alpinen Granitkerne. 

7. Xov. Herr Dr. R. Huber: Heber elektrische Be- 
sonnanz bei Strömen hoher Frequenz. 

Derselbe: Demonstration eines sog. japanischen oder 
magischen Spiegels. 

14. Xov. Herr Dr. W. Volz : Ueber die Fauna von 
Sumatra. 

Herr Erich Fischer: Ueber Klippschiefer (Hyrax). 

Herr Prof. Studer: Demonstration und Besprechung 
von Ueberresten von Xeomylodon listaei aus Patagonien. 



- 328 - 

5. Dez. Herr Prof. Dr. 0. Rubeli: Ueber den Bau 

der Zitze des Rindes. 

Herr A. Einstein : Ueber die Theorie der elektro- 
magnetischen Wellen. 

19. Dez. Demonstrationsabend. 

Herr Prof. Dr. Ed. Fischer; Myrmecodien aus Sumatra. 
„ Dr. Steck: Sphingiden aus Para. 
„ Dr. Kissling: Sandpseudomorphen von verschiedenen 

Kiystallen, Edelopale von ISTeusüdwales. 
„ Prof. Dr. Baltzer: Gypsabguss eines 700 g schweren 

Meteoriten aus dem Kanton Waadt. 
„ Siuder- Steinhämlin: Pilze aus der zürcherischen 

Pfahlbautensammlung. 
„ Tièche: Fossile Crustaceen aus der Molasse des 

Belpberges. 

1904. 

23. Jan. Herr Prof. Dr. Ed. Fischer : Ueber den 
Wirtwechsel bei den parasitischen Pilzen. 

6. Febr. Herr Dr. W. Volz: Tiergeographisches und 
Biologisches aus Sumatra. 

Herr Böhme: Der Luftatmungsprozess eines suma- 
tranischen Welses. 

20. Febr. Herr Prof. Dr. Krämer: Eine kynologische 
Streitfrage. 

5. März. Herr Prof. Dr. Ed. Brückner: Ueber Struk- 
tur der Gletscher. 

Herr Prof. Dr. Grüner: Projektion astronomischer 
Bilder nach photographischen Aufnahmen. 

19. März. Herr Prof. Dr. A. Hefter: Reduktions- 
erscheinungen im Tierkörper. 

30. April. Herr Prof. Dr. Ed. Brückner: Gletscher- 
erosion und Seebildung (mit Projektionen). 



— 329 — 

7. Mai. Jubiläumsfeier der 1000. Sitzung der Gesell- 
schaft; zugleich Jubiläumsfeier der 60jährigen Mitglied- 
schaft von Herrn Apotheker B. Studer, sen. 

12. Juni. Auswärtige Sitzung in Freiburg zusammen 
mit der treib urgischen naturforschenden Gesellschaft. 

Herr Prof. Dr. de Kowalski/, Freiburg: Ueber die 
Salpeterfrage. 

Herr Prof. Dr. Guillebeau, Bern: Die Bakterienflora 
der gesunden Milch. 

Als Delegierte an die Jahresversammlung der schwei- 
zerischen naturforschenden Gesellschaft in Winterthur 
wurden bezeichnet die HH. Prof. Dr. J. H. Graf und 
Prof. Dr. Sidler. 

Der Sekretär: 
Dr. H. ROTHENBÜHLEE. 



— 330 — 



5. Fribourg. 

■ fribourgi Sciences natu reih: s. 

1832—1-71. 

Bureau pour 1903/04. 

Président : M. le prof. M. 3Iusv. 

-Président: M. le prof. Dr. J. Brunhes. 

C issier: M. le prof. Dr. Tre ver. 

-taire français : M. le prof. Dr. L. G-obet. 

allemand: AL le prof. Dr. A. Gockel. 
Nombre de membres: honoraires 7; effectifs 133 
: tien annuelle: 5 frs. 
15 Béances du 6 novembre 1903 au 12 juin 1904. 



Principales communications. 

M. le prof. Dr. Baumhauer; Einige Mitteilungen über 
das Leuchten des Sidot-Blende-Schirnies. 

M. A. Berset, prof. d"agric. : La maladie du sommeil, 
les principaux parasites des globules du Bang 

31. le prof. Basson. : Sur un nouveau canon électrique. 

31. le prof. Dr. J. Brunhes: 1 1 Rapport présenté à la 
royale à>: médecine de Londres sur la maladie du 
sommeil. Cette maladie, localisée dans l'Ouganda, esfdue 
à la glossina palpalis et non à la mouche teétsé. 2 Sur le 
_ - bigarré | Buntsandstein) d'Heidelberg. 3) Les orgues 
géologiques. Il ne s'agit pas des orgues basaltiques, mais 
Dreux ou trous dan- certains terrains (craie, decken- 



— odi — 

schotter) à Kremsmünster (Autriche). Sauf réserve d'une 
étude plus aprofondie, M. J. Brunhes croit pouvoir les rat- 
tacher aux marmites. 

M. C. Calciati étud. : Sur la répartition générale des 
coléoptères à la surface du globe. 

M. le prof. Dr. Dhéré: Sur la répartition et le rôle du 
fer et du cuivre dans la matière vivante. 

M. le prof. J. Ddlemont: Les turbines à vapeur. 

M. M Fleury, étud. : 1) Le fer et le sidérolithique du 
Jura. 2) Sur l'emploi de la fluoréscéine pour l'étude des 
eaux souterraines. 

M. le prof. P. Girardin, à l'occasion d'une discussion 
générale sur les récentes perturbations atmosphériques et 
magnétiques, donne un résumé du travail de M. Stassano 
sur les relations qui existent entre les basses pressions at- 
mosphériques et les aurores boréales. 2) La mission Len- 
fant: Recherche d'une communication par eau entre le 
Bassin du Niger et le lac Tschad. 3) Le Japon, son essor 
depuis 1868. 

M. le prof. Dr. R. de Girard : Histoire de la géologie 
du Mont-Blanc. 

M. le prof. Dr. L. Gooet: Quelques remarques sur la 
répartition des pluies en Suisse. 

M. le prof. Dr. A. Gockel : 1) Les observations météoro- 
logiques faites à la faculté des sciences en 1903. 2) Les 
émanations radioactives du sol 

M.A.Gremaud, ing. cant.: L'ophthalmie des cantonniers. 

M. le prof. R. Homer: La culture du ver à soie à 
Lully (Broyé). Cette culture n'a cessé que depuis quelques 
années. 

M. le prof. J. de Kowalski: 1) Sur les décharges 
électriques. 2) Le radium (avec expériences). 3) Die Sal- 
peterfrage. 



oo_ ; 

M. G. Maillard, inéd. vét. : L'anévrisme vermineux du 
cheval. 

M. le prof. IL Musy: signale un travail de M. le prof. 
Yung de Genève sur le sens olfactif des escargots. (Arch. 
de Psychologie, nov. 1903.) 

M. le prof. H. Savoy: signale le travail publié par 
M. Jaccard dans le bulletin de laMurithienne sur les rapports 
qui existent entre les noms de quelques plantes et les noms 
de localités dans la Suisse romande. 

Le même rappelle l'étude faite l'année dernière par 
M. le prof. M. Musy sur la culture du ver à soie dans notre 
canton. La même étude faite dans le canton de Vaud a 
amené les mêmes conclusions. 

Fribourg, le 25 août 1904. 

Le président : 
Prof. M. MUSY. 



— 333 — 

6. Genève. 

Société de Pìiysique et d'Histoire Naturelle. 

Comité pour 1903 : 
Président : M. P. van Berchem. 

Vice-Président: M. Aug. Wartmann. 

Trésorier: M. Arnold Pictet. 

Secrétaire correspondant: M. Louis Perrot. 
Secrétaire: M. Maurice Gautier. 

Nombre des séances: 16. 

Membres ordinaires: 58. 

• „ émérites: 9. 

fl honoraires : 46. 

„ associés libres: 40. 
Cotisation fr. 20. 



Communications faites en 1903. 
Physique. — Mathématiques. 

M. K. Birkeland: Sur l'aurore boréale. 

M. H. Dufour: Absorption atmosphérique exception- 
nelle de la radiation solaire. 

M. L. de la Rive : Sur l'ellipsoïde d'élasticité. 

MM. C. E. Cuye et Monasch: L'arc de faible intensité 
entre électrodes métalliques. 

MM. CE. Ouye et Herzfeld: Hystérésis aux fréquences 
élevées. 

M. C E. Cuye : Appareil pour démontrer le mouvement 
ondulatoire. 



— 334 — 

MM. C. E. Guye et Fornaro: Variation résiduelle du 
deuxième module d'élasticité de l'invar. 

M. C. E. Guye: Observations sur la lampe à arc au 
mercure. 

MM. P. A. Guy e et Homphry: Mesures d'ascensions 
capillaires. 

MM. P. .4. Guye et Renard: Mesures d'ascensions capil- 
laires dans l'air. 

M. P. A. Guye: Fonctionnement des electrol} T seurs à 
diaphragmes. 

M. R. de Saussure: Constitution géométrique de l'éther. 

M. Th. Tommasina: Notions fondamentales pour la 
théorie mécanique de l'électricité. 

M. Th. Tommasina: Champ tournant électromagné- 
tique. « 

M. Th. Tommasina: L'éther-électricité et la constante 
électrostatique de gravitation. 

M. Th. Tommasina: Cohéreurs autodécohérents. 

M. Th. Tommasina: Scintillation du sulfure de zinc 
en présence de radium. 

Chimie. 

MM. R. Chodat et A. Bach : Sur les ferments oxydants. 

MM. L. Duparc et Bourcart: Composition des eaux des 
lacs de montagne. 

M. L. Duparc: Action des sels alcalins sur les car- 
bonates. 

MM. L. Duparc et J. Barth: Dosage colorimétrique du 
fer dans le sang. 

MM. A. Jacquerod et E. Wassmer: Points d'ébullition 
de la naphtaline, du biphényle et de la benzophénone. 

M. .4. Pictet: Dédoublement de la nicotine. 

M. A. Pictet: Acides organo-minéraux. 



— 335 — 

Geologie. — Minéralogie. 

M. A. Brun : Glaciers du Spitzberg. 
M. L. Duparc : Granit porphire de Troïtsk. 
MM. L. Duparc et Pearce: Nouveau groupe d'amphi- 
boles. 

M. F. Pearce : Des courbes "obscures. 

M. C. Sarasin: La région des Bornes et des Annes. 

M. C. Sarasin : La Klippe des Annes. 

Botanique. 

M. J. Briquet: Lu genre Hyperaspis. 

M. J. Briquet : Lu genre Sempervivum. 

M. J. Briquet: Pétioles pourvus de coussinets de 
désarticulation chez les labiées. 

MM. R. Chodat et Adjaroff: Culture des algues. 

M. B. P. G. Hochreutiner : Plante toxique du sud- 
Oranais. 

Zoologie. 

M.M.Bedot: Recherches sur la Bathyphysa Grimaldii. 
M. J. Cari: Organe embryonnaire chez un Collembole. 
M. J. Cari: Sur une ligne faunistique dans les Alpes 
suisses. 

M. F. Penar d: Observations sur les héliozoaires. 
M. Arn. Pictet: Variations chez les papillons. 
M. F. Tung: Effets anatomiques de l'inanition. 
M. F. Tung: La grande corne de l'escargot. 

Physiologie. 

MM. J. L. Prévost et Samaja: Siège des convulsions 
toniques et cloniques. 



o .-> ,2 

— ooo — 

7. Glarus. 

Naturforschende Gesellschaft des Kantons Glarus. 

Vorstand: 
Präsident: Herr J. Oberkolzer, Lehrer an der hohem 

Stadtschule in Glarus. 
Aktuar: „ A. Hohl. Lehrer an der höheren Stadt- 

schule in Glarus. 
Quästor: „ D. Yogel, Lehrer in Glarus. 

Mitgliederzahl: 36. Jahresbeitrag Fr. 2. — . 

Vortrag: 

Herr J. Oberholze r, Lehrer an der höhern Stadtschule: 
Die neuesten Ansichten über den tektonischen Bau der 
Alpen. 



8. Graubünden. 



Natwrforschende Gesellschaft Granbünäens, Chur. 
(Gründungsjahr 1825.) 

Vorstand: 
Präsident: Herr Dr. P. Lorenz. 

Vizepräsident: „ Prof. Dr. C. Tarnuzzer. 
Aktuar: „ Prof. Merz. 

Kassier: „ Ratsherr P. J. Bener. 

Bibliothekar: -, Major A. Zuan. 
Assessoren: „ Prof. Dr. G. Xussberger. 

„ Direktor Dr. J. Jörger. 



— 337 — 

Mitglieder in Chur und auswärts . . 136 

Ehrenmitglieder 9 

Korrespondierende Mitglieder ... 30 



175 Mitglieder. 



Jahresbeitrag Fr. 5. — . Eintrittsgebühr Er. 5. 



In 10 Sitzungen wurden folgende Vorträge gehalten : 

Herr Prof. Dr. Tarnuzzer: Neue Erwerbungen dos 
Rhätischen Museums. Mit Demonstrationen. 

Herr Prof. Dr. Thommen: Die Dasselfliege und ihre 
Entwicklung. 

Herr Prof. Merz: Ueber Ostwalds Naturphilosophie. 

Herr Dr. P. Lorenz: Funde bei Anlass der Neufassung 
der Therme in Vais. (Thonhenkel und Zähne diverser 
grösserer Säugetiere.) 

Herr Ingenieur O. Bener: Reiseerinnerungen ans 
Norwegen. 

Herr Eidg. Oberforstinspektor Dr. J. Coaz: Ueber das 
Oberengadin. 

Herr Kantonsforstinspektor F. Enderlin: Der ana- 
tomische Aufbau der Waldbäume und der Zuwachsgang 
am Holzkörper. 

Herr Prof. Dr. Nussberger: Ueber radioaktive Sub- 
stanzen. 

Herr Direktor Dr. Jörger: Die Entwicklung des 
Zentralnervensystems der Wirbeltiere. 

Dr. P. LORENZ. 



22 



338 — 



9. Luzern. 
Naturforschende Gesellschaft Luzern. 

Vorstand: 

Präsident: Herr Dr. E. Schumacher- 

Kopp, Kantons-Chem. 

Aktuar und Vizepräsident: v A.Schumacher, Lehrer. 

Kassier: „ v. Mooss-Nager, Kreis- 

förster. 

Redakteur der Mitteilungen: ,, Prof. Dr. Bachmann. 

Mitgliederzahl: 88. — Jahresbeitrag 4 Fr. 



Vorträge : 

Herr Proi. Dr. Bachmann: Die kalkabsondernden 
Meeresalgen aus der Familie der Corallineeu im Golfe 
von Neapel. 

Herr Dr. Schumacher- Kopp: Das Alkohol- Auer-Licht 
zu chemischen und medizinischen Zwecken. — Kritik 
der physikalischen Ei erprüf un gsmethoden. — Gesundheits- 
schädliche Geheimmittel. 

Herr Prof. R'tbeaud: Uebersetzung der Silvae Sil- 
varum von Baco von Verulam, dem englischen Gross- 
kanzler, 1560. 

Herr Direktor J. Zimmermann: Die Fortschritte in 
der Technik der künstlichen Brut. 



— 339 - 

Herr Dr. Düggeli: Die Assimilation des freien atmo- 
sphärischen Stickstoffes durch Bakterien. 

Herr Prof. Arnet: Die Wellentelegraphie mit Demun- 
strationen. 

Herr Prof. Ribeaud: Die künstlichen Riechstoffe mit 
Demonstrationen. 

Herr Prof. Arnet: Glossen zum Chauvinismus betr. 
des Radium. 

Herr Prof. Dr. Bachmann: Demonstrationen der zoo- 
logischen Wandtafeln von Prof. Purtscheller und des 
anthropologischen grossen Atlasses von Prof. Martin. 

Herr Prof. Ribeaud: Der Calciumcjanamid. 

I. Hauptversammlung in Brunnen mit den Mit- 
gliedern der Urschweiz. Torträge: 1. Herr Direktor 
Amberg: Die limnologi sehe Untersuchung des Vierwald- 
stätter-Sees: physikalischer Teil. (Farbe, Transparent, 
Temperatur.) 2. Prof. Arnet: Demonstration der Punken- 
telegraphie mit dem Apparate von Braun, Siemens & 
Halske. 3. Prof. Dr. Bachmann: Die Xaturgeschichte 
des TTrnersees. 

Delegierte: Herr Dr. Schumacher- Kopp. 
Prof. Dr. Bachmann. 



340 — 



10. Neuchâtel. 

Société neuchâteloise des sciences naturelles. 
(Fondée en 1832.) 

Comité pour l'exercice 1903 — 1904. 
Président honoraire : M. L. Favre, prof. 
Président : M. H. Rivier, prof. 

Vice-Président: M. E. Le Grand Roy, prof. 

Secrétaire: M. H. Spinner, prof. 

„ M. H. Berthoud, chim. 

Caissier: M. E. Banler, pharm. 

Rédacteur du Bulletin: M. F. Tripet, prof. 

Membres actifs, 204; membres correspondants, 15; 
membres honoraires, 16. Cotisation annuelle: membres 
internes, 8 francs; membres externes, 5 francs. Nombre 
des séances: 15. 



Travaux et communications. 

M. H. Berthoud, lie. es se. : La combustion lente des 
thiuréthanes bisubstituées. 

M. 0. Billeter, prof.: Sur un phénomène d'autoxy- 
dation. — Le radium. 

MM. F. Conne, chim. et Dr. G. Sandoz: La valeur de 
l'eau du lac de Neuchâtel pour l'alimentation. 

M. L. Favre, prof. : Auguste Mayor (notice nécro- 
logique). 

M. 0. Fulirmann, prof.: Les recherches récentes sur 
la parthénogenèse expérimentale et la mérogonie. — Ma- 
ladies de nos poissons. 



— 341 — 

M. L. Gaberei, prof. : Sur une surface de Eiemann. 

M. L. Isely, prof.: Les origines de la théorie des 
fractions continues. — Leibnitz et Bourguet: Correspon- 
dance scientifique et philosophique. — Georges Salmon. 

M. A. Jeanrenaud, prof. : L'utilisation de l'azote at- 
mosphérique en agriculture. 

M. E. he Grand Roy ', prof.: Une théorie nouvelle sul- 
la cause des énergies attractives. 

M. A. Mathey-Dupraz, prof. : Le développement des 
bois chez les cervins. 

M. H. Moulin, past r . : L'histoire du terme „Valangien". 

M. Al. Perrochet, prof. : Une nouvelle station de 
Pleur og y ne carinthiaca. 

M. E. Piguet, prof. : Quelques observations sur l'ana- 
tomie de certains Oligochètes limicoles. 

M. G. Ritter, in g. : Les eaux d'alimentation du canton 
de Neuchâtel. 

M. H. Rivier, prof. : Sur la réversibilité de la trans- 
formation des pseudodithiobiurets pentasubstitués en 
dithiobiurets normaux. 

M. L.Rollier,gèol.: Sur les relations du Sidérolithique 
avec le Neocomien. 

M. F. de Rougemont, past r . : Quelques notes détachées 
sur les Eupithécies des environs de Dombresson. 

M. H. Schardt, prof. : La géologie de la combe des 
Quignets. — Sur des gisements anormaux du terrain 
crétacique. — K. A. von Zittel. — Les eaux du tunnel 
du Simplon. — Géologie de la Montagne de Diesse et du 
vallon du Jorat. — Le Néocomien et la tectonique" des 
environs de Couvet. — Relations entre les emposieux de la 
vallée de La Brévine et la source de l'Areuse. — Sources 
issues de terrains calcaires. — Un pli-faille près de Monte- 



— 342 — 

zillon. — Propagation de la fluorescéine dans les eaux. — 
La région d'alimentation des sources de l'Areuse. 

M. H. Spinner, prof.: Sur des fruits anormaux de 
ClieirantJius Clieiri. — Les symbioses végétales. — L'ana- 
tomie caulinaire des Carex suisses. 

M. H. Strœle, astr.: La question d'une langue scienti- 
fique internationale et l'Espéranto. 

M. JR. Weber, prof.: Sur la baisse barométrique du 26 
au 28 novembre 1903. — Sur un baromètre à mercure 
multiplicateur. — Visite à la station terminale de la ligne 
télégraphique Lisbonne-Brésil, à Carcavellos. 



343 — 



11. St. Gallen. 



Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
' (Gegründet 1819.) 



Das Gesellschaftsjahr wird vom 1. Januar 1905 an 
mit dem bürgerlichen Jahr zusammenfallen. Diese Be- 
richterstattung erstreckt sich über den Zeitraum vom 
1. Juli 1903 bis 30. Juni 1904 konform den andern 
Gesellschaften. 



Präsident : 

Vizepräsident: 
Korrespondent: 

Aktuar : 

Bibliothekar: 

Kassier : 

Redaktor des Jahrbuches 

Beisitzer : 



Ehrenmitglieder 



Vorstand : 

Herr Dr. G. Ambühl, Kan- 
tonschemiker. 
., Erzieh.-B. Th. Schlatter. 
„ Brassel, Vorsteher der 

Mädchenrealschule. 
„ Dr. H. Rehsteiner. 
„ Konservator £. Bächler. 
„ J. J. Gschwend. 
n Dr. G. Ambühl. 
„ Dr. A. Dreyer. 
„ Dr. med. 0. Gsell. 
„ Dr. Mooser, Professor. 
„ Dr. Steiger, Professor. 
., Wild, Porstinspektor. 

35. Ordentliche Mitglieder: 693. 



13 Sitzungen und 2 Exkursionen. 



- 344 — 

Vorträge und Mitteilungen: 

Herr E. Bächler, Konservator am naturwissenschaft- 
lichen Museum: Die Flussspathöhle in der^Dürrschrennen" 
beim Aescher-Wildkirckli und die neuesten Funde in 
derselben. — Exkursionsbilder vom Hohentwil und seiner 
Umgebung. — Zoologische und mineralogische Vor- 
weisungen. 

Herr med. vet. O. B aumg artner : Mitteilungen und 
Demonstrationen aus dem Schlachthaus. 

Herr Dr. Bülwiller auf Schloss Sulzberg : Das Radium. 

Herr Reallehrer Dr. A. Dreyer: Demonstration einer 
frisch angekommenen Kollektion von essbaren Nordsee- 
fischen. 

Herr Jean Fassbender: Beobachtungen und Erfahr- 
ungen betr. Variationen von Kanarienvögeln. 

Herr Prof. Dr. C. Friedheim aus Bern : Die Chemie 
und das öffentliche Wohl. 

Herr Prof. Dr. A. Heim aus Zürich: Die Reliefkunst. 

Fräulein Marie Jerosch, Assistentin von Herrn Prof. 
Heim, aus Zürich: Geologischer Ueberblick über den Bau 
des Alpsteingebirges; bei Anlass der Exkursion an den 
Fählcnsee, verbunden mit der Färbung desselben, behufs 
Feststellung seiner Ablaufsrichtung. 

Herr Seminarlehrer Dr. .4. InJtelder aus Rorschach: 
Demonstration des Kryptoganien-Tafelwerkes von Prof. 
A. Dodel. 

Herr Prof. Dr. Conrad Keller aus Zürich: Die Ein- 
wanderung der schweizerischen Tierwelt seit der Eiszeit. 

Herr Prof. Dr. Mooser: Das Blau des Himmels. 

Herr Dr. Max Oettli: Aus dem Leben und dem 
Existenzkämpfe dei' Felsenpflanzen unserer Berge. 

Herr Dr. H. Relisteiner: Trapa natans mit Vorweisung 
frischer l'Hanzen aus dem Lago di Muzzano im Tessili. 



— 345 — 

Herr Nationalität Sulzer- Ziegler aus Winterthur: Der 
Bau des Simplontunnels. 

Herr Prof. Dr. P. Vogler: Exkursionsbilder aus dem 
Tessin. 

Das Jahrbuch pro 1901/1902 enthält Arbeiten der 
Herren : 

Herr Dr. Konrad Diem: Untersuchungen über die 
Bodenfauna in den Alpen. 

Herr Dr. M. Rikli : Die Pflanzenwelt des hohen 
Nordens in ihren Beziehungen zu Klima und Boden- 
beschaffenheit. 

Herr Dr. med. Zollikofer : Ueber Meteorologie und 
Influenza. 

Herr Clir. Falkner und A. Ludwig: Beiträge zur 
Geologie der Umgebung von St. Gallen, mit geologischer 
Karte. 



— 346 — 

12. Schaffhausen. 

Naturf or sehende Gesellschaft Schaffhausen. 

Präsident : Vakat. 

Vizepräsident : Herr Dr. med. C. Vogler. 

Beisitzer: „ Prof. Meister. 

„ Wanner-jMüller. 
Aktuar: „ Wanner-Schachenruann. 

Kassier: „ Hermann Frey-Jezler ? Fabrikant. 

Mitgliederzahl : 64. Jahresbeitrag : Fr. 2. — 



Vorträge ausser kleinern Mitteilungen und Demon- 
strationen : 

Herr Dr. Vogler: Ueber Insektenflügel. 
Herr Prof. Meister: Ueber die Ausgrabungen im 
Schweizersbild. 

Herr Prof. Dr. Oysel: Ueber neue elektrische Wellen. 



347 



13. Solothurn. 



Naturforschende Gesellschaft in Solothurn. 

(Gegründet 1823.) 

Vorstand: 

Präsident: Herr J. Enz, Rektor. 

Vizepräsident: „ Dr. A. Walker 3 Arzt. 

Aktuar: „ J. Keller, Sckuldirektor. 

Kassier: „ H. Rudolf, Verwalter. 

Beisitzer: „ Dr. J. Bloch, Professor. 

„ U. Brosi, Direktor. 

„ E. Schlatter, Stadtingenieur. 

„ A. Strüby, Professor. 

j, J. Walter, Professor. 

Ehrenmitglieder: 6. Ordentliche Mitglieder: 239. 
Jahresbeitrag: Er. 4. — 



Vorträge und Mitteihmgen: 

Herr J. Keller ', Schuldirektor: Der Nil. 

Herr Dr. A. Pfähler, Apotheker: lieber die Fort- 
pflanzung bei den Pflanzen. 

Herr C. Marti, Sekundarlehrer in Xidau : Die Wetter- 
kräfte der Planetenatmosphären. 

Herr Dr. P. Pfähler, Arzt: Aus neueren Forschungs- 
gebieten der Medizin. 

Herr Dr. R. Probst, Arzt: Neue Funde der Glazial- 
reliktenfauna der Umgebung von Solothurn. 

Herr U. Brosi, Direktor: Genua. 



— 348 — 

Herr Dr. TT 7 . Kottmanti, Arzt: Anwendung* physi- 
kalischer Prinzipien in der ]\Iedizin. 

Herr H. Laiigner, Tierarzt: Ueber Fleischvergif- 
tungen. 

Herr Dr. B. Wyss, Prof. : Naturwissenschaftliche 
Funde in alten Schriften. 

Herr Dr. A. Gloor, Augenarzt: Einiges aus der 
Augenheilkunde an Hand der Statistik der Augen- 
operationen von- 1903 im Bürgerspital. 

Herr F. v. Sury, Gremeinderat: Die Verwendung der 
Elektrizität in der Haushaltung. — Ueber elektrische 
Automobile und elektrische Boote. 

Herr Dr. F. Sa hubig er -Hartmann, Arzt: Die Todes- 
ursachen in der Schweiz. 

Herr J. Keller, Schuldirektor : Ergänzungen zu : 
„Haggenmacher als Pionier in Afrika." 

Herr S. Mauderli jun., Professor: Die Unendlichkeit 
dus Weltalls. 

Herr J. Walter, Professor: Ueber Erkennung ge- 
fälschter Speisefette. 

Herr Dr. H. Herzog, Assistenzarzt: Statistik des 
Bürgerspitals pro 1903. 

Herr Dr. JR. Probst, Arzt: Die südeuropäiseh-pontische 
Steppenflora der Jurazone von Biel bis O.ensingen mit 
spezieller Berücksichtigung der Flora von Pieterlen. 

Herr Dr. .4. Walker, Arzt: Altes und Neues über 
die Tuberkulose. 

Herr F. Vogt, Zahnarzt: Ueber die Plastizität der 
Kieferknochen. 



— 349 — 

14. Tessin. 

Società ticinese di Scienze naturali. 

Rapporto 1903/04. 

Numero dei membri: 67. Numero delle adunanze 
tenute: 2. 
Comitato direttivo lier il biennio 1903 — 04/1904 — 05: 
Dottr. Rinaldo Natoli, prof., Presidente. 
Sign. Giov. Pedrazzini, Vice-Presidente. 
Sign. Ant. Giugni, prof., Segretario. 
Dottr. Ettore Balli, membro. 
Dottr. Hans Griiter, membro. 
Dottr. G. Ferri, prof., Archivista. 
Sede della Società per il biennio in corso : Locamo. 



Adunanze e lavori. 
Durante le due sedute ordinarie, tenute dalla Società, 
furono presentate le note e comunicazioni seguenti: 
I. Adunanza di Bellinzona (13 dicembre 1903) 

1. Prof. dott. R. Natoli: Inaugurazione della sessione 
e piano dei lavori della Società (pubblicato nel Bol- 
letino della Società, anno I, No. 1). 

2. Prof. dott. C. Schröter e prof. dott. E. Wilczeck: Notice 
sur la flore littorale de Locamo (pubblicato e. s.). 

3. Prof. dott. C. Candia: L'industria svizzera della seta 
(sarà pubblicato). 

4. Sign. M. Jäggli : Le zone vegetative del Camoghé e 
valli finitime. 



— 350 — 

5. Sign. A. Ghiaini: Revisione delle specie di Batraci 
del Cantone Ticino (pubblicato nel Bollettino sociale, 
anno I, No. 2). 

6. Sig. A. Ghiaini: Due forme di Terricola nel Ticino 
meridionale (pubblicato e. s.). 

7. Prof. dott. R. Natoli: Note geologiche e geofisi che 
sul bacino superiore del Verbano. 

IL Adunanza di Locamo (3 luglio 19Ö4). 

8. Dotti-. G. Reali: Terapia elettromagnetica. 

9. Sign. P. Clienevard: Notes sur la lacune tessinoise. 

10. Prof. dott. Rin. Natoli: Alcune notizie sulla Val Ver- 
zasca (pubblicato nel Bulletin de l'Herbier Boissier, 
2 me série, Tome IV, 1904, No. 6, pag. 533—540). 

11. Prof. dott. S. Galloni: Noterella di paleontologia 
ticinese. 

A cura dell'Archivista fu riordinata la Biblioteca 
sociale. 

Neil' estate corrente avrà luogo l'escursione sociale, 
prevista pure dallo statuto. 

Pubblicazioni: 

La Società pubblica un Bollettino („Bollettino della 
Società ticinese di Scienze naturali") che compare ogni 
due mesi in fascicoli di pagine 16 in media; costa annual- 
mente Fr. 2 per i soci e Fr. 3 per i non soci. 

Sono usciti finora: 

No. 1 (Aprile 1904) pag. 1—30. 

No. 2 (Giugno 1904) pag. 31—42. 

La Società ticinese di Scienze naturali prega viva- 
mente le società consorelle di voler favorire il cambio 
delle pubblicazioni. 



351 



15. Thurgau. 

Naturforschende Gesellschaft des Kantons Thurgau. 
(Gegründet 1854. ) 

Präsident: Herr Prof. Dr. Cl. Hess, Frauenfeld. 
Vizepräsident 

u. Quästor: „ Prof. H. W egelin, Frauenfeld. 
Aktuar: „ Dr. J. Eberli, Seminari., Kreuzungen. 

Bibliothekar: ,, J. Engeli, Sek. -Lehrer, Ernaatingen. 
Kurator: „ A. Schmid, Kantonschem., Frauenfeld. 

Ehrenmitglieder: 9. Ordentliche Mitglieder: 126. 
Jahresbeitrag: Fr. 5. — 



Vorträge : 

Herr A. Schmid, Kantonschemiker: Ueber den Wein. 

Herr Prof. H. Wegelin : Ueber Fruchtbildung ohne 
Bestäubung. 

Herr Prof. Dr. Hess: Ueber die Osmiumlampe. 
(Messung des Energieverbrauchs, der Lichtstärke, Berech- 
nung der Kosten und Vergleich mit anderen Lichtquellen.) 

Herr Brodtbech, Zahnarzt : Ueber künstliche Zahn- 
kronen. 

Herr Dr. med. lsler: Ueber das Plombieren dei" 
Knochen. 

Herr Brodheck, Zahnarzt: Die Ursachen der Zahn- 
karies und ihre Bekämpfung. 

Herr Dr. Philippe, Assistent am kant. Laboratorium: 
Ueber das Blut. 



352 — 



16. La Murithienne. 



Société valaisanne des Sciences naturelles. 
Fondée en 1861.) 

Comité pour 1904.05. 

Président: M. le chanoine Besse. à Martigny -Ville. 
Vice-président: Emile Burnat, à Nant-s/Vevey. 
Secrétaire-caissier: M. Geôles Faust, à Sion. 
Bibliothécaire : M. Henri Allet, à Sion. 

Rédacteurs du Bulletin: 31. Henri Jaccard, à Aigle, 
éditeur du Bulletin: 31. le chanoine Besse. à Martigny: 
31. F. 0. Wolf, à Sion: 31. le Dr. "YTilczek. à Lausanne: 
31. François Dufltfn et 31. Louis Henchoz, à Villeneuve. 

Au 15 août 1904, la Société était composée de: 

3Iernbres honoraires, 20: membres effectifs. 200. 

La cotisation annuelle est de 4 francs. 

La 31urithienne a tenu son Assemblée annuelle à 
Evolénaz. val d'Hérens. le 9 août 1904. Des excursions 
scientifiques ont été faites les jours suivants dans les vais 
d' Arolla, des Dix et d'Hérémence. 



Gommunications. 

31. le Docteur J. Amanti; Rôle des sels inorganiques 
dans les phénomènes vitaux. 

31. C. Buhrer: Phénomène des variations du Climat 
dans des Alpes. 

31. Henri Jaccard: Noms de localités dérivant 
noms de plantes. 



— oOo — 

Le Fascicule XXXII du Bulletin contient les travaux 
suivants : 

M. G. Beauverd: Rapports sur l'excursion botanique, 
les 28, 29, 30, 31 juillet et 1 er août 1902 dans les vallées 
de Bagnes, d'Ollanout, du Grand St-Bernard et d'Olloniont. 

M. Lino Vaccari: Complément à l'exploration iloris- 
tique du val d'Ollomont. 

M. T. Bieter: Rapport géologique de la course de la 
Murithienne au val de Bagnes, Chaurion, etc. etc., retour 
par le St-Bernard. 

M.. A. Ganci : Note entomologique. Course du 29 juillet 
au 2 août 1902. 

M. Lino Vaccari: Excursion botanico-minéralogïque 
dans les vallées de St-Marcel et de Cognes par M. le cha- 
noine Besse et M. L. Vaccari. 

M. H. Jaccard: Les noms des végétaux dans les noms 
de lieux de la Suisse française. 

M. Maurice Besse: Notes floristiques sur quelques 
plantes du Valais et de la vallée d'Aoste. 

M. Joseph Pannatier: Quelques notes d'herborisation. 

M. P. Chenevard: Note sur le Viola Pachyrizoma 
F. 0. Wolf. 

E. Fr ey-G essner: Hyménoptères du Valais. 



23 



- 354 — 

17. Vaud. 

Sociéi loise des & ; nature' 

i our 1904: 
-ident: M. le Dr. Constant Dutoit. prof.. 3, avenue 

de Georgette, Lausanne. 
Vice-président: 31. le Dr. Gustave Kraft, prof., 6, avenue 

de Georgette. Lausanne. 
Membi M. C. Dusserre, chimiste, station fédérale 

Mont Calme. Lausanne. 
M. le Dr. A. Schenk, prof., avenue de 

Rumine. Lausanne. 
M. AV. Robert, chimiste, Jougny. 
S rétaire: M. le Dr. H. Faes, petit Montriond, Lau- 

sanne. 
Bibliothécaire : Vacat . M. Pingoud décédé le 23 juillet. 
Editeur du bulletin: M. Félix Roux, prof., Chalet Fer: 

Lausanne. 
Caissier: M. Ravessoud, Montbenon, Lausanne. 

Au 15 juillet 1904. la Société comptait: 
Membi s ass --mérites 4 

Membres honoraij a 4^ 

Membres effectifs 225 

Membres en congé 

La Société st en correspondance ave rres 

avec lesquelles elle échange son bulletin. 

1 tis lion annuelle: Membres lausannois: 10 fr. 

forains: - . 



Du 15 août 1903 au 15 juillet 1904, il y a eu 15 
séances ordinaires et 3 assemblées générales ordinaires. 

Durant cette période les communications suivantes ont 
été présentées : 

M. S. Aubert: Flore de la vallée de Joux. 

M. S. Bieter: Evolution du garrot chez quelques espèces 
d'animaux domestiques. — Un ours des Alpes d'un type 
peu connu. — Mouche de l'asperge. 

M. F. Bieter: Détournement de cours d'eau près d'Yver- 
don. — Aucun réseau hydrographique des environs d'Yver- 
don. — Remarques sur les coudriers à feuillage brunâtre. 

M. Henri Blanc: Présentation de diverses pièces ana- 
tomiques et zoologiques. 

M.E.Bugnion: Oeufs pédicules du Rhyssa persuasoria. 

M. E. Chuard: Fixation de l'azote atmosphérique. 

M. Cimarci et Porchet: Statistique analytique des 
vins pour 1902. 

M. D. Cruchet: Les parasites cryptogamiques de l'edel- 
weiss. 

M. Henri Dufour: Nouvelle flamme sensible. — 
Observations sur la radiation solaire. — Les nouvelles 
radiations et le radium. — Expériences sur les substances 
phosphorescentes. — Nouvelles découvertes relatives aux 
radiations invisibles. 

MM. Dusserre et Chuard: Les verdets employés dans 
la lutte contre le mildiou. 

M. C. Datoli: Les limites du spectre. 

MM. H. Faes et Chuard: Résultats de l'enquête sur le 
développement et le traitement du mildiou dans le canton 
de Yaud en 1903. — Présentation d'une couleuvre vipérine 
mâle avec organes génitaux expulsés dit serpent à pattes. 

M. Felix: Présentation de nouveaux appareils cons- 



— 356 — 

traits sur ses indications pour la préparation du vaccin et 
la vaccination. 

M. F. A. Forel: Le cercle de Bishop. — Variations 
périodiques de température observées à diverses profondeurs 
dans les lacs d'Ecosse. — Etudes et recherches de 
dernières années sur le phénomène des seiches. — Obser- 
vations sur la température aux différentes attitudes. — 
Températures moyennes de Genève et du Grand St-Ber- 
nard. — Un jubilé scientifique. 

M. Galli Vallerio: Recherches sur les moustiques. 

^L\L Galli Vallerio et Rochaz: Etude sur le mochlony 
velutinus découvert près de ^lontcheraud. 

MM. Galli Valerio et Felix. Action des diverse- 
températures et des rayons de Röntgen sur le vaccin. 

M. le Dr. Gonin: Présente des larves qui dévorent les 
pucerons du laurier ro 

.MIL Herzen et Boleri Odier: Nouvelles études mor- 
phologiques et physiologiques sur les libres nerveu- 3. 

M. Kola: Démonstration d'un axiome de géométrie 
élémentaire. 

M. Liitder: Présente un nouveau microscope de poche. 

M. M. Lageon: Particularités géologiques du massif 
du Balmhorn. 

M. Martmet: Présente un cas d'influence du sujet sul- 
la greffe. Sélection et hérédité du trèfle. 

M. P. Mercantati: Lampe à arc triphasé. — Présente 
une branche de coudrier à feuillage brun et vert. — Action 
des rayons N sur les nerfs. — Un cas curieux de fusion de 
la neige. — Le nivomètre du massif d'Orny. 

MM. Mercanto, , et C. Datoit: Les dimensions du cercle 
de Bishop. 

M. L. Pelei: Le tirage siphonique. — La constitution 



— 357 — 

du fer et de l'acier — présentation des travaux exécutés au 
laboratoire de chimie industrielle. 

M. Perriraz: Tableaux destinés à l'enseignement de 
la botanique. Etude sur les sphères attractives. 

M. Porchet: Influence du sulfate de cuivre sur le 
développement de l'œuf de grenouille. 

M. Renevier: Présente mie feuille de fusain présentant 
une déformation particulière. — Présente un oursin fossile 
de forme irrégulière. 

M. Roessmger: Nouvelles découvertes sur le mode de 
vie et le développement des graptolithes. 

M. H. ScJiardt: Venues d'eau dans le tunnel du 
Simplon. 

M. Stryzoifsky: Sur la présence de l'arsenic dans de 
nombreux échantillons d'oxyde de magnésium. 



Les membres délégués à l'assemblée de Winterthour 
sont Messieurs F. A. Porel et P. Mercanton. 

Le Président: 
C. DUTOIT. 



— 35* — 



18. Winterthur. 

1903 04. 
Naturwissenschaftliche Gesellschaft Winterthur. 

Vorstand: 
Präsident: Herr Dr. Jul. Weber, Professor. 
Aktuar: .. Edwin Zwingli, Sekundarlehrer. 

Quästor: .. -Th. Hanhart-Howald. Kassier. 

Red. der Mitteilungen : Herr Dr. Robert Keller. Rektor. 
Bibliothekar : Herr Dr. E. Seiler. C^rrnnasiallehrer. 
ITebrige Vorstandsmitglieder : Herr Dr. E.Lüdin, Professor. 

3Xax Studer, Zahnarzt. 

Ehrenmitglieder: 2. Ordentliche Mitglieder: 67. 

Jahresbeitrag : Fr. 10. — 



Vorträge und Mitteilungen : 

Herr Direktor Dr. Stierlin : Der neue Operations- 
saal im Kantonsspital Winterthur und Demonstration 
desselben. 

Herr Rektor Dr. E. Keller : Zum 70. Geburtstag 
von Ernst Häckel, ein Beitrag zur G-eschichte der Ent- 
wicklungslehre, mit Projektionen aus den „Kunstformen 
der Natur". 

Herr Prof. Dr. H. Schenkel: Neuerungen in der 
Technik der Röntgen- Aufnahmen, -Durchleuchtung und 
Therapie, mit Experimenten und Verweisungen. 



— 359 — 

Herr Prof. Dr. E. Lüclin: Die Polarisation und 
Doppelbrechung des Lichtes, mit Experimenten. 

Publikation der Gesellschaft; 

V. Heft der „Mitteilungen"-, „Den Teilnehmern der 
in Winterthur 1904 tagenden 87. Jahresversammlung der 
Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft gewidmet". 
Enthaltend: Sechs wissenschaftliche Abhandlungen, Mit- 
teilungen, Jahresbericht, 20 Tafeln. 



360 - 



19. Zürich. 

Naturforschende Gesellschaft in Zürich. 
(Gegründet 1746.) 

Vorstand für 1902 ; 04: 
Präsident: Herr Prof. Dr. A. Lang. 

Vizepräsident: „ Prof. Dr. U. Grubeninann. 
Aktuar: „ Prof. Dr. K. Hesclieler. 

Quästor: .. Dr. H. Kronauer. 

Bibliothekar : .. Prof. Dr. H. Schinz. 
Beisitzer: „ Prof. Dr. F. Rudio. 

„ J. Escher-Kündig. 
Zahl der Mitglieder am 30. Mai 1904 : Ehrenmit- 
glieder 20, korrespondierende Mitglieder 2, ordentliche 
Mitglieder 268. Jahresbeitrag für die Stadtbewohner 
20 Dr., für Auswärtige 7 Fr. 



Im Berichtsjahre 1903/04 wurden 9 Sitzungen ab- 
gehalten, für welche folgende Yorträc/e und Mitteilungen 
geboten waren : 

Herr Dr. K. Bretscher: Geschichtliches über den Wolf 
in der Schweiz. 

Herr Prof. Dr. K. Hesclieler: Demonstration eines 
HegocephalenmodelL 

Herr Prof. Dr. C. Schröter: Demonstration alpiner 
Polsterpflanzen. 

Herr Dr. J. U. Duerst: Die Entwicklung der Hörner 
dei- "Wiederkäuer, deren Forni und deren Einfluss auf 
die Schädelbildung. 

Herr K. Gic/ler : Eine Episode aus der Entwicklungs- 
geschichte dei' Erde. 



— 361 — 

Herr Dr. M. Rikli: Versuch einer pflanzengeographi- 
schen Gliederung der arktischen Wald- und Baumgrenze. 

Herr Dr. H. C. Schellenberg: Der Blasenrost der Arve 
und der Weymutskiefer. 

Herr Prof. Dr. M. Stand fass: Demonstration eines im 
Freien beobachteten, sowie mehrerer gezüchteter Bastarde 
und zweier .Monstrositäten. 

Herr Prof. Dr. A. Lang'. Mitteilungen über die Ent- 
deckung des Krankheitserregers des gelben Fiebers. 

Herr Dr. R. Höher: Einige Jonen Wirkungen auf 
Organismen. 

Herr Dr. A. Ernst: Ueber Formbildung bei nicht 
cellulären Pflanzen. 

Herr Prof. Dr. A. Heim: Die Geologie des Simplon. 

Herr Prof. Dr. A. Werner: Radium und radioaktive 
Elemente. 

Herren Dr. J. Früh und Prof. Dr. C. Schröter : Einige 
Resultate von Moorstudien in der Schweiz. 

Herr Prof. Dr. H. Zangger: Neue physikalisch- 
chemische Milchuntersuchungsmethoden. 

Publikationen der Gesellschaft. 

a) Der 48. Jahrgang der Vierteljahrsschrift (525 Seiten 
und 6 Tafeln), bestehend aus 14 wissenschaftlichen Ab- 
handlungen, den Sitzungsberichten, dem Bibliotheksbericht 
und einem Mitgliederverzeichnis auf 1903. 

b) Das Neu jahrsblatt für 1904, von Herrn Prof. 
Dr. H. .Schinz verfasst, mit dem Titel : Schweizerische 
Afrikareisende und der Anteil der Schweiz an der Er- 
schliessung und Erforschung Afrikas überhaupt. 

Die Druckschriften kommission besteht aus den Herren 
Prof. Dr. F. Rudio, Präsidenten und Redaktor, Prof. 
Dr. A. Heim und Prof. Dr. A. Lane:. 



— 362 — 

20. Zürich. 

Physika Gesellschaft Zürich. 

I : ■• 1904: 
Präsident: Herr Prof. Dr. TT. Seiler. 

Vizepräsident: -, Privatdozent Dr. GL Grossmann. 
Sekretär: .. Prof. Dr. A. Sehweite 

Aktuar: .. Ing. W. Schenkel. 

Quastor: .. Ing. V. Planer. 

Bibliothekar: .. Ing. L. Pasching. 
Revisoren: .. Dr. Th. Lehmann. 

„ Dr. W. Schaufelbergej 

Zahl der Mitglieder am 1. Angust 1904: Ehren- 
mitglieder: B. Korrespondierende Mitglieder: 2. Ordent- 
liche Mitglieder: 78. Ausserordentliche Mitglieder: 1. 
Jahresbeitrag für Zürcher 10 Fr., für Auswärtige .;> Fr. 



Vorträge vom 1. August i- ,r >3 bis L August 1904. 

Herr Prof. Dr. E. Ludin: ..Die Bestimmung der 
Haupt- und Brennpunkte a*oii Linsen und Lins syst anen. 

Herr Prof. Dr. A. 6 tzer: „Mitteilung bez. der 

nfliissung photochemischer Reaktionen durch ein mag- 
netisches Feld. 

Herr Assistent Dr. -4. Fisch: Der elektrische Wider- 
stand loser Kontakte. 

Herr Brof. Dr. U. - er: Theorie der Entstehung 
- - - si 

Herr Li_. /. K Kapazität dt-s Elektromel 



— 363 — 

Herr Dr. H. Reìin-EscJienburg : Spaimungsverlust von 
Wechselströmen in Eisenbahnschienen. — Mitteilungen 
aus dem Laboratorium der Maschinenfabrik Oerlikon. 

Herr Ing. W. Schenkel: Ueber den elektrischen Effekt- 
verlust im TJeber'gangs widerstand von Kohlenbürsten. 

Herr Ing. C. Innod: Ueber die spezifische Wärme 
von Gasen und Dämpfen. 

Herr Ing. E. Emmanuel: Ueber Induktionsmotor- 
zähler. 

Herr .Ing. H. Grob: Ueber einen Generator von 
25 Perioden bei 3000 Touren. 

Herr Ing. Dr. Th. Lehmann : Studie über Einphasen- 
Kollektormotoren.. 

Herr Ing. Dr. G. Grossmann: Theorie des rotierenden 
Ein phasen Umformers. 

Herr Prof. Dr. P. Weiss: Vorführung einiger neuer 
physikalischer Apparate. 

Herr Prof. Dr. H. Schenkel: Vorweisungen aus der 
Röntgen-Praxis . 

Die Gesellschaft beschloss in ihrer Sitzung vom 6. Mai 
die physikalische und chemische Untersuchung des Zürich- 
und Walensees zu unternehmen und ernannte eine Kom- 
mission bestehend aus den Herren Prof. Dr. A. Weilen- 
mann, Prof. Dr. U. Seiler und Prof. Dr. A. Schweitzer, 
welchen die Leitung dieser Untersuchungen übertragen 
wurde. Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, dass 
mit den Messungen im September begonnen wird. 

Publikationen. 
Heft 6 und 7 der Mitteilungen. 



Personalbestand der Gesellschaft. 



i. 



Liste der Mitglieder der Gesellschaft und der Gäste, 

37. Jahresversamrnlun 
teilgenommen haben. 



welche an der 87. Jahresversammlung in Winterthur 



AUSLAND. 

Herr Prof. Dr. Ed. Schaer, Universität Strassburg i./E. 

„ Dr. Ch. Ed. Guillaume, Paris. 

„ Prof. Dr. Aug. Hagenbach, Aachen. 

„ Dr. Raoul Pictet, Berlin. 
Frl. M. Pictet, Berlin. 
Herr Prof. C. Yiola, Staatsgeologe, Rom. 

„ Dr. Gustav Hegi, München. 

„ Prof. Dr. Emil A. Göldi, Para (Nordbrasilien). 

SCHWEIZ. 
Aargau. 

Herr Prof. Dr. Mühlberg, Aarau. 

„ Dr. Fischer-Sigwart, Zofingen. 
Frl. Fanny Custer, Quästor, Aarau. 
Herr Dr. 0. E. Imhof, Windisch. 

„ H. Kummler, Aarau. 
Dr. 0. Rössel, Aarau. 



— 365 — 

Basel -Stadt. 

Herr Prof. Dr. Hagenback-Bischoff:, Basel. 

„ Prof. Dr. K. Von der Mühll, Basel. 

„ Dr. Fritz Sarasin, Basel. 

' „ Dr. Paul Sarasin, Basel. 

„ Prof. Dr. H. Pupe, Basel. 

„ Dr. Pierre Chappnis, Basel. 

„ E. Steiger, Apotheker, Basel. 

„ Fr. Klingelfuss, Basel. 

„ Prof. Dr. Kollmann, Basel. 

„ Alfred Ditisheim, Lichtdruckanstalt, Basel. 

., Prof. Dr. Pr. Zschokke, Basel. 

„ Dr. A. Buxdorf, Basel. 

„ Dr. Gr. Senn, Privatdozent, Basel. 

Basel-Land. 

Herr Dr. Fr. Leutkardt, Bezirkslehrer, Liestal. 
„ F. Köttgen, Liestal. 
„ Dr. K. Strübin, Pratteln. 

Bern. 

Herr Dr. med. J. Reber, Mederbipp. 
„ Alfr. Keller, Ingenieur, Bern. 
„ Dr. A. Rössel, ISTeuenstadt. 

Freiburg. 

Herr Prof. Dr. A. Grockel, Freiburg. 

Genf. 

Herr Prof. Dr. Aimé Pictet, Gfenf. 
„ Dr. René de Saussure, Genf. 
„ Dr. Johann Walter, Genf. 



— 366 — 

Herr Dr. A. Jaquerod, Genf. 
., Dr. J. Micheli, G-enf. 
„ Prof. F. Rererdin, chimiste, Genf. 

Prof. Ch. Sarasin, Genf. 
.. Prof. Dr. Chodat, Genf. 
„ Prof. Dr. E. Steinmann, Genf. 

Luzern. 
Herr Dr. E. Schumacher-Kopp, Kantonschemiker, Luzern. 

Neuenburg. 

Herr Prof. Dr. 0. Billeter, Neuenburg. 
„ Prof. Dr. H. Rivier, Xeuenb'urg. 
„ Prof. Dr. H. Schardt, Neuenbürg. 

Schaffhausen. 

Herr Prof. J. Kleister, Schaffhausen. 

„ Dr. Gysel, Kantonsschuldirektor, Schaffhauseii. 

„ Dr. Xüeseh, Schaffhausen. 
Frl. Dora Xüesch, Schaffhausen. 

St. Gallen. 

Herr Dr. G. Ambühl, Präsident der naturwissen schaft- 
lichen Gesellschaft St. Gallen. 

„ C. Rehsteiner-Zollikofer, sen., Sanitätsrat, St. (fallen. 

,. Dr. H. Pehsteiner, St. Gallen. 

.. Dr. E. Steiger, St. Gallen. 

„ J. Kuhn-Etter, St. Gallen. 

., Prof. Dr. Paul Vogler, St. Gallen. 

Tessin. 

Herr Prof. A. Gnigni-Polonia, Locamo. 
E. Bazzi, Ingenieur, Brissago. 



— 367 — 

Herr J. Seiler, Lehrer, Belli nzona. 
fl C. Albisetti, Forstinspektor, Bellinzona. 

Waadt. 

Herr Prof. Dr. F. A. Forel, Morges. 
„ Prof. Dr. Renevier, Lausanne. 
„ Dr. Paul L. Mercanton, Lausanne. 

Zürich. 

Herr Prof. Dr. Geiser, Zentral-Präsident, Zürich. 

„ Prof. Dr. C. Schröter, Zentral-Sekretär, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Lang, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Kleiner, Zürich. 

„ Prof. Dr. K. Hescheler, Zürich. 

,, Prof. Dr. A. Werner, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Schweitzer, Zürich. 

„ Prof. Dr. U. Seiler-Heberlein, Zürich. 

„ Prof. Dr. Paul Jaccard, Zürich. 

„ Dr. M. Bikli, Privatdozent, Zürich. 

„ J. W. Ernst, Meteorolog, Zürich. 

„ Prof. Dr. A. Heim, Zürich. 

„ Dr. Ls. Rollier, Privatdozent, Zürich. 

„ Dr. 0. Nägeli, Privatdozent, Zürich. 

„ Prof. Dr. J. Weber, Jahrespräsident, Winterthur. 

„ Prof. Dr. E. Lüdin, Vizepräsident, Winterthur. 

„ E. Zwingli, Sekundarlehrer, Jahressekretär, W'thur. 

„ Prof. Dr. E. Bosshard, Winterthur. 

„ Dr. E. Seiler, Gymnasiallehrer, Winterthur. 

„ Th. Hanhart-Howald, Kassier, Winterthur. 

„ Dr. A. Hablützel, Redaktor, Winterthur. 

„ Dr. R. Keller, Rektor, Winterthur. 

„ Dr. H. Sulzer-Steiner. Winterthur. 



— 36* — 

Herr C. Weber-Sulzer, Winterthur. 

Dr. med. R. Stierlin, Direktor. Winterthur. 

Prof. A. Müller, Direktor des Technik ums, Wthur. 

Prof. 0. GrirowitZj Winterthur. 

E. Sulzer-Ziegler, Xationalrat, Winterthur. 

Prof. Gr. Weber, Winterthur. 

C. F. Krebs. Gymn.-Lehrer, Winterthur. 

YLax Studer. Zahnarzt, "Winterthur. 

3L Meier -Welti, Ingenieur, Winterthur. 

A. Eagerström, Chemiker, Winterthur. 

J. U. Denzler, Notar, Winterthur. 

Dr. H. Ziegler. Bezirksarzt. Winterthur. 
.. Prof. A. Häuptli, Winterthur. 

Stadtpräsident E. Geilingèr, Winterthur. 

Stadtrat A. Isler, Winterthur. 

Dr. Ermatinger, Gymnasiallehrer, Winterthur. 

Dr. Barth. Stadtbibliothekar. Winterthur. 

Begierungsrat A. Locher. Zürich. 

Prof. J. Rebstein, Zürich. 
Frl. Dr. Hedwig Kleiner. Zürich. 

Anna Dorn, Zürich. 
Herr Dr. W. Dilthey. Zürich. 
„ Dr. A. Ernst. Zürich. 
.. Dr. P. Pfeiffer, Zürich. 

Dr. G. Huber. Zürich. 

A. Amstad, Ehrmacher, Winterthur. 

Dr. A. Münzhuber, Winterthur. 

H. Arbenz-Haggenmacher, Winterthur. 

Prof. Dr. Früh, Zürich. 
.. Dr. L. Wehrli, Zürich. 

Dr. E. Schoch, Zürich. 
„ 0. Schi agi nhaufen, Zürich. 

Prof. Dr. A. Weilenmann, Zürich. 



- 369 — 

Herr K. Gugler, Ingenieur, Zürich. 
„ Dr, E. Kübel, Zürich. 
„ Prof. Dr. Gr. Lunge, Zürich. 
.. Prof. Dr, Weiss, Zürich. 
Frau Prof. Weiss, Zürich. 
Herr W. Schenkel, Zürich. 

J. Beglinger, Wetzikon. 

Afred Ernst, Winterthur. 
„ Stadtrat Walter, Winterthur. 

Prof. Dr. Mayer-Eymar, Zürich. 

Dr. H. Erei, Küssnacht. 

Dr. F. Laager, Assistent, Zürich. 

Prof. Dr. Brandenberger, Zürich. 
„ Dr. J. Kunz, Zürich. 

Dr. J. Maurer, Zürich. 
,, Prof. Dr. H. Abeljanz, Zürich. 
„ E. Beri, Zürich. 
„ Krzymowski, Winterthur. 

Keller, Sekundarlehrer, Winterthur 
„ Gelhaar, Ingenieur, Winterthur. 
., E. K. Müller, Direktor, Zürich. 
., H. Büeler, Ingenieur, Zürich. 
t Dr. H. C. Schellenberg, Zürich. 
„ A. Tkellung, Zürich. • 

„ Lüscher, Apotheker, Zürich. 
„ Dr. P. Arbenz, Zürich. 
„ Dr. A. Tobler, Zürich. 



24 



— 370 



II. 



Veränderungen im Personalbestand der Gesellschaft. 



A. In Winterthur aufgenommene Mitglieder (42). 

Herr Arbenz. Paul. Dr. ph.. Zürich. 
Beck. Alex.. Prof. Dr.. Zürich. 
Bück. P. Daniian, Dr. ph., Prof., Einsiedeln. 
Büeler, Henri., Ingenieur-Chemiker, Zürich. 
Burri. Robert, Dr. ph.. Prof. a. Polytechn.. Zürich. 
Ditisheim, Alfred. Basel. 
Engler. A.. Prof. a. Polytechn.. Zürich. 
Erb. Jos., Dr. ph.. Geologe, Palembang. 
Falkner, Karl TL, Fachlehrer. St. Gallen. 
Frick. Theod., Dr. med.. Zahnarzt. Zürich. 
Fueter, Rudolf, Dr. ph.. Basel. 
Hanhart-Howald, Th.. Winterthur. 
.. His, Wilhelm. Prof. Dr.. Basel. 
Hummel. Adolf. Dr. med., Zürich. 
Huber, Gottfried. Dr. ph., Zürich. 
Laager, Fritz. Dr. ph., Zürich. 
Mandorli. Signa., Prof. jun.. Solothurn. 
Mei r-Welti, Max. Ingenieur. Winterthur. 
Mercanton, Paul Louis. Dr. ès-scienc. Lausanne. 
Meyer-Darcis, Entomolog, Wohlen. 
Müller. E. K.. Direktor d. Instit. ..Salus". Zürich. 
Pestalozzi, Joli. Ant.. Dr. ph., Zürich. 
Ris, Fr., Dr. med.. Direktor. Rheinau. 



— 371 — 

Herr Ritz, Walter, Dr. ph., Zürich. 

„ Rössel, Otto, Dr. med., Aarau. 

,, Rubel, Eduard, Dr. ph., Zürich. 

„ Rutishauser, Fritz, Dr. med., Ermatingen. 

■„ Schärtlin, Gottfried, Dr., Direktor, Zürich. 

„ Scherrer, Otto, Dr. ph., Prof. a. Gymn., Zürich. 

„ Senn, Gust., Dr. ph., Privatdozent, Basel. 

„ Sigg-Sulzer, Joh. Gottfr., Zürich. 

„ Spinner, Henri, Prof. Dr., Neuchâtel. 

„ Standfuss, Max, Dr. ph., Prof. a. Polytechn., Zürich. 

„ Steiger, Emil, Apotheker, Basel. 

„ Streuli, Ernst, Apotheker, Uznach. 

„ Studer, Max, Zahnarzt, Winterthur. 

,., Sulzer, Eduard, Nationalrat, Winterthur. 

„ Sulzer-Steiner, Heinr., Dr. ph., Winterthur. 

„ Weber-Sulzer, Carl, Winterthur. 

„ Weber, Gustav, Prof. a. Technikum, Winterthur. 

„ Zuppinger, Emil, Fabr., Herzogenmühle, Wallisellen. 

„ Zwingli, Edwin, Sekundarlehrer, Winterthur. 



B. Verstorbene IVlitglieder. 

1. Ehrenmitglieder (3). 



G^burts- Aufinihms- 
jahr: jähr: 



Herr Duclaux, P. E., Prof. Dr., Directeur 

de l'Institut Pasteur, Paris. 1840 1898 

„ Ratzel, Friedrich, Prof. Dr., Geo- 
graph, Leipzig. 1844 1895 

„ Zittel, Ritter von , Karl Alfred, Dr., 
Prof. d. Univers. u. Konser\ r . d. 
paläont. u. geolog. Sammig., 
München. 1839 1876 



Geburts- 
jahr: 


Axifnahnis- 
jähr : 


1826 


1892 


1836 


1900 



— 372 — 
2. Ordentliche Mitglieder (19). 

Herr Burckhardt-Bischoff, Ad., Dr. jur. 

h. c, Basel. 
„ Casanova, Joseph, Typograph und 

Buchdrucker, Chur. 
n Dufour, Jean, Dr. ph., Directeur 

de la stat. vitic. cant. (Bot.), 

Lausanne. 1860 1882 

„ Favarger, Ernest, Dr. med., Neu- 

châtel. 1831 1866 

„ Favre, Louis, Prof., Neuchâtel. 1822 1844 

„ His, Wilhelm, Dr. med. u. Dr. ph., 

Prof. d. Univers. Leipzig. 1831 1855 

n Horner, Raphael, Prof . à l'Univers. 

Fribourg. 1842 1890 

„ Kottmann, Aug., Dr. med., Solo- 

thurn. 1846 1874 

„ Liliencron, C. von, Apotheker, 

(Miner. Geol.), Eheinfelden. 1834 1864 

„ Mayor, Aug. F., (Zool.), Neu- 
châtel. 1815 1883 
„ Merz, Victor, Dr. ph., Prof. emer. 

(Chem.). Lausanne. 1839 1871 

„ Philippin, Charl. Aug., Neuohâtel. 1846 1892 
„ Reynier, Leopold, Dr. med., La 

Coudre (Keuch.). 1808 1834 

„ Riggenbach-Stehlin, Fritz, Bankier, 

Basel. 1821 1868 

„ *Rillict, Albert, Prof. à l'Univers. 

(Phys., Chem.), Genève. 1848 1872 

„ * Soret, Charles, Prof. h. de l'Univ. 

(Pliys., Math.), Genève. 1854 1876 



373 



Gebnrts- Aufnahms- 
jahr: jahr: 



Herr Spörri, J. J., a. Direktor d. Milch- 

kondens.-Fabr.,Düdingen(Freib.). 1834 1876 
„ Thiel, Gustav, Apotheker, Chur. 1854 1900 
„ Zahn, Fr. Wilh., Dr. med., Prof. d. 

Univers. (Anat., Pathol.), Genf. 1845 1886 

C. Ausgetretene Mitglieder (12). 

Herr Amsler, Eichard, Chemik., Schaff- 
hausen. 

„ Becker, Beruh., Pfarrer, Basel. 

„ Burckhardt, Gotti., Dr. med., Basel. 

„ Gubler, Ed., Dr., Privatdoz., Zürich, 

„ Haaf, Carl, Droguist, Bern. 

„ Hermite, Gustave, Neuchâtel. 

„ KnolL W., Kaufmann, Frauenfeld. 

„ Lardelli, Lor., Kaufmann, Chur. 

„ Lullin, Th., Dr., Genf. 

„ Merz, Frdr., Dr. med., Chur. 

„ Riedmatten de, Aug., Prof. d. 
Math., Sion. 

„ Schwere, Siegfr., Dr. ph., Seminar- 
lehrer (Bot.), Aarau. 

D. Gestrichene Mitglieder (3). 

Herr Consonno, Fortun, Dr. (Chim.), 

Genève? 1902 

„ Decker, Herrn., Dr. (Chim.), 

Genève? 1902 

„ Jaubert,Georges, Dr. ès-sc, Direct. 

de la Revue de Chimie, Paris. 1902 



1859 


1894 


1853 


1882 


1836 


1869 


1845 


1894 


1834 


1878 


1863 


1885 


1838 


1887 




1900 


1852 


1883 


1857 


1900 


1868 


1895 


1864 


1896 



— 374 



III. 



Senioren der Gesellschaft. 



Herr G-abrini. Ant.. Dr. med., 
Lugano. 
Oltramare. Gabriel, Prof., 

Genf. 

„ faville. Einest, Prof., Genf. 
„ -Escher. J. J.. Dr.jur., Ober- 
richter. Zürich. 
Lanz. Jos., Dr. med.. Biel. 
Wullschleger.Jak..altLehr.. 

Lenzburg. 
Studer, B . . sen., Ap :> theker, 

Bern. 
Stierlin.G.. I)r. med.. Sehaff- 
hausen. 
Coaz 3 .T.. Dr. phil., eidgeû. 
: :ispekt..Bern. 
Riggenbach-Iselin.A. .Basel. 
„ Anisler, Jak., Prof. Dr., 
S haffhausen. 
Lubini. Griov., Ing. ; Lugs 
Coniaz, E !.. Dr. med., Neu- 
châtel. 



Geburtsjahr : 

1815 20. September. 

1S16 19. Juli. 

1816 1 3 . D ez eniber. 

1818 18. Februar. 

IS 18 12. Dezember. 

1-1- 1-. Oktober. 

1820 7. April. 

1821 2. November. 

1-22 31. Mai. 

1822 24. Februar. 

1823 16. November. 

1824 2. Xovember. 

1825 29. September. 



375 - 



IV. 



Donatoren der Gesellschaft. 



Die schweizerische Eidgenossenschaft. 









Fr. 


1863 


Legat von Dr. Alexand. Schiarii, 










Schläflistiftung 


9,000. - 


1880 


Legat von Dr. J. L. Schaller, Frei- 


Unantastbares 






burg 


Stammkapital 


2,400.— 


1886 


Geschenk d. Jahreskomitee von Genf 


id. 


4,000.- 


1887 


Geschenk zum Andenken an den 








Präsidenten F. Forel. Morges . 


id. 


200 — 


1889 


Legat von Rud. Gribi, Unterseen 










— 


(25,000.-) 


1891 


Legat von J. R Koch, Bibliothekar, 


Kachfundus 








der Bibliothek 


500.— 


1893 


Geschenk des Jahreskomitee von 


Unantastbares 






Lausanne 


Stammkapital 


92.40 


lb93 


Geschenk von Dr. L. C. de Coppet, 








Nizza 


Gletscher-Untersuchung 


2,000.— 


1893 


Geschenk von verschiedenen Sub- 








skribenten (s. Verhandl. von 1894) 


id. 


4,036.64 


1894 


Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten (s. Verhandl. von 1894, 








S. 170 und 1895, S. 126) . . 


id. 


865.— 


1895 


Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten (s. Verhandl. von 1894, 








S. 170 und 1895, S. 126) . . 


id. 


1,086 — 


1896 


Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten (s. Verhandl. von 1894, 








S. 170 und 1895, S. 126) . . 


id. 


640.— 



: , 



ï 

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1S9T 
I898j 

Ir 

In-? 

1 

1900, 

: : 
: 



Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten (s. Verhaudl. von 1894 
S. 170 und 1895, S. 126) . 

Geschenk zum Andenken an Prof. 
Dr. L. Du Pasquier, Xeuchâtel 

Geschenk zum Andenken an Prof 
Dr. L. Du Pasquier, Xeuchâtel 

Geschenk von Prof. Dr. F. A. Ford 


Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten (s. Verhandl. von 1894 
S. 170 und 1895, - 126) . 

Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten ( s. Verhandl. von 1891, 
S. 170 und 1895. S. 126) . 

Legat von Prof. Dr. Alb. Mousson 
Zürich 

Geschenk zum Andenken an Joh 
Eandegger, Topogr.. Winterthur 

Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten 

Geschenk von verschiedenen Sub- 
skribenten 

Dr. K. in N.-, 20 Jahresbeiträge . 



Gletscher-Untersuchung 

id. 
kabstinra 



6letsebef-l)RtersKbiBg 



id 



id. 

ScNäMitt'jng 
Viatastbares 

Stammkapital 

Gfctubef-Untersuchiing 

id. 

Unantastbares 

Stanoikapital 



675. 

; 

Ê 
" 

555. 

30. 

:. . 

300. 

55. 

100. 



— 377 — 

y. 
Mitglieder auf Lebenszeit (31). 



Herr Alioth-Yi scher, Basel seit 1892 

„ Balli, Emilio, Locarne- „ 1889 

„ Berset, Ant., Freiburg „ 1891 

„ Bertrand, Marcel, Paris „ 1886 

„ Bleuler, Herrn., Zürich „ 1894 

„ Choffat, Paul, Lissabon „ 1885 

„ De Coppet, L. C, Mza „ 1896 

„ Cornu, Félix, Corseaux bei Vevey . „ 1885 

„ Delebecque, A., Genf „ 1890 

n Dufour, Marc, Lausanne .... „ 1885 

„ Ernst, Jul. Walt., Zürich .... „ 1896 

„ Favre, Gnill., Genf „ 1896 

„ Fischer, Ed., Bern „ 1897 

„ Flournoy, Edm., Genf . . ... „ 1893 

„ Forel, F. A., Morges „ 1885 

„ Geering, Ernst, Reconvillier ... „ 1898 

„ Göldi, Emil A., Para (Brasilien) . . „ 1902 

„ Hagenbach-Bischoff, Basel .... „ 1885 

„ Hommel, Adolf, Zürich „ 1904 

„ ISTœlting, Emil, Mülhausen .... „ 1900 

fl Pioda, Alfredo, Locamo ,. 1902 

„ Raschein, Paul, Malix „ 1900 

„ Renevier, Eug., Lausanne .... „ 1885 

„ Riggenbach - Burckhardt, Alb., Basel „ 1892 

„ Rilliet, Frédéric, Genf ..%... „ 1902 



— 378 — 

Herr Rubel, Eduard, Zürich seit 

„ Sarasin, Eduard, Grenf „ 

„ Sarasin, Eritz, Basel „ 

., Sarasin, Paul, Basel „ 

„ Stehlin, H. Gr., Basel „ 

„ Yon der Mühll, K., Basel .... „ 



1904 




1885 




1890 




1890 




1892 




1886 









179 — 



VI. 

Beamte und Kommissionen. 

1. Zentral-Komitee. 

Zürich 1898—1904. 

Ernannt 

Herr Geiser, C. F., Prof. Dr., Küsnacht- Zürich, 

Präsident. 1898 

„ Lang, Arn., Prof. Dr., Zürich, Vizepräsident. 1893 

„ Schröter, C, Prof. Dr., Zürich, Sekretär. 1898 

„ Kleiner, A., Prof. Dr., Zürich. 1898 

Frl. Custer, Fanny, Aarau, Quästorin. 1894 

Basel 1904—1910. 

Herr Sarasin, Fritz, Dr. phil., Basel, Präsident. 1904 

„ Riggenbach, A., Prof. Dr., Basel, Vizepräsident 1904 

„ Chappuis, P., Dr. ph., Basel, Aktuar. 1904 
„ Lang, Arn., Prof. Dr., Zürich, Präsident der 

Denkschriften-Kommission. 1893 

Frl. Custer, Fanny, Aarau, Quästorin. 1894 

2. Bibliothek. 

Herr Steck, Th., Dr., Bern, Bibliothekar. 1896 



— 380 — 

3. Jahresvorstand. 

Winterthur 1904. 

Herr Weber, Julius, Prof. Dr., Winterthur, Präsident. 

„ Lüdin, E., Prof. Dr., Winterthur, Vizepräsident. 

„ Zwingli, E., Sekundarlehrer, Winterthur, Aktuar. 

„ Hanhart, Th., Winterthur, Kassier. 

„ Seiler, E., Dr., Winterthur. 

„ Bosshard, E., Prof. Dr., Winterthur. 

„ Hablützel, A., Dr., Winterthur. 

Luzern 1905. 
Herr Schumacher, E., Dr., Kantons-Chemiker, Präsident. 

4. Kommissionen. 

A. Bibliothek- Kommission. 

Ernannt 

Herr Studer, Th., Prof. Dr., Bern, Präsident. 1894 

„ Forel, E. A., Prof. Dr., Morges. 1899 

„ Steck, Th., Dr., Bern, Bibliothekar. 1896 

„ Graf, J. H., Prof. Dr., Bern, Ehrenmitglied. 1896 

B. Denkschriften- Kommission. 

Herr Lang, Arn., Prof. Dr., Zürich, Präsident. 1892 

„ Fischer, L., Prof. Dr., Bern. 1886 

„ Bedot, M., Direktor des naturhist. Museums 

Genf. 1892 

„ Renevier, E., Prof. Dr., Lausanne. 1893 

„ Hagenbach-Bischoff, Prof. Dr., Basel. 1895 

„ Moser, Chr., Prof. Dr., Bern. 1902 

.. Schinz, H., Prof. Dr., Zürich. 1902 



— 381 — 

C. Kommission der Schleiß i- Stiftung. 

Ernannt 

Herr Heim, Alb., Prof. Dr., Zürich, Präsident. 1886 

„ Forel, F. A., Prof. Dr., Morges. 1899 

„ Blanc, H., Prof. Dr., Lausanne. 1894 

„ Fischer, L., Prof. Dr., Bern. 1894 

„ Studer, Th., Prof. Dr., Bern. 1895 

D. Geologische Kommission. 

Herr Heim, Alb., Prof. Dr., Zürich, Präsident. 1888 

„ Aeppli, Aug., Prof. Dr., Sekretär. 1894 

„ Favre, Ernst, Genf. 1888 

„ Baltzer, A., Prof. Dr., Bern. 1888 

„ Renevier, E., Prof. Dr., Lausanne. 1894 

„ Grubenmann, U., Prof. Dr., Zürich. 1894 

a. Kohlen-Kommission. 

Herr Mühlberg, Fr., Prof. Dr., Aarau, Präsident. 1894 

„ Letsch, E., Dr., Zürich, Sekretär. 1897 

„ Heim, Alb., Prof. Dr., Zürich. 1894 

b. Geotechnische Kommission. 

Herr Grubenmann, TL, Prof. Dr., Zürich, Präsident. 1899 

„ Duparc, L., Prof. Dr., Genf. 1899 

„ Schmidt, C., Prof. Dr., Basel. 1899 

„ Moser, Pt., Oberingenieur, Zürich. 1900 

NB. Der Präsident der geologischen Kommission wohnt den 
Sitzungen bei. 



— 382 _ 
E. Erdbeben- Kommission. 



Ernannt 



Herr Bilhviller. Rob., Dr.. Direktor der iueteorolog. 

Zentralanstalt, Zürich, Präsident. 18T8 

Heim, Alb., Prof. Dr.. Zürich. Vizepräsident. 1878 

.. Früh, J. J.. Prof. Dr., Zürich, Sekretär. 1883 

.. Forster, A.. Prof. Dr., Bern. 1878 

De Torrente, A., Forstinspektor, Sitten. 1880 

.. Soret, Gh., Prof. Dr., Genf, f 1880 

.. Hess, OL, Prof. Dr., Frauenfeld. 1883 

.. Riggenbach, Alb.. Prof. Dr.. Basel. 1896 

Bührer, C, Apotheker. Ciarens. 1897 

., Schardt. K, Prof. Dr., Xeuchätel. 1897 

.. Tarnuzzer, Gh., Prof.- Dr., Chur. 1900 

Ti Sarasin, Gh., Prof. Dr., Genf. 1901 

.. Forel, F. A.. Prof. Dr., ICorges. 1903 

F.. Geodätische Kommission. 

Herr Lochmann. J. J., Oberst. Lausanne, Präsident. 1883 

Gautier. R., Prof. Dr.. Genf, Sekretär. 1891 

.. Rebstein, J.. Prof. Dr.. Zürich. 1888 

.. Riggenbach. Alb.. Prof. Dr.. Basel. 1894 

Dumur, Oberst, Lausanne. Ehrenmitglied. 1887 

Rosenrnund. M., Ingenieur. Bern. 1901 

.. Wolfer, A.. Prof. Dr. Zürich. 1901 



G. Gletscher - Korn m ission. 

Herr Hagenfcaeh-Bischoff, Prof. Dr.. Basel, Präsi- 
dent. (1869) 1893 
Coaz, J.. Dr., ei dg. Ober-Forstinspektor, Bern. 1893 



383 



Herr Heim, Alb., Prof. Dr., Zürich. 1893 

„ Sarasi n, Ed., Genf. 1893 

„ Lugeon, M., Prof. Dr., Lausanne. 1897 

„ Forel, F. A., Prof. Dr., Morges. 1898 

H. Limnologische Kommission. 

Herr Zschokke, Fr., Prof. Dr., Basel, Präsident. 1890 

„ Forel, F. A., Prof. Dr., Morges. 1887 

„ Sarasin, Ed., Genf. 1892 

„ Duparc, L., Prof. Dr., Genf. 1892 

„ Heuscher, J., Prof. Dr., Zürich. 1894 

„ Bachmann, Hs., Prof. Dr., Luzern. 1901 

J. Fluss-Kommission. 

Herr Brückner, Ed., Prof . Dr., Halle a./S., Präsident. 1893 

„ Heim, Alb., Prof. Dr. Zürich. 1893 

„ Duparc, L., Prof. Dr., Genf. 1893 

K. Moor-Kommission. 

Herr Früh, J. J., Prof. Dr., Zürich, Präsident. 1890 

„ Schröter, C, Prof. Dr., Zürich. 1890 

L. Kommission für scJtweizerische Kryptogamenflora. 

Herr Christ, H., Dr., Basel, Präsident. 1898 

„ Fischer, Ed., Prof. Dr., Bern, Sekretär. 1898 

„ Schröter, C, Prof. Dr., Zürich. 1898 

„ Chodat, R, Prof. Dr., Genf. 1898 

„ Amami, J., Dr. ph.il., Lausanne. 1904 



— 384 — 
M. Kommission für das Concilium Bibliographicum. 

Ernan ut 

Herr Lang, Arn., Prof. Dr., Zürich, Präsident. 1901 

„ Schoch-Etzensperger,E.,Dr.,Zürich,Sekretär. 1901 

„ Bernoulli, J., Dr., Landesbibliotkekar, Bern. 1901 

„ Blanc, H., Prof. Dr., Lausanne. 1901 

„ Escher-Kündig, J., Zürich. 1901 

„ Graf, J. H., Prof. Dr., Bern. 1901 

„ Steck, Th., Dr., Bibliothekar. 1901 

„ Yung, E., Prof. Dr., Genf. 1901 

„ Zschokke, Fr., Prof. Dr., Basel. 1901 



Nekrologe und Biographien 

verstorbener Mitglieder 

der 

Schweizer, Naturforschenden Gesellschaft 

und 

Verzeichnisse ihrer Publikationen 

herausgegeben von der 

Denkschriften-Kommission. 

Redaktion: Fräulein Fanny Custer in Aarau, 
Quästorin der Gesellschaft. 



Nécrologies et Biographies 

des 
MEMBRES DÉCÉDÉS 

DE LA 

Société Helvétique des Sciences Naturelles 

ET 

LISTES DE LEURS PUBLICATIONS 

PUBLIÉES PAR LA 

COMMISSION DES MÉMOIRES. 

SOUS LA RÉDACTION DE MADEMOISELLE FANNY CUSTER, 
QUESTEUR DE LA SOCIÉTÉ, à AARAU. 



Zürich 1905 




D' 1 JEAN DUFOUR 

1860 — 1903 

Professeur à l'Université de Lausanne. 

Directeur de la Station viticole. 



1. 

Prof. Dr. Jean Dufour. 

1860— 1903. 



Le 16 décembre 1903, l'Université et l'Institut agri- 
cole de Lausanne ont fait une perte qui sera longtemps 
ressentie : Jean Dufour, professeur de botanique et direc- 
teur de la Station viticole nous a été enlevé presque 
subitement, après quelques jours seulement de maladie, 
en plein travail, et à un moment où l'on pouvait espérer 
de lui encore de longues années d'une activité féconde. 

Fils de l'éminent professeur Louis Dufour, Jean 
Dufour né à Lausanne, le 6 septembre 1860, avait hérité 
de son père une qualité maîtresse, l'esprit clair et mé- 
thodique. Au dire de ses condisciples, Jean Dufour 
n'était pas pendant ses premières années de collège et 
de gymnase ce qu'on appelle un élève brillant. Mais il 
chercha sa voie et ne tarda pas à la trouver dans l'étude 
des sciences naturelles. 

Au baccalauréat es lettres, obtenu en 1878, succède 
en 1879 le baccalauréat es sciences et dès ce moment 
la carrière du jeune homme est décidée. Jean Dufour, 
puissamment attiré par les sciences, se révèle observateur 
de premier ordre. Témoin un concours sur P organisation 
florale des Borraginées, qui valut au jeune auteur les 
félicitations du professeur Balthasar Schnetzler. A partir 
de ce moment jean Dufour s'oriente complètement vers 
la* botanique ; de 1879 à 1881 il fait des études de 
sciences naturelles à l'Ecole polytechnique de Zurich 
et subit l'ascendant du professeur Cramer qui était alors 
à l'apogée de sa belle carrière de botaniste. 

1 



— II — 

En ISSI il commença sous la direction de cet emi- 
nent maître sa dissertation inaugurale intitulée: Etttdes 
d'anatomie et de physiologie végétales. De 1881 à 1882 
nous trouvons Jean Dufour, successivement, chez Sachs 
à Wurzbourg et chez de Bary à Strasbourg. 

Si court qu'ait été ce séjour à l'étranger il n'en a 
pas moins laissé de profondes traces dans la vie et 
dans l'œuvre de J. Dufour. C'est à Wurzbourg, chez 
Sachs et à Strasbourg, chez de Bary, quii s'initie aux 
méthodes de recherches rigoureusement expérimentales 
et qu'il devient le physiologiste et le phytopathologue 
dont les services nous ont été si précieux. 

Les années 1880 à 1885 sont pour Dufour une pé- 
riode de travail préparatoire. A la veille de se présen- 
ter aux épreuves du doctorat à Zurich, le jeune étu- 
diant trouve le moyen de profiter des vacances de Pâques, 
qu'il passe à Lausanne, pour publier une note sur le 
Torida spongicola sp. nov., champignon qui habite cer- 
taines éponges de toilette 1 ). 

Remarquons que ce premier travail porte sur un 
sujet de cryptogamie, science qui devait absorber tout 
entière l'activité pratique de l'homme mur. 

Sa thèse, publiée à Lausanne en 1882, nous montre 
Jean Dufour observateur et expérimentateur habile. Il 
utilise son travail de concours sur les Borragïnées et 
examine les phénomènes de nutation, d'épinastie et d'hy- 
ponastie des plantules de Borrago ojfîcinalis L. Ses 
recherches sur les causes mécaniques de l'épanouisse- 
ment des fleurs, ainsi que sur les faits de corrélation 
entre la grandeur du fruit ou du calice et le nombre 
des ovules fécondés, sont des plus remarquables. 

Le jeune savant retourne à Zurich après la publi- 
cation de sa thèse, et y devient l'assistant et le colla- 
borateur du professeur Cramer. La période de 1882 â 

1 B?cllelin de la Société vaudoise des sciences naturelles, vol. 
XVIII, p. 20. 



— Ili — 

1885 doit être comptée parmi les plus belles et les plus 
fécondes que Dufour ait vécues. 

La botanique et plus particulièrement la physiologie 
traversaient alors une véritable phase de «réveil». 

Tout entier sous l'influence puissante du physiologue 
Sachs, il trouve chez son premier maître universitaire 
Cramer un digne partenaire du botaniste de Wurzbourg. 
Il y avait communion d'idées entre ces deux hommes 
et même direction des travaux dans leurs laboratoires. 
Dufour devait y trouver l'occasion d'exercer sa saga- 
cité à des problèmes ardus. 

La lutte pour la théorie de «l'imbibition» battait 
alors son plein. Dès 1870, Sachs, l'auteur de cette 
théorie, prétendait que la sève ascendante cheminait 
exclusivement dans la paroi cellulaire et rompait ainsi 
avec toutes les opinions reçues, depuis Haies en 1727, 
d'après lesquelles la sève se mouvait par capillarité dans 
l'intérieur des vaisseaux 1 ). 

Dufour se met d'emblée au premier rang de ce 
qu'on peut appeler l'Ecole de Sachs. 

Le premier travail qu'il publia comme assistant de 
Cramer traitait de ce sujet. Le fait que les deux pre- 
miers sont publiés dans les Mitteilungen des botanischen 
Instihites in Wiirzbtirg, le journal de Sachs, montre la 
bonne entente qui existait entre Wurzbourg et Zurich. 
(Voir au sujet de ces travaux l'index bibliographique 
que nous donnons plus loin.) 

A l'heure qu'il est, la question du mécanisme de 
l'ascension de la sève n'est pas encore complètement 
élucidée, quoique les physiologistes tendent générale- 
ment à abandonner la théorie de l'imbibition. 

Dufour a pris une large part dans cette lutte, mon- 
trant ainsi qu'il était apte à aborder les problèmes les 
plus ardus. Ce qu'on peut admirer sans réserve, c'est 



Sachs, Lehrbiich der Botanik^ 2. Aufl. 



— IV — 

la clarté de l'exposé et la rigueur des méthodes em- 
ployées. Dufour a eu le don de la synthèse. 

Voyez son magnifique résumé de toutes les théories 
connues sur l'ascension du courant de transpiration 1 ). 

Plus tard, dans le domaine pratique, ce don de 
synthèse s'est traduit par celui de la vulgarisation des 
notions de physiologie et de pathologie végétale, vul- 
garisation qui a grandement contribué au développement 
de la viticulture. 

Dès 1884 Dufour abandonne ses recherches sur l'as- 
cension de la sève. Il reste fidèle à la physiologie, mais 
petit à petit on voit grandir son intérêt pour la pathologie. 

En 1885 il publie en collaboration avec Cramer 
une étude sur la distribution des eaux à Zurich et ses 
rapports avec l'épidémie de typhus de 1884. 

C'est à Cramer et à Dufour que, la ville de Zurich 
doit sa canalisation d'eau potable et la disparition du 
typhus. 

La vie de la cellule l'intéresse également, et l'un de 
ses travaux, celui sur 1' Amyloide ou amidon soluble' 2 ) 
est resté classique. 

Le dernier travail fait à Zurich, traite de la pré- 
sence de la chlorophylle, de l'oxalate de calcium et du 
tannin dans l'épiderme des végétaux 3 ). 

Dès 1886 Dufour rentre dans sa ville natale et com- 
mence au Champ-de-1'Air la carrière que nous retra- 
cerons plus loin. 

La Phytopathologie l'absorbe tout entier, mais né- 
anmoins il trouve le temps de suppléer en 1889 et 1890, 
avec le regretté Favrat, le professeur B. Schnetzler qui 



1 ) Arck. des sc.phys. et nat. Genève, t. XI, p. 15 — 20. 

2 ) Recherches sur l'amidon soluble et son rôle physiologique chez 
les végétaux. Bull. Soc. vaud. des sc. nat. 1S86, p. 227 — 260. 

*J Notice microchimique sur le tissu épidermique des végétaux, 
Bull. Soc. vaud. se. nat. XXII. 18S6. 



commençait à sentir les premières atteintes du mal qui 
devait l'emporter quelques années plus tard. 

Le succès de son enseignement fut tel, que le Con- 
seil d'Etat lui confia, lors de la création de l'Université, 
la chaire de botanique générale. Mais le développement 
de la Station viticole l'obligea bientôt à y renoncer, 
en conservant toutefois l'enseignement de la physiologie 
végétale, qu'il a donné jusqu'à son dernier jour. 

En 1886, le Canton de Vaud, pressé par les de- 
mandes des sociétés d'agriculture et de viticulture, créa 
la Station centrale d'essais viticoles et appella J. Dufour 
à la direction du service principal (physiologie) de ce 
nouvel établissement. 

Le travail ne manquait pas, car le mildiou, depuis 
quelques années, causait des dégâts immenses, et la 
lutte contre cette maladie ne faisait que commencer. 
Il fallait initier le vigneron à la préparation des remèdes 
cupriques, et à leur application au moyen du pulvéri- 
sateur. Dans cette tâche Jean Dufour fut puissamment 
aidé, il est juste de le rappeler ici, par la Société vau- 
doise d'agriculture, avec laquelle il demeura en relation 
intime jusqu'à son dernier jour. Dans ce milieu de pra- 
ticiens, on avait rapidement reconnu la valeur du jeune 
savant et l'on fit son possible pour faciliter sa tâche. 
C'est ainsi, pour ne citer qu'un fait, que le premier con- 
cours de pulvérisateurs fut organisé à Aubonne, en 
1887, par les soins de la Société d'agriculture, sous la 
direction de Jean Dufour, qui présida en outre le jury. 
Et jusqu'en 1888, année de la fondation de la Chronique 
agricole, c'est dans le Bulletin de la Société d'agricul- 
ture que Jean Dufour publia les observations et les ren- 
seignements destinés à la viticulture vaudoise. 

En 1888, M. S. Bieler, directeur, entreprit avec Jean 
Dufour et E. Chuard la publication de la Chronique 
agricole, qui était à l'origine une sorte de supplément 
■du Bulletin de la Société d'agriculture, caractère qu'elle 



— VI - 

perdit au bout de peu de temps, pour devenir indé- 
pendante et voler de ses propres ailes. 

C'est dans ce périodique que sont accumulés les 
travaux de Jean Dufour, de 1888 jusqu'à sa mort. Il 
nous est impossible de faire ici, même la simple enume- 
rati on de tous les articles originaux, parfois très étendus,, 
qui se trouvent dans cette collection importante. 

Signalons tout au moins les principales de ces études. 

L'œuvre capitale de J. Dufour, celle qui exigea la 
plus grande partie de son activité, dès son entrée en 
fonctions à la Station viticole, et qui sans doute lui causa 
les plus cruels soucis, ce fut la lutte contre le phylloxéra 
dans le vignoble vaudois, lutte qui a fait l'admiration 
des spécialistes de tous pays, venus nombreux pour 
étudier chez nous les mesures adoptées et les résultats 
acquis. Il n'est pas de vignoble, croyons-nous, qui ait 
été défendu avec plus d'énergie, de persévérance, de 
méthode, et aussi avec plus de succès, puisque après 
dix-huit ans, il résiste encore à l'invasion, protégé par 
les mêmes procédés qu'au début, sans cependant qu'on 
ait renoncé à utiliser les avantages de la reconstitution, 
celle-ci se poursuivant parallèlement à la lutte par ex- 
tinction. 

C'est en juillet 1886 que le phylloxéra fut constaté 
pour la première fois sur sol vaudois. 

A ce moment, grâce à la prévoyance des autorités 
cantonales, le vignoble disposait déjà d'un service, en- 
tièrement organisé, de surveillance et éventuellement de 
lutte, sous la direction d'une commission phylloxérique 
cantonale. Ce furent deux membres de cette commission, 
MM. les professeurs Schnetzler et F. A. Forel, qui prirent, sur 
l'invitation du Département de l'agriculture, les premières 
mesures de désinfection et d'extinction, au moyen du 
sulfure de carbone. 

Mais à ce moment, la création de la Station viticole 
était déjà chose décidée par le Grand Conseil ; le Con- 



— VII — 

seil d'Etat s'occupait de son organisation, et déjà le 
1 er octobre, J. Dufour entrait en fonctions et présidait 
aux travaux des traitements d'hiver dans les vignes 
phylloxérées. 

Dès 1890, J. Dufour fut désigné comme commissaire 
cantonal pour le service phylloxérique. Pour se rendre 
compte de l'activité déployée par lui dans ce domaine, 
il faut parcourir les seize rapports annuels, de 1887 à 
1902, dont la collection renferme l'histoire complète de 
l'invasion phylloxérique dans le canton de Vaud et de la 
lutte soutenue contre ce parasite. Nous ne pouvons ici 
que mentionner ces documents d'importance capitale, 
qui à eux seuls suffiraient à assurer contre l'oubli la 
mémoire de J. Dufour. 

Mais cette histoire de l'invasion du phylloxéra n'est 
malheureusement pas terminée et ce n'est pas encore 
le moment de l'écrire. Tout au plus pouvons-nous, en 
jetant un rapide regard sur ce passé, constater l'évolution 
qui s'est produite. Les premières années, naturellement, 
tout l'effort se porte du côté de la recherche du phyllo- 
xéra et de sa destruction. Mais déjà en 1889 la question 
de la reconstitution par les plants américains est envi- 
sagée, et les préparatifs commencent dans cette direc- 
tion, pour prendre d'année en année une importance 
plus considérable. 

Patiemment poursuivis, avec une méthode où la 
science tenait compte des nécessités de la pratique, ces 
travaux considérables ont donné lieu, en 1889, à la 
grande publication de J. Dufour sur Les vignes améri- 
caines et la situation phylloxérique, et à de nombreuses 
publications dans la Chronique. 

Nous devons encore mentionner, comme une publi- 
cation qui rendit et qui rend encore les services les 
plus éminents, le Guide du vigneron, dans la lutte contre 
le phylloxéra, publié en 1894, traduit en allemand l'année 
suivante. 



— Vili — 

Coïncidant presque avec la première apparition du 
phylloxéra, le mildiou venait donner à la Station viti- 
cole, dès le début, une occasion de rendre au vignoble 
des services encore plus signalés et en tous cas plus 
apparents. Car la rapidité d'invasion de cette maladie 
est si terrible qu'introduite en Europe en 1878 seule- 
ment, elle faisait déjà son apparition en Suisse peu 
après 1880, et quelques années plus tard elle s'était 
généralisée de façon à donner aux vignerons plus d'in- 
quiétude encore que le phylloxéra, dont la marche plus 
lente laissait au moins le temps de lutter, tandis qu'avec 
le mildiou, dans des conditions favorables à son déve- 
loppement, l'invasion coïncide presque avec la première 
apparition. 

Les remèdes cupriques, la bouillie bordelaise en 
premier lieu, furent, comme on le sait, proposés dès 
1884, et leur efficacité ne tarda pas être démontrée. 
Aussi, en 1886, déjà, la vigne du Champ-de-1'Air était- 
elle utilisée à des essais de démonstration, qui se répé- 
taient en diverses régions du vignoble. En 1887, les 
traitements cupriques se généralisaient et dès 1888, soit 
dès sa première année, la Chronique agricole pouvait 
enregistrer les premiers succès de ces traitements dans 
notre pays. L'énumération des travaux de J. Dufour à 
ce sujet: études de laboratoire, essais pratiques, publi- 
cations de propagande, serait trop longue pour que 
nous essayions de la faire; nous nous bornerons à citer 
sa brochure de 1889 sur Le mildiou et son traitement, 
modèle de clarté et de simplicité, type de l'œuvre de 
bonne et saine vulgarisation ; puis ses nombreux travaux 
sur l'application des remèdes cupriques au traitement 
d'autres maladies voisines du mildiou, en particulier du 
peronospora infestons qui occasionne la maladie de la 
pomme de terre. 



— IX — 

Pour les autres maladies trop nombreuses, hélas, 
de la vigne, nous ne pourrions que répéter ce que nous 
venons de dire des deux principales. \J oïdium, le fiour- 
rïdié ou blanc des racines, Yanthracnose, la chlorose, 
le botrytis, la cochylis, la pyrale, etc., occupèrent suc- 
cessivement et parfois simultanément l'activité inlassable 
de notre ami regretté. Admirablement au courant des 
travaux des principales stations de recherches des pays 
voisins, avec lesquelles il était en relations continues, 
il sut dans chaque cas donner en temps utile des indi- 
cations précieuses, des conseils, des directions concer- 
nant les traitements à appliquer. Et son esprit de re- 
cherche et d'observation, quoique spécialisé dans un 
domaine relativement restreint, lui permit fréquemment 
de- dépasser ce rôle déjà si important de vulgarisateur, 
et d'apporter de larges contributions à l'étude systé- 
matique des maladies de la vigne et de leur traitement. 
Il suffit de citer à ce sujet ses recherches classiques con- 
cernant la lutte contre le ver de la vigne ; celles con- 
cernant l'emploi du sulfure de carbone à la désinfection 
du sol, etc. 

La vigne n'est pas exposée seulement à une légion 
de maladies et d'ennemis toujours prêts à l'envahir; elle 
a encore à souffrir d'accidents, tels que les gelées du 
printemps, la coulure, la grêle, qui parfois occasionnent 
des dommages encore plus considérables que les para- 
sites. Ici encore, J. Dufour apporta sa contribution effi- 
cace, en particulier dans l'étude de la taille en vert 
des vigiles gelées ; les tirs contre la grêle l'occupèrent 
aussi, et il mit à la vulgarisation des procédés essayés 
avec succès, semblait-il, dans d'autres régions, la même 
ardeur qu'il manifestait dans tous ses travaux de défense 
ou de protection des vignobles. 

Dans ces travaux si divers, quoique tendant à un 
même objectif, J. Dufour chercha toujours, — nous te- 



— X — 

nons à le mettre en évidence en terminant, car c'est 
son principal titre à l'affection des vignerons vaudois, 
qui lui a été témoignée d'une manière si touchante, — 
J. Dufour chercha, disons-nous, à se mettre en relation 
aussi étroite, aussi continue que possible avec les pra- 
ticiens qui devaient utiliser les résultats de ses travaux. 
Loin de s'enfermer dans son laboratoire et ses champs 
d'essais, et de pontifier du haut de sa science, il se mit 
d'emblée en contact immédiat avec le vigneron, et il 
lui demanda une collaboration qui ne lui fut jamais 
refusée et qui, nous l'espérons, continuera à s'établir à 
l'avenir. Le personnel du service phylloxérique lui fut 
un premier moyen fréquemment utilisé d'informations 
directes. Puis les expérimentateurs de vignes américaines, 
les élèves des cours agricoles, les auditeurs des nom- 
breuses conférences, les membres des sociétés d'agricul- 
ture, etc. : dans tous ces milieux il trouva des collabo- 
rateurs qui souvent devinrent des amis, auxquels à 
chaque instant on eut recours pour des enquêtes sur 
les sujets les plus divers. C'est là ce qui a fait le carac- 
tère spécial des travaux de la Station viticole et de 
J. Dufour en particulier. Et c'est le secret de la rapide 
popularité de cette institution, non seulement dans le 
canton de Yaud qui l'a créée et à qui elle est spéciale- 
ment destinée, mais dans toute la Suisse, et même hors 
de nos frontières, comme on a souvent l'occasion de 

le constater. E. Chuard et E. Wilczek. 



XI 



Liste des principales publications scientifiques de J. Dufour. 

1. Notice sur un champignon parasite des éponges, Bull. S. V. S. N., 
XVIII, 1882. 

2. Etudes d 'anatomie et de physiologie végétales. Dissertation inau- 
gurale présentée à la Faculté de philosophie de l'Université de 
Zurich, Lausanne, imp. Corbaz, 1882. 

3. Ueber den Transpirationsstrom in Holzpflanzen, Vorläufige Mit- 
teilung aus dem Botanischen Institut in Würzburg, 1883. 

4. Beiträge zur Lmbibitionstheorie, Arbeiten des Botanischen Insti- 
tuts in Würzburg, III, 1, 1884. 

5. Sur l' ascension dzi courant de transpiration dans les plantes, 
Arch. sc. phys. et nat. Genève du 15 janvier 1884. 

6. De l'influence de la gravitation sur les mouvements de qtielqties 
organes florattx, Arch. se. phys. et nat. Genève du 15 novembre 1885. 

7. La distribution des eazix à Zïirich et ses rapports avec l'épi- 
démie de typhus de 1884, Arch. se. phys. et nat. Genève du 15 
novembre 1885. 

8. Recherches sur l' amidon soluble et son rôle physiologique chez 
les végétaux. Bull. S. V. S. N., XXI, 1886. 

9. Notices microchimiques sur le tissu épidermique des végétaux, 
Bull. S. V. S. N., XXII, 1886. 

10. Notice sur quelques maladies de la vigne: black-rot, coure et 
mildiou des grappes, Bull. S. V. S. N., XXIII, 1888. 

11. Note sur l'action du sulfate de cuivre szir la germination de 
quelques champignons, Landwirtschaftl. Jahrbuch der Schweiz, 
HI, 1889. 

12. Le mildiou. — Moûts sulfatés et non sulfatés. — Les traite- 
ments contre le mildiou en 1888. — Essais de divers procédés, 
Chron. agr. vaud., 1888 — 1895. 

13. Lnfluence des sulfatages de la vigne sur la qualité de la récolte 
(en collaboration avec M. E. Chuard), Bull. S. V. S. N., XXIV, 1889. 

14. Nos moyens de lutte contre la maladie des pommes de terre. — 
Maladie des pommes de terre et sulfatage. — Enquête sur les 
résultats obtenus en 1890 et en 1891. — Essais de diverses 
variétés de pommes de terre à la Station agricole du Champ- 
de-l'Air, de 1890 à 1895, Chron. agr. vaud., 1889—1895. 

15. Notiz über eine neue Art der Anwendung von Eisenvitriol bei 
gelbsüchtigen Pflanzen, Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten, I, 1891. 

16. Leçon d'ouverttire du cotirs de Biologie végétale, professé à la 
Faculté des sciences. Lausanne, imp. Georges Bridel, 1892. 

17. Le ver de la vigne (Cochylis ambiguella). — Recherches sur 
l'emploi des insecticides, etc , Chron. agr. vaud., 1890 — 1895. — 



— xn — 

Über die Bekämpfung des Heuwurmes, Landwirtschaftliches Jahr- 
buch, VII, 1893. — Les traitemeiits contre la Cochylis doivent- 
ils avoir lieu en hiver oîi en été) Revue internationale de viticul- 
ture, 1S94. 
1S. Le Congrès viticole de Montpellier (en collaboration avec M. E. 
Chuard), Chron. agr. vaud., 1893. 

19. La taille en vert des vignes gelées. — Résultats définitifs ob- 
tenus par la taille en vert. — Emploi du vitriol bleu contre 
le blanc des racines. — Note sur le traitement de la chlorose, etc., 
Chron. agr. vaud., 1888—1895. 

20. Note sur le Botrytis tenella et son emploi potir la destruction 
des vers blancs, Bull. S. V. S. N., XXVIII, 106. — Einige Ver- 
suche mit Botrytis tenella. — Nochmals über Botrytis tenella, 
Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten, 1892 — 1893. 

21. La situation phylloxériqîie du canton de Genève, Rapport adressé 
au Département fédéral de l'agriculture. Extrait du Landwirtschaft- 
liches Jahrbuch, VII, 1893. 

22. Qtielqties observations sur le parasitisme dti Botrytis cinerea 
Revue internationale de viticulture, 1894. 

23. Rapports annuels de la Station viticole sur la lutte contre le phyl- 
loxéra et sur les essais de vignes américaines dans le canton de 
Vaud, 1S87— 1902. 

24. Guide du vigneron dans la bitte contre le phylloxéra, librairie 
Duvoisin, Lausanne, 1S94. 

25. Führer des Winsers im Kampf gegen die Reblaus, Verlag von 
E. Wirz, Aarau, 1S95. 

26. Oïdium, mildiou des grappes et black-rot, Chron. agr. vaud., 1896. 

27. Chlorose et sulfate de fer, Chron. agr. vaud., 1897. 

28. Le moisi des racines. Chron. agr. vaud., 1898. 

29. Mildiou et bouillie bordelaise. — Les vignes américaines et la 
situation phylloxérique dans le canton de Vaud, Chron. agr. 
vaud., 1S99. 

30. La reconstitution du vignoble vaudois, Chron. agr. vaud., 1900. 

31. La crise viticole (en collaboration avec M. E. Chuard.), Chron. 
agr. vaud., 1901. 

32. La pyrale, Chron. agr. vaud., 1902. 

33. Ehides sur la répartition dzi calcaire dans les sols du vignoble 
vaudois (en collaboration avec M. le D 1 ' H. Faes), Chron. agr. 
vaud., 1902-1903. 





1831—1904. 



— XIII — 



Prof. Dr. med. Wilhelm His. 

1831— 1904. 



Am 4. Mai 1904 wurde eines der hervorragendsten 
Mitglieder der Schweizerischen Naturforschenden Gesell- 
schaft, ein rastloser Forscher, der Anatom Professor 
Wilhelm His in Leipzig zur ewigen Ruhe bestattet. 

Professor His wurde als sechstes Kind seiner Eltern 
am 9. Juli 1831 zu Basel in dem an historischen Er- 
innerungen reichen „blauen Haus" oder Reichensteinerhof 
geboren. Das His'sche Elternhaus war der Mittelpunkt 
eines geistig angeregten Verkehrs, an dem die bedeu- 
tendsten Gelehrten der Universität wie der Anatom und 
Kliniker C. R. Jung, der Germanist Wackernagel, der 
Anatom und Physiolog F. Miescher sen., der Chemiker 
Schönbein, der Professor der italienischen Sprache 
Picchioni, ein alter Carbonado u. a. teilnahmen. 

Mit kurzer Unterbrechung blieb His bis zur Maturi- 
tät auf dem Basler Gymnasium. Ostern 1849, vor voll- 
endetem achtzehnten Jahre, begann er seine medizinischen 
Studien in Basel; das zweite und dritte Semester brachte 
er in Bern zu, dann ging es nach Berlin auf drei Se- 
mester, wo er Johannes Müller, Kemak und Schlemm, 
Schönlein, Langenbeck hörte, und dann nach Würzburg, 
wohin er 1852 übersiedelte, denn diese Universitäts- 
stadt zog damals durch den Namen Rudolf Virchoiv die 
Aufmerksamkeit der ganzen medizinischen Welt auf sich. 

Auf Virchozvs Anregung griff His in das aktuelle 
Thema der damaligen Zeit, in die Bindegewebsfrage 
ein. Nach Vollendung: des neunten Semesters zosf er noch 



— XIV — 

auf die Wanderschaft nach Prag, Wien und Paris, wie dies 
damals üblich war. Im Winter 1856/57 habilitierte er 
sich an der Basler Universität als Dozent, und schon 
im Herbst 1S57 erhielt er auf Professor Jungs Betreiben 
im Alter von 26 Jahren den Lehrstuhl der Anatomie 
und Physiologie in Basel. Durch zahlreiche wissen- 
schaftliche Reisen, durch Fleiss und Talent war His für 
diese Aufgabe so gründlich vorbereitet, wie nur irgend 
einer. 

Trotz der ausgedehntesten Lehrtätigkeit brachten 
die fünfzehn Jahre seines Wirkens in Basel doch eine 
Aufsehen erregende Arbeit nach der andern aus seiner 
Feder, so vor allem die Untersuchungen über die erste 
Anlage des Wirbeltierleibes, Leipzig 1S68, mit 12 Tafeln, 
wovon noch später die Rede sein soll. 

His war bekanntlich in Basel bis zum Jahr 1872 
Professor der Anatomie and Phvsioloo-ie gewesen. Diese 
beiden heute so umfangreichen Disziplinen waren früher 
in einer Hand vereinigt und so auch in Basel. Die 
physiologischen Anschauungen überhaupt und besonders 
jene, welche gerade damals eine besondere Anziehungs- 
kraft ausübten, muss man ins Auge fassen, wenn die 
Arbeiten von Wilhelm His richtig beurteilt und ihre 
hohe Bedeutung hervorgehoben werden soll. 

Ich beginne meine Betrachtungen mit dem Jahre 
1S72, mit seiner Berufung an eine der ersten Universi- 
täten Deutschlands. In Leipzig lehrte damals Professor 
Ludwig die Physiologie; er hatte die eine Hälfte der 
Lehrtätigkeit Ernst Heinrich Webers, des gefeierten 
Gelehrten, übernommen, der im Jahre 1866 die Physio- 
logie diesem berühmten jungen Genossen übertragen 
hatte. Die Anatomie war noch in Webers Händen ge- 
blieben, bis zu dem Zeitpunkt, in welchem die medi- 
zinische Fakultät auf Betreiben Ludwigs unsern Wilhelm 
His auf die Lehrkanzel der Anatomie berief. 

Diese höchst ehrenvolle Beachtung- verdankte der 



— XV - 

Basler Gelehrte seinem Erstlingswerk, das den Titel 
führt: ^Ueber die erste Anlage des Wirb eltier leib es" . 

Es war eine kühne Tat, dieses gewaltige Problem 
vom Gesichtspunkt physikalisch-mechanischer Kräfte aus 
einer Lösung entgegenzuführen. Es handelte sich dabei 
nicht nur um das Hühnchen, an dem die Untersuchung 
am meisten aussichtsvoll erschien, Wilhelm His wollte 
die erste Anlage des Leibes aller Wirbeltiere aufklären. 

Wenige Jahre zuvor hatte die Descendenztheorie, 
unter dem Namen der Darwinschen Theorie zumeist 
bekannt, ihren Siegeslauf durch die Welt begonnen. 
Die grosse Schar der jungen Zoologen, Anatomen und 
vergleichenden Anatomen, die man neuerdings unter 
der gemeinsamen Bezeichnung der Morphologen zu- 
sammenfasst, hatte sich dieser Auffassung des Werdens 
der Geschöpfe angeschlossen. Die Anlage des Wirbel- 
tierleibes wie seine weitere Entwicklung erschien als 
ein Phänomen der Vererbung, geleitet und geführt durch 
äussere Faktoren. 

Wilhelm His schloss sich dieser Auffassung nicht 
an, wenn er sich auch nicht direkt ablehnend verhielt. 
Die Physiologie lehrte damals, wie in allen Organismen 
chemische und physikalische Kräfte beständig in voller 
Tätigkeit seien, und Wilhelm His zog daraus den Schluss, 
dass auch im Beginn der Organisation, bei dem Werden 
des Wirbeltieres, wenn aus dem flachen, blattähnlichen 
Keim allmählich die zylindrische Körperform hervorgeht, 
chemische und physikalische Kräfte wirksam sein müssten. 
Er untersuchte den Hühnerkeim unter dem Gesichtspunkt 
einer elastischen Platte mit Zug- und Druckspannungen. 
Da trugen die Furchen und Falten des Keimes vom 
ersten Auftreten an die Spuren mechanischer Notwendig- 
keiten an sich, und zwar war dies der Fall durch das 
ganze Wirbeltierreich. Die Entwicklung der Knochen- 
fische, die schon sehr früh in den Bereich seiner Unter- 
suchung gezogen worden waren, dann die Entwicklung 



- XVI - 

der Selachier, der Vögel, der Säugetiere — ■ alle schienen 
den nämlichen Regeln zu folgen. 

Was bei dem Gang der Untersuchung und der 
Methode, die Beweise für seine Angaben herbeizuschaffen, 
besonders neu und eigenartig war, das war die Rekon- 
struktion der in Schnittserien zerlegten Embryonen. 
Damit ist er der Begründer der Anatomie der Embry- 
onen geworden, denn diese Methode macht es allein 
möglich, die zarten Bilder der feinen Schnitte in ver- 
grössertem Masstabe, genau nach den Proportionen des 
Organismus zu einem Ganzen zusammenzufügen und so 
mit freiem Auge zu beurteilen, zu prüfen und zu ver- 
gleichen, was nur bruchstückweise und unvollkommen 
mit dem Mikroskope erkennbar wird. 

Durch die Methode der Rekonstruktion bekam nicht 
allein das Mikrotom erst seinen erhöhten Wert für die 
Embryologie, die von His angefertigten Modelle wurden 
gleichzeitig auch die unentbehrlichsten Lehrmittel für 
den embryologischen Unterricht. Seine Modelle sind 
überall in Verwendung, denn die Methode hat allseitige 
Aufnahme gefunden; sie bezeichnet für den Hörsaal 
wie für das Laboratorium einen bahnbrechenden Fort- 
schritt. W r as für den Physiker und Astronomen das 
Pendel, das ist für den Embryologen die Rekonstruk- 
tion, denn sie gibt den Arbeiten erst die Sicherheit 
richtiger Beurteilung. Schon heute ist es allgemein 
anerkannt, dass keine embryologische Arbeit über den 
Aufbau der Organismen vollen Wert besitzt, die nicht 
durch die Rekonstruktion eine umfassende Begründung 
erhalten hat. 

Die von His inaugurierte physiologische Auffassung 
des Entwicklungsganges und die strenge Methode der 
Forschung über den Aufbau des Wirbeltieres riefen 
berechtigtes Aufsehen hervor und lenkten, wie er mir 
einst selbst erzählte, die Aufmerksamkeit des Physiologen 
Lttdivig nach Basel — und His wurde nach Leipzig berufen. 



- XVII — 

Er hat die Hoffnungen, die auf ihn gesetzt wurden, 
in reichstem Masse erfüllt. Seine Verdienste als Lehrer 
wie als Forscher sind in gleichem Grade hervorragend. 
In Leipzig wurde Wilhelm His vor allem die Aufgabe 
gestellt, ein der Grösse der Universität und den An- 
forderungen des Unterrichts entsprechendes anatomisches 
Institut zu bauen. 

Es ist erstaunlich, wie der in den damals engen 
Verhältnissen Basels Herangewachsene sofort das richtige 
Augenmass findet für das, was eine grosse Universität 
erheischt. Es lässt sich heute kaum mit hinreichender 
Deutlichkeit begreiflich machen, wie klein die Hilfsmittel 
für Anatomie und Physiologie in Basel waren. Am 
Rheinsprung, im alten Kollegienhaus, sassen die Anatomie, 
die vergleichende Anatomie, die pathologische Anatomie 
und die Physiologie vorzugsweise im Souterrain dicht 
ineinandergeschachtelt. Die Zahl der Studenten klein, 
das Leichenmaterial dürftig und die Hilfsmittel unge- 
nügend nach jeder Richtung hin. Wilhelm His erkennt 
aber in Leipzig mit erstaunlichem Scharfblick die ganze 
Grösse seiner Aufgabe. Er baut sofort eine Anatomie 
im grössten Stil, er gliedert sie nach den drei wichtig- 
sten Anforderungen : in Hörsäle und Demonstrations- 
räume für den Unterricht; in Seziersäle und dazu ge- 
hörige Einrichtungen für die Übungen an der Leiche; 
endlich in Arbeitszimmer für die Angestellten. Zentral- 
heizung, Kraftbetrieb, alle neuen Hilfsmittel der Technik 
wurden in Anwehdung gebracht, um das Gebäude 
praktisch auszugestalten. So ist es noch heute eines 
der vollkommensten anatomischen Institute, umfangreicher 
als das der grössten Universitäten Deutschlands von 
gleichem Range. Ich führe dies an, um die Aufmerk- 
samkeit auf die weito-ehende Einsicht des Mannes zu 
lenken, der die Anforderungen der Wissenschaft und 
des Unterrichts mit klarem Auge erfasst und sie mit 
siegreicher Kraft und im grössten Masstab verwirklicht. 

2 



— XVIII - 

Wilhelm His besass überhaupt einen grossen Mass- 
stab für alle Dinge, die mit seiner Wissenschaft zu- 
sammenhingen. Dieser grosse Masstab reifte in ihm 
z. B. den Riesengedanken, die Hirnforschung in Europa 
und Amerika nach einem gemeinsamen Plan zu organi- 
sieren. In den nächsten Tagen wird dieser grosse Ge- 
danke von His verwirklicht werden. In London tritt 
eine internationale Kommission zusammen, um das vor- 
gelegte Programm der Hirnforschung zu beraten. Wilhelm 
His war als eines der ersten Mitglieder zur Vertretung 
Deutschlands berufen. — Er sollte die Verwirklichung 
seiner Idee leider nicht mehr erleben. Als seine Er- 
krankung eine beunruhigende Wendung angenommen 
hatte, hat er Professor Waldeyer mit der Übernahme 
der Vertretung betraut. Doch durfte er sich noch er- 
freuen, dass das Ziel schon in der Nähe deutlich er- 
kennbar war. Das Organ des Geistes, der Sitz aller 
Fähigkeiten, die den Menschen zum Herren der Welt 
machen, das Organ, dessen Funktionen die Philosophen 
analysieren, dessen Krankheiten die Psychiater mit 
heissem Bemühen zu durchschauen versuchen, das ewig 
neue Versuchsfeld der Pädagogen, das Ziel aller physio- 
logischen und morphologischen Betrachtung: es sollten 
nach einem gemeinsamen Plane seine Rätsel erforscht 
werden. Es war ein Lieblingsgedanke von His, alle 
Forschungsrichtungen, die der Anatomie, Physiologie, 
der Pathologie, der Embryologie und vergleichenden 
Morphologie zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden und 
in allen zivilisierten Ländern die Beobachtungen ziel- 
bewusst einander zu nähern. Dabei sollte das zum 
Studium des Gehirnbaues unerlässliche Material aufbe- 
wahrt und vor dem Untergang bewahrt werden. 

Als Ergebnis seiner bedeutungsvollen Anregung 
kann schon heute hervorgehoben werden, dass die im 
Kongress vertretenen Akademien Europas und Amerikas 
namens der Vereinigung, ihren Regierungen den Vor- 



— XIX — 

schlag unterbreiten werden, eigene Institute oder De- 
partements zum Studium des menschlichen Zentralnerven- 
systems dort zu errichten, wo solche in der gedachten 
Art noch nicht vorhanden sind. 

Es gehört ein ausserordentlicher Grad wissenschaft- 
lichen Ansehens dazu, um den Areopag der ganzen 
gelehrten Welt zu veranlassen, auf einen so weitgehenden 
Vorschlag einzugehen. Das betreffende interessante 
Schriftstück von His findet der Leser in dem Verzeichnis 
der Arbeiten aufgeführt, das unten folgt — das Schrift- 
stück stammt aus dem Jahre 1901. Es ist gleichzeitig 
ein Beweis für die Bedeutung und die Notwendigkeit 
der organisierten Hirnfoschungr, welche nunmehr durch 
den Kongress der internationalen Vereinigung der Aka- 
demien eine bedeutungsvolle Sanktion erhalten hat. 
Aber von dem His'schen Gedanken, der damit zum 
Durchbruch kommt, wird man sagen dürfen, er bezeichne 
einen weithin sichtbaren Markstein in der Geschichte 
der Hirnforschung. 

His war zu dieser Anregung vor allem berechtigt; 
hatte er doch dem ersten Aufbau dieses Organes einen 
grossen Teil seiner Arbeitskraft in den letzten zwei 
Dezennien gewidmet und wusste gerade er am besten, 
wie unendlich viele Rätsel dieses Organ noch umschliesst. 
Die Grösse und die Bedeutung eines solchen Unter- 
nehmens liegt nach dem Gesagten jedem klar vor Augen. 
Schon seit langer Zeit war Leipzig durch His' eigene 
Arbeiten und durch die Arbeiten Flechsigs und Helds 
eine Zentralstätte für Gehirnforschung geworden, von der 
die fruchtbarsten Anregungen und Entdeckungen aus- 
gegangen sind; wie erfolgreich musste erst gemeinsame 
Arbeit im grossen Stil in der Zukunft sich ausgestalten ! 
Unterdessen durfte er sich freuen, dass ein anderer 
Lieblingsgedanke von ihm, die Errichtung einer Zentrale 
für Gehirnforschung und Unterricht in der Anatomie 
des Nervensystems in jedem der forschenden Kultur- 



- XX - 

länder in kurzer Zeit schon Verwirklichung gefunden 
hatte, nämlich in Deutschland und dort in erster Linie. 
Durch einen der grössten Industriellen, durch Krupp in 
Essen, wurden die bedeutenden Mittel bereit gestellt, 
um in Berlin ein neuro-biologisches Universitäts-Labora- 
torium zu errichten. Der Leibarzt Krzipps, Herr Dr. Vogt, 
hat jüngst auf dem Anatomen-Kongress in Jena über 
diese wertvolle Institution berichtet. 

Wer heute, sei er junger Arzt, Physiologe, Anatom 
oder Psychiater, in den Bau des Gehirns tiefer eindringen 
will, findet dort die reichsten Hilfsmittel: Modelle, die 
den feinen Bau dieses Organes aufklären, wissenschaft- 
liche Werke, die von belehrender Wichtigkeit sind, 
zur Zeit schon eine Zahl von dreimalhunderttausend 
Serienschnitten von Gehirnen sowohl des Menschen als 
der für die Forschung wichtig gewordenen Wirbeltiere, 
photographische Serien dieser Schnitte im vergrösserten 
Masstabe, Mikroskope, unterrichtete Kollegen — all das 
steht ihm zur Verfügung, um in kurzer Zeit den Bau 
aller Gehirnpartien kennen zu lernen, soweit bis heute 
ein Einblick erreichbar geworden ist. — 

War so die Aufmerksamkeit von Wilhelm His für 
Hebung der Forschung und des Unterrichts auf die 
weitesten Kreise gerichtet, seiner unmittelbaren Aufgabe, 
dem Unterricht der Mediziner an der Universität Leipzig 
widmete er sich mit peinlicher Sorgfalt und Umsicht. 

Was bei allen bedeutenden Lehrern wirkt, das war 
auch bei ihm wirksam : die innere Wahrheit der Vor- 
träge und die sorgfältige Vermeidung alles Scheines in 
den Erklärungen. Das war das ernste Gepräge seiner 
Vorträge, die ich bei der Sektion der naturforschenden 
Gesellschaften Deutschlands und der Schweiz so oft 
bewundernd angehört habe. 

Er war kein glänzender Redner, aber sein Vortrag 
war streng geordnet, die Angaben genau, präzis und 
stets auf das tatsächliche o-erichtet. Das ist mir auch 



- XXI — 

oft von seinen Zuhörern gerühmt worden, die immer 
die Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit seiner Angaben 
anerkannten und hochschätzten und mit grösster Ver- 
ehrung an ihm hingen, die dem akademischen Lehrer nicht 
ohne wirklich aufrichtiges Bemühen in den Schoss fällt. 
Wilhelm His war eben von jener edlen Achtung für 
seine Zuhörer durchdrungen, die für jeden Lehrer eine 
unerlässliche Eigenschaft darstellt, will er seine Erfolge 
nicht in Frag-e stellen. Manche werden dereinst eine 
ähnliche Aufgabe übernehmen in engeren oder in weiteren 
Kreisen. Für sie alle ist der Lehrer in seinem Tun 
überdies das nächstliegende Beispiel, das um so dauern- 
der nachwirkt, je treuer er seine Aufgabe erfüllt und 
je mehr ihn die Freude an der Jugend und die Rücksicht 
vor ihrem Geist durchdringt, der nach Wissen, nach 
klarem, verständlichem Aufschluss ein tiefes Verlangen 
besitzt. 

Das nämliche Streben nach gewissenhaftester Pflicht- 
erfüllung als Lehrer, dem Studierenden das Beste auch 
in den Lehrmitteln zu bieten, veranlasste ihn, unter 
seiner besonderen Leitung zahlreiche genaue Abgüsse 
über die Topographie der Eingeweide herstellen zu 
lassen nach einer besonderen von ihm angewandten 
Methode. Diese lehrreichen Modelle fehlen kaum an 
einer anatomischen Anstalt. Sie dienen selbst in Ame- 
rika dem Unterricht. Der Jugendstätte seines Wirkens, 
der Anatomie in Basel, hat er sie bei der Eröffnung 
des Vesalianums zum Geschenk gemacht. 

So viel von dem Lehrer Wilhelm His, wobei zu 
erkennen sein sollte, dass er seine Lehraufgabe im 
weitesten Sinne des Wortes fasste, weit über die Grenzen 
des ' Hörsaales hinaus, wenn er die Modelle für die 
topographische Anatomie herstellte oder die Forderung 
für neue biologische Laboratorien zum Studium des 
Gehirns in allen Ländern immer aufs neue hervor- 
hob. Ich kehre nun wieder zu seiner forschenden 



- XXII - 

Tätigkeit zurück, die ihn zunächst zu einer wichtigen 
Entdeckung^ zu derje7iigen der organbildenden Keim- 
bezirke führte. 

Bei den Studien über die Anlage des Wirbeltier- 
leibes kam er von der ausgebildeten Körpergestaltung 
des Embryo rückläufig forschend zu der Einsicht, dass 
in der flachen Platte der Keimscheibe schon das Material 
für die späteren Organe angeordnet sei. In dieser Form 
ist dieser wichtige Satz unangreifbar, dennoch ist er 
anfangs falsch gedeutet worden, aber nach und nach 
hat er doch allgemeine Anerkennung gefunden. Jetzt 
betrachtet man ihn als eine selbstverständliche Wahrheit. 
Es mussten freilich Jahrhunderte vergehen, ehe sie aus- 
gesprochen werden konnte. 

Von der Keimscheibe weiter zurück führte diese 
Auffassung in logischer Schlussfolge Wilhelm His dahin, 
selbst in dem Ei schon eine bestimmte Gruppierung der 
lebendigen Substanz anzunehmen, eine „germinal prelo- 
calisation", wie sie neuerdings von E. B. Wilson genannt 
wird. Auch diese Voraussetzung ist bekämpft worden. 
Doch hat sie His selbst noch in der letzten Zeit mit 
vollem Recht und siegreich verteidigt. Unterdessen sind 
überdies seine Angaben von Boveri, Flemming, Plattner, 
Roux, W hitmann u. a. experimentell nachgewiesen 
worden. Sie zeigen, dass selbst im Ei die organ- 
bildenden Substanzen schon nach einer bestimmten Regel 
geordnet sind. Diese Forschungen streifen direkt an 
die grosse Frage, an das Rätsel aller Rätsel, an die 
Erscheinungen der Vererbung hinan, mit denen sich 
auch Wilhelm His in tiefgehender Weise beschäftigt 
hat. Selbstverständlich ist er auch nach dieser Richtung 
hin in Streit geraten und zwar mit den Vitalisten oder wie 
sie heute orenannt werden, mit den Xevovitalisten, 
während der Leipziger Anatom auf dem Boden der 
Mechanisten stand, ein Standpunkt, den ich für den 
allein richtigen halte. Die Dinge müssen durch die 



— XXIII — 

Annahme von natürlichen Vorgängen begreiflich werden, 
sonst hat Naturwissenschaft keinen Sinn. 

Ich komme jetzt zur Betrachtung zweier grosser 
Lebenswerke von Professor Wilhelm His, zu der Ana- 
tomie menschlicher Embryonen und zur Entwicklungs- 
geschichte des menschlichen Gehirns. 

Nach langen, eingehenden Vorstudien, deren um- 
fassender Fortgang durch viele einzelne Abhandlungen 
bekannt wurde (siehe das Verzeichnis), begann mit dem 
Jahr 1 880 die Herausgabe eines grossen Atlas in Folio, 
begleitet von einem Textband, unter dem Titel: Ana- 
tomie menschlicher Embryonen. Mit Hilfe der Rekon- 
struktion hat His darin die Entwicklung des mensch- 
lichen embryonalen Körpers von dem jüngsten Embryo 
aus dem Ende der zweiten Woche angefangen, der noch 
kaum die Länge einer kleinen Waldameise besitzt, bis 
zum Ende der achten Woche genau dargestellt und er- 
klärt und diesen Zweig der Entwicklungsgeschichte 
neu begründet. Diese Anatomie menschlicher Embry- 
onen ist ein fundamentales Werk, das allein schon ge- 
nügt, His' Namen dauernd in der Wissenschaft und für 
alle Zeiten festzuhalten. Mit der ihm eigenen Zähigkeit 
hat er das widerstrebende Material durch seinen Geist 
belebt, so dass jetzt die Embryologie des Menschen auf 
einer ebenso hohen Stufe steht, wie jene irgend eines 
Wirbeltieres, auf die mangels hinreichender menschlicher 
Embryonen so lange Zeit zurückgegriffen wurde. Im In- 
lande wie im Auslande wurde seinen Untersuchungen das 
wärmste Interesse entgegengebracht, wie die Sendungen 
von Untersuchungsmaterial aus allen Weltgegenden be- 
weisen. 

Man hat oft geglaubt, der Mensch entwickle sich' 
in vollkommenster Übereinstimmung mit den Säugetieren. 
Im allgemeinen ist dies ja auch vollkommen zutreffend. 
Aber auf einer bestimmten Entwicklungsstufe schlägt 
•er die Bahnen der individuellen Entwicklung ein, die 



- XXIV - 

ihn von derjenigen der nahestehenden Wesen trennt und 
ihn jener Höhe entgegenführt, die seinen Organismus 
auszeichnen und diese Bahnen müssen unbedingt und 
genau bekannt sein. • 

So ist schon aus diesem einen Grunde eine um- 
fassende und gesonderte Darstellung der Menschenent- 
wicklung unerlässlich, und diese Grosstat ersten Ranges 
hat Wilhelm His mit seinem scharfen Verstände erkannt 
und bewunderungswürdig ausgeführt. 

Um die ganze Bedeutung dieses Werkes nach seinem 
vollen Umfange richtig zu schätzen, muss noch folgendes 
beachtet werden. Die pathologische Anatomie braucht 
für das Verständnis der menschlichen Monstra aller 
Formen in erster Linie die Entwicklungsgeschichte ge- 
rade des Menschen und vor allem der frühesten Stufen, 
denn es hat sich gezeigt, dass die Störungen der Körper- 
form wie diejenigen der einzelnen Organe in den meisten 
Fällen schon in den frühesten Tagen verderbenbringend 
eingreifen. So sind also Pathologie, pathologische Ana- 
tomie und Chirurgie, welch' letztere manche Störungen 
durch das Messer beseitigt, auf eine genaue Kenntnis 
der menschlichen Entwicklungsgeschichte angewiesen. 

Durch die Anatomie menschlicher Embryonen hat 
Wilhelm His ferner die berechtigte Forderung erfüllt 
nach einer gesonderten Darstellung des Entwicklungs- 
ganges unserer eigenen Spezies. Wir verdienen es 
wahrlich, dass das Genus Homo sapiens auch endlich 
einmal in würdiger Übersicht dem forschenden Menschen- 
geschlecht dargeboten werde, nachdem wir uns lange, 
lange, freilich wegen Mangel an genügendem Unter- 
suchungsmaterial, mit der Embryologie des Hühnchens 
und des Kaninchens begnügen mussten. 

Und endlich darf man einen letzten und wichtigen 
Gesichtspunkt nicht übersehen: Die Anatomie mensch- 
licher Embryonen ist und bleibt die unentbehrliche 
Grundlage und der einzig sichere Anhaltspunkt für alle 



- XXV — 

phylogenetischen Spekulationen über die Abstammung 
unseres eigenen Geschlechtes. — 

Das andere grosse und bedeutungsvolle Lebenswerk 
von Wilhelm His: die Arbeiten über die Entwickhing 
des Gehirns kann ich nach dem, was schon über Gehirn- 
forschung mitgeteilt wurde, in wenig Worten kenn- 
zeichnen. Es ist diese onto- wie phylogenetische Ent- 
wicklung des Organes des Geistes von ebenso funda- 
mentaler Bedeufung, wie die Anatomie menschlicher 
Embryonen. Wieder hat er hier, wie bei seinen Studien 
über die organbildenden Keimbezirke die weiter vor- 
geschrittenen Entwicklungsstufen zuerst herangezogen 
und kam, an den Ausgangspunkt sich rückwärts wendend, 
zu der Aufklärung der ersten Bildungsvorgänge. Er 
hat uns dabei so unendlich viel gelehrt, dass wir heute 
noch nicht völlig im stände sind, den ganzen Umfang 
der dargebotenen Entdeckungen vollauf zu ermessen. 
Für die Fernstehenden mag die Tatsache genügen, dass 
die ganze naturforschende und ärztliche Welt seinen 
wissenschaftlichen Eroberungen auf diesem Gebiet Hoch- 
achtung und Bewunderung gezollt hat. Die Neuronen- 
theorie Waldeyers, welche alle unsere Vorstellungen 
über den physiologischen und histologischen Aufbau 
des Nervensystems beherrscht, konnte nur auf Grund 
der Untersuchungen von His über die Entwicklung des 
Gehirns aufgestellt werden. Die wichtigen und zahl- 
reichen Monographien über die Entwicklung des Ge- 
hirns des Menschen hat His vor wenigen Monaten noch 
durch ein neues Werk bereichert, das weitere und höchst 
willkommene Aufklärungen bringt. 

Damit schliesst sein reiches Forscherleben ab, von 
dem ich hier nur die grossen Linien entwerfen wollte. 
Von Wilhelm His lässt sich sagen, er hat wie wenige 
sein Leben in erfolgreichster Weise ausgenützt und 
wissenschaftliche Siege errungen, die seinem Namen 
dauernd einen hochragenden Platz unter den Natur- 



- XXVI - 

forschem zuweisen. Während er aber diese Siege er- 
rang, blieb ihm, dem rastlos tätigen, dennoch Zeit für 
eine Menge allgemeiner Aufgaben. Die Universität 
Leipzig verliert an ihm einen seiner besten Berater. Ob 
Rektor jener Hochschule oder Dekan der medizinischen 
Fakultät, er war immer bereit, seine Kraft einzusetzen 
für das Ganze. — Die neue Organisation der deutschen 
Gesellschaft der Naturforscher und Arzte ist zu einem 
ansehnlichen Teil seiner tiefgehenden Geschäftskenntnis 
in der Leitung von grösseren Vereinen zu verdanken 
(siehe 1891 des Verzeichnisses), wozu er schon eine 
reiche Erfahrung aus der Schweiz mitgebracht hatte — 
aus seiner Heimat, die er so sehr geliebt hat. 

Jedes Jahr sahen wir ihn in der Schweiz, und fast 
regelmässig bei den Versammlungen der Schweizerischen 
Naturforschenden Gesellschaft, der er seit 1855 angehörte. 

Ich persönlich hatte mich seiner freundschaftlichen 
Teilnahme zu erfreuen, die sich besonders auch auf die 
Anstalt erstreckte. Alle seine hervorragenden Werke 
hat er unserer hiesigen Anstalt zum Geschenk gemacht, 
und ich folge nicht allein der Pflicht der Dankbarkeit, 
sondern auch einem inneren Drang, wenn ich diese un- 
erschütterliche Freundschaft gegen mich und gegen die 
anatomische Anstalt wärmstens dankend hier noch be- 
sonders hervorhebe. 

Das ganze Lebenswerk dieses bedeutenden Mannes 
zu würdigen, dessen Arbeitskraft und dessen Leistungen 
weit über das gewöhnliche Mass hinausgehen, wird eine 
wichtige Aufgabe der Geschichte unserer Wissenschaft 
sein innerhalb des Rahmens einer grösseren Biographie. 

Das beigefügte Verzeichnis der zahlreichen Schriften 
wird ja für viele, denen diese Blätter zu Gesicht kommen, 
namentlich auch den ferner stehenden einen Einblick 
gewähren in die umfassende Arbeit. Es bietet an sich 
schon einen wertvollen Masstab für die erfolgreiche 
Tätigkeit. Allein nicht minder bedeutungsvoll ist der 



— XXVII - 

Umstand, dass Wilhelm His von vielen hervorragenden 
gelehrten Korporationen der Welt zum Mitglied ernannt 
war. Jede von ihnen setzte eine Ehre darein, seinen 
Namen in der Liste der Ritter vom Geist zu besitzen. 
Wenn irgend Körperschaften die Verdienste auf dem 
Felde der geistigen Arbeit anerkennen, so sind es vor 
allem die gelehrten Vereinigungen, die der Welt mit 
berechtigtem Stolz verkünden, dass sie einem Sieger 
in dem Wettkampf um wissenschaftlichen Ruhm den 
Lorbeer überreichen durften. Wilhelm His war Mitglied 
der Berliner und der Münchener Akademie der Wissen- 
schaften, dann der gelehrten Gesellschaften von Moskau, 
Petersburg, Christiania, Lund, Upsala, Stockholm, Kopen- 
hagen und Edinburgh, von England und Irland, von 
Leipzig, Bonn, Halle, Genf und Paris. 

Dass um einen solchen Lehrer die Universität vor 
allem in tiefe Trauer versetzt wurde, an der er über 
ein Vierteljahrhundert gewirkt hat, ist selbstverständlich. 
Wie ich nachträglich aus Leipziger Zeitungsnachrichten 
entnehme, gab der gesamte Lehrkörper der Universität 
mit dem Rektor Magnifikus und den Dekanen der Fa- 
kultäten an der Spitze, sowie die studentischen Korpo- 
rationen dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite. 
Im Namen der medizinischen Fakultät sprach deren 
Dekan die innige Betrübnis aus, welche die Kunde von 
dem Hinscheiden von Wilhelm His in der gesamten 
wissenschaftlichen Welt hervorgerufen habe. Die höchste 
Verehrung verdiene überdies His als Kollege und 
Mensch. 

Die königliche Gesellschaft der Wissenschaften, in 
der der Verewigte durch Wahl sechs Jahre lang das 
Amt eines Sekretärs der mathematisch-physikalischen 
Klasse inne hatte, Hess einen Lorbeerkranz auf den über 
und über mit Kränzen bedeckten Katafalk niederlegen 
und im Auftrage der kgl. preussischen Akademie der 
Wissenschaften war ein Abgesandter erschienen, um den 



- XXVIII - 

Verstorbenen als eines der erfolgreichsten Mitglieder 
der Akademie letztmalig zu ehren. 

Auf dem Johannisfriedhof in Leipzig hat Wilhelm 
His im Alter von nicht ganz 74 Jahren seine Ruhestätte 
gefunden. 

Was ich hier zu seinem Ruhm berichtet habe, er- 
griffen von tiefer Trauer über den schmerzlichen Verlust, 
der uns betroffen, enthält nur in grossen Zügen ein Bild 
seiner umfassenden Tätigkeit und seiner grossen Erfolge. 
Die wenigen Blätter sollen einen bescheidenen Kranz 
darstellen auf dem Grabe des grossen Gelehrten. Aber 
das Gesagte mag zunächst genügen, um alle daran zu 
erinnern, dass ein grosser Gelehrter in Leipzig am 4. 
Mai in die Erde gesenkt wurde — ein berühmter 
Naturforscher, ein treuer Sohn Basels, ein unerschütter- 
licher Freund seines teuern Vaterlandes, sowie der 
baslerischen und schweizerischen Naturforschenden Ge- 
sellschaft. Prof. Dr. J. Kollmann. 



Nekrologe sind ferner erschienen: 
Wilhelm His f von Fick Rudolf, a. o. Prof. und I. Prosektor der 

Anatomie in Leipzig im anatomischen Anzeiger Jena. Gust. Fischer. 

Bd. XXV Nr. 7 und 8 1904. Mit einem Bildnis. 
Wilhelm His f von Prof. Dr. Werner Spalteholz in der Münchener 

medizinischen Wochenschrift 1904 Nr. 22. 
Wilhelm His. Sein Leben und Wirken. Von Geh.-Med.-Rat Prof. 

Dr. Waldeyer. Deutsche medizinische Wochenschrift 1904 Nr. 39, 

40 und 41. 



XXIX 



Verzeichnis der von Professor W. His veröffentlichten Arbeiten in 
chronologischer Reihenfolge aufgeführt 



1853. Untersuchungen über den Bau der Hornhaut. Verhandlungen der 
physik. mediz. Gesellschaft in Würzburg-. Bd. IV. S. 96. Sitzung 
vom 2. Juli 1853. 

1854. Untersuchungen krankhaft veränderter Hornhäute. (Brief!. Mitteil, 
an den Herausgeber.) Virchows Archiv Bd. VI. S. 557. 

1856. Beiträge zur normalen und pathologischen Histologie der Cornea. 
Basel, Schweighausersche Sort.-Buchh. 

1856. Über die Beziehungen des Blutes zum erregten Sauerstoff. Vir- 
chows Archiv. Bd. X. S. 483. Französisch: Sur les relations 
qui existent entre le sang et l'ozone Brown-Sequards. Journal de 
la Physiologie. Bd. I. S. 634. 

1859. Über das Verhalten des salpetersauren Silberoxyds zu tierischen 
Gewebsbestandteilen. Virchows Archiv. Bd. XX. S. 207. 

1859. Über die Thymusdrüse. Verhandlungen der naturf. Gesellsch. in 
' Basel. Bd. II. S. 522. 

1859. Beiträge zur Kenntnis der zum Lymphsystem gehörigen Drüsen. 
Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. Bd. X. S. 333. 

1861. Zur Casuistik des Cretinismus. Virchows Archiv. Bd. XXII. S. 104. 

1861. Zur Anatomie der menschl. Thymusdrüse. Zeitschrift für wissen- 
schaftl. Zool. Bd. XI. S. 164. 

1861. Über den Bau der Lymphdrüsen. Verhandlungen der naturf. 
Gesellsch. in Basel. Bd. III. Heft I. 

1861. Untersuchungen über den Bau der Lymphdrüsen. Zeitschrift für 
wissenschaftl. Zool. Bd. XI. S. 65. 

1862. Untersuchungen über den Bau der Peyerschen Drüsen und der 
Darmschleimhaut. Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. Bd. XI. S.416. 

1862. Über die Wurzeln der Lymphgefässe in den Häuten des Körpers 
und über die Theorien der Lymphbildung. Zeitschrift für wissen- 
schaftl. Zool. Bd. XII. S. 223. 

1863. Über die Endigung der Gefässnerven. Virchows Archiv. Bd. XXVIII. 
S. 427. 

1863. Über die Einwirkung des salpetersauren Silberoxydes auf die 
Hornhaut. Schweiz. Zeitschrift für Heilkunde. Bd. IL S. I. 

1863. Über das Epithel der Lymphgefässwurzeln und über die von 
Recklinghaus'schen Saftkanälchen. Zeitschrift für wissenschaftl. 
Zool. Bd. XIII. S. 455. 



XXX 



1S64. Über ein perivasculäres Kanalsystem in den nervösen Zentral- 
organen und über dessen Beziehungen zum Lymphsystem. Zeit- 
schrift für wissenschafil. Zool. Bd. XV. S. 127. 

1864" Crania Helvetica. Sammlung schweizerischer Schädelformen in 
Gemeinschaft mit Ludiv. Rütimeyer. Basel. H. Georg 4. Mit 
82 Doppeltafeln. 

1864. Sur la population Rhétique. Bulletins de la Société d'Anthropo- 
logie de Paris. Tom. V. pag. 868. 

1864. Vortrag über die Bevölkerung des rhätischen Gebietes. Ver- 
handlungen der Schweiz, naturf. Gesellschaft. 48. Versammlung 
in Zürich. 

1865. Beobachtungen über den Bau des Säugetier-Eierstockes. Archiv 
für mikroskopische Anatomie von M. Schultze. Bd. I. S. 151. 

1865. Die Häute und Höhlen des Körpers. Akademisches Programm 
Basel. Wieder abgedruckt im Archiv für Anatomie und Physio- 
logie, Anat. Abt. 1903. 

1865. Über die Lymphgefässe der Netzhaut. Verhandlungen der naturf. 
Gesellsch. in Basel. Bd. IV, Heft 2. S. 256. 

1866. Beschreibung einiger Schädel altschweizerischer Bevölkerung 
nebst Bemerkungen über die Aufstellung von Schädeltypen. Archiv 
für Anthropologie. Bd. I. S. 61. 

1866. Über die erste Anlage des Wirbeltierleibes. (Vortrag in der 
naturf. Gesellsch.) Verhandlungen der naturf. Gesellsch. in Basel. 
Bd. IV. und abgedruckt in M. Schultzes Archiv für mikroskopische 
Anatomie. Bd. II S. 515. 

1867. Über die erste Anlage des Wirbeltierleibes (Fortsetzung). Das 
Gesetz des Wachstums und seine Folgen. Verhandlungen der 
naturf. Gesellsch. in Basel. Bd. IV. 

1868. Untersuchungen über die erste Anlage des Wirbeltierleibes. Die 
erste Entwicklung des Hühnchens im Ei. 4°. Leipzig. F. C. W. 
Vogel. Mit 12 Tafeln. 

1868. Akten in Sachen der von Prof. E. Dursy gegen IV. His er- 
hobenen Anklagen (als Manuskript gedruckt). Leipzig. F. C. W. 
Vogel. 

1869. Über die Gliederung des Gehirnes. Verhandlungen der naturf. 
Gesellsch. in Basel. Bd. V. S. 327. 

1870. Über den Bau des Eies einiger Salmoniden. Verhandlungen der 
naturf. Gesellsch. in Basel. Bd. V. S. 457. 

1870 und 1871. Die Theorien der geschlechtlichen Zeugung (I, II — III). 

Archiv für Anthropologie. Bd. IV. 197 und 217 und Bd. V. 66. 
1870. Über die Bedeutung der Entwicklungsgeschichte für die Auffassung 

der organischen Natur. Rektoratsrede. Leipzig. F. C. W. Vogel. 
1870. Beschreibung eines Mikrotoms. M. Schultzes Archiv für mikrosk. 

Anatomie. Bd. VI. S. 229. 



— XXXI — 

1870. Besprechung- von H. Lotzes Mikrokosmos. Archiv für Anthro- 
pologie. Bd. IV. S. 126. 

1871. Gutachten der Spezialkommission für Schulgesundheitspflege und 
Bericht über den gegenwärtigen Stand der Schulbankfrage. Basel. 
I. G. Bauers Buchdruckerei. 

1872. Berichte der Spezialkommission für Schulgesundheitspflege über 
den gegenwärtigen Stand der baslerischen Schullokale. An das 
Sanitätskollegium des Kantons Basel-Stadt. 

1872. Über die Aufgaben und Zielpunkte der wissenschaftlichen Anatomie. 
(Antrittsrede in Leipzig). Leipzig. F. C. W. Vogel. 

1873. Untersuchungen über das Ei und die Entwicklung bei Knochen- 
fischen. 4°. Leipzig. F. C. W. Vogel. 

IS 74. Über die Bildung des Lachsembryo. Verhandlungen der naturf. 
Gesellsch. in Leipzig. 5. Juni 74. 

1874. Über die Entwicklung der Grosshirnhemisphären. Verhandlungen 
der naturf. Gesellsch. in Leipzig. 31. Juli IS 74. 

1874. Unsere Körperform und das physiologische Problem ihrer Ent- 
stehung. Briefe an einen befreundeten Naturforscher. Leipzig. 
F. C. W. Vogel. 

1875. Die Keimzelle des Hühnereies und die Entstehung parablastischer 
Zellen. Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungsgeschichte. 
Bd. I. S. 274. 

1875. Über die Entdeckung des Lymphsystems. Zeitschrift für Anatomie 
und Entwicklungsgeschichte. Bd. I. S. 128. 

1875. Untersuchungen über die Entwicklung von Knochenfischen bes. 
über diejenige des Salmens. Zeitschrift für Anatomie und Ent- 
wicklungsgeschichte. Bd. I. S. 1. 

1876. Die zoologische Station in Neapel. In der Zeitschrift „Das neue 
Reich", herausgegeben von A. Dove. Verlag von S. Hirzel. 
Jahrgang 1876. S. 913. 

1876. Besprechung über die .Entwicklungsgeschichte der Unke" von 
Alexander Götte. Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungs- 
geschichte. Bd. I. S. 29S und S. 465. 

1876. Zur Frage von der Zusammenfügung des Embryo. Fakultäts- 
Programm Leipzig. 

1876. Über die Bildung der Haifischembryonen. Zeitschrift für Anatomie 
und Entwicklungsgeschichte. Bd. II. S. 108. 

1877. Besprechungen über die Leitungsbahnen im Gehirn und Rücken- 
mark des Menschen von Paul Flechsig und L. Ranvter, tech- 
nisches Lehrbuch der Histologie. Zeitschrift für Anatomie und 
Entwicklungsgeschichte. Bd. II. S. 451 und 465. 

1877. Bericht über die anatomische Anstalt in Leipzig. Zeitschrift für 
Anatomie und Entwicklungsgeschichte. Bd. II. S. 411. 



— XXXII — 

1S77. Neue Untersuchungen über die Bildung des Hühnerembryo. I, 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1877. S. 112. 

1 878. Untersuchungen über die Bildung- des Knochenfischembryo. (Salmen.) 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1878. S. 180. 

1878. Über Präparate zum Situs viscerum mit besonderen Anmerkungen 
über die Form und Lage der Leber, des Pankreas, der Nieren 
und Nebennieren, sowie der weiblichen Beckenorgane. Archiv für 
Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1878. S. 53. 

1879. Über die Anfänge des peripherischen Nervensystems. Archiv 
für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1879. S. 156. 

1S79. Das Vesaische und die Platerschen Skelette in der Basler ana- 
tomischen Sammlung. Korrespondenzblatt für Schweizer Ärzte, 
Jahrgang IX. 

1880. Über den Schwanzteil des menschlichen Embryo. Antwortschreiben 
an Herrn Geh. Rat A. Ecker in Freiburg i. Br. (dazu A. Ecker 
Replik und Kompromissätze nebst Schlusserklärung von W. His). 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1880. S. 431 
und 441. 

1880. Anatomie menschlicher Embryonen. I. Embryonen des ersten 
Monats. Leipzig. F. C. W. Vogel. Mit Atlas in Folio. 

1880. Abbildungen über das Gefässystem der menschlichen Netzhaut 
und derjenigen des Kaninchens. Archiv für Anatomie und Physio- 
logie. Anat. Abt. ISSO. S. 224. 

1880. Zur Kritik jüngerer menschlicher Embryonen. Sendschreiben an 
Prof. W. Krause in Göttingen. Archiv für Anatomie und Physio- 
logie. Anat. Abt. ISSO. S. 407. 

1881. Mitteilungen zur Embryologie der Säugetiere und des Menschen. 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1881. S. 303. 

1881. Erwiderung auf Prof. Lesshafts Bemerkung zur Lage und Be- 
wegung des Magens. Virchows Archiv. Bd. 86. S. 368. 

1881. Die Lage der Eierstöcke in der weiblichen Leiche. Archiv für 
Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1881. S. 39S. 

18S2. Anatomie menschlicher Embryonen. II. Gestalt- und Grössenent- 
wicklung menschlicher Embryonen bis zum Schluss des zweiten 
Monats. Leipzig. F. C. W. Vogel. 

1882. Zur Lehre vom Bindesubstanzkeim. Archiv für Anatomie und 
Physiologie. Anat. Abt. 1882. S. 62. 

1882. Über Entwicklungsverhältnisse des akademischen Unterrichtes. 
Rektoratsrede Leipzig. 

1883. Über das Auftreten der weissen Substanz in den Wurzelfasern 
am Rückenmark menschlicher P^mbryonen. Archiv für Anatomie 
und Physiologie. Anat. Abt. 1883. S. 163. 

1883. Besprechung von V. Hensen Physiologie der Zeugung. Archiv 
für Anthropologie. XIV. 257. 



— xxxm — 

1883. Leitfaden für die Präparanten der anatomischen Anstalt in Leipzig - . 
Herausgegeben von W. Braune und W. His. Leipzig, Veit u. Co. 

1854. Die Anfänge unseres körperlichen Daseins. Korrespondenzblatt 
für Schweizer Arzte. Jahrgang XIV. 

1884. Biographische Notiz über Fr. IV. T/ieile in den nach dessen Tod 
herausgegebenen „Gewichtsbestimmungen zur Entwicklung des 
Muskelsystems und des Skelettes beim Menschen". Nova Acta 
der K. Leopold. Akademie. Bd. XLVI Nr. 3. 

1S85. Der Ductus thyreoglossus und die Aortenspindel. Briefl. Mitteil. 
an A. Kölliker. Sitzungsbericht der Würzburger Phys. med. 
Gesellsch. April 1SS5. 

1855. Zur Geschichte des anatomischen Unterrichts in Basel. Festschrift 
zur Eröffnung des Vesalianums etc. Leipzig, Veit u. Co. 

1SS5. Anatomie menschlicher Embryonen. III. Zur Geschichte der Organe. 
Leipzig. F. C. W. Vogel. Mit Atlas in Folio. 

1885. Christoph Theodor Aeby. Nekrolog. Korrespondenzblatt für 
Schweizer Arzte. Jahrgang XV. 

1885. Vogelschnabel und Säugetierlippe. In Fortschritte der Medizin 
herausgegeben von Friedländer. Bd. III. Nr. 15. 

1856. Zur Entwicklungsgeschichte des menschlichen Halses. Vortrag 
in der anthropolog. Gesellsch. zu Leipzig. Abgedruckt im Korre- 
spondenzblatt der Gesellsch. für Anthropologie. Jahrgang XVII. 
Nr. 3 und 4 und in Betz „Memorabili en" 1SS6. Heft 4. 

1886. Beiträge zur Anatomie des menschlichen Herzens. (Festschrift für 
Prof. F. Miescher-His). Leipzig. F. C. W. Vogel. 

1886. Über den Sinus praecervicalis und über die Thymusanlage (nebst 
Nachtrag). Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 
1886. S. 421. 

1886. Die Retromandibularbucht. Anat. Anzeiger, Jahrgang I. S. 22. 

1886. Die Entwicklung der zoologischen Station in Neapel und das 
wachsende Bedürfnis nach wissenschaftlichen Zentralanstalten. 
Vortrag in der allgem. Sitzung der Versammlung Deutscher Natur- 
forscher und Arzte in Berlin. 

1886. Zur Geschichte des menschlichen Rückenmarkes und der Nerven- 
wurzeln. Abhandlungen der k. sächsischen Gesellsch. der Wissensch. 
math. phys. Kl. Bd. XIII Nr. VI. 

1886. Über embryonale Ganglienzellen. Sitzber. der k. sächsischen 
Gesellsch. der Wissensch. 1SS6. S. 290. 

1886. Über die Entstehung und Ausbreitung der Nervenfasern. Ver- 
handlungen der Versammlung deutscher Naturforscher und .Arzte 
Berlin. Siehe auch Anat. Anzeiger. Bd. 1. (1SS6) S. 2S4. 

1887. Zur Bildungsgeschichte der Lungen beim menschlichen Embryo. 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. S. S9. 

3 



— XXXIV — 

1887. Über das Photographieren von Schnittreihen. Archiv für Anatomie 
und Physiologie. Anat. Abt. S. 174. 

Die Entwicklung - der ersten Nervenbahnen beim menschlichen 
Embryo. Übersichtl. Darstellung. Ebenda. S. 36S. 

15 5". Die morphologische Betrachtung der Kopfnerven. Ebenda. S. 379. 

1887. Formation des voies du système nerveux. Archive des sciences 
phys. et natur. Xr. 11. 

1888. Über die Methoden der plastischen Rekonstruktion und über deren 
Bedeutung für Anatomie und Entwicklungsgeschichte. Anat An- 
zeiger, Jahrgang II. Xr. 12. S. 3S2. 

Über die embryonale Entwicklung der Nervenbahnen. Verhand- 
lungen der anat. Gesellsch. Zweite Versammlung in Würzburg. 
Anat. Anzeiger, Jahrgang III. Nr. 17. S. 499. 
1888. On the Principles of Animal Morphology. Letter to Mr. John 
Murray. Proceedings of the Royal Society of Edinburgh. Vol. XV. 
Dasselbe in deutscher Übersetzung in der naturwissenschaftl. 
Rundschau. Jahrgang IV. Nr. 38. 

1888. Zur Geschichte des Gehirns, sowie der zentralen und peripherischen 
Nervenbahnen beim menschlichen Embryo. Abhandlungen der 
k. sächsischen Gesellschaft der Wissensch. math. phys. Kl. Bd. XIV. 
Nr. VII. 

1889. Ein Brief von Prof. W. His betreffend Prof. v. Preuschens 
blasenförmige Allantois beim Menschen. Anat. Anzeiger. Jahr- 
gang TV. S. 17. 

1889. Die Neuroblasten und deren Entstehung im embryonalen Mark. 

Abhandlungen der k. sächsischen Gesellsch. der Wissensch. Bd. XV. 

Nr. 4 wieder abgedruckt in Archiv für Anatomie und Physiologie. 

Anat. Abt. 18S9. S. 249. 
1889. Eröffnungsrede zur dritten Versammlung der anat. Gesellschaft in 

Berlin (über Nomenklatur . Verhandlungen der Anat. Gesellsch. 

Dritte Versammlung in Berlin. Jena. G. Fischer. S. 2. 
1SS9. Schlundspalten und Thymusanlage. Archiv für Anatomie und 

Physiologie. Anat. Abt. S. 155. 
1889. Über das menschliche Ohrläppchen und über den aus einer Ver- 

bildung desselben entnommenen Sc/i in idi sehen Beweis für die 

Übertragbarkeit erworbener Eigenschaften. Korrespondenzblatt 

der deutschen Gesellsch. für Anthropologie. XX. Nr. 3. 
1889. Zur Anatomie des Ohrläppchens. Archiv für Anatomie und Physio- 
logie. Anat. Abt. S. 301. 
18S9. Die Formentwicklung des menschlichen Vorderhirns vom Ende 

des 1. bis zum Beginn des 3. Monats. Abhandlungen der k. 

sächsischen Gesellsch. der Wissensch. math.- phys. Kl. Bd. XV. 

Nr. VIII. 



— XXXV — 

1889. Über die Entwicklung des Riechlappens und des Riechganglions 
und über diejenige des verlängerten Markes. Verhandlungen der 
Anat. Versammlung Berlin. 

1890. Bemerkungen über die ärztliche Vorprüfung vom Standpunkte 
des anatomischen Unterrichts. Anat. Anzeiger, Jahrgang V. S. 614. 

1S90. Der Kongress für internationale Medizin in Kopenhagen (1S84) 

und die damalige Wahl Washingtons als Versammlungsort. (Als 

Manuskript gedruckt.) 
1890. Bemerkung zu dem Aufsatz von Swiecicki. (Ohrläppchenfissuren). 

Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. S. 300. 
1890. Histogenèse und Zusammenhang der Nervenelemente. Referat 

in der anat. Sektion des intern. -mediz. Kongresses in Berlin. 

Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. Suppl. Bd. 

S. 95. 

1890. Die Entwicklung des menschlichen Rautenhirns vom Ende des 
1. bis zum Beginn des 3. Monats. Abhandlungen der k. sächsi- 
schen Gesellsch. der Wissensch. math. phys. Kl. Bd. XVII. Nr. I. 

1891. Versuche über die Lymphwege des Auges von Karl Merian •]-. 
Herausgegeben von W. His. Archiv für Anatomie und Physiologie. 
Anat. Abt S. 108. 

1891. Über Verwertung der Photographie zu Zwecken wissenschaftlicher 
Forschung. Anat. Anzeiger, Jahrgang VI. S. 25. 

1891. Zur Frage der Längsverwachsung von Wirbeltierembryonen. 
Verhandlungen der anat. Gesellsch. auf der 5. Vers, zu München. 
Anat. Anzeiger. Jena, Fischer. S. 70. 

1891. Der Traktus thyreoglossus und seine Beziehungen zum Zungen- 
bein. Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1891. 
S. 26. 

1891. Schriftstücke betreffend die Gesellschaft deutscher Naturforscher 
und Ärzte. 

1. Denkschrift über die Statuten der Gesellschaft deutscher Natur- 
forscher und Ärzte neben einem Entwurf neuer Statuten. 

2. Zweiter Bericht an den Vorstand der Gesellschaft deutscher 
Naturforscher und Ärzte betreffend die Statutenfrage. 

3. Vorstandsbericht an die Mitglieder der Gesellschaft betreffs einer 
Revision der Statuten und den Entwurt einer Geschäftsordnung. 

4. Dritter Bericht an den Vorstand und 

5. Statuten der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. 
Entwurf des Vorstandes etc. 

1891. Offene Fragen der pathologischen Embryologie. Internationale 
Beiträge zur wissenschaftl. Medizin. Festschrift für Rud. Virchow. 
Bd. .1. Berlin. Hirschwald. 

1892. Der mikrophotographische Apparat der Leipziger Anatomie. 4°, 
Leipzig, F. C. W. Vogel. 



— XXXVI — 

_ Zur allgemeinen Morphologie des Gehirns. Archiv für Anatomie 

und Physiologie. Anat. Abt. S. 346. 
1S92. Eröffnungsrede bei der 6. Versammlung der anat. Gesellschaft 

in Wien f Allgemeine Hirnmorphologie). Verhandlungen der anat. 

Gesellsch. auf der 6. Versammlung in Wien. Anat. Anzeiger. 
1S92. Zur Erinnerung an Wilhelm Braune. Archiv für Anatomie und 

Physiologie. Anat. Abt. S. 231. 
1S92. Le Développement de la physiognomie de l'homme et des animaux. 

Compt. Rend. 75 sess. Sociét. helvét. sc. nat. Basel. 

1892. Die Entwicklung der menschlichen und tierischen Physiognomien. 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. S. 3S4. 

1592. Zur Xomenldatur des Gehirns und Rückenmarks. Archiv für 
Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. 1892. S. 425. 

1893. Vorschläge zur Einteilung des Gehirns. Ebenda. S. 197. 

1593. Über das frontale Ende des Gehirnrohres. Ebenda. S. 172. 

1893. Über den Aufbau unseres Xervensystems. Vortrag in der allge- 
meinen Versammlung der Gesellschaft deutscher Xaturforscher 
und Arzte in Xürnberg. Verhandl. der Gesellsch. Bd. I. Wieder 
abgedruckt in der Berliner Klinischen Wochenschrift 1S93. Xr. 40. 

1593. Über das frontale Ende und die natürliche Einteilung des Gehirn- 
rohres. Verhandlungen der anat. Versammlung Göttingen. Anat. 
Anzeiger 1893. 

1894. Über die Vorstufen der Gehirn- und Kopfbildung bei Wirbeltieren. 
Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. S. 313. 

1894. Sonderung und Charakteristik der Entwicklungsstufen junger 
Selachierembryonen. Archiv für Anatomie und Physiologie. Anat. 
Abt. S. 337. 

1594. Über mechanische Grundvorgänge tierischer Formenbildungen. 
Z':e::^L S. 1. 

Besprechung eines jüngeren menschlichen Embryo. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Arzte in Wien. 
1894. Über die Verwachsung von Selachierkeimen, besonders über die 
Untersuchungen von Urmund und Primitivstreifen. Ebenda. 

1894. Über die frühesten Stufen der Gehirnbildung bei Wirbeltieren. 
Akten des 11. Internat. Mediz. Kongr. Rom. 

Über die Charaktere sympathischer Zellen. Anat. Anzeiger. 9. Bd. 

S. 772. 

Über die wissenschaftliche Wertung veröffentlichter Modelle. Anat. 

Anzeiger. Bd. X. S. 35S. 

Bemerkungen zu Prof. Altmauus Aufsatz über Mikrologie. Archiv 

für Anatomie und Physiologie. Anat. Abt. S. 235. 

1895. C. Ludwig. Anat. Anzeiger, Bd. X. S. 591. 

Carl Ludwig und Karl T/iiersch. Akademische Gedächtnisrede 
im Auftrage der mediz. Fakultät in Leipzig. Leipzig, F. C. W. Vogel. 



— XXXVII — 

1895. Zum Gedächtnis an Carl Ludwig. Rede im Auftrag der k. 
sächsischen Gesellsch. der Wissensch. gehalten in der öffentlichen 
Leibnitzsitzung am 14. Nov. 1895. Berichte der math. phys. 
Klasse der k. sächsischen Gesellsch. der Wissensch. 

1895. Die anatomische Nomenklatur. Nomina anatomica. Eingeleitet 
und im Einverständnis mit dem Redaktionsausschuss erläutert von 
W. His. Leipzig, Veit & Co. 

1895. Neue Gehirnmodelle von F. J. Steger. Verhandlungen der Anat. 
Gesellsch. auf der 9. Versammlung in Basel. Jena, Fischer. S. 104. 

1895. Johann Sebastian Bach. Forschungen über dessen Grabstätte, 
Gebeine und Antlitz. Bericht an den Rat der Stadt Leipzig im 
Auftrage einer Kommission erstattet. 4°. Leipzig, F. C. W. Vogel. 

1895. Anatomische Forschungen über Johann Sebastian Bachs Ge- 
beine und Antlitz, nebst Bemerkungen über dessen Bilder. Ab- 
handlungen der k. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 
math. phys. Klasse. Bd. XXII. Nr. 5. 

1895. Diskussionsbemerkung zu Retterer: Sur l'origine des folliculles du 
tube digestif. Verhandlungen der anat. Versammlung Basel. 
Anat. Anzeiger. 

1896. Herr Burt Wilder und die anatomische Nomenklatur. Anat. 
Anzeiger, Bd. XII. S. 446. 

1897. Die Histochemischen und physiologischen Arbeiten von Friedrich 
Miescher, gesammelt und herausgegeben von seinen Freunden. 
2 Bände. Leipzig, F. C. W. Vogel. 

1897. Les Travaux scientifiques du professeur F. Miescher. Bibliothèque 
Universelle. Archives des sciences physiques et naturelles. 102 me 
Année 4 m e Periode t. IV. Genève. 

1897. Über den Keimhof oder Periblast der Selachier. Archiv für Ana- 
tomie und Physiologie. Anat. Abt. S. 1. 

1897. Adress upon the development of the brain. Transactions of the 
Royal Academy of Médecine in Ireland 1897. 

1897. Die Umschliessung der menschlichen Frucht während der früheren 
Zeiten der Schwangerschaft. Archiv für Anatomie und Physiologie. 
Anat. Abt. S. 399. 

1897. Zur Geschichte der Gefrierschnitte. Schreiben an den Herausgeber. 
Anat. Anzeiger Bd. XIII. S. 331. 

1898. Über Zellen und Syncytienbildung. Studien am Salmonidenkeim. 
Abhandlungen der k. sächsischen Gesellsch. der Wissensch. math.- 
phys. Kl. Bd. XXIV. Nr. V. 

1898. Referat über: Rüfimeyer. Gesammelte kleinere Schriften. Korre- 
spondenz d. deutschen Anthrop. Gesellsch. 

1899. Über Elastizität und elastisches Gewebe. Anat. Anzeiger. Bd. XV. 
S. 360. 



— XXXVIII — 

1899. Protoplasmastudien am Salmonidenkeim. Abhandlungen der k. säch- 
sischen Gesellsch. der Wissensch. math. phys. Kl. Bd. XXV. Nr. III. 

1899. Demonstration anatomischer Diapositive. Verhandlungen der anat. 
Gesellschaft auf der 13. Versammlung in Tübingen. Anat. Anz. 
Jena, Fischer. S. 3S. 

1899. Diskussionsbemerkung zuW. Flemming: Über Zellstrukturen. Ebenda. 

1899. A la mémoire de Xavier Bichat. Im Jubelband der Société de 
Biologie in Paris. 

1900. Über die sogenannte Amitose. Verhandlungen der anat. Gesellsch. 
auf der 14. Versammlung in Berlin. Anat. Anz. Jena, Fischer. 

1900. Über Syncytien, Epithelien und Endothelien. Verhandlungen der 
Versammlung deutscher Naturforscher und Arzte in Aachen. 

1900. Richard Altmann f. Anat. Anzeiger, Bd. XVIII. S. 589. 

1900. Lecithoblast und Angioblast. Abhandlungen der k. sächsischen 
Gesellsch. der Wissensch. math. phys. Kl. Bd. XXVI. Nr. IV. 

1900. Développement de la substance grise de l'écorce cérébrale. XIII. 
Congrès international de Médecine. Paris 1900. Compte rendu 
de la Section d'Histologie et d'Embryologie. S. 36. 

1901. Das Prinzip der organbildenden Keimbezirke und die Verwandt- 
schaften der Gewebe. Archiv für Anatomie und Physiologie. 
Anat. Abt. S. 307 ff. 

1901. Antrag der Königl. sächs. Gesellschaft der Wissenschaften auf 
Bestellung einer Fachkommission für menschliche und tierische 
Entwicklungsgeschichte und für Anatomie des Gehirns, vorgelegt 
der internationalen Association der Akademien in Paris. Berichte 
der k. sächsischen Gesellsch. der Wissensch. Bd. 53, März 1901. 

1901. Über wissenschaftliche Zentralanstalten und speziell über Zentralan- 
stalten zur Förderung der Gehirnkenntnis. Berichte der k. sächsischen 
Gesellsch der Wissensch. Bd. 53. S. 413 ff. Sitzung vom 1. Juli. 

1901. Beobachtungen zur Geschichte der Nasen- und Gaumenbildung 
beim menschlichen Embryo. Abhandlungen der k. sächsischen 
Gesellsch. der Wissensch. zu Leipzig. Bd. XXVII. Nr. III. 

1902. Die Bildung d. Somatopleura und die Gefässe beim Hühnchen. 
Anat. Anzeiger. Bd. 21. S. 319. 

1902. Zur Vorgeschichte des deutschen Kartells und der internationalen 
Association der Akademien. Berichte der k. sächsischen Gesellsch. 
der Wissensch. math. phys. Kl. Sonderheft 1902. 

1903. Bericht an die k. sächsische Gesellschaft der Wissenschaften über 
die am 5. Juni 1903 in London abgehaltene Sitzung der von der 
internationalen Association der Akademien niedergesetzten Kom- 
mission zur Gehirnerforschung, erstattet von den Delegierten Paul 
Flechsig und Wilhelm His. Berichte der k. sächsischen Ge- 
sellsch. der Wissensch. math. phys. Kl. zu Leipzig. Sitzung vom 
8. Juni 1903. 



— XXXIX — 

1903. Die Zeit in der Entwickelung der Organismen. Verhandlungen 
der Naturforschenden Gesellschaft in Basel. Bd. XVI. 

1903. Wiederabdruck des Programmes vom Jahr 1865 über Häute und 
Höhlen des Körpers. Archiv für Anatomie und Physiologie. 
Anat. Abt. S. 369. 

1903. Studien an gehärteten Leichen über Form und Lagerung des 
menschlichen Magens. Mit Tafeln. Archiv für Anatomie und 
Physiologie. Anat. Abt. S. 345 ff. 

1904. Antrag der von der internationalen Association der Akademien 
niedergesetzten Kommission für Gehirnforschung (der General- 
versammlung der Association in London zum 25. Mai vorgelegt). 
Leipzig, Teubner. 

1904. Protokolle der von der internationalen Association der Akademien 
niedergesetzten Zentralkommission für Gehirnforschung. Bericht 
der k. sächsischen Gesellsch. der Wissensch. math. phys. Kl. 
Sitzung vom 11. Januar 1904. 

1904. Die Entwicklung des menschlichen Gehirns während des ersten 
Monats. Untersuchungsergebnisse. Mit 115 Abbildungen im Text. 
8°. Leipzig, S. Hirzel. 



Zu diesen zahlreichen Publikationen kommt noch die Herausgabe 
des Archives für Anatomie und Physiologie und zwar von dessen Ana- 
tomischer Abteilung. Bald nach dem Antritt des Lehramtes in Leipzig 
gründete Wilhelm His eine „Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungs- 
geschichte". Der erste Band erschien im Jahre 1876 bei Veit & Comp, 
in Leipzig, herausgegeben von His und Braune. Der zweite Band 
wurde 1S77 veröffentlicht. Aber noch in dem nämlichen Jahre wurde 
die Zeitschrift auf den Vorschlag von Du Bois-Reymond mit dem 
Archiv für Anatomie und Physiologie vereinigt, welches das von Reil, 
Reit und Autennet/i, J. F. Meckel, Joh. Müller, Reichert und Du 
Bois-Reymond herausgegebene Archiv fortsetzte. Dieses Archiv mit 
seiner alten und berühmten Tradition wurde den Anforderungen der 
Zeit entsprechend in zwei Abteilungen getrennt: in eine Abteilung 
für die Physiologie und eine solche für die Anatomie. Diese anatomische 
Abteilung haben dann im weiteren Verlauf der Jahre die Herren His 
und Braune herausgegeben. Später, nach Braunes Ableben 1892 
wurde die anatomische Abteilung von His allein redigiert bis zum Ende 
des Jahres 1903. 

Es sind im ganzen 29 Bände mit zahlreichen Tafeln und Abbildungen 
erschienen. In diesen Bänden des Archives haben sowohl viele Forscher 
des In- und Auslandes ihre Arbeiten niedergelegt, als auch Wilhelm His 
selbst, wie dies an mehreren Stellen aus dem Schriftenverzeichnis her- 
vorgeht. 



— XL — 

Neben den literarischen Arbeiten von Wilhelm His verdienen die 
schon erwähnten Unterrichtsmodelle noch besondere Erwähnung'. 

Von anatomischen Modellen erschienen bei F. J. Steger in Leipzig 
jene bekannten in Gips hergestellten und bemalten Modelle zum Situs 
viscerum, wofür His eine besondere Methode der Leichenhärtung ange- 
wendet hat. Die Anmerkungen über die Form und Lage der Leber, 
des Pankreas, der Nieren und Nebennieren (siehe das Literaturverzeichnis 
187S S. 454) lehren ganz neue Beziehungen dieser Organe zu einander. 
Das anatomische Institut in Leipzig hat ferner unter der Anregung von 
W. His Herrn Steger seit mehr als 20 Jahren reiche Gelegenheit ge- 
boten, noch andere wertvolle Modelle als Lehrmittel herzustellen u. a. 
Gehirnmodelle, die His auf dem Anatomenkongress in Basel mit einigen 
Worten vorgelegt hat (Literatur-Verzeichnis 1895), dann Modelle über 
die Lage der Beckenorgane bei der Frau, über das Zwerchfell, über 
die Muskulatur des Dammes u. s. w. bis herauf in die jüngste Zeit als 
unter Anwendung des Formalins eine Reihe von Abgüssen entstanden, 
welche die Lage des Magens in einem neuen Lichte erscheinen lassen 
(siehe His, das Literaturverzeichnis 1903. S. 462). 

Was die embryologischen Unterrichtsmodelle des Prof. W. His be- 
trifft, so beruhen sie entweder auf der von ihm erfundenen oder auf der 
von Born abgeänderten Rekonstruktionsmethode. Die Modelle wurden 
zumeist in dem rühmlichst bekannten Atelier für wissenschaftliche Plastik 
von Friedrich Ziegler in Freibürg i. Br. hergestellt. Es existieren 
mehrere Serien. Die älteste stellt die Entwicklung des Hühnchens dar in 
12 Modellen. Diese Serie stammt aus den Jahren 1867 und 1868. Eine 
Serie von 14 Modellen behandelt die Entwicklungsgeschichte des Lachses. 
Sie entstand ebenfalls um dieselbe Zeit noch in Basel. 

In Leipzig folgte 1885 eine Serie von 12 Modellen über die 
Entwicklung des Herzens; eine reiche Serie von 16 Modellen um- 
fasst die Anatomie menschlicher Embryonen und eine letzte mit 8 Mo- 
dellen ist der Entwicklung des menschlichen Gehirns gewidmet. 

Alle diese Modelle sind, abgesehen davon, dass sie ein Unterrichts- 
material von unschätzbarem Wert darstellen, ebenso gut wissenschaft- 
liche Urkunden für His' eigene Arbeiten, wie irgend eine literarische 
Abhandlung. Sie geben in ihrer plastischen Form Einzelheiten wieder, 
deren Schilderung in Worten oft kaum erreichbar ist. Es dürfte wenig 
Anatomen vergönnt gewesen sein, in so breiter und lehrreicher Weise 
dem akademischen Unterricht zu nützen, wie dem Begründer der Ana- 
tomie menschlicher Embryonen : Wilhelm His. 



XLI — 



M. le Chanoine R. Horner, 

Professeur à l'Université et au Collège de Fribourg. 
1842—1904. l ) 



Le 24 mars dernier, les nombreux amis de M. le 
professeur R. Horner apprenaient avec stupéfaction qu'il 
venait de mourir. Beaucoup en effet ignoraient que 
leur ami avait voulu inaugurer ses vacances de Pâques 
par un court séjour dans la clinique de M. le D 1 ' Clément 
qui devait lui faire subir une petite opération chirurgi- 
cale conseillée par la prudence. L'opération se fit sans 
incident, mais bientôt apparurent des symptômes alar- 
mants de paralysie intestinale qu'un traitement énergique 
et tout le dévoûment de deux médecins, anciens élèves 
du patient, n'arrivèrent pas à conjurer. 

M. Raphaël Horner est né le 27 mars 1842, à Essert, 
petit village du district de la Sarine, au dessus du 
Moûret, où il suivit les classes de l'école primaire. Il 
commença ses études classiques chez deux vénérables 
prêtres du canton, il les continua pendant deux ans 
au collège des Jésuites de Dole pour les terminer, à 
partir de 1857, au collège de Fribourg. 

C'est à Fribourg aussi qu'il fit ses études théo- 
logiques et qu'il fut ordonné prêtre en 1866. Avant 
d'entrer dans le ministère, M^ r Mermillod l'appela pour 
quelques semaines à Genève, comme collaborateur de la 
célèbre «Correspondance de Genève« qui devait servir 
de lien entre les catholiques de tous les pays. La 
même année, M^ r Marilley, lui confia la paroisse d'Echar- 



*) D'après la Liberté et le Bulletin pédagogique. 



— XLII — 

lens, dans la Basse-Gruyère, il y fut aimé et apprécié 
de tous malgré le court séjour qu'il y fit. En 1869, 
il fut en effet appelé au poste d'aumônier et de pro- 
fesseur à l'école normale de Hauterive où il trouva sa 
voie de pédagogue et d'éducateur en devenant bientôt 
l'âme de cet établissement destiné à la formation des 
instituteurs fribourgeois. Il y passa treize ans et par 
la pratique et l'expérience de tous les jours, il prépara 
la rénovation des méthodes d'enseignement primaire 
dans le canton de Fribourg. 

En 1882, le Conseil d'Etat le nomma aux fonctions 
de recteur du collège cantonal dont il se démit en 1888 
pour prendre la chaire d'histoire dans le même établisse- 
ment tout en continuant à s'occuper de pédagogie. 
Pendant vingt-six ans rédacteur du Bulletin pédagogique, 
organe de la Société fribourgeoise d? Education, M. Horner 
y développa ses idées, stigmatisant la routine, l'abus 
des récitations verbales, l'enseignement défectueux de 
la grammaire et de l'analyse et persuadant les plus 
réfractaires de la nécessité de l'enseignement intuitif. 

Pendant son séjour à £ Ecole normale, M. Horner 
s'occupa de trois choses à côté de son enseignement: 
la méthodologie de l'enseignement primaire, la publi- 
cation du syllabaire d'après la méthode analytico-syn- 
thétique et l'élaboration du livre de lecture, unifiant 
l'enseignement de la langue maternelle, de l'histoire, de 
la géographie, de l'instruction civique et même des 
notions élémentaires des sciences physiques et naturelles. 

La méthode analytico- synthétique de lecture a 
obtenu les suffrages d'hommes compétents de la Suisse 
romande et de l'étranger. Le livre unique, en usage 
dans notre canton, a suscité des oppositions tenaces que les 
résultats de l'expérience ne trouvent pas irréductibles. 

Nous ne pouvons entrer ici dans plus de détails 
sur la carrière pédagogique de notre regretté collègue, 
nous ajouterons seulement que dès la fondation de l'Uni- 



— xLiir — 

versité, il fut appelé à 'enseigner sa branche favorite 
aux élèves de la faculté des lettres. 

A coté de ses travaux professionnels M. Horner 
faisait partie de plusieurs commissions et de nombreuses 
sociétés parmi lesquelles nous ne citerons que le club 
alpin et la société des sciences naturelles ; partout il 
n'avait que des sympathies. Il aimait profondément 
ses concitoyens et son pays. Sa récréation favorite 
était les voyages ; mais après deux ou trois semaines 
employées à parcourir les pays étrangers, c'était sa 
Suisse toujours qu'il recommençait à visiter. Il la con- 
naissait bien pour en avoir parcouru à pied, le bâton 
d'alpiniste à la main, les sites les plus enchanteurs. Les 
beautés de nos alpes éveillaient en lui de jeunes enthou- 
siasmes. Les pentes gazonnées de nos montagnes fri- 
bourgeoises, la poésie du troupeau et du chalet, la 
petite fleur du rocher, le glacier et le chant des sources, 
la cabane du club alpin avaient pour lui des attraits 
toujours nouveaux et il n'était jamais plus heureux que 
lorsqu'il faisait partager ses jouissances à d'autres. 
Membre zélé de la section du Aloléson, il en était sou- 
vent l'aumônier le dimanche de bonne heure, avant les 
courses et c'est à elle qu'il a voulu laisser sa petite 
chapelle portative. 

Sans avoir fait des sciences naturelles son occu- 
pation principale, il les aimait et depuis vingt-cinq ans, 
soit depuis son arrivée à Fribourg, il faisait partie de la 
Société fribourgeoise des sciences naturelles. Il assistait 
fréquemment à nos séances, nous faisant part de ses 
petites observations ou nous communiquant des travaux 
lus par lui et qui avaient pu échapper à d'autres. Il 
faisait partie de la Société Jielvétiqtce depuis 1890 et 
plusieurs de nos collègues se souviendront sans doute 
de l'avoir vu plusieurs fois pendant nos sessions an- 
nuelles. Dans ce même domaine, ajoutons qu'il fut un 
des fondateurs du «Monde de la science et de P industrie» 



— XLIV — 

et en dirigea la rédaction à l'origine. M. le prof. Horner 
a donné une dernière preuve de son attachement à son 
canton et à ses nouvelles institutions scientifiques en 
disposant de sa modeste fortune en faveur de notre 
jeune université et il est mort, estimé de tous, au mo- 
ment où il venait d'entrer en fonctions comme chanoine 
de la collégiale de St-Nicolas, poste qui ne devait 
heureusement en priver ni le collège, ni l'université de 

Fribourg. 

Prof. M. Musy. 



Travaux de M. le prof, R, Horner. 

1. Abrégé d'histoire suisse et de géographie moderne 1S74. Imp. cath. 
Fribourg-. 

2. Guide pratique de l'instituteur: Notions de méthodologie, 1S82. 
Poussielgue. Paris. 

3. Syllabaire illustré par un ami de l'enfance. Livre du maître et de 
l'élève. 18S6. Payot, Lausanne. 

4. Tableaux muraux en rapport avec le syllabaire illustré. 

5. Pourquoi une chaire de pédagogie à l'Université de Fribourg. 1889. 
Imp. cath. Fribourg. 

6. L'enseignement de l'histoire et de la géographie dans les collèges, 
1895. Libr. de l'Université. Fribourg. 

7. Quelques directions pour l'enseignement du latin et du grec; 1895, 
Poussielgue. Paris. 

J. Livre de lecture pour les écoles primaires du canton de Fribourg- 
Degré inférieur, moyen et supérieur de 1889 à 1899. Benziger. 
Einsiedeln. 

9. L'enseignement des sciences dans les collèges, 1895. Imp. cath. 
Fribourg. 

10. Sommaire d'un cours de pédagogie sur l'enseignement du cathé 
chisme à l'école primaire, 1S96. Imp. cath. Fribourg. 

11. L'enseignement des langues vivantes dans les collèges, 1896. Imp. 
cath. Fribourg. 

12. Traduction anglaise du précédent. — The teaching of modem 
languages in schools and collèges, by Holmes, 1903. England, 
Paisley, Alexander Gardner. 

13. L'enseignement de la langue maternelle au collège, 1903. Imp. cath. 
Fribourg. 



— XLV 



Dr. phil. Max Käch. 

1875—1904. 



Dr. Max Käch wurde am 22. Jan. 1875 in Entlebuch 
geboren. Er besuchte, nach der Uebersiedelung seiner 
Eltern nach Basel, die dortige Realschule und verliess 
dieselbe mit dem Zeugnis der Reife im Herbst 1894. 
Auf den Universitäten Basel und Strassburg i. E. studierte 
er Naturwissenschaften, speziell Mineralogie und Geologie. 
Im Herbst 1899 wurde ihm von der Universität Basel 
der Preis für die Lösung einer Preisaufgabe der philo- 
sophischen Fakultät zuerkannt. Diese Arbeit, eine Unter- 
suchung der Porphyre zwischen Lago maggiore und Val 
Sesia in Oberitalien , reichte er als Dissertation ein 
und bestand im Sommer 1900 das philosophische Doktor- 
examen. Während drei Jahren war Dr. Käch Assistent, 
teils am geologischen Institut der Universität, teils an 
der geologischen Abteilung des Museums in Basel. Zu 
Beginn des Jahres 1904 erhielt er den Ruf nach Para, 
der sein Verhängnis werden sollte. Er zog in die 
Fremde, um seinen wissenschaftlichen Beruf zu erfüllen, 
als brasilianischer Staatsgeologe und als Chef der geo- 
logischen und mineralogischen Abteilung des staatlichen 
Museums in Para (Brasilien), das nach seinem Gründer 
und Leiter, unserm Landsmanne Prof. Dr. Göldi ^Museu 
Goeldi* heisst. 

Drei Jahre lang nach dem formellen Abschluss seiner 
Studien durch das Doktor-Examen widmete Dr. Käch 
in Basel sich unausgesetzt seiner wissenschaftlichen Arbeit. 
Er vollendete seine Dissertation, dieselbe vollständig 
umgestaltend und zu einer stattlichen Broschüre erwei- 



— XLVI — 

ternd, die in den Eclogae geologicae Helvetiae er- 
schienen ist. Privatim und offiziell beteiligte er sich 
am mineralogischen Unterricht an der Universität ; die 
Gesteinssammlung des Museums ordnete und sichtete er 
in vorzüglicher Weise. Für die „Wirtschaftskunde der 
Schweiz" von Dr. T. Geering und Dr. Rud. Hotz schrieb 
Käch das Kapitel: „Der Bau der Schweiz und ihre 
mineralischen Rohprodukte". Er untersuchte die Erz- 
lagerstätten des Wallis und sammelte im Auftrag der 
schweizerischen geotechnischen Kommission das Material 
zu einer übersichtlichen Darstellung der Mineralwasser- 
quellen und Thermen der Schweiz. Mehrere andere 
seiner Arbeiten sind unvollendet geblieben, von Para 
sollten die Manuskripte uns zugesandt werden. 

Dr. Käch arbeitete nicht rasch und leicht, aber mit 
grosser Sachkenntnis, Ruhe und Umsicht. Für alle 
Disziplinen seiner Wissenschaft hegte er reges Interesse 
und er verfügte über eine ausgedehnte Kenntnis der 
Literatur, die uns allen zu statten kam. Zum Eintritt 
in das Lehrfach hatte Käch keine Neigung, er hoffte, 
da leider im Vaterlande die Betätigung in seiner Wissen- 
schaft ihm schwerlich Brot und Stellung verschaffen 
konnte, gleich einer Anzahl seiner Kollegen und Alters- 
genossen, im Auslande ein lohnendes Feld für seine 
Tätigkeit zu finden. Da kam der Ruf an das Museum 
nach Para, wo unter der Direktion des Hrn. Prof. Dr. Göldi 
seit Jahren zwei andere Schweizer, ebenfalls Schüler 
der Universität Basel, Dr. Huber als Botaniker und Dr. 
Hagmann, der Freund Kächs, als Zoologe, erfolgreich 
tätig sind. 

Dr. Käch kannte die Gefahren, die an der Mün- 
dung des Amazonas unter dem Aequator den Europäer 
bedrohen, ist doch im Herbst 1899, ebenfalls von Basel 
aus, Dr. K. v. Kraatz als Geologe nach Para gezogen 
und im Mai 1900 dort dem Fieber erlegen. Doch trübe 
Ahnungen, die, wie uns schien, ihn wohl beschlichen 



— XLVII — 

haben mögen, kämpfte er tapfer nieder und folgte der 
Pflicht, die der von ihm gewählte Beruf ihm auferlegte. 
Wir sahen, wie Dr. Käch freudig auflebte, als ob er 
mit seiner Ernennung in Para ein lang ersehntes Ziel 
endlich erreicht hätte ; mit neuem Mut und Eifer 
arbeitete er an der Vollendung seiner in Angriff ge- 
nommenen Untersuchungen. Zu gleicher Zeit als der 
Draht uns die schmerzliche Nachricht brachte, dass er 
am 22. Mai 1904 dem Gelbfieber erlegen sei, trafen 
Briefe von ihm ein, die Zeugnis von seinem Wohler- 
gehen, seiner Zufriedenheit und Schaffensfreudigkeit ab- 
legen; er kündigt die Fertigstellung von Publikationen 
an und spricht von seinen Plänen, baldigst eine Expe- 
dition zur Erforschung von Goldlagerstätten im Inneren 
zu unternehmen — nun ruht er in fremder Erde, seine 
Eltern und Geschwister und seine Freunde trauern um ihn. 

Prof. C. Schmidt. 



XLVin 



Verzeichnis der Publikationen von Dr. M. Käch. 

1. 1901. „Vorläufige Mitteilung über Untersuchungen in den 

Porphyrgebieten zwischen Luganersce und Val Sesia". 
Eclogae geologicae Helvetiae, Vol. VII. Nr. 2, Oktober 1901. 
pag. 129—135. 

2. 1901. Mikroskopische Untersuchung vpn Lössproben, siehe 

bei A. Gutzwiller: „Der Löss des Hohröderhübels und der 
Vwttenheimer Sandlöss". Bericht der 34. Vers. d. Oberrh. 
geol. Ver. in Diedenhofen am 10. April 1901, pag\ 5 — 6; 
sowie: „Zur Altersfrage des Löss" Verh. der Naturforschen- 
den Ges. in Basel, Bd. XIII, Heft 2, pag 2S1— 2S3. 

3. 1903. „Der Bau der Sclrweiz und ihre mineralischen Rohpro- 

dukte" mit Literaturnachweis. Kapitel II zu T. Geering 
und R. Hotz: Wirtschaftskunde der Schweiz. Zürich 1903 
pag-. 9—20 u. 154 — 155. 

4. 1903. Krystallographische Untersuchung von Chlordinitroanilin. 

siehe: Waldemar Zänker .Über ein neues Chlordinitrobenzol". 
Inaug.-Dissert. Basel 1903 pag. 15 u. 16. 

5. 1903. „Geologisch-petrographische Untersuchung des Porphyr- 

gebietes zwischen Lago Maggiore und Val Sesia." Eclogae 
geologicae Helvetiae, Vol. VIII Nr. 1 pag. 47 — 164. 

6. 1903. „Xotiz über einen neuen Fund von Fischschiefern im 

Flysch der Schweiz. Xordalpcn" . Zentralblatt für Minera- 
logie, Geologie und Paläontologie 1903, pag. 742 — 743. 

7. 1904. Die Verbreitung der erratischen Blöcke im Basler Jura 

von Karl Strübin in Pratteln u. Max Käch in Para f. 
Verhandl. d. Naturf. Ges. in Basel. Bd. XV, Heft 3. 



XLIX — 



5. 



Dr. August Kottmann. 

1846-1904. 



Am 4. Juli starb in Mammern, wo er sich zur 
Kräftigung seiner Gesundheit aufhielt, an einem Herz- 
schlag Dr. August Kottmann, Spitalarzt in Solothurn. 

Am 4. März 1846 wurde August Kottmann in Solo- 
thurn geboren. Sein Vater, Spitalarzt Dr. Karl Kott- 
mann und seine Mutter, eine Enkelin von Landammann 
und Bundesrat Joseph Munzinger, Hessen dem Knaben 
eine sorgfältige Erziehung zu teil werden. Seine Schul- 
bildung erhielt er in den städtischen Primarschulen und 
im Gymnasium und Lyceum der solothurnischen Kantons- 
schule. Schon als Schüler ragte er unter seinen Klassen- 
genossen durch seine geistigen Fähigkeiten hervor. 
Die allgemein bildenden Studien fanden durch die im 
Herbst 1865 wohlbestandene Maturitätsprüfung ihren 
Abschluss und im Berufsstudium folgte August Kott- 
mann seinem Vater und seinem Grossvater; er bildete 
sich zum Arzte aus. Von den acht Semestern, welche 
er dem medizinischen Universitätsstudium widmete, ver- 
brachte er sechs in Bern, wo hervorragende Lehrer, 
wie Lücke, Klebs, Munk, Aeby und andere mächtig 
auf den wissensdurstigen Jüngling einwirkten. Während 
zwei Semestern öffneten ihm die Universitäten Tübingen 
und Prag ihre Pforten. Im Mai 1869 erwarb sich der 
junge Mediziner in Bern die Doktorwürde summa cum 
laude und bestand bald nachher das Staatsexamen. Auch 
jetzt blieb er noch in Bern, wo er als Assistent der 
Professoren Munk, Lücke und Breisky seine medizini- 
schen Kenntnisse verwertete und erweiterte. Daneben 



— L - 

habilitierte sich Kottmann als Privatdozent an der Uni- 
versität. Eine längere Studienreise führte ihn sodann 
nach Wien, Berlin, London, Edinburgh Paris und Hol- 
land, wo er hauptsächlich die Spitäler und ihre Ein- 
richtungen eingehend studierte. 

Im Jahre 1S72 trat Dr. Karl Kottmann von der Lei- 
tung des Bürgerspitals in Solothurn zurück und die Bürger- 
gemeinde wählte durch Ruf den Sohn zu seinem Nachfolger. 

Im gleichen Jahre gründete Dr. August Kottmann ein 
Familienheim durch die Vermählung mit Fräulein Marie 
Osswald von Bern. Vier Söhne entsprossen der glücklichen 
Ehe, von denen zwei ihrem Vater im Berufe nachfolgten. 

Als Spitalarzt entwickelte Dr. August Kottmann 
eine ausserordentlich segensreiche Tätigkeit bis an sein 
Lebensende. Unermüdlich arbeitete er an der Ver- 
besserung der Spitaleinrichtung. Grosse Gewissenhaftig- 
keit, unermüdlicher Pflichteifer und ein mitfühlendes 
Herz für seine Kranken bildeten die Grundlagen seines 
Wirkens. Mit scharfer Beobachtungsgabe stellte er die 
Diagnosen und mit sicherer Hand führte er manche 
chirurgische Operation aus. Wie viele Mitmenschen 
verdanken ihm die Wiederherstellung ihrer Gesundheit 
und die Verlängerung des Lebens! Der gute Ruf des 
Bürgerspitals und seines tüchtigen Chefarztes drang bald 
in weitere und weitere Kreise. Die Zahl der Patienten 
wuchs von Jahr zu Jahr und ebenso die Zahl der aus- 
geführten Operationen und mancher junge Arzt war 
froh, als Assistent unter Kottmanns kundiger Leitung 
seine medizinischen Kenntnisse zu bereichern. 

Die grosse Privatpraxis, welche er neben seiner 
Spitaltätigkeit besass. führte ihn in manche Familie und 
an manches Krankenlager, und überall wirkte er durch 
sein mildes, freundliches und doch dabei bestimmtes Auf- 
treten vertrauenerweckend und beruhigend auf die Pa- 
tienten. Er verstand es eben nicht bloss, die Leiden des 
Körpers, sondern auch diejenigen der Seele zu lindern und 



■ — LI — 

zu heilen. Jüngere Kollegen zogen in schwierigen Fällen 
oft den erfahrenen Meister zur Konsultation herbei. 

Dass ein Mann von der Tat- und Geisteskraft Kottmanns 
auch ins öffentliche Leben hereingezogen wurde, ist selbst- 
verständlich. Die Stadt Solothurn beanspruchte seine 
Dienste als Mitglied der Gesundheits- und der Schul- 
kommission. Das Sanitätskollegium des Kantons Solo- 
thurn schätzte ihn als hervorragendes Mitglied und als 
Mitglied des Kantonsrates nahm er auch am politischen 
Leben aktiven Anteil. Seit 1874 gehörte er der eid- 
genössischen Medizinalprüfungskommission in Bern an. 

Dr. Kottmann war ein geistreicher und gewandter 
Redner und flocht gerne packenden Humor in den Fluss 
der Rede ein. So war er sicher, dass er in den zahl- 
reichen Vorträgen, welche er an den ärztlichen Ver- 
einigungen in der solothurnischen und in der schwei- 
zerischen naturforschenden Gesellschaft und in der 
Töpfergesellschaft hielt, stets ein zahlreiches und dank- 
bares Publikum vor sich hatte. Den Stoff zu seinen Vor- 
trägen schöpfte er meistens aus seiner reichen beruflichen 
Erfahrung und seinen wissenschaftlichen Forschungen. 

Ebenso gewandt wie in der Rede war Kottmann 
im schriftlichen Ausdruck ; er führte eine elegante Feder 
und mit Spannung wurden seine Reisebeschreibungen, 
welche in der Tagespresse erschienen, gelesen. Wissen- 
schaftliche Abhandlungen veröffentlichte er im Korre- 
spondenzblatt für Schweizerärzte. Dieselben sind*) : 

1872 Fall von Ostitis der Rippen und Brustwirbel. 

Fall von primären Carcinoma hepatis bei einem neunjährigen Mädchen. 

1874 (Nr. 9) Auszug- aus dem Bericht über die chirurgische Abteilung 
des Bürgerspitales von Solothurn im Jahre 1873. 

1875 Fremdkörper in der Blase einer Frau. 
Fremdkörper in der Vagina.' 

1876 Bursitis subdeltoidea. 

Fall von Ruptur des Duodenums. 
Condurango bei Carcinomen. 



*) Nach Mitteilungen von Dr. Kurt Kottmann. 



LU 



1877 Zur Behandlung- der offenen Knochenbrüche. 

1878 Die Sehnennaht an der Hand. 
1882 Beiträge zur Gebärmutterchirurgie. 

1889 Über einen Fall von Phlegmone des Armes. 

1891 Über den Shock und seine Behandlung. 

1888 Über die Bildung von Giften im menschlichen Organismus. Vortrag 
gehalten an der Jahres-Versammlung der Schweiz, naturf. Gesell- 
schaft in Solothurn und gedruckt in den „Verhandlungen von Solo- 
thurn", 1S88. S. 173 — 198. 

Verschiedene andere, oben nicht angeführte Ab- 
handlungen hielt Dr. Kottmann im Verein jüngerer Arzte 
der Kantone Bern und Solothurn, dessen langjähriger 
Präsident er war. Referate darüber finden sich im 
Korrespondenzblatt für Schweizer Arzte. Eine sehr be- 
achtenswerte Arbeit lieferte Dr. Kottmann in seiner 
Inauguraldissertation: Die Symptome der Leukämie.*) 

Die Götter haben dem Verstorbenen aber nicht 
bloss hervorragende Geistesgaben, sondern auch einen 
feinen Sinn für Musik und Kunst in die Wiege gelegt. 
Er liebte und übte in hohem Masse das Violinspiel und 
hatte es darin zu einer grossen Gewandtheit gebracht. 
Im Familien- und in Gesellschaftskreisen Hess er nament- 
lich in früheren Jahren gerne sein seelenvolles Geigen- 
spiel ertönen, fand er doch im edlen Musikgenuss eine 
Erholung von den Anstrengungen, seines Berufes. 

Die letzten Lebensjahre wurden ihm getrübt durch ein 
Herzleiden, das sich mehr und mehr steigerte und welches 
ihm dann auch allzufrüh den Lebensfaden jäh abschnitt. 

„Wer aber durch die Kraft des Geistes oder die 
Wärme des Gemütes über seinesgleichen so hervorragte, 
dass er nach Jahren noch mit Liebe und Bewunderung 
genannt wird, der hat im eigentlichen Sinne des Wortes 
die Kunst verstanden, das menschliche Leben zu ver- 
längern." Mit diesen Worten hat Kottmann einen in 
der Töpfergesellschaft gehaltenen Vortrag über „Die 



*) Erschienen bei Jent und Reinert. Bern 1871. 



— Lin - 

Kunst, das Leben zu verlängern" geschlossen. Diese 
Worte finden so recht eigentlich auf ihn selbst An- 
wendung. Noch lange werden in der Stadt und im 
Kanton Solothurn und auch in weiteren Kreisen viele 
Herzen in Liebe und Dankbarkeit seiner gedenken. Vielen 
hat er eine bleibende Lücke hinterlassen. j. Enz, Rektor. 



— LIV 



6. 



Carl Friedrich von Liliencron. 

1834—1904. 



Carl Friedrich von Liliencron wurde in Glückstadt 
am 13. Juli 1834 geboren als Sohn eines schleswig-hol- 
steinischen Offiziers. Er widmete sich dem Apotheker- 
Beruf, machte seine Lehre in Flensburg und beendete 
seine Studien in München und Leipzig. Im Jahre 1859 
kam er in die Schweiz nach Vevey und ein Jahr später 
nach Schaffhausen, wo er das schweizerische Staats- 
examen absolvierte und das Bürgerrecht erwarb. Der 
als Freiherr geborene Neuschweizer fand sich in unsern 
demokratischen Einrichtungen gut zurecht; er machte 
auch mit Eifer den Militärdienst mit und brachte es bis 
zum Rang eines Hauptmanns. Sein Beruf und seine 
Liebe zu den Naturwissenschaften brachte ihn in nahe 
Berührung mit deren Lehrer am Gymnasium, Prof. Dr. 
Merklein, sowie mit den auf verschiedenen naturge- 
schichtlichen Gebieten tätigen Ärzten Stierlin, von Man- 
dach, Joos u. a. Er ward Mitglied der kantonalen natur- 
forschenden Gesellschaft und besonders eifriges Vor- 
standsmitglied des naturhistorischen Museums. 1864 
wurde er in die Schweizerische Naturforschende Ge- 
sellschaft aufgenommen. Publiziert hat er nichts. — Im 
Verlaufe gab er seine Apotheke auf und suchte seine 
vielseitigen Kenntnisse im Weinbau und in der rationellen 
Behandlung unserer Weine zu verwerten, doch nicht 
mit dem verdienten Erfolg; man weiss, was bei uns das 
Ausbleiben guter Jahrgänge in der Weinproduktion be- 
deutet. So kehrte er wieder zum Berufe zurück und 



— LV — 

siedelte zudem Ende 1880 nach Zürich und 1898 nach 
Rheinfelden über, wo er am 28. September 1904 starb. 
Seit 1865 war er mit Fräulein Emma Ringk von Wilden- 
berg vermählt; die Witwe, ein Sohn und zwei Töchter 
überleben ihn. 

Die ihn gekannt, werden dem edelgesinnten, men- 
schenfreundlichen Herrn, dem Wohlzutun und Mitzuteilen 
Bedürfnis und Freude war, ein gutes Andenken bewahren. 

Dr. C. H. Vogler. 



LVI 



7. 



Auguste Mayor. 

1815—1904. 



Le 22 avril 1904 s'est éteint à Neuchàtel le membre 
actif le plus âgé de la Société neuchàteloise, M. Auguste 
Mayor, que la vieillesse empêchait depuis longtemps d'as- 
sister aux réunions. 

Né en 1815 à Xeuchàtel, où il fit ses premières 
études et son apprentissage de commerce dans la banque 
Antoine Fornachon, dont son père était l'associé, il eut 
de bonne heure un goût prononcé pour les sciences 
naturelles enseignées avec éclat dans sa ville natale, 
depuis 1832, par son cousin-germain Louis Agassiz. 

En 1836, il part pour l'Amérique et entreprend à 
New York un commerce lucratif d'horlogerie qui le con- 
duit à la fortune. Aussi, en 1S47, lorsque le professeur 
Agassiz arriva en Amérique, chargé par le roi de 
Prusse, Frédéric-Guillaume IV, d'une mission scientifique, 
A. Mayor, par sa connaissance parfaite de l'anglais et 
ses relations dans le pays, lui fut-il d'une grande utilité. 
Ils restèrent unis par les liens d'une tendre affection 
lorsque Agassiz fut définitivement attaché à l'Univer- 
sité Harvard à Cambridge près Boston. Ces rapports 
continuels avec un savant, dont la réputation allait tou- 
jours en grandissant, et qui était l'objet d'universelles 
sympathies, n'étaient pas de nature à diminuer l'attrait 
qu'avaient pour A. Mayor les sciences naturelles, et il 
applaudissait avec un intérêt passionné aux succès et 
aux découvertes de son cousin. 

De retour en Europe en 1856, un de ses premiers 
soins fut de se faire inscrire en 1S57 dans la Société 



— LVII — 

neuchàteloise des sciences naturelles, à laquelle il faisait 
part des travaux les plus remarquables de son cousin, 
en particulier de ses voyages d'exploration et de ses 
draguages dans les deux Océans qui entourent l'Amé- 
rique. Il se fit recevoir membre de la Société helvé- 
tique des sciences naturelles en 1883. 

Un fait montrera à quel point existait en lui le 
eulte de son illustre parent, dont la mort en 1873 fut 
pour lui un coup extrêmement sensible. Pour répondre 
au vœu de la famille du défunt d'ériger sur sa tombe 
un monument rappelant ses premiers travaux, il entre- 
prit d'extraire, à force de bras et de peine, de la mo- 
raine médiane du glacier de l'Aar un fragment volu- 
mineux du bloc de schiste micacé, bien connu sous le 
nom devenu légendaire d'Hôtel des Neuchâtelois, qui 
abrita Agassiz et ses compagnons dans leurs premiers 
séjours, et le fit parvenir en Amérique. Entouré de 
sapins provenant de la forêt de Pierrabot, ce bloc des 
Alpes suisses protège le dernier sommeil de celui qui 
fut le principal fondateur de la Société neuchàteloise 
des sciences naturelles. 

La veuve d'Agassiz, née Cary, sa seconde femme, 
une Américaine aussi distinguée par le cœur que par 
l'intelligence, écrivit la biographie de son. mari et la 
publia en deux volumes. Mais tous ceux qui auraient 
désiré lire ce beau livre ne savaient pas l'anglais et il 
demeurait fermé aux nombreux amis, anciens élèves et 
admirateurs d'Agassiz. C'est alors que A. Mayor, mal- 
gré ses 70 ans, résolut de le traduire en français, et 
rendit ainsi un important service à la science, car peu 
de lectures sont aussi attachantes, documentées et instruc- 
tives. Cette traduction a paru en 1887 à Neuchâtel, en 
un fort volume édité par M. A. -G. Berthoud, libraire, 
et magnifiquement imprimé par H. Wolfrath et Cie. 

Dès lors il ne cessa de s'intéresser aux travaux du 
fils de son cousin, M. Alexandre Agassiz, qui employait 



— LVIII — 

les loisirs que lui faisait l'exploitation de ses riches mines 
de cuivre natif, du Lac Supérieur, à l'étude des coraux 
et madrépores répandus sur notre globe. Cette étude 
avait passionné son père, dont les idées sur la forma- 
tion des îles à coraux étaient en désaccord avec celles 
des naturalistes Dana et Darwin et, en fils dévoué, il 
cherchait à les faire triompher. Dans ce but, il entre- 
prit l'exploration minutieuse de tous les groupes d'îles 
à coraux et des atolls du Pacifique et de l'Océan indien, 
avec sondages et draguages pour surprendre la vie ani- 
male dans les grandes profondeurs. Ces recherches, 
poursuivies pendant plus de trente ans, l'entraînèrent 
dans de longues croisières de plusieurs mois, au cours 
desquelles il adressait à M. Mayor des lettres contenant 
le résumé des observations faites, non seulement par 
lui, mais par les jeunes naturalistes dont il aimait à s'en- 
tourer, chacun étant chargé d'une spécialité en rapport 
avec ses goûts et ses aptitudes. La Société neuchâteloise 
avait sa part de ces communications, que M. Mayor 
s'empressait de traduire et ses membres étaient ainsi 
tenus au courant de ce qui se faisait dans ce domaine 
de la science, où s'est distingué un autre naturaliste 
neuchâtelois, le comte François de Pourtalès. 

Agé de 87 ans, A. Mayor traduisait encore avec 
enthousiasme un discours que venait de prononcer à 
l'Université Harvard M. Alexandre Agassiz, continuateur 
de l'œuvre de son père comme directeur du grand 
Musée de zoologie comparée, qui porte son nom. Dans 
ce discours, l'orateur fait l'histoire de la fondation, par 
son père, de ce vaste établissement, et de ses dévelop- 
pements successifs dus au zèle des naturalistes nationaux, 
aux largesses des autorités et aux dons de citoyens 
généreux, parmi lesquels il cite 86000 instituteurs de 
17 Etats de l'Union, qui ont transmis environ 50000 frs. 
et, chose à noter, 1233 mineurs de plusieurs exploitations 
métallurgiques. 



— LIX — 

Je ne puis finir cette notice sans rappeler les 
aimables qualités de A. Mayor, son gracieux accueil,, 
son infatigable complaisance, sa générosité discrète, son 
amour du bien et de tout progrès intellectuel. 

Ls. Favre f , professeur. 



LX — 



Prof. Dr. Viktor Merz. 

1839-1904. 



In stiller Zurückgezogenheit ist am 25. Mai 1904 
Viktor Merz, von 1870 — 1893 Professor der Chemie an 
der Universität Zürich, infolge eines Schlaganfalls, plötz- 
lich aus dem Leben geschieden. Ein hervorragender Ge- 
lehrter hat damit seine Laufbahn abgeschlossen und 
ein edler Mensch ist einem kleinen Kreise von Ver- 
wandten und Freunden und zahlreichen dankbaren 
Schülern entrissen worden. 

V. Merz wurde am 13. Dezember 1839 in Odessa 
geboren, als Sohn schweizerischer Eltern. Der Vater 
war von Herisau, im Kanton Appenzell, die Mutter ent- 
stammte einer seit den Hugenottenverfolgungen in Genf 
ansässigen Familie Phillibert. Merz hatte zwei ihn über- 
lebende Geschwister, einen Bruder und eine Schwester. 

Der Knabe verbrachte die Jugendzeit im elterlichen 
Hause, in dem an die Krim grenzenden Taurien, am 
Azowschen Meere. Der Vater war als Kaufmann nach 
Südrussland gekommen, hatte sich aber, infolge der 
damaligen günstigen Verhältnisse, dem landwirtschaft- 
lichen Grossbetriebe zugewandt. 

Merz wuchs somit auf dem Lande und zwar in 
einer Umgebung auf, wo in den vierziger Jahren die 
Steppen, sowohl in Bezug auf Fauna und Präriewachs- 
tum, als auch in Bezug auf Urwüchsigkeit der Menschen 
und Verschiedenheit der Typen, noch ein volles und an- 
regendes Bild boten. Die Zeit seiner Jugend in Russ- 
land war für Merz eine glückliche, und sehr oft hat er 
in späteren Jahren in kleinerem Kreise mit warmer An- 




D* VIKTOR MERZ 

1839 — 1904 
Professor der Chemie an der Universität Zürich 

von 1870 — 1893. 



— LXI — 

hänglichkeit die düstere Schönheit der Steppe, mit ihren 
unabsehbaren Flächen und dem leuchtenden Sonnen- 
untergange, und die tollen Ritte durch die endlosen 
Wiesen auf der Jagd nach Trappen und anderem Wild, 
lebhaft geschildert. Er erinnerte dabei auch oft an ein 
Bombardement, das im Krimkrieg die vereinigte fran- 
zösisch-englische Flotte auf die Grasschober und die 
Niederlassungen seines Vaters am Azowschen Meere 
gerichtet hatte. 

Der erste Unterricht wurde V. Merz, den Verhält- 
nissen entsprechend, im väterlichen Hause erteilt und 
zwar durch Herrn Bürgi,*) einen Zürcher, der Merz auch 
begleitete, als er im Jahre 1852 nach Zürich übersiedelte, 
um in die Kantonsschule einzutreten. 

Nachdem Fr. Bürgi Zürich verlassen hatte, kam 
Merz zu einem Freunde seines Vaters, Herrn Regierungs- 
rat Grunholzer, bei dem er bis zum Frühjahr 1858 blieb 
und in dessen Familie er wie ein eigener Sohn auf- 
genommen wurde. Auf den Wunsch seines Vaters wandte 
er sich zunächst dem Handelsfache zu; doch ergab 
sich hierbei bald, schreibt er selbst in einem Curriculum 
vitae, dass diese Richtung nur wenig mit seinen Nei- 
gungen übereinstimmte, weshalb er davon zurücktrat und 
den Naturwissenschaften ein eifriges Studium widmete. 
Wie das noch vorhandene Zeugnis der Kantonsschule 
zeigt, war Merz ein fleissiger und begabter Schüler, 
denn er erreichte in den meisten Fächern, im besonderen 
auch in den Sprachen, die besten Noten. Neben dem 
Französischen hatte Merz das Englische als Fremdsprache 
betrieben, so dass er die Schule mit der Kenntnis von 
vier Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch und 



*) Bürgi studierte in Zürich bei Prof. Städeler Chemie und dann 
in Freiberg- (Sachsen) Bergingenieur, verwaltete hiernach für ein Kölner- 
haus reiche Silberminen in Mexiko und vermittelte als preussischer 
Konsul den Vertrag zwischen dem Präsidenten Juarez und dem Ge- 
neral Bazaine. 



— LXII — 

Russisch, verHess, denn mit dem Russischen war er 
schon im väterlichen Hause, durch den Umgang mit 
Spielgenossen und Dienstboten, vertraut geworden. 

Erst im vorletzten Jahre seiner Schulzeit scheint 
sich Merz, vielleicht unter dem Einfluss des ausgezeich- 
neten Unterrichts von E. Schweizer, für das Studium 
der Chemie entschlossen zu haben, wie folgender Ver- 
merk auf seinem Abgangszeugnis der oberen Industrie- 
schule andeutet: „V. Merz hat den ganzen Unterrichts- 
kurs der oberen Industrieschule absolviert. Er arbeitete 
im ersten Jahre in der kaufmännischen Richtung, ging 
dann aber zur chemischen Richtung über und erhält 
für letztere als Maturitätszeugnis die Note I." 

Nach Erlangung der Maturität verliess er im Oktober 
1857 die Kantonsschule und trat ins Polytechnikum ein, 
wo er neben theoretischer auch technische Chemie hörte 
und in den Laboratorien von Prof. Dr. Städeler und 
Prof. Dr. Bolley von Herbst 1858 bis Ostern 1860 ar- 
beitete. Über diese Zeit berichtet Merz: „Mein Eifer 
für die Naturwissenschaft wandte sich, als ich im Jahre 
1857 an das Polytechnikum überging, angeregt durch 
die Vorlesungen und das wohlwollende Entgegenkommen 
meines hochverehrten Lehrers, Herrn Prof. Städeler, mit 
besonderer Vorliebe der Chemie zu und namentlich 
war es der rein wissenschaftliche Teil dieses Faches, 
welcher mich mehr und mehr anzog." 

Um einer solchen Richtung- am zweckmässigsten 
folgen zu können, trat er im Sommer 1860 an die Uni- 
versität über und betrieb seine Studien unter der Leitung 
von Städeler bis Ende des Sommersemesters 1861. Im 
Herbst 1861 wandte er sich nach München, wo er 
während zwei Semestern naturwissenschaftlichen Studien 
oblag. Neben Chemie bei Liebig hörte er Physik und 
Kosmologie bei Jolly, Zoologie bei v. Siebold, Allge- 
meine Botanik bei Nägeli und Trigonometrie bei Hierl. 
Von den Vorlesungen von Liebig sagt Merz im Lebens- 



— LXIII — 

lauf, den er bei der Promotion verfasste, dass sie ihm 
stets in lebhafter Erinnerung bleiben werden. Im Herbst 
1862 kehrte er nach Zürich zurück und arbeitete da- 
selbst im Laboratorium von Städeler seine Dissertation 
aus. In ihrer Sitzung vom S.Juni 1864 erteilte ihm die 
philosophische Fakultät, II. Sektion, der Universität 
Zürich, auf Grund, der unter dem Titel: „Untersuchungen 
über das Titan, Silicium und Boron" eingereichten Dis- 
sertation, die Doktorwürde. 

Im Jahre 185S, nach der Übersiedelung von Grun- 
holzer nach Uster (Kt. Zürich), also im zweiten Semester 
seiner Hochschulstudien , hatte sich Merz selbständig 
eingerichtet. Über Merz als Student sind uns keine 
Einzelheiten bekannt geworden ; nach allem zu schliessen, 
scheint er nur mit wenigen Studierenden verkehrt zu 
haben. Erst mit seiner Habilitation und seinem Eintritt 
in das Laboratorium von Johannes Wislicenus, im Jahre 
1866, trat Merz, infolge seiner wissenschaftlichen Tätig- 
keit, so in den Vordergrund, dass wir Genaueres über 
ihn erfahren konnten. Die Persönlichkeit von Merz zur 
Zeit seiner Probevorlesung an der Universität Zürich, 
die am 10. Februar 1866 erfolgte, schildert einer seiner 
späteren Freunde folgendermassen : 

Den Chemikern in dem von Wislicenus creleiteten 

o 

Universitätslaboratorium II war Merz nur wenig be- 
kannt geworden ; man wusste nur, dass er ganz einsam 
dem Studium lebe, und man war deshalb nicht über- 
rascht, als im Aufzuge der philosophischen Fakultät 
(IL Sektion) ein zwar frisch und kräftig, aber etwas 
schüchtern aussehender junger Mann erschien, dem man 
ansah, dass ihm im Laboratoriumsrock oder im bequemen 
Hauswams unendlich wohler war, als im schwarzen 
Gehrock. 

Als Thema hatte er die Alkohole gewählt und er 
gab eine, besonders für damals sehr anziehende Ver- 
gleichung und Gegenüberstellung der ein- und mehr- 



— LXIV — 

wertigen Alkohole. Ira Fakultätsprotokoll findet sich 
über die Probevorlesung folgender Passus : Nach An- 
hörung der Probevorlesung des Herrn Dr. Viktor Merz 
pro venia legendi sprachen in der Sitzung die Herren 
Professoren Städeler und Wislicenus sich dahin aus. 
dass die Probevorlesung in Form und Inhalt als be- 
friedigend zu erklären sei, mit Rücksicht auf die Rede- 
weise wünschbar sei, dass Herr Dr. Merz weniger rasch 
spräche, um besser verstanden zu werden, dies jedoch 
selbstverständlich eine Sache der Zukunft sei. 

Dass sein erstes angekündigtes Kolleg über r Chemie 
des täglichen Lebens" starke Anziehung ausgeübt habe, 
ist zu bezweifeln und Merz blieb deshalb den unter 
J. Wislicenus studierenden Chemikern vorderhand noch 
ein Fremder. Deshalb war die Überraschung auch 
eine grosse, als nach einiger Zeit J. Wislicenus mit ihm 
im Laboratorium erschien und ihn als zukünftigen Haus- 
und Laboratoriumsgenossen vorstellte. Das hatte fol- 
gende L'rsache : Städeler, der Ordinarius für Chemie 
an der Universität Zürich, dem Merz als Schüler treu 
ergeben war, hatte ihn bei der Habilitation dadurch in 
nicht geringe Verlegenheit gebracht, dass er ihm ver- 
sicherte, eine Probevorlesung würde ihm erspart bleiben, 
was aber nicht der Fall war. so dass Merz für dieselbe 
in allerkürzester Frist ein Thema auswählen und aus- 
arbeiten musste. Dadurch fühlte er sich gekränkt und 
trotzdem er Städeler, sowohl als Lehrer wie auch als 
Forscher, stets in grossen Ehren hielt, entschloss er sich 
doch, in das Wislicenussche Laboratorium, in dem die 
neuere chemische Richtung gepflegt wurde, überzutreten. 

Dieser Übertritt ins neuere chemische Lager konnte 
übrigens nur eine Frage der Zeit sein, denn es zeigte 
sich sehr bald, dass Merz ein ebenso überzeugter als 
eifriger Anhänger der neuen chemischen Theorien war. 
die damals immer kräftiger gegen die noch herrschende 
dualistische Anschauung und die Äquivalentformen 
anstürmten. 



— LXV — 

Platz war allerdings in dem alten, einst von Löwig 
erbauten Universitätslaboratorium II in der Kantons- 
schule wenig vorhanden. Eine mächtige Kapelle im 
Inneren des Saales verschlang einen grossen Teil der 
besten Plätze der oberen Räumlichkeiten und nur im 
Souterrain konnten noch einige unterirdische Plätze ein- 
gerichtet werden. Das war aber gerade nach dem 
Wunsche von Merz. Hier konnte er frei und ungestört 
arbeiten, unbelästigt von jüngeren Praktikanten, und 
unabhängig von Zeit und Raum. Seine erste Aufgabe: 
Überführung der Benzolsulfosäure in Benzoesäure, durch 
Ersetzung der Sulfogruppe durch die Carboxylgruppe, 
war durchaus originell. In einer festen verschraub- 
baren Kupferröhre erhitzte er im Schiessofen, bei immer 
mehr gesteigerten Temperaturen (wobei es ihm auf 
Schonung der Thermometer nur wenig ankam) das 
innige Gemisch der beiden Na-Salze und hatte den Er- 
folg, zwar die Entstehung von viel Glaubersalz, aber 
von nur sehr wenig Benzoesäure zu konstatieren. 

Durch seine Tätigkeit im Laboratorium, sein prakti- 
sches und energisches Arbeiten und durch seine mit 
Erfolg gekrönten Untersuchungen gelang es Merz sehr 
bald, den Verdacht, nur ein Stubengelehrter zu sein, 
von sich abzuschütteln, und bald sah man sich auch 
gezwungen, sein grosses Wissen, seinen Geist und seine 
originellen Ideen zu bewundern. Auch im gesellschaft- 
lichen Verkehr, der in einem chemischen Laboratorium, 
besonders in einem solchen der alten Art, früher ent- 
stehen und sich notwendigerweise intimer gestalten 
musste, als in anderen akademischen Räumen, zeigte 
sich bald, dass der scheue einsame Gelehrte ein durch- 
aus liebenswürdiger, der Freundschaft bedürftiger und 
der Freundschaft würdiger Nachbar war. Je mehr man 
ihn kennen lernte, um so mehr lernte man ihn schätzen 
und lieben. In diesen Laboratoriumsräumen wurde Merz 
auch mit demjenigen bekannt, der ihm im Leben in 

5 



— LXVI — 

Freundschaft am nächsten gestanden hat, nämlich mit 
W. Weith von Homburg a. d. Höhe, der sich im Herbst 
1866 ebenfalls für Chemie an der Universität Zürich 
habilitierte. 

In der „chemischen Harmonika", einer zwanglosen 
Vereinigung älterer Praktikanten, die sich unter dem 
Vorsitz von J. Wislicenus allwöchentlich zur Besprechung 
neuer Erscheinungen auf dem Gebiete der Chemie ver- 
sammelte, chemische Fragen stellte und beantwortete 
und Vorträge und Referate über die verschiedenen Ge- 
biete der Chemie (unorganische, analytische, technische 
Chemie, Fettkörper, aromatische etc.) entgegennahm, 
war Merz der Referent für das Gebiet der aromatischen 
Körper, und hier, sowie in seinem Kolleg über aromati- 
sche Verbindungen zeigte er, wie umfassend und gründ- 
lich er sich dieses durch Kekulé mit so grossem Reiz 
ausgestattete Gebiet zu eigen gemacht hatte. Das La- 
boratorium von Wislicenus war damals entschieden mehr 
„fett" als „aromatisch" angelegt; Merz brachte den 
Wendepunkt, indem er mit seinen Arbeiten und Vor- 
trägen das Interesse an diesem neuen Gebiet weckte. 

Namentlich war es Weith, der sich mit dem ganzen 
Feuer seiner lebhaften Natur den von. Merz neu ge- 
steckten Arbeitszielen anschloss, mit ihm die Arbeits- 
pläne besprach und sich endlich mit ihm zu gemein- 
samen Arbeiten verband. Daraus entsprang der Freund- 
schaftsbund der beiden Forscher Merz und Weith, die 
mit ihren Arbeiten so viel zur Entwicklung der neueren 
chemischen Wissenschaft beigetragen haben und mit 
Altmeister J. Wislicenus den von Löwig begründeten 
Ruf des Zürcher Universitätslaboratoriums in glänzender 
Weise weiter entwickelten. 

Diese fröhliche Zeit, reich an wissenschaftlichen 
Erfolgen, an emsiger Arbeit, diese Zeit frisch und leb- 
haft pulsierenden Lebens ist gewiss als der Höhepunkt 
in der Entwicklung von Merz zu bezeichnen, und es 



— LXVII — 

ist zu bedauern, dass ihm diese glückliche Zeit nicht 
länger beschieden ward. 

Nur allzufrüh für Merz musste Weith, der fröhliche 
Arbeitsgenosse und treue Freund ins Grab sinken. Merz 
war, als Weith im Jahre 1884 auf Ajaccio starb, ge- 
troffen wie ein Witwer, der seine geliebte Lebens- 
gefährtin verloren hat. Wie hatte er sich an das aus- 
gleichende, vermittelnde und anfeuernde Wort seines 
Freundes gewöhnt, wie fehlte ihm der edle Freund bei 
jeder Gelegenheit. Noch nach Jahr und Tag, als ihn 
schwerer Kummer plagte und ihm die Freude an der 
Arbeit verdarb, klang es wehmütig von seinen Lippen : 
O wenn doch nur Weith noch da wäre, wie ginge 
alles so viel schöner, glatter und freundlicher ; es waren 
doch schöne Zeiten, die kommen nicht wieder! 

Ein Gefühl der Vereinsamung kam mehr und mehr 
über ihn und nur seine hohe Willenskraft und sein 
Pflichtgefühl hielten ihn aufrecht und Hessen ihn über 
viele Beschwerlichkeiten und Unannehmlichkeiten hin- 
wegsehen. Im Laboratorium, in seinen eigenen und 
seiner Schüler Arbeiten fand er noch einige Befriedigung, 
aber sonst hatte er nicht mehr viel von der Welt. Einsam 
machte er abends seinen kleinen Spaziergang in die 
schöne Umgebung und setzte sich einsam in der Nacht 
zu seinen Büchern. Es ist nicht mehr das Gleiche, 
konnte er klagen, wenn ihn einer der wenigen, im 
Lande oder in seiner Nähe gebliebenen alten Freunde 
besuchte. 

Bei einem dieser alten Freunde in Basel verlebte 
Merz, nachdem er 1893 seine Professur niedergelegt 
hatte, in emsiger Tätigkeit noch eine Reihe von Jahren, 
bis ihn zunehmende Kränklichkeit bewogen , in der 
stillen Häuslichkeit seines geliebten Bruders Heinrich 
in Lausanne einen ruhigen Lebensabend zu suchen. 
Seltener und spärlicher kam er noch nach Zürich, immer 
erfreut von den Reizen der schönen Limmatstadt und 



— Lxvm — 

erquickt vom Zusammensein mit einigen seiner alten 
Freunde. Sein unerwartet frühes, plötzliches Ende hat 
alle, die ihn kannten, in grosse Trauer versetzt. 

Merz war das Glück der akademischen Laufbahn 
günstig. Als J. Wislicenus im Jahre 1S70 seine Lehrkanzel 
an der Universität an die am Polytechnikum vertauschte, 
war der durch seine Arbeiten so rühmlichst bekannte 
Freund und Schüler desselben der gegebene Nachfolger. 
Am 24. März 1S70 wurde Merz als neugewählter Extra- 
ordinarius in die Fakultät aufgenommen. Als dann in dem- 
selben Jahre der Ordinarius für Chemie, Prof. Städeler, 
sein Amt niederlegte, wurde Merz dessen Nachfolger 
und hatte gleichzeitig die Freude, seinen Freund und 
Arbeitsgenossen Weith in die Extraordinariatsstelle be- 
fördert zu sehen.*) So unähnlich Merz und Weith in 
ihrem Naturell waren, um so fester und um so wertvoller 
für beide gestaltete sich ihr Freundschaftsverhältnis. 

Weith, der fröhliche, lebenslustige, von Geist und 
Witz übersprudelnde , überall gern gesehene Gesell- 
schafter, der mit raschem Blick die Verhältnisse über- 
blickte und durchschaute , mit schlagfertigem Wort 
überall zündend wirkte und durch grosse Beredsamkeit 
und Darstellungsgabe die Hörer begeisterte, wäre in- 
folge seiner Vielseitigkeit leicht geneigt gewesen, sich 
in allen Gebieten des menschlichen Denkens zu ver- 
lieren und sich zu ermüden, wenn er nicht eine Kor- 
rektur und Ergänzung gefunden hätte in dem durchaus 
verschieden angelegten Merz. 

V. Merz, zäh und ausdauernd, kaltblütig und ziel- 
bewusst, mit ausserordentlicher Arbeitslust und Arbeits- 



*; Die Anträge, welche die philosophische Fakultät II. Sektion 
unterm 31. Januar 1S71 an die h. Erziehungsbehörde richtete, lauteten: 
a) Es sei Herr Prof. extr. Merz zum ord. Professor der Chemie und 
Direktor des Laboratoriums zu befördern, b) Die dadurch in Erledigung 
kommende Stelle eines Prof. extr. sei dem Herrn Privatdozent Dr. Weith 
zu übertragen. 



— LXIX — 

kraft begabt, wusste den immer eifrigen und enthusiasti- 
schen Weith an strenge Arbeit zu fesseln und seine 
überreich sprudelnden kühnen Ideen kritisch zu sichten 
und auf dem Boden der Tatsachen zurückzuhalten. 

Merz andererseits wäre ein Einsiedler geworden 
oder geblieben, hätte ihm nicht Weith durch seine vielen 
Freunde manche nachher wert gewordene Bekanntschaft 
vermittelt. Früher einsilbig und wortkarg, erwärmte 
sich Merz mehr und mehr an seines Freundes munterem 
Wesen und an seinen köstlichen Spässen ; früher ver- 
schlossen und einsiedlerisch, schmolz nun seine kalte 
Zurückgezogenheit vor dem geselligen Treiben und 
machte einer fröhlichen Stimmung Platz, die ihn mehr 
und mehr auch anderen Bekannten zugänglich machte. 
Ja, in vertrautem kleinem Kreise konnte er dann auf- 
tauen und feurig werden, namentlich bei chemischen 
Kontroversen ; im besonderen konnte ihn ein lustiger 
chemischer Jargon, dem er selbst gern huldigte und 
dem er groteske Neuheiten einverleibte, oft recht fröh- 
lich stimmen. 

Da begann nun ein eifriges, zielbewusstes, ange- 
strengtes Arbeiten der beiden Freunde, vom Morgen 
bis spät am Abend, fast ohne Unterbrechung, ein Ar- 
beiten, dem Weith oft nur mit Überwindung körper- 
licher und geistiger Ermüdung, zu folgen vermochte. 
Merz kannte weder Hunger noch Ermüdung, und erst 
Weiths dringliche Vorstellungen brachten ihn dazu, im 
Laboratorium selbst ein kleines Mahl zu veranstalten. 
Schmackhafte Wurst aus Weiths hessischer Heimat und 
vom Abwart Rudi herbeigeschafftes Bier bildeten den 
frugalen Mittagstisch der beiden, die sich, in gutmütiger 
Parodie eines Ausspruchs von Wislicenus, „das bittere 
Brot des Privatdozenten" trefflich schmecken Hessen. 
Nie hat sich ein Freundschaftsbund zwischen zwei her- 
vorragenden Männern edler und uneigennütziger ge- 
staltet, als der von Merz und Weith, die neben und 



— LXX — 

miteinander ihre und ihrer Schüler Arbeiten förderten, 
jeder sich neidlos freuend über des anderen Erfolge und 
sich gegenseitig unterstützend und anfeuernd. Die ge- 
sellige und vermittelnde Natur Weiths machte es auch 
möglich, dass ein dritter Vertreter der chemischen Wis- 
senschaft. Viktor Meyer, im Freundschaftsbunde Platz 
fand. So lange Zürichs akademische Erinnerungen 
reichen, ist es wohl nicht vorgekommen, dass sich drei 
bedeutende Vertreter der gleichen Wissenschaft so har- 
monisch zusammenfanden und sich in enger Freundschaft 
anerkannten und förderten. Dieses schöne Verhältnis hat 
auch auf andere Kreise der Universität, des Polytechni- 
kums und der Xaturforschenden Gesellschaft gute und 
segensreiche Wirkung ausgeübt. 

Im steten Austausch mit dem in Wort und Schrift 
gewandten Weith ergänzte und vervollkommnete Merz 
auch seine eigene Ausdrucksweise und gewann an 
Leichtigkeit im Vortrag und Stil, immerhin nicht so, 
dass seinen Aufsätzen nicht eine eigentümlich gedrun- 
gene, knappe Form immer erhalten blieb. An einem 
bestimmten Ausdruck konnte Merz, wenn er ihm be- 
sonders charakteristisch erschien, oft mit einer Zähigr- 
keit festhalten, die seinen beweglicheren Freund in die 
hellste Verzweiflung bringen konnte, so dass Weith 
manchmal mit köstlichem Humor bemerkte, er möchte 
mit Merz lieber die ganze Arbeit noch einmal durch- 
führen, als die Abhandlung darüber verfassen. Diese 
Schwerbeweglichkeit im Stil von Merz hat auch Kolbe 
wiederholt veranlasst, Abhandlungen von Merz in seinen 
Blumenlesen in satyrischer Weise zu besprechen. Merz 
ging in seinem Berufe völlig auf; sein Leben war die 
Chemie, das Studium seine reinste Freude und die 
Wissenschaft, wie er sich oft ausdrückte, seine Braut. 
Auch während eines 1 Vs-jährigen L'rlaubs in Neapel 
hat er seine Studien nicht ausgesetzt, sondern sich 
nebenbei noch eingehend mit Mathematik beschäftigt^ 



— LXXI — 

und selbst in den letzten Jahren, als er sich zu seinem 
Bruder zurückgezogen hatte, arbeitete er, trotz aller 
Ermahnungen, den ganzen Tag bis tief in die Nacht 
hinein, kaum dass er sich Zeit für die Mahlzeiten und 
einen Spaziergang gönnte. Die Berichte der Deutschen 
Chemischen Gesellschaft in Berlin hat er bis Ende 1903 
gehalten, seither aber nicht mehr, — „es sei nicht mehr 
zu bewältigen für einen älteren Mann, so viel Neues 
komme immer auf". 

Seine freie Zeit widmete Merz, während er an der 
Universität Zürich wirkte, fast ausschliesslich den La- 
boratoriumsarbeiten. Eine einmal ins Auge gefasste 
Reaktion gab er nicht leicht auf. Mochten die experi- 
mentellen Schwierigkeiten noch so gross und die Aus- 
beuten noch so schlecht sein, alles und jedes wurde 
versucht, um zum angestrebten Ziele zu gelangen. Wie 
er selbst nur der Chemie lebte, so setzte er auch bei 
seinen Schülern als ganz selbstverständlich voraus, dass 
deren oberstes Interesse dieser Wissenschaft gelte. Im 
Umgange mit diesen war er voll Wohlwollen und Milde. 
In den Briefen seiner Schüler drückt sich allgemein eine 
grosse Dankbarkeit für die Mühe und die Güte aus, 
die er ihnen gewidmet. 

In den Vorlesungen liebte er es, die sie begleiten- 
den Experimente, die er nach Möglichkeit auf den 
Schluss verlegte, recht kräftig auszuführen. Da wurde 
weder mit Gerüchen noch mit Dämpfen gespart ! Bis- 
weilen sah man am Schlüsse der Vorlesung die Gestalt 
des Vortragenden nur noch undeutlich in dichten Nebel- 
schwaden. Er selbst war gegen Gerüche und Dünste 
gefeit; sie fochten ihn nicht an. Dagegen schien er seine 
stille Freude namentlich daran zu haben, wenn die 
Damen die Vorlesung etwas hustend verliessen \ Nach 
Beendigung der Laboratoriumsarbeit verbrachte er die 
Abende mit dem Studium chemischer Zeitschriften. 
Während der Arbeit waren die Bücher in seinem Ar- 



— LXXII — 

beitszimmer haufenweise aufgetürmt, sie bedeckten alle 
Möbel, die Stühle, das Sopha und den Fussboden ; nur 
schmale Gänge führten zur Tür und zu den Fenstern. 
Dabei hatte er ein fabelhaftes Gedächtnis. Nicht nur 
kannte er die Siede- und Schmelzpunkte fast aller 
einigermassen bekannten Körper auswendig, sondern er 
wusste auch, in welchem Band und auf welcher Seite im 
„Beilstein" oder in den „Berichten" darüber referiert 
worden war. 

Für das Studium der chemischen Literatur kamen 
ihm seine ausgedehnten Sprachkenntnisse sehr zu statten. 

Wie schon erwähnt, beherrschte er die französische, 
deutsche, russische und englische Sprache, und in Cala- 
brien, wohin seine Familie sich später wandte, erlernte er 
das Italienische. Alle diese Sprachen kultivierte er in ihren 
Literaturen noch sehr eifrig ; nur das Russische war ihm 
nicht mehr so recht geläufig. Immerhin machte es ihm 
im Laboratorium manchmal Spass, als Professor den 
zahlreichen russischen Studierenden sein Verständnis für 
ihre eifrigen, nicht immer bloss rein chemischen Ge- 
spräche durch einen eingeworfenen russischen Brocken 
zu bekunden. 

Merz war ein gerader und wahrheitsliebender Cha- 
rakter. Für ihn besass nur Wert, was zur Erkenntnis 
der Wahrheit dienen konnte. Deshalb waren ihm auch 
Intriguen und krumme Wege verhasst. W r o er diesen 
begegnete, zog er sich zurück. Er mied jeden Kampf, 
zu dem ihn sein friedfertiges und scheues Wesen auch 
ganz ungeeignet machten. Von seinem klösterlichen 
Leben her waren ihm manche Eigentümlichkeiten ge- 
blieben, die nach dem Tode von Weith noch mehr als 
früher hervortraten. Nichts war ihm mehr zuwider als 
auffallend zu sein ; am liebsten hätte er gegen die grosse 
Welt eine Tarnkappe aufgesetzt, und schrecklich war 
es ihm, öffentlich auftreten zu sollen. Um möglichst 
unauffällig durchs Leben zu wandeln, kleidete er sich 



— LXXIII — 

so einfach als möglich; „er möge nicht Stutzer sein", 
meinte er allen Ernstes. Seine Hosen kaufte er in 
grossem Vorrat in einem Kleidermagazin, seine baum- 
wollenen Schirme gleich dutzendweise auf der Jahr- 
messe. Diese baumwollenen Schirme boten ihm, wie er 
sich ausdrückte, einen doppelten Vorteil, denn sie 
wurden ihm nicht gestohlen, und wenn er sie als ver- 
gesslicher Professor stehen Hess, was ja häufig vorkam, 
so war nicht viel verloren. Einen alten Strohhut, den 
er einst bis zum Novemberschnee beharrlich getragen 
hatte, legte er erst beiseite, als ihm Weith freundschaft- 
lich mitteilte, dass den Kollegen „der akademische 
Strohhut" zu auffällig geworden sei, immerhin mit dem 
Proteste, dass es doch jedem unbenommen bleiben 
müsse, sich der herrschenden Mode zu unterziehen oder 
nicht. Da er in der Wahl seiner Kleidung gleichzeitig 
eine gewisse Unbeholfenheit zeigte, so war er, jedoch 
sicher nicht mit Absicht, stets originell gekleidet, aller- 
dings meist nach einer längst entschwundenen Mode. 
Und deshalb sah sich mancher auf der Strasse um und 
verfolgte mit den Blicken die auffällige Erscheinung 
des grossen, starken, breitschultrigen Mannes. 

Als recht charakteristisch für die köstliche Unbe- 
holfenheit, die Merz auch in Geldangelegenheiten zeigte, 
mag erwähnt werden, dass er am 22. September 1893, 
als er Zürich verliess, mit einem Rucksacke auf dem 
Bahnhof erschien. In diesem Rucksack hatte er seine 
Wertschriften eingepackt ! 

Auch Witz und Humor gingen Merz nicht ab, ob- 
schon er diese Eigenschaften nur selten hervortreten 
Hess. Die „grosse Schafstrasse" nannte er einen auf 
dem gefrorenen Zürichsee entstandenen Korso, weil es 
ihm sonderbar vorkam, dass die grosse Menge auf der 
spiegelglatten Fläche nur immer den einen Weg be- 
bevorzugte, den zu Anfang einige Leithammel eröffnet 
hatten. Sein gemütlicher Humor kam gelegentlich auch 



— LXXIV — 

den Studenten gegenüber zum Ausdruck. Als einige 
Doktoranden an einem heissen Sommernachmittag in 
den bekannten Kellerlaboratorien des Zürcher Universitäts- 
laboratoriums (Katakomben genannt) Skat spielten und 
er zufällig dazu kam, verbeugte er sich höflich und 
sagte freundlichst: Ich will die Herren in ihrem Kon- 
zilium nicht stören; guten Abend, meine Herren. 

Einem guten Tropfen war Merz nicht abgeneigt, 
dagegen genoss er massig und konnte tapfer auf die 
Unmässigkeit im Essen oder Trinken schelten, die nur 
dazu angetan sei, dem „Dampfkessel der menschlichen 
Maschine", dem Magen, zu schaden. Zum Ausgehen zu 
einem gemütlichen Abendtrunk wählte er am liebsten 
späte Stunden, in denen er nicht mehr fürchten musste, 
lärmende Gesellschaft zu finden, und Sonntags ging er 
aus Angst vor dem „Populus" gar nicht aus. In 
späteren Jahren sah man ihn häufig abends in der alten 
Tonhalle allein am Tische sitzen, vor sich einen Cognac 
mit Siphon, zur Musik ein Bündel Dissertationen durch- 
lesend. Dabei wollte er aber ungestört bleiben ; setzten 
sich Bekannte oder Fremde an seinen Tisch, so verliess 
er das Lokal binnen kurzem. Noch viel mehr als das 
Zusammensein mit Kollegen vermied Merz, infolge seines 
Bedürfnisses nach Einsamkeit, die Gegenwart von Ver- 
treterinnen des schönen Geschlechtes. Es wurde ihm 
dabei geradezu unbehaglich zu Mute, und infolgedessen 
räumte er vor ihnen in der Regel schleunigst das Feld. 
Ans Heiraten hat Merz nie gedacht, „denn seine Frau 
und er würden unglücklich sein", äusserte er sich. 
Seine Wohnung hatte er lange Zeit in einem stillen, 
nicht abgelegenen, aber wenig begangenen Stadtteil, 
dem sog. „Kratz" aufgeschlagen. Dort lebte er seit 
1863 bei zwei würdigen alten Damen, einem Frl. Schmidt 
und ihrer Schwester Frau Dr. Bosshardt, im III. Stock 
eines kleinen uralten Häuschens. Bezeichnend ist, dass 
die beiden Damen zunächst zögerten, Merz aufzunehmen- 



— LXXV — 

weil ihnen seine allzu bescheidene Erscheinung kein 
grosses Vertrauen einflösste. In der Folgezeit haben 
sie sich seiner aber in aufopferndster Weise angenommen 
und Merz folgte seiner, um ihn treu besorgten Gast- 
geberin, Frl. Schmidt (Frau Dr. Bosshardt starb schon 
im Jahre 1866), nach Abbruch des Quartiers nach dem 
Münsterplatz Nr. 5, wo er bis zu seinem Wegzug von 
Zürich, am 22. September 1893, wohnte. Die Behausung, 
die Merz im Kratz inne hatte, verdient einer kurzen 
Erwähnung. Auf wahren Hühnerstiegen und durch ge- 
wundene, mit allerlei mittelalterlichem Zierat versehene 
Korridore gelangte man zu ihm, auf Burg „Malepartus", 
wie Weith die Bude scherzhaft genannt hatte. Hier 
oben war es aber wahrhaft gemütlich und säuberlich. 
Auf hohen Regalen, gut gebunden und etikettiert 
standen nicht allein fast sämtliche hervorragenden Lehr- 
und Handbücher und chemische Zeitschriften in bester 
Ordnung, sondern auch viele Werke über Mathematik, 
Physik, Geschichte und Literatur. Selbst humoristische 
und Familienblätter fehlten nicht, liebte er es doch, zur 
Abwechslung gut illustrierte Zeitschriften zu durch- 
blättern, während er für politische Tagesblätter nur 
beschränktes Interesse hatte und selbst von den hoch- 
gehenden Ereignissen von 1866 und 1870/71 sich wenig 
aufregen Hess. 

Merz war Weltbürger und Hess jeder Nation und 
jedem Lande Gerechtigkeit widerfahren, und wenn er 
auch nicht taub war gegen Miss- und Notstände in 
allen Klassen und Gebieten, so wollte er es doch Be- 
rufeneren überlassen, Besserung und Hilfe zu schaffen. 
Hingegen übte er Wohltätigkeit im kleinen Kreis, so 
oft und so gut er konnte. Leider wurde er, wie es 
bei seiner Gutherzigkeit gar nicht anders zu erwarten 
war, manchmal auch nicht ohne Missbrauch ange- 
sprochen. Ein Ausspruch von ihm lautete aber, dass 
man genug geben müsse, wenn man helfen wolle. Gegen 



- LXXVI — 

unbemittelte Studierende hatte er offene Hand; gegen 
seine Abwarte und Laboratoriumsdiener war er voll 
Güte und Freigebigkeit, und nichts freute ihn mehr, 
als wenn er einem begabten Laboratoriumsjungen zu 
besserer Stellung verhelfen konnte. Oft sprach er mit 
warmer Ueberzeugung die Ansicht aus, dass der Staat 
nicht nur aus Wohltätigkeit, sondern aus ureigenstem 
Interesse Talente fördern und aufsuchen sollte. Ver- 
borgene Talente unter rauher Schale seien viele vor- 
handen und es sei jammerschade, dass so viele, aus 
Mangel an Mitteln, verkümmern müssten, während es 
doch der reine Zufall sei, wenn gute Anlage gleich- 
zeitig mit den zur Ausbildung erforderlichen guten 
Verhältnissen gepaart seien. Er bedauerte auch sehr, 
dass aus seiner Heimat verhältnismässig wenige sich 
dem wissenschaftlichen Forscherberufe widmeten und 
-dass äussere Umstände es manchem guten Talente un- 
möglich machten, die akademische Carrière zu ergreifen. 
Für diese Anschauung zeugt auch das grossmütige 
Legat, das er der Universität zugewendet hat, nachdem 
er schon früher, nach seinem Weggange von Zürich, 
seinem Amtsnachfolger verschiedene Geldsummen zur 
Unterstützung von Studierenden überwiesen hatte. 

Merz glaubte an eine, wenn auch nicht individuelle 
Fortdauer nach dem Tode und gar oft beschäftigte ihn 
im Gespräche mit Freunden die Frage, was wohl hinter 
dem Schleier des Todes verborgen sei. Aber er ver- 
zichtete darauf, sich den Zustand nach dem Tode aus- 
zumalen. Ebenso verschmähte er es, sich den äusseren 
Formen des Christentums anzupassen, war dagegen 
immer, auch im Alter noch bestrebt, seine geistigen 
Eigenschaften weiter zu entwickeln. 

Merz war nicht nur ein edler Mensch, sondern er 
war auch ein grosser Gelehrter und seine ausserordent- 
lich vielfältigen und gediegenen Arbeiten sichern ihm 
einen bleibenden, ehrenvollen Platz in der Wissenschaft. 



— LXXVII — 

Aber selbst dem der Wissenschaft Näherstehenden 
wird es nicht leicht, ein Bild vom Umfange und der 
Reichhaltigkeit der wissenschaftlichen Arbeiten von 
Merz zu gewinnen, weil er sehr oft eine Form der 
Publikation gewählt hat, die zwar seiner Bescheidenheit 
alle Ehre macht, sich aber für die Wertung seiner Ar- 
beitsleistung als sehr wenig geeignet erweist. Merz hat 
nämlich einen grossen Teil der mit seinen Schülern aus- 
geführten Arbeiten, trotzdem er die betreffenden Publi- 
kationen selbst geschrieben hat, unter dem alleinigen 
Namen der betreffenden Schüler veröffentlicht. Es ver- 
ursachte daher viel Mühe, die zahlreichen Arbeiten 
wieder aufzufinden, was notwendig war, um die Lücken 
auszufüllen, welche das Bild der Forschungsarbeit von 
Merz unter alleiniger Berücksichtigung der unter seinem 
Namen veröffentlichten Arbeiten aufwies. Trotzdem nun 
die in dieser Weise ergänzte Liste der Veröffentlichungen 
die stattliche Zahl von etwa 170 Abhandlungen erreicht, 
so ist es doch möglich, dass einzelne Abhandlungen 
übersehen wurden, aber kaum solche, weiche für die 
Wertung der Forschungsergebnisse von massgebender 
Bedeutung sein könnten. Eine Durchsicht der zahl- 
reichen Arbeiten von Merz lässt sehr bald erkennen, 
dass sie sämtlich präparativer und synthetischer Natur 
sind, spekulative und rein theoretische Arbeiten fehlen 
vollständig. Die überwiegende Anzahl der Arbeiten 
beschäftigt sich mit den aromatischen Verbindungen 
und eine ganze Reihe ist durch die technische Ver- 
wertung ihrer Resultate von besonderer Bedeutung ge- 
worden. Durch die Richtung und Methodik seiner Ar- 
beiten erscheint Merz als ein charakteristischer Ver- 
treter der Entwicklungsperiode der Chemie, der er an- 
gehört hat, nämlich derjenigen Periode, in der das 
Hauptaugenmerk auf die Auffindung synthetischer Me- 
thoden gerichtet war, die es ermöglichen sollten, der 
Wissenschaft und der Technik das experimentelle Ma- 



— LXXVIII — 

terial zur Verfügung zu stellen, dessen sie für ihre ver- 
schiedenen Zwecke bedürfen. 

Nur selten hat Merz anorganische Fragen bearbeitet, 
am eingehendsten am Beginne seiner Forscherarbeit. 
In kleinen, schon vor seiner Dissertation veröffentlichten 
Publikationen beschäftigte er sich mit der Untersuchung 
einiger Mineralien aus dem Wallis und mit der Prüfung 
eines schweizerischen Bohnerzes auf Vanadin. Seine 
Dissertation behandelt ebenfalls anorganische Fragen : 
„Untersuchungen über das Titan, Silicium und Boron", 
und enthält Beiträge zur Kenntnis der Hydratformen 
der Kiesel-, Bor- und Titansäure, ferner einige wichtige 
Beobachtungen über salzartige Verbindungen von Ti- 
tandioxyd mit verschiedenen Mineralsäuren. Die späteren 
Publikationen mit anorganischem Inhalt sind mit Aus- 
nahme der mit Weith zusammen veröffentlichten über 
die Natur der Amalgame, aus Vorlesungsversuchen*) 
entstanden, so z.B. die mit E. Holzmann zusammen: 
Über Entstehungsverhältnisse des Brom- und Jod- 
wasserstoffs" nnd zwei Publikationen, die von der Dar- 
stellung und den Eigenschaften des Magnesiumstickstoffs 
handeln. 

Die ersten Untersuchungen von Merz auf organi- 
schem Gebiete beschäftigten sich mit den aromatischen 
Sulfosäuren und hatten den Zweck, diese leicht zu- 
gänglichen Verbindungen zur Darstellung von Karbon- 
säuren zu verwenden. Merz suchte dies zuerst durch 
Schmelzen mit Soda und Pottasche zu erreichen, und 
da der Erfolg ein wenig zufriedenstellender war, so 
unterwarf er die sulfosäuren Salze der Destillation mit 



*) Über interessante Vorlesungsversuche hat Merz verschiedene 
Notizen veröffentlicht, die seine Gewandtheit in der Ausführung solcher 
Versuche erkennen lassen. Es sei hier nur auf den schönen Versuch 
der Einwirkung von Antimon auf Brom hingewiesen. [Beri. Ber. 6, 1519 

(1873)]. 



— LXXIX — 

Cyankalium*) und stellte auf diese Weise zunächst Ni- 
trile dar, welche die gesuchten Karbonsäuren durch 
Verseifung ergaben. Die Beschäftigung mit dem eben 
skizzierten Problem wurde nach zwei Richtungen zum 
Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Arbeiten. Die 
erste Gruppe dieser Arbeiten umfasst Untersuchungen 
über Sulfosäuren, die andere Arbeiten, die sich im spe- 
ziellen mit den Nitrilen und den von ihnen derivieren- 
den Karbonsäuren befassen. 

Für die isomeren Monosulfosäuren des Naphthalins 
wurde eine rationelle Trennungsmethode aufgefunden 
und daran schloss sich eine eingehende Untersuchung der- 
selben an. Merz und Weith zeigten dann, dass die a-Säure 
bei niedriger, die ß-Säure bei höherer Temperatur ent- 
steht und dass sich die ce-Säure beim Erhitzen mit 
Schwefelsäure in die |3-Säure umwandelt. Mit Baltzer, 
später mit Ebert zusammen untersuchte Merz auch die 
Disulfosäuren des Naphtalins, lehrte die Trennung der 
beiden Isomeren mit Hilfe der Kalksalze kennen und 
zeigte, dass die cn-Säure beim Verschmelzen Dioxy- 
naphtalin, die ß-Säure aber eine Zwischenstufe, nämlich 
Naphtolsulfosäure gibt. Durch Reduktion der Sulfochlo- 
ride führten Merz und E. Gessner die Monosulfosäuren 
des Naphtalins in die entsprechenden Sulfinsäuren über. 

Die zweite Arbeitsgruppe enthält die Destillation 
der sulfosäuren Salze mit Cyankalium und die Ver- 
seifung der so gewonnenen Nitrile zu Benzoesäure, 
Toluylsäure, Naphtoesäuren, Naphtalindicarbonsäuren 
u. s. w., bei welchen Untersuchungen sich im besondern 
auch Mühlhäuser beteiligte. Die Beschäftigung mit den 
aromatischen Nitrilen bewog Merz noch nach anderen 
Darstellungsmethoden dieser Verbindungen zu suchen. 
Er fand eine solche zunächst in der Fähigkeit der 



*) Witt ersetzte später auf Vorschlag von Kopp das Cyankalium 
durch Ferrocyankalium. [Beri. Ber. 6, 448 (1873)]. 



— LXXX — 

Halogenkohlenwasserstoffe der aromatischen Reihe, sich 
beim Erhitzen mit Blutlaugensalz auf hohe Temperatur 
zu Nitrilen umzusetzen. Bei dieser Gelegenheit be- 
obachtete er auch, dass Cyangas und Benzoldampf, 
durch glühende Röhren geleitet, Benzonitril entstehen 
lassen, worin sich eine merkwürdige Analogie des Cyans 
und der Halogene kundgibt. Da die Ausbeuten bei 
der Darstellung der Nitrile aus Halogenbenzolen und 
Ferrocyankaliurn sehr zu wünschen übrig Hessen, nahm 
Merz im Jahre 1883 die von Serugham im Jahre 1854 
gemachte Beobachtung wieder auf, dass Triphenyl- 
phosphat durch Destillation mit Cyankalium Benzonitril 
liefert. Er stellte fest, dass sich mit Hilfe dieser Re- 
aktion aus den Phenolen manche sonst schwer zugäng- 
liche Nitrile gewinnen lassen. Gleichzeitig mit der Aus- 
arbeitung dieser Nitrildarstellung verbesserte er auch 
die Gewinnung der Phenolphosphate und erweiterte 
unsere Kenntnisse dieser Verbindungen durch Unter- 
suchung ihres Verhaltens gegen eine Reihe von Re- 
agenzien. Im Anschluss an die Untersuchung der Phos- 
phate stellte er auch aromatische Silikate und Borate dar. 

Nachdem Weith gezeigt hatte, dass Nitrile auch 
durch Umlagerung von Isonitrilen zu erhalten sind, 
fand Merz, von den Formylderivaten primärer Amine 
ausgehend, noch eine neue Methode der Nitrildarstellung, 
die im Sinne folgender Gleichung erfolgt : 

R • NH • CO ■ H = H 2 O + R • N : C -> R • C • N. 

Die für die Gewinnung der Formylderivate not- 
wendige Ameisensäure wurde nach der, von Merz und 
Tibiriçazur praktischen Methode ausgearbeiteten Synthese 
von Berthelot aus Kohlenoxyd und Na OH dargestellt: 

7H 

CO + Na OH = CO 

\0 Na. 

Nach dieser Methode, Einwirkung von CO auf 
Natronkalk, wird heute Ameisensäure auch technisch 



— LXXXI — 

gewonnen. Bei der Untersuchung der ameisensauren 
Salze zeigten Merz und Weith, dass einige derselben 
bei hoher Temperatur Wasserstoff verlieren und dabei 
in oxalsaure Salze übergehen, so dass z. B. Natrium- 
formiat, unter möglichstem Luftabschluss schnell über 
400 erhitzt, bis über yo°/o Natriumoxalat gibt. 

Durch die Beschäftigung mit den aus Nitrilen ge- 
wonnenen Karbonsäuren wurde Merz veranlasst, die 
Verwendung dieser Verbindungen zu weiteren syntheti- 
schen Zwecken anzustreben. Dieses Ziel erreichte er 
durch Auffindung einer in Gemeinschaft mit Kollarits 
ausgearbeiteten Ketonsynthese, welche auf der Ein- 
wirkung von Karbonsäuren auf Kohlenwasserstoffe bei 
Gegenwart von Phosphorsäureanhydrid beruht: 

C 6 H 6 + HO CO • C 6 H 5 = H 2 O + C 6 H 5 ■ CO • C 6 H s . 

Auf diesem Wege wurden Benzophenon, Tolyl- 
phenyl-, Cymylphenyl-, Naphtylphenyl- und Dinaphtyl- 
keton dargestellt. Diese Synthese stellte für die damalige 
Zeit (1873), durch Überwindung der Schwierigkeiten, 
welche der Gewinnung gemischter Ketone entgegenstan- 
den, einen bedeutenden Fortschritt dar. Aber auch hier 
wurde sehr bald noch eine zweite Synthese angeschlossen. 
In Anlehnung an die Kohlenwasserstoffsynthese von Zincke 
zeigten Merz und Grucarevic, dass Karbonsäurechloride 
mit Kohlenwasserstoffen bei Gegenwart von Zink unter 
Bildung von Ketonen reagieren. Nach dieser Methode 
wurden a- und ß-Naphtylketon in einer Ausbeute von 
70% erhalten und in ebenfalls guter Ausbeute a- und 
ß-Dinaphtylketon. Über die Konstitution der gewonnenen 
Ketone gab eine neu aufgefundene Spaltungsmethode 
Aufschluss. Merz zeigte nämlich, dass die Ketone durch 
trockene Destillation mit Natronkalk in Kohlenwasser- 
stoff und Säure gespalten werden, Tolylphenylketon 
z.B. in Benzol und Toluylsäure: 

C 6 H 5 -CO-C 6 H 4 -CH 3 + NaOH = C 6 H 8 + Na O -CO -C 6 H 4 -CH 3 . 

6 



— LXXXII — 

Eine von den bis jetzt besprochenen Untersuchungen 
unabhängige Arbeitsreihe, die vom Jahre 1S6S bis in 
das Jahr 1 890 reicht und von Merz und Weith begonnen 
wurde, behandelt in den ersten Publikationen die Ent- 
schwefelung organischer Verbindungen, erweitert sich 
aber bald durch Inangriffnahme des entgegengesetzten 
Problems , nämlich durch Versuche zur Einführung 
von Schwefel in organische Verbindungen. Die Ent- 
schwefelungsversuche begannen mit der Einwirkung 
von Kupfer auf Sulfocarbanilid, wobei symetrisches 
Triphenylguanidm erhalten wurde, welches dann auch 
durch Erhitzen von Anilin, Diphenylharnstoff und Phos- 
phortrichlorid synthetisiert wurde. Im Anschluss an 
diese Arbeiten untersuchten Merz und Veith die Zer- 
setzungsverhältnisse des Sulfocarbanilids und verwandter 
Körper und stellten fest, dass beim mehrstündigen Er- 
hitzen dieser Verbindungen symmetrische, dreifach sub- 
stituierte Guanidine entstehen und dass auch Diphenyl- 
harnstoff beim Erhitzen unter Bildung der Guanidin- 
körper zerfällt. Die gleichzeitig durchgeführte Unter- 
suchung der Schwefelharnstoffe ergab, dass sie durch 
Säuren in Senföl und Amin gespalten werden: 

XHR 
CS = S : C : X • R - H 2 X • R. 

XHR 

Bei unsymmetrischen Thioharnstoffen bilden sich, 
wie Merz und Mainzer feststellten, stets zwei Senföle 
und zwei Amine. Die Entschwefelung organischer Sub- 
stanzen haben Merz und Weith dann auch mit anderen 
Metallen, wie Pb, Ag, Hg und Fe erreicht, und es wurde 
zum Schluss auch die Entschwefelung einiger anorgani- 
scher Salze mit Erfolg vorgenommen, so z. B. diejenige 
von Xatriumthiosulfat zu Xatriumsulfit. 

In enger Beziehung zu den Untersuchungen über 
die Thioharnstoffe und die Guanidine stehen wohl auch 



— LXXXIII — 

die zwei Arbeiten über Toluidin und Ditolylamin, welche 
von E. Girard und N. Gerber unter der Leitung von 
Merz durchgeführt wurden und eine ganze Reihe aromati- 
scher Harnstoffe kennen lehrten. Die Beobachtung, dass 
sich Thioharnstoffe bei der Einwirkung von Schwefel- 
kohlenstoff oder Schwefelwasserstoff auf Guanidine 

/NHC 6 H 5 /NHC 6 H 5 

H 5 C 6 N:C +CS 2 = S:C +C 6 H S N:C:S 

\NH C 6 H 5 \NH C 6 H 5 

/NHC 6 H 5 /NHC 6 H 5 

H 5 C 6 N:C +H 2 S = S:C + C 6 H 5 NH S 

\NH C 6 H 5 \NH C g H 5 

zurückbilden, hat vielleicht den Anstoss zu den Unter- 
suchungen gegeben, welche sich mit der Einführung 
von Schwefel in organische Substanzen befassen. Merz 
und Weith zeigten, dass Schwefel auf siedendes Anilin 
unter lebhafter Schwefelwasserstoffentwicklung einwirkt 
und zur Bildung einer schwefelhaltigen Base führt. Bei 
dieser Gelegenheit beobachteten sie auch, dass beim 
Einleiten von Wasserstoff in siedenden Schwefel reich- 
lich Schwefelwasserstoff entsteht. 

Die Base aus Anilin und Schwefel erwies sich als 
Thioanilin und ihre Bildung konnte durch Zusatz von 
Bleioxyd zur Schwefelschmelze bedeutend gefördert 
werden. Diese Versuche über die Einführung von 
Schwefel stammen aus dem Jahre 1871, wurden aber 
erst im Jahre 1886 fortgesetzt. In einer Arbeit von 
Chr. Ris wurde das Thio-/?-Dinaphtylamin beschrieben 
und aus ihm durch Entschwefelung ß-Dinaphtylcarbazol, 
durch Erhitzen mit oberflächlich oxydiertem Kupfer 
Oxy-ß-dinaptitylamin gewonnen. Mit E. Holzmann zu- 
sammen untersuchte Merz die Thioderivate des Diäthyl- 
und Dimethylanilins, wobei der Chlorschwefel zur Ein- 
führung des Schwefels in Aufnahme kam. Aus Diphenyl- 



— L XXXIV — 

amin wurde nach dieser Methode ein Dithioderivat er- 
halten, welches durch teilweise Entschwefelung das von 
Bernthsen aus Diphenylamin und Schwefel gewonnene 
Thiodiphenylamin ergab. O. Kym, der unter der Lei- 
tung von Merz die neue Schwefelungsmethode auf Di- 
naphtylamin, seine Homologen und auf Phenylnaphtyl- 
amine übertrug , isolierte die von diesen Basen deri- 
vierenden Disulfide und stellte durch nachträgliche Ent- 
Schwefelung unter anderem Phenylnaphtylcarbazol dar. 
Endlich hat Merz in Gemeinschaft mit St. Onufrowicz 
auch die Schwefelung des i-Xaphtols untersucht, wobei 
(3-Xaphtolmonosulfid und -disulfid gewonnen und durch 
zahlreiche Derivate charakterisiert wurden. 

Einer von einer Basler Fabrik zur Verfügung ge- 
stellten grösseren Menge von Diphenylamin verdankt 
eine von Merz und Weith im Jahre 1S73 über diese 
Verbindung ausgeführte Untersuchung ihre Entstehung, 
bei der sie das Triphenylamin entdeckten. 

Auf einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren verteilen 
sich die Arbeiten, die das Problem der Einführung von 
Halogenen in organische Verbindungen behandeln, und 
auch hier wurden die ersten Resultate von Merz und 
Weith gemeinschaftlich veröffentlicht. Die eingehendere 
Bearbeitung des Problems hat Merz mit einer grossen An- 
zahl von Schülern durchgeführt. Diese Einführung der 
Halogene erfolgte in der Hauptsache unter Zuhilfe- 
nahme der die Halogenisierung befördernden Halogen- 
überträger, im besonderen von Chlorantimon, und 
förderten ein ausserordentlich reiches experimentelles 
Material zu Tage. Die ersten Versuche behandelten 
die erschöpfende Chlorierung von Phenol , bei der 
Perchlorphenol entsteht, welche Verbindung bei dieser 
Gelegenheit eingehender untersucht und z. B. in Perchlor- 
phenylenoxyd übergeführt wurde. Bei der Perchlorie- 
rung von homologen Benzolkohlenwasserstoffen zeigten 
Merz und Krafft . dass neben gechlorten fetten Ver- 



— LXXXV — 

bindungen stets Perchlorbenzol und bei der erschöpfen- 
den Bromierung stets Perbrombenzol entsteht. Von 
den höher kondensierten aromatischen Kohlenwasser- 
stoffen kann man unter geeigneten Bedingungen die 
vollkommen perchlorierten Derivate erhalten, die aber 
bei energischerer Einwirkung ebenfalls zu Perhalogen- 
benzol abgebaut werden. Nur einige Kohlenwasserstoffe, 
die den Diphenylkern enthalten, machen eine Ausnahme, 
weil das Perchlordiphenyl. ausserordentlich beständig ist 
und durch Chlor selbst beim Durchleiten durch glühende 
Röhren nicht gespalten wird. Auf die zahlreichen, bei 
der Chlorierung und Bromierung von Naphtalin, Flu- 
oren, Di- und Triphenylmethan, Anthracen, Phenanthreh 
u. s. w. dargestellten, durch ihre Zusammensetzung merk- 
würdigen Halogenkohlenstoffverbindungen, wie z. B. 
Cj 2 Cl 10 , C 10 C1 S , C 24 C1 18 , C U C1 10 , C 15 C1 10 u.s.w. kann hier 
nur hingewiesen werden. Auch andere organische Ver- 
bindungen, wie Amine und Benzonitril wurden in den 
Kreis der Untersuchung gezogen und ergaben interessante 
Produkte, wie z. B. HN(C 6 Br 5 ) 2 , N(C 6 C1 5 ) 3 undNC-C 6 Cl 5 . 

Bei der Perhalogenisierung fetter Verbindungen, 
mit Hilfe von Chlorjod als Halogenüberträger, wurden 
als Endprodukte Perchlormethan, Perchloräthan, Per- 
chlorpropan u.s. w. erhalten. Da sich diese Verbindungen 
jedoch beim andauernden Erhitzen auf 300 — 400° teil- 
weise unter Bildung von Perchlorbenzol zersetzen, so 
wird letzteres unter Umständen auch bei der Perchlorierung 
fetter Verbindungen beobachtet. Ahnliches wurde bei 
der erschöpfenden Perbromierung festgestellt, da aus 
fetten Verbindungen sehr oft Perbrombenzol erhalten 
wird. Dass Perchlorbenzol unter der Einwirkung von 
Alkalihydroxyd sehr glatt in Perchlorphenol übergeführt 
werden kann, ist eine von A. Weber und N. Wolff, eben- 
falls im Merzschen Laboratorium o-emachte Beobachtung. 

Die auf die sauerstoffhaltigen Verbindungen der 
Naphtalin- und Anthracenreihe ausgedehnten Halogeni- 



— LXXXVI — 

sierunorsversuche, welche die Darstellung von Oxvchinon- 
farbstofïen anstrebten, ergaben ebenfalls eine grosse 
Reihe, zum Teil interessanter Verbindungen und Um- 
setzungen. Zuerst wurde durch Bromierung von Xaphtalin- 
säure (Oxynaphtochinon) eine Bromnaphtalinsäure dar- 
gestellt und diese dann auch aus Xaphtol aufgebaut. 
Durch energische Bromierung von c-Xaphtol unter Jod- 
zusatz gelangte Merz zum Bibromnaphtochinon, welches 
sich durch die grosse Reaktionsfähigkeit eines Bromatoms 
auszeichnet und bei der Einwirkung von Alkalihydroxyd 
in die aus Xaphtalinsäure (2-Oxynaphtochinon) durch 
Bromierung entstehende Bromnaphtalinsäure übergeht. 
Die Konstitution der Verbindung wurde durch Oxydation 
zu Phtalsäure sichergestellt. Bei der Bromierung von 
a-Naphtol wurden Hexabrom- und Pentabrom-a-Xaphtol 
erhalten. Letztere Verbindung lieferte bei der Oxydation 
ein beim weiteren Abbau in eine Dibromphtalsäure über- 
gehendes Tetrabromnaphtochinon. Aus ß-Xaphtol ent- 
stand mit Brom bei Gegenwart von AI Br 3 ein Pentabrom- 
naphtol , das sich durch Oxydation zunächst in ein 
Tetrabromnaphtochinon und dann in Tribromphtalsäure 
überführen Hess. 

Durch erschöpfende Bromierung von Orthoxylol 
wurde Tetrabrom-o-Xylol und durch Oxydation desselben 
Tetrabromphtalsäure erhalten. Die soeben beschriebenen 
Arbeiten sollten, wie schon erwähnt, zum Teil dem 
Zweck dienen, zum Xaphtazarin oder einem ähnlichen 
Farbstoff zu gelangen. Sie wurden deshalb auch durch 
eine Reihe von Arbeiten ergänzt, bei denen von an- 
deren Xaphtalinabkömmlingen ausgegangen wurde. 
A. G. Eckstrand stellte aus Martiusgelb ein Trinitro- 
naphtol dar und verwandelte dieses durch Reduktion in 
die entsprechende Triamidoverbindung. Letztere führten 
Merz und Diehl durch Oxydation in ein Amidodiimido- 
naphtol über, konnten dieses aber nicht in das zuge- 
hörige Chinon umwandeln. Auch ein zweiter, von Merz 



— LXXXVII — 

und Diehl eingeschlagener Weg führte nicht zum Ziel. 
Martiusgelb wurde zu Diamidonaphtol reduziert, dieses 
zum Diimidonaphtol oxydiert und letzteres durch Alkali- 
carbonat zersetzt. Die hierbei in sehr guter Ausbeute 
gewonnene Naphtalinsäure gab durch Nitrieren und Re- 
duzieren des gebildeten Mononitroderivates ein Amido- 
oxynaphtochinon, und dieses beim Kochen mit ver- 
dünnter Salzsäure ein Dioxynaphtochinon, welches aber 
vom Naphtazarin verschieden war, da es, wie durch den 
Abbau zu Phtalsäure gezeigt wurde, sämtliche Substi- 
tuenten im gleichen Benzolkern enthielt. 

In Beziehung zu der schon erwähnten Darstellung 
von Trinitronaphtol steht wohl auch die Darstellung 
von Styphninsäure aus Resorcinschwefelsäure und die- 
jenige von Trinitroorcin durch Merz und Zetter. 

Durch Bromierung- von Anthrachinon konnten Merz 

ö 

und Diehl ein Tribromanthrachinon gewinnen, welches 
sich in Purpurin überführen Hess: auch Tetra- und 
Pentabromanthrachinon wurden dargestellt und auf ihr 
Verhalten bei der Kalischmelze untersucht. Bei der 
Halogenisierung von Alizarin wurden Mono-, Di-, Tri- 
und Tetrachlor- bezw. Brom-Alizarin isoliert, und es 
zeigte sich, dass bis zu den dihàlogensubstituierten Ali- 
zarinen das Färbevermögen zunimmt , beim Eintritt 
weiterer Halogentome die Färbekraft aber sinkt und 
schliesslich verschwindet. In die Gruppe der von der 
Halogeneinführung in Chinone handelnden Arbeiten 
gehört auch die gemeinschaftlich mit E. Sarauw durch- 
geführte Untersuchung der Einwirkung von Halogen- 
wasserstoffsäuren auf Benzochinon, in der die Entstehung 
halogenisierter Chinone festgestellt wurde. Mit Hafner 
zusammen hat Merz ferner die Chlorierung und Bro- 
mierung von aromatischen Basen bei Gegenwart von kon- 
zentrierter Schwefelsäure untersucht und nachgewiesen, 
dass der orientierende Einfluss der Amidogruppe durch 
die Schwefelsäure zum grossen Teil aufgehoben wird. 



— LXXXVIII — 

Ohne Zusammenhang mit den grossen Arbeits- 
gebieten von Merz stehen zwei Abhandlungen, die sich 
mit der Bildung aromatisch substituierter Essigsäuren, 
vom Acetessigester ausgehend, beschäftigen, diejenige 
von Lydia Sesemann über benzylierte und dibenzylierte 
Essigsäure und die Mitteilung von Merz und Weith 
über die Darstellung von Dinitrophenylessigsäure. Diese 
Arbeiten, die auf die Darstellung von Derivaten oder 
Analoga des Indigos hinzielten, wurden nicht fortgesetzt. 

Die ausgedehnteste und mannigfaltigste Reihe Merz- 
scher Arbeiten behandelt ein Problem, das Merz von 
1880 an bis in seine letzten Arbeitsjahre beschäftigt 
hat, nämlich die Synthese aromatischer Amine aus 
Phenolen, an die sich die Bearbeitung einer ganzen An- 
zahl in Zusammenhang damit stehender anderer Fragen 
anschloss. Die ersten Abhandlungen , die sich mit 
diesem Problem beschäftigen, haben Merz und Weith 
gemeinschaftlich veröffentlicht (1880 und 1881) und 
führen folgende Titel : 1 . Über die substitutionsweise 
Einführung von Phenolresten ; 2. Über die Atherifizierung 
der Phenole; 3. Über die Darstellung von Aminen aus 
Phenolen und Alkoholen. In der ersten Abhandlung 
wird gezeigt, dass beim Erhitzen mit Chlorzink, aus 
Anilin und Phenol Diphenylamin, aus Ammoniak und 
Phenol Anilin neben etwas Diphenyloxyd und Diphenyl- 
amin, aus Anilin und /3-Xaphtol Phenyl-/3-Xaphtylamin 
entstehen. In der zweiten wird die Einwirkung von 
Chlorzink auf Phenol und Naphtole beschrieben und 
die Bildung von Phenyl- und Naphtoläther nachge- 
wiesen. In der dritten berichten die beiden Forscher 
über die Darstellung von primären Aminen aus Phenolen 
beim Ersatz des Chlorzinkammoniaks durch Ammonium- 
acetat oder durch Anwendung von feuchtem Chlor- 
calciumammoniak ; ferner teilen sie mit, dass Chlorzink- 
anilin mit Amylalkohol unter Bildung eines kernsubsti- 
tuierten Anilins, nämlich von Amylanilin reagiert. Alle 



— LXXXIX — 

diese, sowohl theoretisch als technisch wichtigen Re- 
aktionen sind in der Folgezeit von Merz und seinen 
Schülern ausführlich bearbeitet worden. 

Am wenigsten zahlreich sind die Untersuchungen 
über die aromatischen Äther. Merz und H. v. Nieder- 
häusern suchten nach neuen Methoden zur Gewinnung 
dieser Verbindungen und fanden eine solche in der 
trockenen Destillation von Phenolaten und Naphtolaten. 
Da sich aber sowohl bei dieser Darstellung als auch 
bei der Einwirkung von Chlorzink auf Naphtol immer 
Dinaphtylenoxyd bildet, beschäftigten sich Merz und 
H. Walder mit der Bildung dieser Verbindung aus ß-Di- 
naphtol und unterzogen das Dinaphtol selbst einer ge- 
naueren Untersuchung. Durch Oxydation desselben 
gelangten sie zur o-Oxynaphtoylbenzoesäure : 

/CO-C 10 H 6 OH 
C 6 H 4 

\CO OH 

die sie durch Schmelzen mit Atzkali in Phtalsäure und 
ß-Naphtol spalten konnten. 

Über die Einwirkung von Chlorzink- und Chlor- 
calciumammoniak auf aromatische Hydroxylverbindungen 
liegen eine grössere Anzahl Arbeiten aus dem Merzschen 
Laboratorium vor. Nach Entdeckung der Reaktion wurde 
zunächst die infolge ihrer technischen Verwertung wichtige 
Einwirkung auf Naphtole sehr eingehend untersucht und 
daran schloss sich eine sehr sorgfältige Bearbeitung der 
Dinaphtylamine an. Im besonderen hat Ch. Ris das 
ß-Dinaphtylamin durch seine Nitro- und Bromderivate 
genau charakterisiert. Von höheren Homologen der 
Phenole wurden die Kresole, Xylenole, Isobutylphenol, 
Isoamylphenol, Thymol und Carvacrol, Tertiärbutyl- 
phenol und o-Nitrophenol in die entsprechenden Amine 
übergeführt, und von allen diesen Basen wurden zahlreiche 
Derivate dargestellt. Auch die Möglichkeit, aus Alko- 



— XC — 

holen der Grenzreihe durch Einwirkung von Chlorzink- 
ammoniak fette Amine darzustellen, ist von Merz und 
K. Gasiorowski an einigen Beispielen nachgewiesen 
worden. 

Noch zahlreicher sind die Arbeiten, die sich an 
die Synthese des Amylanilins anschliessen, die Merz 
mit Calm zusammen ausarbeitete. Dargestellt und durch 
zahlreiche Salze und Substitutionsprodukte genau cha- 
rakterisiert wurden folgende Basen: Amidoäthylbenzol. 
Amidoäthylmethylbenzol, Amidopropyl- und -isopropyl- 
benzol, Amidoisobutylbenzol. zwei isomere Isobutyl-o- 
amidotoluole, p-Amido-octylbenzol. p-Amido-capryl- 
benzol, Amidooctyltoluol. 

Im Anschluss an diese Untersuchungen über die 
Synthese homologer aromatischer Amine wurde auch 
die Methode zur Einführung von Säureresten in den 
Kern aromatischer Basen aufgefunden. Merz und Klingel 
zeigten, dass bei der Einwirkung von Essigsäureanhydrid 
auf Anilin bei Gegenwart von Chlorzink das Acetvl- 
dérivât des Paraamidoacetophenons erhalten wird und 
dass sich aus anderen Basen entsprechende Acetyl- 
verbindungen bilden. 

Wie die schon erwähnte Einwirkung von Alkoholen 
auf aromatische Basen wurde auch diejenige von Phe- 
nolen auf diese Basen bei Gegenwart von Chlorzink 
und Chlorcalcium sehr eingehend untersucht. So z. B. 
die Einwirkung der Xaphtole auf Anilin, o- und p-To- 
luidin, diejenige von Anilin auf Resorcin und Hydro- 
chinon. der Xaphtole auf Xaphtylamin, von Paratoluidin 
auf Resorcin und Hydrochinon, von Anilin auf Orcin, 
der Phenylendiamine und des Benzidins auf Xaphtole 
u. s. w. Eine ganze Reihe dieser Reaktionen ergab Pro- 
dukte, die technische Verwertung gefunden haben. 

Auch Diamine wurden mit aromatischen Sauerstoff- 
verbindungen in Reaktion gebracht, von den fetten im 
besonderen das Athylendiamin, und die Untersuchung 



— XCI — 

der Einwirkung von Athylendiamin auf Orthodiketone 
wurde dann von A. Mason mit seinen Schülern im La- 
boratorium von Merz weitergeführt. Durch Kombination 
von o-Toluylendiamin und Brenzcatechin stellte Merz 
Methylphenazin und mit Ch. Ris aus o-Phenylendiamin 
und Brenzcatechin das Phenazin selbst dar, wobei die 
Identität mit dem Azophenylen von Claus festgestellt 
wurde. Diese wichtige Synthese des Phenazins wurde 
bekanntlich für die Chemie dieser Verbindung von grund- 
legender Bedeutung. Durch Einwirkung von Athylen- 
diamin auf Brenzcatechin gelangten Merz und Ch. Ris zu 
Äthylen-o-phenylendiamin, das bei der Oxydation in 
guter Ausbeute Chinoxalin lieferte. 

Unter der Leitung von Merz untersuchte H. Strache 
im Anschluss an diese Kondensationsreaktionen auch 
die Homologen des Athylendiamins, das Propylendiamin 
und das Trimethylendiamin. 

Als Endglied dieser fruchtbaren Untersuchungen 
entdeckte Merz im Jahre 1893 noch eine neue Bildungs- 
weise aromatischer Amine, die er mit Paschkowezky 
ausarbeitete. Dieselbe beruht darauf, dass sich aromati- 
sche Monohalogenkohlenwasserstoffe und primäre Amine 
beim geeigneten Erhitzen mit Natronkalk zu sekundären 
Aminen umsetzen. Von O. Kym wurde dann gezeigt, 
dass bei dieser Reaktion aus a-Bromnaphtalin merk- 
würdigerweise nicht «-, sondern ß-Naphtylaminderivate 
entstehen. 

Im Anschluss an die besprochenen Untersuchungen 
über aromatische Amine hat Merz noch die Aus- 
führung einer Reihe kleinerer Arbeiten veranlasst, so 
z. B. die Untersuchung der Einwirkung von Carbodiimid, 
dessen Entstehung aus Thioharnstoff und Quecksilber- 
oxyd Merz und Weith aufgefunden hatten, auf Ortho- 
diamine. Eerner die Untersuchung- des Verhaltens der 
aus den Aminen gewonnenen Diazokörper gegenüber 
Salzsäure und Bromwasserstoffsäure und der bei der 



— XCII — 

Einwirkung von Stannoformiat und Zinnsalz auf Diazo- 
salze entstehenden Produkte. Hierbei bilden sich merk- 
würdigerweise ziemlich grosse Mengen derDiazoimide, die 
C. Culmann und K. Gasiorowski unter der Leitung von 
Merz genauer untersuchten. Auch die Darstellung einer 
Reihe von Harnstoffen, die sich vom Dinaphtylamin und 
anderen ähnlichen Basen ableiten, ist hierher zu zählen. 
Von den anderen Arbeiten von Merz sind noch die 
mit Ullmann und mit A. Bischler über die Kondensations- 
fähigkeit von parasubstituierten aromatischen Aminen 
mit aromatischen Aldehyden zu erwähnen, ferner die 
mit Finck und Schwimmer und mit Fehrmann über das 
Auramin durchgeführten, welche eine ganze Anzahl 
substituierter Auramine kennen lehrten und auch unsere 
Kenntnisse des Auramins selbst wesentlich förderten. 
Mit Ausnahme letzterer Arbeiten, ferner der im Jahre 
1867 mit G. Nadler veröffentlichten kleinen Abhandlung 
über das Chinolinblau , einiger Beobachtungen über 
Viktoriablau und der Untersuchungen über nitrierte 
Naphtole (Heliochrysin) und halogenisierte Naphto- und 
Anthrachinone hat sich Merz nicht mit Farbstoffchemie 
beschäftigt, was bei der grossen Zahl von ihm neu 
dargestellter, für die Farbstoffchemie wichtiger Aus- 
gangsprodukte immerhin als auffallend bezeichnet werden 
kann. Zum Schluss sei noch einer Arbeit gedacht, die 
keinen bestimmten Zusammenhang mit den anderen Ar- 
beitsgebieten von Merz erkennen lässt, vielleicht aber 
mit der Darstellung der Amine in Beziehung zu bringen 
ist. Es ist dies die Synthese von Oxazolen durch Ein- 
wirkung von Säureamiden auf Bromacetophenon : 

C 6 H, • CO • CH 2 Br + H 3 N • CO • H - C 6 H 5 • CO • CH 2 • NH • CO • H + H Br 

HC-N 
C e H 5 — C = CH - N = CH || || 

| = H, O + C, H ä - C CH 
OH OH \/ 

O 



— xeni — 

Diese Synthese ist allgemein anwendbar und gestattet 
auch entsprechende Imidoazole abzuleiten, da die Oxazole 
beim Erhitzen mit conc. alcohol. Ammoniak in diese 
übergehen. 

Überblicken wir die im Vorhergehenden in grossen 
Zügen skizzierte wissenschaftliche Arbeit von V. Merz, 
so müssen wir staunen über die reiche Förderung, 
welche die Chemie seiner rastlosen Tätigkeit zu ver- 
danken hat. Seine zahlreichen, von Erfolg gekrönten 
Arbeiten sichern ihm denn auch für alle Zeiten einen 
hervorragenden Platz in der Geschichte unserer Wissen- 
schaft, und durch seinen *edlen Charakter hat er sich 
bei Freunden und Schülern, denen er stets ein schönes 
Vorbild uneigennütziger Freundschaft und aufopfernder 
Pflichttreue bleiben wird, ei« ehrendes Denkmal er- 
richtet. A. Werner und O. Meister. 



- XCIV 



7. Verzeichnis der Publikationen von Prof. Dr. Victor Merz. 



1861. Untersuchungen einiger Mineralien aus dem Wallis. Prüfung eines 
schweizerischen Bohnerzes auf Vanadin. Vierteljahrsschrift der 
Zürcher naturf. Ges. 1S61. pag. 3S0. 

Untersuchungen über das Titan, Silicium und Boron. Inauguraldisser- 
tation Zürich, Mai 1S64. (Vergi. Vierteljahrsschrift 1S64, pag. S3.) 

1S66. Beiträge zur Kenntnis der Titansäure. Journal für prakt. Chemie, 
99. 157. 

1866. Ueber die Hydrate der Kieselsäure. Journal für prakt. Chemie, 
99. 177. 

1S66. Ueber die Hydrate der Borsäure und ein Borsäuresulfat. Journal 
für prakt. Chemie, 99. 179. 

1867. Zum Verhalten der Sulfosäuren. Zeitschrift für Chemie, 10. X. F. 3. 
433. 

1868. Zur Synthese der aromatischen Säuren. Zeitschrift für Chemie. 
11. N. F. 4. 33. 

1S6S. Ueber die Monosulfosäuren des Xaphtalins. Zeitschrift für Chemie, 

11. N. F. 4. 393. 
1S75. Ueber das Titan. Berichte, 8. 1294. 

1575. Xochmals über das Titan. Berichte. 8. 1566. 

1576. Vorläufige . Mitteilung aus dem Universitätslaboratorium in Zürich. 
Berichte, 9. 1048. 

1376. (Bemerkung zur Mitteilung von Stenhouse und Grove. Berichte 
9. 682.) Berichte, 9. 1051. (Im Anschluss an die Veröffent- 
lichung Berichte, 9. 104S.J 

1876. Xachträgliches zur Mitteilung in diesen Berichten. 9. 1048. Be- 
richte, 9. 122$. 

1878. Korrespondenz von W. Michler aus Zürich. Berichte, 11. 518. 

1880. Zur Orientierung. Berichte, 13. 594. 

1883. Umwandlung von Phenolen in Xitrile und Carbonsäuren. Berichte, 
16. 512. 

1SS6. Ueber das Methylphenazin. Berichte, 19. 725. 

1891. Vermerke über den Magnesiumstickstoff. Berichte, 24. 3940. 



xcv 



2. Verzeichnis der von Prof. Dr. Viktor Merz mit Mitarbeitern 
veröffentlichten Abhandlungen. 



1867. G. Nadler und V. Merz, Ueber das Chinolinblau. Journal für 
prakt. Chemie. 100. 129. 

1568. V. Merz und W. Weith, Ueber die Entschwefelung- chemischer 
Verbindungen. (Vorläufige Mitteilung.) Zeitschrift für Chemie. 

11. N. F. 4. 513. 

186S. V. Merz und W. Weith, Ueber die Entschwefelung chemischer Ver- 
bindungen. (Fortsetzung.) Zeitschrift für Chemie. 11. N. F. 4. 609. 

1869. Merz und Weith, (Mitteilung in der „Chemischen Harmonika") 
Korrespondenz von O. Meister aus Zürich, am 2. Juli 1869. Be- 
richte, 2. 341. 

1869. 1. Merz und Weilh, 2. Baltzer und Merz, (Mitteilung in der 
„Chemischen Harmonika"). Korrespondenz von O. Meister aus 
Zürich, am 28. Juli 1869. Berichte, 2. 432. 

1569. V. Merz und W. Weith, Neue Bildungsweisen des «-Triphenyl- 
guanidins. Berichte, 2. 621. 

1869. V. Merz und H, Mülhäuser, Ueber ß-Cyan- und Carboxyl- 
naphtalin. Zeitschrift für Chemie. 12. N. F. 5. 70. 

1869. V. Merz und W. Weith, Ueber die Entschwefelung chemischer 
Verbindungen. (Fortsetzung.) Zeitschrift für Chemie. 12. N. F. 5. 
241. 

1869. V. Merz und W. Weith, Ueber die Zersetzungsverhältnisse des 
Sulfocarbanilids und verwandter Körper. Zeitschrift für Chemie. 

12. N. F. 5. 583. 

1870. V. Merz und W. Weith, Ueber Regressivbildungen bei den 
trisubstituierten Guanidinen. Berichte, 3. 25. 

1870. V. Merz und W. Weith, Ueber Entstehungsverhältnisse der 
Monosulfosäuren des Naphtalins. Berichte, 3. 195. 

1870. Merz und Weith, (Mitteilung, in der „Chemischen Harmonika"), 
Korrespondenz von O. Meister aus Zürich, 8. März 1870. Be- 
richte, 3. 244. 

1870. V. Merz und H. Mülhäuser, Ueber die Darstellung der Naphtoë- 
säure im Grossen. Berichte, 3. 709. 

1870. V. Merz und W. Weith, (Mitteilung, in der Chem. Ges.) Korre- 
spondenz von O. Meister aus Zürich. Berichte, 3. 80S. 

1870. Merz und Weith, (Chem. Ges.) Korrespondanz von O. Meister 
aus Zürich. 12. 12. 1870. Berichte, 3. 97S. 

1871. V. Merz und W. Weith, Ueber Thioanilin und Thiotoluidin. 
Berichte, 4. 384. 



— XCVI — 

1871. 1. Mers und Weith, 2. Mers und Coray, (Mitteilungen in der 
Chem. Ges.) Korrespondenz von O. Meister, Zürich. Berichte, 

4. 9S1. 

72. Mers und Weith. Korrespondenz von O. Meister, Zürich. Be- 
richte, 5. 283. 

1572. M. Kollarits und V. Merz. Neue Synthese des Diphenylketons. 
Berichte, 5. 

1872. V. Mers und W. Weith* Zur Kenntnis des Perchlorphenols. Be- 
richte, 5. 45S. 

1872. 1. Mers und Kollarits, 2. Mers und Weith. (Mitteilungen in der 
Chem. Ges.) Korrespondenz von O. Meister, Zürich. Berichte, 5. 
645—646. 

1573. V. Mers und seine Schüler, Korrespondenz von O. Meister aus 
Zürich. Berichte, 6. 444. 

IS 73. M. Kollarits und V. Mers, Ketone aus aromatischen Säuren 
und Kohlenwasserstoffen. Berichte, 6. 536. 

IS 73. .S. Grucarevic und V. Mers. Ketone aus aromatischen Kohlen- 
wasserstoffen und Säurechloriden. Berichte, 6. 123S. 

1873. 6". Grucarevic und V. Mers, Spaltung einiger Ketone durch 
Natronkalk. Berichte, 6. 1246. 

1873. V. Mers und W. Weith. Vermischte Mitteilungen. Berichte, 6. 

1511 — 1520. 
1S75. R. Ebert und V. Mers, Vorläufige Mitteilung. Berichte, S. 917. 
IS 75. V. Mers und K Schelnberger, Vorläufige Mitteilung. Berichte. 

8. 918. 
1S75. F. Krafft und V. Mers, Vorläufige Mitteilung. Berichte, 8. 1045. 
1S75. F. Krafft und V. Mers, Ueber Reaktionsverhältnisse einiger 

Kohlenwasserstoffe bei durchgreifender Chlorierung. Berichte. 

5. 1296. 

1575. V. Mers und K Schelnberger, Ueber aromatische Nitrile (Vor- 
läufige Mitteilung). Berichte, S. 1630. 

1576. R. Ebert und V. Mers, Ueber zwei Disulfosäuren des Xaphtalins 
und einige ihrer Derivate. Berichte, 9. 592. 

1877. V. Mers und W. Weith. Mitteilungen aus dem Universitätslabo- 
ratorium in Zürich. Berichte, 10. 746. 

1577. V. Mers und Weith, Vorläufige Mitteilungen aus dem Universi- 
tätslaboratorium in Zürich. Berichte, 10. 1232. 

1S77. Th. Diehl und V. Mers, Ueber Derivate des Naphtochinons. 
Berichte, 10. 2034. 

1877. V. Mers und J. Tibiriçd, Ueber ein Verfahren Ameisensäure 
darzustellen. Berichte, 10. 2117.' 

1878. Th. Diehl und V. Mers, Ueber das Bibromnaphtochinon und die 
Bromnaphtalinsäure. Berichte, 11. 1064. 

1S7S. Th. Diehl und V. Mers. Vorläufige Mitteilung. Berichte, 11. 1229. 



— XCVII — 

1878. Th. Diehl und V. Mers, Ueber Derivate des a-Naphtochinons. 
Berichte, 11. 1314. 

1878. Th. Diehl unà V. Mers, Ueber die Naphtopikrinsäure und einige 
Derivate derselben. Berichte, 11. 1661. 

1878. V. Mers und W. Weith, Ueber die Endprodukte bei der er- 
schöpfenden Bromierung einiger höher molekularer Paraffine. Be- 
richte, 11. 2244. 

1878. V. Mers und W. Weith, Die Anfangsglieder der Paraffinreihe 
bei erschöpfender Bromierung. Berichte, 11. 2235. 

1879. Mers und Weith, Korrespondenz von W. Michler aus Zürich. 
Berichte, 12. 677. 

1879. Mers und Zetter, Korrespondenz von W. Michler aus Zürich. 

Berichte, 12. 681. 
1879. Mers und Weith, Korrespondenz von W. Michler aus Zürich. 

Berichte, 12. 1925. 

1879. V. Mers und G. Zetier, Ueber einige Derivate des Resorcins 
und Orcins. Berichte, 12. 2035. 

1880. V. Mers und J. Tibiriçâ^ Ueber synthetische Beschaffung der 
Ameisensäure. Berichte, 13. 23. 

1880. Mers und Weith, Korrespondenz von W. Michler aus Zürich. 

Berichte, 13. 209. 
1880. V. Mers und W. Weith, Vorlesungsversuche. Berichte, 13. 718. 

1880. V. Mers und W. Weith, Ueber die substitionsweise Einführung 
von Phenolresten. Berichte, 13. 1298. 

1881. Vi Mers und W. Weith, Ueber die Aetherifizierung der Phenole. 
Berichte,. 14. 187. 

1881. V. Mers und W. Weith, Ueber Amalgame. Berichte, 14. 1438. 

1881. V. Mers und W. Weith, Ueber die Darstellung von Aminen aus 
Phenolen und Alcoholen. Berichte, 14. 2343. 

1882. V. Mers und W. Weith, Ueber synthetische Oxalsäure. Berichte, 
15. 1507. 

1882. V. Mers und W. Weith, Ueber einige Nitroderivate des Naph- 
talins. Berichte, 15. 2708. 

1883. V. Mers und W. Weith, I. Ueber die erschöpfende Chlorierung 
einiger aromatischer Substanzen. Berichte, 16. 2869. 

1883. V. Mers und W. Weith, II. Ueber einige Bromverbindungen. 
Berichte, 16. 2890. 

1884. K. Goiisiorowski und Mers, Nitrile und Carbonsäuren aus aro- 
matischen Aminen. Berichte, 17. 73. 

1884. V. Mers und K. Gasiorowski, Ueber die direkte Ueberführung 
von Gliedern der Weingeistreihe in Amine. Berichte, 17. 623. 

1885. K. Gasiorowski una V. Mers, Nitrile aus formylierten aromatischen 
Aminen. Berichte, 18. 1001. 

1886. V. Mers und C. Ris, o- und p-Nitranilin aus den entsprechenden 
Nitrophenolen. Berichte, 19. 1749. 7 



— XCVIII — 

1887. V. Mers und P. Müller, Monotolyl- und Ditolylamine aus den 

drei isomeren Kresolen. Berichte, 20. 544. 
1887. V. Mers und C. Ris, Ueber die Einwirkung von Aethylendiamin 

auf das Brenzcatechin. Berichte, 20. 1190. 
1889. V. Mers und E. Holsmann, Ueber Entstehungsverhältnisse des 

Bromwasserstoffs. Berichte, 22. 867. 
1893. V. Mers und Paschkowesky, Ueber eine neue Bildungsweise 

sekundärer aromatischer Amine. Journal für prakt. Chemie. (2) 

48. 454. 
1899. V. Mers und H. Strasser, Ueber die naphtylierten Benzidine. 

Journal für prakt. Chemie. (2) 60. 159. 

1899. V. Mers und H. Strasser, Ueber naphtylierte Phenylendiamine 
Journal für prakt. Chemie. (2) 60. 545. 

1900. V. Mers und H. Strasser, Kurze Mitteilungen. Journal für prakt. 
Chemie. (2) 61. 103 — 113. 



3. Verzeichnis der unter dem Namen von Schülern erschienenen 
Publikationen 



1873. Lydia Sesemann, Ueber die benzylierte und dibenzylierte Essig- 
säure. Berichte, 6. 1085. 
1875. O. Hazisamann, Ueber die /3-Naphtoesäure. Berichte, 8. 1505. 

1875. Ennes de Sousa, Zur Kenntnis der Amalgame. Berichte, 8. 1616. 

1876. G. Ruoff, Ueber die Ergebnisse einer erschöpfenden Chlorierung 
aromatischer Substanzen. Berichte, 9. 1483. 

1876. E. Gessner^ Zur Kenntnis der Naphtalinsulfmsäuren. Berichte, 9. 

1500. 
1876. Emil Gessner^ Ueber die erschöpfende Einwirkung des Broms 

auf einige aromatische Körper. Berichte, 9. 1505. 
1876. O. Hausamann. Ueber einige Derivate der a- und /3-Naphtoë- 

säure. Berichte, 9. 1513. 
1878. A. G. Eckstrand, Ueber ein Trinitronaphtol. Berichte, 11. 161. 
1878. Georg Zetter, Beiträge zur Kenntnis der Chlor- und Bromderivate 

des Phenanthrens. Berichte, 11. 164. 
1878. Theodor Diehl, Beiträge zur Kenntnis der Derivate des Anthracens. 

Berichte, 11. 173. 
1878. Theodor Diehl, Zur Kenntnis der Oxyanthrachinone. Berichte, 

11. 183. 



— IC — 

1878. Theodor Diehl, Halogenderivate des Alizarins. Berichte, 11. 187. 

1881. E. Sarauzv, Untersuchungen über das Benzolchinon und einige 
Derivate desselben. Annalen, 209. 93. 

1882. Heinrich v. AHederhätisem, lieber die Entstehungsverhältnisse 
einiger aromatischer Aether. Berichte, 15. 1119. 

1882. Karl Mainzer, lieber die Spaltungsverhältnisse gemischter aro- 
matischer Schwefelharnstoffe durch Säuren. Berichte, 15. 1412. 

1582. Arthur Cairn, lieber ein Amidoamylbenzol, Berichte, 15. 1642. 
1882. G. Benz, lieber Amidoäthylbenzol und Aethyl-o-amidotoluol. Be-r 

richte, 15. 1646. 

1882. Hans Walder, Beiträge zur Kenntnis des /3-Dinaphtols. Berichte, 

15. 2166. 

1883. G. Benz, Ueber die primären und sekundären Naphtylamine. Be- 
richte, 16. S. 

1883. Ernst Louis, Ueber einige aromatische Amine. Berichte, 16. 105. 
18S3. Hans Walder, Ueber die o.-Betaoxynaphtoylbenzoesäure. Berichte,, 

16. 299. 

1583. R. Heim, Ueber einige Phenolester der Phosphorsäure. Berichte, 

16. 1763. 

1883. R. Heim, Ueber die Umwandlung der Phenole in Nitrii e und 
Säuren. Berichte, 16. 1771. 

1883. Karl Mainzer, Ueber die Spaltungsverhältnisse gemischter aroma- 
tischer Schwefelharnstoffe durch Säuren. Berichte, 16. 2016. 

18S3. Emil Friedländer, Ueber einige Derivate des a- und /3-Naphtols. 
Berichte, 16. 2075. 

1883. Arlhzir Cairn, Ueber die Einwirkung des Anilins auf Resorcin 
und Hydrochinon. Berichte, 16. 2786. 

1884. Ch. Ris und A. Weber, Ueber Derivate des /3-Diphenylamins. 
Berichte, 17. 197. 

1884. J. Effront, Ueber isomere Isobutyl-o-amidotoluole. Berichte,. 

17. 419. 

1884: A. Francksen, Ueber Derivate des Phenpropylamins. Berichte,. 

17. 1220. 
1884. Adolf Pfahl, Ueber die Konstitution des Amidoisobutylbenzols^ 

Berichte, 17. 1232. 
1884. R. Flessa, Ueber einige Abkömmlinge des Naphtalins. Berichte,. 

17. 1479. 
1884. F. Klingel, Ueber Amidoacetophenon und verwandte Körper. 

Berichte, 17. 1613. 
1884. Ch. Ris, Ueber das Phenyl-^-naphtacridin. Berichte, 17. 2029.. 
1884. f. Eff~ro7it, Ueber zwei isomere Isobutyl-o-amidotoluole. Berichte, 

17. 2317. 
1884. Max Philip und A. Cairn, Ueber Derivate des Paraoxydiphenyl- 

amins. Berichte, 17. 2431. 



1SS4. F. O. Blümlein, Ueber gebromte Phtalsäuren. Berichte, 17. 2485. 

1554. F. O. Blümlein, Einwirkung von Bromacetophenon auf Säureamide. 
Berichte, 17. 257S. 

18S5. A. Beran, Ueber p-Amidoctylbenzol, p-Amidocaprylbenzol und 
ein Amidooctyltoluol. Berichte, IS. 131. 

1555. A. Weber und N. Wolff, Perchlorphenol aus Perchlorbenzol. Be- 
richte, IS. 335. 

1555. K. Gousiorowski und A. Wayss, Zur Kenntnis der Diazover- 
bindungen. Berichte, 18. 337. 

1885. J. Hertkom^ Ueber Silicate der Phenole. Berichte, 18. 1679. 

1885. Edîiard Kreysler, Ueber einige Phenolester der Phosphorsäure. 
Berichte, IS. 1700. 

1S85. Eduard Kreysler, Reaktions Verhältnisse der neutralen Phosphor- 
säureester einiger Phenole. Berichte, 18. 1706. 

1885. K. Gasiorowski und A. Wayss, Chlor- und Bromkohlenwasser- 
stoffe aus aromatischen Aminen. Berichte, 18. 1936. 

1885. Carl Ullmann, Zur Kenntnis der Derivate des Triphenylmethans. 
Berichte, 18. 2094. 

1885. J. Klingel, Ueber p-Amidoacetophenon, m-Amido-m-acetyltoluol 
und einige Derivate dieser Körper. Berichte, 18. 2687. 

1556. A. Hatschek und A. Zega, Ueber die Einwirkung von Paratoluidin 
auf Resorcin und Hydrochinon. Journal für prakt. Chemie. 141. 
N. F. 33. 209. 

1886. A. Zega und K. Buch, Ueber die Einwirkung von Anilin auf 
Orcin. Journal für prakt. Chemie. 141. N. F. 33. 538. 

1886. Arthur T. Mason, Beiträge zur Kenntnis der Alkylendiamine. 
Berichte, 19. 112. 

1886. Andrew Barr, Ueber das Verhalten einiger Harnstoffe der aro- 
matischen Reihe bei höherer Temperatur. Berichte, 19. 1765. 

1886. Ch. Bis. Ueber Reaktionsverhältnisse des /3-Dinaphtylamins. Be- 
richte, 19. 2016. 

1886. Ch. Bis, Ueber das Phenazin. Berichte, 19. 2206. 

1886. Ch. Bis, Ueber das Thio-ß-dinaphtylamin und einige Derivate des- 
selben. Berichte, 19. 2240. 

1886. Adolf H^uhn, Beiträge zur Kenntnis der aromatischen Carbodii- 
mide. Berichte, 19. 2404. 

1886. C. Dahm und K. Gasiorowski, Condensationsprodukte aus den 
Carbodiimiden und Orthodiaminen. Berichte, 19. 3057. 

1887. Arthur T. Mason, Ueber Condensationsderivate des Aethylen- 
diamins. Berichte, 20. 267. 

1887. P. Müller, Primäre und sekundäre Xylylamine aus Xylenolen. 

Berichte, 20. 1039. 
1887. Rachel Lloyd, Ueber die Umwandlung höherer Homologen des 

Benzolphenols in primäre und sekundäre Amine. Berichte, 20. 1254. 



— CI — 

1887. Andrew Barr^ Nitrophenole und Phenylhydrazin. Berichte, 20. 1497. 
1887. E. Holzmann^ Ueber Thioderivate des Diäthyl- und Dimefhyl- 

anilins. Berichte, 20. 1636. 
1887. Max Lewy^ Ueber die Einwirkung- von Säureamiden auf Brom- 

acetophenon. Berichte, 20. 2576. 
1.887. Ch. Ris, Ueber Derivate des (3-Dinaphtylamins. Berichte, 20. 2618- 
1887. W. Fehrmann^ Zur Kenntnis der Auramine. Berichte, 20. 2844. 
1887: Aug. Bischler^ Condensationsprodukte aus Paratoluidin mit Para- 

nitrobittermandelöl. Berichte, 20. 3302. 

1887. Carl Geiser^ Ueber Derivate des p-Amidoisobutylbenzols. Be- 
richte, 20. 3253. 

1S88. Max Lewy^ Ueber die Basen aus Bromacetophenon und Säure- 
amiden. Berichte, 21. 924. 

188S. E. Holzmann^ Ueber die Thioderivate einiger sekundärer und 
tertiärer aromatischer Amine. Berichte, 21. 2056. 

1888. Max Lewy, Ueber Oxazole und Derivate. Berichte, 21. 2192. 
1888. H. Stracke^ Zur Kenntnis des Propylendiamins und des Trime- 

thylendiamins. Berichte, 21. 235S. 

1888. Otto Kym, Ueber Thioderivate des (3-Dinaphtylamins. Berichte, 
21. 2807. 

1888. Carl Gelser, Ueber Derivate des p-Amidoisobutylbenzols. Be- 
richte, 21. 2941. 

1888. Carl Gelser, Ueber Derivate des p-Amidoisobutylbenzols. II. Be- 
richte, 21. 2949. 

1888. Stanislaus Onufrowics, Ueber ein ß-Naphtolmonosulfid. Berichte, 
21. 3559. 

1889. Culmänn C. und K. Gasiorowski, Ueber die Einwirkung von 
Zinnsalz auf Diazokohlenwasserstoffsalze und einige Reaktionen 
der Diazoimidokohlenwasserstoffe. Journal für prakt. Chemie. 
(2) 39. 97. 

1889. Ira Moore. Ueber die Condensationsprodukte aus aromatischen 

Carbodiimiden und Orthodiaminen. Berichte, 22. 1635. 
1889. M. Nathanson und P. Müller, Ueber Derivate und Reaktionen 

des Tetramethyldiamidobenzophenons. Berichte, 22, 1875. 
1889. Richard Hafner, Ueber die Chlorierung und Bromierung des 

Anilins, des o- und p-Toluidins in Gegenwart überschüssiger 

Mineralsäuren. Berichte, 22. 2524. 
1889. Hafner. Richard, Ueber die Einwirkung von Brom auf p-Toluidin 

in Gegenwart von konzentrierter Schwefelsäure. Berichte, 22. 2902. 

1889. Ira Moore, Ueber die Condensationsprodukte aus aromatischen 
Carbodiimiden und Orthodiaminen. Berichte, 22. 3186. 

1890. Otto Kym, Beitrag zur Kenntnis der aromatischen Harnstoffchloride. 
Berichte, 23. 424. 

1890. Otto Kym^ Ueber das /3-Dinaphtylharnstoffchlorid und den ,3-Tetra- 
naphtylharnstoff. Berichte, 23. 1540. 



cu 



1890. Otto Kym, Ueber Thioderivate einiger aromatischer Amine. Be- 
richte, 23. 245S. 

1890. Stanis laus Omifrowicz, Ueber Sulfide des /-J-Naphtols. Berichte, 
23. 3355. 

1891. E. Hartmann, Ueber die erschöpfende Chlorierung einiger 
hochmolekularer Fettkörper. Berichte, 24. 1011. 

1891, A. Keller^ Ueber die Produkte der Einwirkung aromatischer Carbodi- 

imide auf Orthodiamine. Berichte, 24. 2498. 
1891. wS. Paschkowezky^ Ueber einige aromatische sekundäre Harnstoft- 

chloride und quaternäre Harnstoffe. Berichte, 24. 2905. 
1893. 6". Paschkowezky^ Ueber die Darstellung von Magnesiumstickstoff. 

Journal für prakt. Chemie. (2) 47. 89. 
1893. K. Jedlicka, Ueber einige Derivate des p-Tertiärbutylphenols, 

Journal für prakt. Chemie. (2) 48. 97. 

1893. K. Jedlicka, Einwirkung von Aethylendiamin auf Nitrophenole, 
deren Aether und corresp. Halogenverbindungen. Journal für prakt. 
Chemie. (2) 48. 193. 

1894. J. Finckh und M. Schwimmer, Ueber Abkömmlinge des Aura- 
mins. Journal für prakt. Chemie. (2) 50. 401. 

1895. O. Kym^ Ueber eine neue Bildungsweise sekundärer aromatischer 
Amine. Journal für prakt. Chemie. (2) 51. 325. 



— cm 



9. 



Dr. Hermann Pestalozzi. 

1826-1903. 



Hermann Pestalozzi von Zürich, geboren daselbst 
am 21. November 1826, durchlief die städtischen Schulen 
und das Gymnasium und machte Ostern 1845 seine 
Maturität. Ein Semester widmete er dem Studium des 
Rechts, trat dann im Herbst zur Medizin über, der er 
treu blieb und zunächst fünf Semester an der Zürcher 
Hochschule widmete. Hier stand er besonders mit Pro- 
sektor, nachher Professor Hermann von Meyer in freund- 11 
schaftlichem Verkehr. Auch K. E. Hasse, dem prächtigen 
Lehrer und Pädagogen, kam er nahe, und ein späteres 
Zusammentreffen in Rom weckte wieder die freund- 
lichen Erinnerungen. 

Im Frühjahr 1848 zog er, unter andern mit seinen 
Freunden Latirenz Sonderegger und Karl Zehnder nach 
Würzburg und promovierte hier schon im Herbst 1848. 
Seine Dissertation, unter Köllikers Leitung gearbeitet 
und ihm gewidmet, handelt: „Über Aneurysmata spuria 
der kleinen Gehirnarterien und ihren Zusammenhang 
mit Apoplexie". Im Frühjahr 1849 ging er nach Wien, 
Anfang August nach Prag, dann nach Berlin, von dort 
über Hamburg und Köln nach Paris. Im März 1850 
kam er nach Zürich zurück. Hier trat er nach wenigen 
Tagen als Privatassistent bei Dr. Locher-Zwingli ein, 
dem Professor der chirurgischen Klinik, einem Muster 
von Sorgfalt und Reinlichkeit im Operieren und Ver- 
binden und in grosser Praxis stehend. In dieser präch- 
tigen Schule blieb er drei Jahre. Im Herbst 1850 
machte er sein Staatsexamen. Im Frühjahr 1853 gründete 
er seinen eigenen Hausstand und seine Praxis. 



- CIV - 

Ein grosser und glücklicher Familienkreis wurde 
ihm zuteil und blieb ihm bis an sein Ende. Als Arzt 
war Dr. Pestalozzi bei seinen Patienten sehr beliebt, er 
machte sich als uneigennütziger Helfer um viele Kranke 
in Aussersihl sehr verdient und g-enoss bei seinen 
Kollegen wohlverdiente Achtung und Zutrauen. Die 
Praxis gab er 1882 aus Gesundheitsrücksichten auf. 

Er war längere Zeit Mitglied der Militärwundschau 
und städtischer Arzt für die Brandstätte. Der natur- 
forschenden Gesellschaft Zürich trat er 1S54 bei und 
war 1857—1860 ihr Sekretär. Von 1S67— 1870 war er 
Vizepräsident und Quästor der kantonalen zürcherischen 
ärztlichen Gesellschaft. Manches Jahr war er Mitglied 
der Kuratel des Krankenmobilienmagazins, zuletzt noch 
tin Jahr ihr Präsident. 

Eine intime hiesige Arztegesellschaft feierte Oster- 
dienstag 1S56 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Hiezu lud 
jedes Mitglied einen jungen Kollegen ein. Bei gehobener 
Feststimmung äusserte Dr. Hermann Pestalozzi zu Dr. 
F. Homer, es sollte auch eine Gesellschaft der jungen 
Arzte Zürichs gestiftet werden. Sogleich legte Horner 
in begeisterter Rede das Versprechen einer solchen 
Schöpfung ab und mit Zuzug von noch zwei andern 
Kollegen ging man alsbald ans Werk und gründete die 
Gesellschaft jüngerer Arzte — der Anfang der jetzigen 
Gesellschaft der Arzte in Zürich. — In einer der ersten 
Sitzungen erklärte und zeigte Dr. Hermann Pestalozzi 
den damals neuen Gipsverband. 

Nach langer Krankheit wurde Dr. Pestalozzi am 
26. Juni 1903 vom Schlage getroffen und starb drei 
Tage nachher 76 Jahre alt. 

Mitget. von Herrn Dr. C. Rahn-Meyer. 
(Aus der Vierteljahrsschrift d. Xaturf. Ges. Zürich, Jahrg. XLVIII, 1903.) 



cv 



io. 



D r Leopold de Reynier. 

1808-1904. 



Né à Neuchâtel, le 19 décembre 1808, Leopold 
Reynier étudia la médecine à l'Académie de Zurich, 
puis à Giessen, où il fut reçu docteur le 9 octobre 1829, 
à Wurzburg, à Paris et même à Londres, puis vint se 
fixer en 1832 dans sa ville natale et épousa en 1833 
M lle Louise Koelliker, d'une famille médicale zuricoisê. 

Il ne tarda pas à se faire apprécier, appartint à 
la Commission de Santé de la ville (1833) fut médecin- 
chirurgien de ville (1833 — 1851), membre de la Com- 
mission de Santé de l'Etat (1847—1848 et 1855—1856). 
Il fit partie de la Commission chargée de la réorgani- 
sation de l'hôpital bourgeois (1844), duquel il fut mé- 
decin-adjoint (1860), puis médecin en chef (1863 — 1872); 
enfin, il fit partie de la Commission de la maison de 
santé de Préfargier (1867—1888). 

Membre pendant un certain temps de la Société 
neuchàteloise (1832) et jusqu'à sa mort de la Société 
helvétique des sciences naturelles (1834), dernier sur- 
vivant de tous ceux qui avaient pris part en 1837 à la 
première session de celle-ci dans nos murs, il fut nommé 
en souvenir de ce fait membre honoraire de celle de 
Neuchâtel et reçut à La Coudre, où il vivait alors, de 
la Société helvétique dont il était depuis longtemps un 
des seniores^ un télégramme lors de la 3 me session de 
cette grande Société en notre ville. 

Il fit également partie de la Société médicale de 
Neuchâtel (1853), dont il devint successivement vice- 
président puis président, et de la Société neuchàteloise 
des sciences médicales, dont il fut deux fois président. 



— evi — 

Le I er avril 1S65, il reçut de Berlin, ainsi que son 
frère Henri, des lettres de noblesse, pour eux et leurs 
descendants. 

Il eut la joie de voir son fils Ernest, puis son petit- 
fils Edmond, s'établir comme médecins à Xeuchàtel, et 
tout récemment deux autres de ses petits-fils, Leopold 
de Reynier et Rodolphe de Merveilleux, reçus docteurs, 
l'un à Bàie et l'autre à Berne. Il fut également bien 
sensible au témoignage d'affection que lui offrirent ses 
anciens confrères de Xeuchàtel au cinquantième anni- 
versaire de son doctorat. 

Retiré à La Coudre dès 1877, il y conserva une 
vigueur du corps et de l'esprit, qu'il entretenait par 
les exercices auxquels il se livrait et qu'illustrèrent les 
Fe7tïlles cC hygiène de 1903. Il ne se refusa jamais à 
traiter gratuitement les habitants de la localité. 

Atteint en 1S62 d'une lymphangite grave due à 
une piqûre anatomique. il eut à La Coudre une pneu- 
monie infectieuse en 1887, etc. Sa dernière maladie dé- 
buta brusquement le 23 août 1903: à la suite d'efforts 
qu'il fit pour ranimer un pendu, survinrent des héma- 
turies, qui se renouvelèrent et déterminèrent sa mort 
survenue le soir du I er juin 1904, après qu'il eut fait 
en pleine paix ses adieux à sa famille. 

Cette fidélité au devoir, il la montra dans toute sa 
vie, non seulement envers les malades, mais envers ses 
confrères, sa patrie et ses convictions religieuses, et 
cela de manière à mériter les éloges que lui ont ren- 
dus nos journaux locaux. 

Bon observateur, chirurgien habile, il écrivit peu, 
mais fit un grand nombre de communications intéres- 
santés aux diverses Sociétés dont il fut membre, et plus 
spécialement à la Société médicale de notre ville. 11 a 
consenti à publier dans Y Echo médical une observation 
remarquable intitulée: Plaie pénétrante du larynx; 
laryngo-trachéolomie ; gué riso n (III, 1859, p. 241 — 243); 



— CVII — 

le même recueil a reproduit sa note sur un Notencé- 
phale (lue le 13 avril 1859 à la Société susdite), dont 
la mère, fait singulier, mit au monde deux ans plus tard 
un enfant atteint de Spina bifidea (séance du 17 mai 1861), 
observation qui n'a pas été publiée. 

Ce n'est pas sans émotion qu'un de ses anciens 
confrères et amis rend ce dernier témoignage d'affection 
au doyen des médecins neuchâtelois. 

Dr. Ed. Cornac. 



— CVIII 



11. 



Fritz Riggenbach-Stehlin. 

1821— 1904. 



Die Zeit ist vorüber, da die Wissenschaft mit etwas 
abschätziger Gönnermiene auf die Dilettanten herabsah. 
Seit bedeutendste Sammlungen dem Fleiss und der Hin- 
gabe von Liebhabern ihren Bestand verdanken, und seit 
auch bahnbrechende Beobachtungen, welche Grundlage 
ganzer Gebiete schweizerischer Naturforschung bilden, 
von Laien, selbst im Bauernkittel, ausgegangen sind» 
wollen wir uns der Mitarbeit der Dilettanten immer be- 
wusster erfreuen. Den Dilettanten zeichnet auf alle 
Fälle etwas aus, ohne das auch der Berufsarbeiter in 
der Wissenschaft kein Meister wird : das Feuer der Be- 
geisterung, die unauslöschliche, glühende Liebe zu 
seinem Gegenstand. 

Ein solcher Dilettant in des Wortes edelster Be- 
deutung ist von uns geschieden in der Person von Fritz 
Riggenbach von Basel, dessen vielseitige Talente es 
zweifelhaft lassen, ob wir sein Andenken mehr als des 
genialen Musikers, des hervorragenden Bürgers oder des 
Entomologen zu ehren haben, wobei immer noch der 
liebenswürdige Mensch wohl am höchsten zu stellen sein 
dürfte. 

Fritz Riggenbach-Stehlin ist geboren am 1 1 . Sep- 
tember 1821 als Sohn einer aus Baselland stammenden 
Familie. Der Vater Joh. Riggenbach war einer der be- 
deutenden Bankiers Basels. An vielseitiger Begabung, 
an allumfassendem Interesse und an Fleiss ragte Fritz 
Riggenbach über die meisten seiner Generation hervor, 
und die damals recht strenge und peinlich bürgerliche 



— CIX — 

Lehrzeit im Bankhause seines Vaters konzentrierte diese 
Eigenschaften eher, als es sie unterdrückte. Und fortan 
wusste er auch als Teilhaber und bald als Chef dieses 
Hauses, obwohl er darin hohe geschäftliche Erfolge errang 
und ihm bis zum Lebensende treu blieb, Kunst und Wissen- 
schaft mit seltener Ausdauer festzuhalten und sich darin 
zu entwickeln. Es ist bekannt und an anderer Stelle 
bereits veröffentlicht, welchen Impuls er dem musika- 
lischen Leben der Vaterstadt mitgeteilt hat. Es ist er- 
staunlich, dass er neben dieser grossartigen Tätigkeit noch 
Kraft und Zeit übrig hatte für die Entomologie. Wann 
Fr. Riggenbach, der schon als Knabe mit Verständnis 
Insekten sammelte, sich mit voller Entschiedenheit den 
Lepidoptern zuwandte, verliert sich für uns ins Dunkel 
sehr früher Jahre. Er selbst teilt mit, dass er vom 
Jahr 1866 an seine Sammlung neu begonnen und seither 
unausgesetzt fortgeführt hat. Mit jenem feinen und 
sichern Sinn für kleinste und zarteste Unterscheidungs- 
merkmale ausgestattet, welcher den geborenen Entomo- 
logen bezeichnet, wurde es ihm leicht, sich in den arten- 
reichsten und schwierigsten Gattungen zurecht zu finden. 
Gerade solche zogen ihn am meisten an, und er konnte 
seine Freunde vor einem Kasten mit Bräunungen, an 
denen unsre Fauna so reich ist, auf feine charakte- 
ristische Unterschiede aufmerksam machen, die sich in 
den Büchern kaum erwähnt finden. Eine besonders un- 
scheinbare Art, deren Diagnose ungemein schwer deut- 
lich zu geben ist, freute ihn gerade darum besonders. 
An deren Namen Erebia Eriphyle knüpfte er die launige 
Bemerkung, man müsse es eben „fühlen", worin die 
Unterschiede beständen. Folgerichtigr waren es denn 
auch weniger die „seltenen" Spezies, als die Linien und 
Kreise, in denen die Variation der Arten unserer 
Schmetterlingsfauna sich bewegt, die unsern Freund am 
meisten anzogen. Daher kamen die langen Reihen einer 
und derselben Spezies, die er in seiner immer mehr an- 



— ex — 

wachsenden Sammlung" autbewahrte. Es war ein Genuss, 
sich von ihm die scheinbar monotonen Reihen deuten, 
jedes Exemplar in seiner besonderen Variation erklären, 
und so den Umfang der Variabilität jeder Art feststellen 
zu lassen; zu hören, wie das eine Genus in der Richtung 
der Verdunkelung und Verstärkung der Zeichnung, das 
andere in der Richtung des Albinismus variert, während 
andere Genera in mehrfacher Richtung abändern. Mît 
welcher Freude nahm er dann von jeder neuen Arbeit 
Notiz, die sich mit diesen Fragen beschäftigte, nament- 
lich, als sich durch Einfluss von Wärme und Kälte die 
Kausalzusammenhänge für mehrere dieser Varietäten 
enthüllten. Vie freute er sich etwa auch der Melitaea 
Cynthia, einer Alpenform, die einen konstant gewordenen 
Albinismus zur Schau trägt, und noch mehr, als wir zu- 
sammen an den heissen Hängen ob Xaters die Melitsea 
Phcebe mit einem „südlichen" Albinismus behaftet fanden! 
Die Gabe des echten Forschers, Beobachtungen zu 
kombinieren, daraus Hypothesen zu ziehen, aber sofort 
durch gesunde Kritik die Hypothese wieder zu bekämpfen 
und auf ihr zulässiges Minimum zu beschränken, war 
ihm in hohem Masse eigen. 

Dass der feine Aesthetiker Fritz Riggenbach. bei 
seinem Bienenfleiss und seiner Energie bald eine Samm- 
lung angelegt hatte, die an Sorgfalt der Einrichtung, an 
Reinheit der Stücke und Eleganz der Anordnung ihres 
Gleichen in der Schweiz suchte, darf uns nicht wundern. 
Dabei kam ihm auch seine eiserne Rüstigkeit und rasche 
Gewandtheit zu statten. Auf Alpenreisen wie in den 
heissen Pyrénéen entfaltete er einen Sammelfuror, der 
andere geradezu abenteuerlich dünkte. Xur ein Beispiel. 
Auf einer Fahrt auf der Bahn durch Baselland, dem 
Hauptquartier des prächtigen Augsburger Bären (Matro- 
nula) flogen 2 ganz frische Stücke des geschätzten In- 
sekts durch das offene Fenster einer fremden Dame an 
das Gewand. Das Fenster schliessen, der Dame die 



— CXI — 

nötige Erklärung geben, an der nächsten Haltstation 
aussteigen, im Packwagen den Koffer suchen, ihn öffnen, 
das Cyankaliglas herausnehmen, zurück an seinen Platz 
eilen und glücklich das schöne Pärchen im Glase bergen,, 
war für Riggenbach die Sache weniger Minuten. 

Seit er in den Sommermonaten von 1866 an viel 
auf seinem, entomologisch und botanisch höchst günstig 
gelegenen Schloss Bechburg am Rande des Solothurner 
Jura verkehrte, und im höhern Alter daselbst wohnte, 
hat er den Fang der Nachtfalter an der Lampe mit 
erstaunlicher Ausdauer, oft Nacht für Nacht geübt, und 
das „Lämpeln" war ihm ein Hochgenuss, denn da er- 
gaben sich wie von selbst Beutezüge, unter denen die 
Neuheiten oft geradezu sich herbeidrängten. 

Im Winter galt es dann, in den prachtvollen Kasten, 
der eine ganze Wand des Sammlungszimmers im „Ketten- 
hof", dem Hause Riggenbachs in Basel, einnahm, all die 
neuen Fänge einzureihen. Die einzelnen Glaskästchen 
(hunderte sind es) zeichnen sich durch einen ganz raffi- 
nierten, schief einfalzenden Verschluss aus; das Modell 
entstammt dem britischen Museum. Vor etwa 10 Jahren 
wurde diese Sammlung, in etwa 50 Kisten verpackt, 
ohne Havarie nach der Bechburg transportiert, auch 
für die Exoten eine neue Serie von Deyroll'schen Karton- 
kästchen angelegt. 

Riggenbachs Studien erstreckten sich auf alle Gruppen 
der Falter, und die schweizerischen, darunter die juras- 
sischen Arten standen in erster Linie. Allmählich zog 
er die ganze paläarktische Fauna heran, und nur mit 
einer gewissen Zurückhaltung gab er dem — bei seinem 
ästhetisch gerichteten Sinn allerdings verführerischen 
Zuge zur Tropenfauna nach, deren glänzende Vertreter 
er gerne auch Nichtkennern vorwies. Sein Arbeitsfeld 
im engeren Sinn ist aber die heimatliche Fauna ge- 
blieben, und was irgend sich damit aus fremden Ge- 
bieten in Verbindung setzen lies. 



- CXII - 

Am meisten aber wird uns in Erstaunen setzen, 
dass Fr. Riggenbachs Interesse an dem, doch schon so 
weiten Gebiete der Grossschmetterlinge noch keine 
Sättigung fand, sondern dass er eine beträchtliche Samm- 
lung von, Micro zusammengebracht hat. Die Beschäfti- 
gung mit diesen stellt solche Anforderungen an die Zeit, 
an die Augen, an die Geduld und Sorgfalt des Beob- 
achters, dass heutzutage kaum noch ein Entomolog sich 
mehr finden wird, der auf gleicher Linie sich mit Macro 
und Micro abgibt, vielmehr bleiben den Macro-Lepidop- 
terologen in der Regel die Geheimnisse der Micro auf 
immer verschlossen. Unser Freund brachte es fertig 
als Dilettant, was den wenigsten Fachmännern gelingt, 
auf beiden Gebieten sich mit dem Erfolg zu versuchen, 
von welchem seine Sammlung Zeugnis ablegt. 

Dass die Anschaffung einer Bibliothek der wert- 
vollsten und zum Teil seltensten Werke nicht unter- 
lassen wurde, versteht sich von selbst. 

Ein Mann vom Charakter Riggenbachs war selbst- 
verständlich eine Zierde und Stütze der schweizerischen 
entomologischen Gesellschaft, der er seit Oktober 1861 
angehörte. Die Mitteilungen dieser Gesellschaft zeugen 
von seiner regen Tätigkeit im Schoss derselben. Im 
Jahre 1879 war er deren Präsident, und zweimal: 1880 
und 1891, versammelte er die Kollegen auf der Bech- 
burg und gab ihnen Gelegenheit, die edle Gastfreund- 
schaft des Besitzers mindestens so sehr zu würdigen als 
dessen entomologische Schätze. 

In den Mitteilungen von 1876 hat er auch eine 
grössere Arbeit : Die Macro lepidopter en der Bechburg ; 
veröffentlicht (Band 4 Seite 597) und darin (Seite 607) 
eine neue Art: Caradrina Jurassica, benannt und be- 
schrieben. In der Iconographie von S. Millière, Con- 
tinuation 1878, ist diese Neuheit abgebildet. 

Dieser Aiîfsatz von Rig-genbach über die Fauna 
seines Lieblingsplätzchens am Jura-Rande enthält eine 



- CXIII — 

sehr anziehende Einleitung, worin er diese Gegend, 
namentlich nach ihrer pflanzen- und tiergeographischen 
Eigentümlichkeit, vortrefflich charakterisiert, und dann 
übergeht auf die verschiedenen Fangmethoden mittelst 
Schutzköder und mittelst der Lampe. Er berichtet hier 
sehr interessante Erfahrungen, und konstatiert, dass sich 
die Falter zu diesen zwei Methoden sehr verschieden 
verhalten, dass z. B. Weibchen und Männchen zugleich 
an den Köder gehen, während von vielen Arten nur 
letztere dem laicht entgegenfliegen; dass es lichtscheue 
Arten gibt, die man an der Lampe kaum je zu sehen 
bekommt, dass bei hellem Mondschein der Lampenfang 
ganz unergiebig war, während trübe, regnerische, aber 
warme und windstille Nächte die reichste Ausbeute ari 
der Lampe gewährten. Zu solcher Perfektion brachte 
es der fleissige Sammler, dass er einmal, im Juli 1876, 
in einer Nacht, von der Dämmerung bis 1 72 Uhr nachts, 
genau 100 Spezies verschiedener Falter an der Lampe 
einfing. 

Im Novemberheft der Mitteilungen für 1884 (Band 
VII, pag. 45/48) findet sich ferner eine kleine Arbeit 
Riggenbachs: Verschiedene Beiträge zur schweizerischen 
Insekten- Fauna, worin er wiederum u. a. neue Funde 
von der Bechburg mitteilt und mit dem bezeichnenden 
Worte schliesst: „Nur nicht immer in die Alpen! Der 
Jura ist weit reicher an Insekten aller Art." 

Das von J. Wullschlegel in den Mitteilungen IV 
1877 pag. 33 erwähnte Verzeichnis der Noctuinen der 
Bechburg bei Önsingen nebst faunistischen Mitteilungen 
aus verschiedenen Gegenden der Schweiz ist im Manus- 
kript geblieben. 

Selbstverständlich wandte Riggenbach besonders 
der entomologischen Sammlung des Basler Museums 
sein wohlwollendes Interesse zu. Mitglied der Basler 
Naturforschenden Gesellschaft war er schon seit 1867, 
Mitglied der schweizerischen naturforschenden Gesell- 



— CXIV - 

schaff seit 1868. Der Kommission des Basler Museums ge- 
hörte er als Leiter der entomologischen Abteilung seit 1879 
an, zwei Jahre nach dem Tode des früheren Vorstehers, 
des Coleopterologen Bischoff-Ehinger, und füllte diese 
Stelle bis zu seinem Tode aus, nicht ohne durch Zu- 
wendung schöner und neu entdeckter Schmetterlinge 
seine Liebe zur Sache zu bezeugen. 

Dass sein Eifer für die Insektenvvelt kontagios 
wirkte, dafür ist der Schreiber dieser Zeilen ein Beleg, 
indem er wesentlich durch Riggenbach zur Anlegung 
einer eigenen Sammlung gelangte, die ihm als Kontroll- 
mittel beim Studium pflanzengeographischer Fragen be- 
deutende Dienste leistete, indem sich ein nahezu voll- 
ständiger Parallelismus der geobotanischen Erscheinungen 
mit denen der Schmetterlingsverbreitung nach Zonen 
und Regionen ergab. 

Neben und mit der Insektenwelt zog Riggenbach 
die Geologie und Botanik seiner schönen Juragegend in 
den Kreis seiner Studien. Mit Cartier, dem originellen 
Pfarrer des nahen Egerkingen, pflog er beste Nachbar- 
schaft, und war erfolgreich darauf bedacht, dass dessen 
reiche Sammlung" der berühmten fossilen Egerkinger 
Säugetierfauna dem Basler Museum zugewandt wurde. 
Die schweizerischen Botaniker erfreuten sich unter seiner 
Führung jener klassischen Fundorte der Ravellen-Fluh, 
wo die Iberis saxatilis als äusserster Vorposten aus 
dem tiefen Süden blüht. 

Die letzten Lebensjahre brachten dem trefflichen 
Mann mit dem weissen Bart und dem fröhlichen, hellen 
Auge kaum spürbare Kraftabnahme: jedenfalls blieben 
sein Interesse und sein Eifer dieselben. Den achtzigsten 
Geburtstag feierte er noch mit müheloser Ersteigung 
des Roggenberges. Xur drei Tage dauerte seine letzte 
Krankheit, eine Lungenentzündung. Er starb am 3. März 
1904, und kurz vor dem schmerzlosen Ende fragte er 
noch, ob im Garten die Eranthis hiemalis bereits blühe. 



— cxv - 

An seiner Leichenfeier wurde mit Recht das Wort auf 
ihn angewandt: „Seine Augen waren nicht dunkel ge- 
worden, und seine Kraft nicht verfallen." Ein Muster 
von Pflichttreue, ein Freund alles Schönen und Guten 
ist uns mit ihm entrückt. 

Seine herrliche Sammlung soll nun, nach dem Willen 
der verehrten Familie, als bleibende Stiftung dem Basler 
Museum zufallen, und wird das Andenken an einen Mann 
unter uns bewahren, der in Kunst und Wissenschaft 
drei Generationen fruchtbringend angeregt hat. 

Dr. H. Christ, Basel. 



— CXVI — 



12. 



Prof. Albert Auguste Rilliet. 

1848—1001. 



Albert Auguste Rilliet est né à Genève le 25 avril 
1848. L'histoire de sa famille est intimement liée à 
celle de la vieille république de Genève à laquelle elle 
a fourni un grand nombre de magistrats éminents et 
d'excellents patriotes. 

Il perdit très jeune encore son père, le docteur 
Frédéric Rilliet, médecin très distingué, qui a laissé plu- 
sieurs ouvrages d'une grande valeur scientifique. Sous la 
puissante impulsion de. son oncle, le très savant historien 
Albert Rilliet-de Candolle, qui fut un second père pour 
lui, il prit le goût du travail et acquit une solide culture 
intellectuelle. Bachelier-ès-lettres en 1S66 il entra peu 
après à l'ancienne académie de Genève où il eut comme 
maître l'illustre Marignac, et c'est sans doute à l'influence 
de cet homme supérieur dont l'enseignement était hors 
paire, qu'il dut son premier amour pour la chimie. 

Il devint bachelier-ès- sciences physiques et natu- 
relles en juillet 1S6S, puis bachelier-ès-sciences mathé- 
matiques en octobre de la même année et obtint ainsi 
le diplôme de <-. Maitre-ès-arts » , de l'Académie de Ge- 
nève. 

De sa ville natale il se dirigea d'abord à Paris où 
la suite de ses études le conduisait tout naturellement. 
Il y suivit les cours de la Sorbonne et y obtint en 
août 1870 le grade de licencié es sciences physiques. 

Lannée suivante il étudiait à Leipzig comme élève 
du savant chimiste Kolbe dont il suivit avec ardeur le 
laboratoire. 




ALBERT RILLIET 



1848 - 1904 



— CX VII — 

En 1872 il était au Polytechnicum de Zurich l'assis- 
tant d'un des maîtres de la science d'alors, le fameux 
Victor Meyer qui exerça aussi un grand ascendant sur 
lui. Ce fut dans le cours d'un travail entrepris dans son 
laboratoire « sur les propriétés de certaines matières 
détonantes » qu'il fut victime de son dévouement pour 
la science et qu'une violente explosion produite par une 
des substances étudiées lui enleva complètement la vue 
d'un oeil. Nous ne saurions dire lequel, tant il était ha- 
bile à s'en passer et tant il faisait illusion à cet égard 
dans tous les actes qu'il accomplissait. 

Revenu à Genève, il se livra tout entier à sa pas- 
sion pour l'enseignement, dans les établissements secon- 
daires de l'Instruction publique et dans les chaires les 
plus modestes d'abord, puis plus tard seulement à l'Uni- 
versité. Il aimait, en effet, tout particulièrement à rendre 
clairs et faciles les grands principes de la science à ceux 
qui avaient le plus de peine à les comprendre, à rendre 
cette nourriture intellectuelle assimilable pour ces jeunes 
cerveaux que la crainte tient trop souvent éloignés, et qui 
ne demandent qu'à se rapprocher, quand le maître sait se 
mettre à leur portée. C'était là la principale ambition de 
Rilliet, comme son principal souci celui de se dévouer 
au bien des autres avant de songer à lui-même et à sa 
réputation comme savant. Le nombre de ses publications 
originales s'est peut-être un peu ressenti de cette direc- 
tion donnée à son activité scientifique. Ses anciens élèves 
ne s'en plaindront pas. Il s'est constamment sacrifié 
pour eux. 

C'est ainsi qu'il fut d'abord maître de chimie à 
l'Ecole d'horlogerie de Genève, puis de 1877 à 1888 
maître de notions de chimie à l'Ecole secondaire et su- 
périeure des jeunes filles (division supérieure). 

Entre temps il donna un cours de privat-docent à 
l'Université de 1882 à 1883. 

En 1883 il cumule avec ses autres chaires celle de 



— CXVIII — 

professeur de physique et de chimie au gymnase. Il 
resta à ce poste jusqu'en 1890 et c'est là vraiment qu'il 
put donner à son enseignement la forme qui convenait 
le mieux à ses goûts, celle d'un enseignement supérieur 
rendu élémentaire pour des jeunes esprits débutant dans 
la science. Il l'a dit et répété souvent, comme l'a rap- 
pelé ailleurs 1 ) son successeur et celui de C. Soret à 
l'Université : « Plus un élève a de difficulté à compren- 
dre, plus le problème de l'enseignement me paraît in- 
téressant ». 

C'est à ce moment là de sa carrière professorale et 
en s'efforçant d'élever ses jeunes auditeurs à la concep- 
tion claire des principes supérieurs de la physique et 
de la chimie qu'il fit l'évolution qui le porta de plus 
en plus du côté de la première de ces deux sciences, 
plus philosophique, plus générale, constituant l'étude des 
forces dans leur ensemble et contenant en elle-même, et 
prise dans son sens le plus général, sa sœur cadette la 
chimie. 

Dès 1888 il se voua en effet plus particulièrement 
à la physique et dans cette science ce fut l'électricité 
avec ses applications qui l'attira le plus par les merveil- 
leux progrès qu'elle était en train de faire. 

Comme nous l'avons dit, c'est dans le poste de pro- 
fesseur au gymnase que Rilliet a été le mieux à même 
de déployer le talent tout spécial qu'il possédait pour 
l'enseignement et qu'il a goûté les plus vives jouissances 
dans ce genre d'activité. 

Aussi ne le quitta-t-il que pour répondre à l'appel 
d'un ami et d'un maître vénéré. A la fin de 1889, Louis 
Soret, l'éminent physicien que la science genevoise pleure 
encore, se sentant atteint par le mal grave qui devait 
l'enlever bien peu de temps après à sa famille et à ses 
amis, demanda au Département de l'Instruction publique 



') Journal de Genève du 20 juin 1904. 



— CXIX — 

l'autorisation de se faire remplacer par Rilliet dans la 
chaire de « physique médicale » qu'il occupait avec tant 
de distinction à l'Université. Répondant plus encore à 
la voix de son cœur et au désir d'obliger celui auquel 
l'unissaient des liens si étroits de reconnaissance qu'à l'am- 
bition d'arriver au professorat universitaire, Rilliet ac- 
cepta de faire ce remplacement et apporta à ce nouvel 
enseignement l'entrain et l'activité qu'il avait dépensés 
ailleurs. Il fut nommé définitivement à cette chaire le 
5 août 1890 comme professeur extraordinaire et donna 
sous ce titre de « physique médicale » un cours complé- 
mentaire de celui de physique générale 1 ) fait par son 
ami Charles Soret, titulaire de la chaire principale pour 
cette science. Dès lors ces deux hommes travaillèrent 
ensemble dans le plus parfait accord, dans la collabo- 
ration la plus intime et la plus amicale, au développe- 
ment de l'étude de la physique à l'Université. Rilliet 
ne quitta ce poste élevé que contraint par la maladie 
qui devait être mortelle pour lui. 

Comme nous l'avons dit, l'enseignement qui était son 
goût favori a absorbé Rilliet si complètement qu'il lui 
a pris une grande partie du temps qu'il aurait pu con- 
sacrer à des recherches originales. Xous donnons plus 
loin la liste de ses publications, mais pour en faire res- 
sortir l'importance, nous pensons ne pas pouvoir faire 
mieux que de reproduire ici l'exposé qu'en a fait le suc- 
cesseur de C. Soret, le professeur C. E. Guye, dans le 
Joîtmal de Geiiève % ) peu de jours après la mort de 
Rilliet. 

« Dans la première partie de sa carrière, Albert 
Rilliet s'était consacré plus spécialement à l'étude de la 
chimie, et, dès 1874, il publiait en collaboration avec 
M. Emile Ador une série de recherches fort intéressantes 



*) Ce cours a porté le plus souvent sur l'électricité et l'électromagTié- 
tisme leurs nombreuses applications, les mesures électriques etc. 
2 ) Numéro du 20 juin 1904. 



— cxx — 

sur la constitution chimique des corps. Notons en pas- 
sant Y Etude sur les carbures a" hydrogène obtenus par 
l'action du chlorure de méthyle sur la benzine en pré- 
sence dît chlorure d s aluminium et la Synthèse de phi- 
sieurs kétojies faite en collaboration avec MM. E. Ador 
et Crafts. En 1875 paraissait une Etude sur la consti- 
tution de la benzine qui mérite tout particulièrement 
d'être citée. Ce travail avait été entrepris en vue de 
fournir de nouveaux arguments à l'appui de la célèbre 
hypothèse du chimiste allemand Kékulé sur la constitu- 
tion de la benzine et de ses nombreux dérivés. Cette 
hypothèse, bien qu'admise par la plupart des chimistes, 
était cependant controversée. Grâce à l'étude expéri- 
mentale minutieuse d'un certain nombre de dérivés du 
benzène, MM. Ador et Rilliet purent fournir un nouveau 
contingent de preuves en faveur de cette théorie, qui 
est encore à l'heure actuelle une des plus fécondes de 
la chimie organique. 

«Ce fut en 1880 qu'Albert Rilliet, quittant le do- 
maine de la chimie, orientait son activité scientifique du 
côté de la physique et publiait, en collaboration avec 
J.-L. Soret, une étude importante sur Xabsorplion des 
rayons ultraviolets par les alcools de la série grasse. Ce 
travail effectué par une méthode très sensible faisait res- 
sortir l'importance considérable que des traces d'impuretés 
peuvent exercer sur la transparence d'un alcool pour 
les diverses radiations. Alors que l'analyse chimique 
demeure impuissante à déceler des différences quelcon- 
ques entre divers échantillons d'alcool, le degré plus ou 
moins grand de transparence de ces alcools pour les ra- 
diations ultraviolettes permet de constater la présence 
de ces impuretés et de reconnaître, par exemple, des 
traces d'aldéhyde ou d'acétone. 

«A l'exemple de tous les physiciens genevois, 
Albert Rilliet s'était vivement intéressé à l'étude phy- 
sique de la couleur et de la transparence de notre beau 



— CXXI — 

lac. En 1887, nommé rapporteur de la commission char- 
gée d'étudier la transparence de l'eau du Léman, il ren- 
dait compte à la Société de physique de Genève des 
travaux de cette commission et faisait ressortir le rôle 
considérable que jouent, dans la question de la trans- 
parence de l'eau, le nombre et la dimension des parti- 
cules qui s'y trouvent en suspension. 

« Le fait que les rayons les plus réfrangibles sont 
moins absorbés que les autres venait confirmer les vues 
de Tyndall et de J.-L. Soret sur l'une des causes de 
l'incomparable couleur bleue de notre lac. 

« Il est intéressant de constater à ce propos quelle 
fascination ont exercé à Genève sur les esprits cher- 
cheurs le Mont-Blanc avec ses aspects grandioses et 
l'azur du Léman aux causes mystérieuses. Si d'un côté 
l'indépendance intellectuelle, fruit de la Réforme, a pré- 
paré le développement scientifique genevois, d'autre 
part le Léman et les Alpes, avec leurs spectacles atti- 
rants, ont constitué des champs d'expérience presque 
uniques au monde. 

« Malgré le grand intérêt que Rilliet portait à toutes 
ces questions, son domaine de prédilection fut toujours 
celui de l'électricité et de ses applications. Il connaissait 
à fond les mesures électriques, et sa compétence recon- 
nue l'avait fait désigner, lors de notre Exposition na- 
tionale, comme rapporteur du groupe électricité. 

« C'est également dans ce domaine qu'il dirigea, 
entre autres travaux, la thèse de M. Ch. Borei sur la 
force é le dromo tri ce thermo-électrique entre un métal et 
l'un de ses sels. » 

Quand même la noble carrière de l'enseignement a 
accaparé la plus grande partie de son temps, Rilliet n'en 
a pas moins déployé dans bien d'autres directions en- 
core son dévouement à la chose publique. Il aimait à 
se donner et à se dépenser pour les autres et n'a jamais 
su rien refuser dans ce domaine. Grand était le nombre 



— e xx:: — 

des sociétés dont il faisait partie et à la tète desquelles 
sa compétence administrative le porta. C'est ainsi qu'il 
fut président de la Société de lecture^ du Conseil d'ad- 
ministration de la Société Genevoise pour la Construction 
d'instruments de précision, de la Classe d Industrie de 
la Société des Arts y de la Société de physique et d his- 
toire naturelle, de la Société auxiliaire du Musée d his- 
toire naturelle et de bien d'autres que nous ne pouvons 
pas citer toutes ici. Il faisait partie aussi de ce charmant 
cénacle d'amis qu'est le Comité de rédaction des Archives 
des sciences physiques et naturelles. 

Il prit une part active à l'organisation de Y Exposition 
nationale de Genèse en 1896 comme président du groupe 
des instruments de précision et membre du jury de ce 
groupe, dont il fut, comme il a été dit plus haut, le 
rapporteur pour la branche électricité. 

En 1902 il succéda au regretté Charles Rigaud 
comme Maire de la Commune de Bellevue près Genève 
et apporta dans 1 exercice de ses fonctions de mag:=:rr.: 
municipal tout le talent administratif, la conscience et 
l'obligeance complaisante qui étaient parmi ses qualités 
dominantes. Bravant les premières atteintes de la maladie 
et les souffrances qu'elles lui apportaient il vaquait en- 
core aux intérêts de sa commune et de ses administrés 
les dernières semaines de sa vie. 

Il faisait partie de la Société helvétique des sciences 
naturelles depuis la session de 1872 à Fribourg et avait 
un plaisir tout particulier à assister aux réunions an- 
nuelles dans lesquelles il rencontrait un si grand nombre 
d'amis. Il prit une part active à l'organisation des Pri- 
sions de 1886 et de 1902 à Genève, et a montré dans 
ces deux occasions tout particulièrement combien il était 
attaché à notre société. 

Son activité dans tous ces domaines si divers, son 
goût pour le travail ne se sont pas ralentis un seul ins- 
tant jusqu à la fin. 



— CXXIII — 

Très gravement atteint déjà du mal qui devait l'em- 
porter peu de mois après, il donnait encore avec toute 
sa verve et son entrain habituels une série de confé- 
rences à l'Athénée sur les récentes découvertes en phy- 
siques. Le lendemain de sa dernière leçon il dut s'aliter 
et succombait le 7 juin 1904 à une longue et doulou- 
reuse maladie, adoucie par la tendre sollicitude des siens 
et supportée avec la plus grande sérénité. 

D 1 ' Edouard Sarasin. 



Liste des publications d'Albert A. Rilliet. 

1. (Avec Victor Meyer.) Sur les dérivés nitrés de la série grasse. 
Ber. d. d. ehem. Ges. 1S72, t. 5, p. 1029. 

2. (Avec E. Ador.) Analyse d'tin silicate d'ahimine hydraté, trouvé 
à Collonges. Arch. des sciences phys. et nat. 1874, t. 49, p. 242. 

3. (Avec E. Ador.) Sur la constitution de la benzine. Ber. d. d. chem. 
Ges. 1875, t. 8, p. 1286 ; Arch. 1876, t. 55, p. 263 ; Paris, Bull. Soc. 
chim. 1875, t. 24, p. 485. 

4. (Avec E. Ador.) Carbures d" Hydrogène obtenus par faction du 
chlorure de méthyle sur la benzine en présence du chlortire 
d'Aluminium. Arch. 1878, t. 63, p. 159 ; 1S79, t. 1, p. 143 ; Ber. d. d. 
ehem. Ges. 1878, t. 11, p. 1627; 1879, t. 12, p. 329 ; Paris, Bull. Soc. 
chim. 1879, t. 31, p. 244; Assoc. franc, 1878, p. 373. 

5. (Avec E. Ador.) lieber die Einwirkung von Chlorkohlenoxyd auf 
Xylol in Gegenwart von Chlorahiminhim. Ber. d. d. ehem. Ges. 
187S, t. 11, p. 399. 

6. (Avec E. Ador et J.-M. Crafts.) Synthèse de Kéiones. Arch. 1S79, 
t. 1, p. 123. 

7. (Avec E. Ador.) Tolylphénylkétones. Arch. 1879, t. 1, p. 261. 

8. (Avec J.-L. Soret). Sur les spectres d' absorption ultra-violets des 
éthers azotiqties et azoteux. C. R. Acad. d. se. 1879, t. 89, p. 747. 

9. (Avec E. Ador.) Sur quelques dérivés des trois acides toluiques. 
Ber. d. d. ehem. Ges. 1879, t. 12, p. 2298 ; Arch. 1S79, t. 2, p. 420. 

10. Avec E. Ador.) Sur quelques tins des hydrocarbures qui prennent 
naissance dans l'action du chlorure de méthyle sur le tohiène en 
présence dzi chlortire d'aluminium. Paris, Bull. SoCc chim. 1879, 
t. 31, p. 244. 



- CXXIV — 

11. (Avec J.-L. Soret.) Szir tes spectres d'absorption des alcools de 
la série grasse. Arch. ISSO, t. 4, p. 3S0. 

12. (Avec J.-M. Crafts.) On the décomposition by heat of chlorate of 
potassium. Brit. Assoc. 1S82, p. 493. 

13. Traité élémentaire d'électricité pour l'usage de l'école d'horlo- 
gerie. Genève, 18S2, in-4 autogr. 

1 4. A T otions de Chimie pozir l 'école secondaire des Jeunes Filles. 
Genève, 1S84. in-S autogr. — 2 me édit. revue par E. Privat. Genève, 
1S90. — 3 me édit. revue par M.Gautier. Genève 1896. 

15. Recherches sur la transparence des eatix du lac Léman^ faites 
en 1884, 1885, 1886 par une réunion de membres de la Société 
de Physique. Soc. phys. 1887, t. 29, p. 26. 

16. (Avec J.-L. Soret.) Recherches sur l'absorption des rayons ultra- 
violets. 6 me mémoire. Arch. 1890, t. 23, p. 5. 

17. (Avec J.-L. Soret.) Sur l'absorption des rayons ultra-violets par 
quelques substances organiques faisant partie de la série grasse. 
C. R. Acad. d. se. 1890, t. 1 10, p. 137. 

18. Notice sur la vie et les travaux de J.-L. Soret. Arch 1890, t. 24, 
p. 305. 

19. (Avec Ch. Borei.) Recherches sur la force éleclromotrice. thermo- 
électrique entre zin métal et l'un de ses sels. Arch. 1S91, t. 26. 
p. 192. 

20. (Avec Chavan.) Mesures de coefficients d' induction pozir divers 
■modèles de bobines d'induction employés pour les transmissions 
téléphoniques. Arch. 1893,. t. 30, p. 673. 




CHARLES SORET 

1854-1904 



cxxv 



13. 

Prof. Charles Soret. 

185-1—1904. 



Le 4 avril dernier, le monde scientifique genevois 
apprenait avec consternation la mort de Charles Soret, 
ancien titulaire de la chaire de physique et professeur 
honoraire de notre Université. Rien ne faisait prévoir 
cette fin rapide, quelques jours auparavant, Soret, plein 
de vie et d'entrain, nous parlait encore d'un travail 
qu'il était sur le point d'achever, aussi la nouvelle de 
sa mort a : t-elle causé un chagrin profond à tous ceux 
qui, de près ou de loin, s'intéressent au développement 
scientifique de notre Université et de notre petit pays. 

Charles Soret naquit à Genève le 23 septembre 
1854. Il était le fils unique de Jacques-Louis Soret, 
le physicien bien connu dont Genève s'honore. 

Il fit ses premières études au collège, puis ensuite 
à l'ancienne Académie. Ses études classiques achevées, 
il subit d'abord en 1872 avec succès les examens du 
baccalauréat es lettres, puis, deux ans plus tard, il de- 
venait bachelier es sciences mathématiques. Ennemi 
déclaré d'une spécialisation trop hâtive, Soret avait 
utilisé son séjour à l'Académie pour élargir le cercle 
de ses connaissances, et bien que les mathémathiques 
eussent été son but principal, il suivit également à cette 
époque de nombreux cours de sciences physiques et 
naturelles. Ayant épuisé les ressources que pouvait 
lui offrir sa ville natale, Soret se rendit à Paris pour 
continuer ses études à la Sorbonne. Fermement con- 
vaincu que le physicien doit être doublé d'un bon 
mathématicien, il travailla tout d'abord avec acharne- 



— CXXVI — 

ment les mathématiques supérieures et obtint, en 1876, 
la licence es sciences mathématiques. L'examen fut 
cette année-là particulièrement difficile et la promotion 
restreinte; deux candidats furent admis sur la totalité 
de ceux qui se présentèrent, l'un fut, sauf erreur, 
Poincaré, le génial mathématicien français, l'autre était 
Charles Soret. 

Ses études mathématiques achevées, il se voua spé- 
cialement à la physique, et les deux années qui s'écou- 
lèrent entre la date de sa licence es sciences mathéma- 
tiques et celle de la licence es sciences physiques qu'il 
obtint en Sorbonne 1878 comptèrent, disait-il souvent, 
parmi les plus belles de sa vie. Soret était dans l'en- 
chantement de ses professeurs; il en fait part à plusieurs 
reprises à quelques-uns de ses amis avec lesquels il 
correspondait; les noms de Cornu et de Sarrau, les 
deux illustres physiciens français, revenaient à chaque 
instant dans ses lettres, et il garda pour ses anciens 
maîtres la plus grande vénération. 

Entre temps, Soret avait quitté momentanément 
Paris pour passer le semestre d'hiver en Allemagne. A 
Heidelberg, il travailla la chimie minérale chez Bunsen, 
puis il revint à Paris qu'il quitta définitivement quelque 
temps après pour rentrer à Genève où la chaire de 
minéralogie venait de lui être offerte. 

Comme il était d'une grande timidité et d'une 
parfaite modestie, il eut beaucoup de peine à se décider 
à accepter l'enseignement qui lui était proposé; ce qu'il 
aimait avant tout, c'était les recherches originales et, sans 
les conseils de son père et de ses amis, il y a lieu de 
croire qu'il ne fût jamais devenu professeur à l'Université. 

Soret commença son enseignement qui, dès le début, 
eut un succès de bon aloi. Sa parole était sobre et 
élégante, la clarté de son exposition parfaite, et il sut 
donner à une science qui a la réputation imméritée 
d'ailleurs d'être ingrate, un attrait suffisant pour que 



— CXXVII — 

des étudiants, qui n'étaient point des spécialistes, vins- 
sent cependant travailler dans son laboratoire pour 
leur simple érudition personnelle. 

Après sa première leçon, Soret s'était déjà mis au 
travail; en 1879 et 1880, il publia successivement deux 
notes sur l'état d'équilibre que prend au point de vue 
de sa concentration une dissolution saline, primitivement 
homogène, dont deux parties étaient portées à des 
températures différentes. 

Les résultats de ce travail n'ont été véritablement 
mis en lumière qu'une vingtaine d'années plus tard par 
les chefs de l'école pétrographique moderne, qui ont 
compris tout le parti qu'on pouvait tirer des conclusions 
de Soret pour la différenciation des magmas. Soret 
démontrait, en effet, que la concentration de la solution 
se fait dans la partie froide aux dépens de la partie 
chaude, que la différence croît avec la concentration 
primitive des liquides, et pour une même concentration 
absolue, qu'elle est d'autant plus grande que le poids 
moléculaire du sel est plus élevé. Cette loi s'appelle 
aujourd'hui «la loi de Soret», elle n'est ignorée d'aucun 
physicien ni d'aucun pétrographe. 

Une année plus tard, Soret communiquait aux Ar- 
chives des Sciences physiques et naturelles une note en 
collaboration avec Alphonse Favre, sur la reproduction 
artificielle de la Gaylussite. Puis, en 1883, il publiait 
simultanément dans les Archives et dans la Zeitschrift 
für Kry stallo graphie un travail important sur un réfrac- 
tomètre destiné à la mesure de la réfraction et de la 
dispersion chez les corps cristallisés. Soret avait, en 
effet, entrepris à son arrivée à Genève un grand travail 
d'ensemble sur la réfraction et dispersion dans la série 
isomorphe des aluns, et il était arrivé rapidement à la 
conviction que seules les méthodes basées sur la réflexion 
totale pouvaient se prêter avantageusement à des 
recherches de cette nature. 



— CXXVIII — 

Le dispositif imaginé par Soret est extrêmement 
ingénieux; il montre chez lui une connaissance très 
complète de la mécanique. C'est avec cet appareil 
qui lui permettait de déterminer les indices pour toutes 
les raies de Fraunhofer que Soret fit son grand travail 
qui parut dans les Archives en 1SS4 avec une note 
préliminaire publiée en 1883. 

Ce travail, qui est un modèle du genre, est aujour- 
d'hui cité par tous les ouvrages de cristallographie ou 
de minéralogie chimique. 

Plus tard, en 1SS9. Soret publia, en collaboration 
avec l'auteur de ces quelques lignes, une note dans les 
Archives sur le poids spécifique de l'alun de thallium. 

Entre temps, Charles Soret publia plusieurs petites 
notes sur divers sujets; en 1SS4. il détermine les formes 
cristallines d'un certain nombre de composés organiques 
et résume ses recherches dans une petite notice parue 
dans les Archives: la même année, il publie dans le 
dit journal un travail théorique important sur la polari- 
sation rotatoire naturelle dont il examine les causes 
possibles, en montrant la liaison indiscutable du phéno- 
mène avec l'énantiomorphisme; la même année enfin, 
il donne une petite note additive à son premier travail 
sur les dissolutions salines. 

C'est en 1SS5 que Soret commença à s'occuper de 
la réflexion totale à la surface des milieux biréfringents. 

Soret désirait vivement trouver une méthode simple 
pour la mesure des indices de réfraction dans les cristaux 
biaxes, et applicable aux exigences de la cristallo- 
graphie courante; il avait tout naturellement songé à 
cette réflexion totale qu'il connaissait si bien, et dans 
le développement de laquelle son nom occupe une si 
large place. Sa première note sur le sujet date de juillet 
1SS5 et est une simple relation avec commentaires d'un 
travail récemment paru de Th. Liebisch sur l'interprétation 
de la réflexion totale à la surface des corps biréfringents. 



— CXXIX — 

Le travail original de Soret ne parut que trois ans 
plus tard, en 1888, simultanément dans le Journal de 
Groth et dans les Archives. Ce travail peut être con- 
sidéré comme capital; il a ouvert une voie nouvelle et 
féconde aux cristallographes et physiciens. 

En l'année 1887, la mort d'Elie Wartmann laissa 
vacante la chaire de physique de l'Université de Genève. 
Cette chaire fut offerte à Charles Soret qui fut nommé 
professeur ordinaire le 11 mars 1887. Je n'oserai point 
dire que cette nomination lui fut particulièrement agré- 
able, la petite chaire de minéralogie lui laissait beau- 
coup de temps pour ses travaux personnels; la chaire 
de physique, plus considérable, avait des exigences 
plus grandes au point de vue de l'enseignement et il 
ne se dissimulait pas qu'il aurait, dès le début, de gros 
efforts à faire pour développer l'enseignement pratique 
de la physique qui, à cette époque, était encore très 
rudimentaire. Il accepta néanmoins sur les instances 
réitérées de ses amis et, le 1 1 septembre 1888, il envoyait 
sa démission de professeur de minéralogie, avec cette 
satisfaction cependant de penser qu'il avait fait des 
élèves qui sauraient continuer son œuvre et développer 
cette science dont il avait créé l'enseignement à Genève. 

En quittant la chaire de minéralogie, Soret voulut 
cependant résumer l'enseignement qu'il avait donné 
pendant onze ans à la Faculté des sciences en un ou- 
vrage didactique touchant plus spécialement à la cris- 
tallographie, c'est ainsi qu'il publia en 1893 ses Elé- 
ments de cristallographie physique. 

Aussitôt entré en fonction, Soret s'occupa tout 
d'abord d'organiser l'enseignement de laboratoire; il 
créa parallèlement des travaux pratiques hebdomadaires 
de physique destinés aux commençants, puis un labo- 
ratoire de recherches originales, destiné aux spécialistes 
qui ne tardèrent pas à venir chez lui faire des travaux 
scientifiques ou des thèses de doctorat. Son cours de 

9 



— cxxx — 

physique fut ce qu'était son cours de minéralogie, c'est- 
à-dire sobre, clair et substantiel. Appelé à enseigner, 
lui mathématicien, une physique plutôt élémentaire qui 
s'adressait à la totalité des étudiants, depuis les méde- 
cins jusqu'aux physiciens professionnels, Soret fit ab- 
straction complète de ses goûts personnels et fit un 
enseignement absolument adéquat à la situation. 

Pendant qu'il occupa la chaire de physique, Soret 
publia toute une série de travaux originaux, parmi les- 
quels on peut citer une étude sur un thermomètre à 
gaz en collaboration avec Le Royer, puis une note 
complémentaire parue dans les Archives (1886) sur la 
réfraction et la dispersion des aluns cristallisés dans 
laquelle il étudiait tout spécialement les aluns de gallium. 
Quelque temps plus tard, il publiait en collaboration avec 
son père quelques considérations sur le point neutre de 
Brewster. Puis, en décembre 1 890, il donnait une deuxième 
note sur la théorie de la polarisation rotatoire naturelle. 

La mort de son père, Jacques-Louis Soret, survenue 
le 13 mai 1890, au moment même où Charles Soret 
venait d'organiser son enseignement de physique, fut 
pour lui un coup fatal. Louis Soret n'avait, en effet, 
jamais cessé d'être l'ami et le conseiller de son fils: 
c'est lui qui l'avait engagé à accepter l'enseignement 
de la physique (il était lui-même professeur de physi- 
que médicale à l'Université); il s'intéressait vivement 
à ses travaux; ils en parlaient ensemble lors de leur 
promenade hebdomadaire du dimanche au Salève et ils 
échangeaient leurs idées sur les sujets les plus divers 
de la physique. Cette mort jeta Soret dans un abatte- 
ment profond; c'est elle qui lui suggéra inconsciemment 
peut-être l'idée d'abandonner l'enseignement. 

En 1891, Soret publiait une courte note sur quelques 
phénomènes curieux de réflexion totale qu'il avait eu 
l'occasion d' observer au cour des applications de sa nouvelle 
méthode pour la mesure des indices des cristaux biaxes. 



— CXXXI — 

En avril 1892, puis "en octobre de la même année, 
il donna successivement deux travaux touchant à des 
sujets fort différents; le premier concernait la conduc- 
tibilité thermique dans les corps cristallisés, le second 
quelques points de la théorie élémentaire la polarisa- 
tion des diélectriques. 

Entre temps, Soret n'avait point abandonné ses 
études optiques et publiait, en collaboration avec 
Ch.-E. Guye, son successeur actuel, un mémoire sur 
la polarisation rotatoire du quartz aux basses tempéra- 
tures. 

De 1896 à 1899, Soret s'occupa de divers sujets. 
Avec deux de ses élèves, MM. Borei et Dumont, il traita 
la question de la réfraction des solutions bleues et 
vertes d'aluns de chrome, et publia deux notes dans les 
Archives, la première en 1896, la seconde en 1897. 

Il s'occupa aussi de l'influence des vagues sur la 
lumière réfléchie par les nappes d'eau, puis résuma, en 
1899, dans une courte note parue dans les Archives 
les résultats de longues et patientes recherches qu'il 
avait entreprises sur le chlorate de soude, dans le but 
de se rendre compte des causes qui produisent les 
cristaux gauches et droits. 

Le tour du rectorat étant échu à la Faculté des 
sciences, l'Université dans son ensemble désigna Charles 
Soret aux fonctions de recteur qu'il occupa pendant 
deux années, de 1898 à 1900. Il apporta à ces nou- 
velles fonctions la conscience et la rectitude qu'il ap- 
portait en toutes choses et, malgré le surcroît de beso- 
gne que lui imposa son rectorat, il n'abandonna pas un 
instant ses élèves et la surveillance de leurs travaux. 
Soret fut un recteur parfait; il apporta dans l'exercice 
de fonctions administratives souvent délicates ce tact 
et cette bienveillance dont il ne se départissait jamais. 
Ses rapports avec les autorités constituées du pays 
furent empreints de la plus grande courtoisie et du 



— CXXXII — 

meilleur esprit; il sut s'attirer la sympathie de tout le 
monde, et on peut dire qu'il appartint à la catégorie 
des recteurs qu'on regrette. 

Malheureusement la fatigue qui résulta de ses occu- 
pations multiples développa chez lui progressivement 
l'idée d'abandonner l'enseignement. Cette idée devint 
bientôt une décision inébranlable. Il en avait tout 
d'abord parlé à quelques-uns de ses intimes, puis, 
quelques mois plus tard, il communiquait sa décision à 
ses collègues de la Faculté des sciences qui firent tous 
leurs efforts pour l'en faire revenir, malheureusement 
succès. Dans une petite réunion toute intime, une 
véritable réunion de famille, ses collègues lui exprimè- 
rent tous leurs regrets et tachèrent encore de le décider 
à conserver une partie de son enseignement; tout fut 
inutile, et les instances de son collaborateur Albert 
Rilliet. qui avait succédé à son père, Louis Soret, et 
qui partageait avec Charles Soret une partie de l'ensei- 
gnement pratique, ne parvinrent pas à changer sa 
résolution. 

Le 10 juillet 1900, Charles Soret envoyait sa dé- 
mission de professeur ordinaire de physique à l'L'ni- 
versité, donnant cet exemple peu commun d'un homme 
se retirant dans la force de 1 âge d'une situation qu'il 
avait occupée sans défaillir un instant jusqu'au jour 
même de son départ. 

Pendant les trois années qui suivirent sa retraite, 
Soret. fatigué et malade, abandonna momentanément 
ses travaux scientifiques: c'était pour lui un sujet de 
perpétuel chagrin et rien ne peut donner une idée de 
la manière dont il en a souffert. 

Cependant, après un repos prolongé, sa santé s'a- 
méliora, et Soret put alors songer à reprendre ses 
études favorites. Il s'était installé un petit laboratoire 
et entreprenait bientôt l'étude de la réfraction des 
tourmalines, pour vérifier certains résultats obtenus 



— CXXXIII — 

par Viola sur ce minéral, résultats qui entraînaient une 
modification assez importante des idées de Fresnel sur 
la double réfraction. Soret travaillait avec l'assiduité 
de ses jeunes années, et on le voyait alors aux séances 
de la Société de physique venir, tout joyeux et dispos, 
communiquer les résultats de ses premières recherches. 
Il en publia une partie dans une première note parue 
dans les Archives, et il rédigeait déjà la deuxième partie 
de ce travail qui était à peu près achevé, lorsque la 
mort vint brusquement le surprendre en pleine activité, 
au moment où ses amis se réjouissaient de le voir entiè- 
rement rétabli et escomptaient déjà pour lui et pour la 
science genevoise une longue et productive carrière. 

Soret est mort en quelques jours d'une maladie aussi 
terrible qu'accidentelle et malgré les soins et le dé- 
vouement dont il a été entouré. Dès le début, il ne 
s'illusionna nullement sur la gravité de son état et 
montra une fermeté et une résignation peu commune 
dans la souffrance; son grand chagrin, et il le disait à 
ses intimes, était de s'en aller au moment où il avait 
recouvré sa santé et sa vigueur intellectuelles et où il 
commençait à se remettre au travail. 

Soret laisse une trace ineffaçable dans l'histoire du 
développement de notre Université; il fut titulaire de 
deux chaires qui sont occupées aujourd'hui par deux de 
ses anciens élèves. Dans une période où trop souvent, 
hélas! nos universitaires disparaissent sans qu'il soit 
possible de trouver un successeur parmi ceux qui furent 
leurs élèves et leurs disciples, le fait que je viens de 
citer est certainement le plus bel éloge qu'on puisse 
faire à Soret. La science que l'on ne garde point en 
égoïste, mais que l'on sait partager avec ceux qui vous 
entourent, est de celles qui fructifient dans le présent 
comme dans l'avenir. Prof. Dr Louis Duparc. 



— CXXXIV 



Mémoires divers de Charles Sor et 



1879. Etat d'Equilibre des dissolutions dont deux parties sont portées 
à des températures différentes. Archives, 1S79, t. II, p. 48. 

1880. Idem, deuxième note. Archives, 1880, t. IV, p. 209. 

1881. Production artificielle de Gaylussite (avec M. Alph. Favre). Ar- 
chives, ISSI, t. V, p. 513. 

1881. Le tremblement de terre du 22 juillet 1881. Résumé des docu- 
ments recueillis par la Commission sismologi que suisse. Annales 
de l'Observatoire de Berne, 1882. 

1883. Sur un réfractomètre destiné à la mesure des indices de réfrac- 
tion et de la dispersion des corps solides. Archives, 1883, t. IX. 
p. 5. Traduction allemande par le prof. Groth. Zeitschrift f. 
Kryst.. 1883, t. VII, p. 6. 

18S3. Sur la réfraction et la dispersion des aluns cristallisés. Note 
préliminaire. Archives, 1883, t. X, p. 300. 

1884. Notices cristallographiques. Archives, 18S4, t. II, p. 51. 
1884. Remarques sur la théorie de la polarisation rotatoire naturelle. 

Première note, t XI, p. 412. 

1884. Lettre à M. Cornu à propos d'une note de M. Gramont sur la 
thermoélectricité du sulfate de magnésie. Bull. Soc. Min., 1884, 
t. VII, p. 338. 

1884. Etat d'équilibre des dissolutions, etc. Troisième note. 

1S84. Recherches sur la réfraction et la dispersion dans les aluns 
cristallisés. Premier mémoire. Archives, 1884, t. XII, p. 553. 

1884. Disposition pour obtenir un faible courant d'eau constant. Ar- 
chives. 1SS5, t. XIII, p. 69. 

1884. Régulateur de température (avec M. Th. Lullin). Archives, 1SS5, 
t. XIII, p. 70. 

1885. Sur la réflexion totale à la surface des corps biréfringents. 
Archives, 1885, t. XIV, p. 96. 

1885. Indices de réfraction de quelques aluns cristallisés. Premier 
mémoire (suite). Archives, t. XIII, p. 5. 

1886. Rapport du Sénat sur la loi de 1887. 

1886. Notices cristallographiques. Archives, 18S6, t. XVI, p. 460. 



— cxxxv — 

1886. Elie Wartmann (notice biographique). Archives. 1886, t. XVI, 

p. 488. 
1886. Table générale des Archives (1846—1878). 
1SS8. Sur un petit réfractomètre à liquides. Archives, 1888, t. XIX, 

p. 264. 
1S88. Note sur quelques aluns d'alumine et d'ammoniaque composées. 

Archives, 1888, t. XX, p. 64. 
188S. Sur l'application des phénomènes de réflexion totale à la mesure 

des indices de réfraction des cristaux à deux axes. Archives, 

1888, t. XX, p. 263. Traduction allemande par le prof. Groth. 

Zeitschrift f. Kryst., 1888, t. XV, p. 45. 
1888. Etude d'un thermomètre à gaz de petite dimension et à réservoir 

mobile (avec M. A. Le Royer). Archives, 1888, t. XX, p. 584. 

1888. Recherches sur la réfraction et la dispersion dans les aluns 
cristallisés (deuxième mémoire). Archives 1888, t. XX, p. 517. 

1889. Observations du point neutre de Brewster (avec J.-L. Soret). 
C. R., 1888, t. CVII, p. 621; Archives, 1889, t. XXI, p. 28. 

1889. Sur le poids spécifique de l'alun du thallium (avec M. Louis 
Duparc). Archives, 1889, t. XXI, p. 89. 

1889. Perfectionnement du fhemomètre à air (avec M. A. Le Royer). 
Archives, 1889, t. XXI, p. 89. 

1890. Théorie de la polarisation rotatoire naturelle (deuxième note). 
Archives, 1890, t. XXIV, p. 591. 

1891. Sur quelques phénomènes de réflexion totale qui paraissent dé- 
pendre d'une altération des surfaces. Archives, 1891, t. XXVI, 
p. 54. 

1892. Note sur la conductibilité thermique dans les corps cristallisés. 
Archives, 1892, t. XXVII, p. 373; C. R., 1892, t. CXIV, p. 535. 

1892. Sur quelques difficultés apparentes de la théorie élémentaire de 
la polarisation diélectrique. Archives, 1892, t. XXVIII, p. 347. 

1892. Edition de l'ouvrage de J.-L. Soret: Des conditions de la per- 
ception du beau (avec M. M. Debrit). Genève, 1892. 

1893. Sur la polarisation rotatoire du quartz aux basses températures 
(avec M. C.-E. Guye). Archives, 1893, t. XXIX, p. 242. 

1893. Eléments de cristallographie physique, in-8, 653 p., Genève et 
Paris, 1893. 

1893. Coefficients rotationnels de conductibilité thermique dans les 
cristaux. Archives, 1893, t. XXIX, p. 355. 

1894. Idem (deuxième note). Archives, 1894, t. XXXII, p. 630. 
1894. Sur la themo électricité de la pyrite (lettre à M. Cornu). 

1896. Sur la réfraction des solutions bleues et vertes d'aluns de chrome 
(avec MM. Borei et Dumont). Archives, 1896, t. II, p. 180. 

1897. Influence des vagues sur la lumière réfléchie par une nappe d'eau. 
Archives, 1897, t. IV, p. 461 et 530. 



— CXXXVI — 

1897. Indices de réfraction des solutions bleues et vertes d'aluns de 
chrome (avec MM. Borei et Dumont), deuxième mémoire. Ar- 
chives, 1897, t. III, p. 376. 

1899. Causes produisant des cristaux gauches ou droits. Archives, 
1899, t. VIL p. SO. 

1902. Récepteur radiophonique au chlorure d'argent. La sensibilité 
radiophonique du chlorure d'argent. Archives, 1902, t. XIV, p. 560. 

1904. Indices de réfraction de la tourmaline. Archives, 1904. t. XVII, 
p. 263 et 563. 

Thèses de doctorat exécutées sotis la direction de Ch. Soret. 

1889. Ch.-E. Guye. Sur la polarisation rotatoire du chlorate de soude. 
Archives, 1SS9. 

1891. F.- Louis Perrot. Recherches sur la réfraction et la dispersion 
dans une série isomorphe de cristaux à deux axes. Archives, 1890. 

1892. F. Dussaud. Sur la réfraction et la dispersion du chlorate de 
soude cristallisé. Archives, 1892. 

1893. Ch. Borei. Recherches des constantes diélectriques principales 
de quelques substances cristallisées biaxes. Archives, 1S93. 

1S94. Gust -Ad. Borei. Recherches sur la réfraction et la dispersion 
des radiations ultra-violettes dans quelques substances cristallisées. 
Archives, 1895. 

1898. Eug. Dumont. Les propriétés magnétiques des aciers au nickel. 
Archives. 1898. 

1903. Arn. Borei. La polarisation rotatoire magnétique du quartz.. 
Archives, 1903. 



— CXXXVII 



14. 



Joh. Jak. Spörri. 

1834-1904. 



Der am 15. September 1904 in Zürich verstorbene 
alt Direktor Joh. Jak. Spörri wurde am 26. Dez. 1834 
in Hinterburg, Gemeinde Bäretswil (Kt. Zürich) geboren. 
Er war der Sohn einfacher Landleute und wuchs unter 
sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Es war ihm bloss 
vergönnt, die Primarschule seiner Geburts- und Heimats- 
gemeinde zu besuchen. Neben der Schule und später 
musste er bei der damals in dortiger Gegend verbreiteten 
Handweberei im Elternhause aushelfen und dabei sein Brot 
mitverdienen. Der Verstorbene erzählte dem Schreiber 
dieser Zeilen öfters, mit welchem Hochgefühl der Be- 
friedigung er sein erstes selbstgewobenes Stück Kaliko 
ablieferte, als dieses für gut befunden wurde. 

Da er sich als Schüler und junger Weber als sehr 
intelligenter, reger Knabe mit rascher und klarer Auf- 
fassungsgabe erwies, kam er später zu einem Mechaniker 
in die Lehre und machte da sehr gute Fortschritte. Im 
Jahre 1856 finden wir ihn schon als Werkführer in der 
damals in den Anfängen stehenden, nun weltbekannten 
Maschinenfabrik Honegger in Rüti (Zürich). 

Im gleichen Jahre verehelichte er sich mit Rosette 
Honegger in Rüti und hatte in ihr eine vortreffliche 
Gattin gefunden. 

Nach einigen Jahren trat er bei dieser Maschinen- 
fabrik aus — man Hess ihn sehr ungerne gehen — 
und gründete mit einem Freunde (Kägi) eine sogen. 
„Röhrlifabrik" oder eine Fabrik für Bobbinenhülsen 



— cxxxYni — 

(Papierröhrli), die man in Spinnereien braucht. Die 
hiezu nötigen Maschinen erfand der l'unge Mann zum. 
grossen Teil selbst. 

Im Jahre 1863 richtete er in Cham bei Herrn Yogel- 
Saluzzi eine gleiche Fabrik ein und stund derselben bis 
im Frühjahr 1S71 vor. wo er mit dem verstorbenen 
Nationalrat Berger. damals Gerichtspräsident in Langnau 
(Bern), und einigen andern Berner Herren die schweizeri- 
sche Milchgesellschaft „Moleson" mit Sitz in Bern gründete. 

Die Fabrik für kondensierte Milch wurde nach 
seinen Plänen in Guin-Düdingen, Kt. Freiburg, erstellt'). 
Im Februar 1572 konnte schon mit dem Fabrikbetriebe 
begonnen werden, und der Verstorbene stund als Direktor 
vor. Ende 1S73 ging diese Fabrik durch Kauf in den 
Besitz der bekannten grossen Chamer Milchgesellschaft 
über und Herr Spörri trat auch als Direktor derselben 
ins neue Geschäft. In dieser Stellung blieb er bis 
1. Februar 1904. wo er aus Gesundheitsrücksichten die 
Stelle quittieren musste. 

Die neue Fabrik, und namentlich dessen Direktor 
hatten in den ersten jähren mit sehr grossen Schwierig- 
keiten zu kämpfen, indem die Bevölkerung dortiger 
Gegend im grossen und ganzen dem Geschäfte gar 
nicht sonderlich freundlich gesinnt war. Insbesondere 
waren die Käser, sowie die meisten Hausfrauen dem- 
selben feind, die erstgenannten, weil viele Käsereien 
eingingen und sie sich für ihren Beruf anderswo um- 
sehen mussten und die andern, weil sie — zwar grund- 
los — befürchteten, sie bekämen keine Butter und 
keinen Käse, i'a vielleicht sogar keine Milch mehr ins 
Haus. Auch die Konfession des Direktors galt natür- 
lich in dem regierungsgetreuesten Bezirke des Kantons 
Freiburg nicht als besondere Empfehlung. Mit Umsicht, 



M Auch die seitherigen Yergrösserungen und praktischen Aende- 
rungen daran wurden nach seinen Vorschlägen ausgeführt. 



— CXXXIX — 

Mut und Ausdauer und namentlich durch seine Recht- 
lichkeit und grosse Freundlichkeit gegen jedermann 
besiegte der Direktor nach und nach alle Vorurteile 
und Schwierigkeiten. Die Landwirte sahen bald, dass 
beim Kaufen, Wägen und Zahlen der Milch alles red- 
lich und strengrechtlich zuging und dass sie bei den 
Zahltagen aller drei Monate regelmässig eine schöne 
Summe nach Hause tragen konnten. Sie vermehrten 
und verbesserten deshalb den Viehstand ; dem Wiesen- 
bau, der Viehzucht u. s. w. wurde volle Aufmerksam- 
keit geschenkt, kurz, eine rationellere Wirtschaft be- 
trieben, dies alles auf Anregung und Wegleitung des 
Direktors und seines Geschäftes. Die Milchsiederei wurde 
bald die Quelle des Wohlstandes in der Gegend und 
der Leiter derselben immer beliebter bei der Bevölkerung, 
besonders da er nicht bloss die Interessen des Geschäftes, 
sondern auch die der Lieferanten zu fördern suchte. Er 
trat öfters für diese ein und erreichte die Festsetzung 
eines um einen halben Franken höhern Milchpreises, als 
von den Preisdirigenten geplant war. Auch für das 
Wohl seiner Arbeiter war er stets väterlich besorgt 
und deswegen bei ihnen beliebt und geachtet. 

Xeben der grossen Tätigkeit als Direktor suchte 
und fand J. J. Spörri doch noch Zeit, sich auch als 
Bürger und Patriot dem öffentlichen Leben zu widmen 
und zum Wohle der Allgemeinheit mitzuwirken. Er 
half den ökonomischen Verein und die Pferdeversicherung 
im Sensebezirk ins Leben rufen und gründete die 
Schützen- und die Brückenwagg-esellschaft in Düdingen. 

Ferner war er Mitglied der historischen Gesellschaft 
von Freiburg, des schweizerischen Schützenvereins, der 
schweizerischen naturforschenden Gesellschaft und des 
schweizerischen Architektenvereins (Sektion Freiburg), 
des Initiativkomitee für den Bau einer Eisenbahn von 
Düdingen über Tafers nach Staffeien, einige Zeit auch 
des Vorstandes oder der Aufsichtsbehörde der Molkerei- 



— CXL — 

schule in Freiburg. Im Gebiete der Molkereitechnik 
und Milchwirtschaft hielt er öfter Vorträge und schrieb 
bezügliche Artikel in die Fachblätter. 

Einen guten, offensprachigen Patrioten, einen heitern 
Gesellschafter und treuen Freund fand man stets in 
ihm, mit allezeit offener Hand, wo es galt, irgend etwas 
Gemeinnütziges zu schaffen. Auch keinen Armen wies 
er ohne mildtätige Gabe ab, selbst wenn er wusste, 
dass seine Gabe einer bessern Verwendung würdig ge- 
wesen wäre. Die Wahrheit des Spruches: „Bürgen tut 
würgen", bekam er auch reichlich zu kosten; gleich- 
wohl war er immer mit Rat und Tat bei der Hand. 
Der Schreiber dieses machte sich bei ihm öfters darüber 
lustig, dass der gute, weichherzige Direktor fast ständig 
umherirre, um seine guten Räte anzubringen. Seine 
grosse Dienstfertigkeit und Tüchtigkeit, die überall An- 
erkennung fand, nahmen die Leute ziemlich ausgiebig 
in Anspruch. Kein Haus, kein Stall, keine Kanalisation, 
keine Wasserversorgung bei Gehöften u. s. w. wurde 
weit herum ausgeführt, ohne dass vorerst Rat darüber 
beim „Herrn Diräkter" eingeholt worden war. Auch 
die Behörden , die Gerichte . beriefen ihn öfters zu 
Expertisen in Bausachen, im Maschinenfache, in Molkerei- 
angelegenheiten etc. Überall zeigte er eine klare Auf- 
fassung und die ihn immer begleitende Objektivität; 
für Bestechlichkeit war er niemals zuo-änglich. 

Kein Wunder also, dass ihm vor der Übersiedlung 
nach Zürich die Behörden und die Bevölkerung seines 
über 33-jährigen Wirkungskreises eine Abschiedsfeier 
veranstalteten, die vielen Verdienste um die Gemeinde 
Düdingen und des ganzen Sensebezirkes hervorhoben 
und ihm dafür herzlich dankten! Diese Anerkennung 
von Seiten der schlichten Landbevölkerung, von der er 
so etwas nie erwartet hatte, machte ihm grosse Freude, 
um so mehr, als von andern dankschuldigern Seiten 
her kein Flüsterton der Anerkennung der geleisteten 
Dienste sich hören Hess. 



— CXLI — 

Es ist zu bedauern, dass dem tätigen und pflicht- 
getreuen Manne nicht vergönnt war , einen ruhigen, 
frohen Lebensabend länger zu geniessen. Sein Magen- 
übel (Krebs) verschlimmerte sich stets und gut sieben 
Monate nach dem Bezüge seiner neuen, hübschen, ihm 
sehr zusagenden Wohnung in Zürich rief ihn der Tod 
als Erlöser seiner Leiden zu den Vätern ab. 

Wie auf dem geschäftlichen Gebiete viele Schwierig- 
keiten sich ihm entgegenstellten, so blieben J. J. Spörri auch 
im Familienleben harte Prüfungen nicht erspart. Vor vielen 
Jahren starb ihm im besten Jünglingsalter der älteste 
Sohn Wilhelm, der sich Studien gewidmet hatte, und 
im Jahre 1899 schied seine treffliche Gattin von hinnen. 
Diese, als tüchtige Hausfrau und grosse Wohltäterin, 
lebt in Düdingen immer noch im besten Andenken fort. 
Diese Todesfälle waren herbe Schicksalsschläge für den 
guten Vater und Gatten Spörri ; doch blieben ihm noch 
drei Kinder, denen er eine gute Schulbildung und Er- 
ziehung zu teil werden liess und die er in geachteten 
Lebensstellungen zurückliess. 

Mit Direktor Spörri ist ein pflichtgetreuer, braver 
Patriot, ein seif made man im besten Sinne des Wortes 
hinübergegangen. Die Erde sei ihm leicht! 

L. Rigfert-Haas. 



— CXLII 



15. 



Prof. Dr. Fr.-W. Zahn. 

18-15-1904. 



Frédéric- Wilhelm Zahn est né à Gemersheim, dans 
le Palatinat bavarois, le 14 février 1845. Il se destina 
d'abord à une carrière industrielle, mais bientôt, s'étant 
décidé à embrasser la profession médicale, il sut faire 
preuve, dès la période de ses études, de cette énergie 
de volonté qui était un des caractères dominants de 
son esprit. Il lui fallait se mettre un peu tardivement 
et rapidement en état de passer ses examens de ma- 
turité classique; il ne regretta jamais cette étape de sa 
vie, et nous l'avons souvent entendu se féliciter qu'aucune 
dispense ne lui ait été accordée à ce moment; il sut en 
effet atteindre en peu de temps le niveau de ses condis- 
ciples et il reconnaissait l'importance des notions qu'il 
avait été ainsi forcé d'acquérir. Ses études médicales 
furent commencées à Erlangen et continuées à Heidel- 
berg où il apprécia particulièrement l'enseignement 
d'Helmholtz et celui de Friedreich, et à Berne où il 
fut l'assistant de Klebs et fut reçu docteur en 1870. 
Elles furent interrompues par la guerre franco-allemande 
à laquelle il prit part comme médecin dans une batterie 
bavaroise. Ce n'est qu'après la paix qu'il publia à 
Heidelberg sa thèse inaugurale qui traitait de la nature 
de l'inflammation et de la suppuration. Ce sujet ainsi 
que celui d'autres travaux antérieurs relatifs à la physique 
et à la chimie médicales, indiquent déjà la prédilection 
de Zahn pour les questions purement scientifiques de 
préférence à la clinique. Ce fut bientôt l'anatomie 
pathologique qu'il cultiva presque exclusivement lorsque, 
après avoir quitté Berne, il se rendit à Strasbourg où 



— CXLIII — 

il devint l'assistant du professeur Recklingausen; c'est 
auprès de ce maître éminent qu'il fit ses premiers travaux 
dans cette branche. Il ne tarda pas à se faire connaître 
par d'importantes recherches sur les thromboses et 
s'acquit ainsi une juste réputation, aussi lorsque se 
fonda la faculté de médecine de Genève, ce fut lui qui r 
à l'instigation de Carl Vogt, fut appelé à y occuper la 
chaire d'anatomie pathologique; ayant répondu favorable- 
ment, il fut nommé professeur le 18 février 1876. 

Zahn s'installait bientôt à Genève. Ceux de ses 
collègues qui l'ont vu de près à ce moment se rappellent 
encore le zèle et le talent avec lesquels il sut installer 
ses laboratoires, commencer son musée et vaincre les 
difficultés que présentait l'organisation d'un enseignement 
pour lequel tout était encore à créer dans la jeune 
école de médecine. Ses démonstrations pratiques et 
ses cours ne tardèrent pas à attirer les élèves. Il pro- 
fessait au début non-seulement l'anatomie pathologique, 
mais aussi l'histologie normale; la tâche fut bientôt trop 
considérable vu l'affluence des étudiants, et dès 1881 
il dut se faire remplacer par son élève, le D r Eternod,, 
pour cette seconde branche dont il fut bientôt entière- 
ment déchargé lorsque son suppléant fut nommé lui-même 
professeur d'histologie normale et d'embryologie. Les 
locaux mis à la disposition de Zahn dans le bâtiment 
de la Faculté de médecine devinrent, au bout de quel- 
ques années, insuffisants, et il convenait de les rapprocher 
de l'Hôpital cantonal où les autopsies se faisaient encore 
dans une modeste annexe. Ce fut alors que fut cons- 
truit à la Cluse le nouveau bâtiment de l'Institut patho- 
logique qui fut achevé en 1893. Ce bel édifice, auquel 
Zahn sut donner une distribution très pratique qui pourra 
être imitée avec avantage pour des constructions ana- 
logues, sera pour ses successeurs un monument qui 
rappellera longtemps la mémoire de celui qui eut l'ini- 
tiative de sa fondation. C'est là qu'il transporta son 



— CXLIV — 

laboratoire et ses collections; celles-ci s'étaient rapide- 
ment augmentées et purent se développer à leur aise 
dans leur nouvelle installation; en 1901, le musée 
renfermait déjà plus de trois mille pièces anatomiques, 
dont beaucoup conservées avec leurs couleurs naturelles 
par la méthode de Kaiserling, et une riche collection 
de préparation microscopiques, sans compter les très 
nombreuses pièces à détailler et les coupes histologiques 
dont le professeur faisait grand usage pour les exercices 
pratiques de ses étudiants. 

L'enseignement de Zahn était en effet surtout pra- 
tique et démonstratif; il suivait attentivement les travaux 
de ses élèves et leur inspirait le goût de l'observation 
et des recherches. Il était en toute chose un modèle 
d'ordre et de régularité et, fort exigeant pour lui-même, 
il l'était aussi pour les autres, mais si on lui reprochait 
parfois sa sévérité, ceux qui en étaient l'objet devaient 
reconnaître qu'elle était toujours associée à une rigou- 
reuse justice; pour tous les vrais travailleurs il ne 
ménageait ni son temps ni sa peine, aussi a-t-il su faire 
produire beaucoup autour de lui; il a pu, en 1901, 
donner en même temps que la liste de ses publications 
personnelles fondées sur les recherches faites à l'Institut, 
celle de plus de quatre-vingt mémoires dus à des 
docteurs ou étudiants en médecine et qu'on peut con- 
sidérer comme plus ou moins inspirés par lui, puisqu'ils 
ont tous été préparés dans l'établissement qu'il dirigeait 
avec tant de sollicitude. 

Les travaux de Zahn se rapportent à des sujets 
très variés, comme il convient à un anatomo-pathologiste 
qui décrit les cas divers que le hasard des autopsies 
amène sous son scalpel et sous son microscope. Ce 
qui l'intéressait surtout dans l'examen d'un cadavre, 
c'étaient les lésions et il se préoccupait peu de l'obser- 
vation clinique qu'il laissait à ses collègues; bien que 
se tenant au courant des progrès de la bactériologie 



- CXLV — 

il ne la cultivait o-uère et se bornait en p-énéral aux 
constatations macroscopiques et histologiques. Il écrivait 
volontiers et, en 1896, la liste de ses publications com- 
prenait déjà 68 numéros auxquels quelques autres sont 
venus s'ajouter depuis. Citons outre sa thèse et ses 
publications déjà mentionnées relatives aux thromboses 
sur lesquelles il eut l'occasion de faire plus tard de 
nouvelles études, ses recherches concernant l'action de 
la quinine sur la sortie des globules blancs {Beri. klin. 
Wochenschrift 1872), ainsi que celles sur le sort des 
tissus implantés dans l'organisme, qui furent l'objet d'une 
communication au Congrès international des sciences 
médicales réuni à Genève en 1877, et d'un mémoire 
paru en 1884 dans les Archives de Virchow, journal 
où la plupart de ses travaux ont été publiés. Rappelons 
aussi ses huit contributions à l'étude des tumeurs {Deutsche 
Zeitschrift/. Chirurgie, 1885 et 1886), son Petit manuel 
technique des autopsies (Genève 1891) *) destiné aux 
étudiants, et sa Pathologie générale des tumeurs {Deutsche 
Chirurgie, 1896) faite en collaboration avec Lücke et 
pour laquelle il a rédigé la partie anatomo-pathologique, 
ouvrage resté classique. 

Au milieu de ses nombreuses occupations universi- 
taires et scientifiques, Zahn ne négligeait pas entièrement 
l'exercice de la médecine; il traitait comme consultant 
les affections du cœur et des organes respiratoires; il 
s'était acquis ainsi une assez nombreuse clientèle par 
laquelle il sera sincèrement regretté, car il était un 
médecin sympathique et dévoué. Tous ceux de ses 
collègues qui ont été en relation avec lui se souviennent 
aussi combien il était prêt à rendre service et à se 
mettre à la disposition de ceux qui lui demandaient un 



*) Cet ouvrage si pratique a été rapidement épuisé et une seconde 
édition, revue et augmentée par M. B. Huguenin, premier assistant à 
l'Institut pathologique, en a été publiée en 1903 (Genève, H. Kündig). 

10 



— CXLVI — 

conseil ou un appui. Entré à la Société médicale de 
Genève lors de sa nomination comme professeur, il y 
paraissait rarement, mais quand il le faisait c'était toujours 
pour y faire quelque communication intéressante. Resté 
Allemand de cœur, il fut toujours un membre fidèle des 
diverses associations fondées à Genève par ses com- 
patriotes. 

Il y a quelques années Zahn fut à deux reprises 
cruellement frappé dans ses plus chères affections: sa 
femme et un de ses fils lui furent l'un après l'autre 
enlevés par une longue et pénible maladie. Il y a deux 
ans sa propre santé subit une profonde altération qui 
inquiéta vivement ses amis; des symptômes douloureux 
du mal qui devaient l'emporter en étaient la cause. 
Il put cependant, grâce à son énergie, triompher de 
ses souffrances et continuer ses cours jusqu'à la fin du 
dernier semestre, mais il n'ignorait pas combien son 
état était sérieux. Il se rendit, pour ses vacances, à 
Weingarten dans son pays natal, au milieu de sa famille; 
c'est là que pris d'accidents graves il succomba à la 
rupture d'un anévrysme, le 16 août dernier, ayant con- 
servé jusqu'à la fin sa lucidité et sa sérénité. 

Zahn laissera le souvenir d'un homme de bien, d'un 
professeur distingué et d'un savant aussi actif et instruit 
que modeste; c'est ainsi que désirant que ses funérailles 
fussent aussi simples que possible, il n'avait pas voulu 
que son décès fût communiqué immédiatement à Genève, 
afin que notre Faculté ne pût déléguer un de ses 
membres pour lui rendre les derniers honneurs; si notre 
Université n'a pu lui donner cette marque d'estime et 
de regret, elle n'en portera pas moins longtemps le 
deuil de celui qui l'a honorée et fidèlement servie pendant 
vingt-huit ans. Prof. J.-L. Prévost et D>' C. Picot. 

(Extrait de la Revue médicale de la Suisse romande, XXIV me Année, 
Nr. 9.) 



— CXLVIT 



Liste des publications du Prof, Dr. F.-W. Zahn. 



1 . Ueber verstärkte Wirkung unipolarer Induktion durch Influenz. 
(Arch. f. d. ges. Physiol. d. Mensch, u. d. Tiere. Bd. I, 1868, S. 255.) 

2. Untersuchungen über die Eiweisskörper der Milch. (Ibid. Bd. II, 
1869, S. 590.) 

3. Untersuchungen über Serumalbumine. (Ibid. Bd. III, 1870, S. 75.) 

4. Anwendung des Wasserstoffdioxyds zum Nachweis von Blutflecken. 
(Correspondenz-Blatt f. Schweiz. Aerzte. Bd. I, 1871, S. 322.) 

5. Verkalkte Ganglienzellen bei Syphilis congenita. (Ibid. Bd. II, 1872, 
S. 43.) 

6. Zur Lehre von der Entzündung und Eiterung. Diss. inaug. Ber- 
nensis. Heidelberg, 1872. 

7. Untersuchungen über Thrombose. (Centralblatt f. d. med. Wissensch. 
1S72, Nr. 9.) 

S. Ueber den Einfluss der Chimie auf die Auswanderung der weissen 
Blutkörperchen. (Beri. klin. Wochensch. 1872, Nr. 30.) 

9. Untersuchungen über Thrombose. Bildung der Thromben. (Virch. 
Arch. Bd. 62, 1874, S. 81.) 

10. Ueber Präputialsteine. (Virch. Arch., Bd. 62, S. 560.) 

1 1 . Note sur l'infiltration pigmentaire du cartilage. (Archives des Sciences 
phys. et nat. Avril, 1877, tome LV1II.) 

12. Sur le sort des tissus implantés dans l'organisme. (Comptes rendus 
et Mémoires du Congrès médical international. Genève, 1878, p. 558.) 

13. Ueber Pigmentinfiltration der Knorpel. (Virch. Arch. Bd. 72, 1878, 
S. 110) 

14. Ueber Corpora amylacea der Lungen (Ibid. S. 119.) 

15. Ueber e'nen Fall von eitriger Pericarditis nach Durchbruch eines 
Lymphdrüsenherdes in den Oesophagus und Herzbeutel. (Ibid. S. 198.) 

16. Zwei Fälle von Aneurysma der Pars membranacea septi ventricu- 
lorum cordis. (Ibid. S. 206.) 

17. Ueber einen Fall von Endarteritis verrucosa. (Ibid. S. 214.) 

18. Ueber einen Fall von Aortenaneurysma mit geheilten Aneurysmen 
der Intima und Media. (Ibid. Bd. 73, S. 161.) 

19. Die Degenerations-Veränderungen der Zwerchfellmuskulatur, ihre 
Ursachen und Folgen. (Ibid. S. 166.) 

20. De la formation des thrombus. (Revue médicale de la Suisse 
romande, 1881, p. IS.) 



— CXLVIII — 

21. Thrombose de plusieurs branches de la veine cave inférieure avec 
embolies consécutives dans les artères pulmonaire, splénique, rénale 
et iliaque droites. (Ibid. p. 227.) 

22. Myxo-enchondromes multiples du fémur. (Ibid. p. 296.) 

23. Note sur les plis respiratoires du diaphragme et les sillons dia- 
phragmatiques du foie. (Ibid. 18S2, p. 19.) 

24. Ulcères simples de l'œsophage et du duodénum. Anémie perni- 
cieuse symptomatique avec globules sanguins rouges à noyau. 
(Ibid. p. 144.) 

25. Ueber das Schicksal der in dem Organismus implantirten Gewebe. 
(Virch. Arch. 1884, t. XCV, p. 369, pl. XII, fig. 1-3.— Résumé 
par M. Eternod, Rev. méd. Suisse rom., 1884, t. IV, p. 285.) 

26. Ueber einen Fall von Ulcus rotundum simplex vaginas. (Ibid. p. 388, 
pl. XII, fig. 4; résumé, Rev. méd. Suisse rom., 1884, p. 419.) 

27. Beitrag zur Physiologie und Pathologie des Blutes. (Ibid., p. 391; 
résumé, Rev. med., 1884, p. 359.) 

28. Untersuchung über das Vorkommen von Fäulnisskeimen im Blut 
gesunder Tiere. (Ibid., p. 401 ; résumé, Rev. med., 1884, p. 417.) 

29. Untersuchung über die Vernarbung von Querrissen der Arterien- 
intima und Media nach vorheriger Umschnürung. (Virch. Arch., 1885, 
t. XCVI, p. 1; résumé, Rev. méd., 1S85, t. V, p. 3S1.) 

30. Ueber einen Fall von Perforation der Uteruswandung durch einen 
Placentarpolypen mit nachfolgender Hämatocele retro-uterina. (Ibid., 
p. 15. pi. II et III; résumé, Rev. méd., 1S85, t. V, p. 380. 

31 — 38. Beiträge zur Geschwulstlehre in Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. 

1. Ueber das multiple Myelom, seine Stellung im onkologischen 
System und seine Beziehung zur Anämia lymphatica. (1885, 
t. XXII, p. 2.) 

2. Ueber einen Fall von primärem Sarcom der Samenblase zugleich 
als Beitrag über eine eigentümliche Art von Geschwulstmetastase. 
(Ibid., p. 22 ) 

3. Ueber einen Fall von Fibrom und Osteofibrom der Zunge mit 
hyaliner und amyloïder Entartung. (Ibid., p. 30.) 

4. Ueber ein Myxo-Sarcom bei einem sechsmonatlichen Fötus, her- 
vorgegangen aus dem Saugpolster der linken Wange. (Ibid., p. 387.) 

5. Cysten mit Flimmerepithelien im Nasenrachenraum. (Ibid., p. 392.) 

6. Ueber 4 Fälle von Kiemengangcysten. (Ibid., p. 399.) 

7. Ueber 2 Fälle von Chondro-Osteoïdsarcom der Schilddrüse. 
(1886, t. XXIII, p. 297.) 

8. Ueber einen Fall von papillärem cylindrocellulärem Adenom der 
Schilddrüse beim Hund. (Ibid., p. 312). 

39. Ueber einen Fall von doppelseitiger Pleuritis haemorrhagica nach 
Thrombose der Vena azygos. Ein Beitrag zur Lehre von der 
Entzündung. (Virch. Arch., 1885, t. CII, p. 345.) 



— CXLIX — 

40. Ueber die nach Extirpation der Schilddrüse auftretenden Verän- 
derungen. (Vereinsblatt der pfälzischen Aerzte, janvier 18S8, p. 7.) 

41. Ueber congenitale Knorpelreste am Halse. (Virch. Arch., 1889, 
t. CXV, p. 47.) 

42. Bemerkungen zu F. O. Samters: „Ein Beitrag zur Lehre von den 
Kiemenganggeschwülsten". (Ibid., p. 53.) 

43. Ueber einen Fall von Phlebectasie im rechten Vorhofe. (Ibid., p. 55.) 

44. Ueber einen Fall von Phlebectasie an einer Pulmonalarterienklappe. 
(Ibid., p. 57.) 

45. Ueber ein eigentümliches congenitales Netzwerk in der linken Pul- 
monarterie. (Ibid., p. 58.) 

46. Ueber einen Fall von Perforation der Uteruswandung und des 
Rectums durch ein Mesenterialsarcom. (Ibid., p. 60.) 

47. Ueber einen Fall von Ulcus rotundum vaginae. (Ibid., p. 67.) 

48. Ueber paradoxe Embolie und ihre Bedeutung für die Geschwulst- 
lehre. (Ibid., p. 71.) 

49. Ueber Geschwulstmetastase durch Capillarembolie. (Virch. Arch., 
1889, t. CXVII, p. 1.) . 

50. Ueber einige seltene Fälle von Geschwulstmetastasen (Magen, 
Ovarien, Tonsillen). (Ibid., p. 30.) 

51. Beiträge zur Aetiologie der Epithelialkrebse. (Ibid., p. 37.) 

52. Beiträge zur Histiogenese der Carcinome. (Ibid., p. 209.) 

53. Ueber zwei Fälle von Perforation der Aorta bei Oesophaguskrebs. 
(Ibid., p. 221.) 

54. Ueber die Entstehungsweise von Pneumothorax durch Continuitäts- 
trennung der Lungenpleura ohne eitrige Entzündung. (Virch. Arch., 
1891, t. CXXIII. p. 197.) 

55. Ueber einen Fall von ulceröser Entzündung der Trachea und des 
linken Bronchus infolge eines Aneurysmas des Aortenbogens mit 
Durchbrueh in die Trachea. (Ibid., p. 220.) 

56. Ueber drei Fälle von Blutungen in die Bursa omentalis und ihre 
Umgebung. (Virch. Arch., 1891, t. CXXIV, p. 238.) 

57. Ueber die Ursache der Varicenbildung im rechten Vorhofe. (Ibid. p. 259). 

58. Nachtrag zur Mitteilung : Ueber die Entstehungsweise von Pneumo- 
torax. (Ibid., p. 265.J 

59. Ueber die Rippenbildung an der freien Oberfläche der Thromben. 
(Internationale Beiträge zur wissenschaftlichen Medizin; Festschrift, 
R. Virchow gewidmet zur Vollendung seines 70. Lebensjahres. 
Berlin, 1891, vol. II, p. 199.) 

60. Ueber Tubo-ovarialcystenschwangerschaft. (Vereinsblatt der pfälzi- 
schen Aerzte, November 1892, Nr. 11.) 

61. Ueber Vascularisation der Media und Intima bei Endarteritis chronica. 
'Verhandlungen des X ten internationalen medizinischen Kongresses 
in Berlin, 1892, t. II, p. 123.) 



— CL — 

62-64. Ueber einen Fall von Perforation des S. romanum infolge eines 
gestielten Darmpolypen. — Ueber Tubo-ovarialcysten. — Ueber 
einen Fall von doppelseitigen, sehr grossen Ovarialcysten mit Eiern, 
(Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte, 
Nürnberg, 1893.) 

65. Ueber einige anatomische Kennzeichen der Herzklappeninsufficienzen. 

Verhandlungen der XIII teri Kongresses für innere Medizin, 1895, 
t. XIII, p. 351.; 

66. Ueber mit Flimmerepithelien ausgekleideten Cysten des Oesophagus, 
der Pleura und der Leber. Beitrag zur Lehre von den angeborenen 
Mucoïdcysten. (Virch. Arch., 1896, t. CXLIII, p. 170.) 

67. Ueber einen Fall von Perforation des S. romanum infolge eines 
gestielten Darmpolypen. (Ibid., p. 187, pl. IV. 

Avec A. Luecke.) Die Geschwülste: I. Teil: Allgemeine Ge- 
schwulstlehre. (Deutsche Chirurgie, Liefer 22. Stuttgart, 1S96, in-S ) 

69. Ein neuer Fall von Flimmerepithelcyste der Pleura. (Virch. Arch., 
CXLIII, p. 416, 1S96.) 

70. Ueber die Folgen des Verschlusses der Lungenarterien und Pfort- 
aderäste durch Embolie. 'Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher 
Naturforscher und Aerzte zu Hraunschweig, 2 me partie. l re moitié, 
p. 9, 1898.) 

71. Ueber Tubo-Ovarialcysten, (avec deux planches. Virch. Arch., 
CLL p. 260, 1898.) 

72. Les vingt-cinq premières années de l'Institut pathologique de Genève. 
broch. in-S de 26 p. Genève, oct. 1901. Impr. W. Kündig, lavec 
la liste de tous les travaux faits par Zahn et ses élèves dans cet 
établissement.) 

73. Les cas de tuberculose observés à l'Institut pathologique de Genève 
pendant 25 ans, envisagés au point de vue de la tuberculose 
primitive ou secondaire de l'intestin, et de la fréquence de la 
dégénéresdence amyloïde, Revue méd. de la Suisse rom., 20 janvier 
1902 et (en allemand) Münch. med. Wochenschr., 14 janvier 1902. 



Verzeichnis der Nekrologe. 



i. 

2. 

3- 
4- 

5- 
6. 

7- 

8. 

9- 
io. 
i i . 

I 2. 

ï'3- 
H- 



Prof. Dr. Jean Dufour (1860 — 1903) 

Prof. Dr. Wilhelm His (183.1 — 1904) . 

Prof. R. Horner (1842— 1904) 

Dr. Max Käch (1875 — 1904) .... 

Dr. August Kottmann (1846 — 1904) 

Carl Friedr. von Liliencron (1834 — 1904) 

Auguste Mayor ( 1 8 1 5 — 1904) 

Prof. Dr. Viktor Merz (1839 — 1904) 

Dr. Hermann Pestalozzi (1826 — 1903) . 

Dr. Leopold de Reynier (1808 — 1904) 

Fritz Riggenbach-Stehlin (1821 — 1904) 

Prof. Albert Auguste Rilliet (1848— 1904) 

Prof. Charles Soret (1854 — 1904) . 

Joh. Jak. Spörri (1834 — 1904) 

Prof. Dr. Fr.-W. Zahn (1845— 1904) . 



Seile 
I 

XIII 
XLI 
XLV 
XLIX- . 

LIV 

LVI 

LX 

CHI 

CV 

CVIII 

CXVI 

cxxv 

CXXXVII 
CXLII 



Geschenke und Tauschsendungen für die Schweizer. 
Naturforschende Gesellschaft sind 

An die 

Bibliothek der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft 



Stadtbibliothek: 



BERN (5chweiz) 



zu adressieren. 



Les dons et échanges destinés à la Société Helvétique 
des Sciences naturelles doivent être adressés comme 
suit : 

A la 

Bibliothèque de la Société Helvétique des Sciences naturelles 

Bibliothèque de la Ville: BERNE (5uisse) 



ARCHIVES DES SCIENCES PHYSIQUES ET NATURELLES 



SEPTEMBRE ET OCTOBRE 1904 



COMPTE RENDU DES TRAVAUX 



PRESENTES A LA 



QUATRE-VINGT-SEPTIÈME SESSION 



SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 



SCIENCES NATURELLES 



WINTERTHUR 

du 30 juillet au 2 août 

1904 



GENÈVE 

BUREAU DES ARCHIVES, RUE DE LA PÉLISSERIE, 18 
PARIS LONDRES NEW-YORK 

H. LE SOUDIER DULAU&C G. E. STECHERT 

174-176,Boul. St-G-ermain 37, Soho Square 9, East 16'l> Street 

Dépôt pour l'ALLEMAGNE, H. GEORG, a Bale 



1904 



ARCHIVES DES SCIENCES PHYSIQUES ET NATURELLES 

SEPTEMBRE ET OCTOBRE 1904 



COMPTE RENDU DES TRAVAUX 

PRÉSENTÉS A LA 

QUATRE-VINGT-SEPTIÈME SESSION 

DE LA 

SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

DES 

SCIENCES NATURELLES 

RÉUNIE A 

WINTERTHUR 

du c.0 juillet au 2 août 

1904 



GENÈVE 

BUREAU DES ARCHIVES, RUE DE LA PÉLISSERIE, 18 
PARIS LONDRES NEW-YORK 

H. LE SOUDIEB. DULAU&C° G. E. STECHERT 

174-176, Boul.St-Germain 37, Soho Square 9, East 16"» Street 

Dépôt pour l'ALLEMAGNE, H. GEORG, a Bale 



1904 



Société générale d'imprimerie, successeur de Ch. Eggimann & C ie , 
Pélisserie, 18, Genève. 



QUATRE-VINGT-SEPTIÈME SESSION 

DE LA 

SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE DES SCIENCES NATURELLES 

REUNIE A 

WINTERTHUR 

du 30 juillet au 2 août 1904. 



C'est à Winterthur qu'a eu lieu cette année la 87 me 
session de la Société helvétique des sciences naturelles. 
Ce centre de la grande industrie métallurgique suisse 
était bien fait pour attirer tous ceux qui, de près ou de 
loin, s'intéressent aux questions techniques; aussi les 
visites organisées soit à la fabrique de machines de 
MM. Sulzer frères, soit à la fabrique suisse de locomo- 
tives, soit à la fabrique Rieter et C ie , ont-elles trouvé 
de nombreux amateurs. 

L'obligeance avec laquelle MM. les Directeurs se sont 
mis à la disposition de leurs visiteurs et la compétence 
avec laquelle ils leur servaient d'interprètes n'ont pas 
peu contribué à rendre ces visites des plus intéressantes. 
La brasserie Haldengut, la collection de coraux de la 
villa Traubengut et les forêts de la ville de Winterthur 
étaient autant d'autres buts d'excursions qui ont laissé 
à ceux qui y ont pris part le meilleur souvenir. 

La session a été ouverte officiellement le 31 juillet 
par M. le prof. J. Weber, président annuel, qui a traité 



4 SOCIETE HELVETIQUE 

dans son discours d'ouverture le sujet des formations 
de l'époque glaciaire dans les environs de Winterthur. 
Après lui, M. le prof. Chodat (Genève) a fait une confé- 
rence fort intéressante sur les méthodes statistiques et 
leur application à la botanique, et pour terminer cette 
première séance générale, M. le prof. Schardt (>"eu- 
chàtel) a entretenu les membres présents des résultats 
scientifiques du percement du Simplon. 

La journée du 1 er août a été consacrée aux séances 
de sections et aux excursions que nous venons de rap- 
peler. 

La seconde séance générale a été très nourrie grâce 
aux conférences de M. F. -A. Forel (Lausanne) sur le 
jubilé cinquantenaire de la découverte des Palafittes, 
de M. le prof. Schär (Strasbourg) sur des pliénomènes 
d'oxydation intérieure spontanée et de M. Ed. Sulzer 
Ziegler, conseiller national, sur les travaux dans le 
tunnel du Simplon. 

Nous ne saurions terminer ces quelques mots d'intro- 
duction sans remercier vivement le Comité annuel 
d'abord et son dévoué président de l'accueil aimable 
qu'ils nous ont fait et de la parfaite organisation de 
cette session, sans remercier aussi les autorités canto- 
nales de Zurich et municipales de Winterthur de l'appui 
qu'elles ont bien voulu donner au Comité annuel et de 
l'intérêt avec lequel elles ont suivi notre session. Ceux 
des membres de la Société helvétique des sciences natu- 
relles qui y ont assisté en ont gardé un excellent souvenir. 

C'est à Lucerne qu'aura lieu la session de 1905. 

Nous allons rendre compte maintenant des travaux 
qui ont été présentés au cours de cette session : 



DES SCIENCES NATURELLES. 



Mathématiques et Physique. 

Président : M. le prof. Hagenbach-Bischoff. 
Secrétaires : M. le D r J. Kunz (Zurich). 

M. le D r E. Zwingli (Winterthur). 

A. Gockel. Gaz radioactif dans l'air et le sol. — Ed. Guillaume. 
Théorie des aciers au nickel. — Liidin. La dispersion des lignes du 
courant électrique dans les électrolytes. — J. Maurer. Les ballons- 
sonde en Suisse. — J. Kunz. Influence de la température sur les 
propriétés magnétiques de la pyrrhotine. — Kleiner. La résistance 
et le coefficient de selfinduction pour les oscillations électriques. 
— P. Weiss. Un nouveau fréquence-mètre. — E. Steinmann. 
Détermination rapide de la force électromotrice et de la résistance 
intérieure d'un générateur électrique. — R. de Saussure. Des axes 
de mouvement compatibles avec les liaisons d'un système inva- 
riable qui possède n degrés de liberté. — E. Hagenbach. Détermi- 
nation de la viscosité d'un liquide par son écoulement à travers un 
tube capillaire. 

A. Gockel (Fribourg). Gaz radioactif dans Vair et 
le sol. 

MM. Elster et Geitelont montré qu'un fil isolé, tendu 
dans l'atmosphère et chargé à un potentiel d'environ 
-2000 volts se recouvre au bout d'un temps relative- 
ment court d'une couche radioactive. Ils ont donné 
également une méthode pour mesurer cette radio- 
activité. 

Les mesures que j'ai exécutées à Fribourg (Suisse) 
pendant onze mois consécutifs ont donné les résultats 
suivants : 

1) La teneur en émanation radioactive est notable- 
ment plus forte à Fribourg qu'à Wolfenbüttel (la teneur 
est désignée en général par A). En se servant des 
unités adoptées par MM. Elster et Geitel, A a comme 



6 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

valeur moyenne à Fribourg 84, avec 10 comme mini- 
mum et 420 comme maximum quand le fœhn souffle. 

2) A augmente dans le cours de la journée pour dimi- 
nuer depuis 4 h. du soir. Entre 11 h. du matin et 2 h. 
du soir on observe souvent une petite dépression de A. 
On n'a pas pu constater de période annuelle. 

3) On ne peut pas démontrer d'une manière certaine 
que A dépende de la température, de l'humidité abso- 
lue ou relative, de la nébulosité ou de la différence de 
potentiel. 

4) A augmente lorsque la pression atmosphérique 
augmente, c'est-à-dire lorsque l'air descend. Ce fait 
s'observe surtout par le fœhn, et montre que l'air du 
sol ne peut pas être la seule source d'émanation radio- 
active ; il est concordant avec l'observation faite que le 
nombre des ions positifs de l'atmosphère augmente en 
même temps avec la pression atmosphérique. 

Les mesures faites sur le Rothorn près Brienz ont 
montré que la valeur de A y est plus grande que dans la 
plaine. Les valeurs obtenues y varient entre 50 et 300. 

Des fils non chargés, mais tendus simplement dans 
le champ de la terre, ont donné des radioactivités pour 
lesquelles la valeur de A atteignait 30 à 50. 

L'auteur a fait encore des recherches sur les émana- 
tions radioactives des sources thermales : les gaz qui 
émanent de la source de Bade (Argovie) sont fortement 
radioactifs tandis que l'eau de Bade comme celle de 
Louè'che ne présente pas de radioactivité bien marquée 
lorsqu'on l'examine selon la méthode ordinaire, quel- 
ques jours après l'avoir puisée à la source. 

M. C.-E. Guillaume, à Sèvres, expose la théorie des 



DES SCIENCES NATURELLES. 7 

aciers au nickel, pour laquelle nous renvoyons le lec- 
teur au mémoire qu'il a inséré dans les Archives en 
janvier de cette année 1 . 

Prof. E. Ludin (Winterthur). La dispersion des lignes 
du courant électrique dans les êlectrolytes. 

L'auteur de cette communication a déterminé la con- 
ductibilité du sulfate de cuivre et du nitrate de potasse 
avec des cuves à résistance pour lesquelles la section 
des électrodes était notablement plus petite que celle 
du liquide. La section de Pélectrolyte mesurait 179,6cm* 
celle des électrodes 1 79,6 cm. 2 , 16 cm. s , 4 cm. 2 et 
1 cm. 3 . Lorsqu'on mesure la résistance pour différentes 
distances des électrodes (4 cm. -45 cm.) on trouve que 
plus la distance augmente, plus la résistance par unité 
de longueur diminue en se rapprochant de la valeur 
qu'on obtient en employant les électrodes de 179,6 cm 2 . 

Pour expliquer cette diminution de la résistance, il 
faut supposer que les lignes du courant électrique se 
dispersent, et que c'est bientôt la section tout entière 
du liquide qui sert de conducteur au courant. En sup- 
posant de plus que les lignes du courant électrique se 
dispersent en forme de pyramides tronquées, corres- 
pondant aux sections des électrodes et de l'électrolyte, 
on trouve en calculant la hauteur de ces pyramides 
qu'elle est la même pour toutes les distances des élec- 
trodes. En en déduisant l'angle sous lequel les lignes 
du courant électrique se dispersent, on peut déduire 
des résultats provisoires les lois suivantes : 

f ) L'angle de dispersion est le même pour une sec- 

1 Archives, 1904, t. XVII, p. 23. 



8 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

tion donnée quelle que soit la distance des électrodes. 

2) L'angle de dispersion augmente lorsque la concen- 
tration diminue. 

3) Lorsque la section des électrodes diminue par rap- 
port à celle de l'électrolyte, l'angle de dispersion dimi- 
nue, et se rapproche d'une valeur limite. 

M. le D r J. Maurer, Directeur-adjoint de l'Institut 
météorologique fédéral (Zurich) parle de la participa- 
tion de la Suisse aux ascensions scientifiques inter- 
nationales ; il démontre les instruments enregistreurs 
employés, présente quelques diagrammes et fait une 
démonstration du matériel complet des ballons-sonde, 
employés dans les Alpes. Pendant sa communication, 
il fait assister l'assemblée au lancer d'un ballon-sonde 
rempli d'hydrogène. 

M. Jacob Kunz (Zurich). Influence de la température 
sur les propriétés magnétiques de la pyrrhotine. 

La pyrrhotine se dislingue de tous les cristaux ma- 
gnétiques étudiés jusqu'à aujourd'hui par le fait qu'elle 
possède un plan magnétique qui facilite l'étude du 
cristal et qui coïncide avec le plan de la base suivant 
lequel les cristaux de pyrrhotine clivent généralement. 
On distingue deux groupes de cristaux de ce minéral, 
qui diffèrent complètement l'un de l'autre par l'influence 
que la température exerce sur leurs propriétés magné- 
tiques. Les propriétés magnétiques du premier groupe 
sont les suivantes : lorsque la température croît, l'in- 
tensité du magnétisme et des deux sortes d'hystérésis 
diminue graduellement, l'intensité du magnétisme est 
la même avant et après réchauffement, l'aimantation à 



DES SCIENCES NATURELLES. 9 

satiété pour environ 2000 unités du champ est indé- 
pendante de la température, le plan magnétique existe 
pour toutes les températures, les groupements sont 
constants et indépendants de la température, ou la 
composition en trois aimants élémentaire est constante, 
la variation des élonçations dans la région des minima 
est très rapide, la valeur du travail de l'hystérésis est 
faible. 

Les cristaux du second groupe se distinguent de ceux 
du premier par la mobilité de leurs éléments sous l'in- 
fluence de températures élevées et du champ magné- 
tique qui exerce sur eux une action directrice lorsqu'ils 
sont en état de mobilité. 

On pourrait expliquer les différents degrés de mobi- 
lité en supposant que les cristaux sont composés de 
deux substances différentes dont l'une est immobile 
comme les cristaux du premier groupe, tandis que 
l'autre est mobile. Si l'on fait de plus l'hypothèse que 
pour certains cristaux la partie mobile est régulière- 
ment formée de trois éléments, pour d'autres au con- 
traire irrégulièrement, on pourrait facilement déduire 
de ces deux hypothèses toutes les propriétés princi- 
pales qui dépendent de l'élévation de la température et 
de la vitesse avec laquelle elle varie, ainsi que celles 
qui dépendent de l'intensité de la direction du champ 
magnétique. 

Mais on pourrait également supposer que la résis- 
tance magnétique est une fonction de l'angle ou que les 
groupements magnétiques élémentaires ne sont pas 
disposés suivant des droites, mais en forme d'étoile. 
Cette dernière hypothèse est rendue très probable à 
cause de la composition des cristaux en proportions très 



IO SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

variables des trois composantes, à cause aussi de la ma- 
nière dont cette compostion varie sous l'influence de 
températures toujours plus élevées et de la proportion 
toujours plus considérable que prend la composante 
principale sous l'influence dirigeante de champs magné- 
tiques croissants. L'hypothèse qui considère la résis- 
tance magnétique comme une fonction déterminée de 
l'angle n'est pas en désaccord avec le fait que l'hysté- 
résis de rotation, de même que l'aimantation peut être 
divisée d'une manière quelconque dans une direction 
donnée sous l'influence d'un champ magnétique à une 
température élevée. 

C'est pourquoi l'explication la plus simple de ces 
propriétés magnétiques du second groupe est la sui- 
vante : les cristaux sont composés de deux parties dont 
l'une est immobile comme les cristaux du premier 
groupe et dont l'autre est mobile. La partie immobile 
est composée des trois éléments, soit régulièrement, 
soit en proportions variant d'une manière quelconque. 

M. A. Kleiner (Zurich). La résistance et le coefficient 
de selfinduction pour les oscillations électriques. 

Les travaux de Hertz 1 nous ont enseigné que la ré- 
partition du courant dans les conducteurs pour des 
oscillations électriques très rapides est la même que la 
répartition d'une charge électrostatique, c'est-à-dire 
qu'elle est superficielle ; d'autre part, Bjerkness 2 a 
mesuré pour différents métaux la profondeur à laquelle 
les ondes électriques pénètrent. Ce n'est que tout der- 



1 Widemann Ann., 37, p. 395. 

2 Widemann Ann., 48, p. 592. 



DES SCIENCES NATURELLES. '1 1 

nièrement que giàce aux travaux de F. Dolezalek 1 et 
de Wien 2 il a été reconnu que cet effet (appelé effet 
Skin) se produit aussi pour des oscillations relativement 
lentes et comment la résistance effective d'un courant 
oscillant dépend de la fréquence des oscillations. 

Après avoir fait personnellement de nombreuses 
mesures d'oscillations électriques au moyen du pendule 
d'Helmlioltz et avoir fait exécuter quelques travaux dans 
ce sens 3 , j'ai été amené à travailler cette même ques- 
tion, et suis arrivé à des résultats qui concordent, au 
point de vue qualitatif, avec ceux de Dolezalek et les 
complètent dans un certain sens; en effet, tandis que 
les mesures de Dolezalek ont été faites sur des circuits 
oscillatoires à capacité négligeable et cà oscillations ré- 
glées, j'ai employé des circuits à capacité considérable, 
pouvant varier entre des limites éloignées et, d'accord 
avec la méthode d'observation, les oscillations étaient 
libres. 

Cette méthode d'observation était la suivante : en 
ouvrant un circuit au moyen d'un interrupteur à pen- 
dule d'Helmholtz on faisait naître des oscillations dans 
un système composé d'une source de courant, d'une 
bobine d'induction et d'un condensateur; après un 
certain temps, mesurable au moyen de l'appareil, on 
interrompait la communication avec le condensateur 
et l'on déterminait sa charge en le déchargeant dans 
un galvanomètre balistique. En augmentant petit à 
petit la durée de la charge, on peut déterminer la 
charge comme une fonction du temps et déduire des 

1 Drudes Ann., 12, p. 1143. 

2 Drudes Ann., 14, p. 1. 

3 Par exemple, dissertation de Lomsché, Zurich, 1903. 



12 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

graphiques des courbes d'oscillation, l'amplitude et la 
durée d'oscillation. Lorsqu'on connaît ainsi la période 
et l'amortissement, on peut en déduire, au moyen de 
la formule de Thomson et Kirchhoff, la résistance W et 
le coefficient de selfinduction L : 

T = 2 7T /CL . 1 

f— CW 2 



logn NäWI/"! 



où T désigne la durée d'oscillation, S l'amortissement 
et C la capacité. Pour T, on peut écrire : 

T = 2îr/CL, 

on a alors : 

T logn 8 



T logn ô = 2tc 3 WC; W 



2tt 2 C 



En faisant varier C dans des séries d'expériences con- 
sécutives, on put donner à T des valeurs variant entre 
de grandes limites et déterminer ainsi la manière dont 
W et L dépendent de cette grandeur. 

Le tableau suivant donne les valeurs de W etL tirées 
des expériences faites avec une bobine dont le fil avait 
1,1 mm. d'épaisseur et dont les constantes étaient les 
suivantes : nombre de tours, 480 ; rayon moyen, 1 65,5 ; 
coefficient d'induction calculé au moyen des dimensions, 
116,14.10'cm. ; résistance pour un courant continu, 
10,87 Q. Les valeurs de W ne comprennent pas la 
résistance des communications et celle des éléments. 



DES SCIENCES NATURELLES. 



13 



C. en M. F. 


T sec. 


VT 


W ohms 


L cm. 10« 


2 


0.002944 


340 


11.5 


122.1 


4 


0.002097 


477 


11.52 


111.5 


0.2 


0.000941 


1062 


13.0 


412.2 


0.05 


0.000485 


2062 


17.38 


1 1 1 . 7 


0.04 


0.0002125 


4706 


40.92 


114.5 


0.002 


0.0000971 


10299 


164.32 


119.0 


0.00045 


0.00005064 


19747 


845.4 


1 53 . 



La résistance pour 20000 oscillations est environ 1 00 
fois : plus grande que celle de la loi d'Ohm ; elle augmente 
à peu près proportionnellement au carré du nombre 
d'oscillations; cette loi ne s'applique pourtant plus au 
cas du plus grand nombre d'oscillations observées. Le 
coefficient de selfinduction augmente aussi avec le 
nombre des oscillations lorsque celui-ci est grand; 
lorsqu'il est plus petit, il se comporte d'une manière 
qui a également été observée par Dolezalek. M. le D r 
H. Mayer' a mesuré d'après cette méthode W et L 
pour cinq bobines avec des fils d'épaisseur différente. 
Les résultats permettent de voir la variation de W et L 
suivant l'épaisseur du fil. 

M. P. Weiss, professeur au polytechnicnm de Zurich, 
présente un nouveau fréquence-mètre. Cet appareil 
a pour but de mesurer exactement la fréquence d'un 
courant alternatif. Il se compose d'une corde vibrante 
de tension variable, en fer, soumise, en son milieu, à 
l'action d'un électro-aimant parcouru par le courant à 
étudier. La tension de la corde se compose d'une partie 
fixe, obtenue au moyen d'un contre-poids et d'une partie 



1 H. Mayer. Dissertation, 1904. 



4 4 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

variable provenant d'un ressort plus ou moins tendu. 
Du même mouvement par lequel on tend ce ressort, on 
déplace une aiguille sur une échelle divisée dont la 
graduation indique le demi-nombre de vibrations de 
celte corde. Celle-ci se mettra à vibrer par résonance 
quand la fréquence du courant alternatif parcourant 
l'électro-aimant sera égale à ce demi-nombre de vibra- 
tions. 

Il y a un juste milieu à trouver entre un amortissement 
trop fort de la corde qui donnerait une région de réso- 
nance trop large, et un amortissement trop faible pour 
lequel la résonance exigerait un temps trop long pour 
atteindre son maximum. C'est ce qui a été fait dans 
l'appareil présent en choisissant convenablement le 
diamètre du fil et en le munissant d'un petit losange 
en fer qui joint une masse notable à une résistance 
assez faible, éprouvée de la part de l'air. 




Fig. 1. 



Ce petit losange permet d'ailleurs d'apprécier avec 
beaucoup d'exactitude le moment du maximum d'am- 
plitude. Quand la corde vibre, on voit en noir l'espace 
recouvert dans toutes les positions par le petit losange 
et en gris l'espace qui n'est couvert que pendant une 
fraction de la période. Il en résulte une apparence 
dont l'aspect est représenté par la fig. 2, et il est évi- 
dent que la longueur de la région noire a b varie très 
rapidement avec l'amplitude du mouvement. 



DES SCIENCEJ NATURELLES. 



15 



L'appareil, tel qu'il est, permet de mesurer la fré- 
quence d'un courant alternatif entre 40 et 60 périodes 
par seconde à 7 1000 près environ. Il serait facile d'aug- 
menter encore cette précision si cela était nécessaire ; 
en faisant en sorte, par exemple, que toute l'étendue 
du cadran divisé corresponde à l'intervalle entre 49 et 
51 périodes par seconde. 

Mais cela n'a pas paru utile jusqu'à présent. La sen- 
sibilité actuelle suffit à montrer toutes les variations 
accidentelles de la fréquence qui se produisent quand, 
par exemple, on couple un alternateur supplémentaire 
avec ceux qui étaient déjà en fonction, ou quand, au 
moment de la chute du jour, la charge du réseau croît 
brusquement par l'allumage des lumières. 

On peut, avec cet appareil, retrouver facilement les 




Fig. 2. 



apparences qui accompagnent la synchronisation et qui 
ont été étudiées si élégamment par le regretté Alfred 
Cornu. Lorsque la période du courant est différente de 
la double période de la corde, l'amplitude du mouve- 
ment vibratoire passe par une série de valeurs repré- 
sentées par les rayons OP d'une spirale logarithmique 
pour aboutir finalement, quand le régime permanent 



I 6 SOCIETE HELTETIQL'E 

est atteint, à la valeur 0: egale a la distance du pôle 
de cette spirale à l'origine des coordonnées. L'angle 
POX represente le retard de phase de la corde par rap- 
port an courant. Cette spirale logarithmique est décrite 
par le point P à raison d'un nombre de tours par 
seconde egal à rwi\ Il y aura donc, avant que le ré- 
gime permanent soit atteint, un nombre de batte- 
ments par seconde egal à la différence de la fréquence 
du courant et du mouvement de la corde. On observe 
facilement ces battements passagers en écartant brus- 
quement l'aiguille de la valeur d'une ou deux unités 
de la fréquence à partir du synchronisme. 

M. E. Steixmanx. D r Se. Genève). — Détermination 
rapide de la forre électro-motrice et de la résistance 
intérieure d'un élément de pile. 

L'emploi toujours croissant des piles sèches dans les 
applications industrielles les automobiles en particu- 
lier) et la difficulté de se rendre compte rapidement de 
leur etat d'épuisement m'ont engagé à chercher une 
méthode pratique, applicable facilement et donnant des 
résultats certains. 

On ne peut en effet qualifier de rationnelles les me- 
sures habituelles faites avec des voltmètres de pacotille 
a très petite résistance intérieure ou la méthode si 
courante qui consiste à court-eircuiter un élément par 
uq ampèremètre. 

Deux mesures successives faites avec un bon volt- 
mètre à deux sensibilités i_ Western, Hartmann et 
Braun, etc.) permettent de déterminer rapidement la 
f. é. m. et la résistance intérieure de l'élément ou de 
la batterie. 



DES SCIENCES NATURELLES. 



17 



Soient p et p" les résistances de l'instrument aux deux 
sensibilités, p la résistance intérieure cherchée, e' et e" 
les différences de potentiel lues, E la f. é. m. cherchée. 

La loi d'Ohm donne 



d'où 



e = (p- + p) L = (p" + p) 1 

p p 



, , p » » p 



et 



e' - e" = p 



P P 



? - e 



Le rapport des deux résistances p et p" étant en gé- 
néral un nombre très simple, on a intérêt à l'introduire 
dans la formule, qui devient 



1) 



p = p 



e - € 



, p 
e - e — 



En introduisant cette valeur dans une des expressions 

de E, on a 

e - e" 



2) 



E = e" 



1 + 



e" - e' 



P 



La fraction qui figure dans l)se retrouve dans 2) 
de sorte que le calcul est très simple. 
Voici un exemple numérique : 
Un petit élément sec Ediswan, très vieux, a donné 



0.85» 



e" = 0.54 y 



18 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

l'instrument (de la European Weston Electrical Instru- 
ment C ) ayant respectivement 

a = 1381 9. a" = 276 Q et ^_ = 

P 5 

on tire de là 

p = 231 Q E = : 99» 

On peut arriver à supprimer tout calcul en construi- 
sant pour un instrument donné un abaque à alignement 
qui donne par la simple application d'une ligne droite 
les valeurs cherchées de p et de E. 

La méthode indiquée ci-dessus est identique en prin- 
cipe avec celle que donne Kohlrausch (Lehrbuch der 
praktischen Physik, 9 te Aufl. § 97, I); mais son appli- 
cation est beaucoup plus simple. 

Il va sans dire que son application n'est pas limitée 
aux piles sèches, mais que tout générateur électrique 
à grande résistance intérieure peut avantageusement 
être étudié de cette façon. 

M. René de Saussure. Sur les grandeurs fondamen- 
tales de la mécanique. 

Les trois grandeurs temps, masse et longueur, con- 
sidérées généralement comme fondamentales en méca- 
nique, sont bien trois grandeurs indépendantes, mais 
non pas irréductibles, car la masse étant une grandeur 
localisée dans l'espace, contient encore un facteur spa- 
tial. Au contraire, en prenant comme grandeurs fonda- 
mentales : le temps, lespace et ce que les physiciens 
appellent le flux de force, la mécanique se trouve basée 
sur trois grandeurs indépendantes et irréductibles, car 
le flux de force n'est pas plus localisé dans l'espace 
que le temps dans l'espace ou l'espace dans le temps. 



DES SCIENCES NATURELLES. 19 

Le flux de force n'est pas autre chose qu'un effort 
statique ou effort musculaire, de sorte que les trois 
nouvelles grandeurs fondamentales correspondent aux 
trois intuitions directes de notre esprit : notion de 
durée, notion d'effort musculaire et notion d'étendue ; 
ces trois notions sont intuitives et résistent à toute dé- 
finition. 

La force et la masse sont immédiatement définies par 
l'effort : la force en un point d'une surface soumise à 
un effort est le rapport de l'effort à cette surface, et la 
masse en un point est le rapport d'un effort à l'angle 
solide ircqui entoure ce point. 

Cette manière de voir permet d'établir un parallé- 
lisme complet entre la cinématique (temps et espace) et 
la statique (effort et espace) ; la cinématique correspond 
à la théorie des courbes, parce que le temps n'a qu'une 
dimension, et la statique à la théorie des surfaces, 
parce que l'effort ou flux de force a deux dimensions ; 
enfin, l'espace ayant trois dimensions, il y a symétrie 
complète entre les trois grandeurs : temps, effort et 
espace. Les trois unités sont toujours la seconde, le 
gramme et le mètre; seulement, le gramme est consi- 
déré comme l'unité d'effort et non pas comme l'unité 
de masse. 

Enfin, la théorie précédente permet d'établir une 
distinction entre les forces statiques et les forces dyna- 
miques, et permet de rendre homogènes toutes les 
équations de la mécanique 1 . 

M. le prof. Hâgenbach (Bàie) fait une communication 

1 Pour plus de développements, voir Archives des sciences phy- 
siques et naturelles, septembre^! 904. 



20 SOCIÉTÉ HELVETIQUE 

sor la détermination de la viscosité des liquides par leur 
écoulement à travers un tube capillaire. 

Il montre que la correction indiquée par lui en 1860 
comme devant être apportée à cette mesure n'est jus- 
tifiée qu'au cas où le liquide s'échappe librement du 
tube capillaire. En effet, c'est dans ce cas seulement 
qu'une partie de la pression observée est employée à 
produire la vitesse d'écoulement et doit être ainsi dé- 
duite de la pression totale. Si, au contraire, le liquide 
s'écoule dans un second vase et qu'on mesure la diffé- 
rence de pression entre les deux vases reliés par le tube 
capillaire, la force vive du liquide est transformée au 
passage dans le second vase en énergie potentielle. 
Dans ce deuxième cas donc la pression doit être intro- 
duite sans correction dans la formule de Poiseuille pour 
la mesure de viscosité. Dans un certain nombre de 
recherches entreprises récemment sur ce sujet, et en 
particulier dans l'étude très soignée de MM. Thorpe et 
Rodger, la correction que M. Hagenbach avait indiquée 
a été appliquée mal à propos. 



DES SCIENCES NATURELLES. 21 



Chimie. 

(Séance de la Société suisse de Chimie) 

Présidents : M. le prof. 0. Billeter (Neuchâtel). 
M. le prof. Ed. Soh^r (Strasbourg). 
Secrétaire : M. le prof. H. Rupe (Bàie). 

A. Werner. Sur quelques nouveaux sels de chrome. — A. Jaquerod. 
La densité de l'anhydride sulfureux et le poids atomique du soufre. 
-- 0. Billeter. Sur l'autoxydation des dialcoylxanthogénamides. — 
A. Pictet. Sur la constitution de la strychnine. — E. Schser. A 
propos des réactions du sucre et du biuret. — H. Rupe. Sur la 
réduction des cétones non saturées. — E. Pfeiffer. Sur quelques 
sels aquochromiques. — E. Schter. Phénomènes d'oxydation spon- 
tanée et interne. 

M. le prof. Werner (Zurich) fait une communication 
sur quelques nouveaux sels de chrome. Ayant repris 
l'étude d'un chlorosulfate de chrome décrit par Recoura, 
et auquel celui-ci avait attribué la formule (CrCl)S0 4 + 
6H 2 0, il a trouvé que cette formule doit être doublée 
et remplacée par l'expression 

[ Cr Ä 4 ] (S0 * )2 [ Cr (° H ^] + 2H '°- 

Ce sel appartient à une série 

R(S0 4 ) 2 [Cr(OH 2 ) 6 ], 

dans laquelle R représente un complexe monovalent 
quelconque. En faisant agir l'acide bromhydrique sur le 
sulfate de chrome, M. Werner a pu, en effet, préparer 
le bromosulfate correspondant : 



Cr ( otf,).W[ Cr (° H *>. 



+ ÏH.O. 



22 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

La constitution de ces deux composés a été fixée par 
une seconde synthèse, consistant à partir du chlorure 
de chrome violet et du chlorure (ou bromure) de 
chrome vert, et à les additionner d'acide sulmrique : 

1er (° C ^ 4 1 Cl + Ter (OH 2 ) 6 l Cl 3 + 2H 2 S0 4 + 2H 2 = 

[cr (°H«)« 1 (S0 4 ) 2 Fer (OH,j 6 J + 4HC1 + 2H 2 0. 

Au lieu du radical hexaquochromique, on a pu intro- 
duire le radical hexaquo-aluminique, et obtenir, par 
exemple, le sel 

[cr(° c ^*] (S0 4 ) 2 [a1(OH 2 ) 6 ]+2H 2 0. 

Inversement, il a été possible de remplacer le radi- 
cal dihalogéno-tétraquochromique par des restes de 
métalammoniaques tels que Cr(OH,),(NH,),Cl, et 
Co. en,. Cl, 1 , et préparer, entre autres, les composés 

fco^](S0 4 ) 2 [cr(OHA] 

et [co^](S0 4 ) 2 [a1(OH 2 ) 6 ]. 

Si l'on considère la formule empirique de ce dernier 
sel, laquelle est CoAlC 4 N,CI,S,H 1s 14 , et qu'on la com- 
pare à l'expression si simple donnée par sa formule 
développée, on voit combien on aurait tort de penser 
que les formules constitutionnelles ne peuvent avoir 
d'utilité en chimie minérale; on doit reconnaître, au 
contraire, qu'elles sont destinées à y jouer un rôle aussi 

1 en = étliylène-diamine. 



DES SCIENCES NATURELLES. 23 

important qu'en chimie organique, bien que les bases 
théoriques sur lesquelles elles reposent soient essentiel- 
lement différentes. 

Cette conviction s'accroît encore quand on envisage 
les résultats d'une autre série de recherches que l'au- 
teur a faites avec M. Jovanovits. Lorsqu'on évapore le 
chlorure hexammino-chromique ou le chlorure chloro- 
pentammino-chromique avec du sulfocyanate de potas- 
sium et de l'acide acétique, on obtient un sel vert, assez 
soluble dans l'eau, que l'on peut purifier par cristalli- 
sation dans l'acétone. Ce sel, d'une composition très 
complexe, renferme les éléments Cr, N, C, S, et H, 
et cela dans des proportions très curieuses. On a pu se 
faire une première idée de sa constitution en étudiant 
l'action que le nitrate d'argent exerce sur sa solution 
aqueuse. Il ne se produit tout d'abord qu'un léger 
trouble, mais celui-ci augmente bientôt et se transforme 
en un précipité caséeux blanc de sulfocyanate d'argent. 
La solution filtrée, qui possède une belle couleur verte, 
laisse déposer par concentration un nitrate ; celui-ci 
n"a pas été analysé, mais converti dans le sel de 
platine correspondant, qui cristallise remarquablement 
bien. L'analyse de ce dernier sel a montré qu'il cons- 
titue le chloroplatinate d'un radical monovalent 



[Cr 4 (CH 3 C0 2 ) 6 (NH 3 ) (0,) (OH) (OH,),] 



i. 



Ce radical si complexe présente une remarquable 
stabilité. Les sels qui en dérivent ne subissent pas la 
plus petite modification en solution aqueuse, même au 
bout de plusieurs semaines. Les auteurs poursuivront 
l'étude de ces corps et chercheront à en déterminer 
complètement la constitution. Ils espèrent arriver ainsi 



24 SOCIÉTÉ HELVETIQUE 

a démontrer que lune des tâches de la chimie moderne 
doit être d'établir les théories de la constitution molé- 
culaire des composés inorganiques. 

M. le D r A. Jaqcerod (Genève) présente un travail. 
effectué avec la collaboration de M. A. Pintza, sur la 
densité de l'anhydride sulfureux et le poids atomique 
du soufre. La densité a été déterminée à 0° et a diver- 
ses pressions, au moyen d'un appareil comprenant 
deux ballons d'une contenance totale de 3500 cm' 
environ, exactement jauges et reliés a un manomètre à 
mercure. L'anhydride sulfureux était pesé à l'état 
liquide, dans une petite ampoule fermée par un robinet 
et pouvant s'adapter aux ballons jaugés. On évitait de 
cette façon la pesée de ballons de grandes dimensions, 
qui constitue l'une des principales difficultés dans la 
détermination de la densité des gaz. Toutes les correc- 
tions nécessitées par la petite fraction de gaz située 
hors de la glace, la compressibilité, etc., ont ete effec- 
tuées. 

Pour la pression normale, sepi déterminations ont 
ete faites, et les chiffres obtenus concordent à moins 
de ' ..,,,. Aux basses pressions la précision est un peu 
moindre. 

Les résultats de ces mesures sont les suivants : 

Nombre de Poids du litre 

Pression déterminations de SOs à 0° 

760 7 2 ; 9266i gr. 

569.28 I 2,47894 » 

380 4 1,44572 » 

On peut, des chiffres ci-dessus, déduire immédiate- 
ment la compressibilité da gaz sulfureux. Ils permettent 



DES SCIENCES NATURELLES. 2o 

également de calculer très facilement la valeur de la 
densité limite de l'anhydride sulfureux par rapport à 
celle de l'oxygène sous la pression 0. Ce rapport, mul- 
tiplié par 32, donne, comme l'ont montré lord Rayleigh 
et D. Berthelot, le poids moléculaire du gaz étudié. 

En faisant ce calcul au moyen des densités ci-dessus, 
et en prenant pour poids du litre d'oxygène sous 760 mm 
1,4290 gr., on arrive, pour le poids moléculaire de 
l'anhydride sulfureux, au chiffre 64,01 ; d'où le poids 
atomique du soufre, S = 32,0 I . 

M. le prof. 0. Billeter (Neuchâtel) communique 
ses observations sur Vaut oxydation des dialeoylxanlho- 
génamides. Il avait précédemment montré, avec MM. H. 
Rivier et A. Maret, que les dithiobiurets persubstitués 
portant un alcoyle à l'azote central, ne se retransfor- 
ment pas, sous l'influence de l'acide chlorhydrique, en 
leurs isomères, les pseudodithiobiurets, qui leur avaient 
donné naissance, comme le font leurs congénères aro- 
matiques, mais qu'ils subissent une décomposition 
profonde. Le diméthyldiéthylphényldithiobiuret, par 
exemple, fournit du chlorhydrate d'éthylaniline et de 
l'éthylsénévol ; on devait s'attendre à obtenir, comme 
troisième produit de décomposition, du chlorure dimé- 
thylthiocarbamique, conformément à l'équation : 

s . r N. C 2 H 5 . C 6 H 5 NE. C 6 H 5 . C 2 H 5 + 

c ! rî^- C 2 H 5 + HCl = SCN.C 8 H 5 + 

• L "S\ (CH 3 Î2 SCC1N (CH 3 ) 2 

A sa place on obtint un liquide incolore, bouillant à 
82°, 6 sous I0 mm de pression, se solidifiant à basse 
température et fondant à 13°. Ce liquide possède la 



26 SOCIÉTÉ BELVËTIQUE 

propriété d'émettre à l'air humide d'épaisses famées, 
dont l'odeur rappelle celle du phosphore. 

L'étude de ce corps, entreprise avec M. H. Berthoud, 
a montré qu'il constitue la diméthylxanthogénamide. 
SC.OC } H 5 N(CH,) S . et qu'il prend naissance par l'action 
de l'alcool contenu dans le chloroforme employé comme 
dissolvant, sur le chlorure diméthylthiocarbamique. Ce 
fait a été confirmé par la synthèse. 

Les fumées qu'il répand sont le résultat d'une autoxy- 
dation qui. lente à l'air, s'accomplit rapidement en 
présence de magnésie ou de soude. Le soufre du corps 
auloxydable est remplacé quantitativement par de 
l'oxygène : il se forme du diméthvluréthane, CO.OC.H « 

. ö * 2 5 

N(CH 3 ) J5 tandis que le soufre passe à l'état de sulfate, 
de sulfite et de thiosulfate. Ce dernier doit être consi- 
déré comme le produit primaire de la réaction, laquelle 
exige deux atomes d'oxygène pour une molécule de 
thiuréthane. selon l'équation : 

2 SC. OC 2 H 5 . X(CH 3 \ + 20 2 + \a,0 = 
2 OC. ÒC 2 H 5 . X(CH 3 ), + Xa 3 S 2 3 

On peut admettre, conformément à la théorie actuelle 
des autoxydations. qu'il y a d'abord addition d'une 
molécule d'oxygène, avec formation du peroxyde insta- 
ble 0,S:C.OC,H 5 .X(CH 3 ), et que celui-ci se dédouble 
aussitôt en OC.OC.H s .N(CH 3 1, et monoxyde de soufre 
SO; ce dernier s'unit en partie a l'alcali sous forme de 
thiosulfate. le reste s'oxyde en donnant du sulfite et du 
sulfate. 

La titration de l'acide sulfureux en présence de 
l'acide thlosulfurique a été effectuée au moyen d'une 



DES SCIENCES NATURELLES. 27 

solution titrée de disulfure de sodium dont la décolo- 
ration indique la fin de la réaction : 

Na 2 S0 3 +Na 2 S 2 = Na 2 S a 3 +Na 2 S 

Après élimination du sulfure par l'acide acétique, le 
thiosulfate total est titré par l'iode et le thiosulfate 
primitif calculé par différence. 

La totalité du thiosulfate se trouve, du reste, dans 
la solution unie à une quantité équivalente de sulfite 
sous la forme du sel d'un anhydride mixte, Na 2 S 3 5 . 
En effet, l'iode agit sur la solution primitive d'après 
l'équation : 

Na 2 S 3 5 +2 I +H 2 = Na 2 S 3 6 +2 HI 

tandis qu'un simple mélange de sulfite et de thiosul- 
fate se comporte à la titration comme tel. Le change- 
ment du titre alcalimétrique est d'accord avec cette 
interprétation. 

Les homologues aliphatiques de la diméthylxantho- 
génamide se comportent de même, les supérieurs 
cependant s'oxydent plus lentement. Par contre, aucun 
des nombreux autres dérivés des acides thiocarboniques 
qui ont été soumis aux mêmes expériences n'a présenté 
le moindre indice d'autoxydation. 

M. le prof. Amé Pictet (Genève) parle de la consti- 
tution de la strychnine, en se basant sur les résultats 
d'un travail qu'il a entrepris avec M He A. Geleznoff. Les 
auteurs ont pris comme point de départ le strychnol 
(acide strychnique de Tafel), que l'on obtient en trai- 
tant la strychnine par l'éthylate de sodium. Lorsqu'on 
chauffe ce dérivé avec une solution d'eau oxygénée à 



28 SOCIETE HELVETIQUE 

13 °/ , il se dissout tout d'abord, puis le liquide se 
trouble de nouveau et laisse déposer des flocons jaune 
pâle. La solution filtrée renferme une autre substance 
très soluble, qui reste après évaporation sous la forme 
d'une masse spongieuse. 

Les deux produits ainsi obtenus sont des acides. Le 
corps insoluble, purifié par cristallisation dans l'eau 
légèrement acidulée par l'acide chlorhydrique ou sulfu- 
rique, fournit à l'analyse des chiffres qui conduisent à 
la formule C 10 R 9 NO 4 +2H 2 O. La composition de ses sels 
d'argent et de cuivre montre qu'il est bibasique, soit 
C 8 H 7 N(COOH) 2 . Il donne par l'action de l'acide nitrique 
fumant un dérivé mononitré C g H 6 N(NO s )(COOH),. Le 
permanganate le transforme en acide oxalique. Par 
distillation avec la poudre de zinc il fournit de Findol, 
par distillation avec la chaux une huile à odeur de 
quinoléine, qui est peut-être le dihydro-indol encore 
inconnu. L'acide insoluble est donc probablement un 
acide dihydro-indol-dicarbonique. 

Quant à l'acide soluble dans l'eau, il n'a pu encore 
être isolé à l'état de pureté, mais l'analyse. de ses sels 
d'argent et de baryum, ainsi que celle de son picrate, 
montrent qu'il est également bibasique et que sa com- 
position répond à la formule C^H^COOH),. Distillé sur 
la poudre de zinc, il donne du pyrrol. Son sel de cal- 
cium, chauffé avec de la chaux vive, fournit une base 
liquide très volatile, qui a pu être identifiée avec la 
Pyrrolidine. L'acide soluble est donc très probablement 
un acide pyrrolidine-dicarbonique. 

Il résulte de ces observations que les deux atomes 
d'azote de la strychnine font partie, l'un d'un noyau 
d'hydrindol, l'autre d'un noyau de Pyrrolidine. 



DES SCIENCES NATURELLES. 29 

M. le prof. Ed. Sch^r (Strasbourg) rappelle les 
observations qu'il avait présentées l'année dernière à 
Locamo sur la liqueur de Fehling et sur l'exaltation du 
pouvoir oxydant de certains sels métalliques qui est 
provoquée par de faibles quantités d'alcalis, principale- 
ment dans les réactions des sucres et du biuret. Il a 
voulu rechercher jusqu'à quel point cette faculté 
activante appartient à d'autres substances moins forte- 
ment basiques, de nature inorganique ou organique. 
Les essais qui ont été faits sous ce rapport, dans son 
laboratoire, par M. E. Feder, ont donné les résultats 
suivants : 

Le tartrate de cuivre est réduit de la façon la plus 
nette par le glucose en présence de très faibles quanti- 
tés de certains alcaloïdes végétaux (conicine, nicotine, 
atropine, cocaïne, vératrine, morphine) ou d'autres 
bases organiques (pipéridine, éthylamine, névrine, etc. ). 

Dans la réaction de Bouger (nitrate de bismuth), il 
y a également réduction de l'oxyde métallique lorsque 
l'alcali minéral est remplacé par l'atropine, la brucine, 
l'aconitine ou la morphine. 

En revanche, ces mêmes bases végétales se sont 
montrées indifférentes vis-à-vis de la solution de Knepp 
(cyanure de mercure) et de celle de Sachse (iodure de 
mercure). Dans ces deux cas la présence de l'alcali 
minéral est nécessaire. 

La transformation de l'indigo bleuen indigo blanc par 
le glucose en solution alcaline a lieu lorsque l'alcali est 
remplacé par certaines bases organiques faibles (atro- 
pine, morphine, cocaïne, vératrine, strychnine), ou 
même très faibles comme la caféine. 

Dans la réaction du biuret, on peut aussi faire usage 



30 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

de plusieurs alcaloïdes, tels que la conicine, l'atropine 
et la vératrine. Il semble alors se former des composés 
complexes analogues à ceux que Schiff a constaté pren- 
dre naissance par combinaison du biuret avec l'oxyde 
de cuivre et la potasse, mais dans lesquels la potasse 
est remplacée par la base organique. Bien que ces 
corps soient cristallisés, on n'a pu cependant réussir 
jusqu'ici à les obtenir dans un état de pureté suffisant 
pour l'analyse. 

Ces faits permettent d'espérer que l'on pourra utiliser 
quelques-unes des réactions ci-dessus pour reconnaître, 
par exemple dans l'urine ou dans d'autres liquides de 
l'organisme, la présence de petites quantités de pro- 
duits basiques d'origine pathologique. 

M. le prof. H. Rupe (Bàie) expose les résultats de 
ses recherches sur ^réduction des cêtones non saturées. 
Nous n'avons pas reçu le résumé de cette communi- 
cation. 

M. le D r P. Pfeiffer (Zurich) a préparé quelques 
nouveaux sels aquochromiques . Entre les sels de chrome 
hydratés de la formule [Cr(OH 2 ) 6 ]X 3 et les véritables 
chromiaques [Cr.a 6 ]X 3 , on ne connaissait jusqu'ici, en 
fait de composés intermédiaires, que les termes 
[Cr.a s .OH t ]X, et fCr.a 2 .(OH 2 ) s ]X 3 . L'auteur, cherchant 
à compléter cette série, a réussi à obtenir un repré- 
sentant des sels de chromodiaquotétramine (Cr.a 4 . 
(OHJJXj. Il a préparé, par plusieurs méthodes diffé- 
rentes, le bromure 

[Cr. en 2 . (OH 2 ) 2 ] Br 3 + 1 : 5 H 2 * 

i en == éthylène-diamine. 



DES SCIENCES NATURELLES. 31 

Ce sel est de couleur orangée ; ses propriétés sont 
telles qu'on pouvait les prévoir d'après sa place dans 
la série. Conformément à sa teneur relativement élevée 
en amine, il se rapproche davantage des sels d'hexa- 
mine et d'aquopentamine que des sels de tétraquodia- 
mine et des sels hexaquochromiuues. Ainsi il donne 
avec la pyridine et l'alcool un bromure basique, solu- 
ble en rouge dans l'eau et possédant la formule : 

[Cr. en 2 . (OH 2 ) (OH): Br 2 

Or, on sait que les sels d'aquopentamine se comportent 
semblablement vis-à-vis des bases, tandis que les sels 
de tétraquodiamine fournissent des précipités cristal- 
lins, de couleur vert grisâtre ou violet grisâtre, qui 
rappellent beaucoup ceux que l'on obtient à partir des 
sels de chrome ordinaires. 

A côté de ce sel orangé, auquel on peut donner la 
formule empirique CrBr 3 + 2en + 3,5H,0, M. Pfeiffer en 
a préparé et étudié une autre, de la formule CrBr 3 + 
2en + H 2 0. Celui-ci possède une couleur rouge bor- 
deaux ; il se distingue du premier par le fait que deux 
de ses atomes de brome seulement ont le caractère de 
ions. Comme, d'autre part, la molécule d'eau ne peut 
être éliminée sans que cela entraîne un changement 
complet de la nature chimique du corps, la formule de 
constitution de ce sel doit être : 

[Cr. en 2 . (OH 2 ) Br] Br 2 

Chauffé à 80-100°, il se convertit en un sel anhydre 
violet, qui est 

[Cr. en 2 . Br 2 ] Br. 

Le corps CrBr 3 +2en existe donc sous une forme 



32 - IETE HELVETIQUE 

anhydre violette et deux, formes hydratées, l'une rouçe 
et l'autre orangée. Ces trois formes se distinguent net- 
tement par leurs propriétés, et les différences qu'ils 
présentent peuvent s'expliquer par des formules de 
constitution. 

Il est à remarquer, en outre, que l'on a pu préparer 
un chlorure CrCI 3 -r 2en-rH,0. correspondant par sa 
composition au bromure rouge ci-dessus, mais en diffé- 
rant entièrement par sa constitution. Dans ce chlorure, 
qui est violet, il n'y a qu'un atome de chlore qui joue 
le rôle d'un ion et qui se laisse remplacer par d'autres 
radicaux acides : les sels qui prennent ainsi naissance 
par double décomposition sont souvent anhydres; le 
chlorure lui-même peut être déshydraté sans que le 
caractère chimique du composé soit modifié, ce qui 
n'est pas le cas du bromure. Il faut en conclure que le 
mode de liaison de la molécule d'eau n'est pas la même 
dans les deux sels, et que le chlorure possède la for- 
mule constitutionnelle : 

[Cr. en 2 . Cl,] Cl + H 2 
Il appartient à la même série que le bromure anhydre. 

[»ans la seconde assemblée générale. M. le prof. Ed. 
Schab i Strasbourg) a fait une conférence sur \qs phéno- 
mènes d'oxydation spontanée et interne. 

un sait que les ferments oxydants (oxydases) ont été 
signalés pour la premiere fois, il y a bientôt 50 ans, 
par Schönbein, de Bàie; ils sont redevenus récemment 
l'objet de nombreux travaux, parmi lesquels il faut 
mentionner ceux de MM. Chodat et Bach, de Genève, 



DES SCIENCES NATURELLES. 33 

relatifs au rôle qu'ils jouent dans les tissus vivants des 
plantes. 

A côté des phénomènes provoqués par ces ferments, 
on peut distinguer trois autres catégories d'oxydations : 

1 ° Celles qui sont dues aux agents oxydants propre- 
ment dits, qui, directement ou indirectement (avec le 
concours de l'eau) cèdent de l'oxygène à la substance 
oxydable. 

2° Les autoxydations, dans lesquelles la substance 
oxydable absorbe directement de l'oxygène, celui-ci 
devant être, dans beaucoup de cas. préalablement 
rendu actif. 

3° Les oxydations internes ou intramoléculaires, où 
l'on voit un composé chimique renfermant de l'oxygène 
faiblement lié se transformer en un autre composé par 
le fait que cet oxygène entre dans une combinaison plus 
intime avec les autres éléments de la molécule. 

Le conférencier s'attache principalement aux phéno- 
mènes de ces deux dernières catégories ; ce sont eux, 
en effet, qui présentent actuellement le plus d'intérêt, 
étant donné le rôle considérable qu'ils jouent en chimie 
physiologique. Il expose les conditions essentielles 
auxquelles ils sont liés, en s'appuyant sur l'exemple de 
deux composés organiques, le pyrogallol C 6 H 6 3 et la 
quinone C 6 H 4 2 . Quoique proches parents par leur 
constitution chimique, ces deux corps présentent de 
grandes différences dans leurs réactions. Le premier est 
le représentant typique des corps autoxydables, le 
second réunit en lui le triple caractère d'un peroxyde, 
d'une substance susceptible de combustion intramolécu- 
laire et d'un corps autoxydable. 

En terminant, M. Schser relate quelques observa- 

3 



34 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

tions récentes faites dans son laboratoire, desquelles il 
résulte que plusieurs substances organiques faiblement 
basiques, telles que les bases xanthiques, les ptomaïnes, 
certains alcaloïdes végétaux, peuvent, même à faible 
dose, remplacer les alcalis minéraux dans tous les cas 
bien connus où ceux-ci favorisent ou accélèrent les 
phénomènes d'autoxydation et de combustion interne. 
Ce fait semble être d'une haute importance pour l'inter- 
prétation de certaines réactions appartenant au domaine 
de la chimie biologique. 



DES SCIENCES NATURELLES. 35 



Géologie. 

Président : M. le D 1 ' Weber, de Winterthur. 
Secrétaires : M. le Prof. C. Sarasin, de Genève. 
M. le D r P. Areenz, de Zurich. 

H. Schardt. Les travaux du Simplon au point de vue géologique. 
Parallélisme du Dogger jurassien. — F. Mühlberg. Carte 
géologique au 1 : 25,000 des environs de Brugg. — J. Meister. 
Le Kesslerloch, près de Thayngen et les formations postgla- 
ciaires adjacentes. — J. Früh. Collines molassiques au S du lac 
de Constance. — L. Wehrli. Carte des gisements de charbon de la 
Suisse. — L. Rollier. Nouvelle édition de la feuille VII de la carte 
géologique au 1 : 100,000 de la Suisse. Dysodile à Oberdorf, près 
Soleure. Le calcaire grossier du Randen. — A. Heim. Nouvelles 
observations dans la chaîne du Sentis. 

Dans la première assemblée générale, M. H. Schardt 
a parlé des résultats scientifiques du percement du tun- 
nel du Simplon. Il a montré les modifications succes- 
sives qu'ont subies les vues sur la structure géologique 
de ce massif; les profils, construits depuis plus d'un 
demi-siècle par les divers géologues, en donnent l'ex- 
pression bien nette (voir Archives, t. XV, p. 446, C. R. 
Soc. neuch. Se. nat., 23 janv. 1903). La question de 
l'hydrographie de ce massif si compliqué n'est pas 
moins intéressante au point de vue des relations entre 
les divers terrains et la nature chimique des eaux qu'au 
point de vue de l'origine des grandes venues d'eau 
rencontrées dans la région sud, près du km. 4.400 
(voir Archives, t. XVI, p. 284. C. R. Soc. neuch. Se. 
nat., 5 févr. 1904). La chaleur souterraine si élevée 
et si inattendue (54°) près du km. 8 de l'attaque N., 



36 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

longtemps avant le passage sous le point culminant du 
massif, s'explique par la sécheresse du terrain, par la 
chaleur superficielle plus élevée et par la disposition 
des couches. Du côté S au contraire, les grandes venues 
d'eau ont produit un déficit de chaleur souterraine de 
près de 20°. En général, la circulation de l'eau dans 
des couches profondes entraîne un refroidissement du 
terrain. 

M. Schardt communique les résultats de ses recher- 
ches sur le parallélisme du Dogger dans le Jura neu- 
châtelois et vaudois. Il constate que les faciès essen- 
tiellement calcaires dans la région nord-ouest passent 
vers le sud de plus en plus à des faciès vaseux, si bien 
que dans le Jura méridional presque tout le Bathonien 
est marneux. Cette modification des faciès a donné lieu 
à de fausses interprétations des limites stratigraphiques 
(voir Archives, t. XVI, p. 735. C. R. delà Soc. neuch. 
des Se. nat.). 

M. le prof. Fr. Mühlberg, d'Aarau, présente à la 
Société la carte géologique au i : 25,000 de la région 
inférieure des vallées de l Aar, de la fìeuss et de la 
Limmat, un territoire qui présente à plusieurs points de 
vue un intérêt spécial. 

Les formations géologiques qui existent dans la ré- 
gion figurée sur cette carte sont d'abord le Muschel- 
kalk et le Keuper, puis le Lias, le Dogger et le Malm, 
puis le Sidérolithique et la Molasse et enfin les forma- 
tions quaternaires. 

Le Dogger moyen prend le facies marneux de 
Souabe ; le Malm a été divisé en sept niveaux distincts. 



DES SCIENCES NATURELLES. 37 

Dans la Molasse, l'auteur a séparé d'abord la Molasse 
d'eau douce inférieure, l'Helvétien et la Molasse d'eau 
douce supérieure; puis il a établi une distinction entre 
le facies du Muschelsandstein, de la Molasse à Ostrea, 
des marnes sableuses marines et de la Nagelfluh poly- 
génique qui représente l'Helvétien au S et à l'E, et le 
facies des marnes fluviales rouges à Helicites et de la 
Nagelfluh jurassienne qui constituent le même étage 
au NW. 

Au point de vue tectonique, la région figurée com- 
prend quatre parties différentes : au N le Jura tabu- 
laire, limité du côté du S par une vallée remplie de 
dépôts tertiaires, au milieu un tronçon de la chaîne 
Lägern-Habsburg orienté de l'E à l'W et bordé au N 
par un pli moins important, puis plus au S l'extrémité 
orientale de la chaîne Gislifluh-Kestenberg, qui paraît 
cesser brusquement près de Brunegg mais se continue 
en réalité en un anticlinal molassique au-delà des 
limites de la carte, jusqu'à Wettingen et Würenlos, et 
enfin une partie du plateau molassique. 

Trois cours d'eaux importants, l'Aar, la Reuss et la 
Limmat, ont creusé à travers ce territoire varié de pro- 
fondes tranchées d'érosion, et l'ont ainsi découpé avec 
l'aide de leurs affluents en plusieurs groupes de colli- 
nes. C'est sur ce paysage énergiquement modelé par 
l'érosion que sont venues se déposer les alluvions pleïs- 
tocènes, qui atteignent ici une puissance considérable et 
prennent un développement spécialement typique. 
Nous trouvons en effet dans cette région les dépôts 
correspondants aux cinq grandes glaciations, et c'est 
d'autre part sur ce même territoire que convergèrent 
au moment de leur plus grande extension tous les gla- 



38 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

ciers de Suisse, ceux du Rhône, de l'Aar, de la Reuss, 
de la Linth et du Rhin. Pendant la dernière glaciation, 
le glacier de la Reuss reprit seul possession d'une par- 
tie de celle région, déposant une moraine frontale vers 
l'extrémité de la vallée de la Biinz et surtout le plus 
bel amphithéâtre morainique connu de notre pays, en 
aval de Mellinçen, dans la vallée de la Reuss. 

Parmi les formations récentes, l'auteur a distingué les 
éboulements, les éboulis, les cônes de déjection des 
cours d'eau latéraux, les tuffs, les tourbières. Le vo- 
lume total des cônes de déjection superposés à la 
Basse Terrasse peut servir de norme, pour évaluer l'im- 
portance de l'érosion à partir de la dernière glaciation. 

M. Mühlberg a, de plus, indiqué sur sa carte les 
divers travaux d'art ou exploitations effectués dans ce 
domaine, le long des lignes de chemin de fer, dans les 
carrières, les gravières, etc. ; il y a noté également les 
liâmes de failles ou de décrochements, les entonnoirs 
d'effondrement, les très nombreux blocs erratiques 
(avec mention spéciale pour ceux qui sont protégés 
par un contrat et pour ceux qui ont été au contraire 
détruits ou transportés), les gisements de charbon, les 
gisements de fossiles animaux ou végétaux, les sources 
captées ou non, les puits, etc., etc. 

L'impression de cette carte, excessivement compli- 
quée par suite de la multiplicité des détails, a été me- 
née à bien d'une façon remarquable par la maison 
J. Schlumpf, de Winterthur, et plus spécialement par 
son dessinateur, M. Emile Graff, auquel l'auteur tient 
à exprimer sa très vive reconnaissance. 

M. J. Meister, de Schaffhouse, a fait une étude des 



DES SCIENCES NATURELLES. 39 

formations postglaciaires des environs de la station 
préhistorique du Kesslerloch (Schaffhouse). [1 a exa- 
miné en particulier : 

4° Les conditions de dépôt des argiles exploitées par 
la tuilerie de Thayngen. 

2° Les affleurements mis à découvert par les travaux 
de correction de la Biber. 

3° Les couches à silex du Kesslerloch, exploitées en 
4 902-1 903 sous la direction de M. le D r Heierli, par la 
Société d'histoire et d'archéologie et par la Société des 
Sciences naturelles de Schaffhouse. 

Les principaux résultats ressortant de ces observa- 
tions sont les suivants : 

a) Il existe dans les vallées de la Fulach et de la 
Biber dès dépôts fluvio-lacustres; tandis que dans la 
vallée de la Fulach ces formations sont restées intactes, 
la Biber y a creusé au contraire son lit actuel. 

b) Les objets travaillés préhistoriques qui ont été 
découverts devant l'entrée N de la grotte du Kessler- 
loch étaient inclus dans l'argile qui tapisse le bord de 
la vallée ; on en a retrouvé presque jusqu'à la base de 
cette formation, à quatre mètres au-dessous du niveau 
d'eau de la nappe de fond. 

On peut conclure des faits précités que, lorsqu'en se 
retirant le glacier a été limité à la région de l'Unter- 
see, la Biber a abandonné son ancien cours par la 
vallée de la Fulach pour se diriger par sa vallée 
actuelle. 

Plus tard, à la suite d'une nouvelle poussée en avant 
du glacier (fin de l'oscillation de Laufen), celui-ci a 
repris possession de la région de l'embouchure de la 
Biber et, en barrant le cours d'eau, a provoqué la for- 



40 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

mation d'un lac dans lequel se sont déposés des argiles 
et des graviers; la Biber a repris alors son ancien 
cours à travers le Fulachthal, dans lequel elle s'est 
creusé un lit jusqu'à 5 ou 6 mètres au-dessous du 
fond actuel de la vallée. 

Après le nouveau retrait du glacier (retrait d'Achen), 
le barrage qui obstruait la région de l'embouchure de 
la Biber a été rompu soit par celle-ci, soit par le Rhin ; 
la Biber a abandonné de nouveau le Fulachthal et a 
adopté son cours actuel. Au moment de ce change- 
ment de direction la Biber a couvert le Fulachthal 
d'une couche de gravier sur laquelle s'est déposé un 
complexe d'argiles, sablonneuses à la base puis de plus 
en plus pures vers le haut. 

C'est pendant cette période où le courant de la 
Biber devait être très lent (fin du retrait d'Achen) que 
vinrent s'établir dans la grotte connue sous le nom de 
Kesslerloch, les hommes dont nous trouvons les outils 
et les armes en grande quantité dans la couche d'ar- 
gile. Les relations entre les dernières phases de la 
période glaciaire et l'époque d'occupation de la grotte 
du Kesslerloch, peuvent ainsi être établies d'une façon 
satisfaisante. 

M. le D r J. Früh, de Zurich, a eu l'occasion d'exami- 
ner deux collines qui sortent de la plaine du Rhin près 
de Blatten, à l'E de la ligne de chemin de fer Ror- 
schach-Rheineck, et atteignent les niveaux de 403 m. 
et 408 m. Ces deux sortes d'îlots, à côté desquels on 
peut voir encore les restes de deux autres qui sont en 
grande partie détruits, sont formés de Molasse helvé- 
tienne, qui est représentée surtout dans sa partie supé- 



DES SCIENCES NATURELLES. 41 

rieure par le Muschelsandstein typique ; ils ne sont 
indiqués ni sur la carte d'Eschmann (1840-1846) ni 
sur la carte géologique au 1 : 100.000 (feuille IV). 

Il faut remarquer que ces deux éminences mollassi- 
ques se trouvent dans le prolongement de l'éperon de 
Halden (445 m.) à l'E de Blatten près de Rorschach, 
qui est formé par du Muschelsandstein intercalé entre 
l'Helvétien inférieur et l'Helvétien supérieur et dont la 
surface a été absasée vers l'E. en une terrasse. Cet 
éperon correspond du reste exactement par sa consti- 
tution et par l'abrasion qu'il a subie, à la colline de 
Riedernburg près de Bregenz. 

M. le D r Leo Wehrli, de Zurich, a exposé une carte 
au 4 : 425.000 des gisements de charbon de la Suisse, 
sur laquelle ont été reportés les gisements suivants : 
1° Les charbons de la Molasse, d'après les documents 
fournis par MM. Letsch et Kissling. 2° Les charbons 
existant dans les régions alpines, d'après des données 
réunies par l'auteur lui-même; ces derniers sont clas- 
sés en catégories suivant les formations dans lesquelles 
ils sont inclus. Le travail concernant les charbons 
alpins, de même que celui qui se rapporte aux gise- 
ments du quaternaire et à ceux du Jura et qui a été 
confié à M. Mühlberg, ne sont pas terminés, et 
M. Wehrli serait reconnaissant à tous ceux qui pour- 
raient lui apporter des documents nouveaux, qui per- 
mettraient de compléter la carte avant son impression. 

M. Louis Rollier, de Zurich, présente à la Société 
la deuxième édition de la feuille VU de la carte géolo- 
gique de la Suisse au 1 : 400,000. 



i2 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

Voici les principales innovations admises dans la 
délimitation des étages sur cette feuille : 

L'Aalénien figure pour la première fois comme étage 
distinct. 

Le Dogger inférieur (Lédonien et Bajocien pars) 
comprend toutes les strates situées entre les couches à 
Ludiïigia Murchisonœ et l'Oolithe subcompacte de 
Thurmann (Oolithe vesullienne Kilian. Rollier). 

Le Dogger moyen comprend les deux étages oolithi- 
ques proprement dits (Hauptrogenstein ou Yésullien et 
Grande oolithe ou Bathien > qui n'ont pas été séparés. 

Le Dogger supérieur ou Callovien commence a la 
base du Calcaire -roux -sableux | Tarians-Schichten), 
dont la limite est partout très nette au contact du Forest- 
Marble. 

L'Oxfordien est marqué en réduction vers le sud ou 
a lieu sa transformation en oolithe ferrugineuse à Car- 
dioceras cordatum ('niveau de Neuvizy). 

La transformation du Rauracien en faciès pélagique 
(Argovien) est résumée schématiquement dans la 
légende. 

Les lambeaux: iufracrétaciques de cette feuille pré- 
sentent partout les mêmes étages que ceux du Jura neu- 
chàtelois, sans transformation importante (oxydation 
des marnes néocomiennes). Les poches de marnes néo- 
comiennes. dont la plus septentrionale est celle du 
Fuel p. Bellelav sont rapportées au Sidérolithique, de 
même que quelques poches d'Albien également lévigué 
et oxyde. 

Les lambeaux de Cénomanien figurent en plus grand 
nombre que précédemment, sans dépasser toutefois la 
région de Bienne vers le N-E. 



DES SCIENCES NATURELLES. 43 

L'auteur a distingué pour la première fois le calcaire 
eocène au sommet du Sidérolithique (Courcelon, Mou- 
tier, Oberdorf où il recouvre des schistes sestiens avec 
Dy sodile et Smerdis maerurus Ag.). 

La Gompholithe d'Ajoie est rapportée à la base de 
l'Oligocène ou au Tongrien. 

La division du terrain molassique en Molasse oligo- 
cène et Molasse miocène est très naturelle est partout 
très nette (limite supérieure de l'Oligène : les calcaires 
delémontiens à Hélix sylvana). 

Il y a, dans le nord de la feuille, une lacune avec 
surface d'érosion correspondant à l'Helvétien propre- 
ment dit (Muschelsandstein) et une discordance strati- 
graphique à la base du deuxième étage miocène (Vin- 
dobonien), qui contient la Gompholithe d'Argovie, les 
marnes rouges à Hélix Larteti et les sables vosgiens à 
Dinotherium. 

Les calcaires œningiens se remarquent dans le vallon 
de St-Imier, où ils étaient autrefois inconnus, ainsi que 
la Molasse miocène supérieure découverte aux environs 
de Bienne par M. le D r E. Kissling. 

Il n'y a pas actuellement de Pliocène stratifié sur la 
feuille VII, non plus qu'en Suisse. 

Les subdivisions du Quaternaire sont établies et dis- 
posées d'après la nature pétrographique et la prove- 
nance (moraines alpines, moraines jurassiennes) des 
matériaux plutôt que suivant leur âge relatif. La ques- 
tion du Deckenschotter et des alluvions ou terrasses de 
différents âges reste à élucider. 

La Tectonique et l'Orographie ressortent bien de la 
carte grâce aux couleurs foncées adoptées pour les 
roches jurassiques formant les parties saillantes (crêts, 



44 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

voûtes, etc.), en opposition aux dépressions marneuses 
(Tertiaire, Argovien,Oxfordien, Lias 5 etc. Recouvertes de 
terrains quaternaires indiqués en couleur claire. Les traits 
et pointillés sont adaptés à la nature et à la position 
des roches et de leurs têtes de couches. Tous les plis 
du sol sont bien délimités et figurés; il y a de nom- 
breuses rectifications de détails apportées àia première 
édition, notamment dans la région des voussures arasées 
des Franches-Montagnes. Les dislocations relativement 
peu nombreuses sont toutes indiquées par une ligne 
rouge ; on reconnaît leur nature (failles, chevauche- 
ments, décrochements) à la simple inspection des con- 
tours des terrains qu'elles traversent. Les recouvre- 
ments sont entourés complètement par un trait rouge. 
Des signes particuliers assez nombreux ont été adoptés 
pour les éboulements et autres dépôts spéciaux. Il ne 
semblait de prime abord pas possible de pouvoir figurer 
au 1 : 100,000 toutes les indications consignées sui- 
tes minutes au 1 : 25,000. Ce travail a coûté beaucoup 
de temps et de corrections, mais l'établissement topo- 
graphique de Winterthur l'a exécuté et réussi. 

M. le D r L. Rollier parle d'un gisement de Dysodile 
découvert à Oberdorf près Solcure. Dès le commence- 
ment de cette année 1904, les travaux du chemin de 
fer de Soleure à Moutier ont mis à découvert à la tête 
sud du tunnel du Weissenstein les couches suivantes 
de haut en bas : 

Marnes molassiques grises (autrefois déjà visibles au 
bord du ruisseau, rive gauche). 

Lits charbonneux avec coquilles terrestres et fluvia- 
tiles écrasées, indéterminables. 



DES SCIENCES NATURELLES. 45 

Calcaire lacustre dur, sonore, en petits bancs régu- 
liers, un peu onduleux; vers le sommet de l'affleure- 
ment, moules spathiques de Hydrobia Dubuissoni 
Bouillet (Paludina) assez abondants sur quelques épi- 
clives avec des tiges de Characées. Ce groupe de couches 
mesure 5-6 m. d'épaisseur et se trouve entrecoupé de 
quelques couches de schistes et de lits marneux gris, 
sans fossiles. 

0,50 m. Marne grise avec quelques minces feuillets 
de Dysodile au sommet. 

0,07 m. Placage de calcaire lacustre et schistes 
gris, bitumineux en bas, et passant insensiblement à 
l'assise suivante : 

0,08 m. Dysodile en nombreux feuillets très minces, 
séparés par des lits marneux de quelques millimètres 
d'épaisseur. Vers le haut, quelques lits de dysodile ou 
de schistes sont parsemés de carapaces d'une espèce 
deCypris, probablement C. Tournoueri DoWïus. Les lits 
inférieurs contiennent en assez grand nombre des sque- 
lettes de Smerdis macrurus Ag., S. minutus Ag. et 
S. pygmaeus Ag., écrasés et serrés avec fortes em- 
preintes comme entre des feuillets de papier ; çà et là 
quelques écorces ou fragments de bois carbonisés. 

0,35 m. Marnes grumeleuses gris-verdâtre, à con- 
crétions calcaires avellanaires, probablement algo- 
gènes. 

0,12 m. Concrétions calcaires grisâtres, analogues 
aux précédentes. 

Marnes grises passant insensiblement aux bolus 
sidérolithiques, peu riches en grains de fer. Le tout est 
incliné de 30° vers la plaine suisse. 

Le Sidérolithique mesure en ce point environ 1 m et 



46 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

pénètre le Portlandien sous-jacent de grandes poches 
et de veines qui s'étendent fort loin dans le tunnel. 

Le dysodile brûle avec une flamme très chargée de 
noir de fumée et contient, d'après les analyses de M. le 
prof. Häuptli à Winterthur, les substances suivantes : 

Analyse du charbon desséché à 105° : 

Argile, silice, oxydes métal. 61.90,00, 12.45, 
N 0.85, G 16.59, H 1 .68, 6.53. 

Analyse de la partie organique après élimination 
de la cendre : 

G 64.67, H 6.55, N 3.31, 25.57. 

Il y a des infiltrations de pyrite dans lesdioclases de 
ces couches, puis aussi par places entre les feuillets. 
Gette pyrite est épigénique, en grande partie oxydée 
en limonite qui imprègne souvent aussi les feuillets de 
dysodile; elle est accompagnée de lamelles de selenite 
cristallisée qui s'est infiltrée entre les couches du com- 
bustible. Les feuillets de dysodile sont flexibles à l'état 
frais, comme du papier ; ils ont rarement plus de 2 mm 
d'épaisseur : ils s'exfolient et se subdivisent encore en 
feuillets plus minces par la dessication. Ils renferment, 
outre les poissons indiqués, quelques corps probléma- 
tiques, des concrétions aplaties, amygdaloïdes, puis des 
lames minces et des disques de calcite épigénique en 
grand nombre. 

Au point de vue stratigraphique, cette découverte 
est importante, parce qu'elle montre en Suisse, sur la 
rive N. de la mer du Flysch, l'existence de lagunes de 
l'âge du gypse d'Aix-en-Provence (Sestien) et d'Api au 
sommet du Sidérolithique, et une communication de la 



DES SCIENCES NATURELLES. 47 

mer du Flysch avec le lac d'Alsace qui a déposé les 
calcaires éocènes de Moutier, Morvillars, Brunnstatt. 

M. le D r L. Rollier, de Zürich a cherché à déter- 
miner l'origine des éléments détritiques du calcaire 
grossier du Randen et d'autres niveaux de la Molasse. 
Il a constaté que, tandis que le résidu insoluble du 
Muschelsandstein de la Suisse septentrionale est con- 
stitué par un sable granitique fin avec grains de glau- 
come, celui du calcaire grossier du Randen est formé 
par un sable polygénique grossier et sans glauconie, qui 
comprend les mêmes éléments vindéliciens que la 
Nagelfluh subalpine et que les gros sables de Benten 
(cantou de Zürich). Les galets d'oolithes jurassiennes et 
de jaspe, qui existent dans le calcaire du Randen, se 
retrouvent, quoiqu'en plus petite quantité à Benten. 
(Pour plus de détails, voir l'article qui paraîtra prochai- 
nement dans les Archives.) 

M. le prof. A. Heim, de Zurich, expose à la section sa 
carte géologique au 1 : 25000 de la chaîne du Sentis, 
qu'il vient de terminer et qui n'est pas encore publiée, 
et une série de profils à travers cette chaîne. 

Au point de vue stratigraphique nos connaissances 
sur le Sentis se sont considérablement précisées en ce 
sens que, tandis qu'on classait tous les calcaires blancs 
du Crétacique inférieur dans l'Urgo-aptien (Schralten. 
kalk), il est reconnu actuellement qu'une partie de ces 
calcaires représentent le Valangien moyen, une partie 
seulement l'Urgonien. 

Au point de vue tectonique le massif du Sentis est 
constitué par six plis principaux, qui tendent à s'écarter 



48 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

de l'W. à TE. et sont tous déjetés au >". Les jambages 
septentrionaux de ces plis, toujours renversés, montrent 
tous une réduction marquée de l'épaisseur des couches, 
qui va souvent pour une partie de celles-ci jusqu'à la 

suppression complète, ou au morcellement de certaines 
couches eu paquets détaches. Plusieurs centaines de 
fractures transversales coupent ces différents plis ; la 
plupart d'entre elles montrent un décrochement hori- 
zontal : vers l'extrémité orientale des chaînes, la où 
viennent mourir les anticlinaux, ellesprennent le carac- 
tère de véritables failles avec décrochement vertical : 
toutes ces fractures sont nées seulement pendant la 
dernière phase du plissement. 

Le massif du Sentis dans son ensemble représente le 
jambage supérieur replissé d'une grande nappe de re- 
couvrement. Les observations de detail concernant cette 
région seront publiées prochainement dans les Maté- 
riaux pour la Carte géologique de la Suisse comme 
seizième livraison de la nouvelle serie. 



DES SCIENCES NATURELLES. 49 



Botanique. 

Président : M. le D r R. Keller, Winterthur. 
Secrétaire : M. le D r P. Vogler, Saint-Gali. 

R. Keller. Formes biologiques du Salvia pratensis. — Xœgeli. L'élé- 
ment atlantique de la flore du nord-est de la Suisse. Rikli. L'élé- 
ment alpin dans la flore du Lœgern. — Vogler. Le Taxus baccata 
en Suisse. — Keller. Les Cerastium de la flore suisse. — Thellung. 
Plantes adventices du cauton de Zurich. — Hegi. Les plantes 
alpines de l'Oberland zurichois. — Senn. La position nocturne des 
grains de chlorophylle. — Ernst. Les produits de l'assimilation et 
du métabolisme chez les Derbesia. — G-. Huber. Etude limnolo- 
gique de quelques lacs du Tyrol méridional. — Schellenberg. Quel- 
ques Sclerotinia nouveaux. — Jaccard. Influence de la pression sur 
la croissance des végétaux. — Rössel. Les résultats modernes des 
champs d'expériences. — Chodat. Cultures pures d'algues vertes. 

M. R. Keller ^Winterthur) parle des formes biolo- 
giques du Salvia pratensis ; il ne nous a point donné 
de résumé de ce travail. 



M. le D r 0. Xegeli (Zurich). L'élément atlantique de 
la flore du Nord-Est de la Suisse. 

Tandis que les immigrants pontiques forment sur les 
collines du N.-E. de la Suisse d'importantes associations 
et se continuent en lignes de dispersion ininterrompues, 
les éléments atlantiques, au contraire, sont rarement 
nombreux et ne se trouvent qu'en des localités particu- 
lièrement favorisées. Leur aire est discontinue. Seuls le 
Houx ainsi que le Tamier, la liane de nos forêts, sont 
généralement répandus. Tous deux portent dans leur 
apparence le masque d'un ciel plus chaud. Delà Suisse 

4 



50 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

occidentale, les espèces atlantiques pénètrent le long 
du Jura; beaucoup s'arrêtent déjà en Argovie, d'autres 
arrivent jusqu'à Zurich (Daphne Laureola, Scilla bifo- 
lia). Helleborus fœtidus pénètre jusqu'en Thurgovie. 
Comme des éclairenrs, le Géranium nodosum (Allmann), 
et Reliantliemum Fumana * Trùllikon) apparaissent iso- 
lément. Viola alba, plante éminemment atlantique, qui 
manque dans l'Allemagne environnante, est encore 
abondante chez nous. Les plus recherchés des éléments 
de cette flore sont quelques Orchidées. Ainsi, Oprys 
aranifera, Aceras et Himantoglossum. Leur extension 
(cartes exactes) est typiquement subjurassique, parfois 
disloquée. Cette dernière distribution est tout à fait 
caractéristique pour les espèces atlantiques, qui souvent 
apparaissent en des stations chaudes et particulièrement 
favorisées, éloignées parfois de plusieurs centaines de 
kilomètres de leur aire propre, formant ainsi des îlots 
atlantiques. Exemples : le Raiserstuhl dans le grand- 
duché de Bade, la région du Main, la région du Rhin, 
puis le Blantal près d'Ulra (Aceras, Himantoglossum, 
Ophrys aranifera), la Thuringe (les trois précédentes et 
Helianthemum Fumana; enfin, les îles suédoises Got- 
land et Oeland (Viola alba, Ophrys arachnites, musci- 
fera, Helianthemum Fumana) et l'île d'Oesel (Aceras). 
En Suisse, on rencontre des oasis atlantiques près des 
localités suivantes: Aarau, le Ladern, Eçlisau. Schaf- 
fhouse, Stein et Constance. Beaucoup des raretés citées 
ne peuvent plus être retrouvées dans ces localités; il est 
extrêmement nécessaire qu'un contrôle soit entrepris, 
et ceci surtout pour élucider la question de savoir s'il 
s'agit dans l'espèce de restes d'une ancienne végé- 
tation. 



DES SCIENCES NATURELLES. 51 

M. M. Hikli (Zurich). Vêlement alpin dans la flore 
du Lägern et la question des reliquats glaciaires. 

Onze espèces du massif du Lägern et trois espèces de 
la région environnante — soit I 4 espèces en tout — 
peuvent être regardées comme espèces véritablement 
alpines. Selon les constatations de M. Rikli, IO d'entre 
elles représentent l'immigration jurassique et 3 autres 
— Rhododendron ferrugineum, Alnus viridis, Arclo- 
staphylos Uva-ursi (dont les deux premières sont étran- 
gères à la montagne proprement dite) — peuvent être 
considérées comme des reliquats glaciaires. 

M. Paul Vogler (Saint-Gali) fait une communication 
au sujet du Taxus baccalà en Suisse. 

L'auteur s'était posé la question de savoir si le If de- 
vait être considéré comme espèce qui disparaît. Il résulte 
de l'enquête faite, avec l'aide de forestiers et d'autres 
personnes qui ont fourni de nombreux renseignements, 
qu'on ne saurait parler d'un recul spontané de rit. 
Partout, en effet, où cet arbre n'est pas supprimé sys- 
tématiquement par l'homme, il se maintient parfaite- 
ment et même s'étend davantage. 

On peut déduire de la carte de dispersion actuelle de 
cette espèce en Suisse sa singulière distribution : Le 
plateau suisse est relativement pauvre ; plus riches les 
pentes du Jura et des Alpes qui sont tournées vers la 
plaine. On peut d'ailleurs préciser celte distribution de 
la manière suivante : Plateau suisse. Peu abondant au 
S.-O, plus abondant vers le N.-E. Centres principaux: 
Uetliberg, Albis, Winterthur, vallée de la Töss, Toggen- 
burg. — Alpes. Sauf dans le canton des Grisons et au 
Valais, où il pénètre plus profondément, il est limité 



0*2 SOCIÉTÉ HELVETIQUE 

ailleurs aux premiers contreforts. Centres prédomi- 
nants : Saint-Gai l-Appenzell, puis lac de Wallenstadt- 
vallée du Rhin, lac des IV Cantons-Rigi, lac de Thoune. 
vallée du Rhône de Martiçny à Vevev. Au delà des 
Alpes, il n'est un peu abondant qu'au Sottocenere. 

Jura : répandu tout le long de la chaîne ; le plus 
abondant de Baden à Orbe : les chaînes extérieures sont 
plus riches que les intérieures. 

Stations les plus élevées : 

Alpes : Weissrûfi prés de Matten au Schypass : 
1700 m. 

Pente meridionale des Chnrfirsten : 1700 m. 

Jura : La Cornee près la Brèvi ne (Nenchâtel) 1 200 m. 
Prés les Ponts. I 160 m. 

Le mémoire détaillé paraîtra dans le Jahrbuch der 
naturwissenschaftlichen Gesellschaft de Saint-Gali. 

M. Keller. Les Cerastium helvétiques. 

Le résultat d'une révision de nombreux herbiers 
ainsi que d'une correspondance avec M. le prof. D r Cor- 
rens, à Leipzig, a fourni les conclusions suivantes : 

1. Cerastium glomeratum Thuil. N'apparaît chez 
nous que sous sa forme glanduleuse ; on ma rencontré 
avec certitude la forme eglandulosum qu'au Tessin. — 
Formes : f. longipetalum Bamb. Pétales presque deux 
fois plus longs que le calice; f. apetalum auct. Variété 
saisonnière. 

2. Cerastium brachypetalum Desp. Apparaît presque 
exclusivement sons sa forme glanduleuse. La forme 
eglandulosum se trouve en groupe au Tessin, en exem- 
plaires isolés au >". du canton de Zurich, et dans les 
cantons de Vaud, Valais et Genève. 



DES SCIENCES NATURELLES. 53 

3. C. glutinosum Fries comprend deux sous espèces. 
S. sp. obscurum Chaub. C'est la forme ordinaire for- 
tement glanduleuse, vert foncé trouble, souvent teinté 
de rouge. S. sp. pallens Schultz. Moins glanduleux, 
vert pâle, les bractées moyennes bordées d'une mem- 
brane scarieuse, cependant moins marquée que chez 
C. semidecandrum (N. Zurich, Vaud). 

4. C. semidecandrum L. Seulement sous la forme 
glanduleuse. 

5. C. triviale L. Dans la plaine, presque seulement 
la forme églanduleuse, dans les Alpes souvent glandu- 
leux ; partout très variable, jusqu'à 2100 m. Formes 
rencontrées : /. alpestre Hegetschw, déprimée, feuilles 
à peu près aussi longues que les entre-nœuds; /. holos- 
teoides Fr., glabre, munie d'une ligne décurrente de 
poils, rare. A séparer comme sous-espèces : s. sp. fon- 
tanum Baumg. Robuste, indûment long et dense, ordi- 
nairement sans glandes, pauciflore, mais à fleurs 
grandes; capsules atteignant 16 mm.; ainsi dans les 
Grisons (principalement dans l'Engadine). 

6. C. latifolium L., unißorum Murith, filiforme 
Schleich sont difficiles à séparer comme espèces; elles 
offrent des intermédiaires en relation avec la variabi- 
lité du substratum calcaire. 

7. C. alpinum L. Typique dans les Alpes orientales, 
indûment long et mou, églanduleuxou peu glanduleux, 
vert grisâtre. F. Pilatense Siegfr., densément glandu- 
leux et portant mêlés aux glandes des poils hérissés, 
glabrescent vers la base, vert jaunâtre : Pilate, mais 
aussi sous des apparences moins caractéristiques ail- 
leurs. F. lanatum auct. Indûment dense laineux à poils 
tordus, églanduleux ou peu glanduleux. 



54 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

8. C. arvense L. S. sp. arvum Schur. Forme de la 
plaine et des vallées des Alpes. Rejets stériles églandu- 
leux, tiges fertiles ordinairement glanduleuses, rare- 
ment sans glandes. Apparaît sous différentes formes, 
auxquelles il faut aussi rattacher les plantes jurassi- 
ques se rapprochant de la sous-espèce suivante. — 
S. sp. strictum Hanke. Forme des Alpes et des Hautes 
Alpes. Très variable quant à la forme des feuilles, l'in- 
dûment, les glandes, la grandeur des fleurs, etc.; on 
devra encore étudier la distribution des formes. Il faut 
subordonner au C. strictum la f. viscidulum Gremii, 
à port condensé, toute la plante à poils glanduleux 
denses, glutineux ; feuilles plus larges et plus courtes. 
Caractéristique seulement en Valais (Zermatt, Saas, etc.). 

9. C. tomentosum L. Particulier au Valais, où il n'est 
pasrare(Martigny, Sion, Sierre, Louèche, Brigue, etc.). 

10. C. trigynum L. Rarement glanduleux vers la 
partie supérieure de la tige. Hybrides : C. alpinum X 
strictum. Grisons (sur Avers, sur Arosa). C. obscurum 
X semidecandrum (avec doute). Gare de Zurich. 

M. A. Thellung (Zurich) parle de la Flore adventice 
du canton de Zurich et présente une série d'échantil- 
lons séchés relatifs à cette flore. 

M. G. Hegi (Winterthur). Les plantes alpines de 
V Oberland Züricois. 

L'auteur a soumis à une nouvelle étude la question 
de l'origine et de la pénétration des plantes alpines dans 
l'Oberland zuricois. Il arrive à cette conclusion que les 
sommets (les dômes) de cette région et des contrées 
avoisinantes ont été libres de neige et de glace au moins 



DES SCIENCES NATURELLES. OD 

pendant la fin de l'époque glaciaire (Wurmzeit). Ainsi, 
les conditions étaient alors données pour le développe- 
ment de formations comme les Tundra, la végétation 
des rochers et les pâturages alpins. La pénétration de 
cette flore alpine est centrifuge ; elle s'est faite à partir 
du massif du Speer dans la chaîne des Churfirsten et ne 
doit pas être ramenée à l'époque du retrait des derniers 
glaciers. On peut citer contre l'opinion d'une immigra- 
tion récente le fait que ces plantes apparaissent en 
formations continues ; de même l'interruption brusque 
de cette flore alpine selon une ligne horizontale au 
Hòrnli et son absence sur les pentes et le fond de la 
vallée supérieure de la Töss sont également opposés à 
cette théorie du retrait. 

Les plantes alpines sont limitées en général au do- 
maine qui a été libre de glace et sont arrivées seule- 
ment plus tard, entraînées par les eaux courantes ou 
le vent, dans les régions antérieurement occupées par 
les glaciers. 

M. le D r Senn (Baie). La position nocturne des 
grains de chlorophylle. 

Tandis qu'on sait, depuis les recherches de Stahl 
(1880), qu'on peut ramener la disposition des grains 
de chlorophylle en lumière diffuse ou directe, à des 
effets de direction et d'intensité du rayon solaire, on 
ignorait complètement les causes qui déterminent leur 
position nocturne. Elle consiste, chez Funaria hygro- 
metrica, comme d'ailleurs chez beaucoup d'autres 
plantes, en ceci que les grains de chlorophylle cherchent 
à se placer le long des parois cellulaires, par lesquelles 
deux cellules sont contiguës, laissant nues les parois 
qui sont tournées vers l'atmosphère. 



56 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

L'auteur a réussi à modifier expérimentalement cette 
disposition des grains de chlorophylle, qui vont se 
placer contre les anticlines, où ils demeurent. Il suffit, 
en effet, de coller les feuilles très sensibles de Funaria 
sur une gelée de gélatine à 10 °/ . Lorsqu'on expose les 
feuilles ainsi traitées à la lumière solaire ou qu'on fait 
agir pendant longtemps la lumière diffuse, les grains 
de chlorophylle abandonnent les parois qui confinent 
à la gélatine, tandis que dans l'obscurité, ils y res- 
tent. 

Pour élucider cette remarquable action de la géla- 
tine, l'auteur a fait agir divers agents chimiques sur les 
feuilles de Funaria qu'on avait fait adhérer à des la- 
melles de mica percées d'orifices par lesquels on pou- 
vait régler cette action unilatérale. 

Les recherches de l'auteur ont montré que les grains 
de chlorophylle sont chimiotactiques vis-à-vis de l'anhy- 
dride carbonique (ce qui explique l'inversion des grains 
de chlorophylle dans les feuilles collées. sur la gélatine). 
Ils se comportent de même à l'égard de divers sels 
dissous dans l'eau, en particulier les sulfates (MgSO 1 , 
Na 2 SO\ NaHSO\ KHSO 4 , H a S0 4 [0,005 °/ ]). D'autres 
sels (KNO 3 . NaNO 3 , RHPO s ), etc., ont une action con- 
traire, ils repoussent au lieu d'attirer. 

Ces propriétés chimiotactiques peuvent expliquer la 
plupart, peut-être toutes les dispositions des grains de 
chlorophylle dans l'obscurité, en particulier leur accu- 
mulation autour du noyau (systrophe) qui, ainsi qu'on 
le sait, contient toute une série de substances néces- 
saires à la plante. 

M. Ernst (Zurich) parle des produits de l'assimilation 



DES SCIENCES NATURELLES. 57 

et du métabolisme chez les Derbesia. Nous n'avons pas 
reçu de résumé de cette communication. 

M. le D r G. Huber (Zurich). Etudes limnologiques de 
quelques lacs du Tyrol méridional. 

Les deux lacs de iMontiggl et celai de Kaltem, situés 
tous irois dans le Tyrol méridional, au sud de Botzen, 
sont les seuls lacs du Tyrol qui aient fait l'objet jus- 
qu'ici d'une étude limnologique complète. Après avoir 
élucidé, d'après des observations personnelles, l'origine 
probable de ces lacs, M. Huber décrit en détail la con- 
figuration et la structure géologique de leur bassin et 
indique les températures maxima et minima et la cou- 
leur de leurs eaux. La partie biologique de son travail 
lui a fourni les résultats suivants : 

I. Zone littorale. Le lac de Kalternest entouré d'une 
ceinture de Phragmites qui manque aux lacs M. Au sud 
du grand lac M. on peut voir s'étager les formations 
selon le schéma donné par Magnus (mais sans cariçaie 
et sans zone d'algues de fond dans le sens de Brandt). 
Envahissement des végétaux (assèchement) sur tout le 
littoral du Ralt'see; ceci n'arrive au grand lac M. que 
dans sa partie méridionale (Carex strida et Menyan- 
thes). Nombre des macrophvtes du lac M. (flore la- 
custre-)- fl. périphérique): 20 espèces; microphytes : 
258; animaux de la zone littorale, vertébrés (poissons 
inclus : 12; invertébrés : 117 (espèces et variétés). 

II. Zone profonde. Flore pauvre, pas d'algues typi- 
ques du fond ; toutes les espèces se retrouvent au littoral 
ou dans le plancton ; beaucoup de vase de fond. 

III. Au large (M.). Phvtoplancton bien représenté 
qualitativement : 42 espèces et variétés ; ce phyto- 



58 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

plancton est dépassé quantitativement par le zooplanc- 
ton ; les Schizophycées sont très subordonnées; de 
même les Diatomacées, sauf Tabellaria, Cyclotella et 
Synedra un peu plus nombreux; absence de Melosira. 
Chlorophycees et Mastigophores relativement les plus 
nombreux. Zooplancton formant toujours la masse prin- 
cipale, 41 espèces (etvar.); fort développement des 
Rotifères (20 espèces) et des Crustacés ( 1 2). Masse du 
Plancton faible (loi de Strodtmann). Démonstration 
d'une série de variations cycliques déjà connues (ainsi 
variantes de Anurœa cochlearis : Typica-tecta-hispida, 
au sens donné par Lauterborn. Variation saisonnière 
exprimée par la statistique de variation en rapport de 
la grandeur du corps. Les lacs M. montrent parmi leurs 
éléments planctoniques des types héléoplanctoniques. 
Ces deux lacs et le Kalt'see sont des lacs au sens donné 
par Schroeter ; mais d'après la nomenclature de Chodat, 
ce seraient des lacs-étangs. 

Ainsi qu'il ressort d'une comparaison faite avec la 
liste des algues du ïyrol (Dalla Ïorre-Sarnthein), 65 
des 300 algues observées (1 6 du plancton) sont nou- 
velles pour ce pays. 

M. K. C. Schellenberg (Zurich). Sur des Sclerotinia 
nouveaux. 

M. Schellenberg a trouvé sur Sorbus Aria, à Wassen 
(Reusstal), un Sclerotinia comparable, au point de vue 
biologique, au S. Aucuparœ Woronin. Il s'en sépare 
nettement d'ailleurs par ses ascospores ovales et par 
ses apothècies à la fois beaucoup plus petites et relati- 
vement plus nombreuses. Les conidies qui se forment 
sur les feuilles de l'hôte sont sphériques et mesurent de 



DES SCIENCES NATURELLES. 59 

7-1 (x. C'est le Sclerotinia Ariœ sp. nov. — M. Schel- 
lenberg a aussi rencontré, il y a deux ans, sur Sorbus 
Chamœmespilus , dans la forêt en face de l'auberge 
de l'Ofenberg, des fruits momifiés par un Sclerotinia, 
et il a pu faire une observation analogue, cette année, 
à Poschiavo, sur Mespilus germanica. 

On connaît depuis longtemps les sclérotes de l'orge, 
dus également à un Sclerotinia. Le champignon attaque 
ici la base du chaume, et les plantes ainsi attaquées de- 
meurent rabougries. L'apothécie, qui alà I '/s mm - 
de diamètre, est supportée par un pédicule long d'en- 
viron 2 mm. Les asques mesurent 65 ^ ; les ascospores 
sont ovales, légèrement atténués aux deux bouts, et 
mesurent 5-6,5 ^. Ce champignon reçoit le nom de 
Sclerotinia Hordei. 

Enfin, les fruits du Noyer présentent souvent des 
signes de décomposition de la graine et du péricarpe. 
Les fruits ainsi atteints tombent avant la maturité et 
noircissent sur le sol. La maladie se manifeste d'abord 
dans la graine, puis elle traverse le péricarpe jeune, et 
enfin elle attaque l'enveloppe verte. La coquille infectée 
donne naissance à de petits sclérotes qui produisent 
des Botrytis. Cette maladie est donc causée par un Scle- 
rotinia botrytipare. 

M. Paul Jaccard. 1° Influence de la pression des gaz 
sur la croissance des végétaux. Nouvelles recherches. 

Dans un article publié dans Berichte der deutsch, 
botan. Gesell., mars 1903, M. Oswald Richter, sans 
avoir d'ailleurs répété les expériences de M. Jaccard, 
attribue l'accélération de croissance des plantes crois- 
sant dans l'air déprimé, au fait que ces plantes ont été 



60 SOCIÉTÉ HELVETIQUE 

soustraites à l'influence de l'air du laboratoire, tandis 
que les plantes servant de contrôle étaient entravées 
dans leur développement par l'air du laboratoire, tou- 
jours plus ou moins chargé de gaz d'éclairage et de 
vapeurs acides ou mercurielles. Les cultures entreprises 
par M. Jaccard, en juin et juillet dernier, dans le labo- 
toire de physiologie végétale du Polytechnikum, n'ont 
présenté aucune des altérations ou dégénérescences 
signalées par M. Richter; toutes étaient pleines de 
vigueur et parfaitement normales, aussi bien dans l'air 
du laboratoire à la pression normale que dans l'air dé- 
primé. Les expériences ont porté sur pommes de terre, 
aubergines, cyclamen, topinambours, maïs, blé, tabac, 
polygonum sacchalinense, fèves. Les cloches employées 
avaient 55 cm. de hauteur, une contenance de 33 litres 
environ. La pression atmosphérique était abaissée dans 
une partie des cloches au moyen de la trompe à eau à 
V, atmosphère environ (30-40 cm. Hg). Les cloches 
de contrôle, identiques aux autres, étaient fermées 
hermétiquement et traitées de la même manière que les 
autres, sauf pour la pression. 

En tenant compte de la moyenne des diverses expé- 
riences, la croissance est sensiblement accélérée dans 
l'air déprimé. La difficulté qu'il y a d'obtenir des plantes 
supérieures adultes exactement comparables, empêche 
de tirer une conclusion certaine d'un petit nombre 
d'expériences; ce n'est qu'en les multipliant et en 
tenant compte de la moyenne des résultats qu'on observe 
une différence appréciable. 

L'opinion de M. 0. Richter attribuant cette différence 
à l'influence pernicieuse de l'air du laboratoire est, 
dans le cas particulier, absolument insoutenable. Ce 



DES SCIENCES NATURELLES. 61 

qui plus que l'air du laboratoire doit avoir entravé le 
développement des cultures faites par M. 0. Richter à 
Prague, dans l'hiver de 1 902-1 903, c'est le manque de 
lumière. Les cultures faites à Paris, en 1902, par 
M. Jaccard se trouvaient à tous égards dans des condi- 
tions très favorables. 

2° Mycorhizes endotrophes chez Aesculus Hippocas- 
tanum. 

M. Vaage, à la suite d'un travail entrepris dans le 
laboratoire du prof. Frank, à Berlin (1894), sur les 
racines des Hippocastanées, conclut à l'absence de 
mycorhizes chez le marronnier d'Inde et chez les Hip- 
pocastanées en général. M. Sarrauve, dans la Revue 
mycologique, 1904, arrive à la même conclusion. En 
examinant les racines d'un grand nombre de marron- 
niers et de Pavia rubicundra provenant des environs 
de Zurich, l'auteur a rencontré d'une manière constante 
des mycorhizes endotrophes dans les courtes racines 
latérales (Kurzwurzel), ainsi que dans le parenchyme 
cortical des radicelles de tous les individus examinés. 

Dans les « Kurzwurz », le développement des hyphes 
marche de pair avec la disparition des tannoïdes. Le 
tissu sous-épidermique des longues radicelles renferme 
une quantité de spores du type Fusarium mélangées à 
de nombreuses hyphes qui semblent appartenir à l'es- 
pèce endophyte; enfin, le parenchyme cortical ren- 
ferme en assez grande quantité de gros organes (spo- 
rangioles de Jane) remplis de sphérules, qui sont insé- 
rées sur les ramifications des hyphes. 

3° Nouvelle forme de mycorhizes chez VArolle 
(Pinus Cembra). 

En parcourant la Haute-Engadine, l'auteur a recueilli 



62 SOCIÉTÉ HELVETIQUE 

sur les racines de jeuûes arolles croissant sur des cous- 
sins d'airelles couvrant de eros blocs de srranit. de 
grosses nodosités blanches irrégulières, de la grosseur 
d'un pois, portées par les radicelles et s'étalant direc- 
tement sur la couche d'humus et de radicelle eu con- 
tact avec la surface de granit. Un examen rapide a 
montré qu'il s'agit de courtes ramifications radiculaires 
complètement enveloppées d'une pelotte d'hyphes blan- 
ches. Une étude plus complète paraîtra prochainement. 

M. Arnold Rössel. Les champs d'expériences agricoles 

et la nourriture des plantes. 

L'agriculture est en progrès, elle sort définitivement 
de la routine pour devenir une science exacte qui doit 
figurer dorénavant dans le programme de la Société 
helvétique des sciences naturelles. 

Ce sont surtout les champs d'expériences qui sont en 
progrès et qui, dirigés par des savants compétents. 
donnent des résultats d'une haute valeur scientifique. 
On sait aujourd'hui que l'analyse chimique du sol ne 
donne pas de résultats suffisants quant a son influence 
sur le développement des plantes et des espèces, et ce- 
pendant il n'en existe pas moins une relation très 
intime entre les substances minérales qu'elles contien- 
nent et celles contenues dans le sol où se trouve la 
racine. La loi du minimum est absolument démontrée, 
c'est-à-dire que si toutes les substances nécessaires à la 
nourriture des plantes sont contenues dans le sol, à 
l'exception d'une seule qui soil en quantité insuffisante, 
la plante ne se développe qu'en raison de la quantité 
minimum de cette dernière. Une substance nutritive 
minérale ne peut pas être remplacée par une autre; les 



DES SCIENCES NATURELLES. 63 

plantes se nourrissent par la racine de chaux, de po- 
tasse, d'acide phosphorique, de fer, de soude, de 
magnésie, etc., en quantité variable, et il n'est pas 
démontré qu'il n'existe pas une relation intime entre 
certaines plantes rares et des substances minérales rares 
qui sont peut-être contenues dans le sol en quantité 
minimum pour les nourrir. Par l'association de la bota- 
nique, de la chimie et de la physique (analyse spectrale 
des cendres et des substances contenues en minimum 
dans le sol), on arriverait à établir cette relation, si 
toutefois elle existe. 

Un fait démontré, c'est que le développement des 
plantes agricoles donne des indications très exactes sur 
les quantités nutritives contenues dans le sol qui leur 
convient. Pour s'en assurer, il suffit de lire les rapports 
de MM. Dusserre, Chuard, Martinet, Jeanrenaud, Lie- 
chti, chimistes agricoles de nos stations de Lausanne, 
de Sernier (Neuchâtel) et de Berne. M. Dusserre a pu- 
blié un travail très remarquable sur l'influence de 
certaines substances minérales sur les espèces végé- 
tales. 

Une disposition pour champs d'expériences, qui peut 
rendre des services au botaniste qui veut en plein air, 
dans le Jura ou dans les Alpes, faire l'essai de l'in- 
fluence de certaines substances minérales sur les végé- 
taux, est la suivante. On dessine sur le sol une figure 
en forme de croix à branches égales a, b. c, d et e, f, 
g, h. 



64 



SOCIETE HELVETIQUE 
6 






KP 





N 


KP 

N 


N 



e 


KP 



à 



On obtient ainsi neuf carrés, dont quatre en dehors 
de la figure. Ces carrés ont, suivant les circonstances, 
de 1 à 4 mètres de côté. 

Une expérience très intéressante à faire en botanique 
est, par exemple, d'expérimenter l'influence de la 
chaux sur les végétaux, même en terrains qui parais- 
sent calcaires. Si les carrés ont 1 mètre de côté, on 
répand sur les deux surfaces a, o, c, d et e, f, g, h un 
demi kilogr. de calcaire finement pulvérisé; sur la 
branche a, b, c, d, on répand 200 gr. de scories 
Thomas (P), contenant de l'acide phosphorique, et 
1 00 gr. de sel de potasse (K) ; sur la branche c, f, g, h, 
\ 00 gr. de salpêtre du Chili (N). 

M. Rössel est persuadé qu'on arriverait, avec ce 
dispositif si simple, à des résultats très intéressants. 

Dans son exemple : 
4 carrés O servent de témoins. 
2 » KP reçoivent de l'acide phosphorique et de la 

potasse. 
2 » N, de l'azote (salpêtre). 
1 » KP.N, de l'acide phosphorique, de la potasse 
et de l'azote. 

Il est évident que l'on peut varier à volonté les sub- 
stances, que l'on répand sur le sol. 

L'auteur émet le vœu, en terminant, que les résul- 
tats obtenus par les expériences agricoles soient appré- 



DES SCIENCES NATURELLES. 65 

ciés à leur valeur scientifique et que les auteurs de ces 
travaux veuillent bien les communiquer à la Société 
helvétique des sciences naturelles. 

M. Chodat présente une série de cultures pures 
d'algues vertes, de Cyanophycêes et de Diatomacêes. Il 
explique les modes de préparation des milieux à ense- 
mencer et indique les résultats déjà obtenus. En parti- 
culier, il exhibe des cultures très vigoureuses de Hormo- 
coccus dissectus devenues saprophytes à la lumière. Les 
cellules incolores se multiplient et prennent leur car- 
bone dans le milieu de culture sous forme de sucre. Il 
est à remarquer que cette disparition de la chlorophylle 
est surtout provoquée par la présence de combinaisons 
hydrocarbonées, saccharose, glycose, etc., et qu'elle 
n'est point due à la présence de corps azotés organi- 
ques. En effet, ni les amides ni les peptones n'accélè- 
rent ce saprophytisme suivi de décoloration. Au con- 
traire, les cultures qui contiennent une dose suffisante 
de peptone se décolorent le plus lentement. 

Le passage de l'algue à l'état de champignon (dans 
la lumière) paraît donc essentiellement déterminé par la 
présence de substances ternaires (sucre, etc.) 

Ainsi qu'on pouvait le prévoir par ce qu'on sait des 
champignons, le saprophytisme de l'algue est surtout 
caractérisé par sa dépendance vis-à-vis du carbone 
organique. 

Toutes les algues ne se laissent pas ainsi dégrader. 
L'auteur exhibe en particulier des cultures pures de 
gonidies de Solorina crocea, un lichen qui, àia, lumière, 
dans les mêmes conditions que les précédentes, reste 
vert et est peu modifié par la variation des milieux. 

5 



66 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 



Zoologie. 

Président et Secrétaire: M. le D r Fischek-Sigwart (Zofingue). 

Forel, F. -A. Histoire des mouettes rieuses du Léman. Nouveau pro- 
cédé de pêche profoüde. — Fischer-Sigwart. Conséquence de la 
mise à ban du district de Sempach. 

M. F. -A. Forel, de M orges, fait l'histoire des mouettes 
rieuses (Lavus nidibundus) du Léman et de leurs mi- 
grations probables. Ces oiseaux passent l'hiver en grand 
nombre, plusieurs milliers, chez nous où ils viennent 
mendier le pain qu'on leur jette dans les ports de 
Genève, Ouchy, Vevey, Morges, etc. Vers le 20 mars ils 
partent presque tous vers le Nord ; ils vont nicher sur 
les îlots et sur les plages désertes des lacs de Scandi- 
navie, de Finlande, de Pologne, etc. 

Tandis que la grande colonne de retour, comprenant 
les familles de mouettes avec leurs jeunes de l'année 
reviennent au mois d'octobre seulement, dés la fin de 
juin ou dans les premiers jours de juillet on voit arriver 
de grands vols d'adultes, d'après les dénombrements 
faits cette année au nombre de quinze cents environ. 
Trois essais d'explication de ce retour partiel de juillet 
sont proposés dans ces termes : 

Ou bien ce seraient les paires de mouettes dont les 
nids auraient été dévastés par les paysans qui vont 
volontiers sur les rockeries (plages à nichées) piller les 
œufs dont ils sont friands. 

Ou bien ce seraient les parents qui auraient quitté 
les rockeries une fois leurs jeunes émancipés. 



DES SCIENCES NATURELLES. 67 

Ou bien ce seraient les mâles, en nombre superflu 
qui n'auraient pas trouvé à s'apparier (D r Fischer- 
Siegwart). 

Les dénombrements des mouettes du Léman ont 
donné cette année : 

En hiver, plusieurs milliers ; 

En mai et juin, deux cents à trois cents ; 

Au commencement de juillet, mille huit cents à deux 
mille. 

Parmi ces derniers, au mois de juillet on compte 
quelques jeunes au plumage brun, de un ou deux mois 
d'âge ; environ le cinq pour cent du nombre total. Cela 
indiquerait quelques nichées indigènes, peu nom- 
breuses, une cinquantaine peut-être. 

M. F. -A. Forel décrit un nouveau procédé de pèche 
dans la région profonde des lacs. Il attache à une ancre 
des fauberts (paquets d'étoupes) et des balais de fils de 
coton, reliés panine corde à une bouée; il les laisse 
reposer au fond du lac, pendant un, deux ou trois jours, 
puis il les retire et les lave à grande eau dans un large 
baquet. Ces fauberts ramènent nn grand nombre d'ani- 
maux, bien des centaines dans chaque pêche, Hydrach- 
nides, Crustacés, etc. Toute la faune profonde n'est pas 
également représentée, mais certains types sont très 
abondants. 

M. le D r Fischer-Sigwart, de Soleure, rend compte 
d'une série d'observations qu'il a pu faire sur les consé- 
quences de la mise à ban du district de Sempach. 

Ce territoire ayant été mis à ban à partir de l'au- 
tomne 1 900, on y vit bientôt s'établir un grand nombre 



68 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

d'oiseaux de tempérament craintif. Déjà en automne 
1901 de grandes troupes de foulques noires s'abattirent 
sur le lac ; une bande particulièrement nombreuse 
arriva du Nord le 31 octobre et il en resta une partie 
importante pendant tout l'hiver suivant, tandis qu'une 
fraction continua après peu de jours son voyage. L'on 
vit en outre arriver sur le lac de Sempach de petits 
vols de la même espèce, qui s'étaient évidemment déta- 
chés de la colonie établie depuis plusieurs années à 
Lucerne, qui ne se mêlèrent jamais aux foulques du 
Nord et qui restèrent constamment beaucoup moins sau- 
vages. Lorsqu'en janvier -1902 le lac de Sempach gela, 
les foulques du Nord reprirent leur vol vers le Sud, 
tandis que les individus demi-domestiqués du pays 
furent complètement désemparés par ce contre-temps; 
beaucoup périrent de froid et de faim, d'autres se lais- 
sèrent prendre et furent nourris jusqu'au dégel dans des 
poulaillers. Les oiseaux ainsi nourris pendant les jours 
froids revinrent d'eux-mêmes tous les soirs dans leurs 
poulaillers pendant longtemps après qu'ils eurent été 
remis en liberté, ce qui montre à la fois leur état de 
demi domestication et leur filiation avec la colonie de 
Lucerne. 

Les foulques noires sont du reste devenues plus 
abondantes en Suisse depuis quelques années et y sont 
répandues sur des territoires nouveaux ; on en a capturé 
dernièrement chaque hiver dans les environs de Zofin- 
gue, qui étaient sur le point de crever de faim ; elles 
sont apparues à une époque récente seulement sur les 
lacs de Zurich et de Zoug, sur le Mauensee, etc. 

La mise à ban du district de Sempach a favorisé en 
second lieu l'établissement sur le lac du grèbe huppé. 



DES SCIENCES NATURELLES. 69 

Cet oiseau, qui était chassé jusqu'en 1900 chaque hiver 
dans la région deSerapach, n'y avait semble-t-il jamais 
niché. Depuis lors il s'y est au contraire établi et y a 
élevé des couvées. M. Fischer-Siegwart en a observé 
en mai 1904 plusieurs individus en toilette de noce 
(deux mâles et une femelle) et en possède un exem- 
plaire également en toilette de noce dans sa collection. 
D'autres espèces ont profité des avantages du ban 
pour s'établir sur le lac de Sempach ; ce sont le canard 
sauvage, la marouette girardine, la marouette poussin, 
le harle, etc. 



70 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 



Médecine. 

Président : M. le D r G. Stierlin, Winterthur. 
Secrétaire : M. le D r 0. Rössel, Aarau. 

0. Rössel. Nouvelle méthode pour la recherche du sang. — E. Imhof. 
Structure des couches epitheliales des' extrémités des phalanges 
des doigts. — E.-C. Müller. De l'influence qu'exercent les phéno- 
mènes psychiques et physiologiques sur la résistance électrique du 
corps humain. 

M. le D r 0. Rössel (Aarau) fait une communication 
sur une nouvelle méthode pour la recherche du sang 
dans les cas cliniques et les cas de médecine légale. 

Après avoir démontré l'insuffisance des méthodes 
existantes (Heller. Teichmann et Ssryffowski, Kor- 
cynski et T aworski, Weber et Schonbein. Bourquelot). 
M. Rössel décrit sa méthode qui a été simplifiée et amé- 
liorée dernièrement. D'après les expériences de Schär 
et de Boas, elle ne laisse rien à désirer au point de 
vue de la simplicité du procédé, de la sûreté des con- 
clusions et de la beauté de la démonstration. 

Préparation de la substance à examiner. — Le suc 
gastrique, la plupart des urines, les selles diarrhéiques 
peuvent être examinés de suite sans préparation. Cer- 
taines urines qui donnent une émulsion trop épaisse 
avec le réactif, doivent être diluées; il en est de même 
des matières fécales dures. Pour la recherche du sang 
mélangé à des substances qui peuvent également don- 
ner la réaction du gaïac ou de l'aloïne, il faut, dans les 
recherches médico-légales, suivre le procédé indiqué 



DES SCIENCES NATURELLES. 71 

par l'auteur dans un travail antérieur (voir Deutsch. 
Arch. fur Min Med., tome 76, page 515). 

Pour la recherche des traces de sang dans les selles, 
au lieu de dégraisser les selles, on peut les traiter avec 
l'acide acétique glacial et une solution de 70 à 80 °/ 
d'hydrate de chloral; on mélange intimement le mor- 
ceau de matière fécale et le réactif et on laisse digérer 
la bouillie ainsi obtenue pendant quelques heures. 

Réactif à l'eau oxygénée et à l'aloïne. — On verse 
dans un tube à réactif la substance à examiner brute ou 
préparée comme on vient de l'indiquer, de façon à ce 
qu'elle remplisse un quart du volume de l'éprouvette ; 
on acidifie, si cela n'a pas encore été fait, avec 1 cm 3 
d'acide acétique glacial. Pais on y ajoute le double en 
volume d'éther; on agite doucement et on mélange en 
tournant lentement le contenu de l'éprouvette pendant 
deux à cinq minutes. Si l'éther ne se sépare pas nette- 
ment de la masse, on peut en rajouter un peu et secouer 
de nouveau ou verser encore quelques gouttes d'acide 
acétique, ou bien encore refroidir l'éprouvette dans 
l'eau glacée. L'extrait éthéré acétique contient alors 
tout le sang contenu dans l'échantillon à examiner; on 
le reçoit dans une seconde éprouvette propre et on 
lui fait subir la double réaction : 1) une pointe de cou- 
teau de poudre d'aloïne des Barbades est dissoute dans 
l'extrait éthéré; 2) on y ajoute quelques gouttes d'eau 
oxygénée (Merk) concentrée. On agite le tout pendant 
une demi à 5 minutes, jusqu'à ce qu'on voie paraître 
une coloration rougeâtre. C'est le rouge d'aloïne qu'on 
sépare de l'éther en ajoutant quelques gouttes d'eau et 
en secouant l'éprouvette. On voit alors apparaître au 
repos le rouge d'aloïne dissout dans l'eau et séparé de 



72 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 

l'éther. Cette élégante réaction ne se produit que si le 
sang n'est pas putréfié. 

Avant de se servir de l'aloïne des Barbades, il faut 
examiner la sensibilité au réactif avec de l'eau oxygénée 
et des solutions de sang diluées de 1 °/ 00 à 0,50 °/ 00 . 

Schär, au lieu de l'eau oxygénée concentrée, emploie 
un mélange d'eau oxvçénée concentrée diluée avec un 
volume d'eau et de l'alcool concentré, auquel on ajoute 
quelques gouttes d'acide acide, de telle façon que le 
mélange contienne à peu près 1 °/ d'eau oxygénée. 

Le réactif indiqué par le D r Rössel a permis à Boas 
de reconnaître la présence du sang dans les selles dans 
65 cas de cancer de l'estomac sur 67. 

Elle est utile également pour le diagnostic de l'ulcère 
rond de l'estomac ou du duodénum, ou du carcinome 
intestinal, en tenant compte des causes d'erreur qui 
pourraient venir de sang avalé ou du sang d'hémor- 
rhoïdes. Il faut, avant de se prononcer, faire des exa- 
mens répétés. Comprise ainsi,, cette réaction devient 
un complément indispensable du diagnostic des mala- 
dies précitées. 

M. Othm. E. Imhof (Zurich) fait une communication 
sur la structure des couches epitheliales des extrémités 
des phalanges des doigts. 

M. Eugène-Conrad Müller (Zurich) fait une commu- 
nication intitulée : De l'influence qu'exercent les phé- 
nomènes psychiques et physiologiques sur la résistance 
électrique du corps humain. 

Les recherches faites sur la résistance électrique du 
corps humain, ont démontré son extrême variabilité, 
qui dépend principalement des facteurs suivants : 



DES SCIENCES NATURELLES. 73 

\ . Le moment de la journée où l'on fait les mensu- 
rations. 

2. Les habitudes de la personne en expérience. 
Ainsi les abstinents ont un degré très élevé de résistance 
électrique, les alcooliques un degré relativement 
abaissé. 

3. L'état psychique et nerveux de la personne en 
expérience. Ainsi on a pu constater des modifications 
bien nettes de la résistance par des excitations psychi- 
ques qui la diminuent en général. Les neurasthéniques 
et les nerveux présentent une diminution bien nette ; 
dans l'état hypnotique, la courbe de résistance présente 
une allure spéciale. 

4. Certains phénomènes physiologiques accentués, 
tels que la respiration forcée, diminuent la résistance 
électrique. 

5. L'action de courants alternatifs sur des personnes 
neurasthéniques à faible résistance électrique augmente 
cette résistance. 



74 SOCIÉTÉ HELVÉTIQUE 



Art de l'ingénieur. 

Président : M. le D-" H. Sulzer-Steiner. Winterthur. 
Secrétaire: M. 0. Girowitz, professeur, Winterthur. 

H. Biiler. Destruction des balayures par combustion. — 0. Imhof. 
Triangulation et hydrographie. 

M. Butler, de Zurich, fait une communication sur 
la destruction des balayures par combustion. Le pro- 
duit du balayage des habitations est un des véhicules 
les plus dangereux des germes de maladies de toutes 
sortes. L'utilisation a peu près nulle de ces matières 
fait qu'elles s'accumulent rapidement dans les grandes 
•cités et qu'une saine administration urbaine doit recher- 
cher les meilleurs moyens de s'en débarrasser autre- 
ment que par des dépôts aux alentours des villes, en 
les enfouissant dans le sol ou en les noyant dans les 
rivières, les lacs ou la mer. 

Parmi les différentes méthodes proposées pour se 
débarrasser des balayures, ie seul pratique s'est trouve 
être la combustion. L'Angleterre peut se vanter d'avoir 
la première, il y a 30 ans déjà, employé ce procédé. 
Après qu'il eut été bien établi qu'avec des fours appro- 
pries on peut éviter toute production de gaz méphiti- 
ques et l'apport d'autres substances inflammables pour 
la combustion des balayures, ce moyen de destruction 
pénétra aussi sur le continent. 

Toute installation destinée à ce genre de combustion 
consiste en un four dans lequel sont traitées les balayu- 
res, et une vanne de tirage par laquelle les produits 
gazeux s'échappent dans la cheminée et de là dans 
l'air. Le four se divise en plusieurs compartiments 



DES SCIENCES NATURELLES, 75 

dont la sole est inclinée de 25° à 30°. Les balayures sont 
introduites dans la partie supérieure de ces divers 
compartiments. Les résidas et scories descendent, à la 
partie inférieure et tombent dans un cendrier, tandis 
que les produits gazeux s'échappent par de petits ca- 
naux percés dans la voûte de chacun des comparti- 
ments et aboutissant à la vanne de tirage. Comme la 
température de ces derniers atteint environ 500°, on 
les utilise pour la production de vapeur. Pour éviter 
que les gaz ainsi utilisés entraînent les poussières no- 
cives dans l'atmosphère, on dispose un filtre à pous- 
sière entre le foyer de la chaudière qu'ils actionnent et 
la cheminée. 

Les résidus de combustion qui sont complètement 
stériles, représentent à peu près le 40 % du volume 
des balayures traitées. Ils peuvent être utilisés comme 
matériaux d'agrégation et employés pour du mortier 
ou des plots de béton. Leur valeur comme engrais 
peut être considérée comme à peu près nulle. Leur 
teneur est : 

P 2 O s = 4.3 à 4.4 °/o K 2 = 0.4 à 0.8 °/o 

Les données manquent encore pour apprécier le ren- 
dement des balayures comme production de chaleur. 

Une installation de cette nature fonctionne depuis 
trois mois à Zurich , et s'il est impossible de dire encore ce 
que sera son rendement industriel, on peut relever dès 
à présent sa haute valeur au point de vue sanitaire, de 
nature à encourager d'autres administrations urbaines. 

M. 0. Imhof, à Brugg, présente ses idées sur la 
triangulation et V hydrographie. Ce travail n'est pas 
destiné à la publication. 



TABLE DES MATIÈRES 



Pages 
Introduction 3 



Mathématiques et Physique, 

A. Gockel. Gaz radioactif dans l'air et le sol. — Ed. Guillaume. Théorie 
des aciers au nickel. — Lüdin. La dispersion des lignes du courant 
électrique dans les électrolytes. — J. Maurer. Les ballons-sonde en 
Suisse. — J. Kunz. Influence de la température sur les propriétés 
magnétiques de la pyrrhotine. — Kleiner. La résistance et le coef- 
ficient de selfinduction pour les oscillations électriques. — P. Weiss. 
Un nouveau fréquence-mètre. — E. Steinmann. Détermination 
rapide de la force électromotrice et de la résistance intérieure d'un 
générateur électrique. — R. de Saussure. Des axes de mouvement 
compatibles avec les liaisons d'un système invariable qui possède 
n degrés de liberté. — E. Hagenbach. Détermination delà viscosité 
d'un liquide par son écoulement à travers un tube capillaire. . 5 

Chimie. 

A. Werner. Sur quelques nouveaux sels de chrome. — A. Jaquerod. 
La densité de l'anhydride sulfureux et le poids atomique du soufre. 
— 0. Billeter. Sur l'autoxydation des dialcoylxanthogénamides. — 
A. Pictet. Sur la constitution de la strychnine. — E. Schser. 
A propos des réactions du sucre et du biuret. — H. Rupe. Sur la 
réduction des cétones non saturées. — E. Pfeiffer. Sur quelques 
sels aquochromiques. — E. Schser. Phénomènes d'oxydation spon- 
tanée et interne 21 

Géologie. 

H. Schardt. Les travaux du Simplon au point de vue géologique. 
Parallélisme du Dogger jurassien. — E. Mühlbert. Carte géologique 



78 TABLE DES MATIÈRES. 

Page 
au 1 : 25,000 des environs de Brugg, ■ — J. Meister. Le Kesslerloch 
près de Thayngen et les formations postglaciaires adjacentes. — 
J. Früh. Collines molassiques au S. du lac de Constance. — 
L. Werli. Carte des gisements de charbon de la Suisse. — L. Rol- 
lier. Nouvelle édition de la feuille VII de la Carte géologique au 
1 : 100,000 de la Suisse. Dysodile à Oberdorf, près de Soleure. Le 
calcaire grossier du Randen. — A. Heim. Nouvelles observations 
dans la chaîne du Sentis 35 

Botanique. 

R. Keller. Formes biologiques du Salvia pratensis. — Ntegeli. L'élé- 
ment atlantique de la flore du nord-est de la Suisse. — Rikli. 
L'élément alpin dans la flore du Laegern. — Vogler. Le taxus bac- 
cata en Suisse. — Keller. Les Cerastium de la flore suisse. — 
Teilung. Plantes adventices du canton de Zurich. — Hegi. Les 
plantes alpines de l'Oberland zurichois. — Senne. La position noc- 
turne des grains de chlorophylle. — Ernst. Les produits de l'assi- 
milation et du métabolisme chez les Darbesia. — G. Huber. Etude 
limnologïque de quelques lacs du Tyrol méridional. — Schellen- 
berg. Quelques Sclorotinia nouveaux. — Jaccard. Influence de la 
pression sur la croissance des végétaux. — Rössel. Les résultats 
modernes des champs d'expériences. — Chodat. Cultures pures 
d'algues vertes 49 

Zoologie. 

F. -A. Forel. Histoire des mouettes rieuses du Léman. Nouveau pro- 
cédé de pêche profonde. — Fischer-Sigwart. Conséquence de la 
mise à ban du district de Sempach 66 

Médecine. 

O. Rössel. Nouvelle méthode pour la recherche du sang. — E. Imhof. 
Structure des couches epitheliales des extrémités des phalanges des 
doigts. — E.-C. Müller. De l'influence qu'exercent les phénomènes 
psychiques et physiologiques sur la résistance électrique du corps 
humain 70 

Art de l'ingénieur. 

H. Büler. Destruction des balayures par combustion. — 0. Imhof. 
Triangulation et hydrographie 74 



Société générale d'imprimerie, successeur de Ch. Eggimann & C ie , 
18, Pélisserie. Genève. 



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